Beitragsseiten



Kapitel 34

Wieder an Bord

"McClown, haben Sie sich schon Gedanken um mein Frühstück gemacht?"

Der Butler schreckte hoch und sah sich um. Er rieb sich die Augen, und so langsam dämmerte es ihm, wo er sich befand.

"Nun, Sir, ich dachte an einen frischen Waldsalat, der ist sehr lecker und preiswert..."

"Machen Sie die Kutsche klar, und überlassen Sie solche Sprüche mir!" fauchte der Lord und drehte sich beleidigt um.

Kurz darauf waren sie startbereit, und Frido McClown warf noch einen Blick auf die schlafenden Hamster.

"Sehen Sie, Sir, wie lieb die schlafen. Es war ihnen bestimmt zu feucht heute Nacht, diese braven Tiere!"

"McClown, wenn ich nicht bald etwas zu Essen bekomme, werde ich zum Tier, also Marsch!"

Wenig später ging die Fahrt weiter, und es schien, als wenn auch die Pferde nach dieser nassen Nacht froh darüber waren, sich wieder bewegen zu dürfen. Sie waren noch nicht weit gefahren, als zu ihrer rechten Seite ein prächtiges Haus auftauchte. Allerdings schien es von seiner Pracht eine Menge eingebüßt zu haben, denn es sah aus, als wenn sich dort etwas Schlimmes ereignet hatte. Auch die Tatsache, dass ein Feuerwehrwagen direkt davor parkte, ließ darauf schließen, dass hier etwas passiert war.

"McClown, schauen Sie mal nach, und fragen Sie, was das zu bedeuten hat!" befahl Lord McShredder.

Wenige Minuten später kam der Butler zurück und erstattete Bericht: "Der Feuerwehrmann sagt, dass hier heute Nacht eine Musikgruppe für ihr nächstes Konzert geübt hat. Scheinbar haben die nicht aufgepasst und die Hütte abgefackelt. Die sollen jetzt ziemlich mitgenommen aussehen. Der Feuerwehrmann hat gemeint, dass der Sänger von denen gesagt hat, dass sie in diesem Land nicht mehr singen wollen. Der Sänger soll auch gesagt haben, dass sie in Zukunft nur noch für Finnland beim Grand Prix antreten wollen."

Gegen Mittag hatte die Reisegruppe das Gebiet der Trossachs verlassen und das ursprünglich geplante Ziel Dunferline kurz vor dem Firth of Forth erreicht. Die Nacht im Wald hatte bei allen ihre Spuren hinterlassen, doch Lord McShredder hatte zum Glück eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Der vierte Tag ihrer Reise verlief soweit problemlos, lediglich in Edinburgh kam es zu einigen unschönen Szenen, als sie mitten in die Hauptverkehrszeit der Hauptstadt gerieten. Es hätte nicht viel gefehlt, und der pöbelnde Lord wäre von den aufgebrachten Autofahrern von der Pritsche geholt worden. Am Ende des Tages erreichten sie Burnmouth und der Lord beschloss, eine letzte Nacht auf schottischen Boden zu verbringen. Frido McClown hatten dem Plan begeistert zugestimmt, war jedoch außer sich, dass der Lord die Übernachtung auf schottischem Boden wortwörtlich nahm. Somit wurde das Geld für eine letzte Übernachtung gespart, und sie nächtigten am Strand von Hilton Bay, nur wenige Kilometer von der englischen Grenze entfernt. Da wieder einmal heftiger Regen einsetzte, verbrachte die Reisetruppe eine ungemütliche Nacht unter der Plane, sehr zum Ärger der Hamster. Erste Stimmen innerhalb der Hamsterschar wurden laut, doch lieber wieder in den sonnigen Norden Schottlands zurückzufahren, denn da sei das Wetter besser. Nur unter großen persönlichen Einsatz des Bürgermeisters, der immer wieder auf die Notwendigkeit des Projekts 'Pleasure Dome' hinwies,  konnte die Lage entschärft werden. Am nächsten Tag traten sie die restlichen 122 Kilometer nach Newcastle an. Das Wetter zeigte sich nun von einer besseren Seite und bei Sonnenschein passierten sie Holy Islands, auch Lindisfarne genannt, und der Butler stellte nun dem Lord die Frage, die ihn schon lange beschäftigte: "Sir, was machen wir mit den Pferden und der Kutsche? Wir werden sie wohl nicht mit an Bord des Schiffes nehmen können, oder?"

Der Lord überlegte lange. Auch er hatte sich schon mit dem Problem beschäftigt. Seine ursprüngliche Idee, die Pferde samt Kutsche zu verkaufen, hatte er wieder verworfen, denn immerhin gehörten sie MacToffee.  Auch die Möglichkeit, die Pferde irgendwo zu parken und ihrem Besitzer eine Postkarte zu schicken, er möge zu abholen, war eines Lords nicht würdig. McShredder seufzte und antwortete: "Wir haben da doch noch einen gewissen George auf der Gehaltsliste, ja? Soll der sich darum kümmern. McClown, suchen Sie im nächsten Ort eine Telefonzelle, ich werde ihn dann anrufen."

In der Nähe von Alnwick fanden sie die gewünschte Telefonzelle und begaben sich anhand des dortigen Telefonbuchs auf die Sache nach der Telefonnummer von George. Es war nicht einfach, die richtige Nummer zu finden, und der Lord wurde langsam ungeduldig, während er eine Nummer nach der anderen ausprobierte.

"McClown, warum ist eigentlich nie besetzt, wenn man eine falsche Nummer wählt?"

Schließlich waren sie dann doch noch erfolgreich, und George saß nun am fernen Loch Rannoch und überlegte angestrengt, wie er mit dem Wagen nach Newcastle zu den Royal Quays fahren und dann mit einer Kutsche samt Pferde zurückkommen sollte. Er beschloss, seine Überlegungen auf der Fahrt weiterzuführen, denn schließlich lagen etwas mehr als 500 Kilometer vor ihm, und er hoffte, in sechs Stunden in Newcastle zu sein.

Am frühen Nachmittag hatten McShredder, McClown und die Hamster Newcastle erreicht. Auch hier kam es zu mehreren peinlichen Szenen, als der Butler die Kutsche mitten durch den Verkehr lenkte. Sicherlich war das Hupen einiger Autofahrer mehr als Spaß gedacht, jedoch als der wütende Lord auf der Pritsche stand und mit den Armen fuchtelnd drohte, sämtliche Engländer in seinen Kerker zu stecken, kam es zu ersten Zwischenfällen. Kurz darauf musste die hiesige Polizei einschreiten und den wütenden Mob daran hindern, Lord McShredder zu verprügeln. Der Butler beschwichtigte die angerückte Hundertschaft der Polizisten und erklärte ihnen, dass der arme Lord kürzlich sein Schloss durch eine Gasexplosion verloren hätte und noch nicht wieder bei klarem Verstand sei. Mit einer Polizeieskorte vorweg wurde die Reisetruppe nun bis zu den Royals Quays geleitet, wo sich McShredder zum Abschluss eine saftige Geldstrafe einhandelte, als er den Leiter des Polizeieinsatzes als englischen Lakaien bezeichnete. Während der Butler nun die Pferde samt Kutsche zu einem abseits gelegenen Park nahe des Hayhole Roads führte, besorgte der Lord die Fahrkarten für die Fähre nach Amsterdam.

"Also, ich glaube, in solch einer großen Stadt möchte ich nicht wohnen", rief Tuffi entsetzt, "dieser Krach und Lärm..."

"Also ich fand das toll, als die den alten Lord aufmischen wollten", grinste Goldi, "schade nur, dass die blöde Polizei dazwischengekommen ist."

"Viel mehr würde mich interessieren, wo wir jetzt bleiben. Der Butler hat die Pferde jetzt fertig gestriegelt. Bestimmt müssen wir nun wieder umziehen."

Flecki sollte Recht behalten, denn nun fiel der Blick McClowns auf die Hamster, die schon seit zwei Tagen in einem ungemütlichen Plastikeimer wohnen mussten, den der Butler unterwegs besorgt hatte. Er hatte den Eimer mit Gras und Teilen seiner Kleidungsstücke ausgestattet, doch  es war unwahrscheinlich, dass er mit einem Eimer voller Hamster auf das Schiff gelassen werden würde. Bedauernd zuckte Frido mit den Schultern, als er seine eigene und die Wäsche des Lords in den einen und die Hamster in den nun frei gewordenen anderen Koffer packte. Dann sah er sich ein letztes Mal nach den Pferden um, die zufrieden grasten und sich von den Strapazen der vergangenen Tage erholten. Dann nahm er die Koffer und ging zum Fährterminal, wo er schon von weitem Lord McShredder sehen konnte, der  neben einem Klohäusschen saß und eine Pfeife rauchte. Der Lord war in sofern von Weitem gut zu erkennen, da er einen weißen Kopfverband trug und sein linker Arm in einer Schlinge hing.

"Schön, Sir, dass Sie eine neue Pfeife gefunden haben", sagte der Butler und stellte keuchend die Koffer auf den Boden.

"Nicht wahr?", krähte McShredder. "Und wenn mir dieser McDudle noch einmal über den Weg laufen sollte, wird er dafür bezahlen müssen! Es ist unvorstellbar, welche Preise hier für eine einfache Pfeife verlangt werden. Von den Kosten für das Fährticket möchte ich gar nicht erst sprechen. Immerhin haben wir nur den halben Preis bezahlen müssen und fahren in der Luxuskabine auf der 'Duke of Scandinavia'."

Frido traute seinen Ohren nicht. "In der Luxuskabine? Sir, ich meine, wieso Luxuskabine, wieso halber Preis und wieso tragen Sie einen Verband?"

"Tja, McClown", entgegnete der Lord und zog genüsslich an seiner Pfeife, "ein Bauer wie Sie kennt sich eben nicht so gut aus in der Welt der Geschäftigkeit. Deshalb sind Sie auch nur ein Butler. Natürlich habe ich vorhin gesehen, dass neben dem Fahrkartenschalter ein Gepäckstück lag, und deshalb habe ich mir auch nicht sonderlich wehgetan, als ich in aller Offentlichkeit darüber gestolpert bin. Sie hätten mal das blasse Gesicht des Terminaldirektors sehen sollen, als er erfuhr, dass ein Mitglied des Adels sich durch seine Unachtsamkeit schwer verletzt hatte. Als ich ihm, vor Schmerzen schreiend und am Boden liegend,  mit der Presse drohte, war er völlig am Ende, McClown. Hier, nehmen Sie mal die Fahrkarten. Bis wir in der Kabine sind, bin ich ein schwerverletzter Mensch!"

Während auf der mehrspurigen Zufahrtsstraße zum Schiff nun die ersten Fahrzeuge langsam vorfuhren, gingen Lord und Butler durch das Gebäude des Terminals direkt zum Schiff. Es wurden peinliche Minuten für Frido McClown, als der Lord laut jammernd und klagend von mehren Bediensteten des Schiffspersonals nun in seine Kabine geleitet wurde. Immerhin hatte die ganze Sache auch ihre gute Seite, denn kein Mensch kam auf die Idee, ihr Gepäck zu kontrollieren. Auch ihre Fahrkarten wurden nur flüchtig kontrolliert, dann hatten sie ihre Luxuskabine erreicht und machten es sich gemütlich. Der Lord nahm seinen Kopfverband und seine Armschlinge ab und feuerte beides in die Ecke. Dann klopfte es an der Tür. Mit einem Satz war der Lord aufgesprungen, holte Kopfverband und Armschlinge zurück, gab seinem Butler ein Zeichen, ihn wieder zu verbinden und krächzte mit matter Stimme in Richtung Tür: "Moment!" Als der Verband wieder befestigt war, ließ sich der Lord auf ein Sofa fallen und rief mit matter Stimme: "Herein!"

Der Steward des Schiffes trat ein und sprach: "Haben die Herren einen Wunsch?"

"Ja", krähte McShredder, "bringen Sie mir eine kräftige Suppe und ein Steak. Ein kranker Mensch wie ich, der durch die Unachtsamkeit ihres Unternehmens schwer verletzt wurde, braucht viel Nahrung. Vergessen Sie den Tee nicht, Sklave!"

"Sehr wohl, Sir", nickte der Steward grimmig und wandte sich dem Butler zu.

"Ich, äh, hätte gerne einen Korb mit Obst und das Gleiche wie Sir Lord McShredder!"

Der Steward nickte wieder und verschwand.

Dieses Mal lies der Lord Kopfbedeckung und Armschlinge dort, wo sie waren. Inzwischen kam über die Bordansage die übliche Begrüßung, verbunden mit dem  Wunsch auf eine angenehme Reise. Dann legte das Schiff ab. In diesem Moment klopfte es erneut an der Tür und Frido rief: "Herein!"

Der Steward betrat die Kabine und zog einen Servierwagen hinter sich her. Mit geschickten Bewegungen servierte er erst dem Lord und dann dem Butler das gewünschte Essen. Den Obstkorb stellte er auf einen kleinen Tisch neben dem Fernsehgerät. Er wünschte einen guten Appetit und verließ schleunigst die Kabine.

"Sagen Sie mal, McClown", fragte nun McShredder kauend und mit vollem Mund, "was soll das ganze Gemüse bedeuten?"

"Nun, Sir, das Gemüse ist Obst, und das ist für die Hamster gedacht."

Schlagartig ließ er im selben Moment sein Besteck auf den Tisch fallen und lief zu den Koffern. Die Hamster - er hatte ganz vergessen, dass die armen Tiere schon seit fast zwei Stunden in dem dunklen Koffer eingesperrt waren! Schnell öffnete er einen der beiden Koffer und wurde von 12 vorwurfsvollen Augenpaaren angestarrt.

"Sir, wo soll ich den Koffer mit den Hamster hinstellen?"

"Aha, im Koffer stecken die, McClown. Ich habe mich schon gewundert, wo Sie die Nager gelassen haben. Stellen Sie die in die Dusche im Klo, da stören die niemanden!"

Frido nickte und trug den Koffer in die Toilettenkabine. Dort zog er den cremefarbenen Duschvorhang auf und stellte die Hamster samt ihrer Behausung dort hin. Nachdem er den Obstkorb ebenfalls in die Duschkabine gestellt hatte, war ihm wohler zumute, und er setzt sich wieder zum Essen neben den Lord nieder. Durch das große Bullauge beobachtete er, wie die Gebäude draußen langsam verbeizugleiten schienen, während sich das Schiff über die Tyne bewegte. Nachdem sie zwischen Nord Shields und South Shields hindurchgefahren waren, befanden sie sich auf der schier grenzenlosen Nordsee.

"Klingeln Sie mal nach diesem faulen Kellner, McClown, der soll gefälligst den Nachtisch bringen!" unterbrach der Lord die Gedanken Fridos. Der Butler tat, wie ihm geheißen, und eine halbe Stunde später lagen er und McShredder satt und schläfrig auf dem Sofa. Die leichten Bewegungen des Schiffes taten ein Übriges dazu, und nach kurzer Zeit waren die beiden Männer eingeschlafen. Selbst das Klappern der offenen Toilettentür störte sie nicht.

"So was Blödes", schimpfte Flecki, "ich wollte doch nicht mehr mit dem Schiff fahren! Bestimmt wird mir gleich wieder schlecht."

"Wo ist das Problem", grinste Goldi, "das Klo ist doch gleich da vorne, aber pass auf, dass du nicht hineinfällst."

"Du bist so etwas von ekelhaft, weißt du das?" fauchte Flecki. "Übrigens habe ich keine Lust, die ganze Fahrt in dieser ungemütlichen Kabine zu verbringen. Was ist, wenn irgendein Idiot die Dusche andreht? Ich will shoppen gehen, wer kommt mit?"

Natürlich wollten alle mit, und nachdem sie vorsichtig an dem schlafenden Lord und seinem Butler vorbeigeschlichen waren, standen sie vor der geschlossenen Kabinentür.

"Tja, Leute", sprach Bauleiter Murksel, "das war es wohl. Ich habe nämlich kein Werkzeug dabei und ohne..."

"Brauchen wir doch überhaupt nicht", rief Goldi. "Wir müssen nur den Türöffner herunterdrücken!"

Begeisterte Hamsterrufe erfüllten den Raum, doch nach einer Stunde war die Stimmung wieder auf dem Nullpunkt. Alle Versuche, an den Türdrücker zu gelangen, waren fehlgeschlagen. Ratlos saßen sie mit dem Rücken an die unüberwindliche Tür gelehnt und betrachteten die andere Seite des Raumes. Dodos Idee, das Fenster zu knacken, wurde einheitlich abgelehnt, da die Risiken nicht zu kalkulieren waren.

"Die Vorhänge...." sagte Flecki und starrte auf die gelben Vorhänge, die links und rechts von dem großen Bullauge hingen.

"Genau!" rief Goldi. "Die klettern wir hinauf und gehen durch die Decke!"

"...passen überhaupt nicht zur Wandfarbe, wollte ich sagen", beendete Flecki ihren Satz. "Aber sag mal, Murksel, was sagst du dazu, kommen wir durch die Decke?"

Fachmännisch betrachtete der Bauleiter die Decke, klopfte auf den Fussboden und an die Wände. Dann stellte er sich in die Mitte des Raumes und legte den Kopf schief. Als er dann einen Schritt rückwärts machte, stolperte er über Tuffi, die direkt hinter ihm stand. "Also, ich würde sagen, das sieht wie Gipsplatten aus, die sollten wir hochdrücken können."

Gesagt, getan. Ein Hamster nach dem anderen marschierte an den beiden schlafenden Männern vorbei, hüpfte auf das Sofa und kletterte von dort aus die Gardine hoch. Dodo, der vorweg kletterte, drückte seinem ganzen Körper gegen eine der Gipsplatten. Tatsächlich ließ sie sich leicht nach oben heben und im Nu befanden sich die Tiere in einem Hohlraum über der Kabine. Viele Kabel und Leitungen befanden sich hier. Nach einer langen Wanderung nahm der feine Geruchssinn der Hamster etwas wahr und Goldi sprach das aus, was alle dachten: "Futter! Hier gibt es irgendwo Futter!"

"Wir müssen über diesem Restaurant sein, erinnert ihr euch noch an das leckere Softeis?" rief Teeblättchen.

"Und die Fritten!" schwärmte Hamstilidamst.

"Moment, Leute", rief Bauleiter Murksel, "dieses Mal sollten wir unauffällig und ohne Risiko vorgehen."

"Ja, öhm, liebe Hamster, Unauffälligkeit sollte unser Ziel sein. Die, äh, dummen Vorkomnisse der Hinfahrt dürfen sich nicht wiederholen!"

Alle stimmten kopfnickend dem Bürgermeister zu. Nachdem sie eine weitere Deckenplatte vorsichtig hochgehoben hatten, kletterten die Hamster über einen langen Vorhang in den Speisesaal. Unter einem großen Buffettisch sammelten sie sich und der Bauleiter fuhr fort: "Sehr gut, das war perfekt. Wir werden nun strategisch und mit Verstand vorgehen. Als erstes nehmen wir uns diesen Softeisautomaten vor. Tuffi und ich werden den Anfang machen und unauffällig etwas Sahne besorgen."

Er gab Tuffi ein Zeichen, und beiden liefen zu dem nur wenige Meter entfernten Sahneautomaten. Dort musterte Murksel kritisch die großen Patronen unter dem Gerät, klopfte hier, drückte da und zeigte auf einen Schlauch: "Der da muss abgenommen und mit der linken Patrone verbunden werden. Den anderen Schlauch werde ich entfernen und einen festen Knoten hineinmachen. Danach muss die linke Patrone ausgeschaltet werden und schon können wir hier etwas Softeis abzapfen. Los, Tuffi, besorg mal eine Schüssel, ich bereite inzwischen alles vor."

Tuffi tat, wie ihr befohlen war und konnte gerade noch rechtzeitig vor mehreren alten Damen flüchten, die sich mit gierigen Blicken im Gänsemarsch dem Softeisautomaten näherten.

"Ich habe die Schüssel, Chef, und da draußen..."

"Nicht jetzt, Tuffi, ich muss mich konzentrieren!"

"Aber Chef...."

"Klappe, Tuffi, der verdammte Schlauch klemmt. Hoffentlich holt sich jetzt bloß keiner Eis.."

"Chef, Chef, da kommen welche!"

"Wer welche, wie welche? Weg hier, Tuffi!" kreischte der Bauleiter und machte, dass er zurück zum Buffettisch kam. Zusammen mit Tuffi stand er nun keuchend vor den anderen Hamstern.

"Und? Wo ist das Softeis?" fragte Dodo enttäuscht.

"Kommt gleich", flüsterte der Bauleiter, und er sollte recht behalten. Eine Explosion, die den Buffettisch umwarf, erschütterte das gesamte Restaurant. Menschen schrieen, kreischten, rannten in Panik durcheinander und ein Schwall Softeis ergoß sich über das Deck.

"Unauffällig und ohne Risiko", gröhlte Goldi und klatschte mit den Pfoten.

"Strategisch und mit Verstand", gackerte Flecki.

"Weg hier!" brüllte der Bauleiter, "Wir müssen sofort den Standort wechseln! Schnell zum Salatbüffet!"

Das war leichter gesagt als getan, denn überall schlidderten kreischende Menschen durch den Saal, die sich auf dem rutschigen Boden nicht auf den Beinen halten konnten. Erste Lautsprecherdurchsagen riefen zur Ruhe auf. Der Weg zum Salatbüffet war versperrt, und so rannten die Hamster so schnell ihre kurzen Beine konnten nach links und versteckten sich in einer kleinen Nische.

"Schnell", rief Sasie, "dort ist eine offene Klappe!" Kurz darauf saßen die Hamster in einer engen, dunklen Kammer und blickten sich ängstlich um.

"Jetzt sind wir in einem Schaltkasten gelandet, wirklich klasse!" schimpfte Flecki, doch Goldi hatte eine Idee: "He, Leute, wenn wir den Strom abschalten, geht das Licht aus, und wir können unauffällig verschwinden!"

"Ja, lasst uns verschwinden, mir ist das alles viel zu laut hier", jammerte Dodo.

In der Tat waren schon wieder Lautsprecheransagen zu hören, und es war deutlich zu vernehmen, wie eine freundliche weibliche Stimme eine 'Unachtsamkeit bei dem Gebrauch eines Gerätes' erwähnte, woraufhin der Bauleiter einen Tobsuchtsanfall bekam.

"Unachtsamkeit? Unachtsamkeit? Ich werde euch zeigen, was Unachtsamkeit ist, ihr habt doch alle keine Ahnung! Der Zulauf war falsch befestigt und das Ventil vergammelt und verrostet! Ich zeig euch, was Unachtsamkeit bei dem Gebrauch eines Gerätes bedeutet!"

Er kletterte an einer Leitung hoch und sprang auf den Sicherungskasten. "Ich drehe euch den Saft ab, ich hau euch die blöde Lautsprecherkiste um die Ohren, ich mach euch platt!" Dann biss er eine Sicherungsplombe nach der anderen durch und drückte die kleinen Sicherungsschalter einen nach dem anderen herunter. "Ihr sollt mich kennenlernen, sage ich", brüllte er unter den Anfeuerungsrufen von Goldi, während der Bürgermeister sich entsetzt die Pfoten vor die Augen hielt. "Los Tuffi, gibt mir mal den Schraubenzieher der dort unten liegt!"

Etwas verunsichert reichte Tuffi dem tobenden Bauleiter den Schraubenzieher. "Hier Tuffi, schau zu, damit du was lernst! Was passiert, wenn wir zwei Hauptstromkreise miteinander verbinden? Ha, so etwas lernt man nicht in der Berufsschule!"

Im nächsten Moment zischte und knallte es; Funken waren zu sehen, und der Bauleiter flog durch die Luft und landete kreischend in der Ecke.

"Chef, ist alles in Ordnung?" Tuffi stand neben dem Bauleiter, dessen Fell ein wenig verbrannt roch.

"Äh, ja, danke. Es geht mir gut. Ich glaube, hä, hä, ich war ein wenig unbeherrscht und habe etwas überreagiert."

"Nicht mehr als sonst", flötete Flecki, während der Bauleiter sich erhob.

"Also, ich habe keine Lust mehr auf Shoppen", fauchte Dasie, und der Bürgermeister stimmte nickend zu.

"Also, meine lieben Hamster, wir sollten die Schiffsbesichtigung ein anderes Mal fortsetzen. Wir sollten die Dings, äh, die Situation nicht übertreiben und verschwinden besser, bevor wir entdeckt werden."

"Genau", stimmte Dodo zu. "Wir kriegen sowieso immer die Schuld!"

Da auf dem gesamten Schiff nun kein Licht mehr brannte, war es für die Hamster kein Problem, unbemerkt zu dem Ausgangspunkt zurückzukehren. Sie kletterten den Vorhang neben den Resten des zerfetzten Softeisautomaten hoch und verschwanden dorthin, wo sie hergekommen waren.

In diesem Moment wurden Lord McShredder und sein Butler Frido McClown durch ein heftiges Klopfen an ihrer Kabinentür geweckt.