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Kapitel 21

Im Hotel 1. Teil

 

 

 

"Ist das nicht wunderbar, Sir, in einem echten Hotel zu übernachten? Ein Dach über dem Kopf und ein weiches Bett zu haben? Warmes Essen und..."

"...und alles bezahlen müssen," fügte der Lord völlig niederschlagen hinzu.

 

Sie standen in der Eingangshalle des Hotels und sahen sich um. Ein langer, roter Teppich führte geradeaus weiter zu einer breiten Treppe. Verschiedene Gemälde mit Bildern von schottischen Landschaften und Schlössern hingen an einer Holzwand zur linken Seite, ein Empfangstresen aus poliertem Holz befand sich auf der rechten Seite. Hinter dem Tresen stand ein Mann in Uniform, der sie zunächst nicht beachtete. Der Butler schob den Rollstuhl mit den Koffern und den Hamstern auf die linke Seite und betrachtete interessiert die Gemälde, während die kleinen Tiere neugierig aus dem Koffer guckten und sich ebenfalls umschauten. Der Lord war inzwischen zu dem Portier hinter dem Empfangstresen gegangen und wartete. Der Portier rümpfte mehrfach seine Nase, gerade so, als ob ein unangenehmer Geruch in der Luft wäre. McShredder trommelte mit seinen Fingern auf dem Tresen, während der Portier in einem Buch - offensichtlich ein Gästebuch - blätterte. Schließlich holte der Lord seine Pfeife heraus und wollte sie anzünden.

 

"Sir, das Rauchen ist hier verboten!"

"Ach?" krächzte McShredder. "Ist es auch verboten, Gäste zu bedienen?"

"Haben sie reserviert, Sir?" fragte der Portier ohne aufzublicken.

"Reserviert? Junger Mann, Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Seeungeheuers von Loch Ness und Herzog von Spanien braucht nicht zu reservieren! In allen Hotels der Welt hält man die beste Suite für mich frei!"

Im Hintergrund bekam der Butler einen Hustenanfall, während der Portier nun aufblickte.

"Verzeihen sie, Sir, aber ihr Äußeres...."

"Man beurteilt einen Menschen niemals nach seinem Äußeren, junger Mann, merken sie sich das! Ich könnte dieses winzige Hotel kaufen, und sie an die Luft setzen. Ist ihnen das klar?"

"Natürlich, Sir, selbstverständlich, Sir," erwiderte der Portier kleinlaut. "Wünschen sie einen Familienraum mit Bad und Dusche oder ein Doppelzimmer?"

"Sie haben immer noch nicht verstanden, junger Mann, ich bin Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Herzogs von Spanien und das Seeungeheuer von Loch Ness, äh, umgekehrt. Ist ihnen das ebenfalls klar? Selbstverständlich bekommen wir ihre beiden besten Einzelzimmer. Das größere natürlich für mich! Falls es in diesem heruntergekommenen Laden so etwas Ähnliches wie Essen gibt, dann bringen sie mir auch gleich die Speisekarte auf unsere Zimmer. Schließlich sind wir keine billige Kost gewohnt!"

 

Hätte der Lord sich in diesem Moment umgedreht, dann hätte er gesehen, wie sich sein Butler vor Lachen bog.

 

"Jawohl Sir, äh, Lord McShredder von Killichonan, Bezwinger des Seeungeheuers von Loch Ness und Herzog von Spanien, selbstverständlich. Wie darf ich Euer Durchlauchtigkeit anreden, wenn ich mir diese unangemessene Frage erlauben darf?"



"Ich gewähre ihnen diese Frage und ich gewähre ihnen weiterhin, mich untertänigst mit Sir Lord von Killichonan anzusprechen."

"Selbstverständlich, Sir Lord von Killichonan, darf ich ihr Gepäck nach oben bringen?" fragte der Portier mit zitternder Stimme. Sein hochmütiges Benehmen hatte er nun völlig abgelegt. Schweißperlen waren auf seinem geröteten Gesicht zu sehen.

"Nein. Um das Gepäck kümmert sich mein Diener. Sie tragen mich auf mein Zimmer!"

"Natürlich, Sir, sofort, Sir Lord von Killichonan," stotterte der Portier, lief um den Tresen herum und ging auf den Lord zu. Dann legte er einen Arm hinter dessen Schultern und den anderen hinter die Kniekehlen. Als er den Lord sicher im Griff hatte, schleppte er ihn keuchend die große Treppe hinauf.

"Habt ihr das gehört," rief Bauleiter Murksel begeistert, "wir übernachten hier!"

"Ja, und er hat etwas von Speisekarte gesagt," ergänzte Goldi.

"Hauptsache, wir müssen nicht wieder im Dreck übernachten. Ich will auch mal ein sauberes Klo!" fügte Flecki hinzu und hielt sich fest, denn in diesem Moment hatte der Butler ihren Koffer ergriffen und trug ihn die Treppe hinauf.

"Haben sie überhaupt keine Ausbildung gehabt, junger Mann?" hörten die Hamster in diesem Moment eine ihnen sehr vertraute Stimme schimpfen. "Wollen sie mich etwa vor der Tür stehen lassen, sie ungehobelter Flegel?"

"Aber Sir Lord von Killichonan, ich hatte keine Hand mehr frei zum Öffnen der Tür. Wie sollte ich denn die Tür öffnen, wenn ich sie trage, Sir?"

"Ein Portier von Format hätte das mit den Zähnen oder mit dem Knie gemacht, sie erbärmlicher Anfänger!"

"Jawohl Sir Lord von Killichonan, ich werde mich in Zukunft bemühen."

Sie standen nun im Zimmer und der Lord sah sich mit kritischem Blick um. Er ging mit gemächlichen Schritten zum Fenster, schob die weiße Gardine beiseite und sah hinaus. Dann strich er über den Stoff der Gardine und warf einen Blick auf das riesige Bett. Sein Blick glitt weiter auf einen Mahagonischrank bis hin zum einem goldenen Kronleuchter, der das Zimmer mit gleichmäßigem Licht durchflutete.

"Das soll ihr bestes Zimmer sein?" fragte der Lord und sah den Portier scharf an.

"Jawohl, Sir Lord von Killichonan. Das ist unsere Luxussuite. Ist etwas nicht in Ordnung?"



"Nicht in Ordnung? Es ist eine Katastrophe, sie Nichtsnutz. Die Vorhänge passen nicht zum Kronleuchter! Der Teppich ist durchgelaufen. Zeigen sie mir mal das Badezimmer!"

Wenige Sekunden später standen sie im angrenzenden Badezimmer. Es war in mattes Licht getaucht, ein Flokatiteppich lag auf den Fliesen. Die Wasserhähne der riesigen Badewanne waren mit Gold verziert.

"Portier," erklang die schnarrende Stimme von McShredder, "sagen sie mal, fällt ihnen nichts auf?"

"S... Sir?"

"Seife! Es fehlt ein zweites Stück Seife! Soll ich zum Baden und zum Händewaschen etwa dieselbe Seife benutzen? Raus mit ihnen, sie Lusche!"

Der Portier machte, dass er fort kam. Vor der Tür des Lords blieb er kurz stehen und atmete tief durch. Dann ging er den Gang weiter entlang und klopfte an die Tür, in dem Frido McClown untergebracht war.

"Sir, hier ist der Portier," rief er leise. Kurz darauf öffnete sich die Tür und der Butler sah ihn strahlend an.

"Haben sie einen Wunsch Sir? Sind sie mit dem Zimmer zufrieden, Sir? Wie darf ich sie anreden, Sir?"

Für einen kurzen Moment sah McClown den Portier verwirrt an, denn er war es nicht gewohnt, mit 'Sir' angeredet zu werden.

"Nun," begann er, "wenn sie mir eine Schale mit ungesalzenen Erdnüssen bringen würden, wäre ich soweit zufrieden. Sie können mich Sir Frido nennen."

Der Portier nickte und war froh, endlich gehen zu dürfen.

"Wird sofort erledigt, Sir Frido."


 

 

Kapitel 22

Im Hotel 2. Teil

 

Es dauerte nicht lange, und der Portier lieferte die Speisekarte bei Lord McShredder und eine Schale ungesalzene Erdnüsse bei Frido McClown ab. Dann ging er zurück in die Eingangshalle und griff zum Telefon. Er wählte eine Nummer, die er nur im Notfall benutzen durfte. Dieses war ein Notfall und es bedurfte der Hilfe des Hoteldirektors. Der Hoteldirektor wohnte nicht weit entfernt in dem kleinen Ort Liddesdale, auf der anderen Seite des Loch Sunart. Der Direktor fiel aus allen Wolken, als sein Portier Lachlan Mac Fish ihm mitteilte, dass vornehmer Besuch zu Gast in seinem Hotel war.

"Lachlan," sagte er atemlos vor Aufregung am Telefon, "äußerste Diskretion und erfüllen sie den Herrschaften jeden Wunsch, verstanden? Ich werde morgen so früh es nur geht vorbeikommen und ihnen helfen. Für heute brauchen die Herrschaften bestimmt Ruhe. Denken sie daran, Lachlan, ein Lord hat immer Recht, verstanden?"

"Natürlich, Sir, aber könnten sie nicht schon heute kommen?"

"Lachlan, seien sie nicht albern. Sie schaffen das schon."

Typisch, dachte der Portier, immer muss ich die Arbeit machen, und er geht zum Angeln. Na ja, bis morgen werde ich das schon schaffen.

'"Hey, Dings, äh, Potter!" riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. "Bringen sie mir bitte gewaschenen Salat und 25 Waschlappen!"



"Jawohl, Sir Frido," rief er erstaunt. Verwundert kratzte er sich am Ohr. Dass jemand gerne gewaschen Salat isst, war nichts Ungewöhnliches, doch wozu brauchte jemand 25 Waschlappen? Natürlich konnte er nicht ahnen, dass die Waschlappen als Badelaken für die Hamster bestimmt waren. Die kleinen Tiere waren nach der langen Reise so verschmutzt, dass sie dringend eine Wäsche brauchten. Was lag da näher, als die Badewanne zur Badeanstalt umzubauen? Der Butler konnte schließlich immer noch das Waschbecken benutzen.

"Potter?"

"Ja, Sir Frido?"

"Haben sie kleine Holzbretter?"

"Ja, Sir Frido, kleine Servierbretter habe ich."

"Gut, Potter, bringen sie mir 25 Stück!"

"25, Sir?

"25, Potter!"

Der Portier Lachlan Mac Fish beeilte sich, den Wünschen dieses merkwürdigen Gastes nachzukommen. Der Butler hingegen genoss es sehr, endlich einmal bedient zu werden. Als der Portier den Salat, 25 Waschlappen und 25 kleine Servierbretter an der Zimmertür des Butlers abgeliefert hatte, hörte er eine schnarrende Stimme:

"He, Zimmerservice, ist das Essen fertig?"

Der Portier beeilte sich und lief schnell zur Zimmertür des Lords.

"Sir Lord von Killichonan, haben Euer Durchlaucht gerufen?"

"Einen Durchlauf? Was soll ich mit einem Durchlauf, Mann? Ich habe Hunger, wo bleibt das Essen?

"Verzeihung, Sir Lord von Killichonan, das Dinner nehmen sie bitte in der Lounge ein."

Die Tür sprang auf, und Lord McShredder stand wutschnaubend vor dem Portier.

"Was erlauben sie sich, warum soll ich dünner werden?"

 

Lachlan Mac Fish wurde allmählich klar, dass der Lord hochgradig schwerhörig war, und deshalb wiederholte er schnell mit lauter Stimme: "Dinner, Sir, das Dinner. Haben Euer Lordschaft schon gewählt?"



"Lachs mit Pfifferlingen und Chips!" entgegnete der hungrige Lord und konnte ein Sabbern kaum unterdrücken.

"Sehr wohl, Sir Lord von Killichonan," antwortete der Portier und ging zurück zur Zimmertür des Butlers.

"Sir, was wünschen sie zu speisen?"

"Haggis und Chips. Bringen sie es mir bitte aufs Zimmer," ertönte die Stimme McClowns.

"Ähem, in 25 Schälchen, Sir Frido?"

"25 kleine und eine große, Potter!"

 

Der Rest des Tages verlief in ruhiger und gefräßiger Atmosphäre. Das heißt, für den Portier war es weder ruhig noch gefräßig. Es war schlichtweg die Hölle. Mal verlangte McShredder nach neuem Tabak oder nach einer Zeitung, die der Portier erst aus dem Nachbarort holen musste, mal benötigte McClown dringend Sonnenblumenkerne, die von einem nahe gelegenen Bauernhof besorgt werden mussten. Völlig nervös und mit den Nerven total herunter stand der arme Lachlan hinter dem Empfangstresen und wartete zitternd darauf, die Worte "Zimmerservice!" oder "Potter!" zu hören. Und er bekam sie oft zu hören, sehr oft sogar. Nachdem er kurz vor Mitternacht dem Lord noch eine Tasse Tee mit Keksen, eine große Portion Haggis und dem Butler einen Liter Milch sowie 25 Eierbecher und 50 Kekse gebracht hatte, schlief er schluchzend hinter seinem Tresen vor Erschöpfung ein.

 

Aus dem Zimmer des Lords waren jetzt nur noch Schnarchgeräusche zu hören. Ansonsten schien es still in dem Hotel zu sein. Ging man jedoch an die Zimmertür des Butlers, so waren hier jede Menge merkwürdige Geräusche zu hören. Planschen, Knabbergeräusche, merkwürdige Laute wie ''Eippij!''1 und ein leises Schnarchen, das von Frido McClown stammte. Bei den Hamstern war jedoch noch Party angesagt. Während einige Nager am Rand der Badewanne saßen und Kekse knabberten, planschten die anderen mit Surfbrettern im Wasser. Nur der Bürgermeister stand vor dem großen Badezimmerspiegel und übte eine Rede.



Neben der Wanne waren Flecki und Tati damit beschäftigt, den Fußboden mit Klopapier auszulegen. Goldi hatte einen kleinen Treteimer entdeckt und lud einen Hamsterfreund nach dem anderen ein, sich doch 'bitte mal eben' auf den Deckel zu stellen. Dann sprang er auf das Fußpedal und mit einem lauten "Eflih"2 flog der jeweilige Hamsterfreund in hohem Bogen durch die Luft. Im günstigsten Fall endete der Flug in der Badewanne.

Erst, als die Sonne ihre ersten Strahlen schickte, war überall Ruhe in dem kleinen, vornehmen Hotel eingekehrt. Der Portier lag noch immer völlig erschöpft hinter seinem Empfangstresen und rieb sich die müden Augen. Für ihn war es nun an der Zeit, aufzustehen und das Frühstück zuzubereiten. Mürrisch ging er in die Küche und schloss gleich wieder seine Augen, als er die Berge von schmutzigem Geschirr sah. Seine Lordschaft und der Butler hatten sich das Beste vom Besten servieren lassen und das gleich in doppelter und dreifacher Ausgabe. Hinzu kamen die unzähligen kleinen Geschirrteile wie Eierbecher, Holzbrettchen, Teelöffel und kleine Teller, über deren Sinn und Zweck sich Lachlan Mac Fish nicht den allerkleinsten Reim machen konnte. Nach einigen Stunden hatte er die Küche wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht und deckte den Frühstückstisch. Dann weckte er die Herrschaften.

1 (Hamstisch: Jippie)

2 (Hamstisch: Hilfe)


 

 

Kapitel 23

Im Hotel 3. Teil

 

"Guten Morgen, Sir Lord von Killichonan. Haben Euer Durchlaucht gut geruht?"

 

Der Portier stand stocksteif neben dem Frühstückstisch, als sich Lord McShredder näherte. Ein paar Meter dahinter folgte ihm gähnend sein Butler.

 

"Reden sie nicht so geschwollen, Sklave, wo ist der Kaviar?"

"Äh, Sir, sie erwähnten nichts von Kaviar..."

"Ich erwähnte nichts von Kaviar, sie Lümmel? Der Lord von Killichonan speist jeden Morgen Kaviar! Schreiben sie sich das hinter die Ohren!"

"Ja- jawohl Sir," stammelte der Portier und lief in die Küche, um Kaviar zu holen.

"Äh, Sir, wie schmeckt eigentlich dieser Kaviar?"

"Keine Ahnung, McClown, aber probieren wollte ich so etwas schon immer mal," entgegnete der Lord und fügte hinzu: "Hoffentlich ist der nicht so fett. Auf jeden Fall werde ich nur ein kleines Stück davon probieren."

Kurz darauf kam der Portier mit einer kleinen Schale Kaviar und stellte sie vor den Lord.

"Der Kaviar, Sir Lord von Killichonan!"


Während der Portier machte, dass er schnell wieder in seiner sicheren Küche verschwand, betrachtete der Lord neugierig das Schälchen mit dem schwarzen Inhalt. Er nahm einen kleinen silbernen Löffel und probierte vorsichtig. Dann spuckte er die kleinen, schwarzen Kugeln quer durch den Raum und schimpfte: "Ungenießbar, McClown, total versalzen. Geben sie es den Hamstern zum Spielen!"

Nach diesem unerfreulichen Ereignis wandten sich die beiden wieder ihrem reichhaltigen Frühstück zu und ließen es sich schmecken. In der Zwischenzeit war unbemerkt ein Mann durch die Eingangshalle gekommen und ging auf sie zu.

"Guten Morgen, die Herrschaften, es ist mir eine besondere Ehre und Freude, sie in meinem Hotel begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, es fehlt ihnen an nichts, und sie sind zufrieden!"

"Kein Eis!" krähte McShredder.

"Sir?" fragte der Hoteldirektor fassungslos.

"Es fehlt das Eis! Machen sie sich mal nützlich, und bringen sie mir Himbeereis, anstatt mich beim Essen zu stören!"



"Und für mich noch eine Extraportion Chips!" rief McClown dem fassungslosen Direktor hinterher, der nun tatsächlich in die Küche ging, um seinen Portier zu suchen. Er fand ihn bei der Geschirrspüle.

"Lachlan, ist alles in Ordnung mit ihnen?" rief er, doch schon im nächsten Moment sah er seinen völlig entnervten Angestellten und wusste, dass gar nichts in Ordnung war. Ein Schatten seiner selbst war er, der Portier, zitternd und nervös stand er nun vor dem geöffneten Kühlschrank und hielt seinen Kopf in das Gefrierfach.

"Ich halte das nicht mehr aus, Chef," jammerte er und schlug mit der Faust gegen die Kühlschranktür.

"Aber, aber, Lachlan, so schlimm kann das doch nicht sein!"

"Nein, Chef, es ist eher schlimmer! Die ganze Nacht habe ich das Wasser in der Badewanne laufen hören, das ganze Hotel stinkt nach verdammten Tabak, und rumgemeckert haben die bis Mitternacht! Chef, ich gehe!"

"Lachlan, nein, das können sie nicht machen, ohne sie bin ich erledigt!" Der Hoteldirektor war leichenblass geworden.

"Nein, Chef, ohne mich. Entweder die gehen oder ich. Das ist mein letztes Wort!"

Der Portier trat die Tür des Kühlschranks zu und ging zum Empfangstresen, um seine Sachen zu packen.

Der Direktor dieses ehrwürdigen Hotels war in einer schlimmen Lage. Wenn er die beiden Gäste hinaus schmeißen würde, dann ginge ihm viel Geld verloren. Andererseits, wenn sein Portier kündigen würde, dann gäbe es keinen Hotelbetrieb mehr.

Er rückte seinen Schlips zurecht und ging langsam an den Frühstückstisch, wo Lord McShredder und McClown saßen und mit aufgestützten Ellenbogen ihren Tee schlürften. Sie hatten beide ihre Füße auf die Nachbarstühle gelegt. Es sah wirklich nicht sonderlich vornehm aus.

"Gentlemen," begann der Hoteldirektor vorsichtig, "es gibt ein kleines Problem."

"Von wegen klein," grölte der Lord, "ein großes Problem! Wo bleibt mein Eis?"



"Ein Eis werden sie selbstverständlich sofort bekommen, Sir, es ist leider ein Problem aufgetaucht, das ihre sofortige Aufmerksamkeit erfordert."

"Soll das heißen, sie haben kein Himbeereis mehr? Dann bringen sie mir Erdbeere, aber dalli!" krähte der Lord und klopfte seine Pfeife in der Kaviarschale aus.

"Es geht leider um mehr, als um ein Eis, Sir. Sie müssen leider unser Hotel verlassen."

"Verlassen?" Der Lord nahm seine Pfeife und zeigte auf den Hoteldirektor. "Machen sie sofort, dass sie in die Küche kommen, und holen sie mir ein Eis, sonst kaufe ich dieses mickerige Hotel und entlasse sie."

"Auch gut, Sir," entgegnete der Direktor ruhig. "An welche Summe dachten sie denn?"

Lord McShredder wurde blass und legte seine Pfeife auf den Tisch.

"Nun, äh, eine Menge, oder? Ich bin der Lord von Killichonan, der Herrscher vom Loch Ness Monster, äh, und ich könnte ihnen ein Schloss anbieten, das, äh, gerade renoviert wird."

"Vielen Dank, Sir, das wird nicht nötig sein. Geben sie mir bitte das Geld für eine Übernachtung in der Luxus-Suite. Zahlen sie getrennt, meine Herren?"

Er sah Frido McClown fragend an. Der jedoch schüttelte mit dem Kopf und zeigte auf den Lord.

"Er hat uns eingeladen!"

"Uns, Sir?" fragte der Direktor erstaunt. "Wen denn noch?"

"Äh," überlegte der Butler, "ich meine mich und die, äh, die Koffer."

"Die Koffer, ich verstehe. Nun, Sir Lord, dann werden sie die Gesamtrechnung übernehmen. Mein Portier wird sie ihnen gleich bringen. Die Koffer tragen wir ihnen gerne vor die Tür. Haben sie sonst noch Wünsche?"



Lord und Butler waren nun völlig ratlos und sagten nichts mehr. Der Hoteldirektor ging zu seinem Portier, der im Hintergrund mit wachsender Freude dem Gespräch gelauscht hatte. Er hatte bereits hatte ein großes Blatt Papier hervorgeholt und begann zu schreiben.

"Sir, sie haben doch wohl genug Geld dabei?" stellte der Butler dem Lord die Frage aller Fragen.

"McClown, sehe ich etwa aus wie ein mieser Hühnerdieb? Selbstverständlich hat ein Lord immer genug Geld dabei! Sehen sie lieber zu, dass sie unauffällig die Reste von dem Essen einpacken, wir müssen schließlich sparen!"

"Sparen, Sir? Aber ich denke..."

"185 Pfund, Sir. Wenn ich bitten darf, in bar."

Der Hoteldirektor legte Lord McShredder einen Zettel vor die Nase, auf dem viele Worte und noch mehr Zahlen standen. Mit einem Gesicht, als hätte er gerade seine Pfeife verschluckt, nahm der Lord die Rechnung in die Hand. Der Butler konnte genau sehen, dass das Gehirn des alten Gauners fieberhaft am Arbeiten war. Zwar hatte McClown keine Ahnung, was nun kommen würde, aber er hatte das ungute Gefühl, dass gleich irgend etwas Unangenehmes passieren würde.

"Ist das alles?" krähte McShredder und warf die Rechnung auf den Tisch. "Diese läppische Rechnung ist alles? Guter Mann, soviel erhält bei mir der Postbote als Trinkgeld! Da bin ich ganz andere Rechnungen gewohnt! Ich werde diese lächerliche Summe bei meinem nächsten Besuch bezahlen. McClown, wir gehen!"

Der Direktor trat an den Lord heran und legte ihm die Hand auf die Schulter.

"Sie werden noch nicht gehen, Sir, denn leider muss ich auf sofortige Bezahlung bestehen."



"Wollen sie einem Lord drohen?" fragte McShredder entrüstet. "Wenn ich sage, ich zahle bei nächsten Mal, dann können sie sich darauf verlassen. Ist das klar, junger Mann?"

"Völlig klar, Sir." Der Hoteldirektor dreht sich zum Portier um. "Lachlan, bitte seien sie so gut, und rufen sie die Polizei!"

Einen Moment stand der Portier wie versteinert da, doch dann griff er lächelnd zum Telefon. Auch der Lord schien nun den Ernst der Lage zu begreifen und rief: "Halt! Ich zahle!"

Sofort waren alle Augen auf ihn gerichtet. Seufzend griff er in seine Hosentaschen, wühlte eine Weile darin herum und machte ein erstauntes Gesicht. Dann schaute er unter den Frühstückstisch, unter den Stuhl und schließlich begann er, den Teppich in der Eingangshalle hochzuheben.

"Sir, was machen sie da?" fragte der Hoteldirektor verwundert.

"Ich suche mein Geld. Vor ein paar Minuten habe ich es noch gehabt."

"Vielleicht haben sie es in ihrem Zimmer gelassen, Sir."

"Nein, nein. Ich habe es eben noch gehabt. Es ist weg."

Der Direktor sah erst den Lord, dann den Butler und schließlich seinen Portier an. Dann ging er langsam im Raum hin und her. Er überlegte lange und sprach: "Nun, Sir, ich möchte einen Lord nicht der Lüge bezichtigen, und ich möchte einen Lord nicht im Gefängnis sehen müssen. Sie verstehen aber, Sir, dass auch ich Geld zum Leben brauche. Selbstverständlich muss auch mein Angestellter sein Gehalt von mir bekommen. Daher schlage ich ihnen vor, dass sie sich das Geld von Freunden schicken lassen, oder," er machte eine Pause und sah den Lord nachdringlich an. "Oder, sie werden es abarbeiten!"

Lord McShredder saß recht verlegen auf seinem Stuhl und spielte mit seiner Pfeife. Freunde, die ihm Geld schicken würden? Das konnte er vergessen, er hatte keine Freunde. Schließlich stand er auf.

"Ein Lord bettelt seine Freunde nicht an, selbst wenn die mit Begeisterung helfen würden. Diese läppische Summe werden mein Butler und ich mit Freuden abarbeiten!"


 

 

Kapitel 24

Im Hotel 4. Teil

 

"Mit Freuden, Sir," knurrte Frido McClown, "sagten sie mit Freuden? Seit vorgestern schuften wir von morgens bis abends."

"McClown, sie sind auch immer unzufrieden. Wir haben ein Dach über dem Kopf und warmes Essen, so ein bisschen Arbeit wird sie schon nicht umbringen."

Der Lord saß auf einem alten Farbeimer und sah zu, wie sein Butler den letzten Teil der Rückwand des Hotels mit weißer Farbe strich. Die Vorderseite hatten sie am gestrigen Tage bereits vollständig gestrichen, und das Hotel erstrahlte in neuem Glanz. McClown hatte aber im Moment keinen Sinn für solche Schönheiten, denn inzwischen war dem Lord eingefallen, dass er aufgrund seines Rheumas dringend eine längere Pause brauchte. Nun konnte er die gesamte Arbeit alleine machen.

"Sir, wenn wir hiermit fertig sind, müssen wir das Dach reparieren und anschließend alle Zimmer streichen. Ich kann nicht mehr."

In diesem Moment kam der Portier mit einer großen Schüssel und stellte sie vor dem Lord ab.

"Kartoffeln, Sir. Trotz ihres Rheumas dürften sie wohl in der Lage sein, diese Kartoffeln zu schälen. Machen sie es bitte ordentlich."



Der Lord nahm das Küchenmesser, das der Portier ihm gereicht hatte in die Hand und betrachtete es. Nachdem der Portier das Zimmer verlassen hatte, schleuderte er es quer durch den Raum.

"Sie haben recht, McClown. Diese Arbeit ist eines Lords unwürdig. Im Gegensatz zu ihnen bin ich jedoch mit einer Menge Gehirn ausgestattet und habe bereits einen Fluchtplan ausgearbeitet."

"Einen Fluchtplan, Sir?"

"Einen Fluchtplan, McClown. Morgen früh um 7.47 Uhr fährt ein Bus nach Corran, den werden wir nehmen. Von Corran aus nehmen wir die Fähre und verschwinden."

"Aber, Sir, wie sollen wir denn unauffällig durch die Eingangshalle flüchten?"

"Sehen sie, McClown," krähte der Lord, "sie denken eben nur mit den Füßen und nicht mit dem Kopf. Deshalb sind sie auch nur ein Butler und kein Lord. Sehen sie zu, dass unser Rollstuhl über Nacht draußen stehen bleibt, ohne, dass das auffällt. Lassen sie sich etwas einfallen. Nach dem Frühstück werden wir fliehen."

Es war in der Tat nicht weiter schwierig für den Butler, sich etwas einfallen zu lassen. Nachdem er den Rollstuhl reichlich mit Farbe bekleckert und anschließend mit einem übel riechenden Reinigungsmittel bearbeitet hatte, konnte er ihn zum Ausdünsten vor der Eingangstür stehen lassen, ohne dass jemand Verdacht schöpfte.

So saßen die beiden am Abend in dem kleinen Zimmer, das ihnen vor zwei Tagen zugeteilt worden war. Es lag direkt neben der Küche und war recht karg eingerichtet. Zwei Betten und ein alter Schrank waren alles, was ihnen zur Verfügung stand. Das Essen war knapp bemessen und McClown argwöhnte, dass es sich um die Essenreste der wenigen Gäste des Hotels handelte. Er hatte es gründlich satt, auch nur einen Tag länger unter diesen Umständen arbeiten zu müssen. Sicher, er war es gewohnt, unter dem Lord von morgens bis abends zu arbeiten, jedoch nie so hart wie in diesem Hotel. Bis spät in die Nacht musste er gestern das Geschirr spülen und als er damit fertig war, hatte er die Malerpinsel zu reinigen, bevor er völlig erschöpft ins Bett fiel. Zu diesem Zeitpunkt schnarchte Seine Durchlaucht bereits, denn der Lord hatte sich wegen seines Rheumas nur mit den nötigsten Arbeiten abgegeben. Der Butler seufzte tief und ging zu den Koffern mit seinen kleinen Hamsterfreunden.

"Keine Sorge, meine kleinen Freunde," flüsterte er. "Morgen Früh sind wir wieder frei!" Dann drehte er sich auf die Seite und schon nach kurzer Zeit war auch er eingeschlafen.

"Was soll denn das nun schon wieder," schimpfte Tati, "warum kümmert sich hier keiner um uns? Den ganzen Tag hängen wir hier herum und keiner ist für uns da!"



"Und Essen gibt es auch kaum noch," beschwerte sich Goldi. "Wir sollten machen, dass wir hier verschwinden!"

"Nicht richtig zugehört eben, oder?" meldete sich Flecki. "Der nette Mann hat doch gerade eben gesagt, dass wir morgen früh wieder frei sind."

"So ist es," bestätigte der Bürgermeister. "Liebe Hamster, morgen werden wir wieder frei sein. Wir werden wieder uns selbst gehören, wie die alten Kelten sagten. Natürlich wird der eine oder andere nun fragen: was heißt denn frei? Nun, meine lieben Freunde, das bedeutet nichts Anderes als eben frei sein. Wie ich eingangs schon erwähnte..."

"Wer kommt mit in die Küche?" unterbrach Goldi den Redefluss des Bürgermeisters. "So ein kleiner Snack wäre doch jetzt genau das Richtige, oder?"

Als sich der Bürgermeister umsah, war er alleine im Raum. Jedenfalls war er der einzige Hamster im Raum, denn in den Betten lagen McShredder und McClown, die sich dem Schlaf der Gerechten hingaben. Achselzuckend drehte sich der allein gelassene Bürgermeister zu den beiden Schlafenden um und tippelte ein paar Schritte näher. Als er zwischen den Betten stand, breitete er die Arme aus und sprach:

"Meine Herren, sicherlich interessiert es sie zu erfahren, wie meine Einstellung in meiner verantwortungsvollen Position des Bürgermeisters zu den Dingen im Besonderen und im Allgemeinen ist. Ich freue mich, dass sie so zahlreich versammelt sind, und ich versichere ihnen, dass sie ihr Kommen nicht bereuen werden, da ich, wie sie sicherlich schon...."

Während der Bürgermeister also froh war, endlich vor einem Publikum zu reden, das nicht flüchten konnte, waren die anderen Hamster bereits in der Küche angekommen. Die spiegelglatte Spüle lud zu einer Rutschpartie ein. Mit einem fröhlichen "Uhuj!" rutschte ein Hamster nach dem anderen mehrere Meter über die glatte Oberfläche hinein in das Waschbecken. Als auch der letzte in das Waschbecken hineingefallen war, gab es ein Problem.



"Und was nun?" erkannte Bauleiter Murksel als erster das Problem. "Wie kommen wir nun wieder heraus?"

Schweigen und lange Gesichter waren die Antwort. Sie waren gefangen, und das durch ihre eigene Dummheit. Verzweifelt versuchten die Hamster, an der glatten Fläche des Beckens hoch zu krabbeln, jedoch ohne Erfolg. Sie probierten es damit, dass einer auf den anderen stieg, doch der Boden des Waschbeckens war einfach zu glatt. Immer wieder rutschte der unterste Hamster weg und alle purzelten durcheinander. So verbrachten sie eine langweilige Nacht in einem langweiligen Waschbecken.


 

 

Kapitel 25

Die Flucht

 

Es wurde gerade hell, als der Butler durch das laute Schnarchen des Lords geweckt wurde. Er rieb sich die Augen und schlagartig war ihm bewusst, dass heute endlich Schluss sein würde mit mit all den Sklavenarbeiten. Verwundert schaute er auf den Fußboden und entdeckte einen der Hamster, der offensichtlich irgend etwas erzählte. Der Butler schüttelte verwundert den Kopf, packte den protestierenden Hamster und setzte ihn in den Koffer. Ein Schreck durchfuhr ihn: wo waren denn die restlichen Hamster geblieben? Er sah unter den Betten nach, durchwühlte den Schrank, doch die Hamsterschar blieb verschwunden. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es kurz nach 5.00 Uhr war. McClown beschloss, jetzt schon mit der Vorbereitung des Frühstücks für die Hotelgäste zu beginnen. Es wäre sicher nicht verkehrt, etwas Zeit für die Fluchtvorbereitungen zu gewinnen. Ganz leise, um Lord McShredder nicht unnötigerweise zu wecken und in unsinnige Diskussionen zu verwickeln, öffnete er die Zimmertür und ging in die angrenzende Küche. Als erstes füllte er den Wasserkessel, setzte ihn auf den Herd und holte aus dem Küchenschrank Tee und Teefilter hervor. Verärgert bemerkte er, dass die Teekanne noch nicht gereinigt war und ging zum Waschbecken. Als er dort ankam, traute er seinen Augen nicht.

"Na, ist eure Party ins Wasser gefallen?" Der Butler bog sich vor Lachen. "Habt ihr euch denn wenigstens gut amüsiert?"



Er packte die frustrierten Hamster und trug sie behutsam die Treppe hinauf. Dabei kicherte er immer wieder leise vor sich hin und hatte große Mühe, nicht laut loszulachen. Vorsichtig öffnete er die Tür, trug die Hamster hinein und setzte die Tiere in den Koffer zum Bürgermeister, der noch immer seine Rede hielt. Dann ging er leise kichernd wieder in die Küche zurück.

"Wenn der noch ein Wort gesagt hätte, dann hätte ich ihn fertig gemacht," tönte Goldi und hob drohend seine Pfote.

"Am besten, wir reden nicht mehr davon," meinte Purzel. "Wir sind ja wirklich eine Schande für die gesamte Hamsterschaft."

"Genau," gähnte Flecki. "Lasst uns jetzt schlafen gehen. Für heute haben wir uns genug blamiert"

Während die Hamster sich schlafen legten, bereitete der Butler in der Küche das Frühstück vor. Er war froh, dass dieses Hotel zur Zeit nur wenige Gäste beherbergte. Es waren nur zwei weitere Gäste mit Frühstück zu versorgen, dachte der Butler beruhigt und bereitete den Kaffee für Zimmer 4 vor. In diesem Raum befand sich ein merkwürdiger Professor, der den ganzen Tag entweder irgendwo in der Gegend herum wanderte oder Bücher in seinem Zimmer las. Dann war da noch Zimmer 8, das von einem Ehepaar bewohnt war. Auch die waren den ganzen Tag unterwegs und bereiteten McClown keinerlei Probleme. Allerdings stand die Ferienzeit unmittelbar bevor, und er wusste genau, dass bald jede Menge Gäste kommen würden. Nein, sie mussten verschwinden und zwar je eher, desto besser. Er sah auf die Küchenuhr, es war inzwischen kurz nach 6.00 Uhr. Das Kribbeln in der Magengegend wurde immer stärker, und der Butler überlegte, wie sie die Koffer möglichst unauffällig aus dem Hotel schaffen konnten. Er hatte noch keine Ahnung wie, und genau das bereitete ihm nicht unerhebliche Sorgen. Und wenn sie die Koffer einfach zurück ließen? Nein, auf keinen Fall, dachte er mit grimmigen Gesichtsausdruck, niemals würde er die armen, kleinen Hamster im Stich lassen.

"Sie sehen aber nicht besonders fröhlich aus, Sir Frido, guten Morgen!" erklang neben ihm die Stimme des Portiers, der die Küche betreten hatte, um nach dem rechten zu sehen. McClown gegenüber war Lachlan Mc Fish sogar recht freundlich, denn er betrachtete den Butler als einen Gleichgesinnten. Lord McShredder hingegen piesackte er, wo immer und sooft es ging. "Denken sie bitte daran, nachher den Müll vor die Tür zu stellen, damit die Müllabfuhr ihn mitnimmt!"

"Mach' ich," brummte McClown und füllte das Kaffeepulver, das er soeben vor Schreck verschüttet hatte, in den Filter zurück. Plötzlich schoss ihm eine Idee durch den Kopf. Der Müll! Er ging in den hinteren Teil der Küche und fand die beiden großen Mülltonnen, die für die heutige Leerung vorgesehen waren. Er sah hinein und stellte fest, dass noch genug Platz vorhanden war, genug Platz für die Koffer.



Der Butler lief so schnell es ohne aufzufallen ging, aus der Küche hinaus und wieder in das Zimmer hinein, in dem der Lord immer noch friedlich, aber laut, vor sich hin schnarchte. Frido McClown nahm einen Koffer nach dem anderen und trug ihn in die Küche. Der Portier war nicht zu sehen, und mit klopfendem Herzen legte der Butler die Koffer in die Mülltonnen. Dann nahm er den kleinen, grünen Eimer, in dem die Speisereste gesammelt wurden und verteilte sie so in den Tonnen, dass die Koffer nicht mehr zu sehen waren. Als er wieder auf die Uhr blickte, stellte er mit Schrecken fest, dass es bereits kurz vor 7.00 Uhr war. Er beeilte sich, die Frühstückstische zu decken, stellte schnell die beiden Mülltonnen vor die Eingangstür des Hotels, weckte schließlich den Lord und erzählte ihm, wo die Koffer verblieben waren.

"McClown, ich sehe, dass sie von mir gelernt haben," flüsterte der Lord wenig später am Frühstückstisch und blickte sich immer wieder vorsichtig um, ob auch niemand in der Nähe war. "Es ist jetzt 7.25 Uhr, wenn wir mit dem Frühstück fertig sind, räumen sie schnell ab und gehen in die Küche zurück. Wir werden 10 Minuten brauchen, um zur Bushaltestelle zu kommen, wo der Bus um 7.47 Uhr nach Corran abfährt."



"Ja, Sir," entgegnete der Butler aufgeregt und stopfte sich das letzte Stück Brot in den Mund. "Ich fange jetzt mit dem Abräumen an."

"Gut, McClown," erwiderte McShredder, "ich gehe jetzt ins Zimmer und ziehe meinen Maleranzug an. Dann gehe ich nach Draußen und warte auf sie."

Nachdem der Butler das Geschirr in die Küche getragen hatte, schaute er noch einmal auf die Uhr. Es war jetzt 7.35 Uhr, nun war es soweit! Er nahm den kleinen, grünen Eimer und tat so, als wolle er noch Müllreste in die draußen stehenden Mülltonnen bringen. Der Portier war gerade in die Küche gegangen, wahrscheinlich wollte er nachsehen, ob alle Zutaten für das Mittagessen vorhanden sind, dachte der Butler und ging schnell zur Hoteltür hinaus. Dort stand der Lord und machte ein nachdenkliches Gesicht. Die Mülltonnen! Wo waren die Mülltonnen mit den Koffern? Die Koffern waren nicht so wichtig, aber wo waren die armen Hamster?

"Bravo, McClown, die Müllabfuhr hat soeben unsere Koffer abgeholt."

"Wohin, Sir?" Der Butler war den Tränen nahe.

"Nun, McClown, die werden wohl zur Müllverbrennungsanlage nach Glasgow gebracht."

"Können wir die denn noch einholen, Sir?"

Lord McShredder überlegte.

"Los, McClown, nehmen sie den Rollstuhl und geben sie Gas. Wir müssen jetzt erst einmal den Bus erwischen!"



Der Lord setzte sich in den Rollstuhl und der Butler schob. Es gab keine Diskussionen darüber, dass der Lord geschoben wurde, denn erstens konnte er nicht besonders schnell laufen, und zweitens war die Straße abschüssig, so dass sie sehr schnell vorwärts kamen. Mit rasender Geschwindigkeit ging es durch eine Rechtskurve, und schon kam die Innenstadt von Strontian in Sicht. Keuchend schob der Butler, so schnell es auf der holperigen Straße ging. Immer wieder blickte er sich um, doch es waren keine Verfolger in Sicht. Ein Lord in einem Maleranzug auf einem Rollstuhl, der von seinem Butler, der wie ein Koch angezogen war, in einem Höllentempo durch die Innenstadt geschoben wurde. Welch ein Bild, dachte McClown und sah erleichtert, dass sich die Bushaltestelle nur noch wenige Meter vor ihnen befand.

Der Bus wartete bereits, der Lord stieg aus dem Rollstuhl und kletterte in den Bus hinein. Erschöpft setzte er sich auf eine Bank. Der Busfahrer war von seinem Fahrersitz aufgestanden und half dem Butler, den Rollstuhl in den Bus zu tragen. Danach setzte er sich wieder ans Steuer und drehte sich zu McClown um:

"Brauchen sie noch eine Fahrkarte, Sir?"

Der Butler schüttelte den Kopf. Er brauchte keine Fahrkarte, er brauchte den Koffer mit dem Hamstern.

Dann setzte sich der Bus in Bewegung.

 

Die Rückkehr (nach Schottland) - Kapitel 26-30