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Kapitel 30

Die Treppe des Teufels

 

Sie hatten die Telefonzelle bereits weit hinter sich gelassen und kamen an ein Informationsbüro für Touristen. Leider hatte es schon geschlossen, doch ein Schild mit der Aufschrift "West Highland Way" erweckte die Aufmerksamkeit Lord McShredders.

"McClown, trödeln sie nicht, hier müssen wir entlang!"

Der Butler fluchte, denn der Rollstuhl ließ sich nur noch schwer schieben, da die Räder verbogen waren. Die Fahrt mit dem Müllwagen war ihm nicht bekommen.

"Sir, das blöde Ding lässt sich nicht mehr rollen!"

"Unsinn, McClown, schieben sie mal etwas flotter, dann geht das wieder."

Fluchend mühte sich der Butler ab, das bockige Gefährt über eine kleine Straße zu wuchten, als der Lord plötzlich stehen blieb und auf einen breiten Fußweg deutete.

"Darf ich vorstellen, McClown, das ist der berühmte West Highland Way!"

Keuchend blieb Frido McClown stehen und blickte auf den steinigen, etwa zwei Meter breiten Weg.

"Berühmt?" schnaufte der Butler. "Dieser Trampelpfad?"

"Geschichte, McClown, dieser Weg hat Geschichte geschrieben. Es ist ein alter Handelspfad, der natürlich auch für militärische Zwecke genutzt wurde."

"Die üblichen Kloppereien zwischen den Clans, vermute ich, Sir?"

"McClown, sie reden, wie sie es verstehen! Dieser Weg ist 152 Kilometer lang und reicht von Fort Williams bis Glasgow. Der Film 'Braveheart' wurde übrigens auch hier gedreht. Jedes Jahr gibt es hier im Juni das West-Highland-Rennen. Man muss die gesamte Strecke in einer bestimmten Zeit schaffen."

"Und wie steht der Rekord, Sir?" fragte McClown mit gelangweilter Miene.

"Bei 16 1/2 Stunden. Wussten sie, McClown, dass Taschenlampe, Kompass, Karte, Trillerpfeife und Regenzeug mitgenommen werden müssen? Nur wer das dabei hat, darf mitlaufen. Natürlich empfiehlt es sich auch, Klopapier mitzunehmen."

"Natürlich, Sir, auch Essen und Trinken?"



"Selbstverständlich McClown, aber ein echter Sportler darf sich auf solch einer Strecke nicht vollfressen, falls sie daran denken. Jedenfalls, die Regeln besagen, dass man die Strecke innerhalb von 35 Stunden geschafft haben muss, egal, ob man läuft, geht oder hüpft. Notfalls kann auch gekrochen werden."

"Prima, Sir," grinste der Butler, "das wäre doch etwas für sie!"

Der Lord drehte sich beleidigt um und sah auf das majestätische Tal namens Glencoe.

"Sir, auf diesem Holperweg kann ich den Rollstuhl nicht mehr schieben. Ich fürchte, wir müssen ihn hier stehen lassen."

 

Da der Lord immer noch beleidigt war und nicht antwortete, schob er den Rollstuhl bis dicht an den West Highland Way und malte sich das Gesicht der Leute aus, die das Gefährt finden würden. Ein Rollstuhlfahrer, der zu Fuß solch einen langen Weg weitergegangen war! Grinsend folgte er dem Lord in die Abendsonne, während die Hamster in dem Koffer, den er nun in der Hand trug, tief und fest eingeschlafen waren.

Es war eine fantastische Landschaft, durch die sie nun wanderten, vielleicht sogar der schönste Teil ihrer Reise. So liefen sie fast zwei Stunden, bis die Sonne langsam hinter den hohen Bergen verschwand. Plötzlich wurde der Weg sehr steil. Mühsam kletterten die beiden bergauf, während die Berge in der anbrechenden Nacht um sie herum einen unheimlichen Eindruck machten.

"Das, McClown," keuchte Lord McShredder, "ist 'die Treppe des Teufels', oder auch 'Devils Starcase' genannt. Vielleicht haben sie es schon bemerkt, dass hier keine Vögel mehr singen. Es ist ein unheimlicher Ort und niemand hält sich hier lange auf."

"Aber Sir," lachte der Butler, "ich sehe aber ein paar Vögel herumfliegen, vielleicht haben die nur ihre Melodie vergessen."

"McClown, das sind keine Vögel. Das sind Fledermäuse."

"Sir, die Hamster mögen keine Fledermäuse."



"Dann wird es eben heute eine Ausgangssperre für ihre Tiere geben, McClown. Wir wollten uns jetzt aber eine geschützte Ecke zum Schlafen suchen."

Der Butler sah sich um. Nackter Felsen wohin er auch sah. Die Berge um sie herum wirkten unheimlich und selbst der Himmel hatte etwas Bedrohliches an sich. Wind war aufgekommen, und das war ungewöhnlich. Sogar die Hamster verhielten sich auffallend still, da war kein Kratzen am Kofferdeckel und kein ungeduldiges Fiepen zu hören. Selbst Lord McShredder wirkte besorgt und blickte sich ständig um. Immer wieder schaute er ängstlich nach links und rechts, so, als erwarte er jeden Moment, dass sich etwas aus den Felswänden lösen und auf sie stürzen würde. Da! Ein Geräusch, direkt vor ihnen! Lord und Butler blieben eng aneinander gedrängt stehen.

 

"G-ganz ruhig, McClown, d-das war nur ein Stein, der von der Felswand heruntergekullert ist."

"G-gewiss, Sir, alles klar."

"K-kein Grund zur Panik, McClown."

In diesem Moment huschte etwas Großes, Schwarzes ganz dicht über ihre Köpfe.

"Aaaaah, McClown, der Teufel will uns holen, laufen sie!" schrie der Lord und rannte mit einer Geschwindigkeit los, die der Butler ihm niemals zugetraut hätte.

"Warten sie, Sir," kreischte McClown, "lassen sie mich nicht alleine mit diesem Ungeheuer!"

Kreischend liefen die beiden Männer die letzten Stufen der 'Treppe des Teufels' hinauf. Als sie die Kuppe des Berges erreicht hatten, rannten sie mit noch höherer Geschwindigkeit den Berg hinunter und blieben erst nach einem Kilometer auf einem Parkplatz völlig erschöpft stehen. Wenige Meter vor ihnen war eine breite Straße, die A82.

"Sir," keuchte der Butler, noch immer schwer atmend nach ihrer Flucht, "könnte es sein, dass das gar kein Ungeheuer war?"



"Eine Fledermaus," keuchte McShredder, "eine verdammte Fledermaus war das, McClown!"

 

Die Rückkehr (nach Schottland) - Kapitel 31-35