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Kapitel 33

Frühstück für den Lord

 

"McClown, hätten sie wohl ein Brötchen für mich übrig," bettelte der hungrige Lord und blickte schmachtend auf das ihm gegenüber stehende, reichhaltige Frühstück.

"Tut, mir leid, Sir, die Brötchen sind bestimmt abgezählt. Miss McGyre wird gewiss gleich kommen."

In diesem Moment trat die bewusste junge Dame mit einem Tablett in das Zimmer, verhakte sich jedoch mit ihrem Fuß an der Teppichkannte und das Frühstück des Lords lag auf dem Boden.

"Nein, wie ungeschickt von mir!" Sie schaute McClown verlegen an. "Haben sie alles, was sie brauchen, Sir Frido? Soll ich ihnen noch etwas bringen?"

"Wenn sie noch etwas Kaffee hätten..."

"Kommt sofort, Sir Frido," antwortete sie und schenkte ihm ihr schönstes Lächeln. "Ihr Frühstück kommt auch gleich, Mr Shredder."


 

 

Sie hob das Tablett vom Boden auf und stellte die heruntergefallenen Sachen unter den gierigen Blicken des Lords wieder darauf und ging zur Tür hinaus.

 

"Darf ich mal von ihrem Brötchen abbeißen, lieber McClown," bat der hungrige Lord erneut den Butler, "nur ein winziges Stück!"

"Geduld, Sir, die junge Dame tut doch, was sie kann."

"Tja," kam die brummige Antwort, "das fürchte ich auch, McClown."

 

Nachdem sich ihr Kommen durch Poltern und Klirren schon von weitem angekündigt hatte, betrat die bewusste junge Dame den Raum und brachte dem Butler den gewünschten Kaffee.

 

"Lassen sie es sich schmecken, Sir Frido. Möchten sie noch etwas Nachtisch?"

"Haben sie vielleicht etwas Eis, Miss Lisa?"

"Aber sicher, Sir Frido, Vanille, Erdbeere oder Schokolade?"

"Vielleicht später, Miss Lisa."

"Ähem, mein Frühstück..."



"Kommt sofort, Mr Shredder, ist gleich da," antwortete Lisa McGyre und lief mit dem Tablett durch die Tür. Ein Scheppern verriet, dass sie im Flur angekommen war.

"McClown, darf ich die Krümel von ihrem Teller..."

"Nichts da, Sir. Die sind für die Hamster. Und nehmen sie die Finger von den Blumen, die sind nicht zum Essen da!"

 

Wieder war ein Klirren, begleitet von einem lauten Fluchen zu hören, und schlagartig schöpfte der Lord neuen Mut. Dieses Mal betrat sie das Esszimmer vorsichtig und drehte sich elegant um die Türklinke herum, bliebt jedoch mit dem Band ihrer Schürze an der Klinke hängen und begleitet von dem entsetzten Aufschrei McShredders klatschte das Tablett mit dem Frühstück auf den Teppich. Einen Moment herrschte atemlose Stille in dem Raum, dann hechtete der Lord mit einem heiseren Schrei auf das am Boden liegende Frühstück und schob gierig in sich hinein, was er zu fassen kriegte. Es war ein peinlicher Moment, als die wenigen Gäste mit weit aufgerissenen Augen auf das starrten, was sich dort am Nachbartisch, oder besser gesagt, am Boden abspielte. Es dauerte eine Weile, bis sich Miss McGyre wieder gefasst hatte.

 

"Mr Shredder, was machen sie da?"

"Frühstücken," krähte der Lord im vollem Mund und schob sich eine Handvoll Porridge in den Mund. Er hob kurz den Kopf, sah nun, dass alle auf ihn starrten und fuhr fort: "Köstlich, möchte jemand probieren?"

"Nein, danke, Sir. Wenn es ihnen recht ist, werde ich mich um die, äh, Koffer kümmern."

Das Grunzen des Lords nahm der Butler als Zustimmung und ging den Gang zurück zum Zimmer, während die junge Frau ihm folgte.

"Sir Frido, bleiben sie noch etwas länger bei uns?"

"Leider nicht, Miss Lisa, wir sind schon recht spät dran, und haben noch einen langen Weg bis zum Schloss Killichonan vor uns."

"Das ist schade, Sir Frido, vielleicht sehen wir uns einmal wieder," lächelte sie, drehte sich um und blieb mit dem Gesicht am Türpfosten hängen. Dann lief sie zur Treppe und am Poltern und Kreischen kurz darauf konnte der Butler deutlich hören, dass sie die letzte Stufe erreicht hatte. Völlig gedankenverloren stand er nun im Flur und bemerkte nicht, dass McShredder inzwischen neben ihm stand.

"Alles klar, McClown?"

"Sir, können wir noch ein paar Tage bleiben?"

"McClown, kommen sie zu sich! Wir sind läppische 20 Meilen von zu Hause entfernt, wir haben es fast geschafft!"



"Aber, Sir..."

"Nichts aber, McClown, kommen sie jetzt!"

Als der Butler immer noch keine Anstalten machte, den Koffer und ihre wenigen verbliebenen Habseligkeiten zu holen, sagte Lord McShredder leise zu ihm: "20 Meilen, McClown. Für einen jungen Spund wie sie ist das doch ein Klacks. Wenn ich ihnen einen Tag Urlaub gebe, dann..."

Mit einem Satz war der Butler im Zimmer verschwunden, hatte den Koffer mit den Hamstern geholt und stand strahlend vor dem Lord.

"Sir, worauf warten wir?"