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Kapitel 32

Kings House Hotel 2. Teil

 

"Das Essen, junge Frau, was ist damit," krächzte Lord McShredder, nachdem er sich in dem gemütlichen Zimmer umgesehen hatte.

"Die Küche ist leider geschlossen, Mr Schredder, das tut mir wirklich sehr leid. Möchten sie vielleicht eine Tüte Chips?"

"Haben sie das gehört, McClown? In allen Hotels der Welt würde sich jeder Koch freuen, für mich mitten in der Nacht..."

"Haben sie vielleicht eine winzige Kleinigkeit für uns zu essen, Miss Lisa?" fragte der Butler und sah die junge Frau mit leicht gesenktem Kopf an. "Wir sind weit gelaufen und meine Hamster sind fast verhungert..."

Er biss sich auf die Zunge und verfluchte seine Worte, die ihm so unbedacht herausgerutscht waren. Wie konnte er nur etwas von den Hamstern in seinem Koffer verraten? Er wusste, dass Tiere in Hotels nicht geduldet wurden.

Mit großen Augen sah ihn nun die junge Frau an und hauchte: "Hamster? Wie lieb! Sind die in dem Koffer? Ja? Ich werde auch nichts verraten. Für jemanden, der Hamster mag, habe ich immer etwas zu essen. Wie wäre es mit Häggis und Chips?"

"Das wäre wunderbar, Miss Lisa. Wenn sie noch ein paar Kekse für die Hamster hätten."



"Für mich bitte Lachs mit frischen Kartoffeln," krähte der Lord, doch Lisa McGyer sah ihn nur erstaunt an.

"Tut mir leid, Sir. Für sie sind nur noch ein paar Chips über, das Häggis ist für Sir Frido reserviert," antwortete sie und lief die Treppe hinunter. Nachdem sie sich von ihrem Sturz an der lezten Stufe wieder hochgerappelt hatte, drehte sie sich noch einmal um und rief: "Das Essen wird in ein paar Minuten in dem Esszimmer am Ende des Flurs serviert!"

 

Die beiden gingen wieder in ihr Zimmer und während der Butler den Koffer vorsichtig in eine Ecke stellte, holte der Lord seine Brieftasche hervor und zählte das Geld. Dann begaben sie sich in den hinteren Teil des Ganges und fanden einen großen, länglichen Raum mit mehreren kleinen, runden Tischen vor. Beeindruckt blickten sie auf das riesige Fenster, das am Tage bestimmt einen grandiosen Blick auf die Landschaft gewähren würde. Ein Poltern, begleitet von einem Schmerzensschrei kündigte das Nahen der Tochter des Hoteldirektors an. Sie rieb sich das Knie, das ihr offensichtlich weh tat, und brachte das Besteck.

"Einen kleinen Moment noch, Sir Frido, ich bringe ihnen gleich das Essen," hauchte sie und verschwand wieder.

Wenige Zeit später war ein lautes Klirren zu hören und Lord McShredder, der gerade mit den Salzstreuern spielte, hob den Kopf und fragte: "Haben sie das gehört, McClown? Hat es nicht geklingelt?"

Doch der antwortete nicht, sondern blickte erwartungsvoll zur Tür. Tatsächlich kam nun die junge Frau schwer atmend herein und lächelte verlegen: "Tut mir leid, Sir Frido, das Essen dauert noch einen kleinen Moment." Dann drehte sich sie um, rannte gegen den Türpfosten, lächelte noch einmal in Richtung des Butlers und verschwand im Flur. Frido McClown hob den Kopf, lauschte und zählte leise: "Eins, zwei, drei, vier, fünf," und drehte sich zur Tür um. In der Ferne war ein Poltern zu hören.

"Sie ist soeben an der letzten Stufe der Treppe angekommen, Sir."

Der Lord spielte weiter mit den Salzstreuern, während Frido McClown dem immer lauter werdenden Knurren seines Magens lauschte. Im nächsten Moment wurde das Knurren seines Magens durch ein Scheppern an der Tür übertönt. Miss McGyer betrat den Raum.

 

"Ihr Haggis, Sir Frido," sagte sie mit einem breiten Lächeln, während sie eine Spur von brauner Soße hinter sich her zog, die ein gleichmäßiges Muster auf dem Boden hinterließ. Der Lord erhielt eine Tüte mit Chips, die er mit einem mürrischen Augenaufschlag quittierte.

"Die Tüte mit den Keksen stelle ich dann vor ihre Zimmertür, Sir Frido. Wenn sie mit dem Essen fertig sind, lassen sie bitte alles stehen, ich räume es später weg," sagte sie lächelnd und ging zur Tür hinaus.



"Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs," zählte McClown mit vollem Mund. Er hob verwundert den Kopf.

"Vielleicht ist sie an der Türklinke hängen geblieben, als sie die Kekse vor unserem Zimmer abgestellt hat," brummte der Lord.

McClown atmete erleichtert auf, als er kurz darauf das vertraute Poltern, verbunden mit einem Schmerzensschrei, hörte.

"Sie ist angekommen, Sir," sagte er und wendete sich wieder seinem Essen zu. Er tat so, als würde er die gierigen Blicke des Lords überhaupt nicht bemerken und ließ es sich schmecken.

Lord McShredder erhob sich.

"Ich, äh, gehe dann schon mal ins Bett,"

"Moment, Sir," rief der Butler und schob sich die Reste seines Essens hinein. "Ich komme besser mit, sonst fehlt womöglich hinterher das Essen für die Hamster."

 

Wie versprochen stand eine große Tüte mit Keksen vor ihrer Zimmertür. McClown nahm sie und betrat hinter dem Lord das Zimmer. Lord McShredder hielt sich nicht lange mit Waschen und ähnlichem unnützen Zeug auf, sondern legte sich gleich in das einladende Bett. Wenigstens hat er seine Schuhe ausgezogen, dachte McClown, während er die Hamster fütterte. Gierig rissen ihm seine kleinen Freunde die Kekse aus den Händen und verschwanden einer nach dem anderen in ihrem Koffer. Nun fielen auch dem Butler die Augen zu, und er wollte sich gerade ins Bett legen, als es an der Tür klopfte. Verwundert stand er auf, öffnete sie und vor ihm stand Lisa McGyre und sah ihn mit großen Augen lächelnd an.

"Verzeihen sie die Störung, lieber Sir Frido, hoffentlich haben sie noch nicht geschlafen."

"Nein, nein, Miss Lisa," brummte McClown, "was kann ich für sie tun?"

"Ach, ich wollte nur fragen, was sie zu frühstücken wünschen."

"Gebackene Bohnen mit Wurst," kam gähnend die Antwort.

"Gerne, Sir Frido. Dann also bis morgen und schlafen sie gut"

McClown setzte sich auf das einladende Bett und betrachtete den weißen Stoff, der als Verzierung an der Kopfseite des Bettes angebracht war. Er hatte gerade seinen linken Schuh ausgezogen, als es wieder an der Tür klopfte. Dieses Mal wollte Lisa McGyre wissen, ob der Butler am liebsten Tee oder Kaffee hätte. Nachdem sie ihm erneut gute Nacht gewünscht hatte, zog er nun den rechten Schuh aus, als es wieder an der Tür klopfte.

"Wenn sie noch einen Wunsch haben, Sir Frido..."



"Danke, Miss Lisa, einen Wunsch habe ich noch."

"Ja?" erwiderte sie erwartungsvoll, reckte den Hals und lächelte ihn an.

"Bitte lassen sie mich jetzt schlafen, Miss Lisa, ich bin müde."

"In Ordnung, Sir Frido. Wenn etwas ist, rufen sie einfach."

Endlich durfte nun auch der Butler einschlafen, selbst die Knabbergeräusche der Hamster und das Schnarchen des Lords konnten ihn dabei nicht stören.

Er hatte keine Ahnung, wie lange er geschlafen hatte, als es schon wieder an der Tür klopfte. Verägert wollte er schon aus dem Bett springen, da bemerkte er, dass die Sonne bereits in das Zimmer schien.

"Wer ist da?" rief er und im selben Moment wurde ihm klar, wie dumm seine Frage war.

"Hier ist Lisa, Sir Frido. Ihr Frühstück wartet schon lange auf sie. Möchten sie jetzt kommen?"

"Ich bin gleich, da, Miss Lisa," rief er. Dann stand er auf, gähnte herzhaft und gab dem schnarchenden Lord einen Tritt in den Hintern, so dass er fast aus dem Bett fiel.

"Haben Euer Lordschaft gut geruht?" fragte er höflich und wartete, bis der Lord aus dem Bett gekrochen kam. "Sir, das Frühstück wartet auf uns."

Mit einem Satz war der Lord an der Tür und riss sie auf. McClown stürmte hinterher und als er auf den Gang kam, sah er schon von weitem Miss Lisa lächelnd am Tisch auf sie warten. Der Lord erreichte den Frühstückstisch als erster und setzte sich sofort auf den gedeckten Platz, an dem eine kleine Vase mit einer Blume auf dem Tisch stand.

"Entschuldigung, Mr Shredder, das ist der Platz für Herrn Frido. Sie sitzen auf der anderen Seite."

Mürrisch stand der Lord auf und setzte sich auf den leeren Platz gegenüber, während sein Butler sich hinsetzte und kurz an der Blume schnüffelte. Lächelnd sah ihm die junge Frau zu, wie er sich das Frühstück schmecken ließ.

"Ahem," meldete sich nun der Lord, "wenn ich auch etwas Frühstück haben dürfte..."

"Ach, natürlich, Mr Shredder, wie konnte ich nur! Warten sie, ich sehe nach, ob es schon fertig ist."

Dann verschwand sie und ließ den Lord niedergeschlagen und hungrig zurück.