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Kapitel 23

Im Hotel 3. Teil

 

"Guten Morgen, Sir Lord von Killichonan. Haben Euer Durchlaucht gut geruht?"

 

Der Portier stand stocksteif neben dem Frühstückstisch, als sich Lord McShredder näherte. Ein paar Meter dahinter folgte ihm gähnend sein Butler.

 

"Reden sie nicht so geschwollen, Sklave, wo ist der Kaviar?"

"Äh, Sir, sie erwähnten nichts von Kaviar..."

"Ich erwähnte nichts von Kaviar, sie Lümmel? Der Lord von Killichonan speist jeden Morgen Kaviar! Schreiben sie sich das hinter die Ohren!"

"Ja- jawohl Sir," stammelte der Portier und lief in die Küche, um Kaviar zu holen.

"Äh, Sir, wie schmeckt eigentlich dieser Kaviar?"

"Keine Ahnung, McClown, aber probieren wollte ich so etwas schon immer mal," entgegnete der Lord und fügte hinzu: "Hoffentlich ist der nicht so fett. Auf jeden Fall werde ich nur ein kleines Stück davon probieren."

Kurz darauf kam der Portier mit einer kleinen Schale Kaviar und stellte sie vor den Lord.

"Der Kaviar, Sir Lord von Killichonan!"


Während der Portier machte, dass er schnell wieder in seiner sicheren Küche verschwand, betrachtete der Lord neugierig das Schälchen mit dem schwarzen Inhalt. Er nahm einen kleinen silbernen Löffel und probierte vorsichtig. Dann spuckte er die kleinen, schwarzen Kugeln quer durch den Raum und schimpfte: "Ungenießbar, McClown, total versalzen. Geben sie es den Hamstern zum Spielen!"

Nach diesem unerfreulichen Ereignis wandten sich die beiden wieder ihrem reichhaltigen Frühstück zu und ließen es sich schmecken. In der Zwischenzeit war unbemerkt ein Mann durch die Eingangshalle gekommen und ging auf sie zu.

"Guten Morgen, die Herrschaften, es ist mir eine besondere Ehre und Freude, sie in meinem Hotel begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, es fehlt ihnen an nichts, und sie sind zufrieden!"

"Kein Eis!" krähte McShredder.

"Sir?" fragte der Hoteldirektor fassungslos.

"Es fehlt das Eis! Machen sie sich mal nützlich, und bringen sie mir Himbeereis, anstatt mich beim Essen zu stören!"



"Und für mich noch eine Extraportion Chips!" rief McClown dem fassungslosen Direktor hinterher, der nun tatsächlich in die Küche ging, um seinen Portier zu suchen. Er fand ihn bei der Geschirrspüle.

"Lachlan, ist alles in Ordnung mit ihnen?" rief er, doch schon im nächsten Moment sah er seinen völlig entnervten Angestellten und wusste, dass gar nichts in Ordnung war. Ein Schatten seiner selbst war er, der Portier, zitternd und nervös stand er nun vor dem geöffneten Kühlschrank und hielt seinen Kopf in das Gefrierfach.

"Ich halte das nicht mehr aus, Chef," jammerte er und schlug mit der Faust gegen die Kühlschranktür.

"Aber, aber, Lachlan, so schlimm kann das doch nicht sein!"

"Nein, Chef, es ist eher schlimmer! Die ganze Nacht habe ich das Wasser in der Badewanne laufen hören, das ganze Hotel stinkt nach verdammten Tabak, und rumgemeckert haben die bis Mitternacht! Chef, ich gehe!"

"Lachlan, nein, das können sie nicht machen, ohne sie bin ich erledigt!" Der Hoteldirektor war leichenblass geworden.

"Nein, Chef, ohne mich. Entweder die gehen oder ich. Das ist mein letztes Wort!"

Der Portier trat die Tür des Kühlschranks zu und ging zum Empfangstresen, um seine Sachen zu packen.

Der Direktor dieses ehrwürdigen Hotels war in einer schlimmen Lage. Wenn er die beiden Gäste hinaus schmeißen würde, dann ginge ihm viel Geld verloren. Andererseits, wenn sein Portier kündigen würde, dann gäbe es keinen Hotelbetrieb mehr.

Er rückte seinen Schlips zurecht und ging langsam an den Frühstückstisch, wo Lord McShredder und McClown saßen und mit aufgestützten Ellenbogen ihren Tee schlürften. Sie hatten beide ihre Füße auf die Nachbarstühle gelegt. Es sah wirklich nicht sonderlich vornehm aus.

"Gentlemen," begann der Hoteldirektor vorsichtig, "es gibt ein kleines Problem."

"Von wegen klein," grölte der Lord, "ein großes Problem! Wo bleibt mein Eis?"



"Ein Eis werden sie selbstverständlich sofort bekommen, Sir, es ist leider ein Problem aufgetaucht, das ihre sofortige Aufmerksamkeit erfordert."

"Soll das heißen, sie haben kein Himbeereis mehr? Dann bringen sie mir Erdbeere, aber dalli!" krähte der Lord und klopfte seine Pfeife in der Kaviarschale aus.

"Es geht leider um mehr, als um ein Eis, Sir. Sie müssen leider unser Hotel verlassen."

"Verlassen?" Der Lord nahm seine Pfeife und zeigte auf den Hoteldirektor. "Machen sie sofort, dass sie in die Küche kommen, und holen sie mir ein Eis, sonst kaufe ich dieses mickerige Hotel und entlasse sie."

"Auch gut, Sir," entgegnete der Direktor ruhig. "An welche Summe dachten sie denn?"

Lord McShredder wurde blass und legte seine Pfeife auf den Tisch.

"Nun, äh, eine Menge, oder? Ich bin der Lord von Killichonan, der Herrscher vom Loch Ness Monster, äh, und ich könnte ihnen ein Schloss anbieten, das, äh, gerade renoviert wird."

"Vielen Dank, Sir, das wird nicht nötig sein. Geben sie mir bitte das Geld für eine Übernachtung in der Luxus-Suite. Zahlen sie getrennt, meine Herren?"

Er sah Frido McClown fragend an. Der jedoch schüttelte mit dem Kopf und zeigte auf den Lord.

"Er hat uns eingeladen!"

"Uns, Sir?" fragte der Direktor erstaunt. "Wen denn noch?"

"Äh," überlegte der Butler, "ich meine mich und die, äh, die Koffer."

"Die Koffer, ich verstehe. Nun, Sir Lord, dann werden sie die Gesamtrechnung übernehmen. Mein Portier wird sie ihnen gleich bringen. Die Koffer tragen wir ihnen gerne vor die Tür. Haben sie sonst noch Wünsche?"



Lord und Butler waren nun völlig ratlos und sagten nichts mehr. Der Hoteldirektor ging zu seinem Portier, der im Hintergrund mit wachsender Freude dem Gespräch gelauscht hatte. Er hatte bereits hatte ein großes Blatt Papier hervorgeholt und begann zu schreiben.

"Sir, sie haben doch wohl genug Geld dabei?" stellte der Butler dem Lord die Frage aller Fragen.

"McClown, sehe ich etwa aus wie ein mieser Hühnerdieb? Selbstverständlich hat ein Lord immer genug Geld dabei! Sehen sie lieber zu, dass sie unauffällig die Reste von dem Essen einpacken, wir müssen schließlich sparen!"

"Sparen, Sir? Aber ich denke..."

"185 Pfund, Sir. Wenn ich bitten darf, in bar."

Der Hoteldirektor legte Lord McShredder einen Zettel vor die Nase, auf dem viele Worte und noch mehr Zahlen standen. Mit einem Gesicht, als hätte er gerade seine Pfeife verschluckt, nahm der Lord die Rechnung in die Hand. Der Butler konnte genau sehen, dass das Gehirn des alten Gauners fieberhaft am Arbeiten war. Zwar hatte McClown keine Ahnung, was nun kommen würde, aber er hatte das ungute Gefühl, dass gleich irgend etwas Unangenehmes passieren würde.

"Ist das alles?" krähte McShredder und warf die Rechnung auf den Tisch. "Diese läppische Rechnung ist alles? Guter Mann, soviel erhält bei mir der Postbote als Trinkgeld! Da bin ich ganz andere Rechnungen gewohnt! Ich werde diese lächerliche Summe bei meinem nächsten Besuch bezahlen. McClown, wir gehen!"

Der Direktor trat an den Lord heran und legte ihm die Hand auf die Schulter.

"Sie werden noch nicht gehen, Sir, denn leider muss ich auf sofortige Bezahlung bestehen."



"Wollen sie einem Lord drohen?" fragte McShredder entrüstet. "Wenn ich sage, ich zahle bei nächsten Mal, dann können sie sich darauf verlassen. Ist das klar, junger Mann?"

"Völlig klar, Sir." Der Hoteldirektor dreht sich zum Portier um. "Lachlan, bitte seien sie so gut, und rufen sie die Polizei!"

Einen Moment stand der Portier wie versteinert da, doch dann griff er lächelnd zum Telefon. Auch der Lord schien nun den Ernst der Lage zu begreifen und rief: "Halt! Ich zahle!"

Sofort waren alle Augen auf ihn gerichtet. Seufzend griff er in seine Hosentaschen, wühlte eine Weile darin herum und machte ein erstauntes Gesicht. Dann schaute er unter den Frühstückstisch, unter den Stuhl und schließlich begann er, den Teppich in der Eingangshalle hochzuheben.

"Sir, was machen sie da?" fragte der Hoteldirektor verwundert.

"Ich suche mein Geld. Vor ein paar Minuten habe ich es noch gehabt."

"Vielleicht haben sie es in ihrem Zimmer gelassen, Sir."

"Nein, nein. Ich habe es eben noch gehabt. Es ist weg."

Der Direktor sah erst den Lord, dann den Butler und schließlich seinen Portier an. Dann ging er langsam im Raum hin und her. Er überlegte lange und sprach: "Nun, Sir, ich möchte einen Lord nicht der Lüge bezichtigen, und ich möchte einen Lord nicht im Gefängnis sehen müssen. Sie verstehen aber, Sir, dass auch ich Geld zum Leben brauche. Selbstverständlich muss auch mein Angestellter sein Gehalt von mir bekommen. Daher schlage ich ihnen vor, dass sie sich das Geld von Freunden schicken lassen, oder," er machte eine Pause und sah den Lord nachdringlich an. "Oder, sie werden es abarbeiten!"

Lord McShredder saß recht verlegen auf seinem Stuhl und spielte mit seiner Pfeife. Freunde, die ihm Geld schicken würden? Das konnte er vergessen, er hatte keine Freunde. Schließlich stand er auf.

"Ein Lord bettelt seine Freunde nicht an, selbst wenn die mit Begeisterung helfen würden. Diese läppische Summe werden mein Butler und ich mit Freuden abarbeiten!"