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Kapitel 10

Der Anflug



"Öhm, ja, vielleicht sollte sich der Herr Bauleiter ein wenig mehr auf die Navi-dings konzentrieren... Kraft meiner Ampel, öhm, meines Amtes möchte ich um etwas mehr Diszi-dings, sozusagen Disziplin bitten..."


Die Hamster überquerten gerade den Ärmelkanal, als der Bauleiter sich langsam beruhigte und mit dem Brüllen aufhörte. Brummend nahm er wieder seinen Dienst am Steuerknüppel auf. Es wurde auch höchste Zeit, denn inzwischen war die Reise über das Wasser beendet, und Land tauchte auf. Fasziniert schauten die Hamster aus den Fenstern. Sie erreichten eine große Bucht und folgten dem Verlauf eines recht großen Flusses.


"Und nun?"


Der Bürgermeister glotzte den Bauleiter an und versuchte, irgendetwas Intelligentes auf diese Frage zu antworten.


"Öhm, ja... also nach Oban müssen wir, diesbezügliche Phrasen, äh, Fragen sollte unser Navi-dings..."


Alle drehten sich zu Dodo um, der ein wenig panisch wirkte und begann, hektisch ein paar mitgenommen Landkarten zu durchwühlen. "Ich gucke mal....", keuchte er, "ich tu ja mein Bestes.. gebt mir doch eine Chance...."


"Florida soll ja sehr schön sein um diese Jahreszeit, oder die Bretagne. Verlassen wir uns also voll auf Dodo", grinste Tati und stupste Tellblättchen in die Seite.


Inzwischen tauchte unter ihnen eine große Stadt auf, eine sehr große. Die Hamster bestaunten die imposanten Brücken, die die beiden Teile der Stadt mit einander verbanden.... Brücken, teilweise mit richtigen Türmen drauf, ein Palast mit einen riesigen Turm, auf dem ein großes Ziffernblatt die Zeit anzeigte. Dann ein noch größerer Palast, hinter dem sich ein weitläufiger Park befand.


"Haben wir eigentlich genug Futter dabei?" ertönte Goldis Stimme. "Das sieht ja nach einem Einkaufszentrum aus, ich meine, wegen Proviantisieren und so..."


"In der Tat, in der Tat", stimmte der Bürgermeister zu, "ein kleiner Einkaufslümmel, äh, -bummel wäre nicht verkehrt. Steuermann, Maschinen stop und landen!"


Der Bauleiter nahm den Schub weg und steuerte das Raumschiff auf den riesigen Palast zu. "Mir wäre wohler, wenn der Navi-dings endlich mal sagt, wo wir sind!" knurrte er.


"Ich hab’s doch gleich!" stammelte Dodo.


"Da waren Wachen vor der Tür", staunte Trampel.


"Wir landen am besten auf dem Innenhof", stellte Murksel fest. "Navigator! Wo sind wir?"


"Ich hab’s gleich!" keuchte Dodo. "Sofort!"


"Also, das ist ganz schön vornehm hier", staunte Flecki. "Als wenn hier eine Königin wohnen würde..."


"Habt ihr diese riesige Statue mit der Tante drauf gesehen, die sah aus als wenn sie uns zuwinkt?" fügte Tuffi hinzu.


"Navigator! Wo, verdammt noch mal, sind wir?" meldete sich erneut der Bauleiter, dieses Mal etwas lauter.


"Ich hab’s doch gleich!" heulte Dodo. "Gebt mir doch eine Chance...."


Mit äußerst niedriger Geschwindigkeit flogen die Hamster nun an den Fenstern des Palastes vorbei, kunstvolle Innenausstattung, Gemälde und jede Menge Verzierungen wurden nun sichtbar. Und wieder Wachen. Murksel korrigierte den Kurs, und in einem großen Bogen ging es weiter über den riesigen Innenhof.


"Da drüben scheint die Eingangshalle zu sein", keuchte Dasie, "aber so was von todschick..."


"Hör auf von Tod zu reden", jammerte Trampel. "Was, wenn die Wachen uns erwischen? Was, wenn wir abstürzen? Wenn ich sterbe, dann will ich friedlich gehen, so wie einst mein Großvater im Schlafe. Und nicht laut kreischend, wie die Mitfahrer in seinem Wagen..."


"Verdammter Navigator, wo, verdammt noch mal, befindet sich dieser verdammte Innenhof?" unterbrach Bauleiter Murksel brüllend Trampels traurige Erinnerungen.


"Gleich, gleich!" heulte Dodo. "Warum gibt mir denn niemand eine Chance? Warum werden die Kleinen dieser Welt immer geknechtet?"


Im nächsten Moment krachte es. Der Bauleiter hatte einen der beiden großen Blumenkübel, die sich links und rechts von einem Eingang befanden, angesteuert. Erde spritzte auf, und die Sicht nach draußen war mit mit Erde und Grünzeug versperrt.


"Ich würde sagen, wir sind im Eimer", keckerte Teeblättchen.


"Dodo, ich drehe dir deinen verdammten Hals um, wenn ich nicht sofort eine Auskunft kriege!"


"Aber er gibt doch sein Bestes, Herr Bauleiter", spottete Tati, "er braucht doch nur eine Chance..."


"Ich hab’s!" rief Dodo freudestrahlend. "Ich hab’s gefunden, ich hab doch gesagt, dass ich es finden würde, und dann habe ich gesagt: gebt mir eine Chance, und ihr habt mir eine Chance gegeben, und dann habe ich gesagt 'gleich' und dann..."


"Schnauze oder ich buddel dich im Blumenkübel ein!" grölte Bauleiter Murksel, während er die Maschinen ausschaltete. "Wo sind wir, du Riesennavigatoridiot?"


"Nach genauesten Berechnungen", begann Dodo mit stolzem Gesichtsausdruck, "sind wir in der Mitte einer Stadt gelandet. Und zwar auf dem Marktplatz von.... Schnorkhausen!"


"Schnorkhausen?" grunzte der Bauleiter. "Bist du sicher?"


"Aber ja", erwiderte Dodo, während seine Augen feucht wurden, "oder vertraust du einem Navigator nicht?"


"Eigentlich würde ich ja eher auf London tippen", warf Flecki ein, "ich habe da vorhin ein paar interessante Einkaufszentren gesehen."


"Nein!" heulte Dodo. "Schnorkhausen! Warum vertraut mir keiner?"


"Vielleicht weil Schnorkhausen keinen Königpalast hat?" grinste Goldi.


"Waaaahhh!" flennte Dodo nun hemmungslos. "Ihr seid so gemein!"


"Na, schön", knurrte Murksel, dem das Geflenne langsam auf den Keks ging, "von mir aus sind wir in Schnorkhausen. Und wie weiter?"


"Wie, wie weiter?" schluchzte Dodo


"Na, wie nun weiter?"


"Was, wie nun weiter?"


"Wie es weiter geht, du hohler Klops!" brüllte der Bauleiter, woraufhin Dodo schluchzend zusammenbrach und wimmerte:


"Das weiß ich doch nicht... Ich habe die Karte doch nur flüchtig studiert..."


"Seit lediglich ein paar kurzen, knappen Stunden", grinste Tati


"Unmöglich, sich so schnell zurechtzufinden", ergänzte Teeblättchen mit einem verständnisvollen Blick auf Dodo.


"Sag ich doch", flennte Dodo. "Aber warum immer ich? Warum gehen wir nicht durch die Tür da?"


"Ja", warf der Bürgermeister ein, " der Navigator-Klops hat Recht! Herr Baumeister, warum gehen wir nicht durch die Eingangstür?"


"Weil das eine Falle sein könnte", entgegnete Murksel nachdenklich.


"Eine Falle?" rief Flecki verwundert. "Eine Falle im Buckingham-Palast von Lon.... äh... Schnorkhausen?"


"Futter fassen!" grölte Goldi und öffnete die Ausstiegsluke.


Jubelnd rannten nun alle zur Eingangstür, doch die war dicht. Dann fielen Schatten auf die Hamster, einer nach dem anderen wurde gegrabscht und in einen Karton gesteckt. Jemand guckte in den Karton und die Hamster rannten kreischend durcheinander, denn dieses Wesen trug seinen Pelz auf dem Kopf! Dann wurden sie fortgetragen und fanden sich in einer Kammer wieder. Dann Stimmengemurmel, das Geräusch einer zuklappenden Tür, dann Stille. Die Lage war aussichtslos, sie waren gefangen.


"Ja, ja", jubelte Bauleiter Murksel, "ist das nicht toll? Ich habe Recht gehabt! Ich habe gesagt, es ist eine Falle, und es war tatsächlich eine Falle!"


Trotz dieser guten Nachricht war die Stimmung natürlich gedrückt und nach einer Stunde hörte auch der Bauleiter auf zu jubeln und zu prahlen. Erste Stimmen wurden laut, dass der Bürgermeister etwas tun sollte.


"Öhm, Dodo-Gator, öh... Navi-Dodo! Standort!"


"Ich habe keinen dabei, Herr Bürgermeister", druckste der große Hamster.


"Tja, zu schade, wirklich schade", grübelte der Bürgermeister, "weißt du denn wenigsten, wo wir uns befinden?"


"Aber natürlich Herr Bürgermeister, dafür bin ich doch da! Wir befinden uns in einem ca. 30 x 30 cm großen Karton!"


"Öhm, äh, danke, mein lieber Gogo, äh, Dings."


Der Bürgermeister sah ein, dass weitere Fragen zwecklos waren. Er lehnte sich an die Wand des Kartons und grübelte. Seine Mannschaft erwartete jetzt eine Lösung von ihm, und er war sich ziemlich sicher, dass er keine bieten könnte.


"Äh, ja, zappen wir also mal zusammen, äh, fassen, gewissermaßen. Wir befinden uns einem 30 x 30 cm großen Gogo, äh, Dingskasten, was sagt uns das?"


"Der Kasten, Herr Bürgermeister? Der sagt nix."


"Ja, sehr schön, Dodo, danke. Aber wie ich immer fege, äh, pflege gesagt zu haben: Wir haben uns schon in gefährlicheren Situationen befunden..."


"Ach, ja? Und die wären?"


Der Bürgermeister fiel in tiefes Grübeln und die Stimmung der Hamster auf den absoluten Nullpunkt.


"Aus dem Karton von dem ollen Schredder sind wir doch auch rausgekommen..."


"Klar, Goldi", entgegnete Flecki spöttisch. "Da hat es ja auch geregnet." Sie blickte zur Zimmerdecke. "Aber hier regnet es nun mal äußerst selten. Hast du noch mehr kluge Ideen?"


"Klar", grinste Goldi. "Was liegt am Strand und hat eine undeutliche Aussprache?"


"Hmm, vielleicht der Bürgermeister in einem Sommer-Sonne-Strand Anfall?" schlug Flecki vor.


"Nein, das kann nicht sein", warf Dodo nach langem Überlegen ein, "der ist nicht am Strand, den habe ich gerade eben noch gesehen..."


"Nun sag schon", drängelte Hamstilidamst, während Flecki sich die Pfote an die Stirn schlug, "was liegt denn nun am Strand und hat eine undeutliche Aussprache?"


"Ist doch ganz klar", triumphierte Goldi. "Eine... Nuschel!"


Für einen Moment vergaßen die kleinen Nager ihre missliche Situation, doch als das letzte Lachen verklungen war, breitete sich wieder Trübsal aus.


"Und nun, was machen wir nun?"


"Woher soll ich das wissen?" fauchte Murksel. "Du bist doch der Navi-Dodo, oder? Also - was nun, Hohlmöhre? Was machen wir nun? Wie kommen wir hier raus?"


"Ja, also da müsste ich erstmal nachdenken, Chef..."


"Aber selbstverständlich, lieber Dodo, nur zu! Wir haben alle Zeit dieser Welt! Vorschläge?"


Das letzte Wort war an alle Hamster gerichtet und sofort kam Bewegung in die Mannschaft. Jeder tat schwer beschäftigt oder tat zumindest so, als überlege er schwer und sei der Lösung sehr, sehr nahe. Dann, ein Räuspern, und alle Augen richteten sich auf Dodo.


"Wir nehmen das Raumschiff..."


"Warum nehmen wir nicht gleich den Wagen, du Riesenidiot?" brüllte der Bauleiter. "Und wie sollen wir dorthin kommen?"


"Haben wir denn einen Wagen mit, Chef? Dann könnten wir doch...."


Während der Rest von Dodo's Worten in dem wütenden Gebrüll von Murksel untergingen, der sich auf den flüchtenden Hamster stürzen wollte, rief Flecki: "Moment mal, vielleicht spart ihr euch mal kurz die Kraft auf! Wenn wir nämlich einen von uns über den Kartonrand bringen könnten..."


"Genau", ergänzte Goldi. "Wir dachten da an einen kleinen, leichten Hamster und zwei große, starke Hamster..."


"Ja", rief Flecki, "die beiden großen, starken Hamster packen den kleinen, leichten Hamster bei den Pfoten und schleudern ihn über den Kartonrand. Auf der anderen Seite angekommen, läuft der kleine, leichte Hamster zu unseren Raumschiff und fliegt hierher, lässt das Raumschiff im Karton landen und ab geht die Post!"


"Eine kluge, durchführbare Idee", lobte Murksel und warf einen Seitenblick auf Trampel, der sich in eine Ecke des Kartons geflüchtet hatte. "Dodo und ich übernehmen das Schleudern, um kleinen, leichten Hamster über die Kartonwand zu werfen."


"Aber was", warf Tati ein, "wenn dieser kleine, leichte Hamster das Raumschiff nicht steuern kann?"


"Wir haben Funkgeräte", erwiderte der Bauleiter, rieb sich die Pfoten und schaute in Trampels Richtung.


"Aber was", warf Teeblättchen lächelnd ein, "was ist, wenn der kleine, leichte Hamster den Aufprall auf der anderen Seite nicht überlebt?"


"Oder wenn der kleine, leichte Hamster von den Wachen erschossen wird?" gab Teeblättchen zu bedenken.


"Tja, öhm... dann brauchen wir den nächsten Freiwilligen, sozusagen gezwungenermaßen. Gerne, äh, sozusagen, melde ich mich freiwillig als kleiner, leichter Hamster, jedoch nach eingeprüfter Dehnung... äh eingehender...."


"Schon klar", flötete Tuffi, "das soll ja auch kein Wampen-Weitschleudern werden..."


"Also, wat is nu?" rief Murksel kampflustig. "Dodo und ich machen die Schleuder, fehlt nur noch der kleine, leichte Hamster, hä, hä..."


"Selbstverdingslich wie immer freiwillig", echote der Bürgermeister, während sich nun alle Blicke auf Trampel richteten. "Der Kandidat sollte also klein und leicht sein..."


"Nein!" wimmerte Trampel.


"Aber ja doch", lächelte Bauleiter Murksel, "du entsprichst diesem Anforderungsprofil, mein Freund, meinen Glückwunsch!"


"Ja, ein echter Glückspilz!" rief Teeblättchen, während Gold auf den winselnden Trampel zuging und ihm auf die Schultern klopfte:


"Ich beneide dich, dir fällt die Aufgabe zu, unser Superheld zu sein. Denke immer daran, dass Superhamster stolz auf dich wäre, falls du das überlebst."


"In der Tat wäre es nicht schlecht, wenn du bei der Landung auf der anderen Seite nicht soviel unnötigen Lärm machst. Wir wollen doch nicht, dass die Wachen das mitkriegen, oder?"


"Tapferkeit und Entschlossenheit", ergänzte unnötigerweise der Bürgermeister die mitfühlenden Worte des Bauleiters, "sind oft wichtiger als der Einzelne. Um das sozusagen zu verdeutlichen, möchte ich euch eine Geschichte erzählen, damit Mut und Geschossenheit, öhm......"


"Nein", wimmerte Trampel, "keine Geschichten! Schleudert mich endlich! Ich will das alles hinter mich bringen...."