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Kapitel 42

Wieder zu Hause

 

Der Bürgermeister saß an den Reservereifen gelehnt und grinste breit. Entsetzt stand die Hamsterschar um ihn herum und betrachtete ihn mit großen Knopfaugen.

"Is' was?", fragte der Bürgermeister und lächelte in die Runde.

"Naja," druckste Tuffi, "wir hatten gedacht, dass du schon wieder, na, du weißt ja schon."

"Ich doch nicht," tönte der Bürgermeister und erhob sich. "Wisst ihr, was mir gerade eingefallen ist? Bestimmt werden wir mit dem Schiff fahren und das bedeutet..."

"Fressen bis zum Abwinken," warf Goldi ein.

"Genau," quiekte der Bürgermeister vor Freude, "und das Meer gibt es auch noch gratis dazu."

Flecki sah ihn erst böse an, als er das Wort 'Meer' aussprach, doch dann wandte sie sich an Goldi.

"Woher weißt du denn, dass es da etwas zu fressen gibt, bist du denn schon mal mit einem Schiff gefahren?"

"Nö, aber das weiß doch jeder. Übrigens bin ich sogar fast schon mal mit einem Flugzeug geflogen."

"Aha," entgegnete Flecki ungläubig, "und wieso nur fast?"



"Nun, als ich mit meinem Koffer in die Maschine von 'Hamster-Airlines' einsteigen wollte, kam da so ein Typ in Uniform und fragte: Waffen? Munition? Sprengstoff?"

"Und?" hauchte Flecki neugierig.

"Naja, ich habe zu ihm gesagt: danke, das brauche ich nicht, das habe ich alles selber dabei..."



Der Rest von Goldis Worten ging im Gelächter der Hamster unter.

"Da fällt mir gerade etwas ein", gackerte Bauleiter Murksel. "Einmal hatten wir einen Notruf von einer Rennmaus. Sie stand mit einem LKW vor einer Brücke und kam nicht weiter, weil das Fahrzeug zu hoch war."

"Und?" fragte Dodo neugierig, "habt ihr helfen können?"

"Klar," grinste der Bauleiter, "wir haben ihr gesagt, dass sie die Luft aus den Reifen lassen soll, und wisst ihr, was diese blöde Rennmaus dann gesagt hat?"

Die Hamster schüttelten die Köpfe.


"Sie hat gesagt, hi, hi, also, sie hat gesagt: das nützt doch nichts wenn er unten durchkommt, denn der Wagen kommt doch oben nicht durch!"

George, der sich über den Lärm der Hamster wunderte, steuerte inzwischen den Wagen über den Queens Quay direkt auf die Fähre zu. Dank der großzügig bemessenen Summe Geldes, die der Lord ihm mit auf den Weg gegeben hatte, gönnte sich George die größte und beste Kabine. Ohnehin war es sicherer, sich das Essen in die Commodore-Kabine bringen zu lassen, denn George hatte nicht vor, den Hamstern eine Gelegenheit zu irgendwelchen Alleingängen auf dem Schiff zu geben. Zum Schlafen stiegen die Nagetiere jedes Mal in den Koffer, den Frido McClown dem Fahrer mitgegeben hatte.

"Uff, bin ich satt," stöhnte Tati und machte es sich auf einem kleinen Kissen gemütlich.

"Das beste Essen, das wir je hatten," schwärmte Teeblättchen.

"Wusstet ihr, warum die blöden Rennmäuse Glasdeckel beim Kochen benutzen?" fragte Flecki.

"Nö, erzähle mal!" riefen ihre Freunde im Chor.

"Damit sie jetzt besser gucken können, wann das Essen verbrannt ist..."

"Hä, hä," meldete sich Bauleiter Murksel wieder, "wusstet ihr, wie lange eine Rennmaus braucht, um ein Kellerfenster zu putzen?"

Die Hamster schüttelten grinsend die Köpfe.

"3 Stunden und 10 Minuten," sagte Murksel genüsslich," 10 Minuten zum Putzen des Fensters und 3 Stunden zum Eingraben der Leiter!"


Alle schüttelten sich vor Lachen.

"Aber ihr habt bisher noch nicht gewusst, dass die Rennmäuse vor langer Zeit eine U-Boot-Flotte besessen hatten!"

"Und wieso gibt es die nicht mehr?" fragte Goldi.

"Tja," grinste Bauleiter Murksel, "irgendwann haben diese Idioten einen 'Tag der offenen Tür' gemacht, und das war es dann mit der Flotte."

Während die Hamster sich prächtig amüsierten, viel schliefen und noch mehr aßen, steuerte George den Postbus sicher ins Aubachtal. Dort fuhr er zu der Adresse, die McClown ihm genannt hatte. Elfriede, die gerade ihre Freundinnen Jennie, Rosie und Bertha zu Besuch hatte, fiel aus allen Wolken, dass plötzlich Besuch aus dem fernen Schottland vor der Tür stand. Solch eine wunderbare Überraschung kam ihr und ihren Freundinnen gerade recht, denn schließlich waren sie seit Stunden damit beschäftigt, für eine Mathematikarbeit zu lernen. George legte den Koffer mit den Hamstern auf den Tisch und öffnete ihn.

"Sag mal, was geben die denn für komische Geräusche von sich?" fragte Rosie erstaunt.

Elfriede beugte sich über den Koffer und lauschte.

"Die lachen über irgendetwas," stellte Elfriede verwundert fest. Dann wurde ihr Gesicht lang und länger. "Jetzt fangen die sogar an zu singen!"

Ihre Freundinnen rückten näher und lauschten.

"Was ist denn bei denen los?" fragte Elfriede und drehte sich zu den anderen um. "Die singen: 'Sommer, Sonne, Strand - wo ich die Sonnenblumenkerne fand..."



George blieb noch einige Stunden im Aubachtal und musste den Kindern alles erzählen, was er wusste. Viel war es nicht, doch er versprach, dem Butler Frido zu sagen, dass dieser den Kindern einen Brief mit allen Einzelheiten schicken sollte. Bald darauf hieß es jedoch für George, schnell wieder mit dem alten Postbus weiterzufahren, denn das Fährschiff nach Schottland wartete nicht auf ihn.

Nach einer recht stürmischen Überfahrt, die seinen Appetit auf das leckere Bordbuffet jedoch nicht im geringsten minderte, erreichte er am nächsten Morgen Newcastle. Nach einem kurzen Stopp in Edinburgh erreichte er am frühen Vormittag das alte Jagdschloss Talladh-A-Bheithe, in dem Lord McShredder und sein Butler bereits auf ihn warteten. Während der Lord ungeduldig an seiner Pfeife nuckelte, musste George seinem Freund Frido haargenau berichten, wie die Fahrt mit den Hamstern bis hin ins Aubachtal verlaufen war.

Am nächsten Morgen verließen die drei in aller Frühe das Jagdschloss und fuhren nach Pitlochry, um sich einen großen Anhänger zu besorgen. Dann ging es ein letztes Mal zu der Ruine in Killichonan. Als die Sonne am höchsten stand, war alles Brauchbare in den Bus geladen worden, und es ging über den Schiehallion-Road weiter nach Aberfeldy.

"Sir, heute Nacht werden wir in unserem neuen Schloss wohnen!"

"Seien sie sich mal nicht so sicher, McClown, es gibt noch eine Menge zu tun. Das Wichtigste wird sein, dass wir heißes Wasser für Tee haben und der Kamin funktioniert. Wenn mein Sessel am Kamin steht, werden wir weitersehen."



Der Butler war aufgeregt, so, wie eigentlich alle aufgeregt waren. Doch Frido McClown war noch aus einem anderen Grund ungeduldig. Dann war das erste Ziel erreicht, und George hielt vor dem Kings House Hotel. Lisa McGyre wartete bereits mit gepackten Koffern vor der Tür. George stieg aus und nahm ihr die Koffer ab, während Lisa in den Wagen stieg. Als er den letzten Koffer verstaut hatte, hörte er sie rufen: "Oh, Mr. Schredder, tut mir leid. War das ihre Pfeife? Vielleicht kann man die kleben."

Der Lord war recht schweigsam, als es über den Ort Glencoe am Loch Linnhe vorbeiging. Als sie jedoch über eine lange Brücke fuhren und den kleinen Ort Connel erreichten, hatte auch Lord McShredder vor lauter Vorfreude die kaputte Pfeife vergessen. Nach drei weiteren Meilen war es geschafft und nachdem der alte Postbus einen recht steilen Hang hochgefahren war, hatten sie endlich das Schloss Dunollie erreicht. Der Butler half Lisa McGyre beim Aussteigen, doch leider verhakte sie sich in ihrem Sicherheitsgurt und rollte zusammen mit Frido McClown den Abhang hinunter. Lord McShredder, der schallend lachte, wurde durch einen bösen Blick von George zum Schweigen gebracht.

Dann betraten alle gemeinsam ihr neues Zuhause. Es war ein wunderschönes, altes Schloss, und sie spürten sofort, dass sie sich alle hier sehr wohl fühlen würden. Nachdem McClown und George den Sessel des Lords an eine gemütliche Stelle gestellt hatten, ließ Lord McShredder sich genüsslich nieder.

"Ich schätze mal, mein lieber McClown, George und natürlich Miss Lisa, dass nun einige Änderungen nötig sind. Am besten fangen wir mal mit einem schönen Tee für mich an und dann werdet ihr..."

"Mr. Shredder," unterbrach ihn Lisa McGyre, "erstens muss Frido seine ausstehenden Gehälter bekommen, zweitens unterhalten wir uns dann über unsere Gehälter und drittens zeige ich ihnen gerne, wie man Tee kocht."

"Gehalt?" ächzte McShredder, "Es ist eine Ehre, für den Lord von Killichonan und Dunollie arbeiten zu dürfen."

"Ehre macht erstens nicht satt, Mr. Shredder, und zweitens könnte Frido auch einen Finderlohn beanspruchen. Das wäre die Hälfte des Schatzes. Ist ihnen das lieber?"

Der Lord rutschte unruhig in seinem Sessel hin und her und starrte verlegen auf die dicken Mauern des Schlosses.

"Na, gut, Miss Lisa, ich gebe mich geschlagen. Allerdings unter einer Bedingung."

"Welche Bedingung, Mr. Schredder?"

"Die kaputte Pfeife ziehe ich ihnen vom ersten Gehalt ab."

Frido McClown und George hielten sich vor Lachen die Bäuche, während die junge Frau energisch auf den Lord zu schritt.

"Mr. Schredder, habe ich ihre Pfeife auf dem Autositz liegen gelassen oder sie?"

"Aber Miss Lisa, ich habe bisher immer meine Pfeife..."

"Bisher, Mr. Schredder, bisher. Dann wird es Zeit, dass sich das mal ändert!"

George klopfte seinem Freund Frido auf die Schulter.

"Komm, Frido, wir räumen die restlichen Sachen aus dem Bus und halten uns aus solchen Sachen raus."

Lachend gingen die beiden hinaus und ließen Lord McShredder und Lisa McGyre ihre Unterhaltung in Ruhe fortsetzen.

"Ich schätze, mein lieber George," grinste der Butler, "wir werden hier noch eine Menge Spaß haben."

 

Als die beiden den alten Postbus aufräumten, und während im Schloss der alte Lord McShredder gerade verzweifelt sein Recht verteidigte, hin und wieder im Schloss rauchen zu dürfen, ging die Sonne langsam hinter den Bergen unter. Es dauerte nicht mehr lange, bis für diesen Tag alle Lichter im Schloss Dunollie gelöscht wurden und sich jeder zur Ruhe begab. Im fernen Hamsterhausen startete genau in diesem Moment eine große Party, und auch dort waren alle froh und erleichtert, dass die Abenteuer glücklich überstanden waren.

 

EDNE1

 

 

1 (Hamstisch: Ende)