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Kapitel 28

Die Erleuchtung

In der malerischen Hafenstadt Oban herrschte strahlender Sonnenschein, als Frido McClown und Vim van der Slampe mit vollen Einkaufstüten bewaffnet den lokalen Supermarkt verließen. Sie legten die eingekauften Sachen in den Lkw und gingen weiter zum Fischmarkt am Hafen. Dort machten sie es sich auf einer Bank bequem und betrachteten das bunte Treiben.

"Was werden Sie als nächstes machen, Vim?", fragte der Butler, während er sich genüsslich reckte und streckte.

Der Holländer zuckte mit den Schultern. "Ich denke, meine Aufgabe hier ist jetzt mehr als erfüllt, und ich werde demnächst ganz gemütlich wieder Richtung Newcastle fahren. In 5 Tagen wird mein Schiff nach Amsterdam ablegen, und bis dahin werde ich mich ausruhen und die wunderschöne Gegend betrachten. Ein bisschen Geld habe ich ja noch". Sein Blick glitt hinüber zu einer Fischbude, an der lautstark Fische angepriesen wurden, dann sprach er mit leiser Stimme weiter: "Was hat denn die ganze Sache mit den Hamstern überhaupt auf sich, Frido?"

Nun zuckte der Butler mit den Schultern, kratzte sich am Kopf und entgegnete schließlich: "So ganz klar ist mir das auch nicht, aber diese kleinen Biester sind sehr anhänglich. Vielleicht hatten sie einfach nur Sehnsucht. Wenn wir zurück sind, werde ich mit ihnen sprechen. Ein wenig Hamstisch kann ich ja."

"Hamstisch?" Vim van der Slampe wäre fast von der Bank gefallen. "Das möchte ich sehen, Frido. Lassen Sie uns zurückfahren!"

Während die beiden langsam und gemütlich am Hafen vorbeischlenderten und keine Ahnung von den Dingen hatten, die sich zur gleichen Zeit im Schloss abspielten, war es im Schloss alles andere als gemütlich.

"Dudle, Sie unfähiger Schwachkopf, ich habe doch gesagt, Sie sollen vorsichtig sein, wenn Sie die Fenster zum Putzen öffnen! Sehen Sie mal, was Sie jetzt mit meinem schönen Schloss angerichtet haben!"

"A-aber Sir Schlepper, das war ich nicht, ehrlich nicht! Es hat 'Bumm' gemacht und die Wand war weg!"

"Ganz von alleine, wie, Dudle? Darüber werden wir noch sprechen! Los, holen Sie erstmal Handfeger und Schaufel aus der Küche!"

Finnegan McDudle machte, dass er zur Tür kam, öffnete sie, tat einen Schritt  und war mit einem gellenden Schrei verschwunden. Kopfschüttelnd ging Lord McShredder hinterher, und als er die Tür erreichte, sah er, dass die Treppe fehlte. Sein Blick wanderte über den Hof, und entsetzt musste er feststellen, dass die Mauern des Innenhofes verschwunden waren. Das Einzige, was von seinem Schloss noch stand, schien der Turm zu sein, in dem er sich befand. Ihm wurde schwindelig, und er zog sich so schnell er konnte ins Esszimmer zurück. Dort ließ er sich in seinen Sessel fallen. Im Hintergrund hörte er McDudle verzweifelt rufen, doch das war dem Lord im Moment völlig egal. Was war passiert? Hätte er vielleicht das Schloss doch rechtzeitig reparieren lassen sollen? War es womöglich ein Erdbeben? Zum Glück war niemandem etwas passiert. Dankbar dachte er daran, dass sein Vermögen in der Bank of Scotland in Sicherheit war. All die Schätze, die sie im Keller seines ehemaligen Schlosses von Killichonan gefunden hatten. Der unfähige McClown hatte Recht gehabt, musste jetzt der alte McShredder zugegeben; es war eine gute Idee gewesen, das gesamte Vermögen in Sicherheit zu bringen. Nun gut, vielleicht sollten sie jetzt alle wirklich in ein neues Zuhause umziehen. Etwas gefasster stand der Lord nun wieder auf und ging vorsichtig zur Tür. "McDudle, liegen Sie da nicht so faul herum! Irgendwo am Eingang muss eine lange Leiter herumliegen, also sehen Sie mal zu, dass Sie die finden!"

Ungeduldig beäugte er Finnegan McDudle, der sich humpelnd und jammernd über den Hof schleppte. Dann wandte er sich wieder seiner Pfeife zu, die auf dem Tisch lag und vor sich hin qualmte. Wie lange war dieser McClown schon fort? McShredder blickte auf die große Wanduhr, doch an der Wand hing nichts mehr, dafür lagen auf dem Fußboden die Einzelteile dessen, was einst eine große Wanduhr gewesen war. Wütend stand er wieder auf und brüllte:

"McDudle, sind Sie endlich fertig?"
"Ja!"
"Ja, was?"
"Ja, Sir!"

Kreischend wich McDudle dem Stuhl aus, den der Lord nach ihm geschleudert hatte, und brachte sich hinter einem Schutthaufen in Sicherheit.

"Wo ist die Leiter, McDudle? Ich habe gesagt, dass Sie die Leiter holen sollen!"

"Haben Sie nicht, Mister, Sie haben nur gesagt, ich soll sie finden!"

Ein erneutes Kreischen, gefolgt von einem klagenden Jammern, war in den Ruinen des ehrwürdigen Schloss Dunollie zu hören. Der alte Lord hatte besser gezielt, und diesmal  hatte Finnegan McDudle dem Stuhl nicht mehr ausweichen können. Ächzend erhob sich Finnegan und schleppte sich über den Hof in Richtung Eingangstor, als in diesem Moment der blaue Lastwagen des Holländers durch den Eingang des Schlosses geschossen kam. Schon aus der Ferne hatten Vim und Frido erkannt, dass in dem Schloss während ihrer Abwesenheit etwas Schlimmes vorgefallen sein musste. So schnell er nur konnte war der Lkw-Fahrer über die holperige, enge Zugangsstraße zum Schloss gerast und vollführte nun eine Vollbremsung vor Finnegan McDudle. Nur wenige Zentimeter vor dessen Brust blieb der Lkw stehen, McDudle verdrehte die Augen, sank rückwärts in den Schutthaufen und blieb besinnungslos vor Schreck liegen.

"Der hat sich wohl erstmal ausgedudelt, wie?" fragte van der Slampe, nachdem er aus dem Lastwagen gestiegen war und vor dem bewusstlosen Finnegan stand.

"Das wundert mich aber", entgegnete McClown. "ich hätte nicht gedacht, dass man auch ohne Gehirn bewusstlos werden kann."

"McDudel, wo bleibt die Leiter?" kreischte es in diesem Moment über ihren Köpfen.

Erschrocken, doch erleichtert zugleich, blickte McClown zum alten Lord hinauf und entgegnete: "Einen Moment, Sir, ich hole die Leiter." Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Mr. McDudle ist im Moment offensichtlich nicht dazu in der Lage."

Nach wenigen Minuten war die Leiter geholt und aufgestellt, und kurz darauf saßen die drei Männer schweigend am Esstisch. Es war der Holländer, der die Stille unterbrach. "Kann ich Ihnen noch irgendwie behilflich sein, meine Herren? Vielleicht möchten Sie lieber in eine nahe gelegene Bed and Breakfast-Unterkunft gefahren werden?"

"Wir haben ein Dach über dem Kopf", krächzte der Lord, "und eine wunderbare Aussicht aufs Meer. Vorräte haben wir auch genug. Warum um alles in der Welt sollten wir ausziehen?"

"Vielleicht, weil diese Ruine in den nächsten Tagen einstürzen könnte, Mylord?" grinste der Lkw-Fahrer und zwinkerte McClown verschwörerisch zu.

"Einstürzen? Wenn ich Käse kaufen will, dann frage ich einen Käselieferanten, und wenn ich eine Meinung über mein Schloss haben will, dann frage ich einen Architekten, mein lieber Mr. van der Slampe!" keifte McShredder.

"Er hat aber Recht, Sir", mischte sich nun der Butler ein. "Es ist gefährlich hierzubleiben."

"Schnickschnack, McClown. Es ist immer das Gleiche: Bei der allerkleinsten Schwierigkeit jammern Sie herum! Sehen Sie lieber zu, dass Sie das Abendessen vorbereiten, Vorräte haben Sie nun ja wohl genug!"

"Haben Sie schon einmal einen Blick auf den Nachbarturm geworfen, Sir? Ich meine den, wo sich die Küche befindet?"

"Zu meiner Zeit, McClown, brauchten wir solch einen überflüssigen Schickschnack wie Küche nicht. Ein einfaches Lagerfeuer war alles, was nötig war!"

"Leider, Sir, haben wir auch keinen überflüssigen Schickschnack wie Geschirr und Besteck mehr. Es liegt nämlich unter den Trümmern des Vorratsturms."

"Dann improvisieren Sie, McClown, lassen Sie sich etwas einfallen. Warum muss ich immer alles machen? Ohne mich klappt hier nichts!"

In diesem Moment kam eine völlig verstörte Gestalt die Leiter heraufgekrabbelt und setzte sich verlegen zu den Männern am Esstisch.

"Schön, dass Sie ihre Mittagspause beendet haben, McDudle", rief der Lord. "Es gibt einiges für zu zu reparieren! Sehen Sie zu, dass Sie bis zum Abendessen fertig sind!"

"Aber, aber, Mr. Lord, ich kann da wirklich nichts dafür. Ich habe doch nur ein Fenster geöffnet!"

"Unfachmännisch, McDudle, unfachmännisch und ungeschickt sind Sie vorgegangen! Wie ich schon sagte, sehen Sie zu, dass Sie bis zum Abendessen fertig werden. Wieviel Uhr haben Sie, McDudle?"

"Eine, Mister. Meine Frau sagt immer..."

Es folgte nun eine lange Diskussion, und nachdem Lord McShredder sich die Leiter hinunterbequemt hatte, war auch er überzeugt, dass ein weiterer Verbleib in Dunollie Castle eine unsichere Sache war. Der Vorratsturm war eingestürzt und auch das Nebengebäude war verwüstet. Der Hauptturm war an mehreren Stellen schwer beschädigt, und es war nur eine Frage der Zeit, wann die Decke herunterkommen würde. Der Lord fasste den Entschluss, gleich am nächsten Morgen nach Edinburgh zu reisen und genügend Geld zum Kauf eines neuen Schlosses von der Bank abzuheben. Vim van der Slampe hatte dem Lord angeboten, ihn und McClown mit dem Lastwagen in die schottische Hauptstadt zu fahren, doch McShredder hatte abgelehnt. Es sei eines Lords unwürdig, mit einem stinkenden Käsetransporter zu fahren, denn für einen Adeligen seiner Klasse käme nur ein Pferdegespann in Frage. Frido McClown war zwischendurch in seine Kammer gegangen und hatte einen Riesenschreck bekommen: Die Hamster waren verschwunden! Während er seine Sachen packte, überlegte er fieberhaft, wo die kleinen Nagetiere stecken könnten. Nicht auszudenken, wenn sie sich in der Vorratskammer auf Nahrungssuche befunden hatten! Er musste etwas unternehmen, und so kletterte er die Leiter hinunter in den Hof und sah sich um.  Nach kurzer Zeit hatte er den Hof erfolglos abgesucht, und sein Blick fiel auf das Ausgangstor. Ob die kleinen Tiere die Katastophe vielleicht geahnt hatten? Man erzählt ja soviel davon, dass Tiere Gefahren vorhersehen können. Bei Hamstern war sich McClown zwar nicht sicher, aber ihm war wohler bei dem Gedanken, zunächst einmal vor dem Schloss zu schauen, bevor er unter den Trümmern suchen musste. Eine halbe Stunde später hatte er die immer noch vor Angst zitternden Tiere vor der Gartenmauer des Schlosses gefunden. Überglücklich nahm er einen nach dem anderen auf den Arm.

"Welch ein Glück, dass euch nichts passiert ist! Bestimmt habt ihr das geahnt, dass da ein Erdbeben oder was auch immer kommen würde, ihr kleinen, klugen Tiere! Ich bringe euch jetzt in mein Zimmer zurück und morgen Früh sehen wir weiter." Der Butler hatte inzwischen die Leiter erreicht und stieg nun vorsichtig eine Sprosse nach der anderen hinauf. "Geschafft, meine kleinen Freunde", keuchte er nach der letzten Sprosse, "gleich seid ihr wieder zu Hause, und dann bringt euch Onkel Frido etwas zu essen und dann..."

"Mit wem sprechen Sie, McClown? Und was tragen Sie da in ihr Zimmer?"

Entsetzt blieb der Butler stehen und wagte nicht, sich umzudrehen. Mist, dachte er, der alte Knacker war ja immer noch im Esszimmer. Wenn Frido McClown die Hände frei gehabt hätte, dann hätte er sich selbst geohrfeigt, doch er hatte die Hände voller Hamster und somit nun auch ein Problem.

"Äh, nur alte Wäsche, Sir!"

"Sie sprechen mit alter Wäsche, McClown? Halten Sie mich für bescheuert?"

Die Würde eines Butlers verbot Frido McClown, auf diese Frage zu antworten, und er ging langsam weiter Richtung Zimmer.

"McClown", kreischte der Lord, "kommen Sie her, und stellen Sie das sofort hierher auf den Tisch!"

Der Butler blieb stehen. Was soll’s, dachte er, irgendwann wird er es ohnehin erfahren. Er drehte sich um, ging langsam zurück und setzte die Hamster auf den Esstisch vor den verblüfften Lord McShredder. Es herrschte totale Stille im Zimmer, während Lord und Hamster einander anblickten. Vim van der Slampe und Finnegan McDudle waren ebenfalls nähergekommen und schauten abwechselnd auf die Hamster, auf McClown und auf den Lord. Die Stille im Raum wurde nur durch ein Poltern gestört, als Lord McShredder die Pfeife aus dem Mund fiel. Dann hatte er sich wieder gefasst und krächzte: "Was ist das?"

"Das sind Hamster, Mr. Stecher, die haben wir mitgebracht!"

"Mitgebracht? McDudle, Sie haben die Hamster mitgebracht?"

"Äh, nein. ich eigentlich nicht, Lord Nuss, äh, das war Mr. Wanderlampe."

"Sie müssen irgendwo auf der Strecke nach Amsterdam heimlich zugestiegen sein, vermutlich sogar schon auf einem Rastplatz in Deutschland", erklärte der Lkw-Fahrer.

"Ein Rastplatz an der A9?" keuchte Frido McClown. "Dann sind sind die ganz aus Hamsterhausen gekommen! Sir, ist das nicht wunderbar? Diese lieben, treuen Tierchen..."

"Es ist nur merkwürdig, McClown, dass ich jedesmal ein neues Zuhause brauche, weil jedesmal mein Schloss in die Luft fliegt, wenn diese Tiere in der Nähe sind!"

"Zufall, Sir, reiner Zufall!"

Hätte der alte Lord in diesem Moment auf den Esstisch geguckt, dann hätte er gesehen, wie die Hamster zustimmend mit dem Kopf nickten. Doch er tat es nicht, sondern hob seine Pfeife vom Boden auf und blickte angestrengt auf die Stelle, an der noch vor kurzem eine Wanduhr gehangen hatte. "Also, McClown, Sie werden noch heute nach Ganavan laufen und zum Dunstaffnage Castle gehen. Dort werden Sie vom Baron MacToffee eine Pferdekutsche ausleihen."

"Sir, glauben Sie, dass er uns einfach so eine Kutsche ausleiht?"

"Natürlich, McClown, das muss er. Ein Lord ist etwas Höheres als ein Baron. Erklären Sie ihm, was passiert ist, und dass wir ihm die Kutsche zurückbringen werden."

Während der Butler zustimmend nickte, wanderte der Blick des Alten auf den Esstisch zu den Hamstern. Nachdenklich betrachtete er einen nach dem anderen, als sich blötzlich seine Augen weiteten und ihm erneut die Pfeife aus dem Mund fiel. Mit weit geöffneten Augen starrte er auf Flecki, die sich bereitmachte, notfalls durch einen Sprung vom Tisch zu flüchten. "Die Shu-Münze"1, krähte der Lord, "dieser Hamster hat die Shu-Münze um den Hals gebunden! Gib sie her, mein kleines Tier, komm, gib Papa McShredder die Münze!"

Gierig griff der Lord nach dem Tier, doch Goldi, der direkt neben Flecki stand, hatte die Situation sofort begriffen und biss ihm kräftig in die Hand. Mit einem Schmerzenschrei zog der Alte seine Hand zurück, während die Hamster in das Zimmer des Butlers flüchteten.

"Die Münze, McClown, ich will die Münze!" schrie der Alte während er sich die schmerzende Hand massierte. "Es ist die einzige Münze, die in meiner Sammlung fehlt! Sie ist ein Vermögen wert!"

"Sie sammeln Münzen, Mr. McShredder?" versuchte Vim van der Slampe, die Situation etwas zu beruhigen.

"Ja", stöhnte der Lord, "ich sammele Münzen. Ich bin Numismatiker."

"Das ist aber eine Überraschung, Mr. Killichonan", ließ sich nun McDudle vernehmen. "Ich dachte immer, Sie sind Schotte!"

"Klappe, McDudle", schimpfte der Butler. "Der Lord besitzt eine große Sammlung an Münzen, leider auch solche, die man ausgeben könnte. Sie sind alle im Tresor der Bank of Scotland von Edinburgh."

"Also, ich sammele auch Münzen, Mr. Lord, und meine Frau sagt immer, wenn ich weiter so schön das Geld von den Pfandflaschen sammele, dann..."

"Sir, ich schlage vor, wir lassen die Hamster vorläufig in Ruhe und geben ihnen etwas Futter. Ich werde nun nach Ganavan gehen und die Kutsche besorgen. Später werde ich versuchen, mit den Hamstern zu sprechen."

Der alte Lord nickte zustimmend und hob seine Pfeife vom Boden auf, während sein Butler etwas Brot und Käse aus den mitgebrachten Einkaufstüten holte und es den Hamstern brachte. Dann machte er sich auf den Weg zu dem einen Kilometer entfernten Schloss Dunstaffnage.

"Was wollte der alte Knacker denn mit der Münze?" fragte Bauleiter Murksel und sprach das aus, was alle Hamster im Moment beschäftigte.

"Geldgierig ist der", fauchte Flecki, "der gönnt einem armen Hamster nichts! Übrigens vielen Dank, dass du mich gerettet hast, Goldi!"

"Der tat ja so, als wenn das eine ganz besonders wertvolle Münze ist", rief Teeblättchen.

"Genau, wir sollten sie ihm verkaufen und mal wieder so richtig essen gehen, das würde bestimmt eine fette Nummer werden!"

"Du hast nichts als Fressen im Kopf, Goldi", grinste Flecki, "aber Teeblättchen hat recht. Die Münze von diesen japanischen Touristen scheint wertvoll zu sein."

"Vielleicht sollten wir die Münze verstecken, was meinst du, Bügermeister?" schlug Tuffi vor.

"Öhm, ja, also, da ist ja nun gewissermaßen recht viel passiert in der letzten Zeit. Erst haben wir das Dunollie Dings plattgemacht und nun ist der Lord hinter uns her. Mir schwirrt sozusagen der Kopf, vielleicht sollten wir eine Denkpause einlegen und etwas futtern."

Dieser endlich einmal brauchbare Vorschlag des Bürgermeisters wurde sofort angenommen, und alle stürzten sich auf das Futter. Nur Dodo schien noch zu überlegen.

"Öh, Bürgermeister?"

"Ja, Dodo?"

"Denkpause - heisst das nun: nicht mehr denken oder ausnahmsweise doch mal denken?"

Der Bürgermeister antwortete nicht, sondern starrte nur vor sich hin. Dodo wiederholte seine Frage, doch der Bürgermeister saß weiterhin steif und stumm, hielt ein Stück Brot in der Pfote und starrte ins Unendliche.

"Er macht wirklich 'ne Denkpause", stellte Goldi fest.

"Herr Bürgermeister, huhu, hier sind wir!" rief Dasie und winkte mit ihrer Pfote, doch es folgte keine Reaktion. Ratlos standen die Hamster um den Bürgermeister herum, der unbeweglich wie eine Statue nur dasaß und sich kein bisschen rührte. Mit einem breiten Grinsen trat Goldi hinter ihn und trat ihm kräftig auf den Schwanz. Nichts geschah, und nun begannen die Hamster, sich wirklich Sorgen zu machen. War das eine verspätete Schockreaktion auf die Explosion? War die gesamte Reise zu anstrengend für das Gehirn des Bürgermeisters gewesen? Was war los?

"Wir könnten ihn in kaltes Wasser schmeißen", schlug Hamstilidamst vor.

"Wir müssen behutsam vorgehen, Leute. Gehirnkrankheiten sind eine gefährliche Sache, sogar bei uns Hamstern. Am besten, wir lassen ihn in Ruhe!" entschied der Bauleiter und nahm das Fressen wieder auf. Minute um Minute verging, während die Hamster futterten, und der Bürgermeister starr vor sich hinblickte und sich nicht rührte. Draußen war das Wiehern von Pferden zu hören, und das konnte nur bedeuten, dass es Frido McClown gelungen war, in Ganavan eine Pferdekutsche aufzutreiben. Durch das Fenster war mittlerweile zu sehen, wie die Abendsonne im Meer verschwand, und der Tag langsam zu Ende ging. Die Hamster sprachen kein Wort, alle waren satt, doch ihre Stimmung war gedrückt. Scheinbar waren sie soeben Zeuge geworden, wie es ist, wenn ein hamstisches Gehirn stehenbleibt. Ratlosigkeit füllte den Raum und trübsinnig starrten alle vor sich hin.

"Öhm!"

Schlagartig warfen die Hamster ihre Köpfe herum und blickten in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war.

"Ich, äh, liebe Hamsterfreunde, ich freue mich, sagen zu können, die Lösung unserer Probleme präsentieren zu können. Nachdem ich soeben das Für und Wider kurz gegeneinander abgewogen habe, bin ich zu einer Entscheidung gekommen."

Der Bürgermeister lächelte und knabberte ein wenig an dem Brot, das er nach wie vor in der Pfote hielt. Da er von allen Seiten gebannt angestarrt wurde, hielt er es für notwendig, seine Lösung der Probleme ein wenig zu erläutern.

"Nun, äh, meine liebe Freunde, die Sache ist doch ganz einfach: Der Lord will die Dings, äh Münze und wir wollen den Lord. Wenn der Lord die Münze haben will, muss er zu uns nach Hamsterhausen kommen und für einen Tag das McShredder-Monster spielen!"