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2. Kapitel

 Ordnung und Sauberkeit

 

 

 

 

 

Als die beiden Mädchen an die Haustür der Familie Schwarte kamen, putzte Berta sich erst einmal die Finger sauber, bevor sie auf die Klingel drückte.

 

 

 

Bertas Mutter, Frau Schwarte, öffnete den beiden. Entgeistert starrte sie erst auf Berta, dann musterte sie Elfriede.

 

„Guten Abend, Frau Schwarte.“ sagte Elfriede höflich, aber die hob nun die Hände und jammerte: „Wie seht ihr denn aus, das ist ja schrecklich. Am besten geht ihr durch den Keller ins Haus. Womöglich macht ihr sonst alles schmutzig.“

 

 

 

Die beiden Mädchen gingen zur Kellertür auf der anderen Seite des Hauses. Als Berta die Kellertür öffnete, stand dort ihre Mutter schon wieder.

 

„Zieht bitte euere Sachen vor der Tür aus, der Dreck mussFrau Schwarte im Einsatz draußen bleiben!“

 

 

 

„Sollen wir die schmutzigen Sachen in den Wäschekorb legen, Mama?“ fragte Berta.

 

„Selbstverständlich, aber wickelt sie vorher in Handtücher ein, damit nichts auf den sauberen Boden tropft.“

 

Elfriede und Berta taten, wie Frau Schwarte gesagt hatte. Dann gingen sie zur Badewanne. Als sie das Wasser einlassen wollten, meinte Frau Schwarte, dass sie nicht soviel Schaum machen sollten.

 

„Schaum hinterlässt immer hässliche Ränder in der Wanne”, fügte sie hinzu.

 

„Und spritzt kein Wasser auf den Fußboden, der ist frisch gewischt.“

 

Elfriede seufzte erleichtert auf, als Bertas Mutter gegangen war. Das warme Wasser war herrlich und Elfriede wusch sich sogar freiwillig die Haare, genauso wie Berta. Als sie fertig waren und Elfriede sich abtrocknete, begann Berta, die Badewanne mit einem Lappen trocken zu reiben.

 

 

 

„Was machst du denn da, Berta?“

 

„Wenn man die Wanne gleich wieder trocken reibt, gibt das keine Flecken.“

 

„Ja, aber die Wanne steht doch in eurem Keller, das sieht doch keiner.“

 

„Darum geht es nicht, meine Mama sagt immer, alles muss ordentlich und gepflegt sein, denn Schweine sind ordnungsliebend.“

 

„Also, ich freue mich schon auf ein ordentliches und gepflegtes Abendessen“, sagte Elfriede. „Lass uns nach oben gehen!“

 

„Ich freue mich auch, aber häng bitte vorher dein gebrauchtes Handtuch zum Trocknen auf.“

 

„Wozu?“ Langsam wurde Elfriede sauer. „Das kommt doch sowieso in die Waschmaschine.“

Rosie und Berta

 

 

„Darum geht es nicht, alles muss ordentlich und gepflegt sein, Schweine sind nämlich ordnungsliebend.“ Berta rümpfte die Nase und ging die Treppe nach oben. Elfriede folgte ihr seufzend.

 

„Bitte nehmt doch Platz, Kinder.“

 

Frau Schwarte zeigte auf den Tisch.

 

„Papa kommt heute leider ziemlich spät, er macht noch Überstunden.“

 

Elfriede beugte sich zu Berta.

 

„Als was arbeitet dein Vater denn?“

 

„Er arbeitet in einem Möbelladen und putzt dort die Möbel, die neu angeliefert werden.“

 

 

 

 

 

Nun wurde eine große Schüssel auf den Tisch gestellt. Jeder bekam einen noch größeren Teller, auf dem eine Landschaft in

 

rosa und blauen Farben dargestellt war. Das Besteck glänzte so sehr, dass es aussah, als würde es das allererste Mal benutzt. Daneben lagen Servietten, die mit einem glänzenden, silbernen Ring zusammengehalten wurden. Auf dem Tisch stand auf einer weißen Tischdecke eine rote Kerze.

 

 

 

„Darf ich die Kerze anzünden, Frau Schwarte?“ fragte Elfriede.

 

Mutter und Tochter sahen sie entgeistert an.

 

„Natürlich nicht, Elfriede“, sagte Frau Schwarte entrüstet, „die bleibt aus, denn erstens stinken Kerzen und zweitens könnte Wachs auf die saubere Tischdecke tropfen.“

 

„...und pass bitte auf, dass du beim Essen nicht kleckerst,“ fügte Berta hinzu.

 

Aber nun war es endlich so weit und Frau Schwarte reichte Elfriede eine große Zange mit den Worten: „Unser Gast soll anfangen.”

 

Gierig nahm Elfriede den Deckel der Schüssel hoch und langte mit der Zange hinein. Als sie die Zange herauszog, hatte sie 5 Salatblätter darin. Rosie und Berta

 

„Bitte nicht so viel auf einmal nehmen“, tadelte Frau Schwarte, „sonst fällt etwas über den Tellerrand auf den Tisch.“

 

 

 

Seufzend packte Elfriede 2 Blätter wieder zurück, reichte die Zange weiter und wollte sich die verbleibenden 3 Blätter in den Mund stopfen.

 

„Wir haben einander noch nicht guten Appetit gewünscht,“ gab Berta zu bedenken.

 

„Guten Appetit.“

 

„Guten Appetit, Elfriede. Möchtest du noch ein Tischgebet sprechen?“

 

„Danke, nein, Frau Schwarte.“

 

Endlich konnte Elfriede nun die 3 Salatblätter essen. Kaum hatte sie alles heruntergeschluckt, nahm Elfriede wieder die Zange, um Nachschub zu holen.

 

„Bitte jeder nur noch ein Salatblatt“, meldete sich Frau Schwarte, „Es gibt gleich Nachtisch.“

 

 

 

Nachdem alle aufgegessen hatten, wurde der Tisch abgeräumt und wieder neu gedeckt.

 

Diesmal waren die Teller etwas kleiner, dafür gab es neue Servietten. Eine neue Schüssel wurde gebracht und auf den Tisch gestellt. Elfriede sagte diesmal nichts, als auch noch eine neue Kerze aufgestellt wurde. Diesmal war Berta dran. Sie nahm eine große Gabel und holte sich aus der Schüssel eine Gewürzgurke. Dann gab sie die Gabel an Elfriede weiter.

 

„Wenn wir mit dem Essen fertig sind, dann helft bitte alle mit beim Abräumen“, meldete sich nun Frau Schwarte wieder. „Ich werde das Geschirr einweichen, Berta wird abwaschen und Elfriede abtrocknen. Danach müssen wir noch eine neue Tischdecke auflegen.“

 

„Wieso durften wir denn nicht kleckern, wenn die Decke sowieso ausgetauscht wird?“ Elfriede wurde langsam ungeduldig. Berta sah sie verärgert an und antwortete: „Weil, liebe Elfriede, es so sein muss. Ordnung und Sauberkeit sind sehr, sehr wichtig, du weißt ja, ....“

 

„Ja, ja, Schweine sind ordnungsliebend“, stöhnte Elfriede, „aber ich habe noch Hunger. Können wir vor dem Fernseher etwas zu Knabbern kriegen, Frau Schwarte?“

 

Bertas Mutter fielen fast die Augen aus dem Schweinekopf. Sie hielt sich an dem Türpfosten fest und glotzte Elfriede verständnislos an. Dann zog sie ihre Hand zurück, holte einen Lappen und putzte die Stelle, an der sie sich am Türpfosten festgehalten hatte.

 

„Was willst du vor dem Fernseher?“ röchelte sie.

 

„Na,ja, etwas Süßes knabbern“, Elfriede war nun doch stark verunsichert. „Weil, das machen wir zu Hause auch.“

 

„Also erstens gibt es hier abends kein Fernsehen und zweitens wird im Wohnzimmer nichts gegessen. Es könnte ja erstens etwas auf den schönen sauberen Teppich fallen und zweitens ...“

 

„Ich weiß“, stöhnte Elfriede. „Ordnung und Sauberkeit sind sehr, sehr wichtig.“

Rosie und Berta

„Genau, außerdem müsst ihr vor dem Schlafen gehen noch einmal Bertas Zimmer staubsaugen und lüften, die Betten müssen noch bezogen werden und ....“

 

Das Telefon läutete und Frau Schwarte eilte hin, um den Hörer abzunehmen.

 

„Sag mal, lebt ihr schon lange so?“ fragte Elfriede ihre Freundin.

 

„Wieso, geht das denn auch anders?“

 

In diesem Moment kam Frau Schwarte wieder und berichtete, dass am Telefon Gertrude Bommel war und dass etwas mit Elfriedes Vater geschehen sei.

 

„Deine Mutter sagt, er ist von der Leiter gefallen, als er irgendetwas reparieren wollte. Weil sein Fuß so weh tut, will sie ihn erst einmal ins Krankenhaus fahren, damit er geröntgt wird, sagt sie.“

 

 

 

Elfriede sah sie mit großen Augen an, als Frau Schwarte fortfuhr: „Auf dem Weg zum Krankenhaus bringen sie noch schnell deinen kleinen Bruder vorbei, denn der kann ja nicht alleine bleiben!“

 

Elfriede tat der arme Papa leid. Immer hatte er Pech bei solchen Sachen, aber dann hellte sich ihre Miene auf: Bruno würde für heute Nacht in das Haus der Familie Schwarte einziehen! Welch ein Glück! Sie hätte nie gedacht, dass sie sich so sehr über ihren Bruder freuen würde.

 

„Muss das sein?“ Elfriede tat, als wenn ihr das überhaupt nicht gefiel.

 

„Also ich würde mich freuen, wenn mein Bruder mich besuchen käme.“

 

Frau Schwarte wollte noch etwas hinzufügen, als es an der Tür klingelte.

 

„Oh, liebe Gertrude, komm doch rein“, sagte Frau Schwarte zu Frau Bommel, als sie die Tür öffnete.

 

„Das geht leider nicht, Rita, ich muss den armen Kerl erst in die Klinik fahren.“

 

 

 

„Hach, der kann doch nichts richtig machen, meine Liebe.“

 

„Na,ja, er hat eben Schmerzen im Bein.“

 

„Ach, der soll sich nicht so anstellen“, fügte Frau Schwarte noch hinzu, während Gertrude Bommel ihren beiden Kindern noch einen Kuss aufdrückte und zurück zum Wagen ging.

 

 

 

Elfriede kochte vor Wut. Wie kam diese blöde Frau Schwarte dazu, ihren Papi so schlecht zu machen? Bruno guckte gelangweilt wie immer, aber Elfriede war sicher, dass auch er verstanden hatte, was los war. Dumm war er schließlich nicht. Bertas Mutter wandte sich nun an sie.

 

„Sag deinem Bruder bitte, wie er sich zu benehmen hat. Vielleicht geht er zuerst einmal ins Bad und wäscht sich die Hände. Bestimmt hat er das den ganzen Tag über noch nicht gemacht.“

 

„Ist gut, das mache ich schon.“ Elfriede trat dicht an Bruno heran und erzählte ihm etwas über Ordnung und Sauberkeit. Dabei zwinkerte sie ihrem Bruder zu. Mit einem gelangweilten Blick ging Bruno ins Badezimmer.

 

Frau Schwarte war gerade damit beschäftigt, die Haustür mit einem Lappen abzuwischen, als es im Badezimmer klirrte und schepperte. Erschrocken unterbrach sie ihre Putztätigkeit und lief ins Haus um nachzusehen. Elfriede und Berta blieben im Flur stehen und sahen einander fragend an. Dann ertönte ein Schrei. Das war Frau Schwarte, die nun aus dem Bad gerannt kam und rief: „Er hat die Seife gegen die Deckenlampe geschossen! Alles ist voller Scherben und Seife!“

Rosie und Berta

 

 

„Och“, meinte Elfriede, „dann ist ihm bestimmt die glitschige Seife beim Waschen aus den Händen geflutscht. Das ist ja schrecklich, aber er ist nun einmal ein reinlicher Ottifant, der es gerne sauber hat.“

 

 

 

Berta sah sie von der Seite an.

 

„Das ist mir aber neu“, flüsterte sie Elfriede zu.

 

„Er ist ja auch noch am Üben.“

 

Laut jammernd holte Frau Schwarte nun Handfeger, Schaufel, Wischlappen und Eimer, um sofort mit der Wiederherstellung des Badezimmers zu beginnen. Damit die Kinder ihr nicht im Wege waren, befahl sie ihnen, in die Stube zu gehen und etwas zu lesen. Nur den Fernseher sollten sie aus lassen, weil „Fernsehen ja dumm macht“. Lediglich die Werbesendungen, in denen über neue Reinigungs- und Waschmittel berichtet wurde, fand Bertas Mutter interessant.

 

Die drei Kinder machten es sich im Wohnzimmer bequem und nahmen sich jeder eines der dort sauber gestapelten Bücher. Elfriede las die Titel. Es waren so spannende Geschichten wie „Rudi lernt sein Fahrrad putzen“, „Hanni und ihre Abenteuer beim Abwaschen“ oder „Das Schmutzmonster und die mutigen Putzbären“.

 

Angewidert legte sie die Bücher beiseite und sah fasziniert zu, wie Bruno versuchte, die Fernbedienung auszuprobieren. Endlich gelang es ihm und nun sahen die drei Kinder, wie sich eine Katze und eine Maus auf dem Bildschirm prügelten. Dabei zerlegten sie nicht nur das gesamte Haus, sondern auch den Garten und den umliegenden Stadtteil. Zwischendurch drang das Stöhnen und Jammern von Frau Schwarte herüber, die noch nicht alle Schmutzflecken im Badezimmer gefunden hatte. Aber das interessierte niemanden, denn das, was sich im Fernseher tat, war weitaus interessanter. Nach einiger Zeit hatten Katze und Maus sich wieder vertragen, weil es nichts mehr kaputt zu machen gab und die ganze Stadt in Schutt und Asche lag. In diesem Moment betrat Frau Schwarte das Zimmer. Sie sah den eingeschalteten Bildschirm und die Unordnung, die diese Zeichentrickfiguren gemacht hatten.

 

„Berta, was ist das?“

 

„Das sind Tom und Jerry, Mama.“

 

„Ich meine, was soll das?“

 

„Die haben sich gekloppt.“

 

 

 

„Ja, aber seht ihr denn nicht, Kinder, was die für einen Dreck gemacht haben? Wer, glaubt ihr wohl, soll das alles sauber machen?“

 

„Der Zeichner.“ Elfriede war sich da ganz sicher.

 

Frau Schwarte schaltete den Fernseher aus und nahm dem heulenden Bruno die Fernbedienung weg.

 

„Ihr geht euch jetzt sofort waschen!“

 

„Aber Mama, wir sind doch schon gewaschen.“

 

„Dann wischt bitte die Fernbedienung ab. Danach geht ihr alle Zähneputzen. Es ist Zeit ins Bett zu gehen.“