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Kapitel 2

Erste Planungen

"Einen Hamstischen Pleasure Dome?" rief Teeblättchen verwundert, und sprach genau das aus, was alle dachten.

Die Hamster hatten sich inmitten der Hälften des Rathauses zu einer Beratung zurückgezogen, um Näheres von der Idee des Bürgermeisters zu erfahren.

"Nun, kraft der mir verliehenen Position denke ich, dass es an mir liegt, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, die mit der Durchführung der Arbeiten beginnen wird. Natürlich werde ich die Dings, äh, die Organisation nicht nur leiten, sondern auch führen."

Die Hamster glotzten den Bürgermeister verständnislos an.

"Äh, die Vorbereitungen werden sofort beginnen, denn wie ich immer zu sagen pflege, sollten Dinge nicht auf die lange Bank geschoben werden, weil sonst irgendwann kein Platz mehr da ist. Auf der Bank meine ich, und, äh, natürlich bin ich offen für Vorschläge."

Der Bürgermeister blickte erwartungsvoll auf die Hamsterschar, doch niemand meldete sich.

"Nun, natürlich beginnen wir mit den Plänen für den Hamstischen Pleasure Dome und überlegen uns erst einmal, woraus er bestehen soll. Also?"

Der Bürgermeister blickte erneut erwartungsvoll auf die Hamsterschar, doch niemand sagte etwas.

"Ich dachte da an einen riesigen Park mit vielen tollen Möglichkeiten, wie Karussell, Wasserbahn, Achterbahn, Schlittschuhbahn.... was könnte es noch geben?"

"Ach so", warf Dodo ein, "dann ist ein Pleasure Dome also ein Vergnügungspark. Aber warum sagen wir dann nicht gleich Vergnügungspark?"

"Weil Pleasure Dome besser klingt", erklärte Tuffi.

"Aber das versteht doch keiner."

"Naja, Dodo, es soll aber cool klingen, auch wenn es keiner versteht."

Der Bürgermeister wartete ungeduldig, bis diese Diskussion beendet war und blickte erwartungsvoll auf die Hamsterschar, doch nun schwiegen alle.

"Keine Vorschläge?" fragte der Bürgermeister mit leichter Panik in der Stimme.

Goldi räusperte sich.

"Ja, bitte", rief der Bürgermeister, "aller Anfang ist schwer, lieber Goldi! Immer her mit den Vorschlägen!"

"Was ist mit Fressbuden?"

"Fressbuden! Hast du denn nichts Anderes im Kopf? Hübsche Gärten zum Beispiel? Schöne Sachen zum Kaufen?" fauchte Flecki.

"Aber in Fressbuden kann man doch schöne Sachen zum Fressen kaufen und..."  

"Trampolin springen!" unterbrach Dodo.

"Geisterbahn!" rief Trampel begeistert.

An dieser Stelle artete die Diskussion wie üblich aus. Jeder schrie seine Vorstellungen heraus so laut es ging, und es kam zu den ersten Prügeleien.

Nach vielen Stunden war es dem Bürgermeister gelungen, wieder Ruhe in die Versammlung zu bringen.

"Nachdem wir also die verschiedenen Standpunkte eingehend erläutert haben, sollten wir nun das "Pleasure-Team" bilden. Wir brauchen jemanden, der für die Durchführung der Planungen verantwortlich ist. Jemand, der bereit ist, sich Tag und Nacht für dieses Projekt einzusetzen, jemand, der es aus Freude am Gelingen und nicht des Geldes wegen macht!"

Der Bürgermeister blickte erwartungsvoll auf die Hamsterschar, doch alle betrachteten entweder interessiert den Boden, oder sie schauten auf eine der Hälften des zerstörten Rathauses, das wirklich einen interessanten Anblick bot.

"Ich schlage Bauleiter Murksel vor", piepste Reparaturhamster Tuffi. "Der macht das bestimmt gerne!"

"Ja, Murksel soll es machen, hoch mit Murksel, Murksel baut den Pleasure Dome!" rief die Hamsterschar begeistert.

"Fein", freute sich der Bürgermeister. "Nachdem das geklärt ist, wird Tuffi die ehrenvolle Aufgabe haben, Bauleiter Murksel zu beglückwünschen, nachdem dieser im Krankenhaus wieder aufgewacht ist. Ich werde noch heute mit der Krankenhausverwaltung telefonieren, damit Herr Murksel eine Sondergenehmigung erhält, das Krankenbett vorzeitig zu verlassen. Wir wollen ja schließlich fertig werden!"

Begeisterte Rufe und Pfotengetrampel begleiteten seine Worte.

"Dann, äh", fuhr der Bürgermeister fort, "brauchen wir weitere engagierte Mitarbeiter."

Die Hamster betrachteten interessiert den Abendhimmel.

"Ich denke daher, und da werden mir sicherlich alle zustimmen, zunächst einmal an die verantwortungsvolle Position des Schichtführers. Seine Aufgabe, liebe Hamster, besteht darin, alle notwendigen Dinge zu besorgen und heranzuschleppen. Sozusagen eine tragende Rolle. Nun, wer möchte?"

"Netter Abendhimmel, was?" flüsterte Goldi zu Dodo.

"Ja, und so tolle Wolken!"

"Also, liebe Hamster", wiederholte der sichtlich nervöse Bürgermeister seine Frage, "wer möchte diese tragende, überaus wichtige Position ausfüllen?"

"Wo sind Wolken?" fragte Goldi mit einem hinterhältigen Grinsen.

"Na, da!" rief Dodo und zeigte mit ausgestreckter Pfote zum Himmel.

"Ah, ein Kandidat! Herzlichen Glückwunsch, lieber Dodo", rief der Bürgermeister erleichtert. "Deine Bewerbung ist hiermit angenommen. Somit nähern wir uns unserem Hamstischen-Pleasure-Dome-Kompetenzteam mit großen Schritten, äh, Pfoten. Lediglich die Stelle des Architekten ist noch zu vergeben. Diese Aufgabe umfasst die Aufteilung des Pleasure-Domes, also wo welche Bude hinkommt, wie viele Fressbuden oder Karussells aufgestellt werden..."

"Das mit den Fressbuden mache ich!" rief Goldi und hüpfte auf und ab.

"Prima, prima", rief der Bürgermeister, "dann sind wir also komplett. Somit stelle ich kraft meines Amtes fest, dass..."

"Moment mal!" Flecki war auf einen Mauervorsprung geklettert und hatte die Pfoten in ihre Hüften gestemmt. "Wenn Goldi das übernimmt, dann haben wir 99 Fressbuden und ein Karussell! Ich erhebe Einspruch!"

"Nun, öh. Öh..." Der Bürgermeister wirkte ratlos. "Ja, was machen wir dann? Was machen wir denn bloß?"

"Du bist der Bürgermeister, also entscheide gefälligst!" rief Flecki empört.

Der Bürgermeister fühlte sich auf einmal unwohl und wäre gerne nach Hause gegangen, aber als die gesamte Hamsterschar erwartungsvoll vor ihm saß und auf Entscheidungen, nämlich auf seine Entscheidung wartete, musste er Führungsqualitäten zeigen.

"Tja, ähem, ich fasse dann mal zusammen, liebe Hamsterfreunde, denn gerade in Zeiten wie diesen kommt es immer wieder auch darauf an, zu erkennen, was man hat und was nicht. Natürlich ist es nicht einfach, solch eine gewichtige Entscheidung zu fällen, doch wie ich schon immer gesagt habe und zu sagen pflege..."

"Sabbel nicht dumm rum, sondern komm zur Sache!"

Der Bürgermeister blinzelte verlegen und versuchte zu erkennen, welcher der Hamster das gerade gesagt hatte, doch er sah nur ungeduldige Gesichter vor sich, und er hätte alles dafür gegeben, wenn ihm eine Lösung eingefallen wäre. Goldi oder Flecki? Flecki oder Goldi? Oder...? Ja, das war es!

"Nun, selbstverständlich werde ich nun zur Sache kommen, mein ungeduldiger Freund. Meine Entscheidung lautet nach reiflicher Entscheidung ohne Wenn und Aber: Beide sollen es machen! Mit dem geballten Wissen, mit der geballten Kompetenz dieser beiden Hamster muss das Projekt klappen!"

"Kompetenz? Geballtes Wissen? Ist der Kerl wieder gegen eine Telefonzelle gelaufen, oder wie? Goldi, sag, dass er dich nicht gemeint haben kann!"

"Naja", murmelte Goldi und grinste Flecki an. "Er hat auch etwas davon gefaselt, dass das Projekt klappen muss. Hat er sich denn jemals geirrt?"

"Hat er sich jemals nicht geirrt? Hat denn jemals irgend etwas mit dem Kerl geklappt?

"Nö", meinte Goldi, "eigentlich nie. Dafür gab es aber immer nette Katastrophen. Fangen wir also damit an."