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Kapitel 25

Die Flucht

 

Es wurde gerade hell, als der Butler durch das laute Schnarchen des Lords geweckt wurde. Er rieb sich die Augen und schlagartig war ihm bewusst, dass heute endlich Schluss sein würde mit mit all den Sklavenarbeiten. Verwundert schaute er auf den Fußboden und entdeckte einen der Hamster, der offensichtlich irgend etwas erzählte. Der Butler schüttelte verwundert den Kopf, packte den protestierenden Hamster und setzte ihn in den Koffer. Ein Schreck durchfuhr ihn: wo waren denn die restlichen Hamster geblieben? Er sah unter den Betten nach, durchwühlte den Schrank, doch die Hamsterschar blieb verschwunden. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es kurz nach 5.00 Uhr war. McClown beschloss, jetzt schon mit der Vorbereitung des Frühstücks für die Hotelgäste zu beginnen. Es wäre sicher nicht verkehrt, etwas Zeit für die Fluchtvorbereitungen zu gewinnen. Ganz leise, um Lord McShredder nicht unnötigerweise zu wecken und in unsinnige Diskussionen zu verwickeln, öffnete er die Zimmertür und ging in die angrenzende Küche. Als erstes füllte er den Wasserkessel, setzte ihn auf den Herd und holte aus dem Küchenschrank Tee und Teefilter hervor. Verärgert bemerkte er, dass die Teekanne noch nicht gereinigt war und ging zum Waschbecken. Als er dort ankam, traute er seinen Augen nicht.

"Na, ist eure Party ins Wasser gefallen?" Der Butler bog sich vor Lachen. "Habt ihr euch denn wenigstens gut amüsiert?"



Er packte die frustrierten Hamster und trug sie behutsam die Treppe hinauf. Dabei kicherte er immer wieder leise vor sich hin und hatte große Mühe, nicht laut loszulachen. Vorsichtig öffnete er die Tür, trug die Hamster hinein und setzte die Tiere in den Koffer zum Bürgermeister, der noch immer seine Rede hielt. Dann ging er leise kichernd wieder in die Küche zurück.

"Wenn der noch ein Wort gesagt hätte, dann hätte ich ihn fertig gemacht," tönte Goldi und hob drohend seine Pfote.

"Am besten, wir reden nicht mehr davon," meinte Purzel. "Wir sind ja wirklich eine Schande für die gesamte Hamsterschaft."

"Genau," gähnte Flecki. "Lasst uns jetzt schlafen gehen. Für heute haben wir uns genug blamiert"

Während die Hamster sich schlafen legten, bereitete der Butler in der Küche das Frühstück vor. Er war froh, dass dieses Hotel zur Zeit nur wenige Gäste beherbergte. Es waren nur zwei weitere Gäste mit Frühstück zu versorgen, dachte der Butler beruhigt und bereitete den Kaffee für Zimmer 4 vor. In diesem Raum befand sich ein merkwürdiger Professor, der den ganzen Tag entweder irgendwo in der Gegend herum wanderte oder Bücher in seinem Zimmer las. Dann war da noch Zimmer 8, das von einem Ehepaar bewohnt war. Auch die waren den ganzen Tag unterwegs und bereiteten McClown keinerlei Probleme. Allerdings stand die Ferienzeit unmittelbar bevor, und er wusste genau, dass bald jede Menge Gäste kommen würden. Nein, sie mussten verschwinden und zwar je eher, desto besser. Er sah auf die Küchenuhr, es war inzwischen kurz nach 6.00 Uhr. Das Kribbeln in der Magengegend wurde immer stärker, und der Butler überlegte, wie sie die Koffer möglichst unauffällig aus dem Hotel schaffen konnten. Er hatte noch keine Ahnung wie, und genau das bereitete ihm nicht unerhebliche Sorgen. Und wenn sie die Koffer einfach zurück ließen? Nein, auf keinen Fall, dachte er mit grimmigen Gesichtsausdruck, niemals würde er die armen, kleinen Hamster im Stich lassen.

"Sie sehen aber nicht besonders fröhlich aus, Sir Frido, guten Morgen!" erklang neben ihm die Stimme des Portiers, der die Küche betreten hatte, um nach dem rechten zu sehen. McClown gegenüber war Lachlan Mc Fish sogar recht freundlich, denn er betrachtete den Butler als einen Gleichgesinnten. Lord McShredder hingegen piesackte er, wo immer und sooft es ging. "Denken sie bitte daran, nachher den Müll vor die Tür zu stellen, damit die Müllabfuhr ihn mitnimmt!"

"Mach' ich," brummte McClown und füllte das Kaffeepulver, das er soeben vor Schreck verschüttet hatte, in den Filter zurück. Plötzlich schoss ihm eine Idee durch den Kopf. Der Müll! Er ging in den hinteren Teil der Küche und fand die beiden großen Mülltonnen, die für die heutige Leerung vorgesehen waren. Er sah hinein und stellte fest, dass noch genug Platz vorhanden war, genug Platz für die Koffer.



Der Butler lief so schnell es ohne aufzufallen ging, aus der Küche hinaus und wieder in das Zimmer hinein, in dem der Lord immer noch friedlich, aber laut, vor sich hin schnarchte. Frido McClown nahm einen Koffer nach dem anderen und trug ihn in die Küche. Der Portier war nicht zu sehen, und mit klopfendem Herzen legte der Butler die Koffer in die Mülltonnen. Dann nahm er den kleinen, grünen Eimer, in dem die Speisereste gesammelt wurden und verteilte sie so in den Tonnen, dass die Koffer nicht mehr zu sehen waren. Als er wieder auf die Uhr blickte, stellte er mit Schrecken fest, dass es bereits kurz vor 7.00 Uhr war. Er beeilte sich, die Frühstückstische zu decken, stellte schnell die beiden Mülltonnen vor die Eingangstür des Hotels, weckte schließlich den Lord und erzählte ihm, wo die Koffer verblieben waren.

"McClown, ich sehe, dass sie von mir gelernt haben," flüsterte der Lord wenig später am Frühstückstisch und blickte sich immer wieder vorsichtig um, ob auch niemand in der Nähe war. "Es ist jetzt 7.25 Uhr, wenn wir mit dem Frühstück fertig sind, räumen sie schnell ab und gehen in die Küche zurück. Wir werden 10 Minuten brauchen, um zur Bushaltestelle zu kommen, wo der Bus um 7.47 Uhr nach Corran abfährt."



"Ja, Sir," entgegnete der Butler aufgeregt und stopfte sich das letzte Stück Brot in den Mund. "Ich fange jetzt mit dem Abräumen an."

"Gut, McClown," erwiderte McShredder, "ich gehe jetzt ins Zimmer und ziehe meinen Maleranzug an. Dann gehe ich nach Draußen und warte auf sie."

Nachdem der Butler das Geschirr in die Küche getragen hatte, schaute er noch einmal auf die Uhr. Es war jetzt 7.35 Uhr, nun war es soweit! Er nahm den kleinen, grünen Eimer und tat so, als wolle er noch Müllreste in die draußen stehenden Mülltonnen bringen. Der Portier war gerade in die Küche gegangen, wahrscheinlich wollte er nachsehen, ob alle Zutaten für das Mittagessen vorhanden sind, dachte der Butler und ging schnell zur Hoteltür hinaus. Dort stand der Lord und machte ein nachdenkliches Gesicht. Die Mülltonnen! Wo waren die Mülltonnen mit den Koffern? Die Koffern waren nicht so wichtig, aber wo waren die armen Hamster?

"Bravo, McClown, die Müllabfuhr hat soeben unsere Koffer abgeholt."

"Wohin, Sir?" Der Butler war den Tränen nahe.

"Nun, McClown, die werden wohl zur Müllverbrennungsanlage nach Glasgow gebracht."

"Können wir die denn noch einholen, Sir?"

Lord McShredder überlegte.

"Los, McClown, nehmen sie den Rollstuhl und geben sie Gas. Wir müssen jetzt erst einmal den Bus erwischen!"



Der Lord setzte sich in den Rollstuhl und der Butler schob. Es gab keine Diskussionen darüber, dass der Lord geschoben wurde, denn erstens konnte er nicht besonders schnell laufen, und zweitens war die Straße abschüssig, so dass sie sehr schnell vorwärts kamen. Mit rasender Geschwindigkeit ging es durch eine Rechtskurve, und schon kam die Innenstadt von Strontian in Sicht. Keuchend schob der Butler, so schnell es auf der holperigen Straße ging. Immer wieder blickte er sich um, doch es waren keine Verfolger in Sicht. Ein Lord in einem Maleranzug auf einem Rollstuhl, der von seinem Butler, der wie ein Koch angezogen war, in einem Höllentempo durch die Innenstadt geschoben wurde. Welch ein Bild, dachte McClown und sah erleichtert, dass sich die Bushaltestelle nur noch wenige Meter vor ihnen befand.

Der Bus wartete bereits, der Lord stieg aus dem Rollstuhl und kletterte in den Bus hinein. Erschöpft setzte er sich auf eine Bank. Der Busfahrer war von seinem Fahrersitz aufgestanden und half dem Butler, den Rollstuhl in den Bus zu tragen. Danach setzte er sich wieder ans Steuer und drehte sich zu McClown um:

"Brauchen sie noch eine Fahrkarte, Sir?"

Der Butler schüttelte den Kopf. Er brauchte keine Fahrkarte, er brauchte den Koffer mit dem Hamstern.

Dann setzte sich der Bus in Bewegung.

 

Die Rückkehr (nach Schottland) - Kapitel 26-30