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Kapitel 24

Im Hotel 4. Teil

 

"Mit Freuden, Sir," knurrte Frido McClown, "sagten sie mit Freuden? Seit vorgestern schuften wir von morgens bis abends."

"McClown, sie sind auch immer unzufrieden. Wir haben ein Dach über dem Kopf und warmes Essen, so ein bisschen Arbeit wird sie schon nicht umbringen."

Der Lord saß auf einem alten Farbeimer und sah zu, wie sein Butler den letzten Teil der Rückwand des Hotels mit weißer Farbe strich. Die Vorderseite hatten sie am gestrigen Tage bereits vollständig gestrichen, und das Hotel erstrahlte in neuem Glanz. McClown hatte aber im Moment keinen Sinn für solche Schönheiten, denn inzwischen war dem Lord eingefallen, dass er aufgrund seines Rheumas dringend eine längere Pause brauchte. Nun konnte er die gesamte Arbeit alleine machen.

"Sir, wenn wir hiermit fertig sind, müssen wir das Dach reparieren und anschließend alle Zimmer streichen. Ich kann nicht mehr."

In diesem Moment kam der Portier mit einer großen Schüssel und stellte sie vor dem Lord ab.

"Kartoffeln, Sir. Trotz ihres Rheumas dürften sie wohl in der Lage sein, diese Kartoffeln zu schälen. Machen sie es bitte ordentlich."



Der Lord nahm das Küchenmesser, das der Portier ihm gereicht hatte in die Hand und betrachtete es. Nachdem der Portier das Zimmer verlassen hatte, schleuderte er es quer durch den Raum.

"Sie haben recht, McClown. Diese Arbeit ist eines Lords unwürdig. Im Gegensatz zu ihnen bin ich jedoch mit einer Menge Gehirn ausgestattet und habe bereits einen Fluchtplan ausgearbeitet."

"Einen Fluchtplan, Sir?"

"Einen Fluchtplan, McClown. Morgen früh um 7.47 Uhr fährt ein Bus nach Corran, den werden wir nehmen. Von Corran aus nehmen wir die Fähre und verschwinden."

"Aber, Sir, wie sollen wir denn unauffällig durch die Eingangshalle flüchten?"

"Sehen sie, McClown," krähte der Lord, "sie denken eben nur mit den Füßen und nicht mit dem Kopf. Deshalb sind sie auch nur ein Butler und kein Lord. Sehen sie zu, dass unser Rollstuhl über Nacht draußen stehen bleibt, ohne, dass das auffällt. Lassen sie sich etwas einfallen. Nach dem Frühstück werden wir fliehen."

Es war in der Tat nicht weiter schwierig für den Butler, sich etwas einfallen zu lassen. Nachdem er den Rollstuhl reichlich mit Farbe bekleckert und anschließend mit einem übel riechenden Reinigungsmittel bearbeitet hatte, konnte er ihn zum Ausdünsten vor der Eingangstür stehen lassen, ohne dass jemand Verdacht schöpfte.

So saßen die beiden am Abend in dem kleinen Zimmer, das ihnen vor zwei Tagen zugeteilt worden war. Es lag direkt neben der Küche und war recht karg eingerichtet. Zwei Betten und ein alter Schrank waren alles, was ihnen zur Verfügung stand. Das Essen war knapp bemessen und McClown argwöhnte, dass es sich um die Essenreste der wenigen Gäste des Hotels handelte. Er hatte es gründlich satt, auch nur einen Tag länger unter diesen Umständen arbeiten zu müssen. Sicher, er war es gewohnt, unter dem Lord von morgens bis abends zu arbeiten, jedoch nie so hart wie in diesem Hotel. Bis spät in die Nacht musste er gestern das Geschirr spülen und als er damit fertig war, hatte er die Malerpinsel zu reinigen, bevor er völlig erschöpft ins Bett fiel. Zu diesem Zeitpunkt schnarchte Seine Durchlaucht bereits, denn der Lord hatte sich wegen seines Rheumas nur mit den nötigsten Arbeiten abgegeben. Der Butler seufzte tief und ging zu den Koffern mit seinen kleinen Hamsterfreunden.

"Keine Sorge, meine kleinen Freunde," flüsterte er. "Morgen Früh sind wir wieder frei!" Dann drehte er sich auf die Seite und schon nach kurzer Zeit war auch er eingeschlafen.

"Was soll denn das nun schon wieder," schimpfte Tati, "warum kümmert sich hier keiner um uns? Den ganzen Tag hängen wir hier herum und keiner ist für uns da!"



"Und Essen gibt es auch kaum noch," beschwerte sich Goldi. "Wir sollten machen, dass wir hier verschwinden!"

"Nicht richtig zugehört eben, oder?" meldete sich Flecki. "Der nette Mann hat doch gerade eben gesagt, dass wir morgen früh wieder frei sind."

"So ist es," bestätigte der Bürgermeister. "Liebe Hamster, morgen werden wir wieder frei sein. Wir werden wieder uns selbst gehören, wie die alten Kelten sagten. Natürlich wird der eine oder andere nun fragen: was heißt denn frei? Nun, meine lieben Freunde, das bedeutet nichts Anderes als eben frei sein. Wie ich eingangs schon erwähnte..."

"Wer kommt mit in die Küche?" unterbrach Goldi den Redefluss des Bürgermeisters. "So ein kleiner Snack wäre doch jetzt genau das Richtige, oder?"

Als sich der Bürgermeister umsah, war er alleine im Raum. Jedenfalls war er der einzige Hamster im Raum, denn in den Betten lagen McShredder und McClown, die sich dem Schlaf der Gerechten hingaben. Achselzuckend drehte sich der allein gelassene Bürgermeister zu den beiden Schlafenden um und tippelte ein paar Schritte näher. Als er zwischen den Betten stand, breitete er die Arme aus und sprach:

"Meine Herren, sicherlich interessiert es sie zu erfahren, wie meine Einstellung in meiner verantwortungsvollen Position des Bürgermeisters zu den Dingen im Besonderen und im Allgemeinen ist. Ich freue mich, dass sie so zahlreich versammelt sind, und ich versichere ihnen, dass sie ihr Kommen nicht bereuen werden, da ich, wie sie sicherlich schon...."

Während der Bürgermeister also froh war, endlich vor einem Publikum zu reden, das nicht flüchten konnte, waren die anderen Hamster bereits in der Küche angekommen. Die spiegelglatte Spüle lud zu einer Rutschpartie ein. Mit einem fröhlichen "Uhuj!" rutschte ein Hamster nach dem anderen mehrere Meter über die glatte Oberfläche hinein in das Waschbecken. Als auch der letzte in das Waschbecken hineingefallen war, gab es ein Problem.



"Und was nun?" erkannte Bauleiter Murksel als erster das Problem. "Wie kommen wir nun wieder heraus?"

Schweigen und lange Gesichter waren die Antwort. Sie waren gefangen, und das durch ihre eigene Dummheit. Verzweifelt versuchten die Hamster, an der glatten Fläche des Beckens hoch zu krabbeln, jedoch ohne Erfolg. Sie probierten es damit, dass einer auf den anderen stieg, doch der Boden des Waschbeckens war einfach zu glatt. Immer wieder rutschte der unterste Hamster weg und alle purzelten durcheinander. So verbrachten sie eine langweilige Nacht in einem langweiligen Waschbecken.