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Figurprobleme

Kapitel 31

Wasserschäden

Frido McClown war mit sich und der Welt zufrieden. Soeben hatte er sich in sein gemütliches Bett gelegt, nachdem er mit Lisa zu Abend gegessen und anschließend mit ihr einen langen Spaziergang gemacht hatte. Ein paar Kekse für die Hamster hatte er ebenfalls dabei, doch als er einen Blick in die Tasche warf, stellte er fest, dass die kleinen Tiere immer noch friedlich schliefen. Von dem Lord hatte er fürs Erste nichts zu befürchten, denn der lag schon in seinem Zimmer und schnarchte, wie sich McClown bereits versichert hatte. Zuvor allerdings - so berichtete das Hotelpersonal - hatten sich wüste Szenen abgespielt, nachdem der alte Lord festgestellt hatte, dass sein Butler und Lisa ihn so schmählich alleine gelassen hatten. Zufrieden räkelte sich Frido und wollte gerade das Licht löschen, als er hochschreckte und sich umsah. Er sprang aus seinem Bett und lief zu der Tasche, in der sich die Hamster befanden. Erleichtert atmete er auf, nahm die Tasche, ging in das geräumige Badezimmer und stellte sie in die Badewanne. Er warf einen Blick auf die Hamster, die ihn fragend ansahen.

"Nicht, dass ich euch nicht traue, meine kleinen Freunde, es ist nur so, dass in letzter Zeit einige rätselhafte Dinge passiert sind. Wir wollen doch nicht, dass heute Nacht etwas Merkwürdiges passiert. Hier in der Badewanne seid ihr sicher, und kein schottischer Geist kann euch etwas antun."

Er lachte über seinen Witz und legte sich schlafen. Kurz darauf war nur noch sein leises Schnarchen und das aufgeregte Fiepen der Hamster zu hören.

"Was meint der damit, dass merkwürdige Dinge passiert sind?"

"Da mach dir mal keine Gedanken drüber, Tuffi", knurrte Bauleiter Murksel, "wir kriegen doch immer die Schuld, wenn mal was schiefgeht."

"Genau", fauchte Goldi, "immer auf die Kleinen, Wehrlosen!"

"Aber die größte Schweinerei ist ja wohl, dass der uns in die Badewanne gesperrt hat. Das ist Isolationshaft, jawohl! Das ist ein Fall für den Tierschutzverband!"

"Können die uns denn hier rausholen?" fragte Dodo die schimpfende Flecki.

"Und was ist nun mit unserer Party?" riefen Dasie und Sasie enttäuscht.

"Nun, äh, meine lieben Hamster", räusperte sich jetzt der Bürgermeister, der den Zeitpunkt für eine beruhigende Rede gekommen sah. "Unsere Dings, äh, Lage ist doch prima. Wir wissen sozusagen zwar nicht, was wir wollen, aber wir sollten voll und ganz dahinterstehen, wenn ihr wisst was ich meine, äh, meint zu wissen, oder so."

"Wir sollten mal sehen, dass wir hier ganz schnell rauskommen, eine ganze Nacht mit der Bürgermeistersülze ertrage ich wirklich nicht."

"Und was schlägst du vor, Flecki?" fragte Hamstilidamst.

"Woher soll ich das wissen? Bin ich ein Bauleiter, der sich mit Badewannen auskennt?"

Bauleiter Murksel betrachtete die steilen Wände der Badewanne und klopfte fachmännisch dagegen. Dann untersuchte er Zentimeter für Zentimeter die Beschichtung, ließ ein wissendes "Ah, ja!" ertönen, gefolgt von einem "So, so!". Dann untersuchte er den Abfluss, nickte mit dem Kopf und zog mehrfach an dem Stöpsel, wobei er mit strahlender Miene ein "Aha, also doch!" von sich gab. Dann legte er den Kopf auf den Boden der Wanne und klopfte mehrmals mit seiner Pfote an verschiedenen Stellen. Dann lächelte er fröhlich und sagte: "Na also, das habe ich mir doch gleich gedacht!"

"Was?" riefen die Hamster aufgeregt im Chor.

"Wir kommen hier nicht raus."

Ein vielfaches "Ooooh" ertönte nun, und alle ließen sich enttäuscht auf dem Boden nieder.

"Aber es muss doch eine Möglichkeit geben, hier rauszukommen", rief Flecki. "Was sagt denn Superhamster dazu?"

"Ohne Sprengstoff wird das schwierig, da bleibt nur der Abfluss."

"Der Abfluss?"

"Ja, einer von uns müsste da reinklettern. Irgendwo kommen ja alle Abflüsse zusammen und wenn wir die Stelle verstopfen, dann wird das Wasser wieder hochkommen. Irgendwann ist diese Badewanne voll und wir können herausklettern!"

Nachdem die begeisterten "Superhamster, Superhamster!"-Rufe verstummt waren, hakte Flecki nach: "Und wer soll da reinsteigen?"

"Tja", grinste Goldi, "das muss schon ein Klempner machen.“

Nun sahen alle zum Bauleiter hin, der verlegen an die Wand der Badewanne klopfte und mächtig zu schwitzen begann.

"Öh, wir haben kein Werkzeug zum Öffnen des Abflusses..."

"Die Tasche hat einen Reißverschluss, wenn wir den Schieber abmachen, können wir den als Schraubenzieher nehmen, und die Schraube, die das Abflusssiel hält, einfach abschrauben!"

"Danke, Tuffi, vielen Dank", brummte Murksel genervt. "Wir haben aber nichts zum Verstopfen des Rohres!"

"Doch, Chef, wir rupfen die Tasche auseinander und schieben dir die Fetzen durch das Rohr nach unten. Du brauchst sie dann nur zusammenzuknoten und..."

"Tuffi, ich bin dir sowas von dankbar", knurrte der Bauleiter, "ich könnte dich..."

"Geht das jetzt los, oder was?" rief Flecki, kletterte auf die Tasche und fummelte an dem Schieber des Reißverschlusses. Nachdem ihr Teeblättchen und Hamstilidamst zu Hilfe gekommen waren, gelang es ihnen, das Teil zu lösen. Gemeinsam mit Dodo öffnete nun Bauleiter Murksel den Abfluss. Sasie, Dasie, Flecki und Tati rissen ein paar große Stoffstücke aus der Tasche, während Murksel ängstlich in das Abflussrohr kroch.

"Nur Mut, mein lieber Bauleiter!" rief der Bürgermeister hinterher. "Ganz Hamsterhausen steht hinter dir, wenn ich das einmal so sagen darf."

Ein hohler, dumpfer Ton, der wie ein Fluchen klang, kam als Antwort aus dem Abflussrohr zurück.

"Nur Mut, Bauleiter, Schwimmen macht schlank!"

"Öh, Goldi", kam die nachdenkliche Stimme von Dodo, "Wenn Schwimmen schlank macht, was machen dann Blauwale falsch?"

"Das kommt bestimmt daher, weil die sich vorwiegend im Salzwasser herumtreiben, Dodo, und das hat zuviel Auftrieb. Wenn die nur im Süßwasser schwimmen würden, dann wären die auch schlanker."

Während Dodo zufrieden abzog und den merkwürdigen Tönen aus dem Abfluss lauschte, kletterte Goldi zu Sasie, Dasie, Flecki und Tati, die die Tasche zerrupften und rief: "Wir sollten den Boden der Tasche nachher als Boot benutzen, denn der ist aus Pappe und schwimmt bestimmt gut!"

"Ach, ne, seit wann hast du denn mal eine vernünftige Idee, Goldi?" lästerte Flecki, "irgendwo muss da doch ein Haken sein."

Bevor Goldi antworten konnten, wurden sie auf laute Geräusche, die vom Abfluss her kamen, aufmerksam.

"Ich glaube, der Bauleiter ruft irgendetwas", stellte Tuffi fest, "aber er redet so undeutlich."

"Ich würde sagen, das klingt eher nach dem Blubbern von Wasser", mischte sich Trampel ein, "bestimmt macht er Fortschritte."

"Tja, meine lieben Freunde, wie ich schon immer gesagt zu meinen habe, wir Hamster lassen uns durch nichts und niemanden aufhalten. Wie ich schon in einer meiner früheren Reden immer wieder...." Der Bürgermeister unterbrach seine geistreiche Bemerkung und starrte auf den blubbernden Abfluss, in dem etwas Braunes, Pelziges zu sehen war. Er brachte gerade noch ein "Was 'n das?" hervor, dann folgte ein lautes 'Plopp', und der Bauleiter flog kreischend durch die Luft. Zugleich fegte ein kräftiger Wasserschwall den Bürgermeister mit solcher Wucht in den hinteren Teil der Badewanne, dass es ihm wohl sämtliche Knochen gebrochen hätte, wenn er nicht weich auf Trampel gelandet wäre. Fasziniert folgten nun die Hamster der Flugbahn des Bauleiters Murksel: Fast hätte er die Decke erreicht, dann nahm er Kurs auf den Wasserhahn der Badewanne, klatschte mit einem hässlichen Geräusch und mit lautem Quieken auf und klammerte sich verzweifelt an dem rutschigen Hahn. Einen Moment sah es so aus, als könnte er sich festhalten, doch unter den enttäuschten "Ooooh"-Rufen der Hamster verlor er den Halt und fiel mit einem Klatscher in die Badewanne zurück, die sich inzwischen mehr und mehr mit Wasser füllte.

"Gut aufpassen, Dodo, hier siehst du mal einen echten Klempner bei der Arbeit."

"Ehrlich, Goldi, ich hätte nicht gedacht, dass das so aufregend ist."

"Nicht wahr? Manche behaupten ja, dass jeder Einsatz unseres Bauleiters ein Abenteuer ist", grinste Goldi.

Der Bürgermeister war inzwischen zu Murksel gewatschelt und gratulierte ihm zu seiner erstklassigen Arbeit, doch der war noch nicht wieder so richtig ansprechbar, sondern lag nach wie vor in dem recht schmutzigen Wasser, das nun langsam aus dem Abflussrohr herausquoll.

"Iiiiih", war der Schrei Fleckis zu hören, "seht euch doch mal diese Drecksbrühe an! Mein Fell kriege ich nie wieder richtig sauber!"

"Jammer nicht rum, sondern komm an Bord", rief Goldi, der es sich inzwischen auf dem ehemaligen Boden der Tasche bequem gemacht hatte. Das brauchte er nicht zweimal sagen, denn nun stürmten alle auf den Pappdeckel zu und machten es sich bequem. Als Letzte kamen der Bürgermeister und Tuffi, die dem sichtlich angeschlagen Bauleiter Murksel halfen, an Bord zu steigen. Gespannt verfolgten nun alle, wie das Wasser in der Badewanne ganz langsam höher und höher stieg.

"Meine lieben Hamster, ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass alles weiterhin nach Plan läuft. Wieder einmal haben wir Hamster gezeigt, dass wir auch unter schwierigen Bedingungen Lösungen und Probleme finden, äh, lösen, sozusagen."

"Wirklich toll, wir schwimmen auf einer Pappe in einer Drecksbrühe und warten, dass die Party losgeht", flüsterte Teeblättchen und Goldi grölte: "He Leute, da fällt mir ein Witz ein: Was ist gelb und kann nicht schwimmen? Ein Bagger! Und warum kann er nicht schwimmen? Weil er nur einen Arm hat, ha, ha!"

Stunden später war den Hamstern nicht mehr so richtig zum Lachen zumute. Die Badewanne war erst zur Hälfte gefüllt und ihr Boot hatte sich bereits aufgelöst. Jeder Hamster klammerte sich nun verzweifelt an einem kleinen Stück Pappe und schaute fragend zum Rand der Badewanne, der allerdings in unerreichbarer Ferne schien. Inzwischen war es hell im Badezimmer geworden, denn die Sonne war aufgegangen und signalisierte, dass der Tag begann.

"Das war’s wohl mit der Party", schimpfte Flecki und sah den Bürgermeister böse an. "Schwierige Bedingungen und Lösungen finden, ha!"

"Öhm, wir haben getan, was wir konnten, aber mehr war nicht drin, wenn ich das so einmal sagen darf. Lediglich der Bauleiter hätte vielleicht ein bisschen mehr Sorgfalt walten lassen können und..."

"Noch ein Wort von dir, Bürgermeister und ich fresse dein Stück Pappe auf!" brüllte nun Bauleiter Murksel und machte Anstalten, auf den Bürgermeister zuzuschwimmen. In diesem Moment erstarrten die Hamster vor Schreck. Es klopfte an der Tür! Nachdem ein müdes 'Ja' des Butlers als Antwort erklang, war die Stimme von Lisa zu hören:

"Guten Morgen, Frido, das Frühstück wartet auf dich!"

"Ist gut, Lisa, danke. Ich komme in wenigen Minuten!"

Gähnend reckte sich Frido McClown und setzte sich aufrecht hin. Endlich wieder ein richtiges Frühstück! Er freute sich auf diesen Tag, obwohl er natürlich nun wieder für ein paar Tage Abschied von Lisa nehmen musste. Gestern hatte sie ihm noch versprochen, gleich heute Mittag bei George anzurufen und ihm das Neueste mitzuteilen. Bestimmt würde der sich vor Lachen nicht mehr halten können. Grinsend stand der Butler auf und ging ins Badezimmer. Im ersten Moment war er sich nicht ganz sicher, ob er vielleicht doch noch im Bett lag und träumte, als er die Bescherung in der Badewanne sah. Dann kniete er neben der Badewanne nieder, blickte auf die unglücklich im dreckigen Wasser treibenden Hamster und sagte:

"Also wirklich, manchmal habt ihr echt kranke Ideen. Lasst mich raten: Ihr macht ein Wettschwimmen um den Sonnenblumenkernpokal? Nein? Wolltet ihr ein Moorbad und hattet nicht genug Moor gehabt?"

Er lachte laut über sein Wortspiel und ging zum Waschbecken, um sich frisch zu machen. Schnell stellte er fest, dass irgendetwas mit dem Wasserablauf nicht klappte, als es wieder an der Tür klopfte.

"Ja, Lisa, ich komme gleich!" rief er ein wenig verärgert.

"Sir, hier ist der Zimmerservice. Wir haben scheinbar einen Rohrbruch oder etwas Ähnliches, bitte benutzen Sie weder Wasserhähne noch Toiletten. Unter der Treppe zum Eingangsportal befindet sich noch eine intakte Toilette, die können Sie benutzen! Vielen Dank für ihr Verständnis, Sir. Wir bemühen uns, den Schaden schnellstens zu reparieren. Ein guten Tag noch!"

Frido McClown bedankte sich für die Information, nahm ein Handtuch und befreite die Hamster aus ihrer unglücklichen, feuchten Lage. Er setzte sie auf einen flauschigen Teppich und wickelte vorsichtig das Handtuch um sie herum. Große Knopfaugen, die von durchnässtem, struppigem Fell umgeben waren, blickten ihn dankbar an. Dann zog er sich an, nahm seine Waschutensilien und verließ den Raum.

"Tja, das war’s wohl mit der Party. Wenigstens hat uns der nette Butler gerettet", brachte Trampel die Sache auf den Punkt.

"Das war echt nett von ihm", stimmte Dodo zu. "Wir haben heute Nacht zwar viel gemacht, aber was wir gemacht haben, war nicht zu gebrauchen."

"Ich sag mal: Schwamm drüber, Leute. Wenn wir die Klappe halten, erfährt keiner was davon und das ist das Beste“, ergänzte Murksel.

In diesem Moment betrat McClown das Zimmer wieder, packte seine Waschutensilien auf die Badezimmerkonsole und legte ein paar Kekse vor die Hamster.

"Mit schönen Grüßen von Miss Lisa", lachte er. Dann verließ er das Zimmer und ging nach rechts über den Flur bis hin zu dem großen Esszimmer, von dem aus in der Ferne der Berg Buachaille in seiner ganzen Größe zu bewundern war. Der Lord saß bereits am Tisch und trug einen gelangweilten Gesichtsausdruck, während er mit dem Salzstreuer spielte.

"Schön, dass Sie mich auch beehren, McClown, dann wird Miss Lisa vielleicht doch mal darauf aufmerksam, dass ich bereits am Verhungern bin."

"Haben Sie gut geschlafen, Sir?"

McShredder antwortete nicht, sondern nickte nur und spielte weiterhin mit dem Salzstreuer.

"Ist es nicht erstaunlich, McClown, wie die es immer wieder schaffen, das Salz durch die engen Löcher nachzufüllen?"

Diesmal war es der Butler, der nicht antwortete, sondern nur verblüfft den Kopf schüttelte. In diesem Moment trat Lisa McGyer an den Tisch.

"Ich hoffe, Frido", sagte sie lächelnd, "du hattest keine Unannehmlichkeiten wegen des Wasserschadens."

"Wasserschaden?" krähte der Lord, "wieso habe ich davon nichts mitbekommen? Wieso sagt mir keiner etwas?"

"Nun, Sir", antwortete McClown, "das liegt wohl daran, dass Sie nie auf Klo gehen, weil Sie Wasser sparen wollen!"

"Stimmt", rief Lisa, "das habe ich auch schon im Schloss bemerkt. Seine Geizheit geht nämlich immer auf das Nachbargrundstück um zu ..."

"Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie hier keine vertraulichen Interna ausplaudern würden!" fauchte der Lord leicht angesäuert. "Ich mache es eben wie in der guten, alten Zeit, als Wasser knapp war!"

"Es hat aber auch seine Vorteile", grinste der Butler, "wir haben dadurch wenig Fliegen und Midges im Schloss. Sir, stimmt es eigentlich, dass McToffee deswegen neulich mit dem Schrotgewehr auf Sie geschossen hatte, als Sie ..."

"Alles Lügen, McClown. Ich hatte mich versehentlich auf Reißzwecken gesetzt, die Sie haben rumliegen lassen!"

Grinsend schauten Lisa und Frido einander an, dann fragte sie: "Das übliche Frühstück mit Ham and Eggs sowie Kaffee?"

"Gerne, Lisa!"

"Und ich hätte gerne Toast mit Marmelade und Tee!"

"Ich fürchte, euer Hochwohlvergoren, solche ungewöhnlichen Wünsche dauern ein klein wenig länger!" entgegnete Lisa McGyer schnippisch, drehte sich um und landete scheppernd und krachend im Nachbartisch.

"Ist es eigentlich wahr, McClown", flüsterte der Lord, "dass sämtliche Schilder mit der Aufschrift 'ruhige Lage' jedes Mal entfernt werden, sobald Miss Lisa hier arbeitet?"

Nach einer Stunde waren beide mit dem Frühstück fertig, und auch der Lord hatte nach einigen kleineren Hindernissen, wie Teppichfalten und Türpfosten, sein Frühstück erhalten.  

"Sir, soll ich die Kutsche und das Gepäck fertigmachen?"

"In Ordnung, McClown, ich werde mich mal umziehen gehen", entgegnete der Lord und sah betrübt auf seine Kleidung, die nach Lisas letztem Sturz voller Marmelade und Tee war.

"Vergessen Sie nicht zu bezahlen, Sir", rief der Butler und machte, dass er wegkam, denn schon näherte sich Lisa McGyer, legte einen Zettel mit vielen Zahlen vor McShredder hin und sagte: "Wollen Sie erst einen Blick auf die Rechnung werfen, oder soll ich gleich die Polizei rufen, euer Lordschuft?"1

Nach einer weiteren Stunde stand die Kutsche startbereit vor dem Hotel, und Frido McClown nahm von Lisa McGyer Abschied. Dann setzten sich die Pferde in Bewegung, und es ging weiter durch das grandiose Glencoe.

Lord und Butler waren zufrieden, sie hatten eine angenehme und ruhige Nacht verbracht, waren ausgeruht und guter Dinge. Vor ihnen lagen 375 km, und der Lord hatte sich noch nicht entschieden, wo sie die nächste Nacht Station machen würden.

Lisa McGyer fegte gerade in diesem Moment das Geschirr zusammen, dass ihr beim Abwasch über die Tischkante gerutscht war. Sie sah kurz auf den Kalender und stellte fest, dass die Urlaubszeit in 11 Tagen vorbei sein würde. Sie war gespannt, in welches neue Zuhause sie dann mit Frido McClown ziehen würde.

Die Hamster waren nicht so guter Stimmung, insbesondere Bauleiter Murksel hatte eine saumäßige Laune und schimpfte ständig mit Tuffi herum. Wenigstens die Kekse und die Nüsse, die ihnen der Butler vor der Abreise gegeben hatte, hob die Laune der kleinen Tiere etwas an. Allerdings fand sich die Mehrheit der Hamster in ihrer persönlichen Würde gekränkt, dass sie nun in einem ausgedienten Karton leben mussten, in dem bisher Torten transportiert wurden. Leider fand sich im gesamten Hotel nichts Besseres, was sich für einen Hamstertransport eignete. Zudem erwies sich dieser Tortenkarton als ein Problem für gewisse Hamster, die nun fortwährend den leckeren Tortengeruch in der feinen Nase hatten. Besonders Goldi wurde mehrfach von Flecki verwarnt, als er versuchte, den Karton anzuknabbern. Nach kurzer Zeit jedoch herrschte Ruhe im Karton, und die Hamster legten sich nach einer überaus anstrengenden Nacht schlafen.

George war zu diesem Zeitpunkt gerade aufgestanden und genoss es, in aller Ruhe seinen Frühstückstee zu trinken. Er freute sich schon auf die abendliche Kartenrunde mit seinen Freunden Angus und Steve. Noch ahnte er nichts von den Vorkommnissen um Dunollie Castle, und dass Lisa McGyer ihn heute noch anrufen würde.

Auch Vim van der Slampe war zufrieden. Er hatte wunderbar geschlafen in dieser Nacht, die er in einer kleinen Bed & Breakfast-Unterkunft in Melvich verbracht hatte. Er beschloss, den heutigen Tag zu nutzen und eine Fahrt nach Dunnet Head, dem nördlichsten Punkt des schottischen Festlands zu machen. Fünf erholsame Tage ohne Stress lagen noch vor ihm. Er dachte oft an die Hamster und fragte sich etwas traurig, ob er die kleinen, süßen Quälgeister wohl noch einmal wiedersehen würde.

Finnegan McDudle hatte zu dem Zeitpunkt ganz andere Sorgen, von denen er allerdings noch nichts wusste. Der Besuch bei seinem Schwager in Inversanda war leider nicht ganz erfolgreich gewesen, das heißt, zunächst war er willkommen geheißen und auch zum Essen eingeladen worden. Sogar ein paar schöne Flaschen Wein standen schon auf dem Tisch, als, tja, als seine Frau anrief und sich lautstark beklagte, dass ihr miserabler Ehemann seit Tagen verschwunden sei. Leider klingelte es mitten in ihrer Leidensgeschichte an ihrer Haustür, so dass sie zu fragen vergaß, ob der Schwager etwas über den Verbleib ihres Ehegatten wusste.  Trotzdem war der Abend für Finnegan gelaufen und statt Essen, Wein und Gastlichkeit verbrachte er eine unruhige Nacht in dem zugigen, kalten Wartehäuschen einer Bushaltestelle. Als die Sonne aufging, lief er müde die Straße in Richtung Strontian weiter, bis er von einem Lieferwagen mitgenommen wurde. Glücklich und zufrieden war er nun auf dem Beifahrersitz eingeschlafen und bekam nicht mit, dass der Fahrer des Lieferwagens ein Paketbote war, dessen nächstes Ziel ein Kunde namens McKill in dem kleinen Ort Polloch war.