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Kapitel 13

Haushaltsüberlegung



"Im Rathaus? Eine Messe?" keuchte Oberbuchhalter Knolle. "Aber wie sollen wir das denn steuerlich..."


"Das bleibt Ihnen überlassen", unterbrach ihn Dabi. "Wenn Sie sich mal das Gerümpel vor der Tür anschauen, werden Sie zugeben, dass wir da erstens keine Messe aufbauen, und zweitens dafür kein Geld haben."


"In der Tat, aber nach Abzug der Bewirtungssteuer könnten wir rückwirkend..."


"... keine Einnahmen zur Sanierung des Hamsterhausener Haushaltes erwirtschaften," unterbrach ihn Dabi erneut.


"Genau, die Einnahmen, das ist das Dings, äh, das, öhm, Entschneidende, meine Damen und Herren!"


"Nein, ist es nicht", entgegnete der Oberbuchhalter, "sondern die Sanierung des Hamsterhausener Haushaltes, Herr Bürgermeister. Aufgrund unserer defizitären Haushaltspolitik Ihrer Nichte, Herr Bürgermeister, ist es zu einer Stagnierung der Einnahmen gekommen."


"Natürlich, natürlich", keuchte der Bürgermeister, "diese Stagnierungen müssen gesteigert werden!"


"Im Gegenteil, Herr Bürgermeister", rief Dabi erstaunt, "diese Stagnierungen müssen kompensiert werden!"


"Öhm, natürlich, natürlich, wie ich immer zu sagen pflege, ohne Komposition keine Stagnierung!"


"Wie, äh, meinen Sie das, Herr Bürgermeister", mischte sich nun der Oberbuchhalter ein. "Meinen Sie eine steuerliche Neubewertung oder einen Schuldenerlass?"


"Nun, selbstverdingslich, und wie ich meine, ist ein Schuldenerlass unumgänglich, meine Damen. Äh, meine Herren.... äh... ja..."


"Ihnen ist natürlich klar, Herr Bürgermeister", fuhr der Oberbuchhalter gnadenlos fort, "dass Hamsterhausen eine Kommune innerhalb der Hamstischen Staaten ist, und Kommunen können sich nicht selbst die Schulden erlassen, das kann nur die Gemeinschaft der Staaten in einer gemeinsamen Resolution festlegen."


"Völlig klar, lieber Obertuchfalter, äh.... mein lieber Alter, wie bereits ertönt, unterstütze ich selbstverständlich die Revolution der Dings, äh, Hamstischen Gemeinheit und befürworte das ohne Kain und Abel!"


"Äh, Sie meinten ohne Wenn und Aber, Herr Bürgermeister? Dennoch ist dieser Weg falsch, denn......"


"Wie wäre es", warf nun Präsidentin Dabi ein, "wenn Sie, Herr Bürgermeister ein wenig spazieren gingen? Die lange Luftreise, die Verantwortung... Ruhen Sie sich ein wenig an der frischen Luft aus."


Nach wenigen Minuten war der total überforderte Bürgermeister zur Tür hinaus getorkelt.


"Gut", nickte der Oberbuchhalter und hob seine Stimme ein wenig, um den Baulärm aus dem Treppenhaus zu übertönen. "Vielleicht kommen wir nun etwas schneller voran, Frau Präsidentin...“


Der Bürgermeister wankte indessen die Treppe hinunter und merkte nicht einmal, dass dort eine Auseinandersetzung im Gange war.


"Das tut mir leid, aber das geht nicht!"


Die beiden Hamster standen Nase an Nase einander gegenüber. Es roch nach einer Schlägerei, und Goldi hatte es sich bereits auf einem Treppenabsatz gemütlich gemacht und beobachtete die Konfrontation von Bauleiter Murksel und dem Hausmeister.


"Und wieso nicht, du Hauseule?" brüllte der Bauleiter und stemmte seine viel zu kurzen Arme in seine viel zu breiten Hüften.


"Weil Mittagsruhe ist, und weil ich nach meinem Unfall Schonung benötige, und weil kein schriftlicher Antrag vorliegt!" brüllte der Hausmeister zurück.


"Die Mittagsruhe ist auf nächste Woche verschoben, den schriftlichen Antrag kann ich dir auf die Nase geben!"


In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Büro des Bürgermeisters.


"Was ist der Grund für dieses unsägliche Gebrüll, Herr Bauleiter?" trat Dabi in den Flur.


"Diese Hauseule sucht Stress!" fauchte der Bauleiter. Mit einem Blick auf den Hausmeister wurde Dabi schnell klar, um wen es sich bei der Hauseule wohl handeln könnte.


"Sie sind der Hausmeister?" fragte sich mit lauerndem Unterton in der Stimme.


"Ja, und nach meinem schweren Unfall brauche ich noch viel Schonung, Ruhe und so. Und wer sind Sie?"


"Präsidentin Dabi, ich prüfe gerade die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter."


Der Hausmeister richtete sich kerzengerade auf und schluckte.


"Sie brauchen also Schonung?"


Ein Nicken war die Antwort.


"Dodo, der Mann braucht frische Luft. Eine Außentätigkeit ist das beste für ihn. Bitte bringe ihn auf den Marktplatz und sorge dafür, dass er das Gerümpel bis übermorgen verschwinden lässt."


"Aber.... Verehrte Frau Präsidentin, ich bin für solche Aufgaben doch noch zu schwach, ich brauche Unterstützung!"


"Nun", lächelte Dabi, "so weit ich weiß, ist Dodo für seine Motivationskünste bekannt, und er ist ein guter Aufpasser..."


"Hin und wieder ein wenig übereifrig, der Kerl", knurrte Murksel und dachte an den unschönen Niederschlag, den ihm Dodo als 'Aufpasser' auf der Enterprise verpasst hatte.


"Aber... das steht nicht in meinem Arbeitsvertrag!"


"Dodo", lächelte die Präsidentin erneut, "würdest du diesen Herren bitte 'motivieren'?"


Im nächsten Moment verließ der Hausmeister laut kreischend das Rathaus und zwar durch die geschlossene Haupttür. Dodo trabte langsam hinterher.


"Gut, Leute", brummte Murksel, "dann lasst uns erstmal die Tür reparieren und dann räumen wir die Zimmer leer. Ach ja, holt doch bitte vorher Trampel aus den Trümmern der Tür heraus, ich verstehe auch nicht, wieso der immer im Weg rumstehen muss...."


"Schön, dass Sie wieder da sind, Herr Murksel!"


Alle Blicken gingen nun zur zerschmetterten Eingangstür über deren Reste eine merkwürdig gekleidete Person stieg: Puttchen Brammel! Ein lila Rüschenkleid trug sie heute, eine weiße Pudelmütze auf dem Kopf und in jeder Pfote hielt sie eine eine Kette an der ein kleiner Topf befestigt war, aus dem Rauch herausstieg. Ihr Fell war zerzaust und ihr Blick wirr.


"Vorsicht! Meine Pfote!"


Das war Trampel, der sich langsam aus den Trümmern der Tür hervor arbeitete.


Puttchen sah nach unten, dann entdeckte sie Trampel.


"Oh, Trampel, hast du wieder ein schlechtes Karma gehabt? Du musst deine Symmetrie finden! Doch du hast Glück, ich habe Lavendel-Dampf dabei. Komm, nimm dieses Topf mit Rauch-Lavendel..."


"Wai, wai, wai!"


"Wie ich schon immer getönt gefegt habe: ich liebe den Schrei den Keltischen Moosbibers!"


"Goldi, du bist unmöglich!"


"Flecki? Wie hast du dich denn so schnell eingeschlichen? Was machen deine schlecht uniformierten Beamten?"


"Die? Denen habe ich ein paar Vorträge gehalten, und als sie um Gnade winselten, kam Oberamtsleiter Purzel. Der sagte, er habe gerade einen Anruf von der neuen Präsidentin erhalten und die Aufgabe bekommen, sich um die streikende Post und die streikende Müllabfuhr zu kümmern. Er hat dann gleich ein paar große, starke Polizeihamster mitgenommen. Sieht so aus, als wenn die Dinge langsam wieder ins Lot kommen in unserem schönen Hamsterhausen."


"Du bist ein unausgeglichener Hamster!" keifte in diesem Moment Puttchen Brammel den vor Schmerz winselnden Trampel an, der sich die vom heißen Lavendeltopf verbrannte Pfote hielt. "Undiszipliniert und unsymmetrisch, du musst dich konfrontieren, dich fallen lassen..."


"Äh, Frau Brammel, vermute ich?"


"Ja, das bin ich, Puttchen Brammel, kommissarische Leiterin der Ersten Hamstischen Messe und empathische Mentorin der Hamstischen Bevölkerung. Allesamt verspannt und unsymmetrisch, wenn Sie mich fragen. Und wer sind Sie?"


"Dabi, Präsidentin und Kommissarin von BANTACH. Ich vertrete zurzeit Ihren Onkel, den Herrn Bürgermeister. Er ist noch etwas erschöpft und verspannt von einer langwierigen diplomatischen Mission."


"Verspannt und unsymmetrisch, sein inneres Karma ist asynchron. Aber ich werde ihn in sein mentales Gleichgewicht bringen, wir werden diese Messe unter meiner Leitung zu einem unvergesslichen Erlebnis machen!"


"Da hat sie sicher Recht", grinste Flecki und stupste Goldi in die Seite. "Aber so was von symmetrisch und unvergesslich!"


"Genau deswegen suche ich Sie bereits, Frau Brammel", begann Dabi vorsichtig. "Sie als kommissarische Leiterin der Ersten Hamstischen Messe und empathische Mentorin der Hamstischen Bevölkerung werden dringend benötigt, der Welt von unserem Vorhaben Kenntnis zu geben. Ihre Mission wird es sein, die umliegenden Hamsterstädte zu besuchen und persönlich einzuladen."


"Dann werde ich unser großartiges spirituelles Ereignis in die Welt hinaustragen", jubelte Puttchen Brammel. "Da wir von tragen sprechen, ich brauche Kofferträger, denn aus symmetrischen Gründen brauche ich 6 Koffer."


"Kein Problem", überlegte Dabi kurz. "Die Leitung des Ordnungsamtes wird das übernehmen."


"Ein guter Schachzug", murmelte der Oberbuchhalter, "dadurch kann dieses Chaotenteam der Herren Dumpf und Backe weniger Schaden anrichten".


"Es lebe die Symmetrie!" rief die kommissarische Leiterin der Ersten Hamstischen Messe und empathische Mentorin der Hamstischen Bevölkerung ein letztes Mal, dann riss sie dem verdutzen Trampel den qualmenden Lavendeltopf aus den Pfoten und verschwand. Zurück blieben nur Lavendelgeruch und keckernde Hamster.


"Goldi?"


"Ja, Dabi?"


"Würdest du dich einverstanden erklären, eine Kleinigkeit zur Verhinderung von Katastrophen beizutragen, auch wenn das gegen deine Überzeugung ist?"


"Kommt drauf an", erwiderte Goldi, "Hungersnöte beispielsweise. So etwas Schreckliches zu verhindern, das ist mir eine echte Herzensangelegenheit..."


"Vermutlich wird die symmetrische Mentorin in Hamsterhügel ihre Mission beginnen. Sicherlich kennst du die einen oder anderen Leute dort. Es wäre also nicht schlecht, wenn du denen einen Tipp zukommen lässt, dass sich eine ausgebrochene Irre mit Esoterik-Ideen bei ihnen blicken lassen wird."


Goldi nickte. "Ich werde mich beeilen. Das nächste Telefon ist meines!"


Dann verschwand er.


"Schau an", rief Dabi verblüfft, "manchmal kann er sehr schnell sein, sogar wenn es um Arbeit geht!"


"Ha", rief Flecki verächtlich. "Das nächste Telefon befindet sich bekanntlich in 'Fluffis Pizzeria’!"