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Kapitel 37

Der Pleasure Dome

"Sag mal, Bürgermeister, findest du das eine gute Idee, wenn wir die beiden jetzt in die Innenstadt schleppen? Wir sollten erst einmal alles vorbereiten, damit das keine Panik gibt."

Der Bürgermeister bliebt stehen und überdachte Fleckis Vorschlag. Nach einer Weile drehte er sich zu den beiden Männern um und tippelte auf McClown zu.

"Öhm, meine sehr verehrten Herren, in meiner Eigenschaft als Bürgermeister Hamsterhausens schlage ich vor, unter den gegebenen Umständen Sie zu bitten, sich zunächst in unseren, ähm, Empfangsraum zu begeben. Der Dings, äh, der Strand befindet sich nicht weit von hier. Aus Sicherheitsgründen, wenn Sie verstehen..."

"Was will der Mops, McClown?"

"Nun Sir, er sagt, dass wir es uns erstmal am Strand gemütlich machen sollen."

"Fragen Sie ihn nach meiner Münze, ich bin schließlich nicht zum Baden hergekommen!"

Der Butler beugte sich zu dem Hamster hinunter und sprach mit ihm. Nachdem der Bürgermeister mit vielen Worten erklärt hatte, dass er sich sofort persönlich darum kümmern würde, und nachdem er zweimal umgefallen war, weil er beim auf-dem-Boden-tippen mit seiner linken Pfote das Gleichgewicht verloren hatte, wurden McClown und McShredder zum Strand von Hamsterhausen geführt.

Der Lord sah sich missmutig um und setzte sich in den Sand. "Wir werden verrecken wie die Ratten, McClown, ein guter Butler hätte an Essen gedacht!"

"Nun, Sir, zum Glück bin ich das", grinste der Butler spöttisch und öffnete einen der Koffer. "Belegte Brote aus dem 'Blue Riband', Sir, schließlich gab es die ja umsonst."

Die Hamster waren unterdessen weiter in Richtung Marktplatz gegangen. Alle waren sehr aufgeregt, besonders Bauleiter Murksel konnte es nicht erwarten, zu sehen, was sich in seiner Abwesenheit getan hatte. Besonders ungewöhnlich war die Tatsache, dass niemand auf den Straßen zu sehen war; alles schien wie ausgestorben zu sein. Das sollte sich jedoch schnell ändern, denn als sich die Reisetruppe dem Marktplatz näherte, war schon von weitem Lärm zu hören. Musik und Gejohle, wie deutlich zu hören war. Mit vor Aufregung heftig klopfenden Herzen rannten die heimkehrenden Hamster, bis sie den Markplatz erreicht hatten. Dann blieben sie stehen und starrten auf das, was sich vor ihren Augen abbspielte.

Markt- und Rathausplatz waren überfüllt mit Hamstern. Zur linken Seite waren mehrere kleine Fressbuden zu erkennen; der leckere Geruch, der aus dieser Richtung kam, ließ gewissen Hamstern das Wasser im Munde zusammenlaufen. Aus einer kleinen Bude direkt vor ihnen waren Schüsse zu hören. Rechts daneben befand sich ein riesiges Gebäude mit mehreren Balkons, auf denen gefährlich aussehende Katzen aus Pappe standen, die fauchend ihre Pfoten hin- und herbewegten. Eine Tür, die auf den Balkon führte, öffnete sich, und ein Wagen mit kreischenden Hamstern fuhr um die fauchende Katze herum und verschwand wieder durch eine Klapptür. Neben dieser Geisterbahn befand sich ein riesiger Springbrunnen, doch das, was die staunenden Hamster am meisten in Aufregung versetzte, waren die beiden riesigen Konstruktionen in der Mitte des Marktplatzes. Das eine war ein hoher Turm, in dem mehrere Hamster angeschnallt auf Sitzen befestigt waren und katapultartig unter lautem Kreischen in die Luft befördert wurden. Das andere war das dahinter befindliche Karussell, in dem nicht minder kreischende Hamster ihre Runden drehten.

"Die Mondrakete und und der Turbo-Kreisel!" grölte Goldi begeistert.

"Gebackene Sonnenblumenkerne", rief Dodo.

"Ein riesiger Springbrunnen!" kreischte Sasie begeistert.

"Die Ga- ga- ga- Geisterbahn", keuchte der Bürgermeister.

"Plüsch- und Plunderbuden", frohlockte Flecki, "und dahinten sind die Grünanlagen!"

"Ein Schießstand", staunte Trampel.

"Nicht schlecht, was die auf die Beine gestellt haben, was, Herr Bauleiter?" trompetete Tuffi und klatschte begeistert mit ihren kleinen Pfoten.

Bauleiter Murksel stand mit weit geöffneten Augen da, sagte kein Wort und beobachtete, wie ein torkelnder Hamster vom Karussell weggetragen wurde.

"Das ist Mamsi", erklärte Tuffi. "Sie fährt so gerne Karussell, doch leider kann sie es nicht besonders gut ab."

In diesem Moment brachen Jubelschreie aus, als die daheimgebliebenen Hamster ihre zurückgekehrten Freunde entdeckten.

"Herr Bürgermeister, Herr Bürgermeister!"

"Öhm, ja, äh, Nafti?"

Nafti, ein kleines Hamstermädchen, stand völig atemlos vor dem Bürgermeister. Als eine der Rathausassistentinnen war sie mit der Aufgabe der Durchführung der Planungen beauftragt worden. Zweifellos war es ihr recht gut gelungen, wie man auf den ersten Blick sehen konnte.

"Herr Bürgermeister, Sie müssen unbedingt die Eröffnungsrede halten. Es hat sich leider viel zu schnell herumgesprochen, dass die Fertigstellung des Vergnügungsparks..."

"Pleasure Dings, äh, Dome, mein Kind, das heißt Pleasure Dome!"

"...dass der Pleasure Dome bereits geöffnet ist. Die Delegationen von Hamstercity, Hamsterhusen und so weiter sind bereits auf dem Weg hierher und...."

"Öh, äh, jemand muss sofort den alten Sack, äh, den Lord holen, damit das McShredder-Monster da ist!"

"Wo sind die denn jetzt?"

"Äh, Dings, äh, Hamstilidamst und Trampel, lauft schnell los und holt die beiden!"

Wahrend sich die beiden Hamster auf den Weg machten, Lord McShredder zu holen, hatte sich Bauleiter Murksel aus seiner Starre gelöst und deutete auf den riesigen Springbrunnen, der nicht weit entfernt von ihnen stand und riesige Wasserfontänen in die Luft spie.

"Was ist das?"

"Das haben wir nach der Bauanleitung gebaut, Chef", rief Purzel und rückte den Bleistift gerade, den er hinter seinem rechten Ohr trug. "Hier, schau mal, wir haben uns genau an die Vorgaben gehalten!"

Murksel nahm die Papierrolle, die Purzel ihm hinhielt, warf einen Blick darauf und bekam einen roten Kopf.

"Ihr schwachsinnigen Torfköppe, ihr habt die Bauzeichnung auf den Kopf gestellt, das sollte doch eine Wasserbahn werden!"

"Aber die Fressburger sind dafür lecker!" rief Goldi kauend und hielt sie dem Bauleiter hin. "Guck mal, ich habe den ersten Preis beim Schießen gewonnen - einen Dodoburger."

"Dodoburger?"

"Ja, Dodoburger, richtig schön saftig und fett. Übrigens, Bauleiter, der zweite und der dritte Preis ist fast genauso dick."

Murksel glotzte Goldi fragend an.

"Der zweite Preis", fuhr Goldi fort, "ist der Bürgermeisterburger, und der dritte Preis der Murkselburger, das sind leckere Fettklopse."

"Goldi und Flecki, da seid ihr ja wieder!"

"Dabi?" rief Flecki erstaunt. "Was machst du denn hier?"

"Je, nun, das darf ich eigentlich nicht verraten, aber da ihr nun mal hier seid... Euer Bürgermeister hat uns eingeladen."

"Jetzt schon?"

"Jedenfalls hat Balthasar die ganze Sache als dringende Chefsache unter strikter Geheimhaltung erklärt, nachdem euer Bürgermeister gesagt hatte, dass ihr in einer dringenden Mission unterwegs wart. Er sagte weiterhin, dass ihr mittels eines privaten Hochgeschwindigkeitsfahrzeugs, das er eigens besorgt hatte, ein Monster fangen wolltet. Er meinte, dass er sicher sei, die Sache in kurzer Zeit abzuschließen. Deshalb sind wir schon am übernächsten Tag mit Hamsterairlines hierhergeflogen."

"Aha", grinste Flecki spöttisch. "Dringende Mission, eigens besorgtes Hochgeschwindigkeitsfahrzeug, in kurzer Zeit ein Monster fangen. Der Bürgermeister ist so was von hohl.... Aber sag mal, Dabi, da wir von hohl sprechen, wo steckt denn dein Chef überhaupt. Oder ist das geheim?"

Nun grinste Dabi. "Nein, überhaupt nicht geheim, eher peinlich und dämlich. Nachdem mir der Kerl die letzten Tage mit seinen Sonderwünschen auf die Nerven gegangen ist, habe ich ihm einen Job im Rathaus verpasst."

"Im Rathaus?" riefen Goldi und Flecki verwundert.

"Je, nun, ich habe einen Schreibtisch und einen Sessel in den Fahrstuhl gestellt und habe ihm gesagt, das sei sein neues Arbeitszimmer. Er war begeistert. Jetzt fährt er den ganzen Tag rauf und runter, und jedes Mal, wenn die Tür aufgeht und jemand den Fahrstuhl betritt, fragt er: 'Haben Sie sich schon einen Termin bei meiner Sekretärin besorgt?'"

Die drei Hamster keckerten laut, als sich der Bürgermeister näherte.

"Äh, Fräulein Dings-Dabi, wie schön, Sie zu sehen! Bitte holen Sie doch meinen Bruder, den Präsidenten. Die Ansage, öhm, Ansprache wird in wenigen Minuten stattfinden."

"Gerne", brüllte Dabi zurück, denn der Lärm der sich nähernden Fahrzeuge aus den Hamstischen Nachbarländern hatte in den letzten Minuten erheblich zugenommen. "Der dürfte zur Zeit irgendwo zwischen dem 10. und 12. Stock stecken. Dort arbeitet er um diese Zeit gewöhnlich!"

"Gut, äh, Dings-Dodo", rief der aufgeregte Bürgermeister, "lauf doch eben mal zum Rathaus und hole meinen Bruder Balthasar herunter!"

"Ist gut, Herr Bürgermeister", entgegnete Dodo und verschwand Richtung Rathaus.

Öhm, Fräulein Nafti, gibt es irgendwelche Neuigkeiten oder Umfragen, ich, öhm, meine, weil ich so lange fort war, wenn Sie verstehen“, fragte der immer nervöser werdende Bürgermeister.

 Nafti holte einen Notizblock hervor und blätterte. "Nein, nichts Besonderes, außer einer kürzlich erfolgten Umfrage des Verkehrsministeriums. Es wurde versucht, herauszufinden, ob die hamsterhausener Bürger aufgeschlossen gegenüber Touristen sind."

"Und?"

"Nun", entgegnete Naft, "bei der kürzlich erfolgten Umfrage: "Finden Sie, dass wir Hamster in Hamsterhausen freundlich und aufgeschlossen sind?" antworteten 71 Prozent mit 'Ja' und 29 Prozent mit 'Halt's Maul!"

"Öhm, ja, sehr schön. Danke", brummte der Bürgermeister geistesabwesend und wandte sich Dodo zu, der sich mit traurigem Blick näherte.

"Nun, ist mein Bruder bereit, Dodo?"

"Naja, nicht so richtig, ich meine, er muss sich noch ein wenig erholen."

"Erholen? Jetzt?"

"Ja, Bürgermeister, es war ganz schön laut, als der Fahrstuhl herunterkam, aber die HAMFE meint, dass er wohl in ein paar Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wird, denn..."

"Der Bürgermeister drehte sich kopfschüttelnd um und vergrub sein Gesicht in seine Pfoten.

"Er hat tatsächlich den Fahrstuhl heruntergeholt", staunte Flecki.

"Genial", grölte Goldi. "Dodo macht eben keine halben Sachen!"

"Tja, heute flott und morgen Schrott", ergänzte Dabi grinsend.

"Wie lautet ein altes Hamstisches Sprichwort?" lachte Flecki. "Es macht nichts, wenn etwas schiefgeht. Hauptsache, du findest einen, der schuld ist."

"Aber das habe ich doch nicht gewollt", heulte Dodo.

Dabi klopfte ihm aufmunternd aufs Fell. "Aber das ist doch nicht so schlimm, Dodo. Hauptsache, ansonsten ist niemanden etwas passiert."

"Vielleicht ist es nicht schlecht", warf Nafti aufgeregt ein, "wenn unsere Gäste auch einmal die Gelegenheit haben, unsere vielfältigen medizinischen Einrichtungen zu bewundern."

"Aber was macht ihr denn ohne diesen Balthasar?" fragte Dodo mit immer noch traurigem Gesicht. "Ich meine, wenn keiner eure geheimen Abteilungen mehr leitet?"

Dabi grinste und entgegnete: "Wer glaubt, daß ein Abteilungsleiter eine Abteilung leiten kann, glaubt sicher auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen falten kann."

Inzwischen waren die Delegationen der umliegenden Hamsterländer samt Begleitung eingetroffen. Von allen Seiten ertönten nun die 'Negnafna, negnafna!'0-Rufe der ungeduldigen Besucher, denn der Marktplatz war zum Bersten mit ungeduldigen Hamstern gefüllt. Der Bürgermeister hatte sich inzwischen zu dem großen Podium begeben, wo er zusammen mit Bauleiter Murksel, Dasie, Tuffi, Tati, Teeblättchen, Goldi, Sasie, Flecki und Dodo den tosenden Beifall der Zuschauer entgegennahm. Das Podium war wunderschön geschmückt worden, und überall standen Körbe mit frischem Obst und Schalen mit Sonnenblumenkernen.

"Liebe Bürger Hamsterhausens", begann der Bürgermeister, räusperte sich und wollte fortfahren, als Tuffi ihn auf die Schulter tippte.

"Nicht jetzt, Tuffi", zischte der Bürgermeister verärgert.

"Herr Bürgermeister?"

"Was ist denn, Tuffi?"

"Herr Bürgermeister, Sie sprechen mit einer Honigmelone. Das Mikrophon ist das große Ding da drüben!"

"Öhm, ja, äh, danke", keuchte der Bürgermeister und bewegte sich mit einem verlegenen Lächeln ein Stück nach links.

"Öhm, meine lieben Bürger-Dingse Hamsterhausens..."

"Jetzt sabbelt er mit einer Gurke",  stöhnte Flecki während Tuffi unter dem Gelächter der Zuschauer ihn erneut auf seinen Fehler aufmerksam machte.

Mit knallrotem Kopf stand der Bürgermeister nun völlig durcheinander vor dem johlenden Publikum und sprang kreischend zu Seite, als sich plötzlich der Himmel verdunkelte. Das Johlen verstummte, als zugleich Hamstilidamst und Trampel auf das Podium kletterten, und zwei Menschen vor dem Pleasure Dome standen: Lord McShredder und sein Butler McClown.

"Sind wir nun da, McClown?" ertönte eine krächzende Stimme, die die Hamster vor Schreck erzittern ließ.

"Nun, Sir, es sieht so aus. Da vorne scheint die Geisterbahn zu sein, wenn Sie sich also etwas kleiner machen würden..."

"Ein Lord macht sich niemals klein, merken Sie sich das, McClown! Lassen Sie sich etwas Anderes einfallen!"

"Nun, dann halte ich es für sinnvoll, Sir", grinste McClown, "wenn Sie sich einfach hinter die Geisterbahn legen und hin und wieder 'Buh' machen."

"Ein Lord legt sich nicht einfach hin, McClown!"

"Schade, Sir, dann wird es wohl nichts mit der seltenen Shu-Münze!"

"Wo, sagten Sie, ist die Geisterbahn, McClown?"

Während der Lord es sich nun äußerst schlecht gelaunt hinter der Geisterbahn gemütlich machte, hatte Nafti geistesgegenwärtig das Mikrophon genommen und rief: "Liebe Freunde und Besucher, hier ist es: das McShredder-Monster!" Sie wollte das Mikrophon an den Bürgermeister weiterreichen, doch der war unglücklicherweise in die Weintrauben gefallen und hielt krampfhaft eine Banane in der Hand, der er gerade einige interessante Dinge erzählte.

"Hierher bitte, Herr Bürgermeister", zischte ihm Nafti zu, während Dodo ihm beim Aufstehen half.

Der Bürgermeister wirkte immer noch völlig verwirrt und machte keine Anstalten, auf Nafti und das Mikrophon zuzugehen.

"Schnell, Dodo", rief Nafti, "schiebe den Herrn Bürgermeister zu mir rüber!"

Kurz darauf krachte es laut, und Nafti puzelte samt Bürgermeister über die Brüstung des Podiums in die vor Freude grölende Menge. Es dauerte eine Weile, bis es den hamstischen Sicherheitsteams, die das Podium absichern sollten, gelungen war, den Bürgermeister wieder auf die Bühne zu schieben. Endlich war es geschafft, und sämtliche 12 Hamster, die die aufregende Reise nach Schottland mitgemacht hatten, standen nun vor der jubelnden Menge. Alle genossen den Beifall und waren unendlich stolz in diesem Moment. Zumindest fast alle, denn der Bürgermeister stand mit völlig verwirrtem Blick da und starrte ungläubig auf das Mikrophon in seiner Pfote. Es war Bauleiter Murksel, der sich neben ihn stellte und ihm zuflüsterte: "Nun sagen Sie schon etwas, die Leute warten!"

Der Bürgermeister schien zunächst nichts verstanden zu haben, doch dann grinste er mit wirrem Blick in die Menge, schnupperte kurz am Mikrophon, leckte genüßlich daran und rief: "Wir nehmen den Wagen...!"

"Ich kann nicht mehr", keuchte Flecki, "das ist ja sowas von oberpeinlich!"

"Der Mann ist genial", grölte Goldi, "der hat ein Gefühl für feinsinnige Ansprachen!"

"Wir sollten uns was einfallen lassen", stammelte Bauleiter Murksel.

"Ach ja, und was, bitte schön?" riefen Sasie, Dasie, Tati und Teeblättchen im Chor.

"Natürlich den Wagen nehmen, was, Bauleiter? Los Dodo, schieb die beiden mal in den Turbokreisel!" rief Goldi entzückt, und Dodo schob den protestierenden Bauleiter samt verwirrten Bürgermeister in einen der Wagen des Turbokreisels. Ein Assistenzhamster des Reparaturteams verriegelte den Wagen mit einem Sicherheitsbügel. Dann  gab er ein Zeichen und der Wagen setzte sich in Bewegung. Die Menge auf dem Marktplatz war nicht nicht mehr zu halten, und alles jubelte und grölte durcheinander, als Bürgermeister und Bauleiter sich immer schneller und höher im Kreise drehten. "Haben Sie irgendwo mein Mikrophon gesehen, mein lieber Bauleiter?" fragte der Bürgermeister mit wirrem Blick. "Vielleicht sollte ich ein paar beruhigende Worte sprechen, irgendwie scheinen alle etwas durcheinander zu sein. Sehen Sie mal, wie die alle herumrasen!" Der Bauleiter glotzte verständnislos zurück. "Was mich viel mehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass diese Idioten für die Absicherung der Sperre des Sicherheitsbügels 32er Schrauben genommen haben. Jeder Blödmann weiß doch, dass die nichts taugen!" Der Bauleiter fummelte an der Schraube herum. "Sehen Sie mal,  die lässt sich ganz leicht herausdrehen!"

Der Bürgermeister drehte kurz den Kopf herum. glotzte auf die vorbeirasende Umgebung und seufzte mit glücklichem Gesichtsausdruck: "Ach, mein lieber Bauleiter, Sie sind einfach viel zu misstrauisch. Ich jedenfalls habe volles Vertrauen in meine Hamster, auch wenn sie jetzt alle ein wenig durchgedreht sind."

"Vertrauen? In diese Luschen? Hah, sehen Sie doch, Bürgermeister, eine Drehung nach links, und schon ist die Sperre gelöst!"

Was danach folgte, ist bis heute durch die hamstische Untersuchungskommission nie ganz geklärt worden. Jedenfalls flogen Bauleiter und Bürgermeister unter frenetischem Beifall und Jubel der Zuschauer aus dem Turbokreisel heraus und landeten einige Hundert Meter entfernt im städtischen Dorfteich, der praktischerweise nicht weit entfernt vom Allgemeinen Hamstischen Krankenhaus entfernt liegt. Die Feier wurde daraufhin für wenige Minuten unterbrochen und anschließend für die nächsten Wochen wieder aufgenommen. Lord McShredder erhielt von Flecki noch am selben Abend die wertvolle japanische Shu-Münze und kehrte mit Frido McClown zur Raststätte zurück. Es dauerte eine Weile, bis wie versprochen Vim van der Slampe mit seinem Lkw erschien und beide mit  nach Amsterdam nahm. Dort bestiegen Lord und Butler die nächste Fähre nach Newcastle, wobei es dem Lord gelang, sich mit dem gesamten Personal des Schiffes anzulegen und allen eine unvergessliche Überfahrt bescherte. Von Newcastle aus schlugen sie sich bis Edinburgh durch und besuchten die Bank of Scotland, wo der Lord seine seltene Münze in einem Tresor verschließen ließ und zugleich eine beträchtliche Menge an Geld abhob, um ein neues Schloss zu kaufen. George war es übrigens tatsächlich gelungen, die Pferde ihrem Besitzer zurückzubringen, allerdings hatte er fünf ganze Tage dafür gebraucht. Kaum war er wieder zu Hause, da meldete sich Lord McShredder bei ihm und wies ihn an, sofort zum Kings House Hotel zu kommen, um dort solange mit ihm und McClown zu wohnen, bis sie ein passendes Schloss gefunden hatten. Lisa McGyer war natürlich entzückt über diese Tatsache, mal abgesehen davon, dass der Lord ebenfalls anwesend war.

Vim van der Slampe hatte tatsächlich in Ruud Kloetsack einen neuen, treuen Freund gewonnen und war froh, endlich in Frieden leben zu können. Und Finnegan McDudle? Nun, der wurde von seiner Frau wieder aufgenommen, allerdings erst, nachdem er dem Saufen abgeschworen hatte. Danach hatte er sich selbstständig gemacht und arbeitet jetzt als Fremdenführer für Abenteuerreisen.

Die Hamster jedoch feierten die größte Party, die es je in Hamsterhausen gegeben hatte und das zu Recht. Hatten sie doch wieder einmal der ganzen Welt gezeigt, dass nichts und niemand Hamster aufhalten kann, und dass hamstische Intelligenz eben unschlagbar ist.

 

  EDNE

Yeah, Hamster!

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