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Dunollie Castle

Kapitel 26

Ein freudiges Wiedersehen



Das ehrwürdige Schloss Dunollie, einstiger Sitz der MacDougalls, des Lord of Lourne, dem einst ein Drittel Schottlands gehörte, lag einsam in der Mittagssonne. Es lag auf einem recht hohen Hügel, von dem aus der Hafen von Oban gut zu überblicken war. Dieses Schloss hatte gewiss schon bessere Zeiten gesehen, und dass es sich nun in solch einem schlimmen Zustand befand, war einzig und allein die Schuld seines jetzigen Besitzers. Lord McShredder hasste unnötige Ausgaben, und wozu sollte er teures Geld für irgendwelche teuren Firmen ausgeben, nur um ein paar Steine auszuwechseln? Nein, denn wozu hatte er einen Diener, der konnte das schließlich genauso gut erledigen. Schließlich waren ja überall kostenlos Steine zu finden. Man musste nur die Augen aufmachen. Mit ein bisschen guten Willen...

"Mit einem bisschen guten Willen, mit einem bisschen guten Willen!" grölte Frido McClown nahm einen Stein und schleuderte ihn quer über den Hof des Schlosses. Mit einem 'Klack' setzte der Stein kurz auf dem Boden auf und flog scheppernd gegen das rostige Gitter der Eingangstür zum Hof. Quietschend öffnete sich die Tür, und McClown wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Wenn Sie jeden Tag drei Meter der Schlossmauer reparieren, so klangen ihm die Worte des Lords in den Ohren, dann sind Sie in fünf Monaten fertig. Davon, dass neue Steine herangeschleppt werden mussten, hatte der alte Sack nichts gesagt, dachte der Diener wütend. Statt dessen hatte der geizige Lord die Idee gehabt, den einzigen Hahn, den sie besaßen, zu verkaufen. Schließlich sei es für McClown ja wohl eine Kleinigkeit, das morgendliche Krähen zu übernehmen. Wenn doch bloß Lisa McGyer da wäre, dann würde sie ihm schon die Meinung sagen, doch leider befand sie sich zur Zeit im Kings House Hotel, um ihren Eltern während der Ferienzeit zu helfen. George war ebenfalls so schlau gewesen und war an den Loch Rannoch gefahren, um ein paar Freunde zu besuchen. Schon seit geraumer Zeit hatten sie den alten Lord immer wieder versucht zu überzeugen, das Schloss entweder zu renovieren oder sich etwas Anderes zu suchen. Jedes Mal hatte der alte Geizhals gekräht: "Solange mir das Dach nicht über dem Kopf zusammenbricht, bleiben wir hier!"    

Frido McClown schaute auf seine Armbanduhr. Kurz vor Eins, fluchte er. Zeit, sich um das Mittagessen zu kümmern, denn wenn der alte Sack sein Essen nicht pünktlich um 13.30 Uhr auf dem Tisch hatte, würde es Ärger geben. Schnell räumte er sein Arbeitsgeschirr zusammen und wollte sich gerade auf den Weg zur Küche begeben, als er innehielt und lauschte. In der Ferne war ein Motorengeräusch zu hören, und sein Herz klopfte höher. Das konnte nur George sein... oder vielleicht sogar Lisa! Aufgeregt lief er durch das offene Gittertor und sah nach rechts. In der Ferne war der Hafen von Oban zu erkennen, doch davor versperrten ihm ein paar Bäume die Sicht, und alles, was er erkennen konnte, war eine Staubwolke hinter den Bäumen. Ungeduldig wartete er, bis sich die Ursache dieser Staubwolke hinter der nächsten Kurve zu erkennen gab. Seine Enttäuschung war riesengroß, als er einen großen, blauen Lastwagen erkannte, doch im nächsten Moment stellte sich ihm die Frage: Was wollte ein Lastwagen in dieser einsamen Gegend? Er wartete, bis der Lastwagen direkt vor ihm stand. Die Sonne schien genau auf die Windschutzscheiben, so dass McClown nicht erkennen konnte, wer sich in dem Wagen befand. Dann wurde die Fahrertür geöffnet, er sah einen Mann aussteigen und auf sich zukommen. Der Mann wirkte erschöpft und müde, und als er schließlich vor ihm stand, erkannte Frido, dass dieser Mann die Hölle hinter sich haben musste.

"Guten Tag, Sir, "begann der Mann mit matter Stimme, "ich suche den König vom Loch Ness."

McClown trat vorsichtig einen Schritt zurück. Was war das für ein Wahnsinniger? Was wollte der hier? Fieberhaft überlegte Frido, wie man sich in solch einem Falle am besten zu verhalten habe. Ruhig, genau, nur ruhig bleiben und ihn nicht reizen.

"Ihnen auch guten Tag, Sir. Äh, den König vom Loch Ness suchen Sie? Den, äh, den finden wir ganz bestimmt!"

"Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie mir damit helfen", stöhnte der Lkw-Fahrer und setzte sich auf einen Felsbrocken, der am Rande des staubigen Weges lag. "Durch ganz Schottland haben mich diese kleinen Biester gescheucht. Ich kann einfach nicht mehr!"

"Natürlich, aber natürlich, es wird alles gut", beruhigte ihn McClown, doch langsam kam Panik in ihm auf. Er versuchte, sich zu erinnern, was er jemals über Wahnsinnige gehört oder gelesen hatte. Er erinnerte sich an die Begebenheit in Gortenfern, als die Küche geschlossen war, und er selbst einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte. Damals hatte er die Küchentür mit einem Barhocker zertrümmert, doch das war etwas Anderes gewesen. Damals hatte er tagelang nichts zu essen bekommen und war vor Hunger durchgedreht. Natürlich war da noch der kleine Zwischenfall in Sanna Bay, als der Lord vor ihm in eine Telefonzelle flüchten musste. Möglicherweise waren ihm die Nerven wegen McShredder und seinem Gemecker ein klein wenig durchgegangen. Doch wer oder was war dieser Mann? Frido warf einen Blick auf das Nummerschild des Lastwagens.

"Sie kommen aus Holland, Sir?"

Der Lkw-Fahrer nickte schwach. "Vim van der Slampe, ich liefere Holländischen Käse nach Edinburgh."

"McClown, Frido McClown. Edinburgh, Sir? Sie sind ein wenig vom Weg abgekommen, oder?"

"Ja, Mr. McClown. Erst wollten sie nach Oben und ich habe sie ganz nach oben gebracht. Dann fiel ihnen ein, dass sie nach Oban und nicht nach Oben wollten. Scheinbar gehören sie dem König, und den suchen wir jetzt."

Dem Butler schwirrte der Kopf. Käse, Oban und König, große Güte, war dieser Holländer durchgeknallt. Wenn doch bloß Lord McShredder käme. Vorsichtig schaute McClown auf seine Uhr: 13.25 Uhr war es nun, und spätestens in 5 Minuten würde der Lord feststellen, dass das Essen noch nicht fertig war. Nein, der Lord durfte diesen Irren nicht treffen, denn womöglich würde er ihn reizen und es käme zum Blutvergießen. Dieser Verrückte musste schnellstens verschwinden, bevor der Lord kam!

"Ich habe eine Idee, mein lieber Mr. van der Slampe", flötete Frido. "In Oban werden Sie sicherlich herausfinden können, wo dieser König wohnt. Ich kann Ihnen den Weg zur Polizei beschreiben und..."

"Keine Polizei", stöhnte van der Slampe, "nicht schon wieder!"

McClown erschrak und er spürte, wie ihm der Schweiß herunterlief. Wurde dieser Irre womöglich von der Polizei gesucht? Warum sonst hatte er Angst vor der Polizei?

"Nun, Sir, dann würde ich im Rathaus fragen. Mögen Sie dorthin fahren?"

Der Holländer nickte.

"Gut", atmete der Butler tief auf. "Haben Sie eine Autokarte, damit ich Ihnen den Weg zeigen kann?"

Wieder nickte der Lkw-Fahrer, und gemeinsam gingen sie zum Lastwagen. In diesem Moment ertönte eine laute, blecherne Stimme hinter ihnen, und die beiden Männer blieben vor Schreck kurz vor dem Lastwagen stehen.

"McClown, Sie nichtsnutziger Geselle, wo bleibt mein Essen? Was ist das für eine Mistkarre, die unsere Einfahrt blockiert? Schaffen Sie den Schrott weg und dann bringen Sie endlich mein Essen!"

Der Angesprochene drehte sich um und erblickte den Lord, der im Turm des Schlosses stand und, aus dem Fester gelehnt, wütend mit den Händen fuchtelte.

"Einen Moment, euer Lordschaft. Der Mann hat sich nur verfahren. Ihr Essen kommt in wenigen Minuten", grölte McClown und fluchte leise: "Alter Sack!"

Sie gingen weiter, und als sie den blauen Lkw erreicht hatten, öffnete Vim die Fahrertür und rief: "McDudle, geben Sie mir bitte mal den Autoatlas!"

"Ich habe nichts gemacht, Mr. Pamp den Tampen! Ich bin unschuldig!" kreischte es aus dem Wagen.

Frido McClown fiel vor Schreck fast das Herz in die Hose. Noch so ein Irrer! Er warf vorsichtig einen Blick in die Fahrerkabine und traute seinen Augen nicht. Als erstes fielen ihm die kleinen Tiere auf dem erhöhten hinteren Teil der Kabine auf. Das waren Hamster! Dann fiel sein Blick auf den Beifahrer und ihm wurde alles klar.

"Hier, die Straßenkarte, Mr. McClown!"

Der Butler nahm den schweren Atlas und warf ihn vor den verblüfften Augen des Fahrers in die Kabine zurück. Ein lautes Aufheulen ließ darauf schließen, dass er Finnegan getroffen hatte.

"Ich hätte es wissen müssen, Mr. van der Slampe. Wer so zugerichtet und so fertig aussieht, der kann nur auf die Hamster getroffen sein. Ach ja, und auf Mr. McDudle natürlich. War es schlimm?"

Der Holländer nickte. "Grausam, Mr. McClown. Sie kennen meine Beifahrer?"

"Recht gut, die Hamster kenne ich sozusagen sehr gut. Aber was um alles  in der Welt wollen die hier? Es muss einen Grund dafür geben, mein lieber Vim, und am besten kommen Sie erst einmal herein, dann werden wir..."

"McClown, ich verhungere! Schmeißen Sie diesen Mistkerl mit seiner Dreckskarre endlich raus, und bringen Sie mir mein Essen!""

"Euer Lordschaft", brüllte der Butler zurück, "wir haben Besuch bekommen. Ich werde ein paar Gedecke mehr aufstellen!"

"Besuch?" brüllte McShredder zurück. "Was erlauben Sie sich, hier irgendwelche Bettler einzuladen? Wer soll das denn bezahlen?"

"Alles in Ordnung, mein lieber Vim. Sie sind somit herzlich zum Essen bei Lord McShredder eingeladen!"

"Und was ist mit meinen Mitfahrern?"

"Kein Problem, die kommen mit", entgegnete Frido McClown dem verblüfften Lkw-Fahrer. Dann lief er zur geöffneten Beifahrertür und rief in die Kabine hinein: "Alles aussteigen bitte!"

Wenige Sekunden später hatte Frido McClown zwölf kleine, fröhlich fiepende Hamster auf dem Arm, die er einen nach dem anderen vorsichtig an sich drückte und knuddelte. Daneben stand ein verlegen guckender Finnegan McDudle, der angestrengt nachzudenken schien, wo er diesem Mann schon einmal begegnet war, denn dieser Mann hatte ihn mit seinem Namen angeredet. Daraus hatte McDudle nach längerem Überlegen geschlossen, dass er ihm schon einmal begegnet war. Finnegan beschloss,  es unauffällig herauszufinden.

"Mister, äh, haben wir schon mal in Polloch gemeinsam ein Fass geleert und Hühner geklaut?"

"Haben wir nicht", entgegnete Frido und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Tja, äh, Mister, wie war noch ihr Name?"

"McClown, nach wie vor Frido McClown."

"Natürlich, natürlich, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich vergesse nie einen Namen, fragen Sie Mr. Fransentante, der bestätigt Ihnen das gerne. Mr. Fransentante, das ist der Mann, von dem ich Ihnen erzählt habe!" wandte sich McDudle stolz an den Lkw-Fahrer.

Vim van der Slampe erhob sich langsam von dem Felsen, auf dem er gesessen hatte und ging auf Finnegan zu. "So, mein kleines Vergissmeinnicht, jetzt erzählst du dem Onkel Frido genau das, was du mir erzählt hast!"

"Tja, äh, wie soll ich sagen, Mister, da ist schon recht lange her..."

"Viele lange Monate", warf McClown grinsend ein.

"Tja, und, ich habe diesen Mister und den, äh, die Hoheit vom Loch Ness geführt..."

"Den König vom Loch Ness!" rief van der Slampe.

"Der war nie ein König und wird nie ein König sein", erklärte der Butler. "Es gibt kein Land, dem es so schlecht ginge, als dass es so etwas als König braucht. Er heißt Lord McShredder von Schloss Killichonan, das inzwischen eine Ruine ist. Das Schloss Killichonan hat er bekommen, weil er angeblich das Monster aus dem Loch Ness vertrieben hat."

"Und?" keuchte der Lkw-Fahrer mit weit geöffnetem Mund.

"Immerhin ist es möglich", fuhr McClown lachend fort, "dass sich das Monster ganz einfach in McShredder verwandelt hat."

"McClown, Sie nachlässiger Idiot, wo bleiben Sie?" ertönte in diesem Moment eine keifende Stimme aus dem Turm.

"Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass Monster im allgemeinen so unhöflich sind", ergänzte Frido McClown. "Wie auch immer, wir sollten jetzt ins Schloss gehen und Sie dem Lord vorstellen. Er wird entzückt sein, Mr. McDudle wiederzutreffen.”

Während nun der Butler mit den Hamstern im Arm vorweg ging, folgten Vim van der Slampe und als letzter Finnegan McDudle, der sich ängstlich umsah und dem überhaupt nicht wohl zumute war. Langsam dämmerte ihm, dass der alte Lord wohl noch immer keine allzu gute Meinung über ihn haben würde. Nach wenigen Schritten hatten sie die rostige Gittertür erreicht, und Frido McClown öffnete sie mit einem gezielten Fußtritt. Es schepperte laut, die Tür flog aus den Angeln und krachte auf die Kopfsteinpflaster des Hofs.

"Willkommen auf Dunollie Castle", rief er, "dem Sitz der MacDougalls, des Lord of Lourne, die einst ein Drittel Schottlands besaßen und dem heutigen Sitz von Lord McShredder, der kaum Land, aber eine gewaltige Unverfrorenheit und eine Menge Geiz besitzt."

Unter einem Torbogen hindurch ging es weiter auf einen kleinen, eckigen Innenhof. In Laufrichtung waren zwei Türme, die jeweils eine der Ecken des Innenhofes bildeten. Mehrere Türen und Fenster waren zu sehen, und es fiel sofort auf, dass hier eine gründliche Überholung von Tür- und Fensterrahmen erforderlich war.

"Es ist schade," überlegte van der Slampe laut, "dass all diese schönen Gebäude verfallen, nur weil kein Geld da ist."

"Geld ist genug da", knurrte der Butler, "der alte Sack ist nur zu geizig."

Nachdem sie durch die Eingangstür des linken Turms eingetreten waren, ging es über eine recht steile, steinerne Rundtreppe nach oben. Schwer atmend erreichten sie eine weitere Tür aus Holz, die mit schweren Eisenbeschlägen versehen war. Knarrend ging sie auf und Frido McClown zeigte auf einen Tisch, neben dem sich mehrere Stühle befanden.

"Bitte machen Sie es sich bequem, meine Herren. Ich werde mich um das Essen und Trinken kümmern!"

Mit den Hamstern im Arm verließ McClown das Zimmer durch eine Seitentür und ließ die beiden Männer allein. Er betrat einen gemütlich aussehenden Raum und setzte die Hamster auf einen Tisch, der neben einem Fenster stand. Er warf einen kurzen Blick aus dem Fenster und sah in der Ferne den Hafen von Oban. Eigentlich konnte er sich über die Aussicht nicht beschweren, doch so ganz ohne Hintergedanken hatte ihm der alte Lord das Zimmer mit Blick aufs Wasser nicht überlassen. Schließlich befand es sich direkt unter dem Zimmer von McShredder, sodass der Butler einen recht kurzen Weg hatte, um die diversen Wünsche seines Herrn zu erfüllen. McClown nahm eine Decke und legte sie auf einen gepolsterten Sessel, dann nahm er die Hamster und legte sie dort hinein.

"So, meine lieben Freunde",  sprach er, "bestimmt seid ihr kleinen Nachttiere völlig erschöpft von dieser anstrengenden Tagesreise. Ich werde mich jetzt erstmal um unsere Gäste und den Lord kümmern, wir sehen uns später."

Er nahm einen Apfel aus einer Schale, die sich auf einer schäbigen Kommode befand, und legte ihn zu den Hamster.

"So, das müsste reichen." Dann verließ er das Schlafzimmer.

"Ich fasse es nicht, ich fasse es echt nicht", rief Goldi, " das war der olle McClown! Unser Futter ist gerettet. Wie ich schon immer gepflegt gesagt habe, meine lieben Hamster", äffte er den Bürgermeister nach, "sind wir einsam zu der Überzeugung im allgemeinen gekommen...."

"Hör auf, Goldi", gackerte Flecki, "ich mache mir sonst ins Fell!"

"Öhm, und nun? Fahren wir jetzt wieder nach Hause?" fragte Dodo.

"Nö, bloß nicht, sonst müssen wir doch wieder in die doofe Schule", rief Hamstilidamst. "Ich habe echt keinen Bock auf Bio und Mathe!"

"Mathe und Bio sind doch eierleicht", sagte Goldi, der gerade von dem Apfel probierte. "Mathe ist doch total logisch."

"Logisch? Mathe ist logisch?" keifte Flecki. "Mathe ist unlogischer Blödsinn, Goldi! Stell dir mal vor, zwei Leute gehen in ein leeres Haus, eine Weile später kommen drei Leute wieder heraus. Was sagt dann so ein bekloppter Mathematiker? Der sagt: wenn jetzt noch einer reingeht, ist das Haus wieder leer."

"Wir hatten auch mal so eine bescheuerte Aufgabe", rief Teeblättchen. "Der Briefträger läuft 12 km/h und der Dackel 16 km/h, die Entfernung beträgt 50m. Wann überholt der Dackel den Briefträger? Das Problem sollten wir zeichnerisch lösen, hat die Lehrerin gesagt."

"Und", fragte Goldi kauend, "Hast du das gewusst?"

"Nö", knurrte Teeblättchen. "Die Lehrerin hat mir eine 5 gegeben, weil ich geschrieben hatte, dass ich keinen Dackel zeichnen kann..."

"Wenn ihr dann fertig mit eurem Schulkram seid, könnten wir vielleicht mal überlegen, was wir nun machen", knurrte Bauleiter Murksel und warf einen bösen Seitenblick auf den Bürgermeister, der auf der Fensterbank saß und den Hafen von Oban bewunderte.

"Öh, ja, wir sind nun hier und das ist doch großartig, meine lieben Hamster. Wir haben es sozusagen gewissermaßen geschafft, wenn ich es einmal so formulieren darf, und ich bin stolz darauf..."

"Ja, ja, ist ja gut, aber was nun?"

"Nun, meine liebe Flecki, selbstverständlich werden wir auch dafür eine Lösung finden. Ich, äh, bin offen für Ratschläge. Ja, Goldi?"

"Wir schnappen den alten Sack, klauen den Lkw und düsen zurück!"

"Wir bieten ihm ganz viele Sonnenblumenkerne!"

"Wir hauen ihn k.o. und packen ihn in den Lastwagen und lassen ihn vom Lkw-Fahrer einfach mitnehmen!"

"Wir überreden McClown, dass er uns hilft!"

"Wir drohen ihm, sein Schloss kurz und klein zu hauen, wenn er nicht mitkommt!"

Alle Hamster schrien aufgeregt durcheinander, und jeder hatte so seine eigenen Vorstellungen, wie das Problem gelöst werden konnte. Nach einer ergebnislosen Stunde wurde beschlossen, ein Kompetenz-Team zu bilden, doch bei der namentlichen Zusammensetzung kam es zu den ersten Prügeleien. Nach einer weiteren Stunde wurde endlich ein gemeinsamer, einstimmiger Entschluss verabschiedet: abwarten.

Erschöpft krabbelten die Hamster in die Decke auf dem gepolsterten Sessel und hielten ihren verspäteten Mittagsschlaf.