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Kapitel 35

Die letzte Fahrt der 'Duke of Scandinavia'

Nachdem der Stewart eingetreten war und die Lage erklärt hatte, nickte Lord McShredder ungeduldig und entgegnete: "Sie wollen mir sagen, Sklave, dass es keine warme Mahlzeiten mehr gibt, kein warmes Wasser und kein Fernsehen? Ich soll bei Notbeleuchtung in dieser sogenannten Luxuskabine reisen? Ich will mein Geld zurück!"

"Selbstverständlich werden Sie die Hälfte dessen wiedererhalten, was Sie bezahlt haben, Sir!" antwortete der uniformierte Mann mit hochrotem Kopf und verließ die Kabine so schnell er konnte.

"Haben Sie gehört, Sir?" gackerte Frido McClown, "dann kriegen Sie bloß die Hälfte von der Hälfte wieder, die Sie sich erschlichen haben!"

Der Lord schien die freche Bemerkung seines Butlers überhört zu haben. Er nahm seine Pfeife, betrachtete sie und schien sich zu erinnern, dass in den Kabinen Rauchverbot herrschte. Dann hellte seine Miene ein wenig auf, und er deutete auf die Toilette. "Räumen Sie mal die Hamster da raus, ich werde es mir ein wenig unter der Dusche bequem machen!"

"Aber, Sir, Sie haben doch gehört, dass es kein warmes Wasser gibt."

"Weiß ich, McClown. Glauben Sie etwa, ich will duschen? Ich dusche nie. Räumen Sie endlich das Viehzeug aus der Duschkabine, und stellen Sie mir einen Stuhl hinein. Ich will rauchen!"

Der Butler stutzte einen Moment, doch dann nahm er achselzuckend einen der im Raum stehenden Stühle und ging zur Toilette. Er wusste, dass es keinen Sinn machen würde, dem Lord zu sagen, dass er seine Pfeife ebenso gut an Deck rauchen könnte. In der Toilette war es dunkel, und als der Butler den Duschvorhang beiseite zog, brauchten seine Augen einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, doch dann traf ihn fast der Schlag.

"Die Ha, Ha, die Ha..."

"Albern Sie hier nicht rum, McClown, sondern sehen Sie zu, dass Sie fertig werden!"

"Die Hamster, Sir, die Hamster sind verschwunden!" Mit einem äußerst mulmigen Gefühl im Magen durchsuchte der Butler die Toilettenkabine, hob den Klodeckel hoch und setzte seine Suche in der Wohnkabine fort, während der Lord es sich mit seiner Pfeife in der Duschkabine gemütlich machte. Nach wenigen Minuten gab Frido die Suche auf, denn viele Möglichkeiten für Hamster, sich hier zu verstecken, gab es wirklich nicht. Wo um alles in der Welt waren diese schlauen, kleinen Nager geblieben?

"Sir, ich fürchte, ich werde mich auf die Suche nach den Hamstern begeben müssen!"

Statt einer Antwort kam nur ein Grunzen aus der Duschkabine zurück. Der Butler nahm eine der Karten, die zum Öffnen der Kabinentüren dienen, und machte sich auf den Weg. Nachdem er einen langen, schmalen Gang entlang gelaufen war, erreichte er die Haupttreppe. Es folgte eine lange und erfolglose Suche und sein Magen begann allmählich zu knurren. Da er vom Stewart erfahren hatte, dass das gesamte 'Seven Seas Restaurant' wegen dringender Renovierungsarbeiten geschlossen war, machte er sich auf den Weg in das zwei Stockwerke tiefer befindliche 'Blue Riband'. Zu seiner Überraschung war das Restaurant trotz des Stomausfalls recht gut besucht; Kerzen standen auf dem Tischen, es gab Desserts, Gemüseplatten, belegte Brote und vieles mehr. Nachdem er sich mehrfach bedient und dabei mehr oder weniger unauffällig Ecken inspiziert und unter diverse Tische geguckt hatte, hörte er jemanden seinen Namen rufen.  Erstaunt blickte er sich um und erkannte im nächsten Moment den Lkw-Fahrer, der entspannt an einem der Tische saß und ein Stück Kuchen genoss.

"Frido, was machen Sie denn hier? Ich dachte, Sie wären schon längst wieder auf dem Kontinent!"

Der Butler setzte sich zu Vim van der Slampe und erzählte ihm die ganze Geschichte. In der Tat hatten er und der Lord einen ganzen Tag in den Trossachs verloren und somit erst heute die Fähre erreicht.

Nachdem der Lkw-Fahrer von seiner erholsamen Reise durch die Highlands berichtet hatte, saßen die beiden Männer schweigsam am Tisch und beobachteten eine Familie am Nebentisch. Es war die Familie mit dem roten Opel Astra. Die beiden Kinder waren schwer damit beschäftigt, sich gegenseitig mit Salzstangen und Gurkenscheiben zu bewerfen. Der Vater versuchte verzweifelt, so zu gucken, als würde er nicht dazugehören, während die Mutter energisch einschritt, um die Schweinereien zu unterbinden.

"Natürlich fahre ich Sie gerne zu dem Rastplatz, an dem die Hamster vermutlich zugestiegen sind, Frido, aber wenn wir die nicht wiederfinden..."

"Schade, dass die Lautsprecher ausgefallen sind", stöhnte der Butler, "sonst wüssten wir vielleicht, wo die Tierchen stecken!"

Zwei Stockwerke über den beiden Männern fand im selben Moment eine Hamster-Besprechung statt.

"Wir sollten, liebe Hamsterfreunde", rief der Bürgermeister verzweifelt, "auf irgendwelche wie auch immer gearteten unnötigen Aktionen, die das Projekt "Pleasure-Dome" gefährden, äh, verzichten. Wie ich, äh..."

"Überhaupt und im allgemeinen immer gesagt und gepflegt habe..."

"Öh, ja, äh, danke Goldi", keuchte der Bürgermeister, "genau das wollte ich sagen, wenn ihr versteht."

"Nö", antwortete Flecki, "ich sehe das nicht ein, dass wir eine Seereise machen und nicht ein einziges Mal in den Duty-Free-Shop gehen. Ich will shoppen, ich brauche neue Klamotten und will leckere Sachen haben. Guck mal, Bürgermeister, ein lächerliches Spinatblatt habe ich beim Buffet mitnehmen können, Spinat, igitt, wer isst denn sowas!"

"Spinat schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Verzehr durch ein großes Stück Torte ersetzt", rief Goldi, während der Bürgermeister verzweifelt versuchte, wieder das Wort zu ergreifen.

"Verdammt nochmal, jetzt habe ich aber die Schnauze sowas von voll, das glaubt ihr nicht!" brüllte Bauleiter Murksel. "Wir können uns doch wohl einen Tag von Obst ernähren, oder? Ich brauche schließlich auch nicht jeden Tag neue Klamotten!"

"Schade auch. Dann würdest du nämlich nicht mehr wie ein zerfledderter, dicker Feldhamster aussehen!"

"Wer hat das gesagt?" brüllte Murksel "Wer war das?"

Alles grinsten, keiner antwortete.

"Ähm, da gewissermaßen eine weitere Diskussion unnötig erscheint, schlage ich vor, zurückzugehen und an Ort und Stelle zu bedingsen, äh, beraten..."

Bevor der Bürgermeister ausgeredet hatte, setzten sich die Hamster in Bewegung, doch schon nach wenigen Metern war es Goldi, der innehielt und rief: "Leute, guckt mal durch diesen Spalt nach unten, das ist ja irre! Los Dodo, heb mal die Deckenplatte hoch!"

Dodo tat, wie ihm gesagt wurde, und Goldi kletterte durch die Öffnung in den darunter befindlichen Raum. Ein Getränkeautomat stand hier, und nach wenigen Minuten saßen zwölf staunende Hamster davor.

"Was ist das?" fragten Tati und Teeblättchen im Chor.

"Das nennt sich, glaube ich, Automat. Der spuckt Futter aus", erklärte Tuffi.

Bauleiter Murksel trat näher an das große Gerät, legte den Kopf schief und betrachtete es eingehend. Dann klopfte er mehrfach an das Metallgehäuse, trat einen Schritt zurück und sprach: "Das ist ein Gerät aus der 47er Bauserie, ein sogenannter halbmechanischer Getränkespender. Dort oben ist ein Schlitz, in den wird ein Metallstück, dass sich durch ein bestimmtes Gewicht und Größe auszeichnet, eingeworfen. Das Metallstück landet nun auf einer Waage, die das Metallstück auf Richtigkeit prüft. Entspricht es gewissen Parametern, dann wird ein Hebel freigeschaltet, der das vorher gewählte Getränk in eine dafür gedachte Öffnung schiebt."

Keiner hatte so genau zugehört, sondern alle waren damit beschäftigt, den Getränkeautomaten von allen Seiten zu betrachten. Goldi war inzwischen zum Ausgabefach geklettert und winkte Trampel, ihm zu folgen.

"He, Trampel, wir sind mit deiner Prüfung zum Superhamster noch nicht fertig." Mit großen Augen starrte Trampel Goldi an und lauschte seinen Worten. "Schau mal hier: da ist eine schwarze Tür, und dahinter ist es völlig dunkel. Zeig, dass du keine Angst vor der dunklen Macht hast und trete kräftig dagegen!" Der kleine Hamster nickte aufgeregt und nahm so viel Anlauf, wie es in dem engen Ausgabefach möglich war. Mit einem lauten Schrei rannte er los, stoppte kurz, trat mit voller Wucht gegen die Klappe und blieb erwartungsvoll stehen. Wie es sich für eine Klappe gehört, klappte sie nach innen weg, kam mit hoher Geschwindigkeit wieder zurück und erwischte Trampel. Laut kreischend flog der arme Hamster quer durch den engen Raum und klatschte gegen die gegenüberliegende Wand.

"Ich liebe es, den keltischen Schrei des fliegenden Moosbibers zu hören", rief Goldi und klatschte begeistert. Einen Moment blieb Trampel benommen liegen, dann rappelte er sich auf und blickte erwartungsvoll zu Goldi, der nachdenklich auf die Klappe guckte und murmelte: "Habe ich mir doch gedacht, dass das eine Schwingklappe ist."

"He Goldi, was ist nun mit meiner Prüfiung, war das gut?"

"Nee, Trampel, daran musst du noch arbeiten, die Landung war noch nicht überzeugend."

"Goldi, du bist sowas von unmöglich und gemein, also..."

"Gibt das jetzt was zu trinken?" unterbrach Dodo die tobende Flecki. "Ich meine, wenn das ein Getränkespender ist, dann brauchen wir doch nur noch ein Metallstück, oder?"

"Und Strom", ergänzte Murksel, "und den haben wir nicht."

"Kannst Du da nichts machen, Bauleiter?"

"Ohne Werkzeug, mein lieber Dodo, ist da nichts zu machen. Da sehe ich keine Möglichkeit auch nur irgendwie..."

"Er hat Schiss!"

Der Bauleiter schien für einige Sekunden wie erstarrt zu sein, doch dann brüllte er los: "Wer hat das gesagt? Das muss ich mir nicht bieten lassen! Nicht mit mir, ich habe keinen Schiss, das zeige ich euch jetzt ein für alle Mal! Aus dem Weg!" Er kletterte zum Ausgabefach hoch, drehte sich um und blickte auf die staunenden Hamster. "Er hat Schiss, wie? Ich zeige euch mal, wie das auch ohne Werkzeug geht, wenn man vom Fach ist!"

"Holt er jetzt was zu trinken? Geht das jetzt los, oder was?

"Keine Ahnung, ob es was zu trinken gibt, Dodo, aber los geht es jetzt wirklich", grinste Goldi und lauschte den Geräuschen, die aus dem Automaten drangen. Es klang, als würde Geschirr zerschmettert, Fluchen und Gegröle rundeten das Ganze ab. Fasziniert schauten die Hamster auf den Getränkeautomaten und warteten auf die erhoffte Katastrophe, während der Bürgermeister vor der Ausgabeklappe hin und her watschelte und verzweifelt rief: "Lieber Bauleiter, nehmen Sie doch Vernunft an, denken Sie an unser Projekt". Allerdings hatte er von der Lautstärke her keine Chance gegen die rhytmischen 'sol stheg tztej!'-Rufe der übrigen Hamster.

Nach einer Stunde waren die 'jetzt geht’s los'-Rufe verstummt, doch in dem Automaten waren immer noch merkwürdige Geräusche zu hören, die darauf schließen ließen, dass Metall bearbeitet wurde. Plötzlich war ein Schrei im Inneren des Gerätes zu hören, es polterte, und dann erschien der Kopf des Bauleiters an der Ausgabeklappe.

"Deckung, es kommt!" schrie er und flog im selben Moment wie vorher schon Trampel quer durch den engen Raum und klatschte gegen die Wand. Diesmal allerdings klatschte es gleich mehrfach hintereinander, denn dem Bauleiter folgten Dosen mit Limonade und Cola. "Rennt um euer Leben!" kreischte der Bauleiter und rannte, noch leicht benommen, im Zick-Zack zum Ausgang. Mit lauten 'Eflih!' und 'Kinap!'-Rufen folgte ihm der Rest. Im Flur blieb Murksel keuchend stehen.

"Gibt’s jetzt was zu trinken, Bauleiter?"

"Klappe, Dodo. Das war verdammt knapp. Wenn auch nur eine Dose geplatzt wäre, hätte das eine Kettenreaktion gegeben, die hier alles hätte hochgehen lassen. Anscheinend haben wir Glück gehabt."

Erleichtert atmeten alle laut auf, als aus dem kleinen Zimmer ein gut vernehmbares 'Plopp' zu hören war. Es war deutlich zu sehen, dass der Bauleiter trotz seines hochroten Kopfes plötzlich kreidebleich wurde. "Lauft! Lauft um euer Leben, Hamster!" schrie er und rannte, so schnell ihn seine kleinen Pfoten trugen, über den Flur. "Wir, äh, sollten unbedingt versuchen, in die Dings, äh, Decke zu klettern. Wenn wir erwischt werden, meine lieben Hamster, wird man womöglich uns die Schuld geben!"

"Ach nee, Bürgermeister", lästerte Flecki, "warum sollte man denn das bloß tun?"

"Spielautomaten!" kreischte Goldi plötzlich verzückt und bog in einen Nebenraum ab. Die Hamster blieben stehen und Flecki rief: "Toidi! Ohne Strom kannst du sowieso nichts damit anfangen!"

Mit großen, traurigen Augen stand Goldi vor den bunten Spielautomaten und starrte sie enttäuscht an.

"Wenn wir auf den großen Kasten da klettern, könnten wir die Decke erreichen", rief Tuffi und handelte sich einen empörten Blick von Goldi ein. "Das ist ein Podracer-Rennen und kein Kasten!" Im Nu waren die Hamster auf das Gerät geklettert, und während Dodo  damit beschäftigt war, die Deckenplatte hochzudrücken, schleifte Flecki den immer noch enttäuschten, schluchzenden Goldi, der sich nicht von den Spielautomaten trennen konnte, hinter sich her. Wenige Minuten später befanden sie sich wieder in Sicherheit, und viele Minuten später hatten sie ihren Ausgangspunkt über der Kabine des Lords und seines Butlers wieder erreicht. Zu ihrem Erstaunen befand sich niemand im Zimmer. Ein Kissen lag auf dem Teppich, und die Hamster beschlossen, es sich darunter gemütlich zu machen und sich erst einmal auszuruhen.

"Meine Damen und Herren, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die kurzfristigen Stromausfälle..." ertönte aus den Lautsprechern und Vim van der Slampe rief: "Na also, Frido, es scheint wieder alles in Ordnung zu sein." McClown nickte, trank seine Selter aus und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. "Vim, ich denke, ich werde mal nach dem alten Sack schauen. Wir treffen uns dann morgen früh wieder hier und fahren mit Ihnen." Nun nickte der Lkw-Fahrer und lachte: "Eine Fahrt mit den Hamstern und dem Lord werde ich wohl noch ertragen..."

Eine erneute Lautsprecherdurchsage ließ ihn verstummen. "...Hat eine Explosion über dem Maschinenraum leichte Schäden angerichtet, so daß mit einer Verspätung von mehreren Stunden zu rechnen sein wird. Bitte verhalten Sie sich ruhig..."

McClown sprang auf. "Vim, ich muss weitersuchen, bevor die das gesamte Schiff in die Luft sprengen! Ich sage dem Lord Bescheid, und dann werde ich die Hamster suchen, auch wenn es die ganze Nacht dauert!"

Nachdem der Butler durch die Flure gelaufen und mit mehreren panischen Passagieren zusammengestoßen war, erreichte er die Kabine. Keuchend trat er ein und schloss die Tür hinter sich. Wo war der Lord? Er riss die Toilettentür auf und atmete erleichtert auf. Der Lord saß mit auf seinem Stuhl unter der Dusche und war eingeschlafen.

"Sir, ist alles in Ordnung?"

"McClown! Schön, dass Sie sich auch mal wieder blicken lassen. Eine Unverschämtheit, einen Verletzten so lange alleine zu lassen!" rief der Lord und zeigte auf seinen Kopfverband und seine Armschlinge.

Knurrend half der Butler ihm aus der Duschkabine heraus. Kurz darauf saßen die beiden Männer auf dem Sofa und Frido erzählte, was er unterwegs erfahren hatte. Beide waren sehr erleichtert, dass Vim van der Slampe ebenfalls an Bord war und sie sich nun eigentlich keine Sorgen um die Weiterfahrt zu machen brauchten, wenn da nicht die verschwundenen Hamster wären. Bevor sich Frido McClown wieder auf die Suche nach den Hamstern begab, besorgte er dem Lord etwas zu Essen aus dem Restaurant. Wie es sich für einen echten Butler gehört, räumte er noch ein wenig das Zimmer auf, als ihn fast der Schlag traf. Da waren sie! Unter einem am Boden liegenden Kissen hatten sie sich versteckt. Erleichtert fiel der Butler auf die Knie und nahm die Hamster einen nach den anderen in den Arm.

"Ihr armen, armen kleinen Tierchen! Onkel Frido hat sich solche Sorgen und Gedanken gemacht! All die schlimmen Dinge, die auf dem Schiff passiert sind".

Die Hamster nickten zustimmend.

"Dabei wart ihr die ganze Zeit hier und habt friedlich geschlafen!"

Wieder nickten die Hamster zustimmend.

"Ich sollte mich bei euch entschuldigen. Wie wäre es mit ein paar leckeren Sachen aus dem Restaurant?"

Erneut nickten die Hamster, und McClown machte sich zum wiederholten Male auf den Weg in das zwei Stockwerke tiefer liegende "Blue Riband". Normalerweise wäre es um diese Zeit bereits geschlossen gewesen, da jedoch der Betrieb im "Seven Seas Restaurant" immer noch eingestellt war, blieb dieses Restaurant ausnahmsweise bis Mitternacht geöffnet. Der Butler erstand neben Salaten, Brot und Keksen auch ungesalzende Nüsse, die eine Delikatesse für jeden Hamster sind. Während er zur Kabine zurücklief, fielen ihm die Stromschwankungen auf, die sich durch wechselnde Helligkeit der Flurbeleuchtung bemerkbar machte. Er fragte sich, ob so ein großes Schiff wohl schnell untergehen würde, doch er verwarf den Gedanken sofort wieder. Hier würde gewiss nichts passieren, denn wenn er jemals mit einem Schiff untergegangen wäre, dann damals auf dem Weg nach Reykjavik1. Vorsichtig öffnete er die Kabinentür und traute seinen Augen nicht: Da hatte sich der Lord auf den Boden neben die Hamster gesetzt und kraulte sogar einen von ihnen. Frido McClown räusperte sich kurz. Der Lord erhob sich erschrocken vom Boden und setzte sich wieder auf das Sofa.

"Die Pfeife, McClown, war mir runtergefallen, und da Sie nicht da waren..."

"Verstehe, Sir, möchten Sie auch ein paar Nüsse?"

Als es Zeit war, Schlafen zu gehen, brachte der Butler die Hamster sicherheitshalber wieder in die Duschkabine. Sie hatten nun genug zu futtern und konnten Party feiern, so viel sie wollten. An nächtliche Spaziergänge allerdings wäre nicht zu denken, doch dass den Tierchen der Sinn danach im Moment nicht stand, konnte der Butler natürlich nicht wissen. Während auf der Brücke des Schiffs in dieser Nacht Schwerarbeit geleistet wurde, um das beschädigte Schiff auf Kurs zu halten, verbrachten Lord McShredder und Frido McClown eine angenehme Nacht in einer gemütlichen Kabine. Am nächsten Morgen gab es auch keine störenden Lautsprecherdurchsagen, die zur Eile aufforderten, denn das Schiff war noch weit von Amsterdam entfernt. Erst am späten Nachmittag erfolgte die Durchsage, dass sich die Passagiere zu ihren Fahrzeugen zu begeben hatten. Noch während sich Lord und Butler samt Koffern auf den Weg zum Restaurant machten, um den Lkw-Fahrer zu treffen, erfolgte eine erneute Durchsage. Nachdem der Kapitän persönlich sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt hatte, wies er darauf hin, dass die 'Duke of Scandinavia' nunmehr in die Werft käme und vorläufig nicht mehr zwischen Amsterdam und Newcastle verkehren würde. Abschließend wünschte er allen eine glückliche Heimreise. Bald darauf erreichten sie den Felisson Quay von Amsterdam.

Tatsächlich fährt die 'Duke of Scandinavia' mittlerweile nicht mehr auf dieser Strecke, und somit wissen wir auch den wahren Grund dafür.


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