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Kapitel 21

Im Hotel 1. Teil

 

 

 

"Ist das nicht wunderbar, Sir, in einem echten Hotel zu übernachten? Ein Dach über dem Kopf und ein weiches Bett zu haben? Warmes Essen und..."

"...und alles bezahlen müssen," fügte der Lord völlig niederschlagen hinzu.

 

Sie standen in der Eingangshalle des Hotels und sahen sich um. Ein langer, roter Teppich führte geradeaus weiter zu einer breiten Treppe. Verschiedene Gemälde mit Bildern von schottischen Landschaften und Schlössern hingen an einer Holzwand zur linken Seite, ein Empfangstresen aus poliertem Holz befand sich auf der rechten Seite. Hinter dem Tresen stand ein Mann in Uniform, der sie zunächst nicht beachtete. Der Butler schob den Rollstuhl mit den Koffern und den Hamstern auf die linke Seite und betrachtete interessiert die Gemälde, während die kleinen Tiere neugierig aus dem Koffer guckten und sich ebenfalls umschauten. Der Lord war inzwischen zu dem Portier hinter dem Empfangstresen gegangen und wartete. Der Portier rümpfte mehrfach seine Nase, gerade so, als ob ein unangenehmer Geruch in der Luft wäre. McShredder trommelte mit seinen Fingern auf dem Tresen, während der Portier in einem Buch - offensichtlich ein Gästebuch - blätterte. Schließlich holte der Lord seine Pfeife heraus und wollte sie anzünden.

 

"Sir, das Rauchen ist hier verboten!"

"Ach?" krächzte McShredder. "Ist es auch verboten, Gäste zu bedienen?"

"Haben sie reserviert, Sir?" fragte der Portier ohne aufzublicken.

"Reserviert? Junger Mann, Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Seeungeheuers von Loch Ness und Herzog von Spanien braucht nicht zu reservieren! In allen Hotels der Welt hält man die beste Suite für mich frei!"

Im Hintergrund bekam der Butler einen Hustenanfall, während der Portier nun aufblickte.

"Verzeihen sie, Sir, aber ihr Äußeres...."

"Man beurteilt einen Menschen niemals nach seinem Äußeren, junger Mann, merken sie sich das! Ich könnte dieses winzige Hotel kaufen, und sie an die Luft setzen. Ist ihnen das klar?"

"Natürlich, Sir, selbstverständlich, Sir," erwiderte der Portier kleinlaut. "Wünschen sie einen Familienraum mit Bad und Dusche oder ein Doppelzimmer?"

"Sie haben immer noch nicht verstanden, junger Mann, ich bin Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Herzogs von Spanien und das Seeungeheuer von Loch Ness, äh, umgekehrt. Ist ihnen das ebenfalls klar? Selbstverständlich bekommen wir ihre beiden besten Einzelzimmer. Das größere natürlich für mich! Falls es in diesem heruntergekommenen Laden so etwas Ähnliches wie Essen gibt, dann bringen sie mir auch gleich die Speisekarte auf unsere Zimmer. Schließlich sind wir keine billige Kost gewohnt!"

 

Hätte der Lord sich in diesem Moment umgedreht, dann hätte er gesehen, wie sich sein Butler vor Lachen bog.

 

"Jawohl Sir, äh, Lord McShredder von Killichonan, Bezwinger des Seeungeheuers von Loch Ness und Herzog von Spanien, selbstverständlich. Wie darf ich Euer Durchlauchtigkeit anreden, wenn ich mir diese unangemessene Frage erlauben darf?"



"Ich gewähre ihnen diese Frage und ich gewähre ihnen weiterhin, mich untertänigst mit Sir Lord von Killichonan anzusprechen."

"Selbstverständlich, Sir Lord von Killichonan, darf ich ihr Gepäck nach oben bringen?" fragte der Portier mit zitternder Stimme. Sein hochmütiges Benehmen hatte er nun völlig abgelegt. Schweißperlen waren auf seinem geröteten Gesicht zu sehen.

"Nein. Um das Gepäck kümmert sich mein Diener. Sie tragen mich auf mein Zimmer!"

"Natürlich, Sir, sofort, Sir Lord von Killichonan," stotterte der Portier, lief um den Tresen herum und ging auf den Lord zu. Dann legte er einen Arm hinter dessen Schultern und den anderen hinter die Kniekehlen. Als er den Lord sicher im Griff hatte, schleppte er ihn keuchend die große Treppe hinauf.

"Habt ihr das gehört," rief Bauleiter Murksel begeistert, "wir übernachten hier!"

"Ja, und er hat etwas von Speisekarte gesagt," ergänzte Goldi.

"Hauptsache, wir müssen nicht wieder im Dreck übernachten. Ich will auch mal ein sauberes Klo!" fügte Flecki hinzu und hielt sich fest, denn in diesem Moment hatte der Butler ihren Koffer ergriffen und trug ihn die Treppe hinauf.

"Haben sie überhaupt keine Ausbildung gehabt, junger Mann?" hörten die Hamster in diesem Moment eine ihnen sehr vertraute Stimme schimpfen. "Wollen sie mich etwa vor der Tür stehen lassen, sie ungehobelter Flegel?"

"Aber Sir Lord von Killichonan, ich hatte keine Hand mehr frei zum Öffnen der Tür. Wie sollte ich denn die Tür öffnen, wenn ich sie trage, Sir?"

"Ein Portier von Format hätte das mit den Zähnen oder mit dem Knie gemacht, sie erbärmlicher Anfänger!"

"Jawohl Sir Lord von Killichonan, ich werde mich in Zukunft bemühen."

Sie standen nun im Zimmer und der Lord sah sich mit kritischem Blick um. Er ging mit gemächlichen Schritten zum Fenster, schob die weiße Gardine beiseite und sah hinaus. Dann strich er über den Stoff der Gardine und warf einen Blick auf das riesige Bett. Sein Blick glitt weiter auf einen Mahagonischrank bis hin zum einem goldenen Kronleuchter, der das Zimmer mit gleichmäßigem Licht durchflutete.

"Das soll ihr bestes Zimmer sein?" fragte der Lord und sah den Portier scharf an.

"Jawohl, Sir Lord von Killichonan. Das ist unsere Luxussuite. Ist etwas nicht in Ordnung?"



"Nicht in Ordnung? Es ist eine Katastrophe, sie Nichtsnutz. Die Vorhänge passen nicht zum Kronleuchter! Der Teppich ist durchgelaufen. Zeigen sie mir mal das Badezimmer!"

Wenige Sekunden später standen sie im angrenzenden Badezimmer. Es war in mattes Licht getaucht, ein Flokatiteppich lag auf den Fliesen. Die Wasserhähne der riesigen Badewanne waren mit Gold verziert.

"Portier," erklang die schnarrende Stimme von McShredder, "sagen sie mal, fällt ihnen nichts auf?"

"S... Sir?"

"Seife! Es fehlt ein zweites Stück Seife! Soll ich zum Baden und zum Händewaschen etwa dieselbe Seife benutzen? Raus mit ihnen, sie Lusche!"

Der Portier machte, dass er fort kam. Vor der Tür des Lords blieb er kurz stehen und atmete tief durch. Dann ging er den Gang weiter entlang und klopfte an die Tür, in dem Frido McClown untergebracht war.

"Sir, hier ist der Portier," rief er leise. Kurz darauf öffnete sich die Tür und der Butler sah ihn strahlend an.

"Haben sie einen Wunsch Sir? Sind sie mit dem Zimmer zufrieden, Sir? Wie darf ich sie anreden, Sir?"

Für einen kurzen Moment sah McClown den Portier verwirrt an, denn er war es nicht gewohnt, mit 'Sir' angeredet zu werden.

"Nun," begann er, "wenn sie mir eine Schale mit ungesalzenen Erdnüssen bringen würden, wäre ich soweit zufrieden. Sie können mich Sir Frido nennen."

Der Portier nickte und war froh, endlich gehen zu dürfen.

"Wird sofort erledigt, Sir Frido."