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Kapitel 8

Rettung



Langsam torkelte der Bürgermeister weiter. Bauleiter Murksel hatte sich erhoben und ging ebenso langsam auf ihn zu.


"Und?" hörten die Reparaturhamster ihn rufen. "Wie läuft es so?"


"Öhm, prächtig, sozusagen", kam die gequält klingende Antwort, "ganz hervorragend!"


"Das haben wir gesehen", nickte der Bauleiter anerkennend, "die seitliche Verstrebung hat ganz schön lange gehalten!"


"Nicht wahr", grinste der Bürgermeister, "der Schacht ist auch bestens, ich habe ich persönlich infiltriert, öhm, inspiziert."


"Nun mal im Ernst. Wie lange wollt ihr den Mist noch weitermachen?" Murksel stand nun direkt vor dem Bürgermeister und packte ihn am Kragen. "Die Stadt ist im Eimer, die Erste Hamstische Messe ist gelaufen. Diese Karma-Tante macht spirituelles Gulasch aus uns."


Der Angesprochene lächelte erneut gequält, dann zuckte er mit den Schultern. "Vielleicht Superhamster..."


"Kann auch kein Geld herbeizaubern." Der Bauleiter schob den mittlerweile unglücklich dreinschauenden Volksvertreter in Richtung seiner Truppe. Dort angekommen setzten sie sich hin.


"Ich, öhm, erwarte eure Vorschläge..." druckste der Bürgermeister und betrachtete angestrengt den Boden.


"Tja", keckerte Teeblättchen, "hilfst du einem Freund in der Not, wird er sich an dich erinnern, wenn er wieder einmal in Not ist."


"Ich habe, öhm, gewissermaßen ein wenig leichtfertig gehandelt..."


"Och, nicht mehr als sonst", flötete Tati.


"Wir sind gepredigt, äh, erledigt, sozusagen pleite... keiner kann uns. Ich meine, kann uns retten...." schluchzte der Bürgermeister.


"Aber so was von pleite", bestätigte Flecki


"Da fällt mir ein Witz ein", meldete sich nun Goldi. "Also der Richter sagt zum Angeklagten: 'Ich spreche Sie hiermit frei von der Anklage, Sie hätten die 10.000 Sickel gestohlen.' 'Prima', antwortet der Angeklagte. 'Darf ich das Geld dann behalten?'"


"Wie wäre es mal mit etwas Konstruktivem, Goldi?" schimpfte Finchen. "Damit helfen wir doch niemandem."


"He, ich versuche doch nur, gutes Karma zu verbreiten", verteidigte sich Goldi. "He, was ist mit diesem: Was ist gelb und hüpft von Ast zu Ast? Ein Postfrosch, ha, ha, ha!"


"Ha", entgegnete Flecki gelangweilt.


"Aber das geht doch gar nicht", wunderte sich Dodo. "Die Post streikt doch..."


"Danke für diesen wertvollen Hinweis, Dodo", knurrte der Bauleiter. "Es liegt also mal wieder an mir, konkrete Vorschläge zu bringen. Also, Bürgermeister, zunächst ist da mal die Frage Standart: Reihen-, Eck-, Blockstand? Die Größe, der Standtyp, also Info- oder Verkaufstand. Wie viele? Dann die Bauweise: Holz, Metal oder gemischt? Besonders wichtig: das Konzept. Offen, überdacht? Dann die Sitze, wie viele und welche Art? Was ist mit Besprechungskabine, Küche, Bar? Das, meine lieben Hamster und mein verehrter Bürgermeister, sind die Fragen, die geklärt werden müssen. So geht ein echter Profi vor."


"Äh, Chef?"


"Ja, Tuffi?"


"Ich glaube, der Bürgermeister wollte wissen, wo wir Geld herkriegen. Weil, wenn wir kein Geld haben, dann können wir keine Messe machen. Wenn wir keine Messe machen können, dann brauchen wir uns auch keine Gedanken zu machen, ob Reihe-, Eck-, Blockstand und so weiter. Weil wir nämlich das Material nicht kaufen können. Aber ansonsten war das ein sehr schöner Vortrag, Chef!"


Alle murmelten zustimmend und nickten mit dem Kopf, während der Bauleiter knallrot anlief. Er erwiderte jedoch nichts, sondern hob leise pfeifend ein paar herumliegende Holzpfeiler auf. Nachdem er ungefähr 10-12 stabile Pfeiler gefunden hatte, verschwand er immer noch pfeifend hinter einem Schutthaufen. Dann war nur noch Gebrülle und das Splittern von Holz zu hören.


Tati stupste seinen Bruder Teeblättchen in die Seite. "Ich glaube, er stellt gerade die Zahnstocher für die offene Rundbar im überdachten Teil des Blockstandes her."


"Ich habe noch ein paar alte Gartenstühle..." begann Dodo, doch der Bürgermeister winkte ab. "Danke, Sodo, öhm, Dodo, aber ohne Geld..."


"Wozu zahlen wir denn Steuern?" empörte sich Trampel.


"Alles aufgebraucht", ächzte der Bürgermeister, "die Schadensfreude, öhm, die Schadenersatzforderungen der Ehrengäste..."


"Wir könnten Tuffi als Sklaven verkaufen", knurrte Murksel der hinter dem Schutthaufen hervorkam, "das wäre schon mal ein schöner Anfang."


Er klopfte sich ein paar Holzspäne vom Fell und setzte sich neben den Bürgermeister, der seinen Kopf auf die Pfoten gestützt hatte. Im Hintergrund waren schrille Schreie aus dem Rathaus zu hören. Offensichtlich verbreitete die kommissarische Leiterin spirituelles Karma.


"Das Schlimmste ist", stöhnte der Bürgermeister, "meine Nichte dreht langsam total ab. Wir sind erledigt."


"Dann schmeiß die Karma-Schnepfe doch raus", schlug Goldi vor.


"Sie hat einen Vertrag und kann erst gefeuert werden, wenn es jemanden gibt, der sie ersetzen kann..."


"Großartig", rief Sasie, "und wer kann sie ersetzen?"


"Also hier in Hamsterhausen fällt mir keiner ein, vielleicht Oberamtsleiter Purzel?"


Der Bürgermeister schüttelte den Kopf. "Der gehört zur Prüfungskommission und die Mitarbeiter der Dings, äh, Prüfungskommission der Oberamtsbehörde dürfen keine kommissarischen Tätigkeiten im Rathaus übernehmen. Vielleicht der Knolle, aber der kann nur zählen, vom Geldversieben, öhm, -verdienen hat der keine Ahnung."


"Also jemand, der nicht aus Hamsterhausen stammt", überlegte Flecki, "wen kennen wir da?"


"Das Plüschum", rief Dodo, "das kann alles!"


"Und Capt'n Kirk", grölten Tati und Teeblättchen, "und Spock!" Sie klopften sich vor Lachen auf die Schultern.


"Ja, prima, ihr Clowns, macht nur weiter so", knurrte Bauleiter Murksel und lief langsam wieder rot an.


Nun machte sich Schweigen breit. Selbst dem letzten Hamster wurde der Ernst der Lage langsam klar. Nun folgten einige ernsthaftere Vorschläge wie Erhöhung der Steuern oder eine Tombola, die jedoch schnell wieder verworfen wurden. Auch die Idee, jemanden aus den umliegenden Hamsterländern anzuwerben, wurde nicht weiter erörtert, da es einfach oberpeinlich wäre, so tief zu sinken. Zwar waren sie schon tief gesunken, aber so tief nicht. Zumindest war klar, dass es jemand sein musste, der nicht aus Hamsterhausen stammt, der sich mit Krisen und auch mit Organisation auskannte. Aber wer?


"Ich hab’s!" rief plötzlich Flecki und sofort flogen alle Hamsterköpfe herum und starrten sie aus großen Knopfaugen an. "Jetzt weiß ich, wer uns helfen kann!" jubelte sie.


"Die Klingonischen Hamster?"


"Klappe, Dodo", fauchte Murksel und versuchte den großen Hamster zu treten, traf aber Trampel, der kurz aufquiekte.


"Nee, die nicht", grinste Flecki, "aber wer Capt'n Kirk helfen kann und wer BANTACH3 rettet, der kann auch uns retten!"


"Dabi!" riefen die Hamster wie aus einem Munde.


"Genau", triumphierte Flecki, "Dabi. Aber wo mag sie stecken?"


"Nun, öhm, mein Luder, äh, Bruder erwähnte kürzlich, dass sie die Leitung der Filliale einer gewissen Ulla Pohl..."


"Ullapool", fauchte Flecki. "Die steckt in Ullapool..."


"Dann braucht doch der Herr Bürgermeister nur seinen Bruder fragen..." rief Tuffi aufgeregt.


Alle Augen waren nun auf den Bürgermeister gerichtet, der sich sichtbar unwohl fühlte. "Nun, öhm... leider ist er versetzt worden. Dorthin, wo es recht kalt ist und..."


"Also haben sie den Schwachkopf kaltgestellt", grinste Goldi. "Aber da die Telefone ja sowieso nicht gehen..."


Schweigen. Dann erste Diskussionen. Eine erneute Schiffreise kam dieses Mal nicht in Frage. Erstens würde alles zu lange dauern und zweitens war es mehr als unwahrscheinlich, dass sie wieder so ein Glück wie auf der letzten Reise hatten. Nach drei weiteren Stunden Diskussion und Grübeln waren sich alle einig, dass dringend ein Plan ausgearbeitet werden müsse, wie der Bürgermeister immer wieder betonte. Vom Rathaus her klangen immer noch kreischende Laute der kommissarischen Leiterin und hin und wieder flogen Topfpflanzen aus dem Fenster.


"Das Rennmaus-Raumschiff!" rief Goldi plötzlich.


"Ja, das wäre nicht schlecht, oder noch besser dieser Kirk mit seiner Truppe. Dann wären wir im Nu in Schottland. Aber den Punkt hatten wir doch schon abgehakt, Goldi!"


"Ich weiß, Bauleiter. Aber was ihr nicht wisst, ist, dass der Kirk 'diesen Schrott' wie er gesagt hatte, nicht auf seinem Raumschiff haben wollte. Deshalb sollte dieser Scotty mit einem Ort-zu-Ort-Transporter das Rennmaus-Raumschiff nach Hamsterhausen beamen."


"Dieser Scotty war nicht schlecht", erinnerte sich Murksel, "den hätte ich ganz gut gebrauchen können..."


"Sag mal, Goldi", meldete sich nun Flecki zu Wort, "woher weißt du das überhaupt? Soweit ich weiß, war das Rennmaus-Raumschiff noch an Bord der Enterprise, als wir nach Hause gebeamt wurden."


"Och", druckste Goldi, "ich hatte nur ein paar Andenken mitgenommen..."


"Ja", fauchte Flecki, "den Phaser mit dem Trampel eine neue Frisur erhalten hat. Und was noch?"


"Nur so ein kleines Funkgerät..."


"Etwa das, was ich in den Jeffreys-Röhren hatte?"


"Na ja, ich habe gedacht, das brauchst du nicht mehr... Jedenfalls habe ich das eingeschaltet und ein wenig mitgehört. Ich wollte ja nur wissen, ob bei den Leuten auch alles in Ordnung ist. Irgendwann waren die aber außer Reichweite..."


"Schön, dass auf unseren Goldi immer Verlass ist wenn es ums Mopsen oder Fressen geht", stöhnte Flecki, "aber wo kann das Rennmaus-Raumschiff gelandet sein? Jedenfalls außerhalb der Stadt, sonst hätten wir es längst gefunden oder in der Zeitung gelesen."


"Ich glaube ich weiß, wo es ist!"


Alle wandten sich nun zu Dodo um.