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Kapitel 15

Kentra Bay

 

"McClown, sehen sie mal zu, dass sie ein Feuer in Gang kriegen! Mir ist kalt!"

 

Die Sonne war soeben aufgegangen, und es schien ein wunderschöner Tag zu werden. Hätte es zumindest werden können, dachte der Butler, als er langsam die Augen öffnete. Es war herrlich warm unter dem Handtuch, viel zu kuschelig um aufzustehen. Langsam drehte er sich um und hörte zu seiner großen Verwunderung ein empörtes Fiepen. Er drehte sich zur anderen Seite um - wieder ein empörtes Fiepen. Ganz vorsichtig hob er das Handtuch hoch und siehe da: die Hamster blinzelten ihn verschlafen an.

 

"Ha, McClown", lachte der Lord in diesem Moment. "Singender Strand, welch ein Blödsinn, den dieser McPhee erzählt hat. Ich habe prächtig geschlafen. Wer mag nur diesen Unsinn glauben?"

"Nun, Sir, da wüsste ich schon jemanden," antwortete McClown und zeigte auf die Hamster.

"Sie glauben doch nicht, McClown, dass es Tiere gibt, die so blöd sind, dass sie sich vor solch einem Quatsch fürchten?"

"Nun, Sir, ich denke, es gibt tatsächlich solche Tiere."



Der Butler deckte die frierenden Tiere wieder zu und machte sich daran, Feuerholz zu suchen. Er brauchte auch nicht weit zu laufen, denn der angrenzende Wald bot genug für ein üppiges Lagerfeuer. Nach kurzer Zeit saßen Mensch und Tier am lodernden Feuer und wärmten sich auf. Was allerdings fehlte, war ein Frühstück, und so machten sie sich auf den Weg. Über einen schmalen, aber gut befestigten Fußweg kamen sie in den kleinen Ort Arivegaig. Ein Blick genügte, um festzustellen, dass es hier kein Frühstück geben würde, also zogen sie enttäuscht weiter. In den letzten beiden Stunden war die Sonne höher am Himmel gestiegen und verbreitete ihre wärmende Kraft über die kleine Schar. Inzwischen waren sie auf eine größere Straße gelangt und kamen an eine Brücke.

"Sir, sehen sie! Ist das nicht ein wunderschöner Anblick?"

"McClown, mein Magen hat keine Augen für so etwas! Sehen sie, dort hinten ist eine Gaststätte!"

Sie passierten die Brücke und erreichten die Gaststätte "Shiel Bridge Inn". Der Butler schob den Rollstuhl samt Koffern in eine Ecke neben den Tresen und setzte sich mit dem Lord an einen Tisch am Fenster. Als das Essen kam, nahm er einen Teil davon beiseite, legte es auf einen kleinen Teller und stellte es neben den Koffer mit den Hamstern, die sich sofort laut fiepend und hungrig darüber hermachten. Dann setzte sich McClown wieder zum Lord an den Tisch und ließ es sich schmecken.

"Was ist denn das für ein Fraß?" schimpfte Flecki und beäugte argwöhnisch das, was der Butler ihnen gebracht hatte.

"Porridge mit gebackenen Bohnen," antwortete Goldi mit vollen Backen, "einfach lecker."

Bauleiter Murksel war mit Dodo und Purzel zusammen aus dem Koffer gestiegen, um am Frühstück teilzunehmen, als ihm vor Schreck das Blut in den Adern gefror.

"Eine Ka-Ka-ka.....!"

Weiter kam er nicht, und weiter brauchte er auch nicht zu sprechen, denn seine Hamsterfreunde hatten die Gefahr erkannt. Eine große, schwarze Katze näherte sich langsam. Tuffi und Tati kletterten als letzte in den schützenden Koffer. Zwar waren sie nun erst einmal in Sicherheit, doch da der Deckel nicht ganz geschlossen war, konnten sie sehen, wie die Katze auf den Sitz des Rollstuhls gesprungen war. Mit klopfenden Herzen und ohnmächtiger Wut mussten sie nun beobachten, wie ihr Frühstück in kurzer Zeit aufgeschlabbert wurde.

"Du mieses, fieses Katzenvieh, ich mach dich fertig!" schrie Goldi und wollte sich auf die Katze stürzen, doch Flecki und der Bürgermeister hielten ihn zurück.



"So wird das doch nichts, wir müssen strategisch vorgehen," schimpfte Flecki.

"Gut," fauchte Goldi, "dann haue ich dem Vieh strategisch eine rein, es hat unser Essen gestohlen! Wenn wir bloß eine Rakete hätten..."

"Wir sollten uns auf unsere eigenen Stärken besinnen, denn wie ich schon früher bereits mehrfach gesagt habe..."

"Ach," unterbrach Flecki den Bürgermeister. "Welche Stärken wären das denn?"

Als dem Bürgermeister daraufhin nichts einfiel, setzten sich die Hamster zu einer Beratung zusammen. Wie immer kam dabei nicht viel heraus, lediglich Dodo und Murksel waren der Ansicht, dass dieser übermächtige Feind nur eine Schwachstelle hatte: Wasser. Wo sollten die Hamster Wasser her kriegen? Tuffi und Tati riefen aufgeregt, dass sie beim Hereinkommen in das Gasthaus gesehen hatten, dass auf dem Tresen neben ihnen mehrere Flaschen standen.

"Das ist ein Fall für Superhamster," stellte Dodo fest.

Goldi fühlte sich auf einmal gar nicht mehr wohl in seinem Fell. Verlegen sortierte er seine Barthaare und starrte mit großen Augen auf die große, schwarze Katze, die es sich auf einem der anderen Koffer bequem gemacht hatte.

"Superhamster, Superhamster, Superhamster!" riefen nun alle im Chor, während es Goldi unter seinem Fell immer heißer wurde.

"Nun kannst du mal zeigen, ob du außer Fressen auch etwas Nützliches kannst," spottete Flecki und die anderen fingen wieder mit ihren Superhamster-Gesängen an.

Goldi stellte sich auf die Kante des Kofferrands und spähte hinaus. Dann drehte er sich langsam um und wollte gerade sagen, dass Superhamster seinen Rücktritt erklärt, als er von der Leiste abrutschte und mit einem gellenden Schrei verschwand.

"Welch ein Held!" rief Tati. Alle Hamster sahen mit großen Knopfaugen schweigend zu. Auch die Katze war für einen Moment verwirrt und zögerte, doch dann ging sie zum Angriff über. Den kleinen Moment ihrer Verwirrung hatte Goldi genutzt und war auf den Tresen geflüchtet. Es war sehr glatt dort und er hatte Mühe, auf seinen kleinen Beinen zu bleiben. Mit einem mächtigen Satz schoss die Katze hinterher, landete vor Goldi, kam jedoch ins Rutschen, schoss an ihm vorbei und über den Tresen hinweg direkt in eine Batterie von Whiskyflaschen hinein. Es klirrte und schepperte und die Katze lag in einer Whiskypfütze.

"Ole!" klang es aus dem Koffer.




Wütend nahm die Katze erneut Anlauf, doch Goldi sprang zur Seite, und sie schlidderte wieder über den gesamten Tresen, während aus dem Koffer ein erneutes "Ole!" zu hören war. Diesmal knallte sie gegen eine Flasche mit Cidre, die daraufhin mit einem Knall zersprang, während im Hintergrund das nächste "Ole" der begeisterten Hamster zu hören war. Goldi wartete mit zitternden Barthaaren auf den nächsten Angriff, doch sein Gegner schien verwirrt zu sein. Die Siegesgewissheit schien einen starken Knacks bekommen zu haben, hinzu kamen leichte Anzeichen von Trunkenheit. Ungebrochen jedoch war der Jagdinstinkt, und die Katze stürzte sich fauchend und torkelnd auf ihre Beute. Die Beute dachte jedoch nicht daran, sich fangen zu lassen sondern flüchtete durch eine offene Klappe in der Wand zur Küche.

"Superhamster, mach sie fertig!" tönte es aus dem Koffer, während ein lautes Scheppern in der Küche nun die Ankunft der Katze verkündete. Goldi war auf dem hinteren Rand eines Eimers mit flüssiger Seife gelandet und sah etwas Großes, Schwarzes auf sich zu fliegen. Vor Schreck blieb er wie gelähmt sitzen, doch der Sprung war zu kurz, es platschte und der Eimer fiel samt Angreifer um. Während der kleine Hamster sich schnell auf die Spüle rettete, sah er hinter sich seinen Gegner, der nun ein weiteres Problem bekommen hatte und sich kaum noch auf den Pfoten halten konnte. Die Katze sah blind vor Wut den kleinen Hamster, wie er an einem Geschirrhandtuch hochkletterte. Ein mächtiger Sprung folgte, Goldi quiekte vor Schreck laut auf und sah knapp neben sich seinen Gegner mit dem Kopf an die Kachelwand knallen und bewusstlos auf der Spüle liegen bleiben.

"Daneben, daneben, das Katzenvieh springt immer daneben!" sang Goldi und sah sich bereits als Sieger. Dann hob er den kleinen Kopf und schnüffelte. Gut roch das hier, sogar sehr gut. Er lief zum Herd und sah sich um. Mehrere Töpfe standen dort und aus dem größten strömte ein wunderbarer Geruch. Der Hamster sprang auf einen kleineren Topf und dann auf den Rand des größten. All seine Wünsche waren soeben wahr geworden: ein ganzer Topf mit Gemüse nur für ihn alleine! Gierig schaufelte er mit seiner Pfote eine Ladung nach der anderen in sich, als es plötzlich über ihm dunkel wurde. Im nächsten Moment flog die Katze dicht über ihn hinweg in die heiße Gemüsesuppe. Voller Panik sprang Goldi hinunter, kletterte über die Spüle und hechtete durch die offene Klappe hinaus. Dann machte er, dass er zurück zum Koffer kam, wo er von seinen Hamsterfreunden jubelnd begrüßt wurde.

Lord McShredder und sein Butler hatten sich während des Essens mehrfach über den Lärm in der angrenzenden Küche gewundert. Selbstverständlich hatten sie keinen Moment daran gedacht, dass die Hamster daran beteiligt gewesen sein könnten. Der Lord zahlte die Rechnung, während McClown den Rollstuhl mit den Koffern zur Ausgangstür der Gaststätte schob. Während der Butler nun an der Tür wartete, hatte McShredder etwas entdeckt. Er sah in der Ecke eine große, schwarze Katze liegen, die sich mit glasigen Augen das schmutzige Fell leckte. Sie sah erbärmlich aus. Der Lord schüttelte den Kopf und rief dem Besitzer der Gaststätte zu:




"Hey, Barkeeper, sie sollten der armen Katze mal etwas Bewegung und frische Luft gönnen!"

Dann ging er hinter seinem Butler zur Tür hinaus, und sie setzten ihre Reise fort.

 

Die Rückkehr (nach Schottland) - Kapitel 16-20