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Kapitel 3

Aufräumarbeiten

Nachdem sie zwei Tage völlig ratlos hin- und hergelaufen waren, kamen die Hamster auf die Idee, Planungsgruppen zu bilden. Die nächsten Tage und Wochen verliefen somit in hektischer Geschäftigkeit. Inzwischen war Bauleiter Murksel gegen seinen ausdrücklichen Wunsch, aber auf Druck des Krankenhausdirektors, aus dem AKH entlassen worden. Angeblich war kurz darauf Reparaturhamster Tuffi mit einem Schild um den Hals gesichtet worden. Es hieß, Bauleiter Murksel habe Tuffi mit einer Degradierung zum Reparaturhamster unterster Klasse gedroht, wenn sie dieses Schild nicht eine Woche lang tragen würde. Es hieß weiterhin, dass auf dem Schild die Worte stünden: "Ich bin eine hirnlose Plappertasche".

Leider ließ es sich nicht feststellen, ob dieses der Wahrheit entsprach, denn Tuffi war plötzlich verschwunden, und Bauleiter Murksel nicht bereit, irgendwelche Fragen dazu zu beantworten. Als Tuffi nach einer Woche wieder auftauchte, war auch sie nicht bereit, irgendwelche Fragen zu beantworten.

Nach drei Wochen hatten die Hamster es endlich geschafft und die hamstischen Pleasure-Dome-Kompetenzteams erweitert. Es wurden folgende Gruppen aufgestellt:

Durchführung der Planungen: Bauleiter Murksel
Assistenten: Tuffi, Dasie

Position des Schichtführers: Dodo
Assistenten: Trampel

Architektenteam: Flecki und Goldi
Assistenten: Tati, Teeblättchen

Nachdem das Rathaus behelfsmäßig repariert worden war, fand die erste Planungssitzung des Hamstischen-Pleasure-Kompetenzteams unter Vorsitz des Bürgermeisters statt. Leider gab es einige Probleme mit dem Fahrstuhl, und da die Treppen noch nicht wieder benutzt werden konnten, dauerte es, bis alle Hamster versammelt waren. Das Architektenteam sollte als erstes seine Vorstellungen erläutern. Tati durfte den Vortrag halten, während Goldi und Flecki sich aus der Sache heraushielten.

Nachdem der recht kurze Vortrag beendet war, gab es einige lange Gesichter unter der Hamsterschar.

"Sehr schön," tönte aber der Bürgermeister. "Es zeigt sich immer wieder, wie viel ein jeder zu einem erfolgreichen Gelingen beitragen kann. Der Plan ist meisterhaft, und ich bin sicher, es wird ein Meilenstein in der Geschichte Hamsterhausens werden!"

"Warum habt ihr denn so wenig Fressbuden geplant?" fragte Dodo, und Sasie fügte hinzu: "Und wieso gibt es auf der einen Hälfte Buden und auf der anderen Hälfte Grünanlagen?"

"Das sind nicht nur Grünanlagen," keifte Flecki, "das sind wunderschöne Rabatten, die farblich aufeinander abgestimmt sind. Die Terrassen bilden einen wunderschönen Kontrast zur Landschaft. In der Mitte wird ein Springbrunnen stehen, an dem sich geplagte Hamster ausruhen können. Die andere Hälfte ist auf Goldis Mist gewachsen, da gibt es Autoskooter, eine Mondrakete, sowie Schieß- und Ballerstände. Ach ja, und zwei Fressbuden.

"Nur zwei?" fragte Dodo enttäuscht.

"Das langt," entgegnete Flecki, "es gibt eine vegetarische Fressbude und eine nicht-vegetarische Fressbude."

"Wir wollten auch gerne bunte Lose verkaufen, aber leider haben wir kein Geld für Preise," fügte Teeblättchen hinzu.

Das Architektenteam einschließlich der Assistenten guckte umher, sodass der Bürgermeister sich genötigt fühlte, etwas zu sagen.

"Nun, kraft meines Amtes und der von mir repräsentierten Aufgabe denke ich, dass wir auch dieses Problem lösen können. Selbstverständlich werde ich gerne auch meinen Teil dazu beitragen, dass wir Preise anbieten können. Wie ich schon immer gesagt habe...."

"Hurra," grölte Goldi mitten in die Rede, "der Bürgermeister spendiert die Preise!"

Nun waren alle Hamster aufgestanden und applaudierten minutenlang dem Bürgermeister, der doch nur daran gedacht hatte, auf diesem Wege sein altes, rostiges Fahrrad loszuwerden. Verzweifelt versuchte er, sich Gehör zu verschaffen, doch schon bald musste er feststellen, dass kein Ankommen gegen den Lärm der Hamster möglich war. Resigniert setzte er sich in eine Ecke und lauschte dem nächsten Beitrag, der von Bauleiter Murksel kam.

"Wichtig ist zunächst mal, das Gerümpel vom Marktplatz zu schaffen. Das wird die Aufgabe des Schichtführers sein. Wenn das fertig ist, beginnen wir mit den Bauarbeiten."

"Öhm, Öh!"

"Ja, Dodo?"

"Also, wie mach ich das denn, Bauleiter? Das ist doch viel zu viel, das schaffe ich nicht!"

Bauleiter Murksel überlegte und guckte zum Bürgermeister hin. Der Bürgermeister überlegte und betrachtete den Teppich. Schweigen und Ratlosigkeit breiteten sich im Raum aus. Plötzlich nieste Goldi, und alle Augen waren sofort auf ihn gerichtet.

"Ja, Goldi?" riefen Bauleiter Murksel, Dodo und der Bürgermeister wie aus einem Munde.

"Äh, nichts. Ich habe doch nur geniest."

Als sie ihn alle weiterhin anstarrten, glaubte Goldi, noch etwas sagen zu müssen und fuhr fort:

"Aber, so schwer ist das doch nicht, Dodo. Du musst nur den Schrott beiseite räumen."

"Kannst du mir nicht dabei helfen, Goldi?"

Bevor Goldi auch nur den Mund öffnen konnte um dankend abzulehnen, hatte Flecki schon die Hand auf seine Schulter gelegt und flötete:

"Sicher wird Superhamster gerne helfen. Mit Schrott kennt er sich bestens aus!"

Goldi schob Fleckis Hand beiseite und protestierte, dass er doch mit Architektenaufgaben beschäftigt sei, doch schon klang es von allen Seiten: "Superhamster! Superhamster! Superhamster!"

Am nächsten Tag standen Dodo und Trampel auf dem Marktplatz und warteten auf Goldi. Nach einer halben Stunde Verspätung kam er dann mürrisch angelatscht. Gemeinsam sahen sie sich um. Überall lag zerschmettertes Holz und mittendrin ein kaputter Kran auf einem verbeulten Feuerwehrwagen.

"Die HAMFE hätte wenigstens ihren Wagen mitnehmen können", schimpfte Goldi.

"Sie haben gesagt, dass sie den nicht mehr brauchen", erklärte Trampel.

"Was sollen wir denn nun machen? Wo fangen wir an?" jammerte Dodo.

Goldi überlegte lange, während ihn der Schichtführer und sein Assistent erwartungsvoll mit großen Augen anstarrten.

"Ich hab's, wir nehmen den Wagen", rief Goldi.

"Das habe ich irgendwo schon einmal gehört", meinte Dodo, "aber wohin fahren wir denn?"

"Wir doch nicht, du Blödmann", fauchte Goldi. "Wir binden das ganze Gerümpel an den Feuerwehrwagen und ziehen es weg."

"Und wohin wollen wir das ziehen?" fragte Trampel.

"Nach Hamsterhusen natürlich. Wenn das Riesenrad dort gelandet ist, fällt es sowieso nicht auf, wenn wir noch etwas Gerümpel dazuschieben."

Goldi begann nun, an Vergaser und Motor des Feuerwehrwagens herumzufummeln, damit der Wagen stärker würde, wie jedenfalls Goldi behauptete. Dodo und Trampel dagegen waren in den nächsten Stunden schwer damit beschäftigt, alle Teile zusammenzuschieben und irgendwie am Fahrzeug zu befestigen. Dann hieß es aufsteigen, und die holperige Fahrt nach Hamsterhusen begann.

Während Goldi, Dodo und  Trampel immer wieder von Hamsterhausen nach Hamsterhusen und von Hamsterhusen nach Hamsterhausen fuhren, schliefen die Bewohner dieser beiden Städte tief und fest und bekamen nichts von den Räumungsarbeiten mit.

Nach vielen Stunden und vielen Fahrten war alles aufgeräumt und die drei Hamster legten sich total erschöpft schlafen.