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Kapitel 32

Die Trossachs

Nachdem er sich ein letztes Mal in Richtung Kings House Hotel und somit nach Lisa McGyer umgedreht hatte, lenkte Frido McClown die Kutsche auf die Hauptstraße. Wunderbarerweise war die A82 an diesem Morgen nur wenig befahren, doch bald würden sie ohnehin das Gebiet der Trossachs erreichen und somit wieder in beschaulicher Einsamkeit sein.

"Was würden Sie bloß ohne mich machen, McClown", krähte der Lord in die Gedanken des Butlers hinein. "Noch heute erreichen wir Stirling, morgen sind wir durch Edinburgh durch, und dann haben wir schon die Fähre erreicht. Ein Kinderspiel für einen Pfadfinder, der den Weg wie seine Westentasche kennt! Sehen Sie, dort links ist der Loch Ba und dahinter befindet sich Rannoch Moor! Wenn wir Bridge of Orchy erreichen, werden wir auf den West Highland Weg wechseln."

"Sagten Sie etwas von Westentasche, Sir?" gackerte der Butler. "Darf ich Sie erinnern als wir letztes Mal..."

"Schnickschnack, McClown, Schweine und Bauern haben eben immer etwas zu grunzen! Wir werden im Nu in Crianlarich sein und eine Kleinigkeit zu uns nehmen. Ich kenne den Besitzer eines sehr guten Lokals dort persönlich.  Wir werden willkommen sein und eine bevorzugte Behandlung erfahren. Der Name des Lokals war... Rod, oder so ähnlich"

"Sir, mit Verlaub: das letzte Mal als Sie sagten, dass wir willkommen seien, hat man auf uns geschossen!"

"Ein Irrtum, McClown, außerdem war es doch gar nicht schlimm, oder?"

"Nein, Sir, Ein scharfer Schuss zur rechten Zeit schafft Ruhe und Gemütlichkeit."

Sie erreichten Bridge of Orchy und wechselten auf den alten Militärweg namens West Highland Way. Die Pferde hatten nun wieder angenehmeren, weichen Boden unter den Hufen und dankten es durch flottes Traben.

"Habt ihr das gehört, Leute? Eine Kleinigkeit in einem guten Lokal zu uns nehmen?" rief Goldi entzückt.

"Das wird auch Zeit", stimmte Dodo zu. "Alles was nicht Fresspause ist, ist nämlich Stress."

"Ihr sollte euch schämen, immer nur ans Fressen zu denken. Viel wichtiger ist es, ob wir jemals wieder nach Hause kommen!"

"Na, das ist ja wieder toll", knurrte Goldi, "Erst lernst du laufen, dann sprechen, dann hinsetzen und dann darfst du nur noch Maul halten und nichts sagen."

"Aber, aber, meine liebe Flecki", tönte nun der Bürgermeister, "wie ich schon immer betont gesagt habe, wir sind auf dem besten Weg und alles wird gut, die Sonne scheint..."

"Ha!" unterbrach ihn Flecki, "Einem Politiker wie dir glaube ich grundsätzlich nur die Kontonummer!"

In diesem Moment fuhren sie über einen unebenen Weg, die Hamster purzelten durcheinander, und die Diskussion war vorläufig beendet. Als sie sich wieder aufgerappelt hatten und  sich umsahen, stellten sie fest, dass sie von hohen Bergen umgeben waren. Es war ein phantastischer Anblick und gerade in dem Moment, als sie über eine uralte Steinbrücke fuhren, ertönte die krächzende Stimme des Lord McShredder:" Es ist nicht mehr weit bis Crianlarich, McClown, ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie ein wenig langsamer fahren würden. Sie wollen doch nicht, dass ich aus der Kutsche falle?"

Nichts wäre dem Butler lieber gewesen, doch tatsächlich war nun in der Ferne ein Gebäude zu sehen. Vorsichtig zügelte Frido die Pferde, und langsam näherten sie sich einem recht verlassen aussehenden Haus mit der Aufschrift "The Rotten Inn".

"Ha", tönte der alte Lord, "ich wusste zwar nicht mehr den genauen Namen, aber das muss es sein. Machen Sie die Pferde fest, und lassen Sie uns speisen, McClown!"

"Sir, bei allem Respekt, aber finden Sie, dass "verrottete Kneipe" ein Name für ein gutes Lokal ist? Wie das schon von draußen aussieht, so zerfallen..."

"Etwas in die Jahre gekommen, McClown, aber die Qualität bleibt! Äußerlichkeiten zählen nicht! Nehmen Sie unser Gepäck und lassen Sie uns speisen!"

Frido hatte ein ungutes Gefühl, als er Gepäck und Hamster nahm und schwer beladen seinem Herren folgte. Die alte Holztür der Kneipe klemmte, und so dauert es eine Weile, bis McShredder sie schließlich mit einem gezielten Fußtritt öffnen konnte. Es roch ein wenig muffig und nach abgestandenem Bier. Kalter Rauch lag in der Luft des dunklen Raumes, den sie nun betraten. Vier alte Tische mit den dazugehörigen alten Stühlen verteilten sich vor einem Tresen, an dem ein gelangweilter Mann saß, der eine Zeitung las. Lässig ließ sich McShredder auf einen der Stühle fallen, verschränkte die Arme vor der Brust und rief: "Hallo, Ober!" Der Mann senkte kurz die Zeitung, musterte den alten Lord und antwortete: "Hallo, Gast!" Dann nahm er das Studium der Tageszeitung wieder auf.

Während der Butler ein Grinsen nicht verkneifen konnte, hatten sich die Hamster auf ihre Hinterpfoten gestellt und verfolgten die Situation mit großem Interesse. Hier roch es nach Ärger, oder sogar einer Keilerei, wie Goldi frohlockte.

"Ober, wissen Sie, wer ich bin?" krähte McShredder und blickte bedrohlich in die Richtung des Gastwirts.
"Keine Ahnung, aber ich kann ja mal versuchen, es für Sie herauszufinden", kam die prompte Antwort.

Mit einem Satz war der alte Lord aufgesprungen und stand nun direkt vor dem immer noch Zeitung lesenden Mann.

"Ich bin Lord McShredder von Killichonan, der Bezwinger des Loch Ness Monsters und Nachfolger des Lord of Lourne von Dunollie Castle!"

"Na schön, dass es Ihnen wieder eingefallen ist. Mein werter Name ist McDaugh vom Clan der Stewards, der Besitzer des 'Rotten Inn', und der, ohne den es hier nichts zu Essen oder Trinken gibt!"

"Vom Clan der Stewards? Das waren allesamt Wegelagerer! Ich könnte ihren Laden kaufen, Sie Bauer, und Sie an die Luft setzen!"

"Ach, ja, diese Bruchbude?" lachte McDaugh, "Machen Sie sich doch nicht lächerlich!"

Während diese Streiterei noch eine Weile weiterging, saß Frido McClown gelangweilt am Tisch und betrachtete die Hamster, die sich aufgeregt unterhielten.

"Es ist eine Schande, wie die sich benehmen, jawohl", rief Flecki, "wo bleibt da die Toleranz?"

"Ich bin auch für Toleranz, und wem das nicht passt, dem hau' ich aufs Maul", grölte Goldi. "Die denken nur an ihren Spaß, und wir warten aufs Futter!"

"Geduld, liebe Freunde", versuchte der Bürgermeister zu beschwichtigen, "es wird bestimmt alles gut. Wir sollten versuchen, eine Dings, äh, Lösung zu finden, wie wir sozusagen vermittelnd eingreifen können... Ich, äh, bin offen, ich meine für Vorschläge."

"Ich wüßte eine Lösung", meldete sich Dodo, "aber sie paßt leider nicht zum Problem."

Die interessante Diskussion der Hamster wurde durch ein lautes Knallen unterbrochen. Der alte Lord hatte die Speisekarte auf den Tisch geworfen und sich wieder neben seinen Butler gesetzt.

"Die Speisekarte, McClown, ich habe sie vom Tresen dieses Bauern genommen. Suchen Sie sich etwas
Schönes aus, aber seien Sie nicht so gierig, ja?"

"Sir, wollen wir nicht lieber das Restaurant wechseln, ich meine, wer weiß, was der uns jetzt vorsetzt?" fragte Frido mit ängstlicher Miene.

"Unsinn, McClown, das war eine ganz normale Unterhaltung zwischen verschiedenen Clans. Schließlich haben sie bis vor kurzem unsere Wagen überfallen und uns beraubt!"

"Kürzlich, Sir?"

"Genau genommen", entgegnete der Lord und schaute nachdenklich an die Decke, "war es zum letzten Mal im Jahr 1643."

"Gut, Sir", antwortete der Butler grinsend, "ich denke, ich nehme Fisch"

Der Lord blätterte noch eine Weile in der Speisekarte, dann rief er: "McDaugh, warum heißt dieses Gericht denn Räuberspieß?"

"Warten Sie ab, bis Sie die Rechnung dafür sehen, McShredder!" ertönte die Antwort vom Tresen.
Der Lord antwortete zunächst nicht, sondern blätterte weiter in der zerfledderten Speisekarte, bis er etwas gefunden hatte.

"Schnitzel, McDaugh, da können Sie wohl nichts falsch machen. Für meinen Butler Fisch und Sprudelwasser für uns beide."

"Und, Sir, wenn Sie gestatten, Brot und ein wenig Käse für unsere Hamster!" rief McClown.

Der Restaurantbesitzer nickte und verschwand durch eine Tür im hinteren Teil des Hauses. Es dauerte tatsächlich nicht lange,  dann kam er mit einem großen Tablett zurück und stellte 2 Gläser mit Wasser vor seine beiden Gäste. McClown und McShredder schauten gierig auf das Tablett, und was sie sahen, sah sehr, sehr lecker aus: belegte Brötchen, mit Salat, Schlagsahne und Weintrauben garniert. Eine paar Kekse rundeten dieses leckere Bild ab.

"Nicht schlecht, nicht schlecht, das sieht gut aus", grunzte der Lord und wollte nach den leckeren Schnitten greifen.

"Das ist für die Hamster", rief der Wirt, zog das Tablett weg und ging zu dem Karton mit den Hamstern, der auf einem Stuhl auf der anderen Seite des Tisches stand. Vorsichtig legte er nun ein Brötchen nach dem anderen in den Karton. Zufrieden betrachtete er, wie die hungrigen Hamster sich sofort über diese leckere Mahlzeit hermachten. Eines der kleinen Tierchen war sogar in die Schlagsahne hineingesprungen, und man konnte deutlich beobachten, dass sich eines der anderen Tiere über diese Gefräßigkeit sehr aufregte. Der Wirt nahm das leere Tablett und ging in die Küche.

Viele Stunden und Wutausbrüche McShredders später kam er zurück und brachte das bestellte Essen. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich wieder hinter seinen Tresen und las Zeitung. Verwundert blickten die beiden hungrigen Gäste auf ihre Teller. Der Butler hatte als erster  die Fassung wiedergewonnen und rief: "Was ist denn das?"

Der Wirt blickte hinter seiner Zeitung hervor und rief: "Karpfen, etwas Anderes gibt es nicht!"

"Der Karpfen sieht aber gar nicht gut aus", stammelte der Butler.
Der Wirt schaute wieder kurz von seiner Zeitung auf und rief zurück: "Kein Wunder - der ist ja auch tot!"

Lord McShredder stocherte mittlerweile lustlos in seinem Essen herum und rief: "Ein ekelhafter Fraß! Da hätten wir genauso gut zu Hause essen können."

Der Butler antwortete nicht, sondern kämpfte mit seinem recht zähen Karpfen.

"Das Schnitzel schmeckt wie ein alter Hauslatschen, den man mit Zwiebeln eingerieben hat!" schimpfte nun der alte Lord und sah mit bösen Blicken zu McDaugh hin, der nun kurz die Zeitung beiseite legte und antwortete: "Donnerwetter! Was Sie nicht schon alles gegessen haben!"

"McClown!" krähte der Lord nahm das Schnitzel und warf es an die Wand. "Mir reicht’s!"

Der Butler lag mittlerweile auf dem Fußboden und kämpfte mit dem zähen Karpfen, der ihm vom Teller gefallen war.

"McClown, hören Sie auf, mit dem Fisch zu spielen! Ein
Butler ihrer Klasse krabbelt nicht auf dem Fußboden herum!"

Der Wirt hatte sich inzwischen mit der Rechnung in der Hand genähert und fragte lächelnd: "Sie sind schon fertig mit dem Essen und möchten zahlen?"

"Ich bin aber noch hungrig", knurrte Frido McClown, "ich brauche etwas zu essen, was können Sie mir empfehlen?"

"Nun, ein paar Stücke alten Kuchen hätte ich noch, und was ich Ihnen empfehlen kann, ist das Restaurant zwei Kilometer westlich von hier, das "Rod and Reel Inn".

Nur wenige Minuten später setzten Lord und Butler ihre Fahrt in südlicher Richtung durch das Gebiet der Trossachs fort.

"Rod, oder so ähnlich, wir werden dort speisen und eine bevorzugte Behandlung erfahren, man kennt und schätzt mich dort..."

"McClown, hören Sie auf, herumzumeckern! Man wird ja wohl mal einen Namen verwechseln dürfen, oder?"
Der Butler antwortete nicht, sondern schaute konzentriert auf den Weg. Sie waren nun, von wilder Schönheit umgeben, im ersten Nationalpark Schottlands. Wunderschöne Flusstäler wechselten sich mit schroffen Gebirgshängen ab. Sie befanden sich in einem ausgedehnten Waldgebiet, murmelnde Bäche begleiteten sie. Hin und wieder passierten sie einen donnernden Wasserfall. Gegen Nachmittag kam etwas Nebel auf und tauchte die Landschaft in eine gespenstische Stimmung. Genauso, wie übrigens auch die Stimmung von Lord McShredder und Frido McClown war, denen allmählich dämmerte, dass sie ein klein wenig von der geplanten Strecke abgekommen waren. Es war dunkel geworden. Das lag in erste Linie daran, dass der Wald immer dichter wurde und der Weg vor ihnen wie ein grüner Tunnel wirkte, so zugewachsen war er. In zweiter Linie lag es daran, dass die Sonne sich langsam dem Horizont näherte und das war eine ausgesprochene Panne.

"Sir, ob es noch weit bis Stirling ist?" fragte der Butler, und der gehässige Unterton in seiner Stimme war auch dem Lord nicht verborgen geblieben.

"Sie sind auch nie zufrieden McClown. Genießen Sie
die Reise und ersparen Sie mir ihre klugen Kommentare."

"Genießen, Sir?" Frido drehte sich verblüfft zu McShredder um. "Sagten Sie genießen? Ich dachte immer, Sie würden nur Geld genießen."

"Geld und Reichtümer sind nicht alles im Leben, McClown. Ein Mann wie ich kann beispielsweise mit 10 Millionen genauso glücklich sein wie mit 8 Millionen, oder sagen wir besser, mit 9 1/2 Millionen."

"Sir, vielleicht sollte ich mal die Gelegenheit wahrnehmen, um eine Erhöhung meines spärlichen Gehaltes..."

Es folgte eine Diskussion, die zu nichts führte. Genauso wie der Weg übrigens, der kein Ende zu nehmen schien. Der Lord tippte ungeduldig mit seinen Fingern auf der Holzbank der Kutsche herum, während Frido McClown die Pferd langsamer traben ließ, denn die Dunkelheit senkte sich nun mehr und mehr über den Wald. Rechts tauchte zwischen den Bäumen schemenhaft ein großer See auf, doch Dickicht und Dunkelheit ließen ihn sofort wieder irgendwohin verschwinden.
"Sir, die Tiere brauchen ein Pause."

"Danach wird es zu dunkel sein, um weiterzufahren", antwortete der Lord mit leiser Stimme. "Machen Sie ein Lager, McClown, wir werden im Freien übernachten, wie in der guten, alten Zeit!"

"Sir, wenn ich zu bedenken geben darf, wir haben keine Decken und nichts zu Essen. Wenn wir zu Fuß gingen und die Tiere schonen...."

"Sie sind verweichlicht, McClown! Ein bisschen Pioniergeist täte Ihnen gut. Wir haben die Kutsche, und wir haben eine Plane, mehr brauchen wir nicht. Das Essen gibt es kostenlos in der Natur, Sie müssen nur mal die Augen aufmachen."

Der Butler seufzte und fügte sich seinem Schicksal. Pioniergeist! Schlichter Geiz war es, dass der Lord nicht bis zu einer gemütlichen Unterkunft - die natürlich etwas kosten würde - weiter wollte. Wie in der guten, geizigen Zeit, dachte Frido, stieg vom Kutschbock und kümmerte sich erst einmal um die Pferde, die für diese Lage natürlich nichts konnten. Er begann, die Pferde so zu striegeln, wie Vim van der Slampe es ihm gesagt hatte, und die Tiere ließen es sich gerne gefallen. Als ihm die Arme anfingen, weh zu tun, ging er zu den Hamstern. Zu seiner Beruhigung schliefen die kleinen Tier noch, doch bevor er sich zu dem Lord auf die Pritsche der Kutsche setzen konnte, zeigte dieser auf das am Wege stehende Gebüsch: "Brombeeren, mein lieber McClown, gesund und nahrhaft. Fangen Sie schon mal an zu sammeln. Ich werde die Augen weiterhin nach etwas Essbarem aufhalten."

Es wurde ein kaltes, wenig abwechslungsreiches Abendessen. Außer Brombeeren hatte Frido McClown nichts Anderes auftreiben können. Das meiste aß gierig der der alte Lord, während Fridos Appetit sich in Grenzen hielt. Einen Teil der Beeren legte der Butler für die Hamster beiseite, und er war sich jetzt schon sicher, dass die Hamster keinesfalls begeistert über Brombeeren als Futter sein würden. Aber es war nun mal nicht zu ändern, und so begann er, das Nachtlager für sich und Lord McShredder herzurichten. Der Lord hatte es sich auf dem Holzboden der Pritsche gemütlich gemacht und sich mit einem Teil der Plane bedeckt. Der Butler nahm den Rest der Plane,  bedeckte sich ebenfalls und schloss die Augen. Im nächsten Moment jedoch schreckte er hoch: die Hamster! Er stand auf und betrachtete den Karton, in dem die Hamster immer noch friedlich vor sich hin schliefen, doch er wusste, dass das nicht von Dauer sein würde. Die Ränder des Kartons schienen hoch genug zu sein, so dass eine Flucht der Tierchen ausgeschlossen war. Selbst wenn sie es irgendwie schaffen würden, überlegte Frido, würden sie nicht über die Seitenbretter des Kutschwagens klettern können. Sein Blick fiel auf den schnarchenden Lord und im nächsten Moment auf den Himmel. Die Wolken zogen schnell vorüber und gaben für kurze Zeit immer wieder den Blick auf die Sterne frei. Der Wind hatte zugenommen, kein Zweifel. Frido McClown dachte daran, dass er auf den letzten Kilometern keine Schafe gesehen oder gehört hatte, und dass die Midges ihn am frühen Morgen bereits zweimal gestochen hatten. Er hob den Kopf und sog die Waldluft tief ein: Ja, der Geruch der Vegetation um ihn herum war recht intensiv. Das alles waren Anzeichnen für ein bevorstehendes Unwetter. Für ein möglicherweise schweres Unwetter.

"Sir, wir sollten die Plane aufstellen und mit der Kutsche Schutz im Gebüsch suchen, ich glaube, es kommt ein Unwetter auf!"

Der Lord grunzte nur kurz, gähnte und öffnete seine
Augen einen Spalt weit. "Unsinn. McClown, mein Rheuma hätte schon längst Bescheid gesagt. Lassen Sie mich jetzt schlafen!"

"Sir, ich..."

"Ruhe, McClown! Ich will schlafen!"

Der Butler zuckte mit den Schultern und warf erneut einen Blick auf den Karton mit den Hamstern. Sie mussten zugedeckt werden, soviel war klar. Er holte aus dem Gepäck ein grünes Handtuch und legte es vorsichtig über die Hamsterbehausung. Dann legte auch er sich schlafen, während hoch über ihnen die Bewölkung immer weiter zunahm, und der Wind immer heftiger wurde. Es schien eine unangenehme Nacht zu werden.