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Kapitel 27

Die Gaststätte

 

Auf ihrem Weg in südlicher Richtung auf der A82 hatten sie gerade einen kleinen Fluss überquert, als der Butler keuchend stehen blieb.

"Ob die Polizei schon hinter uns her ist, Sir? Ich meine, wenn der Hoteldirektor merkt, dass wir verschwunden sind, wird er bestimmt die Polizei rufen."

"Typisch, McClown, sie können einfach nicht nachdenken!"

"Sir?"

"Natürlich wird die Polizei auf der Strecke nach Killichonan suchen, McClown. Na und? Wir sind auf den Weg nach Glasgow, oder? Außerdem, McClown, denke ich nicht, dass dieser Hoteldirektor einen Lord anzeigen wird."

Der Butler war nun etwas beruhigt, denn wenn die Polizei sie verhaften würde, dann hätte das das Ende der Hamster bedeutet. Nach einer weiteren Meile erreichten sie den kleinen Ort Onich. Es war ein Ort wie viele andere, wenn da nicht etwas gewesen wäre, was ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Am Ende dieses Ortes befand sich eine Gaststätte, in der man offensichtlich auch übernachten konnte, zumindest wies ein Schild darauf hin. Einige Buchstaben an diesem Schild waren im Laufe der Jahre schon etwas blass geworden, doch es war nicht das Schild, das Lord und Butler erstarren ließ. Neben dem Schild stand ein großer Wagen - der Müllwagen!



Mit einem heiseren Schrei rannte der Butler auf den Müllwagen zu und versuchte, die hintere Luke zu öffnen.

"Abgeschlossen, Sir," stöhnte er enttäuscht. "Wir müssen die Müllmänner suchen. Bestimmt sind sie in dem Gasthaus abgestiegen."

"Moment, McClown," warf der Lord ein. "Nicht so vorschnell. Warum sollte jemand die Luke zu einem Müllwagen abschließen? Wenn sie mich fragen, die Sache stinkt. Wir müssen vorsichtig zu Werke gehen."

Langsam näherten sich die beiden der Gaststätte. Es war ein flacher Bau und das Mauerwerk wies viele rissige Stellen auf. Die Fenster waren schon lange nicht mehr geputzt und die Gardinen vergilbt. An der Eingangstür hingen ein paar alte, halb abgerissene Zettel, die vor langer Zeit einmal eine Bedeutung besaßen. Vorsichtig drückte der Butler die Türklinke herunter und öffnete die schwere Eingangstür. Der Lord folgte ihm vorsichtig. Sie betraten einen dunklen Raum, in dem mehrere runde Tische standen. An einem Tisch im hinteren Teil des Raumes saßen die beiden Müllmänner und unterhielten sich lautstark. Hinter der Theke war niemand zu sehen, und auch ansonsten befand kein weiterer Gast in diesem ungemütlichen Raum. Auf dem Tisch der beiden Männer lag Besteck, also war der Wirt offensichtlich in der Küche und bereitete ein Essen für sie vor. Gerade als Lord und Butler sich an einen Tisch setzten wollten, lauschten sie unwillkürlich dem Gespräch der beiden Männer und schon die ersten Worte versetzten sie in totale Panik.

"Tja, da wurde ich ja echt sauer, weissu? Voll zugetreten habe ich und er flog durch die Luft klatschte voll gegen das Holz. Dann blieb er liegen und ich hinterher, weissu? Dann hab' ich nochmal zugetreten und das wars dann."

Er haute mit seiner riesigen Faust auf den Tisch und brüllte: "Ich kanns nu' mal nicht ab, wenn man mich ausspielt, weissu? Wenn mir einer dämlich kommt und nervt, dann ticke ich aus!"



"Völlig richtig," stimmte ihm sein Kumpel zu.

"Du hättest mal hören soll, wie das klatschte, als er gegen das Holz flog! Ich dachte, gleich platzt er wie eine reife Melone, weissu?"

Der Lord und sein Butler schauten einander mit bleichen Gesichtern an.

"Raus hier, McClown," keuchte McShredder und lief zur Tür hinaus.

Der Butler warf einen letzten Blick auf die beiden Männer und zu seinem Schreck sah ihn einer der beiden an. Es war der mit der riesigen Faust.

"He, du," rief er quer durch den Raum. "Soll ich dir auch mal..."

Doch der Butler war schon in Windeseile dem Lord durch die Tür gefolgt und konnte den Rest der Worte nicht mehr hören. Der Müllmann mit der riesigen Faust drehte sich zu seinem Kumpel um und sagte: "Schade, ich hätte dem gerne auch erzählt, wie ich am letzten Wochenende das entscheidende Tor geschossen habe, weissu?"

Während in der Gaststätte weiter über Fußball gesprochen wurde, herrschte vor der Gaststätte Ratlosigkeit und blankes Entsetzen.

"Das sind Tiere, Sir, wenn wir die fragen, ob wir den Müllwagen durchwühlen dürfen, bringen die uns um!"



"Sie haben recht, McClown, das sind keine Menschen. Ich fürchte, wir müssen auf die Koffer verzichten."

"Nein, Sir, nein. Denken sie doch mal an die armen, kleinen, wehrlosen Hamster. Sollen die denn im Feuer sterben?"

"McClown, sie können nicht mehr klar denken. Überlegen sie doch mal, die Hamster sind vielleicht schon erstickt."

Der Blick des Butler fiel auf den Müllwagen und er sah, dass das Fenster der Fahrerseite halb geöffnet war. Vorsichtig näherte er sich der Fahrertür, obwohl die Gaststätte sich nun auf der anderen Seite des Wagens befand und keine Gefahr bestand, von den beiden Müllmännern gesehen zu werden. McClown kletterte auf die Türschwelle des schweren Wagens und sein Herz jubelte: die Wagenschlüssel steckten!

"Sir, schnell, kommen sie!" rief er mit gedämpfter Stimme dem Lord zu, der sich nun neugierig näherte. Der Butler zeigte ihm, was er entdeckt hatte und flüsterte ihm zu, er solle einsteigen.



"McClown, ohne meinen Rollstuhl können sie das vergessen! Ein guter Butler lässt den Besitz seines Herren nicht zurück, also lassen sie sich etwas einfallen, oder wir bleiben hier!"

Der Butler überlegte angestrengt. Im Fahrerraum war nicht genügend Platz und die Luke für den Transportraum war verschlossen. McClown fackelte jedoch nicht lange, sondern schob den Rollstuhl hinter den Müllwagen, hob ihn etwas hoch und hängte ihn an den Griff der Transportluke.

"Das sollte reichen. Bitte steigen sie ein, Sir."

Lord McShredder stieg nur zögernd ein, denn ihm war nicht wohl bei dieser Sache. Einen Müllwagen zu entführen war bestimmt nicht eines Lords würdig. Ebenso wenig würdig wäre es aber auch, von der Polizei wegen Zechprellerei verhaftet zu werden. Dieses Fahrzeug bot die Chance, so schnell wie möglich aus der Gegend zu verschwinden, bevor die Polizei sie fand. Bestimmt würden die beiden Besitzer noch eine ganze Weile brauchen, bis sie merkten, dass ihr Wagen fort war. Vielleicht würden es sie erst am nächsten Tag merken, falls sie in der Gaststätte übernachteten.

"Fahren sie, McClown!"

Vorsichtig setzte der Butler den schweren Wagen zurück auf die Straße und folgte dann hoppelnd dem Schild in Richtung Glencoe.