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Kapitel 3

Die Rückreise

 

"McClown, sind sie endlich fertig? Geht das nicht schneller? Muss ich denn immer alles alleine machen?

Lord McShredder war so verärgert, dass er beinahe aus seinem bequemen Rollstuhl aufgestanden wäre, um seinen Butler zu suchen. Verärgert griff er in seine Hosentasche, um etwas Tabak hervor zu holen. Bis auf ein paar Krümel Tabak und Reste von einem Taschentuch fand er nichts, doch was er fand, stopfte er hastig in seine Pfeife.

"McClown! Es ist dringend!"

Hechelnd und keuchend kam der arme Butler angerannt und lief auf den Lord zu.

"Sir, die Käufer für das Landhaus warten!"

"Häh? Die Koffer sollen im Pfandhaus warten? McClown, was erzählen sie wieder für einen Quatsch! Ich habe kaum noch Tabak, und sie machen blöde Witze. Nun gehen sie schon Tabak holen, und stehen sie hier nicht so untätig rum!"



Frido McClown rannte, so schnell er konnte. Weit kam er jedoch nicht, dann hörte er wieder die schnarrende Stimme seines Herrn.

"McClown!"

Er drehte auf dem Absatz um und rannte zurück zu der Stelle, an der er gerade eben noch gestanden hatte. Mit funkelnden Augen lauschte er, was der Lord ihm zu sagen hatte.

"Wenn sie ohnehin schon einen Spaziergang in die Stadt machen, dann bringen sie mir gleich Tee mit. Eine gute Tasse Tee dient nämlich der Beruhigung. Am besten, sie kochen sich danach auch eine Tasse, mein Lieber. Sie wirken schon wieder etwas nervös.

He, McClown, hören sie auf, gegen den Zaun zu treten!"

In der Tat hatte der Butler schon längst die Grenzen seiner Geduld überschritten. Die Koffer waren gepackt, allerdings nicht vollständig. So fehlte beispielsweise die beträchtliche Sammlung von Tabakpfeifen, die sich der Lord zugelegt hatte. Es waren fast 600 Stück. Auch die unzähligen Zeitungen und Illustrierten, die der Lord seit Jahren gesammelt hatte, traten den Rückweg in die Heimat nicht mehr an. Frido McClown hatte ein Brett aus dem Fußboden im Esszimmer herausgenommen und Pfeifen samt Zeitschriften hinein geschoben. Dann nagelte er das Brett wieder fest und war froh, dass er all das Gelumpe nun nicht auch noch nach Hause schleppen musste.

Inzwischen hatte er den kleinen Ort erreicht, der sich nur wenige Minuten zu Fuß vom Landhaus befand. Kurz darauf rannte er zurück, setzte Tee auf, verhandelte mit einem ehemaligen Stierkämpfer, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, und verkaufte dem das Landhaus. Dann brachte er Lord McShredder den Tabak, goss den Tee ab und telefonierte. Noch während er die Nummer wählte, hörte er ein krächzendes "McClown, wo bleibt der Tee?" doch das interessierte ihn nun nicht.

Er rief seinen alten Freund, den Kapitän, an. Es war derjenige, der ihn damals nach Reykjavik als blinden Passagier mitgenommen hat. Niemals würde der Butler vergessen können, dass dieser Seemann die Hamster vor dem sicheren Tod gerettet hatte, damals im Sturm, als McClown über einen Tampen gestolpert war. Ach, die lieben, niedlichen Hamster! Die Tränen schossen ihm in die Augen, und er dachte an die stürmische Landung mit dem Heißluftballon in Strathy Point. Immerhin hatte der Kapitän ihm soeben am Telefon zugesagt, sie nach Schottland zurück zu fahren. Im Hafen von Vivero würde er sie in 2 Tagen abholen. Während der Butler noch überlegte, wie sie nach Vivero kommen würden, ging er zu seiner Lordschaft zurück.

 

"McClown, sie pennen ja am helllichten Tag! Jetzt haben sie den Tee vergessen. Wenn man nicht alles selber macht..."



"Häh, Sir, ich habe Schnee gefressen? Was sie nicht sagen..." äffte der Butler die Schwerhörigkeit des Lords nach und wich geschickt der Tabakspfeife aus, die McShredder nach ihm geworfen hatte. Dann machte er sich daran, die Koffer fertig zu packen.

Das wüste Geschimpfe des Lords interessierte ihn nicht, und zufrieden beobachtete der Butler, wie der Lord sich fluchend aus seinem Rollstuhl quälte, um die brennende Pfeife aufzuheben, bevor der Teppich in Flammen aufging. Das Packen der Koffer war schnell beendet, und der Butler hörte den Lord schon wieder krähen:

 

"McClown, wo bleibt das Schiff?"

"Sir," rief McClown, "das Schiff bleibt im Hafen, mit Verlaub."

"In welchen Hafen?" krächzte der Lord.

"In Vivero, Sir."

"Wo liegt das?"

"Hinter Magazos, Sir."

"Aha, und wo liegt Magazos?"

"Hinter Fonterova, Sir."

"Aha, und Fonterova?"

"Ein paar Kilometer westlich, Sir. In Spanien, Sir. Auf der Erde, Sir."

"Aha, und wo liegt..., McClown, ich bin nicht blöd! Natürlich weiß ich, dass wir uns in Spanien befinden. Dann überlegen sie sich mal ganz schnell, wie ich dorthin kommen soll. Es ist nicht sehr gemütlich für mich, wenn sie mich den ganzen holperigen Weg schieben."

"Selbstverständlich nicht, Sir, ich werde mich sofort nach einer Fahrgelegenheit umsehen."

 

 

Die wenigen Einwohner des kleinen Dorfes Fonterova verbrachten ihr Leben in gemütlicher Langeweile. In diesem verlassenen Nest passierte nie etwas, doch an diesem Nachmittag sollte sich das ändern. Während Dorf und Bewohner vor sich hin dösten, näherte sich ein Mann aus östlicher Richtung ihrem Dorf. Er zog einen kleinen Esel hinter sich her. Dieser Esel wiederum zog einen alten Holzkarren. Auf diesem Holzkarren war ein Rollstuhl befestigt. In diesem Rollstuhl saß ein alter Mann. Er rauchte eine Pfeife und schien verärgert zu sein. Ganz deutlich hörten die verschlafenen Dorfbewohner, wie der alte Mann den anderen, der den Esel zog, beschimpfte.

 

 

"McClown, sie hirnrissiger Trottel, warum haben sie kein Taxi bestellt?"

"Sir, es gibt hier keine Taxis, und den Trecker haben wir verkauft!"

"McClown, ich will einen Tee!"

"Es gibt hier keinen Tee, Sir, und bitte hören sie auf zu schreien, der Esel dreht gleich durch!"

"Kein Tee? Sie undankbarer Kerl, McClown!"

 

Die erstaunten Bewohner dieses friedlichen spanischen Dorfes schauten zu, wie der wütende alte Mann, der wie auf einem Thron auf dem Holzkarren saß, seine Pfeife nach dem jüngeren Mann warf. Die Pfeife traf jedoch den völlig unbeteiligten Esel, und die heiße Asche kokelte die Mähne seines Rücken an. Der Esel tat das, was jedes Tier machen würde, wenn es angekokelt wird: es gab einen lauten Schmerzensschrei von sich und rannte los, so schnell es konnte. Begeistert beobachteten die Dorfbewohner das, was sich auf der Dorfstraße tat. Ein Esel, an dessen Mähne ein kleine Rauchfahne zu sehen war, zog mit rasender Geschwindigkeit einen Holzkarren über die holperige Straße hinter sich her. Auf diesem Holzkarren saß noch immer der alte Mann in dem Rollstuhl, doch nun hüpfte er auf und ab und hatte große Mühe, sich festzuhalten. Zu guter Letzt war da noch der Mann , der vorher den Esel gezogen hatte. Er ruderte wild mit den Armen und rannte schreiend hinter dem Holzkarren her.

Die Bewohner des verschlafenen Dorfes sahen der merkwürdigen Reisegruppe noch lange hinterher, solange, bis nur noch eine kleine Staubwolke in der untergehenden Sonne zu sehen war. Einer der Bewohner, ein alter Mann mit wenigen Zähnen, schüttelte den Kopf und sagte zu seinem Nebenmann:

"Gringos!"1



Der Nebenmann, der sich gerade wieder zu einem Nickerchen hinlegen wollte, öffnete kurz die Augen und antwortete:

"Ja, immer in Hektik. Diese Gringos, sie kennen keine Ruhe und Beschaulichkeit."

 

Es dauerte nun nicht mehr lange, bis Lord McShredder und sein Butler Frido McClown am Hafen von Vivero ankamen. Der arme Esel, dem schon die halbe Mähne verglüht war, sprang laut "iaahhhhh" rufend in das Wasser des Hafenbeckens. Der Butler versuchte verzweifelt, den Rollstuhl samt Lord festzuhalten, doch mit einem lauten Platscher fielen alle ins Wasser.

"Dascha ja prima, Jungs, dat ihr schon da seid, dann könn' wir gleich losfahren!"

Der Kapitän lachte, er stand an der Reling seines Schiffes und warf McShredder eine Leine zu. Es dauerte eine Weile, bis der schimpfende Lord an Bord gezogen war. Der Esel schwamm an Land zurück, denn der Holzkarren samt Rollstuhl waren in Einzelteile zerlegt und trieben im Wasser. McClown betrat als letzter das Schiff, denn er hatte die undankbare Aufgabe, die Koffer im Wasser einzusammeln. Nun waren alle an Bord und die Heimreise nach Schottland konnte beginnen.

Das Schiff legte ab, und bald würden sie das alte Schloss wiedersehen.


1 (verächtlich: Jemand, der kein Spanier ist)