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Kapitel 37

Der Prinz

 

Vorsichtig schlichen die beiden durch das Moor. Es war mühsam, vorwärts zu kommen, denn ihre Füße sanken bei jedem Schritt tief in den schwammigen Untergrund ein. Während Sie also sehr langsam vorankamen, waren immer wieder Schüsse zu hören. Bald tauchten in der Ferne zwei Gestalten auf. Der Lord und sein Butler McClown gingen direkt auf sie zu, immer vorsichtig darauf achtend, auf halbwegs festen Boden zu treten. McShredder lief erstaunlich schnell auf diesem matschigen Untergrund und erreichte als erster den Mann, der für die Knallerei verantwortlich war. Der Butler hatte mit dem Koffer einige Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, und als er sich den beiden näherte, vernahm er die lauten Worte des Mannes mit dem Gewehr.

 

"Sir, sie stören meine Jagd. Bitte entfernen sie sich!"

 

Am Gesichtsausdruck des Lords konnte McClown sehen, dass ihm diese Art der Begrüßung überhaupt nicht gefiel. Sein Gesicht verfärbte sich leicht, doch äußerlich blieb er ruhig als er erwiderte: "Ihre Jagd? Hören sie, junger Mann, nehmen sie gefälligst ihre Kopfhörer ab, wenn sie mit mir sprechen!"

"Das sind keine Kopfhörer, Sir, das sind meine Ohren," antwortete der Mann sichtlich verärgert. "Wenn sie nun verschwinden würden, damit wir unsere Jagd fortsetzen können!"



Lord McShredder dachte nicht daran zu verschwinden. Er zeigte auf die Gestalt neben dem Mann und fragte: "Sagen sie mal, warum haben sie ihr Pferd denn so unmöglich angezogen?"

Die riesigen Ohren des Mannes begannen wild zu zucken, sein Gesicht verfärbte sich tiefrot und er rief empört: "Sir, das ist kein Pferd, das ist meine Frau! Sie heißt Camilla!"



"Ach, tatsächlich," entgegnete der Lord spöttisch, "und sie, haben sie auch einen Namen, oder darf ich sie Dumbo nennen?"

"Dumbo? Ich bin kein verdammter Elefant mit großen Ohren, ich bin ein Prinz! Mein Name ist Charles und ich werde mich bei meiner Mutter, der Königin, beschweren!"

Er hatte sein Gewehr auf den Boden gelegt und stand nun direkt vor dem Lord, der ruhig antwortete: "Ein echter Prinz läuft nicht bei jeder Kleinigkeit zu seiner Mama. Wer auf Tiere schießen kann, sollte sich auch selbst wehren können, nicht wahr, Dumbo?"

 

Während im Hintergrund der Prinz laut schrie und pöbelte, dass sein Name nicht Dumbo sei, beobachtete McClown die Hamster, die vom Lärm geweckt aus dem Koffer kletterten. Das Gewehr des pöbelnden Prinzen schien einige von ihnen magisch anzuziehen und der Butler glaubte, ein leises, aufgeregtes Fiepen zu hören.

 

"Goldi, bist du sicher, dass das die gleiche Munition ist?"

"Klar, Dodo, mach doch mal die Kiste mit den Patronen auf und gib mir ein paar."

Trampel und Bauleiter Murksel kamen nun dazu und halfen Dodo.

"Was soll das denn werden, wenn's fertig ist?" fragte Murksel und reichte Goldi eine Patrone.

"Das wird Goldis Prototyp, so etwas wollte ich schon immer ausprobieren. Leider hatte ich vorhin keine Zeit mehr!"

Ein paar Schritte weiter beobachtete Frido McClown, wie eine Patrone nach der anderen im Gewehrlauf verschwand. So langsam ahnte er, was die Hamster da wieder planten.

"Das wird ein Prototyp für ein Notsignal," erklärte Goldi seinen Hamsterfreunden, als der Lauf des Gewehrs mit Munition vollgestopft war.



"Eine ausgezeichnete Idee, schließlich müssen wir auch an das Morgen denken, das dem heutigen Tag folgt," gab der Bürgermeister von sich. "Es zeichnet den wahren Hamster aus, dass er in..."

"Vielleicht sollten wir wieder in den Koffer gehen," gab Flecki zu bedenken. "Ich meine, wenn wir noch ein Morgen erleben wollen, sollten wir in Sicherheit gehen!"

Auch Bauleiter Murksel war der Ansicht, dass es nun erforderlich sei, einen größeren Sicherheitsabstand einzuhalten, und so marschierten die Hamster zurück in den sicheren Koffer.

Der Butler schloss kopfschüttelnd den Koffer und nahm ihn wieder an sich. Dann ging er dort hin, wo es sehr laut war, nämlich zu der Diskussion zwischen Lord McShredder und dem Prinzen.

"Jedenfalls lasse ich mich nicht von ihnen von der Jagd abhalten, Sir," hörte er den Prinzen brüllen, dessen Ohren und Gesicht knallrot vor Wut waren, und der sein Gewehr wieder vom Boden aufhob.



"Sir," flüsterte der Butler seinem Lord in das Ohr, "Ich glaube, es macht keinen Sinn, mit dem zu reden, Sir. Ich habe mal gelesen, dass dieser komische Prinz gesagt hat, dass er eher das Land verlassen würde, als mit der Jagd aufzuhören!"

 

Zusammen mit McShredder beobachtete er nun, wie der Prinz das Gewehr an seine Wange legte und auf irgend etwas in der Ferne zielte. Dann knallte es, nein, es war eine regelrechte Explosion. Aus dem Gewehrlauf schoss ein Feuerstrahl wie aus einer Rakete heraus, und der Prinz flog laut kreischend in die Luft. Höher und höher flog er, drehte sich schreiend im Kreis und verschwand in der Ferne.

 

"Sie haben recht, McClown, er verlässt tatsächlich das Land!"

 

Lord und Butler grinsten einander an. Camilla hatte die Verfolgung aufgenommen und laut "Charlie, Charlie!" rufend rannte sie durch das Moor. Immer wieder blieb sie im Schlamm stecken, fiel hin, krabbelte ein paar Meter auf allen Vieren, stand wieder auf und fiel doch wieder hin.

"Ich schätze, Sir, ein Schlammbad wird ihr guttun."

"Stimmt, McClown, sie sieht bereits jetzt schon viel besser aus als vorher."

Hier gab es nun nichts mehr für die beiden zu tun, und sie setzten das letzte Stück ihrer Reise fort.