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Kapitel 17

McDudle

 

Die Sonne stand bereits tief am Himmel, als Frido McClown durch laute Geräusche geweckt wurde. Erschrocken sprang er auf und sah einen Mann auf sich zukommen. Nun konnte er sehen, was die lauten Geräusche verursacht hatte. Der Mann hatte in seiner linken Hand einen großen Stock, mit dem er sich bei jedem Schritt abstützte. Neben diesem Stock fiel besonders sein struppiges Aussehen auf.

Instinktiv warf der Butler einen Blick in die Richtung der Hamster. Was er sah, beruhigte ihn, denn ihre neugierigen Näschen gucken aus dem Koffer. Der Mann war inzwischen näher gekommen und hatte den Butler erblickt. Er griff sich an den Kopf und richtete seinen dunklen, schmutzigen Hut. Wenn doch bloß der Lord endlich wach werden würde, dachte McClown, denn ihm war die Sache unheimlich. Dieser merkwürdige, zerlumpte Mann auf einem einsamen Friedhof auf einer ebenso einsamen Insel. Das war bestimmt der Geist der Toten, die hier begraben waren! Einen weiteren Schritt zurück konnte er nicht, denn hinter ihm war ein großes Grabkreuz, stellte der Butler fest. Wenigstens kann ich jetzt nicht vor Schreck umfallen, dachte er.

"Ich habe kein Boot gesehen, wie seid ihr denn hierher gekommen? Oder haben euch die Geister getragen?" sprach der Mann mit einer Stimme, die für einen Geist eigentlich recht angenehm und freundlich klang.

"W-Wir sind mit einem Rollstuhl gekommen," antwortete der Butler wahrheitsgemäß.

"Finnegan McDudle," sagte der Mann und streckte ihm die Hand entgegen. "Ich bin der Friedhofswärter. Weißt du, ich komme recht oft hierher, um nach dem Rechten zu gucken, und heute - also meine Frau - das musst du wissen, mein Freund, die hat mal wieder ihre geschwätzigen Nachbarinnen zu Besuch. Tja, und da habe ich mir gedacht, Finnegan, dachte ich mir, guck' doch mal nach, ob auf dem Friedhof alles klar ist. Wie heißt du denn überhaupt, mein Freund?"

"F-Frido McClown und das ist der Lord McShredder, der..."

"Wunderbar, mein lieber Frido," fuhr McDudle fort. "Also, du weißt ja, wie das so ist, wenn die Frauensleute zusammen sitzen und Tee trinken. Die ziehen über alles her, und weißt du, über wen ganz besonders? Natürlich über mich! Da habe ich mir gedacht, Finnegan, dachte ich mir, hau' bloß ab. Also habe ich gesagt, dass ich noch arbeiten muss. Sag' mal, wie war dein Name?"

"Frido McClown"

"Ja, richtig, Frido. Wie konnte ich das vergessen! Also da habe ich mir das Boot geschnappt und bin ein bisschen herumgefahren. Natürlich bin ich nicht gleich nach Polloch gefahren, Finnegan McDudle ist ja nicht blöd, musst du wissen. Nein, hierher bin ich gefahren. Um sie reinzulegen! Wäre ich direkt nach Polloch gefahren, hätten die Frauen das doch mitgekriegt! Und was meinst du, wie die sich dann mal wieder das Maul zerrissen hätten! Also, mein lieber.... Wie war dein Name noch einmal?"

"Frido McClown," antwortete der Butler ein bisschen genervt.

"Also, mein lieber Frido, in Polloch ist nämlich eine nette Gaststätte und da wollte ich, na, du weißt schon, mir n' paar gemütliche Stunden machen. Das ist doch besser, als wenn du dir zu Hause das Gezeter und Geschludere anhören musst. Tja, schlau muss man sein, deshalb mache ich einen kleinen Umweg über diese Insel und dann, mein lieber.... äh, wie war dein Name noch einmal?"

"Immer noch McClown," stöhnte der Butler.

"Also dann, mein lieber McClown, dann ruder ich rüber nach Polloch. Das ist zwar eine recht lange Strecke, aber auf der Hinfahrt habe ich Rückenwind, weißt du? Aber eines weißt du nicht. Die Rückfahrt ist noch schneller, weil nachts kein Wind mehr da ist. Nur noch Strömung! Ganz fix bin ich wieder zu Hause. Tja, und in Polloch, da mach' ich ein Fass auf. Dann können die mich alle mal. Weißt du, was meine Frau immer sagt, mein lieber, äh, wie war dein Name noch mal?"

"Finnegan McDudle", antwortete der Butler ungerührt.

"Richtig, mein lieber Finnegan, die sagt nämlich immer zur mir, Finnegan, sagt die, du wirst dich noch einmal um den Verstand saufen. Die hat doch keine Ahnung! Als wenn so ein büschen Whisky was ausmacht. Aber wenn ich dann wieder da bin, dann sind auch die ganzen Tratschtanten wieder weg und ich habe meine Ruhe. Aber genug geredet, jetzt erzähl mir mal wer du bist und wie dein Freund da hinten heißt."

 

 

Frido McClown stöhnte hörbar auf. Sein Blick fiel auf den Koffer mit den Hamstern, die alle neugierig aus der Kofferöffnung guckten und sich prächtig amüsierten. Dann ging er zum Lord, klopfte ihm auf die Schulter und rief: "Sir, wir haben Besuch!"

Langsam öffnete der Angesprochene seine Augen, reckte sich und sah verwirrt auf den Neuankömmling.

"McClown, wollen sie keinen Tee für mich und unseren Gast kochen?"

"Sir, wir haben keinen Tee."

"Keinen Tee, schade," seufzte der Lord und ging auf McDudle zu.

 

 

"Mein Name ist Lord Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Seeungeheuers von Loch Ness und Herzog von Spanien. Mit wem habe ich die Ehre?"

"Dudle, Sir, Finnegan McDudle."

"Was erlauben sie sich," krähte der Lord. "Wieso reden sie mich mit "du" an?"

"Das ist doch sein Name, Sir," versuchte der Butler zu erklären.

"Er heißt Du, McClown? Seltsam."

"Nicht Du, Sir, sondern Dudle."

"Aha." Langsam verstand der Lord und wandte sich wieder an den Friedhofswärter. "Können sie uns von dieser Insel herunterbringen, Mr Dudle?"

McDudle grinste breit. "Kein Problem, Sir, ich fahre nach Polloch. Es wird höchste Zeit für mich, eine Kleinigkeit zu mir zu nehmen, wenn sie wissen, was ich meine."

"Der Mann hat Recht, McClown. Wir fahren mit und werden auch eine Kleinigkeit zu uns nehmen."

"Sir, ich möchte aber keinen Whisky..."

"Whisky? McClown, was ist mit ihnen los? Sie sollten sich mal ein Beispiel an diesem höflichen und intelligenten Mann nehmen! Los, packen sie unsere Sachen ins Boot!"

Eine halbe Stunde später saßen alle im Boot von Finnegan McDudle und ließen die Insel hinter sich.