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Kapitel 41

Der Schatz

 

"Sir, was ist das bloß für ein Keller?" fragte der Butler, nachdem er wieder zu Atem gekommen war.

"Ihre Taschen, McClown, leeren sie ihre Taschen!" kreischte der Lord vor Aufregung.

Frido McClown griff in seine Hosentaschen und zog etwas Glitzerndes hervor. Er legte alles auf den staubigen Boden und setzte sich mit offenem Mund daneben. Die Augen des alten Lords schienen fast aus ihren Augenhöhlen zu quellen. Keiner sprach ein Wort, erst nach einigen Minuten krächzte McShredder: "McClown, wieviel ist noch in dem Keller?"

"Jede Menge Sir. Vielleicht ein paar Badewannen voll."

"Dieser alte Gauner."

"Welcher Gauner, Sir?"

"McGregor natürlich, McClown. Er war ein Mann der Kirche und hat Zeit seines Lebens alles Weltliche für sich angespart und in diesem Keller versteckt."

"Aber, Sir, warum hat er ihnen dann all dieses überlassen?"

"Nicht nur, weil ich das Loch Ness Monster besiegt habe, McClown." Der Lord machte eine Pause und starrte gedankenverloren in den Himmel. "Sein schlechtes Gewissen hat ihn getrieben. Er hat immer von Armut gepredigt und konnte mit der schweren Last all dieses Reichtums nicht mehr leben und musste es loswerden."

"Sir, haben wir denn ein Problem mit der schweren Last?"

"Ich nicht, McClown, schließlich ist es ihre Aufgabe, hier aufzuräumen."

"Sir, ich bestehe darauf, eine Verstärkung zu bekommen. In letzter Zeit macht mein Rücken nicht mehr so richtig mit, und Kochen bringt mir auch keinen Spaß mehr."

"Genehmigt, McClown, ich habe ihren Fraß ohnehin nie sonderlich geschätzt. An wen haben sie denn gedacht?"

"Nun, Sir, ich kenne da eine reizende junge Dame, die bestimmt gerne kommen wird."

"Kein Problem, McClown. Allerdings sollten wir das Schloss vorher wieder in Schuss bringen, sonst findet die junge Dame nichts, was sie zertöppern kann!"

Zum ersten Mal lachten nun Lord McShredder und sein Butler Frido McClown zusammen. Sie saßen gemeinsam auf dem alten Vorhang und lachten minutenlang.

In den nächsten Stunden waren Lord und Butler damit beschäftigt, all die kostbaren Schmuckstücke aus dem Keller zu bergen. Es bestand kein Zweifel: die Tage ihrer Armut waren nun gezählt. Nachdem McClown den Sessel wiedergefunden und gereinigt hatte, machte es sich der Lord bequem und übernahm die weiteren Planungen.

"Sir, es wird eine Weile dauern, bis wir hier wieder wohnen können. Wie und wo sollen wir nachts schlafen?"

Lord McShredder antwortete nicht, sondern starrte gedankenverloren vor sich hin.

"Sir?"

"Äh, ja, McClown?"

"Wo sollen wir heute Nacht schlafen?"

Der Lord lehnte sich im Sessel zurück und faltete seine Hände.

"Wissen sie, woran ich denke, McClown?"

"Das habe ich mich schon oft gefragt, Sir!"

"Nun, McClown, ich möchte am Meer wohnen, in der Nähe eines Strandes."

"Sanna Bay, Sir?"

"Sie können einfach nicht strategisch denken, McClown. Erstens gibt es dort keine Schlösser, und zweitens sollten wir uns in der Gegend vorläufig nicht blicken lassen. Nein, mein guter McClown, es gibt eine bessere Möglichkeit."

"Sir?"

"Dunollie Castle, McClown, das wird unser neues Zuhause."

"Davon habe ich noch nie gehört, Sir."

"Das hätte mich auch gewundert, McClown. Dunollie Castle wurde im 12. Jahrhundert gebaut, wahrscheinlich von MacDougall. Es liegt auf einem Hügel nördlich von Oban und bietet eine fantastische Sicht auf die See. Sehen sie doch mal auf dieser alten Karte."

 

"Und das hier, Sir? Was wird aus diesem Schloss?"

"Vielleicht ein Ferienschloss, McClown, oder ein Wochenendhaus, irgendwann einmal."

"Und Miss Lisa, Sir?"

"Die wird gerne mitkommen, McClown. In Oban gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, Frauen schätzen das."

Der Lord schwieg eine Weile, während er seine Pfeife stopfte.

"So, McClown," fuhr er dann fort, "sie werden nun in die Stadt gehen und George suchen. Ich werde mich inzwischen ein wenig von den Strapazen ausruhen."

"George, Sir?"

"George, McClown. Wir brauchen schließlich einen Fahrer."

Der Butler machte, dass er los kam. Stunden später erreichten er und der ehemalige Postbusfahrer George die Ruine des Schlosses Killichonan, in dem der Lord immer noch in seinem Sessel saß und wartete.

Inmitten der Ruine machte nun Frido McClown ein Lagerfeuer, und die 3 Männer saßen lange zusammen und besprachen all die Dinge, die nun zu erledigen waren. Der Lord und sein Butler beschlossen, für die nächsten Tage in ein nahe gelegenes, ehemaliges Jagdschloss zu ziehen. Frido McClown sollte sich nun etwas ausruhen, und dann in den nächsten Tagen zum Kings House Hotel gehen, um Lisa McGyre zu holen. George aber war vor Freude nicht mehr zu halten. Nicht nur, dass er in Zukunft der Fahrer des Lords werden würde und mit seinem Freund Frido zusammen wäre, nein, George sollte für die nächsten Tage noch einmal auf große Fahrt gehen. Sein Auftrag war, die Hamster wieder nach Hamsterhausen zu bringen.

Während der Butler sich lange von einen Hamster nach den anderen verabschiedete und versprach, sie bald zu besuchen, bereitete George den alten Postbus für die Reise vor. Die hinteren Sitzbänke wurden abmontiert und mit Decken ausgelegt. Auch an Futter und Spielzeug für die Hamster wurde gedacht und, nachdem Frido McClown seinem Freund George noch ein paar Tipps über den Umgang mit Hamstern und ihre Gewohnheiten gegeben hatte, machte sich George auf den Weg nach Hamsterhausen.

"Wenn ich das recht verstanden habe, geht es jetzt nach Hause," meinte Flecki und betrachtete die neuen Decken. "Allerdings hätten die uns ruhig hübschere Decken hinlegen können! Schaut doch mal, diese hässlichen Farben, die passen gar nicht zueinander!"

"Ist doch egal," knurrte Goldi, "Hauptsache, die haben an Futter gedacht."

"Bin ja gespannt, ob zu Hause alles in Ordnung ist, ich meine, wenn da keiner etwas repariert, wenn es kaputt ist..." gab Bauleiter Murksel zu bedenken.

"Genau," unterbrach ihn Tuffi, "wenn keiner etwas kaputtrepariert, dann müssen die sich ja alle furchtbar langweilen."

"Na fein," grinste Goldi, "das ist ja nun vorbei, wenn wir wieder da sind."

Der Bürgermeister räusperte sich und sprach mit lauter Stimme: "Meine lieben Hamsterfreunde und Hamsterfreundinnen. Wir haben einen langen Weg hinter uns und jeder weiß, welche Strapazen es uns gekostet hat und deshalb möchte ich noch einmal in aller Deutlichkeit...."

Doch weiter kam er nicht. George hatte in diesem Moment die Brücke über den River Gary überquert und bog scharf nach rechts ab. Der Bürgermeister wurde quer durch den hinteren Teil des Busses geschleudert und blieb benommen auf einem Reservereifen liegen. Sofort halfen ihm die anderen Hamster wieder auf die Beine, doch es dauerte eine Weile, bis er die Augen öffnete.

"Oh, nein, seht doch mal" rief Flecki und starrte entsetzt den Bürgermeister an. "Er grinst schon wieder so dämlich!"