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Kapitel 29

Die Abreise

"Na sehen Sie, mein lieber McClown, es war doch überhaupt kein Problem. Wie ich schon erwähnte, ist ein Lord einem Baron weisungsbefugt, und somit habe ich mal wieder für alles gesorgt. Was hat er denn zu der Ehre gesagt, dass er mir helfen durfte, dieser MacToffee?"

"Nun, Sir", entgegnete der Butler und holte tief nach Luft, denn das Lenken einer Kutsche gehörte nicht zu seinen alltäglichen Aufgaben. "Sir MacToffee hat gesagt, dass er froh ist, dass Miss Lisa und George nicht im Schloss waren, als es explodierte, und er ist glücklich, dass ich unverletzt bin. Er bedauert, dass Sie, Sir, keinen Kratzer abbekommen haben, und dass er es weiterhin außerordentlich begrüßt, dass Sie endlich aus der Gegend verschwinden. Ich soll Ihnen weiterhin ausrichten, dass Sie der widerlichste, geizigste..."

"Danke, das genügt, McClown. Die weiteren Worte dieses kleinen Emporkömmlings können Sie sich schenken. Es reicht, wenn Sie jetzt die Pferde versorgen und sich um meine Münze kümmern. Bieten Sie den Hamstern etwas Futter, dann rücken sie bestimmt die Münze heraus!"

"Sir, um die Pferde kümmert sich Vim. Er sagt, dass er in seinem Heimatland schon oft mit Pferden zu tun gehabt hat."

"Prächtig, prächtig, es hat schon Vorteile, einen Käselieferanten im Hause zu haben, der zugleich auch ein Bauer ist. McDudle kann schon mal im Hof ein Lagerfeuer machen, während Sie sich jetzt darum kümmern, dass die Hamster meine wertvolle Münze herausrücken!"

Mit finsterem Blick verließ Frido das Esszimmer und überlegte, wie er die Hamster überzeugen könnte, dem alten Sack die Münze auszuhändigen. Finnegan McDudle aber rührte sich nicht.

"Brauchen Sie eine Sondereinladung, McDudle?" krähte der alte Lord und blickte Finnegan kampflustig an.

"Tja, wenn Sie mich so fragen, Mr. Schlepper, dann hätte ich gerne eine. Was findet denn statt?"

"Ein Lagerfeuer sollen Sie machen", kreischte der Lord und hob drohend seine Pfeife.

"Ach, so, Mister, ich dachte schon, wir feiern ein wenig. Ein Fass aufmachen, Sie wissen schon. Meine Frau sagt zwar immer..."

"Ich will nicht wissen, was ihre Frau meint, McDudle, ich will ein Lagerfeuer haben, klar?"

"Völlig klar, kein Problem, Mister, äh, wie sagten Sie, war ihr Name, Fass oder so?"

"Sir Lord McShredder von Killichonan, Sie Versager. Wenn das Lagerfeuer nicht gleich an ist, stopfe ich Ihnen meine Pfeife in den Hintern!"

"Natürlich, sofort, Mister - äh, womit soll ich denn ein Feuer anmachen?"

"Nehmen Sie diese Stühle!" kreischte der Lord, stand auf, ergriff einen Stuhl und warf ihn nach McDudle. Der jedoch sprang zur Seite und machte, dass er die Leiter hinab kam. Kopfschüttelnd setzte sich der Lord wieder hin und widmete sich seiner Pfeife.

"Was wollt ihr?" Frido McClown hatte sich im Nebenzimmer die Forderungen der Hamster mehrmals angehört und versichert, dass er alles richtig verstanden hatte. Ein Jahrmarkt in Hamsterhausen, einen sogenannten 'Pleasure-Dome', wollten die Hamster bauen. Eine Geisterbahn sollte es ebenfalls geben, und der Lord sollte sich für einen Tag als Gespenst zur Verfügung stellen. Nein, wirklich, was waren diese Hamster abgefahren!

"Das kann ich unmöglich dem Lord McShredder sagen, meine lieben Hamster", seufzte der Butler und blickte in die traurigen Knopfaugen der Hamster. Das tat er eine halbe Minute lang, und dann rief er: "Versuchen werde ich es, meine kleinen Freunde. Für Geld tut der alte Knacker ja gewöhnlich alles."

Es wurde ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer, der letzte Abend im Schloss von Dunollie. Essen gab es reichlich, und alle ließen es sich schmecken. Nur Finnegan McDudle hatte einige Probleme mit seinen Fingern, die er sich beim Feuermachen mehrfach verbrannt hatte. Die Hamster saßen ein gutes Stück vom Feuer entfernt, denn keiner hatte Lust, sich das Fell zu verbrennen. Sie diskutierten aufgeregt miteinander. Frido McClown und Vim van der Slampe unterhielten sich angeregt, während Lord McShredder nunmehr schon seit einer Stunde über das nachdachte, was sein Butler ihm erzählt hatte. Einerseits gefiel ihm die Tatsache, als Attraktion einer Geisterbahn aufzutreten, überhaupt nicht. Andererseits würde er die wertvolle japanische Shu-Münze gewissermaßen zu einem Spottpreis erhalten, wenn man lediglich die Fahrtkosten nach Hamsterhausen rechnen würde. Endlich, zu fortgeschrittener Stunde, hatte sich Lord McShredder zu einer Entscheidung durchgerungen.

"Wir werden morgen in aller Frühe nach Hamsterhausen fahren", sagte der Lord leise.

Frido McClown und Vim van der Slampe unterbrachen ihre Unterhaltung und schauten einander bedeutungsvoll an. Die Hamster stoppten ihre inzwischen recht lebhaft gewordene Diskussion und starrten den Lord mit großen Knopfaugen erwartungsvoll an. Finnegan McDudle tat so, als würde ihn das nichts angehen und fischte weiter nach dem Stück Brot, das ihm zum wiederholten Male ins Feuer gefallen war.

"Um das Schloss hier soll sich George kümmern. Ich rufe ihn morgen früh an und sage ihm, dass er alle brauchbaren Sachen in seinen Transporter lädt. McClown, Sie rufen Miss Lisa an und sagen ihr, sie soll bei ihren Eltern bleiben, bis wir ein neues Zuhause gefunden haben. "

"Sir, wenn Sie mir den Hinweis gestatten, das Telefon funktioniert nicht mehr. "

Der Lord seufzte und warf ein Stück Holz ins Feuer. "Dann müssen wir wohl einen Umweg machen und am Kings House Hotel vorbeifahren, McClown. Aber glauben Sie ja nicht, dass ich lange auf Sie warten werde, fünf Minuten werden ja wohl reichen, um Bescheid zu sagen! Und sehen Sie zu, dass Sie die Hamster vernünftig einpacken. Ich habe keine Lust, alle paar Minuten anzuhalten, nur weil eines dieser dummen Tiere aus der Kutsche gefallen ist!"

Finnegan McDudle hatte inzwischen seine Versuche aufgegeben, das Stück Brot aus dem Feuer zu fischen. Gebannt sah er zu, wie es von Minute zu Minute immer schwärzer wurde. Für seine Zukunft sah er ebenfalls schwarz. Sicherlich würde der Lkw-Fahrer ihn ein Stück bis Corran mitnehmen, so dass er problemlos zu Fuß wieder nach Dalelia gehen konnte, doch dann wäre er viel zu früh wieder zu Hause. Ein paar Tage mehr und seine Chancen, dass seine Frau ihm verziehen hatte, würden enorm steigen. "Ah, Mr. Lord", begann er unsicher, "Sie brauchen nicht zufällig einen Führer?"

"Ich kenne dieses Land wie meine Westentasche, McDudle", knurrte der Lord und achtete nicht auf das laute Gackern seines Butlers. "Was sollte ich also mit einem Führer, zudem mit einem, der so blöd ist, dass er nicht einmal in seine eigenen Schuhe findet?"

"Keine Sorge, Mr. McDudle, ich nehme Sie bis nach Corran mit, von dort aus ist es nicht mehr weit für Sie", rief Vim van der Slampe lachend. "Gleich morgen früh fahren wir los. Ich freue mich schon auf die Highlands."

Das Feuer war inzwischen recht weit niedergebrannt und wiederholtes Gähnen der Männer wies darauf hin, dass es nun Zeit wurde, noch ein letztes Mal auszuschlafen, bevor die Reise begann. Während der Lkw-Fahrer das Feuer löschte, trug Frido McClown die Hamster in sein Zimmer. Dort packte er  seine Sachen für den kommenden Tag beiseite, wünschte den Hamstern eine gute Nacht, bevor er seine Nachtischkerze löschte und legte sich schlafen.

"Ich drücke ihm die Pfeife ins Gebiss, ich mache ihn platt wie 'ne Scholle, ich haue ihm..."

"Nun, öh, mein lieber Goldi, vielleicht sollten wir diese Worte nicht so aufnehmen, wie sie abgegeben worden sind. Sicherlich, und mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht alleine, ist dem Lord das wohl nur so rausgerutscht, gewissermaßen."

"Mit dieser Meinung stehst du aber alleine, Bürgermeister", mischte sich nun Flecki ein. "Der hat doch tatsächlich gesagt, er habe keine Lust, alle paar Minuten anzuhalten, nur weil eines dieser dummen Tiere aus der Kutsche gefallen ist! Ich protestiere im Namen aller Hamster!"

"Aber, aber, meine lieben Hamsterfreunde, es ist doch von enormer Bedeutung, wenn ich darauf hinweise, dass der Lord ebenfalls erwähnte, dass sein Diener uns vernünftig einpacken soll, damit der wie eben genannte Fall nicht eintritt und..."

Die restlichen Worte des Bürgermeisters gingen im wütenden Protestschrei der Hamster unter. Nun folgte eine laute, stundenlange Debatte, die schließlich zu einer Abstimmung über eine Bestrafung des Lords McShredder führte.

Einstimmig angenommen wurden die Punkte:
- der alte Meckersack hat sich zu entschuldigen
- so geht es nicht
- nicht mit uns.

Mehrheitlich abgelehnt wurden die Punkte:
- wir warten ab
- wir versenken ihn im Meer.

"Und was nun? Machen wir jetzt eine Party?" fragte Dodo, nachdem sich seine Kollegen wieder ein wenig beruhigt hatten.

"Keine Zeit", rief Flecki, "Tati, Teeblättchen, Sasie, Dasie und ich habe nämlich vorhin im Garten ein paar Kräuter und Beeren gepflückt, die wollen wir jetzt sortieren! Davon machen wir uns einen schönen Kräutersalat."

Somit waren die Hamster für diese Nacht beschäftigt, das heißt bis auf einen. Goldi schlich von einem zum anderen und suchte jemanden, der noch ein wenig Lust auf  'einen kleinen Schlossrundgang'  hatte. Leider hatte aber niemand nach diesem Tag Lust auf irgendwelche weitere Katastrophen, und so sah er gelangweilt zu, wie seine Freunde Kräuter und Beeren sortierten.

"Was 'n das für eine?" hörte er Bauleiter Murksel fragen, der sich gerade eine glänzende, schwarze Beere anschaute.

"Schmeiß die lieber weg, das könnte eine Tollkirsche sein", rief Flecki.

"Heißt die so, weil die so toll schmeckt?"

"Quatsch, Dodo, die heißt so, weil man davon ganz toll verrückt wird, wenn man die isst."

Diese Worte Fleckis ließen Goldi aufhorchen, und langsam formte sich eine Idee in seinem Kopf. Der weitere Verlauf der Nacht war nicht sonderlich erwähnenswert, außer der Tatsache, dass irgendwann Goldi und die Tollkirsche verschwunden waren, und irgendwann Goldi wieder auftauchte. Allerdings ohne Tollkirsche, denn die steckte nun unter dem Tabak in der Pfeife des Lords von Killichonan.

"McClown, wo bleibt mein Frühstück? Sind die Sachen schon gepackt? McClown, Sie fauler Geselle, wo bleiben Sie?"

Stöhnend erhob sich der Butler und verfluchte die Tatsache, dass alte Leute weniger Schlaf brauchen. Er warf einen Blick zu den Hamstern und stellte erleichtert fest, dass sie fest schliefen und offensichtlich vollzählig waren. Ihm fiel ein, dass die heutige Prozedur des Frühstücks keine große Angelegenheit werden konnte, denn Geschirr und Besteck waren ja nicht mehr vorhanden.

"Das Brot ist in der Einkaufstasche, und die Butter befindet sich daneben, Sir!" brüllte er so laut, dass die Hamster verwundert aufwachten und sich nach der Ursache der Ruhestörung umsahen.

"Und wo kriege ich einen Kaffee her, McClown? Haben Sie sich darüber schon mal Gedanken gemacht, Sie undankbarer Kerl?"

"Ohne Strom keinen Kaffee, Sir! Wie euer Dreistigkeit bereits festgestellt haben, funktioniert außer dem Telefon auch der Strom nicht mehr!"

Der Butler lauschte angestrengt, doch zu seiner Erleichterung blieb der erwartete Wutausbruch des Alten aus.

"Das ist ja fast wie in Hamsterhausen", lästerte Flecki.

"He, he", protestierte Bauleiter Murksel, "wir reparieren immerhin unsere Stromleitungen selbst!"

"Leute, was ist das:  Es ist schwarz und hängt an der Decke?"

"Keine Ahnung, Goldi, nun sag schon!" entgegnete Flecki.

"Ein schlechter Elektriker!"

Außer dem Bauleiter kringelten sich nun alle Hamster vor Lachen auf dem Boden, als Frido McClown das Zimmer verließ. Sofort folgten ihm die Tiere, denn das konnte nur bedeuten, dass es etwas zu Futtern gab. Bis auf Finnegan McDudle, der noch in einer Ecke lag und schnarchte, saßen bereits der Lord und Vim van der Slampe am Tisch und unterhielten sich.

"Warum sollte das nicht zu schaffen sein, Mr. van der Slampe? Ein Pferd braucht kein Benzin, und Gras gibt es überall! Natürlich wird es ein wenig länger dauern als mit einem Lastwagen. Wir schaffen vielleicht 20 Kilometer in der Stunde und somit bequem 120 Kilometer pro Tag. Bis zur Fähre sind es läppische 450 Kilometer, in vier Tagen sind wie dort. Wo also ist das Problem?"

"Na schön, Lord, aber gönnen Sie den Tieren genügend Ruhepausen."

"Da machen Sie sich mal keine Sorgen, guter Mann, notfalls zieht mein Butler die Kutsche, der hat ohnehin viel zu wenig zu tun."

Frido McClown zwinkerte dem Lkw-Fahrer fröhlich zu, während er es sich ebenfalls am Tisch gemütlich machte und nach dem Brot griff. Nachdem die Hamster ihren Anteil erhalten hatten, aß er selber mit großem Appetit und ließ sich von Vim noch das Eine und Andere über Pferde und ihre Pflege erzählen.

"Frido, Sie müssen das Pferd jeden Abend putzen und zwar beginnen Sie auf der linken Seite des Kopfes und gehen langsam mit langen Bewegungen und leichtem Druck bis zum Schweif."

"Das würde mir auch gefallen", brummte Dodo und seine Freunde grinsten begeistert.

In diesem Moment kam Finnegan McDudle zu sich, stand langsam auf und betrachtete etwas ratlos die am Tisch sitzenden Männer.

"Na, McDudle, Sie glauben nicht, wie froh ich bin, Sie gleich nicht mehr sehen zu müssen", krähte der Lord und zündete sich seine Pfeife an. "Hoffentlich kreuzen sich unsere Wege nicht so schnell wieder", setzte er hinzu und nahm einen kräftigen Zug von seiner Pfeife.

"Tja, äh, Mister", stammelte Finnegan verlegen, "da haben Sie völlig Recht. Meine Frau sagt nämlich immer: Finnegan sagt sie, also, meine Frau sagt das, müssen Sie wissen, die sagt immer..."

"Interessant, mein Lieber, interessant, bitte erzählen Sie weiter!"

In diesem Moment passierten mehrere Dinge gleichzeitig: Der Butler bekam einen Hustenanfall, weil er sich verschluckte,  dem Lkw-Fahrer fiel das Brot aus der Hand, und die Hamster trauten ihren feinen Ohren nicht. Alle starrten in diesem Moment den Lord an, als hätte er soeben etwas Ungeheueres gesagt.

"Tja, Mister, gerne, äh, wie war noch ihr Name?"

"Nennen Sie mich einfach Mr. McShredder, den Lord können Sie weglassen. Wer braucht schon diese alten Adelstitel."

"Ja, also, Mr. Adel, meine Frau, die sagt also immer: Finnegan, auch ein Dummer hat manchmal kluge Gedanken, aber er merkt es nicht."

"Sehr schön, mein lieber McDudle, wirklich sehr schön!"

"Sir, ist Ihnen nicht gut?" fragte besorgt der Butler und näherte sich dem alten Lord.

"Aber mein Guter, mir geht es prächtig. Ich freue mich schon auf die wunderschöne Reise mit Ihnen!"

In dem geräumigen Esszimmer des ehrwürdigen Dunollie Castle herrschte verwundertes Schweigen. Frido McClown starrte den alten Lord an, der genüsslich an seiner Pfeife zog und den Rauch in den Raum blies. Die Hamster standen auf ihren Hinterpfoten, ließen ihre kleinen Vorderpfoten auf typische Hamsterart herunterhängen und glotzen. McDudle betrachtete seine Fingernägel, und Vim van der Slampe suchte seine letzten Sachen zusammen. Dann erhob er sich, klopfte dem Butler auf die Schulter und nickte dem alten Lord zu.

"So, Mr. Shredder, ich wünsche Ihnen alles Gute. Unsere Wege trennen sich jetzt, und ich hoffe, dass Sie ein schönes, neues Zuhause finden werden."

Nachdem er zu den Hamstern gegangen und jeden von ihnen gekrault hatte, gab er Finnegan ein Zeichen, ihm zu folgen.

"Wie schade, dass Sie schon gehen müssen", krähte der gut gelaunte Lord, "warum kommen Sie nicht mit uns?"

"Das geht leider nicht", lachte der Holländer, "die Highlands warten auf mich!"

"Aber ich, Lord Adelstitel, ich könnte mitkommen!" rief McDudle, der nun seine Chance gekommen sah.

"Prächtig, prächtig, mein Guter, ich bin begeistert. Einen so erfahrenen Führer wie Sie können wir sicherlich gut gebrauchen, nicht wahr, mein verehrter Mr. McClown?"

Der Butler wollte etwas antworten, doch die Tatsache, dass der alte Sack ihn zum allerersten Mal mit 'Mister' angeredet hatte, brachte ihn völlig aus der Fassung. Er wollte protestieren und vorschlagen, lieber einen Sack Zecken als diesen Volltrottel mitzunehmen, doch ihm war in diesem Moment der letzte Bissen Brot regelrecht im Halse stecken geblieben. Er hatte sich verschluckt, und statt einer Antwort hustete der Butler in einem fort.

Froh, den unfähigen Führer losgeworden zu sein, winkte Vim van der Slampe ein letztes Mal in die Runde und machte, dass er fortkam. Kurz darauf war zwischen den Hustenanfällen des Butlers das Motorengeräusch des Lkws und ein mehrfaches Hupen zu hören. Dann war bis auf das Husten und Krächzen des Butlers, der sich krampfhaft an der Tischkante festhielt und nach Luft rang, alles still.

"Mein lieber Mr. McClown, Sie haben so ein ungesunde Gesichtsfarbe, eine Reise wird Ihnen gewiss guttun, also lassen Sie uns jetzt aufbrechen! Sie, mein lieber Mr. McDudle, bitte sind Sie so freundlich und bringen Sie die Sachen, die mein Diener netterweise schon zusammengepackt hat, in die Kutsche. Ich rauche eben meine Pfeife zu Ende, und dann helfe ich Ihnen selbstverständlich!"

Finnegan, der sein Glück nicht fassen konnte, beeilte sich, dieser Bitte des Alten nachzukommen und entfernte sich, so schnell er konnte. Der Butler, dessen Gesichtsfarbe in der Tat bereits auf Lila gewechselt war, hatte sich inzwischen ein wenig von seinem Hustenanfall erholt und stürzte auf den Lord zu.

"Sir, bei allem Respekt, aber wollen Sie es sich wirklich antun, diese unfähige zweibeinige Katastrophe mitzuschleppen?"

"Tss, tss, mein lieber Mr. McClown, Menschen muss man doch gut behandeln, wir sind doch alle Brüder, oder? Nun sind Sie doch bitte so freundlich und setzten Sie diese lieben, kleinen Hamster ganz vorsichtig auf einen sicheren Platz in der Kutsche. Es wäre entsetzlich, wenn ihnen etwas geschehen würde. Ich werde die restlichen Gepäckstücke nehmen, damit Sie die Hände frei haben!"

Frido McClown war wie vor den Kopf geschlagen. Was war mit dem alten Sack los? Es mussten die Spätfolgen des Schocks der Explosion sein, dachte er. Womöglich hatte es den Lord doch mehr mitgenommen, als er jemals zugeben würde. Er warf einen Blick auf die Hamster, die offenbar heftig miteinander tuschelten und diskutierten, und überlegte, in welchen Behälter er diesmal die Tierchen setzten sollte. Ohne weiter nachzudenken nahm er eine der Geldtaschen, in denen der Lord vor wenigen Monaten die Wertsachen nach Edinburgh transportiert hatte und setzte die Hamster vorsichtig hinein. Dann warf er einen letzten Blick in alle Räume und stieg die Leiter hinab. Lord McShredder hatte sich ebenfalls erhoben, nahm die restlichen Gepäckstücke und folgte fröhlich pfeifend seinem Diener bis hin zur Kutsche, in der bereits Finnegan McDudle wartete.

Die Kutsche war zwar in die Jahre gekommen, doch Dank der guten Pflege durch Baron MacToffee war sie immer noch in einem respektablen Zustand. Auch die beiden Braunen, die die Kutsche zogen, standen gut im Futter und schienen sich auf die Fahrt zu freuen, wie an ihrem Gewieher deutlich zu hören war. Vorne über der Deichsel befand sich der Bock, der Sitz für den Kutscher, auf dem notfalls zwei Leute Platz fanden. Dahinter war der Hauptteil des Gefährts, eine große Ladefläche, die wie ein großer Kasten aussah. Dort befand sich bereits der selbsternannte Pfadfinder und betrachtete andächtig ein großes Stück Plane, das sich sauber zusammengefaltet auf der Pritsche befand.

"Diese Plane werden wir aufziehen, wenn es dunkel wird oder falls es regnet", erklärte der Butler.

"Nein, wie originell, was es doch alles gibt", rief der Lord begeistert. "Los, mein lieber Mr. McClown, bitte fahren Sie los. Wo möchten Sie auf unserer ersten Reise übernachten?"

Hätte der alte Lord seinem Butler ins Gesicht sehen können, dann wäre ihm nicht entgangen, dass Fridos Augen weit aufgerissen waren, und er über das gesamte Gesicht strahlte."

"Im Kings House Hotel, Sir, wenn es Ihnen nichts ausmacht, Sir!"

"Nun, das wird ein wenig teuer, mein lieber Mr. McClown, aber wenn Sie unbedingt möchten..."

"Versprochen, Sir?"

"Versprochen, mein lieber Mr. McClown! Ein Lord ein Wort!"

Fröhlich schnalzte der Butler mit der Zunge und zog leicht an den Zügeln. Das war das Signal für die Pferde, und sie trabten los. Bereits nach einer halben Stunde hatten sie Dunollie Castle weit hinter sich gelassen. Nachdem sie ein kurzes Stück durch Oban gefahren waren, bogen sie auf eine kleine Seitenstraße ab. Direkt links vor ihnen war nun Mc Caigs Turm, und sie folgten dem Verlauf des Weges durch das Glen Cruitten. Frido McClowns Laune war unbeschreiblich gut, er blickte sich zu seinen Beifahrern um und sah, wie Finnegan interessiert in die Landschaft schaute. Daneben saß der alte Lord, und auf seinem Schoß stand die Tasche mit den Hamstern, die sich aufgeregt unterhielten. 47 Meilen, umgerechnet 75 Kilometer, lagen nun noch vor ihnen bis zu ihrem ersten Ziel.