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Kapitel 34

Black Corries Lodge

 

Sie hatten das Hotel bereits einige hundert Meter hinter sich gelassen und liefen nun ein Stück in nördlicher Richtung.

Es war beiden schwergefallen, das Kings House Hotel zu verlassen. Dem Lord, weil er sich unter den wachsamen Augen von McClown von seinem Geld trennen musste, als er die Rechnung beglich, und dem Butler, weil ihm die tolpatschige Tochter des Hoteldirektors nicht mehr aus dem Sinn ging.

"Sir, wir gehen ja wieder den gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind," bemerkte der Butler.

"Richtig, McClown, sie denken ja sogar mit. Sehen sie den schmalen Weg dort vorne? Das ist der Weg nach Black Corries Lodge, den werden wir nehmen."

"A-aber, Sir, dann laufen wir direkt auf das Moor zu!"

"Das Rannoch Moor, McClown, und?"

"Es ist gefährlich Sir, es gibt Geschichten, dass dort der Geist von Sir Malcom spukt! Er ist nach einer verlorenen Schlacht in das Moor gegangen und nie wieder aufgetaucht."

"Vermutlich ersoffen, McClown."

"A-aber, Sir, nachts kann man die Lichter der Toten sehen, wenn sie durch das Moor marschieren!"

"Irrlichter, McClown, völlig harmlos. Was mir Sorgen bereitet, ist der alte McPomm."

"McPomm, Sir?"

"McPomm, McClown, der verrückte Fraser McPomm. Mit ihm kann keiner in Frieden leben."

"Das heißt, sie kennen ihn, Sir."

"Sehr lange. Er ist ein durch und durch schlechter Mensch. Er hat mich schon damals in der Schule nie abschreiben lassen."

Der Butler antwortete nicht, sondern grinste nur. Schweigend gingen sie weiter, während der Boden unter ihren Füßen immer schwerer und matschiger wurde. Der kleine Fluss, der sie die letzten Stunden auf der rechten Seite begleitet hatte, machte nun einen Knick nach links. Über einen winzigen, halb verfallenen Steg ging es jetzt über den Fluss, der an dieser Stelle nur noch die Größe eines Rinnsals hatte. McClown packte den Koffer mit den Hamstern so fest er konnte und erreichte glücklich die andere Uferseite, wo der Lord bereits auf ihn wartete. Der morastige Weg war nun noch schmaler geworden, und eine kleine Hütte lag vor ihnen. Eine beunruhigende Stille lag auf diesem Gebiet. Nur das quietschende Geräusch ihrer Schuhe in dem matschigen Gras war zu hören. Plötzlich zerriss ein lauter Knall die Stille. Der Butler warf sich blitzschnell zu Boden, während der Lord aufrecht und ruhig stehen blieb.

"Stehen sie auf, McClown, und machen sie sich hier nicht zum Affen," zischte McShredder ihm zu.

Frido McClown erhob sich zitternd, und sein Blick war auf einen Mann gerichtet, der sich von der Hütte her näherte. Er sah recht verwahrlost aus mit seinen zerschlissenen Mantel. Sein langes, wirres Haar wurde durch einen alten Schlapphut halbwegs unter Kontrolle gehalten und sein langer, ungepflegter Bart sah aus, als ob noch die Reste seines letzten Mittagessens darin waren. Er hielt ein Gewehr in den Händen und zielte auf sie.



"Keinen Schritt weiter!" rief er mit fester Stimme. "Was wollt ihr?"

"Durchgang wollen wir," antwortete der Lord ruhig.

Der Mann kam näher und musterte zunächst den Butler, der von oben bis unten mit Schlamm bedeckt war. Dann fiel sein Blick auf den Lord und seine Augen weiteten sich.

"McShredder, du Lump, wenn du noch einen Schritt weiter gehst, wird es dein letzter sein! Verschwinde, sonst mache ich dir Beine!"

Er drehte sich um und ging zur Hütte zurück.

"W-wir sollten umkehren, Sir, der Weg durch das Moor ist zu gefährlich."

"Unsinn McClown, wir müssen uns nur überlegen, wie wir an diesem McPomm vorbei kommen. Am besten warten wir, bis es dunkel ist und schleichen einfach an seiner Hütte vorbei. Leider gilt auch hier das schottische Wegerecht, und niemand kann ihn zwingen, uns über sein Land gehen zu lassen."

Enttäuscht seufzte der Butler tief auf und ging ein paar Schritte zurück an eine Stelle, an der ein riesiger Baumstamm auf der Erde lag. Er ließ sich darauf nieder und legte den Koffer mit den Hamstern neben sich. Deutlich hörte er das Kratzen seiner kleinen Freunde, die es satt hatten, in einem engen Koffer eingeschlossen zu sein. Frido McClown öffnete den Deckel ein Stück und sofort näherten sich viele kleine rosa Näschen und schnupperten. Was sollte er tun? Sollte er seine kleinen Freunde hier im Moor herumlaufen lassen? Noch dazu in der Nähe eines schießwütigen Idioten? Während er noch überlegte, nahmen ihm die Hamster die Entscheidung ab. Einer nach dem anderen kletterte aus dem Koffer und am Hosenbein des verdutzten Butlers hinunter in das hohe Gras. McClown zuckte mit den Schultern und legte den Koffer in das Gras.



"Falls es euch zu kalt und zu nass wird, meine Freunde, dann könnt ihr in den Koffer zurück gehen. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Es ist gefährlich hier im Moor und passt auf, denn der böse Mann dort hinten in der Hütte hat ein Gewehr! Bleibt in der Nähe und lauft nicht so weit weg und denkt daran..."

"Mit wem sprechen sie, McClown?" fragte Lord McShredder, der sich neugierig genähert hatte.

"Äh, mit den Hamstern. Sie brauchen etwas Auslauf. Bitte passen sie auf, wo sie hintreten, Sir."

"Wir müssen versuchen, etwas zu schlafen, McClown. Übrigens sollten sie sich bei der nächsten Gelegenheit waschen. Ein guter Butler läuft nicht herum wie ein Schwein."

"Ja, Sir, mache ich," knurrte Frido McClown und rieb sich mit einem Taschentuch so gut es ging das Gesicht sauber. Dann legte er sich genau wie der Lord halbwegs bequem auf den Baumstamm und schloss die Augen.