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Hamsterpublikum

Kapitel 36

Zurück in Hamsterhausen



Die Verspätung der 'Duke of Scandinavia' erwies sich als Glückfall für die Reisetruppe. Statt einer gründlichen Kontrolle wurden alle Wagen nur hektisch durchgewinkt und durften die Grenze ohne weitere Formalitäten passieren. Vim van der Slampe atmete erleichtert auf, denn es wäre auch dem dümmsten Zöllner aufgefallen, dass die Fahrerkabine mit insgesamt drei Leuten recht überfüllt war. Die Hamster befanden sich wieder in der Schlafkoje und beäugten ihr eigenes kleines Fahrzeug, das der Lkw-Fahrer in den letzten Tagen vollständig repariert hatte.

"He, Leute, ich fahre uns nachher zurück, ok?" rief Goldi hoffnungsvoll.

"Von mir aus", knurrte Flecki, "aber wenn das wieder knallt und du Fahrerflucht begehst, dann war das das letzte Mal!"

"Ich zum Beispiel habe noch nie Fahrerflucht begangen", rief Tuffi empört.

"Ich auch nicht", schaufte Trampel, "Ich habe noch nie Fahrerflucht begangen; im Gegenteil, ich musste immer  weggetragen werden."

"Das ist doch alles egal", knurrte Murksel. "Was mir wirklich Sorgen macht, ist die Frage, ob das 2. und 3. Reparaturteam mit den Bauarbeiten fertig geworden ist. Schließlich war ich ja nicht da und konnte Anweisungen geben."

"Aber Chef", mischte sich Tuffi aufgeregt ein, "als du das letzte Mal mit einer satten Grippe im Bett lagst, weil du fast in der Kanalisation abgesoffen warst, da mussten wir auch alleine weiter machen. Wir sind mit dem Bau sogar schneller als sonst fertig geworden und haben in der halben Zeit..."

"Tuffi!"

"OK, Chef, ich halte die Schnauze!"

"Und was ist, wenn nichts fertig ist?" fragte Dodo mit ängstlichem Gesicht. "Ich meine, Autoscooter und so ist mir sowieso zu gefährlich, aber eine schöne Zuckerwatte wäre nicht schlecht."

Niemand antwortete ihm, denn außer Abwarten und Kekse essen war im Moment nichts zu machen. Der Bürgermeister war besonders nervös und watschelte von einer Ecke der Schlafkoje zur anderen. Von dem Hin- und Hergewatschel genervt, waren die Hamster trotz heftigem Herzklopfen erleichtert, als sie nach einigen Stunden die Worte des Lkw-Fahrers hörten: "Wir sind da, meine Herren, das ist der Parkplatz." Er stieg aus und sah sich um. McShredder und McClown folgten ihm sofort.

"Oh, nein!" fluchte Vim van der Slampe leise.

"Was ist los,Vim?" fragte Frido neugierig, "Stimmt etwas nicht?"

"Äh, nein, es ist alles, äh, in Ordnung", antwortete der Lkw-Fahrer mit leiser Stimme und starrte auf einen riesigen, blauen Lastwagen, der nur wenige Meter entfernt parkte, und der seinem ungeliebten Kumpel Ruud Kloetsack gehörte. "Es ist nur so, dass ich leider den Besitzer des Lkws dort vorne gut kenne und..."

"Na, Vim, du alte Schlampe!" ertönte hinter ihnen eine grölende Stimme, "was hast du denn da für Figuren angeschleppt?"

Ein großer, stämmiger Mann trat näher und warf einen kurzen Blick auf den Butler und einen längeren auf den alten Lord. Vim van der Slampe grinste verlegen und wusste nicht so recht, was er sagen sollte.

"Kriegst du nicht mehr genug Geld für deine armseligen Transporte, oder warum schleppst du hier ein Altersheim mit?" kam die nächste gegrölte Frage.

"Warum haut denn Vim diesem hässlichen Typ nicht einfach was in die Fesse und gut?" fragte Goldi, der zusammen mit seinen Freunden die Szene von der Schlafkoje aus betrachtete. Ihre großen Knopfaugen verfolgten jede Bewegung, die dort draußen auf dem Parkplatz passierte. Es schien für einen Moment, als hätte Ruud Kloetsack seinen Spaß gehabt und würde in seinen Lastwagen steigen, als plötzlich eine wütende, krächzende Stimme hinter ihm her rief: "He, junger Mann!"

Ruud Kloetsack drehte seinen bulligen Kopf samt seinen breiten Schultern in die Richtung, aus der der Ruf gekommen war.

"Was ist los, Opa Vogelscheuche?" knurrte er und baute sich bedrohlich vor dem alten Lord auf.

"Ich glaube", entgegnete McShredder, "wir sollten hier mal einiges klären. Du, Sklave mit einem Gorillagesicht, wirst dich jetzt mal ganz schnell entschuldigen. Ich bin Lord McShredder, der Bezwinger des Loch Ness Monsters, der Lord von Killichonan und der Nachfahre des Lords of Lourne von Dunollie-Castle!"

"Und der König vom Loch Ness", fügte McClown grinsend hinzu.

Ruud Kloetsack wirkte verunsichert, denn er lebte in einem Land, das noch eine Königin besaß, und deshalb hatte er immer großen Respekt vor dem Adel gehabt.

"Ich meine, ich, äh, das wusste ich doch nicht und..."

"Er wusste es nicht!" schrie der Lord aufgebracht. "Ich könnte dich von meinem Diener verprügeln und niedermetzeln lassen, ist dir das klar, du elender Lakai?"

Frido McClown faltete zitternd seine Hände und betete, dass es nicht dazu käme.

"Aber ich sagte doch, dass ich nichts davon wusste..."

"Er wusste nichts davon", äffte McShredder den bulligen Lkw-Fahrer nach, "er wusste nichts davon. Er hat mich beleidigt, ist ihm das klar?"

"Wem?" fragte Ruud Kloetsack verwundert.

"Nun, dir natürlich, du Ausgeburt der Dummheit und Hässlichkeit!" keifte der Lord. "Ich sollte dich für alle Ewigkeiten in meinem Kerker verrotten lassen! McClown, schnappen Sie sich diese Missgeburt, aber lassen Sie ihn leben. Er soll vorher noch vor Gericht kommen!"

"Sir, ich...", begann McClown, doch der völlig überraschte Ruud Kloetsack trat einen Schritt zurück, warf einen Blick auf den Butler und fragte erstaunt: "Dieser Hänfling?"

"Du hast schon wieder einen Fehler gemacht, Monstergesicht! Du hast meinen Diener wütend gemacht, und das ist schlecht für dich, denn er hat Sawney Bean mit bloßen Händen gefangen!"

"Wen hat er gefangen?" fragte der riesige Lkw-Fahrer ungläubig.

"Du kennst Alexander Sawney Bean nicht? Er war das Monster der Highlands, ein Räuber und Menschenfresser. Eine ganze Armee hat ihn nicht zur Strecke bringen können, also sprich dein letztes Gebet, elender Sklave!"

Der Butler hob seine Hand, um den Lord darauf aufmerksam zu machen, dass Sawney Bean und seine Sippe in der Nähe von Galloway im Südwesten Schottlands gelebt hatten, und dass all das im 15. Jahrhundert stattgefunden hatte, und er, Frido McClown nicht das Geringste damit zu tun hatte. Ruud Kloetsack sah jedoch nur die erhobene Hand des vermeindlichen Monsterjägers und fiel auf die Knie: "Verzeihung, Mijnherr Lord, Verzeihung! Wie kann ich das wieder gutmachen?"

Der Lord trat ganz dicht an den auf dem Boden knienden Mann zu, drehte sich zu seinem Butler um und fragte: "Haben wir in unserem Kerker noch genug Platz, McClown?"

Frido McClown schien einen Moment nachzudenken, dann lächelte er und sprach: "Wir könnten die eine oder andere Hinrichtung vorziehen, Sir, dann hätten wir wieder ein paar Zellen frei."

"Sehr gut", erwiderte der alte Lord, "dann nehmen wir ihn gleich mit, was meinen Sie, Mr. van der Slampe?"

Vim van der Slampe hatte die ganze Zeit schweigend und verblüfft zugesehen, was sich hier so abspielte. Er hatte inzwischen sogar schon Mitleid mit seinem rauen Kumpel und daher sagte er: "Ach, Sir Lord, der Mann dort ist eigentlich kein schlechter Mensch. Er ist nur ein wenig grob und ungehobelt. Bestimmt tut er es nicht wieder."

Der Lord schwieg und holte seine Pfeife hervor, stopfte den darin befindlichen Tabak ein wenig nach und zündete sie an. Er ging langsam ein paar Schritte hin und her, zog an der Pfeife und blies den Rauch nach oben. Fast zehn Minuten ging dieses Spielchen nun, während der immer noch kniende Lkw-Fahrer Blut und Wasser schwitzte. Dann nahm der Alte die Pfeife aus dem Mund, zeigte auf den schwitzenden Lkw-Fahrer und sprach: "Nun gut, Sklave, danke deinem Kollegen, dass er sich für dich eingesetzt hat! Du bist begnadigt - verschwinde!"

Ruud Kloetsack ließ sich das nicht zweimal sagen. Eben noch den sicheren Tod vor den Augen, sprang er auf, lief auf Vim van der Slampe zu und umarmte ihn. "Vim, mein lieber Vim, das werde ich dir nie vergessen, ich werde für immer dein Freund sein!" Dann rannte er, ohne sich noch einmal nach dem Lord oder seinem Butler umzuschauen, zu seinem blauen Lastwagen, sprang hinein, und nach einer weiteren Minute war nur noch ein fernes Motorengeräusch zu hören.

"Tja", sprach der Lord und zog genüßlich an seiner Pfeife, "mit dem werden Sie wohl keinen Ärger mehr haben. Sie waren so freundlich und haben uns hierher gefahren, somit sind wir quitt. Ein Lord vergisst nie eine gute Tat!"

Vim van der Slampe schien wie vom Dommer gerührt zu sein und wusste nicht, was er sagen sollte. Der miese Ruud Kloetsack würde ihn endlich in Ruhe lassen! "Danke", stammelte er, "vielen Dank. In drei Tagen werde ich wieder hier Rast machen, wenn ich Sie dann  mit zurück nach Amsterdam nehmen soll..."

Kurz darauf fuhr der Lkw-Fahrer fröhlich pfeifend wieder Richtung Westen; sein Ziel war nun der Käsemarkt in Alkmaar. Frido McClown hatte den Inhalt der Koffer wieder umgepackt und und folgte keuchend dem Lord. Der widerum regte sich mächtig darüber auf, dass die Hamster mit ihrem Wagen vorwegfuhren, während er, der Lord von vielen Dingen, völlig unangemessen zu Fuß gehen musste. Zu allem Unglück begann es zu regnen, der Himmel verfinsterte sich, und in der Ferne war Donnergrollen zu hören.

"Prächtig, McClown, da fühlt man sich doch gleich heimisch. Geben Sie mir mal einen Regenschirm aus dem Koffer!"

"Sir, wir haben keinen Regenschirm, Sir."

"McClown, Sie sind nutznutzig und nachlässig. Warum haben Sie keinen Regenschirm mitgenommen?"

"Nun, Sir, Sie hielten diesen überflüssigen Schnickschnack bisher für besonders überflüssig und daher haben wir nie einen gekauft."

Der Lord antwortete nicht, sondern folgte dem Hamsterwagen, der erstaunlich geschickt über den unebenen Waldboden gesteuert wurde. Der Regen nahm zu, und zu dem lauter werdenden Donnergrollen gesellten sich die ersten Blitze. Der Weg wurde nun immer schmaler und war bald nur noch ein Trampelpfad, bis er schließlich nicht mehr als ein Pfad zu erkennen war. Das kleine Hamsterauto jedoch fuhr unverdrossen weiter durch das Dickicht, blieb hin und wieder im aufgeweichten Boden stecken, und wurde von zwei Hamstern - einem größeren und einem kleineren - jedesmal angeschoben. Der Regen war nun so heftig geworden, dass die beiden Männer nur noch dem Wagen hinterherliefen, denn sie hatten schon lange die Orientierung verloren. Zwischendurch passierten sie eine Felswand, und McClown erinnerte sich dunkel, dass er hier schon einmal vor langer Zeit gewesen war. Dann war es endlich geschafft, der kleine Wagen stoppte und der Bürgermeister stieg aus.

"Mein Herren, ich darf Sie sozusagen im Namen aller Hamster in unserem wunderschönen Hamsterhausen begrüßen und wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt und möchten bei dieser Gelegenheit einmal darauf hinweisen..."

"Was will der mopsige Nager von uns, McClown?"

"Nun, Sir, er begrüßt uns in Hamsterhausen."

"Fein, fragen Sie ihn nach einer trockenen Unterkunft wo wir übernachten können!"

McClown ging vor dem immer noch redenden Bürgermeister in die Hocke. Als der mit seiner Rede aber immer noch nicht aufhörte, tippte ihm der Butler ein paar Mal mit dem Finger vorsichtig auf den Kopf und teilte ihm die Frage des Lords mit.

Während die beiden Männer nun unter einem Baum ein wenig Schutz vor dem heftigen Regen suchten, zogen sich die Hamster zu einer Beratung in ein nahe gelegenes Häuschen zurück. Es war das Haus mit der Nummer 1 der Hauptstrasse Hamsterhausens, und die Besitzerin, die vornehme Hamsterdame Minzie von Streu, war gerade im Begriff, sich ein wenig zur Ruhe zu begeben, da das Wetter auf jeden anständigen Hamster eine einschläfernde Wirkung hatte. Sie war daher zunächst verärgert, als es heftig an der Tür klopfte, und im nächsten Moment völlig aus der Fassung, als der Bürgermeister und eine ganze Gruppe von Hamstern vor ihr stand und Einlass begehrte. Als sie Bauleiter Murksel erkannte, verfinsterten sich ihre Züge, denn sie erinnerte sich noch gut daran, dass dieser rücksichtslose Hamster kürzlich ihre wunderschönen Brombeerbüsche zerstört hatte, als er bei der Reparatur ihres Daches abgestürzt war. Das Dach leckte übrigens immer noch, wie der Eimer in der Mitte ihrer geräumigen Stube deutlich zeigte.

"Meine liebe Dame", begann der Bürgermeister, "es wäre uns eine besondere Ehre, und damit spreche ich im Namen aller meiner Mitreisenden, für eine kurze Besprechung bei Ihnen Unterschlupf zu finden und ich möchte..."

"Ich möchte jetzt auch einmal etwas sagen, Herr Bürgermeister", unterbrach ihn die vornehme Hamsterdame, "mein Dach leckt immer noch, und wenn der Herr Murksel das nicht sofort repariert, kommt hier niemand rein!"

Zur gleichen Zeit hatte Lord McShredder den Versuch aufgegeben, sich im strömenden Regen unter dem Baum eine Pfeife anzustecken. Er zeigte auf das kleine Häuschen, das am Anfang einer ebenso kleinen Straße stand und rief verwundert: "Sehen Sie mal, McClown, der zerfledderte dicke Hamster mit dem angesengtem Fell sitzt auf dem Dach und klopft herum. Was soll denn das nun schon wieder?"

"Keine Ahnung, Sir, es muss sich um eine hamstische Sitte handeln, vielleicht wollen die damit den Regen vertreiben."

Unterdessen hatten es sich die Hamster gemütlich gemacht und ließen sich von Fräulein Minzie mit einem selbst gebackenen Sonnenblumenkuchen verwöhnen. Wenig später kam der völlig durchnässte Bauleiter dazu, nachdem er das Dach notdürftig geflickt hatte. Der Bürgermeister begann nun, die Tagesordnungspunkte zu bestimmen. Punkt 1 der Tagesordnung war natürlich die Frage, wo McShredder und McClown untergebracht werden sollten. Punkt 2 war allerdings für den Bürgermeister der weitaus wichtigere, nämlich die Frage, wie sah es in Hamsterhausen zur Zeit aus, vor allen Dingen: Was war aus dem Projekt 'Pleasure Dome' geworden? Zu Punkt 2 konnte Fräulein Minzie von Streu etwas sagen, und nachdem der Bürgermeister langatmig und ausführlich die Frage nach dem Stand der Bauarbeiten des neuen Vergnügungsparks gestellt hatte, sagte sie nach kurzem Nachdenken: "Nun, soweit ich weiß, hat der Baulärm der letzten Zeit aufgehört. Ich interessiere mich nicht sonderlich für solche modernen Sachen, aber meine Nachbarin Finchen sagte mir gestern, dass auf dem Rathausplatz etwas Neues gebaut worden ist."

Der Bürgermeister tippte mit seiner linken Pfote auf den Fussboden, Bauleiter Murksel, der ein Handtuch um den Kopf trug, schaute ungläubig Tuffi an. Tuffi zuckte mit den Schultern und sah fragend Trampel an, der sich gerade an einem Stück Kuchen verschluckt hatte und von Dodo so kräftig auf den Rücken geklopft wurde, dass er vom Stuhl flog.

"Hah", rief Flecki, "Hamsterhausen steht noch und es ist etwas Neues gebaut worden. Was sagt uns das, Goldi?"

"Das sagt uns, dass Bauleiter Murksel wohl in Urlaub gewesen ist."

"Da- das kann ich mir alles nicht vorstellen", stammelte Murksel, "da muss etwas schiefgegangen sein."

"Aber, aber, mein lieber Bauleiter, Sie haben doch sozusagen vor unserer Abfahrt genaue Instruktionen, wenn ich mich richtig an ihre Worte zu erinnern pflege, gewissermaßen erteilt, die einen korrekten Arbeitsablauf ermöglichten. War es nicht so, mein lieber Murksel?"

Der Bauleiter nickte stumm und knabberte an seinem Stück Kuchen.

"Hauptsache, mein Dach leckt nicht mehr!" rief  Fräulein Minzie, "Sie hatten gesagt, Sie kommen am nächsten Tag. Das war vor 4 Monaten!"

Der Bauleiter nickte stumm und knabberte weiter an seinem Kuchen.

"Der Chef wollte ja auch kommen, doch dann kam ein Anruf, dass bei den städtischen Gaswerken ein Leck war, und da hat er gemeint, dass da mehr zu verdienen ist, und dann hat er..."

"Tuffi!"

"OK, Chef, alles klar. Ich wollte ja nur..."

"Ohm, vielleicht sollten wir nun zum 1. Tagespunkt kommen", unterbrach der Bürgermeister die peinliche Situation. "Wir brauchen eine Dings, äh, Unterkunft für den Lord und diesen McClown. Ich erwarte Vorschläge, meine lieben Hamsterfreunde!"

"Ich habe eine große Dingsunterkunft, " sagte Dodo.

"Ach hör auf, Dodo", meinte Flecki kopfschüttelnd, die beiden Riesen passen da doch niemals rein. Nach der letzten Fressparty hattest sogar du Schwierigkeiten, durch zu Haustür zu kömmen."

"Und wenn ich im Flur schlafe?"

Flecki schüttelte erneut den Kopf. "Ich sehe das sowieso nicht ein, warum sollen die nicht draußen schlafen? Schließlich mussten wir auch oft draußen schlafen!"

Nun folgte ein ausführliche Diskussion, und nach einer halben Stunde wüster Prügeleien und lautem Geschrei wurde über den ersten Tagesordnungspunkt abgestimmt. Die Abstimmung ergab im einzelnen:

1. Die sollen gefälligst am Strand pennen (8 Stimmen)
2. Wir stellen ein großes Zelt auf (2 Stimmen)
3. Wir sprengen ein Hotel in einen Felsen (1 Stimme)
4. Sie sollen bei Dodo übernachten (1 Stimme)

"Nun, öhm, da dieses Problem zu aller Zufriedenheit gelöst ist, sollten wir nun zum zweiten Tagesordnungspunkt..."

"Zu aller Zufriedenheit, Bürgermeister? Hast du das schon dem Lord mitgeteilt?"

"Nun, öh, liebe Flecki, da ist Diplomatie gefragt, und für das Projekt 'Pleasure Dome' sollte nichts unversucht bleiben, gemacht zu werden. Also, öhm, ich werde dann mit dem Butler sprechen."

Der Bürgermeister watschelte zur Tür. Zu aller Erleichterung hatte der strömende Regen aufgehört, und die Sonne schickte ihre wärmenden Strahlen auf Hamsterhausen hinunter. Nach einigen Minuten kam er mit hochrotem Kopf zurück. "Er ist, ähem, einverstanden."

"Und was hat er genau gesagt?" fragten Dasie und Sasie im Chor. Alle spitzen nun die Ohren, während der Bürgermeister verlegen im Türrahmen stand und mit der linken Pfote auf den Boden tippte. Dann brüllte er los: "Dieser alte Shredder-Sack hat gesagt, dass dieser komische, mopsige Hamster mit seiner Tippelpfote zusehen soll, dass es endlich losgeht!"

Grinsend stiegen die Hamster wieder in ihren Wagen, nachdem sie sich für Unterkunft und Kuchen bei Fräulein Minzie bedankt hatten, und Goldi gab Gas. Schon an der nächsten Kreuzung krachte es. Man brauchte kein Bauleiter oder Kfz-Mechaniker zu sein um zu erkennen, dass der Wagen nicht mehr zu gebrauchen war.

"Aber ich hatte doch freie Fahrt", sagte Goldi, und seine großen Knopfaugen blickten traurig auf den zerschmetterten Wagen, nachdem alle stöhnend aus dem Fahrzeug herausgekrochen waren. "Ich hatte auch freie Fahrt", ertönte eine matte Stimme aus dem rot-gelben Fahrzeug, mit dem sie mitten auf der Kreuzung zusammengestoßen waren. Der Bauleiter, der das gehört hatte, schüttelte den Kopf, ging zu dem Fahrzeug und rief:

"Wieso können beide Autos freie Fahrt haben?"

"Ach, das geht schon seit ein paar Tagen so", keuchte die Stimme aus dem rot-gelben Auto, "seitdem die Ampel abgeschaltet sind."

"Abgeschaltet?"

"Ja, weil es keinen Strom mehr gibt."

"Es gibt keinen Strom mehr?"

"Naja, bis auf eine Ausnahme. Es gibt übrigens auch kein Wasser, keine Schule, keine Verkehrspolizei, kein Fernsehen und  nichts zu essen, weil die Geschäfte geschlossen haben..."

"Was ist hier los? Und was ist das für eine Ausnahme?" brüllte Bauleiter Murksel in das Schrottauto hinein.

"Die Ausnahme ist der Vergnügungspark, der hat Strom. Ansonsten arbeitet keiner mehr. Alle sind zum Karussellfahren und haben frei genommen."

"Ga- ga- ganz Hamsterhausen hat frei?" keuchte der Bürgermeister, der nun neben dem kaputten Wagen stand und kreidebleich geworden war.

"Genau. In der gesamten Stadt arbeitet schon seit Tagen niemand mehr", tönte es aus dem Fahrzeugwrack.

"Wir müssen sofort nach dem Rechten sehen, Leute", grölte Murksel. "Los kommt, wir gehen zu Fuß weiter!"

Die Hamster waren nur wenige Schritte gelaufen, da ertönte noch einmal die matte Stimme aus dem zerschmetterten rot-gelben Schrotthaufen:

"Falls ihr noch einen Moment Zeit habt, könntet ihr mich dann bitte hier rausholen? Es ist so ungemütlich hier drin."

"McClown, sollten Sie irgend eine Idee oder auch nur die entfernteste Vorstellung haben, was hier abgeht, dann lassen Sie es mich bitte sofort wissen, ja?"

"Nun, Sir, wir sind in Hamsterhausen, und da sind die Dinge ein klein wenig anders als bei uns."

Dann folgten sie den Hamstern und setzten ihren Weg zum Marktplatz von Hamsterhausen fort.