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Kapitel 40

Wieder im Schloss


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Lord stieg als erster aus dem Bus und ging langsam auf das zu, was einst ein Schloss gewesen war. Wände gab es nicht mehr, und ein großer Schutthaufen lag dort, wo die große Eingangshalle gewesen war. Das, was noch am höchsten in die Luft ragte, waren die beiden Pfosten der Eingangstür, die lose in den Scharnieren hing. McShredder blieb vor den Resten der Tür stehen.




"McClown, sie fauler Geselle, wollen sie einem Lord nicht die Tür öffnen?"

Der Butler glotzte den Lord erstaunt an, während George sich lachend verabschiedete.

"Ihr kommt schon alleine klar! Sagt Bescheid, wenn ihr mich braucht."

Während der Busfahrer zurück zur Landstraße fuhr, öffnete der Butler vorsichtig die Tür. Kaum hatte er sie ein Stück bewegt, da fiel sie krachend aus den Angeln und riss die Türpfosten mit um.

"Danke, McClown," sagt der Lord, nachdem sich der Staub etwas gelegt hatte. "Wenn sie meinen Sessel wiedergefunden haben, wäre ich ihnen sehr verbunden, wenn sie hier etwas aufräumen würden."

Mit einem lauten Seufzer setzte Frido McClown den Koffer mit den Hamstern zwischen ein paar Mauersteine und öffnete den Verschluss. Dann machte er sich auf die Suche nach dem Sessel, während der Lord seine Pfeife stopfte.

"He, Leute, wir sind wieder im Schloss," rief Bauleiter Murksel und stieg aus dem Koffer.

"Ja, echt cool," stöhnte Flecki, "wir sind ja echt weit gekommen."

"Immerhin waren wir am Strand," meinte Tuffi, "und das war auch ganz nett."



Der Bürgermeister war inzwischen auf einen Schutthaufen gestiegen und hielt es an der Zeit, die Hamster durch eine kleine Rede zu ermutigen.
"Liebe Freunde, "begann er, "es war ein weiter Weg, und ich bin stolz zu sagen, dass..."

Weiter kam er nicht, denn der Schutthaufen brach in diesem Moment unter ihm zusammen.

"Tut mir leid, kleiner Hamster," ertönte die Stimme von Frido McClown, "aber ich suche den Sessel des Lords. Was musst du auch auf dem Schutthaufen herumturnen?"

Er setzte den schimpfenden Bürgermeister zu den anderen Hamstern auf den Boden und suchte weiter. Plötzlich krachte es laut, und dort, wo eben noch der Butler stand, war nur noch eine Staubwolke zu sehen.

"McClown, haben sie meinen Sessel endlich gefunden?"

Niemand antwortete. Langsam legte sich die Staubwolke, doch der Butler blieb verschwunden. Die Hamster reckten neugierig ihre Hälse, als der Lord sich vorsichtig der Stelle näherte, an der eben noch Frido McClown gestanden hatte. Ein Loch im Boden gähnte ihm entgegen.

"McClown, hören sie gefälligst auf, Verstecken zu spielen und machen sie sich an die Arbeit. Ich kann ja nicht immer alles alleine machen!"

Er erhielt immer noch keine Antwort und drehte sich verzweifelt zu den Hamstern um. Goldi stand direkt vor seiner Nase und McShredder zeigte mit dem Finger auf ihn.

"Wie wäre es, ihr kleinen Nager macht auch mal etwas für euer Futter. Schließlich habe ich euch die ganze Zeit durchgefüttert!"

"Toidi, llef ma chim ckel!"1 kam die prompte Antwort.


"Häh? Wirf mal schnell? Was soll ich denn werfen?"

Lord McShredder sah sich mit fragend um. Dann erhellte sich seine Miene.

"Ah, eine gute Idee, mein kleiner Nager."

Er nahm einen am Boden liegenden Stein und warf ihn in das Loch. Ein lauter Aufschrei bestätigte ihm, dass er getroffen hatte.

"McClown, wenn sie fertig sind mit dem Spielen, wäre ich ihnen sehr verbunden, wenn sie sich ein wenig um das Aufräumen kümmern würden."

"Sir," erklang jetzt die gedämpfte Stimme des Butlers, "ich bin in altem Geschirr gelandet."

"Altes Geschirr, McClown? Wie soll ich das verstehen, haben sie etwa das schmutzige Geschirr immer im Keller verschwinden lassen?"

"Aber, Sir, wir haben doch noch nie einen Keller gehabt."

"Sie haben recht, McClown, aber wo zum Teufel sind sie gelandet, und wie soll ich sie da wieder heraus holen?"

Bauleiter Murksel, Flecki und Goldi waren inzwischen in das Loch gekrabbelt, um die ganze Sache zu untersuchen, denn sie wussten genau, wo der Butler war, gab es meistens auch Futter. Doch ihre Enttäuschung war groß, als sie weit und breit nur nutzlosen Schrott fanden. Völlig verdreckt kletterten sie wieder aus dem dunklen Loch, als Lord McShredder sich mit einem heiseren Aufschrei auf Flecki stürzte. Da Flecki jedoch sehr flink war, landete der Lord im Dreck und rief aufgeregt: "Was hast du da gefunden, kleiner Nager? Komm zu Onkel Lord, zeig her!"

Flecki jedoch machte, dass sie fort kam und versteckte sich hinter ein paar Steinen.

"Was ist denn los?" wollte Tuffi wissen, nachdem sie die atemlose Flecki gefunden hatte.

"Das ist meine Brosche, die gehört mir! So ein Schmuckstück habe ich mir schon immer gewünscht, guck mal!"

Mit großen, leuchtenden Augen sah Tuffi auf die Brosche. Sie war kunstvoll verziert, und obwohl sie stark verschmutzt war, konnte das ihrem goldenen Glanz nichts anhaben. Zweifellos war sie sehr wertvoll, und das musste auch der alte Lord erkannt haben. Der jedenfalls hatte inzwischen unter den Mauerresten den langen, ehemaligen Wohnzimmervorhang gefunden und das eine Ende in das Loch geworfen, in dem sein Butler steckte. Das andere Ende wickelte er um die Reste des ehemaligen Rahmens der Küchentür. Dann zog er ächzend und stöhnend, während der Butler sich fest an das andere Ende des Vorhangs klammerte.


"McClown," keuchte der Lord während er Zentimeter für Zentimeter den Butler höher zog, "haben sie etwas von dem, äh, Geschirr mitgenommen?"

"N-nein, Sir, habe ich nicht," kam die knappe, keuchende Antwort.

Der Lord nickte langsam mit dem Kopf. Dann ließ er den Vorhang los, und kreischend fiel der Butler zurück in die Tiefe. Ein lautes Scheppern verkündete, dass er den Boden erreicht hatte.

"Tut mir leid, McClown, der Vorhang, äh, ist mir aus den Händen gerutscht. Wenn sie aber schon mal wieder unten sind, könnten sie sich etwas von dem, äh, Geschirr in die Tasche stecken und mitbringen."

"Mache ich, Sir, aber bitte holen sie mich hier heraus!"

"Aber natürlich, McClown," flötete McShredder und zog erneut den Vorhang Stück für Stück hoch.

Diesmal dauerte es nicht lange und der Butler stand keuchend vor dem Lord.

 

1 (Hamstisch:Leck mich am Fell, Idiot)