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Kapitel 04

Ein Profi kommt

"Ein bisschen mehr Salz hätte an dem Monsterburger gerne sein können", sagte Bauleiter Murksel, als die gesamte Truppe wieder vor dem Restaurant stand. "Ansonsten hat der aber recht gut geschmeckt, wenn man bedenkt, wie lange ich warten musste."


"Das war alles total peinlich, besonders du, Goldi!" schimpfte Flecki.


"Da können wir uns so schnell nicht mehr blicken lassen", stimmte Finchen traurig zu.


"Kerle!" fauchte Finchen und Flecki nickte.


"Es ist kaum zu glauben, dass die ihr Niveau noch senken können, aber sie schaffen es dann doch immer wieder."


"Aber das Oberpeinlichste finde ich, dass der Herr Bauleiter dem armen Kellner gesagt hat, sie sollen die Rechnung dem Bürgermeister schicken."


"He, he, Emmi", warf Murksel ein, "der Bürgermeister hat uns schließlich gesagt, wir sollen in zwei Stunden wiederkommen, und ich habe gesagt, wir gehen dann essen. Also sind wir essen gegangen."


Der Bauleiter drehte sich um und runzelte die Stirn.


"Wo steckt eigentlich Dodo?"


"Der, na ja, äh, der wollte noch aufs Klo gehen", erklärte Hamstilidamst. "Er hat gesagt, er kommt nach."


"Na schön, Leute, dann lasst uns mal hören, was der Bürgermeister zu erzählen hat, aber seid vorsichtig auf der Treppe!"


"Die Treppe ist doch bestimmt schon wieder gereinigt worden, oder?


"Träum weiter, Finchen", lachte Flecki. "Von wem denn? Der Bürgermeister hat doch 'wichtige' Telefonate zu führen, die Rettungshamster sind für so etwas nicht zuständig, und der Hausmeister ist außer Gefecht."


Tatsächlich befand sich die Treppe nach wie vor in einem grauenhaften Zustand. Vorsichtig liefen sie hinauf und stießen auf den Oberbuchhalter.


"Ah, der Herr Murksel und seine Leute", rief er. "Ist es nicht eine Sauerei, dass niemand sich verantwortlich fühlt, die Treppe zu säubern?"


"Habt ihr denn keine Putzhamster?" knurrte Murksel. "Da kann man sich ja alle Knochen brechen!"


Der Oberbuchhalter nickte und wirkte plötzlich sehr nachdenklich.


"Stimmt, genau wie dieser junge Mann vorhin. Er ist gerade eben abtransportiert worden. Ach ja, Fräulein Pinki erwähnte, dass er einen Verband trug und nach Ihnen, Herr Murksel, gefragt hat. Gehörte der zu Ihnen?"


"Tja", brummte Murksel, "das war wohl Trampel. Wir sollten ihn mal besuchen."


"Der Arme", schnüffte Sasi, "nun haben wir ihn nicht einmal wiedergesehen! Aber immerhin haben wir etwas von ihm gehört, und das ist doch schön, oder?"


"Scheinbar fühlt er sich ja recht wohl im Krankenhaus, denn er landet da ja immer wieder!"


Flecki warf einen vernichtenden Blick auf Tati, der diese respektlose Bemerkung gemacht hatte, doch bevor sie etwas sagen konnte, rief Finchen:


"Wir bringen ihm Blumen mit, das wird ihn aufheitern!"


"Eine Ritterrüstung wäre zweckmäßiger", grinste Goldi und handelte sich einen Tritt von Flecki ein.


"Und Kekse", rief Tuffi, "die mag er besonders gerne!"


"Haselnusskekse!" wusste Emmi ganz genau.


"Später, Leute, später. Jetzt höre wir uns mal an, was der Bürgermeister zu berichten hat. Trampel werden wir später besuchen."


Nachdem er das gesagt hatte, wollte Bauleiter Murksel weitergehen, stoppte jedoch, als er eine wohlbekannte Stimme hörte.


"Wartet auf mich, hallo!"


"Vorsicht, Dodo, die Treppe!" kreischte Tuffi, doch die Warnung kam zu spät. Dodo vollführte auf dem mittleren Teil der Treppe eine Pirouette, schoss einen Salto rückwärts und kullerte die Treppen hinunter.


"Sieht so aus, als wenn wir nachher zwei liebe Kollegen besuchen können", meinte Teeblättchen mitfühlend.


"Ich muss jetzt weiter", warf der Oberbuchhalter ein, "wir sind total mit Arbeit eingedeckt, weil fast alle Mitarbeiter im Krankenhaus sind. Ach, Herr Murksel, das Angebot gilt natürlich. Falls Sie sich einmal beruflich verändern wollen..." Im nächsten Moment war er ein Stockwerk höher und außer Sichtweite.


"Ich schaff’s nicht..."


Die Blicke der Reparaturtruppe wanderten zu Dodo, der wirklich keine gute Figur abgab, als er verzweifelt versuchte, die rutschige Treppe hinaufzuklettern. Eine Stufe vor und zwei Stufen zurück.


"Na", lästerte Teeblättchen, "heute nicht in Form?"


"Nun mach mal zu, wir haben hier nicht den ganzen Tag Zeit!" brüllte Bauleiter Murksel und winkte hektisch mit seinen kurzen Armen.


"Ich schaffe es nicht!" kam es heulend zurück, und der Bauleiter schlug einen etwas ruhigeren Ton an.


"Du musst Stufe für Stufe nehmen, Dodo, versuche mal, wie eine Robbe vorwärts zu gleiten!"


Schluchzend folgte Dodo dem Rat seines Vorgesetzten und versuchte nun, auf dem Bauch liegend eine Stufe nach der anderen zu nehmen.


"Oh, nee, sieht das bescheuert aus, kein Wunder, dass es so wenig Robben gibt."


"Robben sind süße Tiere!" fauchte Flecki und warf einen wütenden Blick auf Goldi.


"Los, du schaffst das!" riefen Emmi und Sasie im Chor. Nun begannen auch die übrigen Reparaturhamster, den verzweifelt Stufe um Stufe nach oben glitschenden Dodo anzufeuern.


"Robbie-Dodo, Robbie-Dodo!" hallte es durchs Treppenhaus und tatsächlich, Dodo hatte die letzte Stufe erreicht, doch dann geschah es. Er klatschte mit dem Kinn auf die harte Kannte der Stufe und glitschte die Treppe wieder hinunter. Unten angekommen, blieb er benommen liegen.


Aufgeschreckt durch den Lärm im Treppenhaus, kamen nun der Oberbuchhalter und die verbliebenen seiner Angestellten angelaufen.


"Ich sag’s ja, es ist lebensgefährlich. Wir fordern eine Gefahrenzulage!" rief ein kleiner Hamster, der eine Schirmmütze trug und ein paar Akten mit sich herumschleppte.


"Da muss doch was gemacht werden", rief der Oberbuchhalter. "Herr Murksel, Sie sind doch ein tatkräftiger Mensch..."


Der Bauleiter zuckte mit den Schultern.


"Das is' wohl Seife, ja? Tuffi, was wissen wir über Seife?"


"Seife ist eine Mischung verschiedener, längerkettiger Alkalisalze der Fettsäuren und zählen zu den Tensiden, genauer zu den anionischen Tensiden. Wird hingegen mit Kalilaugen und Kaliumsalzen gearbeitet, bilden sich Kaliumsalze der Fettsäuren, die im Gegensatz zu den Natriumsalzen weich bis schmierig und hygroskopisch sind. Man erhält Schmierseifen, und... "


"Tuffi!"


"Ja, Chef?"


"Noch ein Wort und du leckst die Treppe sauber. Ich will nicht wissen, was Seife ist, sondern wie man Seife wegkriegt!"


"Da haben wir in der Berufsschule noch nicht gelernt, Chef."


"Wusste ich es doch", triumphierte Murksel, "nichts lernt ihr da!"


"Und was lernen wir daraus?" spottete Tati.


"Dass Murksel mal wieder nicht weiter weiß", trompetete Goldi.


"Ach ja? Wieso muss ich immer alles wissen?" schäumte der Bauleiter. "Soll sich doch Herr Goldi mal was einfallen lassen!"


Bevor Flecki 'lieber nicht' rufen konnte, war Goldi schon in eine Ecke des Treppenhauses gelaufen, in der ein Feuerlöscher hing. Er riss ihn von der Wand und stellte sich auf die oberste Stufe. Dann zischte es laut und unter den begeisterten Anfeuerungsrufen Tatis und Teeblättchens wurde der gesamte Teil des unteren Treppenhauses in eine Schneelandschaft verwandelt, während der Rest der Truppe entsetzt aufschrie. Im nächsten Moment jedoch war begeistertes 'Ah' und 'Oh' zu hören, als Goldi lässig den Feuerlöscher beiseite legte, auf die Winterlandschaft zeigte und sagte:


"Schätze mal, heute sehen wir niemanden mehr ausrutschen."


"Sie und ihr Reparaturteam sind ein Segen, Herr Bauleiter", rief der Oberbuchhalter begeistert und ging ein paar Schritte vor, bis er auf der obersten Stufe des Treppenabsatzes stand. Vorsichtig hielt er eine Pfote in den Schaum und verlagerte sein Gewicht ein wenig nach vorne. Dann stieß er einen gellenden Schrei aus und war verschwunden.


"Tuffi, was wissen wir über Löschschaum?"


"Löschschaum ist spezieller Schaum, bestehend aus Luft, Wasser und Schaummittel. Voraussetzung für die Bildung von Schaum ist eine Seifendoppelschicht, die durch eine dünne Schicht Wasser voneinander getrennt ist, Herr Bauleiter."


"Danke, Tuffi, vielen Dank. Und was bedeutet das?"


"Keine Ahnung, Herr Bauleiter, davon hat uns niemand was gesagt."


"Lernt ihr in der Schule eigentlich nur auswendig?" knurrte Murksel genervt und starrte in die Schaumlandschaft. Etwas schien sich im mittleren Teil zu bewegen.


"Jedenfalls besteht Schaum aus Seife, und wenn Seife auf Seife stößt, wird das dann glitschig oder nicht?"


Tuffi starrte den Bauleiter ratlos an. "Das haben wir noch nicht im Unterricht gehabt..."


"Klasse gemacht, Goldi, wirklich toll", schimpfte Flecki. "Genialer Einfall von dir. Jetzt rutscht und flutscht das noch besser als zuvor!"


Goldi zuckte mit den Schultern. "Hab' ja auch nur gesagt, dass wir heute niemanden mehr ausrutschen sehen!"


"Das stimmt", rief Teeblättchen, "in all dem Schaum kann man niemanden mehr ausrutschen sehen!"


In diesem Moment tauchte eine weiße Gestalt aus der Schaummasse auf.


"Ah, der Herr Oberbuchhalter!" rief Bauleiter Murksel gut gelaunt. "Wir haben Sie gar nicht kommen sehen. Hat sich an der Beschaffenheit der Treppe etwas geändert?"


"Leider nein", keuchte der erschöpfte Oberbuchhalter, "aber ich habe unterwegs etwas gefunden. Gehört diese Robbe zu Ihnen?"


"Robbe?"


Hamstilidamst und Emmi traten dicht an das Schaumpaket, dass der Oberbuchhalter die Treppen hinauf geschleppt hatte und befreiten es, so gut es ging, vom Schaum. Ein freudiges 'Honk, Honk!' schallte ihnen entgegen.


"Alles klar, Dodo?" fragte Emmi vorsichtig.


'Honk, Honk", kam die prompte Antwort.


"Na ja", wandte sich Murksel an den Oberbuchhalter, "das ist eigentlich kein richtiger Mitarbeiter, eher ein freier Mitarbeiter für Sonderaufgaben."


"Verstehe", nickte der zustimmend. "Abflussrohre und so."


"Völlig richtig", bestätigte der Bauleiter, "aber wir sollten wirklich zusehen, dass wir endlich weiterkommen. Der Bürgermeister wartet bestimmt schon auf uns.“ Er winkte seiner Truppe, ihm zu folgen und ging vorweg. Da der Fahrstuhl natürlich noch immer nicht repariert war, dauerte der Aufstieg dementsprechend. Drei Treppen weiter blieb der Bauleiter stehen und drehte sich genervt um. "Kann Dodo endlich mal mit seinem Gehupe aufhören? Das geht mir so was von auf den Keks!"


"Dodo ist eine freie Robbe und hat das Recht auf Meinungsäußerung!" rief Flecki empört.


"Es wäre Tierquälerei, ihm das Bellen zu verbieten!" bestätigte Dasie.


Knurrend schlich Bauleiter Murksel weiter und nahm sich fest vor, so bald wie möglich den Fahrstuhl zu reparieren. Nach zwei weiteren Treppen hatten sie ihr Ziel erreicht und standen vor dem Schild mit der Aufschrift 'Wegen Inspektion vorübergehend außer Betrieb' - der Hausmeister'.


"Da es hier keinen Hausmeister gibt, brauchen wir auch das verdammte Schild nicht!" grölte der Bauleiter, riss das Schild ab und feuerte es ein Stockwerk tiefer.


"Davon wird der Fahrstuhl auch nicht gehen", warf Finchen ein und erntete einen vernichtenden Blick.


"Schade eigentlich", sagte Goldi und spielte an den Knöpfen der Fahrstuhltür herum, "jetzt müssen wir den ganzen Weg wieder über die Treppe gehen und..."


Er unterbrach seinen Satz, denn die Fahrstuhltür öffnete sich wie von Geisterhand.


"So eine Pflaume", rief Flecki, "der faule Hausmeister hat da bloß ein Schild aufgehängt. In Wirklichkeit funktioniert der Fahrstuhl ja!"


"Den knöpfe ich mir vor", knurrte Murksel. "Aber eines nach dem anderen. Erstmal gehen wir uns anhören, was der Bürgermeister zu sagen hat."


Dann betrat er das Bürgermeisterzimmer, ohne anzuklopfen, gefolgt von seiner Reparaturtruppe und einem Seehund, der ein fröhliches 'Honk! Honk' von sich gab.


"Ah, mein allerbester Dings, äh, Murksel", tönte der sichtlich gut gelaunte Bürgermeister. "Kommen Sie doch rein!"


"Ich bin schon drinnen, Herr Bürgermeister!"


"Äh, natürlich, natürlich. Was ist das?" Der Bürgermeister wies auf Dodo, der nach Robbenart platt auf dem Boden lag und nach Robbenart langsam durch die Tür robbte. Dazu stieß er ein fröhliches 'Honk! Honk!’ aus.


"Das? Ach, das ist Robbe Dodo für Spezialeinsätze", grinste der Bauleiter.


"Sehr schön, sehr schön. Damit lässt sich ja heutzutage eine Menge Geld verdienen."


"Mit Spezialeinsätzen, Herr Bürgermeister?"


"Nein, mein lieber Braumeister, äh, Bauleiter, mit diesen Robben! Gerade gestern habe ich es in der

Leitung gezesen, äh, Zeitung gelesen, dass so eine Robbe Millionen verdient!"


"Millionen?"


"Ja, durch Konzerte, mein Biber, äh, Lieber. Da stand, dass die Robbe Williams mit Musik Millionen verdient hat!"


Es dauerte einige Minuten, bis in dem Zimmer des Bürgermeisters wieder Ruhe einkehrte, und sich auch der letzte Reparaturhamster vom Lachanfall erholt hatte. Mit hochrotem Kopf saß der Bürgermeister an seinem Schreibtisch und hörte sich die Erklärungen von Flecki, Emmi und Finchen an, was es mit der Robbe Williams auf sich hatte.


"Ach so, Robbie heißt der", lächelte er verzweifelt und erhob sich aus seinem Sessel, "hab' ich mir sozusagen doch gleich gedacht, hä, hä."


"Wenn wir dann mal anfangen könnten..."


"Selbstverändlich, lieber Baumeister, äh, selbstverständlich. Wie auch immer unermüdlich, so habe ich mir meine Gedanken gedacht, äh, gemacht, wie diese Messe, die dort draußen sein wird, äh, werden wird." Er wanderte ein wenig im Zimmer hin und her, während er mit einer Pfote zum Fenster hinaus auf den Markplatz deutete. "Dort draußen..."


Weiter kam er nicht, denn er war über Dodo gestolpert.


"Öhm, Robbie, äh, Dodo, würde es dir etwas ausmachen, an die Tür zu robben?" keuchte er, nachdem er sich umständlich aufgerappelt und sicherheitshalber wieder in seinen bequemen Sessel gesetzt hatte.


Mit einem fröhlichen 'Honk! Honk' robbte Dodo zur Tür und lag nun zwischen Tür und Bauleiter, der verständnislos den Kopf schüttelte.


"Danke, Honk, äh, Dodo", fuhr der Bürgermeister fort, putzte seinen Schnurrbart und ließ seinen Blick von einem Hamster zum anderen wandern. "Die mir übertrabende, äh, übertragene Aufgabe der Profi-Suche ist selbstredend von mir persönlich abgeschossen, äh, abgeschlossen worden."


"Absolut unnötig, dieser Oberamtsaffe ist ein Volltrottel", grölte es von der Tür her.


"Nun, äh, mein lieber Baudings, da stimme ich Ihnen zu", stammelte der Bürgermeister, "es ist auch nicht so, dass ich Sie für komplett unfähig halte, es ist nur..."


"Was?" fauchte es aus Richtung Tür.


"Ihre Arbeit spricht selbstverständlich sozusagen für Sie..."


"Das ist es ja!" rief eine Stimme aus der Gruppe der Reparaturtruppe.


"Und die kleinen Pannen..."


"Pannen?" unterbrach Murksel den Bürgermeister und lief knallrot an, während er drohend den Kopf hob, "Pannen?"


"…waren niemals Ihre Schuld", fuhr der Bürgermeister hechelnd fort.


"Sag ich doch!" knurrte der Bauleiter und trat einen Schritt zurück, um sich an den Türpfosten zu lehnen. Dann klatschte es laut, denn er hatte den am Boden liegenden Dodo nicht bedacht.


"Kann jemand diese blöde Robbe nicht mal irgendwo hinschieben? Von mir aus in die Badewanne?"


"Es ist ein fühlendes Wesen, Herr Bauleiter", mischte sich die empörte Flecki ein, "das kann man nicht einfach irgendwo hinschieben!"


Ein lautes Heulen, das vom Fußboden herkam, unterstützte diese Worte.


"Was'n das nun für 'n Profi und was soll der machen?" fragte nun Goldi die Frage aller Fragen und im nächsten Moment war es mucksmäuschenstill im Zimmer. Gerade, als diese Frage beantwortet werden sollte, klopfte es an der Tür.


"Öhm, herein!"


Die Tür wurde geöffnet, etwas Weißes trat ein und lag im nächsten Moment auf dem Fußboden, weil es über Dodo gestolpert war.


Ein 'Aua, meine Pfote' und ein 'Honk, Honk, Heul' waren zu hören, dann war alles still.


Langsam erhob sich das weiße Wesen und wischte sich den Schaum vom Gesicht.


"Trampel! Bist du wieder gesund?" riefen seine Freunde im Chor und liefen auf ihn zu, vorsichtig darauf achtend, nicht auf Robbe Dodo zu treten, der mit einem lauten Winseln versuchte, an Trampel hochzuspringen.


"Nun ja", antwortete Trampel, "der Arzt meinte, ich soll mich noch ein wenig schonen..."


"Klar", knurrte Murksel genervt, "da bist du natürlich genau richtig bei uns. Ruhe dich ruhig aus, keiner wird dich hetzen. Aber sag' mal, du Riesenidiot, bist du etwa über die Treppe gekommen?"


Trampel nickte. "Der Fahrstuhl ist doch kaputt, oder?"


"Hier ist einiges kaputt, aber nicht der Fahrstuhl", erklärte Teeblättchen grinsend. "Du kommst aber gerade rechtzeitig, der Bürgermeister will gerade erzählen, welche verkrachte Existenz er als Profi für die Gestaltung der 'Ersten Hamstischen Messe' gefunden hat.


Mit einem Kopfnicken dankte der Bürgermeister Teeblättchen für die Überleitung zu seinem Vortrag. Er räusperte sich und wollte gerade fortfahren, als es erneut an der Tür klopfte.


"Öhm, herein!"


Die Tür wurde geöffnet und der Oberbuchhalter trat ein und klatschte im nächsten Moment auf den Teppich, weil Dodo nach wie vor an der Tür lag. Verärgert rappelte er sich auf und ging auf den Bürgermeister zu.


"Mein lieber Herr Bürgermeister", rief er aufgebracht. "Der Zugang zu unserem Gebäude muss umgehend von Seife gereinigt werden. Das ist aber noch nicht alles. Wie Sie wissen, befinden sich in den 23 Abteilungen in diesem Gebäude mit insgesamt 119 Mitarbeiter. Durch eine Ursache unbekannter Ursache liegen zurzeit 3/4 der Mitarbeiter im Krankenhaus, also 89 1/4. Die restlichen 29 3/4 müssen die gesamte Arbeit erledigen, wobei die Hälfte bereits wegen totaler Erschöpfung nach Hause geschickt werden musste. Somit habe ich zurzeit nur 14 7/8 einsatzbereite Leute zur Verfügung. Von diesen 14 7/8 Mitarbeitern haben noch 5/8 Restansprüche auf den Vorjahresurlaub, so dass..."


"Öhm, ja", unterbrach der Bürgermeister, "ich verstehe. Aber was soll ich machen?"


"Besorgen Sie mir neue Leute, Aushilfen oder so!" rief der Oberbuchhalter.


"Tja, äh, neue Leute", grübelte der Bürgermeister, doch dann dachte er an all die Bewerbungen, die zurzeit in seiner Schublade lagen, und er fasste neuen Mut. "Ich glaube, mein lieber Obertuchfalter, ich kann Ihnen sozusagen helfen. Ich äh, hätte da noch ein paar Dingsleute."


"Gut", entgegnete der Oberbuchhalter und wandte sich zur Tür. "Ich verlasse mich auf Sie!"


Im nächsten Moment wurde er erneut das Opfer der Robbe Dodo, konnte sich jedoch noch aufrecht halten und stolperte zur Tür hinaus. Dann waren ein entsetzter Schrei und das Fallen eines Körpers zu hören. Es polterte, als wenn jemand die Treppe hinunterfiele.


"Tja", grinste Goldi, "das macht jetzt nur noch 13 7/8 Mitarbeiter mit 5/8 minus X Restansprüchen."


"Tuffi", sieh doch bitte mal nach, ob Herrn Knolle etwas passiert ist. Ach ja, pass aber auf, dass du nicht über diese blöde Robbe stolperst!"


Der kleine Hamster nickte und verschwand in den Hausflur, begleitet von 'Honk! Honk!'-Rufen. Ungeduldig trommelte der Bürgermeister mit seiner Pfote auf dem Schreibtisch herum, denn es ging ihm langsam auf die Nerven, dass er seine großartige Verkündigung noch nicht losgeworden war. Schneller als erwartet war Tuffi wieder da und berichtete, dass Oberbuchhalter Knolle fluchend in sein Büro gehumpelt sei.


"Öhm, großartig sozusagen", brummte der Bürgermeister und setzte sich aufrecht hin. Alle Augen waren nun auf ihn gerichtet; er genoss diesen Moment der Aufmerksamkeit um seine Person.


"Die mir übertragene Aufgabe, einen Williams, äh, einen Profi zu besorgen, war eine schwere Aufgabe. Nun, da ich aber vor solchen Schwierigkeit gewissermaßen nicht zurückdingse, äh, schrecke, habe ich, wie es sich für eine verantwortungs-, äh, sozusagen volle Person gehört...."


"Fass dich kürzer, sonst hetze ich die Robbe auf dich!" fauchte Bauleiter Murksel unter dem zustimmenden Gemurmel seiner Reparaturhamster.


Der Bürgermeister unterbrach seine Rede und schaute Murksel verblüfft an. Dann schien ein Ruck durch seinen recht umfangreichen Körper zu gehen, und ihm wurde klar, dass seine Zuhörerschaft ungeduldig wurde. Zeit, auf den Punkt zu kommen. Er stand auf und lächelte dümmlich.


"Meine Damen und Herren, liebe, äh, Robben, Hamsterhausen hat jetzt einen Profi!"


Diese Worte ihres Bürgermeisters sorgten für helle Aufregung bei der Reparaturtruppe. Vereinzelte Wortfetzen waren zu verstehen:


"Hab' ja schon immer gesagt, mit Murksel ist kein Blumentopf zu gewinnen..."


"Jetzt gibt das endlich professionelle Katastrophen!"


"Heißt das, dass wir jetzt mehr Urlaub kriegen?"


"Honk, Honk!"


"Oder wir werden alle arbeitslos!"


"Wir werden verhungern...."


"Honk, Honk!"


"Wir sind zu jung zum sterben!"


"Honk, Honk!"


"Ruhe, verdammt noch mal!" grölte Bauleiter Murksel, um das Geplapper seiner Truppe, das inzwischen zu einem lauten Heulen und Klagen geworden war, zu beenden. "Niemand wird hier seinen Job verlieren, und niemand wird hungern müssen. Schließlich soll dieser komische Profi doch nur die Leitung übernehmen. Solche Typen können doch nur planen und haben keine Ahnung, wie man einen Nagel in die Wand kloppt!"


"Ähem", meldete sich nun der Bürgermeister ein wenig verärgert. Zwar hielt er nicht viel von seiner Nichte Puttchen, im Gegenteil, sie war ihm schon mehrfach komplett auf den Keks gegangen, doch immerhin war es seine Nichte und kein Bauleiter hatte ein Recht, nichts von seiner Nichte Puttchen zu halten! Wenn hier jemand nichts von seiner Nichte zu halten hatte, dann nur er, der Bürgermeister. "Es handelt sich um eine Professionelle, öhm, ich meine, es handelt sich um eine Profiteuse, eine Profine sozusagen."


"Honk?"


"Es ist kein 'Er', sondern eine 'Sie'", fügte der Bürgermeister rasch hinzu, nachdem er die fragenden Gesichter der umstehenden Hamster sah.


"Zum Kaffee kochen, wie?" grölte Goldi und handelte sich einen saftigen Tritt von Flecki ein.


"Und die versteht was von Bauarbeiten?" fragte Bauleiter Murksel verdattert und vergaß, den Mund wieder zu schließen.


"Öh, sozusagen nein, sie wird das Dings koordinieren."


"Bedeutet das das Ende aller unser schönen Planungsausschüsse?" grinste Teeblättchen.


"Gewissermaßen, äh, ja."


"Keine geilen Kompetenzteams mehr?" lästerte Tati.


"Öhm, nein!"


"Wieso kann so eine Schnepfe uns leiten, wenn sich nichts von Bauarbeiten versteht?" wollte Murksel nun genau wissen.


Der Bürgermeister klappte den Mund auf und wieder zu.


"Weil, öhm..." begann er, doch Flecki kam ihm zu Hilfe.


"Goldi versteht auch nichts vom Kochen und frisst trotzdem alles weg!"


"Äh, ja, genau", keuchte der Bürgermeister, "sozusagen wegfressen. Genauso ist das mit der Ko-Dings, äh, Leitung. Sie hat gewissermaßen studiert und kennt die neuesten Tripps, äh, Tricks."


"Ich brauche keine Tricks und so einen neumodischen Mist!" brüllte Bauleiter Murksel und ging dicht auf den Bürgermeister zu. "Solides Handwerk kommt ohne faule Tricks aus!"


Während im Hintergrund einige Hamster lauthals vor sich hin gackerten, schob der Bürgermeister den aufgebrachten Bauleiter ein Stück zurück und lehnte sich erschöpft in seinem Stuhl zurück. Langsam trat auch Murksel einen Schritt zurück.


"Sehen Sie, mein lieber Baukeiler, äh, Bauleiter, es ist ja so, meine Nichte soll ja lediglich....."


"Nichte?" erscholl es ihm Chor.


"Öhm, tja..."


"Hat er Nichte gesagt, Tati?"


"Hat er, Teeblättchen, das riecht ja geradezu nach Vetternwirtschaft!"


"Was ja auch nicht verwunderlich ist, denn wir Hamster sind ja nun mal alle irgendwie miteinander verwandt...."