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Kapitel 25

Mull

"Krrrchhhh".

"McDudle, hören Sie endlich auf mit ihrem grässlichen Geschnarche, das hält ja kein Mensch aus!"

"Wie, oh, guten Morgen, Mister, äh, wie war noch ihr Name?"

"Taschenlampe!"

"Richtig, van der Schlampe, jetzt fällt es mir wieder ein. Mein Frau sagt nämlich immer, ich hätte ein gutes Gedächtnis, wissen Sie? Und wissen Sie, was meine Frau dann gesagt hat?"

"Ich brenne drauf, es zu erfahren!"

"Nein, was ganz Anderes: meine Frau sagt dann immer, ich müsse mein Gehirn nur mal anschalten, ha, ha. Ist das nicht lustig Mr. an der Kante? Dabei kann ich mein Gehirn gar nicht anschalten, das hat doch keinen Schalter!"

"Stimmt", knurrte der Lkw-Fahrer, "wo nichts ist, braucht man auch keinen Schalter."

Van der Slampe stand auf, ging zu dem kleinen Fenster und schaute hinaus. Die Sonne war zwar aufgegangen, stand aber noch hinter hohen Bergen. Neben dem Kamin schliefen fast alle Hamster tief und fest. Nur eines der Tierchen war bereits wach und suchte nach Resten von Essbarem des Vortages. Hektisch sah Vim sich um und konnte zu seiner großen Erleichterung keine unmittelbaren Schäden im Raum feststellen. Er fühlte sich endlich mal wieder ein bisschen ausgeschlafen, lediglich sein Rücken schmerzte ein wenig von dem nächtlichen Liegen auf dem harten Boden. Es klopfte an der Tür, und der Hausbesitzer trat ein.

"Guten Morgen, die Herren! Ich habe gehört, dass Sie schon wach sind. Haben Sie gut geschlafen?"

Die beiden nickten stumm, und Dylan McCollins fuhr lächelnd fort: "Was möchten Sie frühstücken, meine Herren? Gebratene Eier oder Porridge? Tee oder Kaffee?"

Wenig später saßen alle beim Frühstück zusammen, und dem Lkw-Fahrer kam es vor, als hätte er seit Ewigkeiten nicht mehr so ein gutes Frühstück gehabt.

"Wenn ich das richtig verstanden habe, werden wir unseren Wagen wenden müssen, oder?"

"Allerdings", entgegnete Dylan und schenkte sich etwas Tee nach. "Am besten fahrt ihr ein Stückchen weiter über die Brücke und wendet dort. Das ist auch die einzige Stelle, an der unser Postbus wenden kann."

"Gut", nickte van der Slampe, "dann werde ich dort den Lkw wenden."

"Lkw? Ich fürchte", mischte sich nun Judy McCollins ein, "ihr werdet ein wenig Probleme haben, euren Lastwagen zu wenden. Selbst der Postbus schafft das nur mühsam."

"McDudle, was sagen Sie dazu?"

"Ich, Mr. Sonderpampe? Wieso ich? Nehmen Sie bitte ihre Gabel weg, ich kann doch nichts für die engen Straßen hier!"

"Sie sollten weiter nach Lochaline fahren, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf. Entweder wenden Sie dort, oder Sie nehmen die Fähre nach Oban."

"Eine Fähre?" fragte van der Slampe begeistert. "Eine Fähre nach Oban?"

"Ja, Mr. Wampe, das ist ein Boot, wenn ich Ihnen das mal erklären soll..."

"McDudle, ich weiß, was eine Fähre ist!" Während er mit einer Hand Finnegan McDudle würgte, wandte sich der Lkw-Fahrer wieder Mrs. Collins zu. "Ist es denn weit bis nach Lochaline?"

"Nur wenige Meilen, mein lieber Mr. van der Slampe. Es ist eine wunderschöne Fahrt. Sie müssen allerdings auf Mull umsteigen. Haben Sie eine Karte dabei?"

"Zum Glück sogar eine sehr dicke", grinste der Fahrer und ließ den röchelnden McDudle los.

Die Hamster lauschten schon eine geraume Zeit dieser interessanten Unterhaltung. Auch sie hatten Frühstück erhalten und ließen es sich schmecken.

"Schon wieder Fähre?" ließ sich Flecki vernehmen. "Hoffentlich sind da nicht wieder so nervöse Passagiere an Bord wie letztes Mal".

"Nun, äh, ich denke, wir Hamster sollten auch gewissermaßen darüber nachdenken, ob es nicht erwägenswert wäre, bei uns einen Fährdienst einzurichten, wie, mein lieber Murksel?"

"In Hamsterhausen? Bürgermeister, wie haben da nur den Dorfteich, sonst ist da kein Wasser!"

"Öhm, nun, mein lieber Murksel, dann wird ja wohl eine kleine Fähre genügen, nicht wahr?"

"Bei kleinen Dingen kann er auch keine großen Katastrophen anrichten", lästerte Flecki und Goldi grölte sofort los: "Doch, kann er. Neulich sollte er bei Dodo die Haustürklingel reparieren, weil die kaputt war."

"Richtig", brummte Dodo, "aber er ist nie erschienen."

"Genau", lachte Goldi. "Weil er eine Stunde an der Tür geklingelt und keiner aufgemacht hat!"

Während bei den Hamstern - bis auf wenige Ausnahmen - allerbeste Laune herrschte, verabschiedeten sich Vim van der Slampe und Finnegan McDudle von ihren netten Gastgebern. Kurz darauf stand die Reisegesellschaft wieder vor dem Lastwagen.

"McDudle, wir sollten erst einen Blick auf die Karte werfen, holen Sie doch bitte mal den Atlas von meinem Sitz."

Glücklich, endlich einmal etwas zu dem Gelingen der Reise betragen zu können, ging Finnegan mit schnellen Schritten auf die Fahrertür zu. Es platschte laut, ein Gurgeln war zu hören, und dann war alles still. Ein lautes Blubbern und erneutes Gurgeln ertönte kurz darauf. Dann war etwas Schwarzes, Schlammiges zu erkennen, das sich am Türschweller des Lkws festklammerte.

"Sie wollen doch wohl nicht dermaßen verdreckt in meinen Lkw einsteigen, wie? Sie haben ja gehört, dass wir gleich an eine Brücke kommen. Dort können Sie sich waschen."

Fröhlich pfeifend stieg Vim über die Beifahrerseite in den Lastwagen und setzte die Hamster wieder in die Schlafkoje. Dann rutschte er hinters Steuer und fuhr langsam hinter einem schimpfenden Schlammonster her. Nach 200 Metern hatten sie die Brücke erreicht, und während der eine sich in dem kalten, klaren Wasser säuberte, studierte der andere die Karte. Die Hamster hatten sich wieder zum Ausruhen hingelegt und bekamen nicht mit, dass der Wagen sich nach kurzer Zeit wieder in Bewegung setzte.

Der kleine Ort Lochaline, der zwischen zwei Lochs an der Südspitze der Halbinsel Morvern liegt, begrüßte sie mit Sonnenschein. Die Straße schien direkt aufs Wasser zu führen, machte jedoch kurz vor dem 'Sound of Mull' einen Schlenker zur linken Seite und führte unmittelbar auf die Fähre zu. Vorsichtig steuerte Vim van der Slampe den schweren Lkw über eine abwärts führende, schmale Rampe auf das kleine Fährschiff. Er atmete tief durch, nachdem er das lange Gefährt sicher zum Stehen gebracht hatte und kurbelte sein Seitenfenster herunter, denn sofort näherte sich jemand vom Schiffspersonal.

"Wie lang ist ihr Truck, Sir?"

"8,60 Meter!" antwortete der Holländer ruhig.

"Da haben Sie Glück, Sir. Ab 10 Meter Länge kostet das 21,80 Pfund für eine einfache Fahrt. Unter 10 Metern zahlen Sie 16,35 Pfund."

"Und was kosten die Insassen?" knurrte der Lkw-Fahrer und überlegte, ob Finnegan McDudle wohl schwimmen könnte.

"Fußgänger und Insassen sind kostenlos, Sir. Sie können ruhig im Wagen bleiben, wir legen jetzt ab und werden in 15 Minuten in Fishnish sein."

Van der Slampe schaute sich um. Sein Lkw war das einzige Fahrzeug auf der Fähre, ansonsten waren nur ein paar Fußgänger, offensichtlich Einwohner des kleinen Städtchens Lochaline, auf der Fähre. Eine recht alte Frau, die sich auf einen Stock stützte, stand vor dem Lkw und betrachtete ihn andächtig.

"Na, Oma", lachte van der Slampe, "nicht schlecht, der Lastwagen, wie?"

Die alte Frau nickte schwerfällig, und der der Lkw-Fahrer sprach sie erneut an: "Ein bisschen frische Luft schnappen, was, Oma?"

"Nee, junger Mann", kam die Antwort, "zum Markt auf die andere Seite und Fische klauen!"

In diesem Moment drosselte die Fähre die Geschwindigkeit, und sie näherten sich dem Anlieger von Fishnish. Eine Bilderbuchlandschaft von hohen Bergen, Mischwald und mächtigen Felsen tat sich vor ihnen auf. Wenig später hatten sie angelegt, und vorsichtig lenkte der Fahrer den Lastwagen über einen schmalen, recht steil nach links führenden Weg. Kurz darauf kamen sie an eine etwas größere Straße und folgten dem Schild, das nach Craignure wies. Sie passierten eine einsame Straße, zur Rechten sahen sie Berge und zur Linken Wasser und Strand. Nach 20 Minuten Fahrzeit hatten sie ihr nächstes Ziel erreicht. Sie überquerten Eisenbahngeleise, ohne auch nur zu ahnen, dass es sich an dieser Stelle um die einzige Eisenbahnstrecke auf  einer schottischen Insel handelte. Einige Kilometer entfernt war das Torosay Castle zu sehen, zu dem eine kleine Lokomotive die 4 Kilometer lange Strecke täglich hin- und zurückfuhr. Sie passierten einen kleinen Lebensmittelladen und Vim van der Slampe parkte den Lastwagen auf einem kiesbedeckten Parkplatz. Er stieg aus und lief zu einer Tafel, auf der die An- und Abfahrtzeiten der Fähre nach Oban eingetragen waren.

"Um 11.00 Uhr geht die nächste Fähre nach Oban, McDudle. Ich werde in dem Lebensmittelgeschäft etwas zu essen besorgen. Wenn jemand wegen der Fahrkarten kommt, sagen Sie, dass ich gleich zurück bin, verstanden?"

Finnegan McDudle nickte und starrte auf den spiegelglatten Sound of Mull. In der Ferne war eine große, rot-weiße Fähre zu erkennen, die sich langsam näherte. Dann öffnete sich die Fahrertür und mit einer großen Einkaufstüte beladen stieg Vim ein.

 "Ist jemand gekommen?"
"Ja."
"Wer?"
"Sie, Mister."
"Nein, McDudle, ich meine, ob jemand hier war?"
"Ja."
"Wer?"
"Ich, Mister."

Angewidert wandte sich van der Slampe dem Inhalt der Einkaufstüte zu. Er holte ein paar belegte Brote heraus, gab seinem Beifahrer eines und biss herzhaft in das andere. Er hatte den ersten Bissen noch nicht heruntergeschluckt, da fiel sein Blick auf das Armaturenbrett.

"Ist ja gut, ist ja gut", grummelte der Fahrer, griff erneut in die Tüte und legte den Hamstern 2 Brötchen und ein paar Wurzeln hin. Während sich die Tierchen mit dem ersehnten Futter zurückzogen, näherte sich eine junge, uniformierte Frau dem Lastwagen.

"Nach Oban, Sir?"

"Ja, und der Lkw ist unter 10 Meter lang, meine Dame!" grinste van der Slampe.

"Weniger als 8?" kam die nächste Frage der Frau.

"8,60 Meter".

"Dann kostet es Sie 47,70 Pfund - bis 8 Meter wären es nur 36 Pfund!"

Zähneknirschend zog er ein Geldbündel aus seiner Hosentasche, zahlte und erhielt eine Fahrkarte. Da die Fähre inzwischen angelegt und die Einstiegsluken heruntergeklappt hatte, ließ er den Motor an und fuhr den Lastwagen langsam auf das Schiff. Er stellte den Motor ab und beobachtete das Ablegemanöver. Dann wandte er sich Finnegan zu.

"Sagen Sie mal, McDudle, haben Sie sich schon überlegt, wie Sie wieder nach Hause kommen werden?"

Der Angesprochene überlegte angestrengt. Ja, wie sollte er wieder zurück nach Acharacle oder Dalelia kommen? Was aber noch wichtiger war: Durfte er sich schon wieder blicken lassen? Eher nicht, beschloss er, es war noch zu früh. Sein Plan war es, sich mit einem Schild bewaffnet an die Straße zu stellen. Auf dem Schild sollte stehen "Findiger Pfadfinder zeigt Ihnen den Weg" oder so ähnlich. Allerdings müsste er vorher noch jemanden finden, der ihm den Text fehlerfrei aufschreiben würde.

"So richtig noch nicht, Mr. äh, Lampe..."

"Slampe, Mann!"

"Äh, ja", stotterte Finnegan McDudle. "Ansonsten vergesse ich nie einen Namen, müssen Sie wissen, Mr. Lampenmann, das liegt bestimmt an der Seeluft. Die ist nämlich unberechenbar, wissen Sie? Mal weht sie dahin und dann wieder dorthin. Es ist schwierig, sich darauf einzustellen, Mister."

Der Lkw-Fahrer stöhnte und stieg aus dem Wagen. Gefolgt von seinem Begleiter und Wegführer stieg er über eine Treppe auf ein höher gelegenes Deck, wo ihm ein Schild mitteilte, dass ihr Schiff, die "Isle of Mull", 80 Wagen und bis zu 972 Passagieren Platz bot. Er war froh, dass die Fähre heute recht leer war und betrachtete an die Reling gelehnt, wie Mull in der Ferne immer kleiner wurde. Zu ihrer Backbordseite tauchte nun Ladys Rock, ein einsamer Leuchtturm auf. Vim van der Slampe dachte daran, dass sie nun bald in Oban und somit am Ziel ihrer Reise waren.

"McDudle, haben Sie eine Ahnung, was die Hamster in Oban wollen?"

"Tja, Mister, das ist schwer zu sagen, ich meine, als Hamster hätte ich da vielleicht meine Gründe, aber ansonsten..."

"Jedenfalls sind es keine gewöhnlichen Hamster, mein lieber Finnegan."

"Tja, äh, mein lieber Sim", begann McDudle und ignorierte den verärgerten Blick des Fahrers, "die sind mir auch schon mal über den Weg gelaufen, glaube ich."

"Wie? Wo?"

"Öhm, da muss ich mal  nachdenken, Mister, meine Frau sagt immer..."

"Wo haben Sie diese Hamster schon mal gesehen, McDudle?" rief Vim van der Slampe aufgeregt.

"Lassen Sie mich mal scharf überlegen, Mister," antwortete Finnegan und versank in stummes Nachdenken.

"Nun?" fragte der Lkw-Fahrer nach zehn schweigsamen Minuten.

"Ich hab’s gleich, Mr. Wunderkrampe, ja, es war, als ich Führer und Berater des Königs vom Loch Ness war. Ich glaube, diese Tiere gehören ihm."

"Königliche Tiere?" Vim van der Slampe war wie vor den Kopf geschlagen. Hamster als königliche Tiere, war das möglich? Andererseits, wenn dieser komische König jemanden wie Finnegan McDudle als Berater hatte, dann konnte der nicht ganz dicht sein, und dann war alles möglich. Eines war jedoch sicher: Diesen Tieren durfte nichts passieren, und er sollte sich besser gut mit ihnen stellen. Am besten, er würde gleich anfangen und ihnen etwas zu fressen bringen.

"Lassen Sie uns wieder nach Drinnen gehen", schlug er seinem Mitfahrer vor.

"Warum, Mister? Drinnen ist es genauso wie draußen, nur anders."

Van der Slampe schien diese Worte nicht gehört zu haben sondern stieg die nach unten führende Treppe hinab, bis er das untere Deck erreicht hatte. Als er den Lkw bestieg, sah er einen der Hamster zwischen den Vorhängen der Schlafkoje hervorgucken und rief ihm zu: "Einen kleinen Moment, mein edles Tier, das Futter kommt sofort!"

Zufrieden sah er zu, wie die Hamster sich über die Einkaufstüte hermachten, die ihnen in die Schlafkoje gelegt wurde. Dann ging er zurück an Deck um zu gucken, ob die letzte Etappe ihrer Reise in Sicht kam.

"Hat der nun auch einen Schaden wie dieser Volltrottel aus Acharacle?" fragte Flecki verwundert.

"Oder er hat ein schlechtes Gewissen," vermutete Sasie. "So oft, wie der uns alleine lässt."

"Toll", rief Goldi, "in der Tüte ist auch eine Teigpastete! Wusstet ihr, dass Teigwaren Teigwaren heißen, weil Teigwaren einmal Teig waren?"

 "Sehr witzig", knurrte Flecki, "und wusstest du, dass Lampenschirme total überflüssig sind, da Lampen nur selten draußen im Regen rumlaufen?"

Während die Hamster bester Laune waren, kam Oban immer näher. Vom Oberdeck aus sahen die beiden Männer ein riesiges Amphitheater, McCaig's Turm genannt, das auf den Bergen hoch über der Stadt Oban stand. Zwischen den Inseln Maidan Island und Kererra hindurch glitt die riesige Fähre und steuerte langsam auf die Anlegestelle zu. Schnell machten die beiden Männer, dass sie zum Lastwagen zurückkamen, denn nun war die fast eine Stunde dauernde Fahrt gleich zu Ende.

"Waren Sie schon einmal in Oban, McDudle?"

"Nein, Mister, aber ich kannte mal jemanden, der meine Frau kennt, und meine Frau sagt immer, Oban ist eine ziemlich große Stadt."

"Das ist schade", entgegnete van der Slampe. "Ich habe nämlich keine Ahnung, wie es weitergeht, und wo wir hin müssen, aber irgendwo müssen wir ja wohl hin."

"Tja, Mister, das ist eine gute Frage. Wo kämen wir nur hin, wenn wir immer nur fragen, wo kämen wir hin, und wenn wir nicht gingen, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?"

Gerade, als der Lkw-Fahrer nach einem Gegenstand suchte, um seinen Beifahrer zu erschlagen, setzten sich die Fahrzeuge vor ihnen in Bewegung, und das bedeutete, dass es an Land ging. Der Lastwagen fuhr langsam über eine holperige Rampe und nach einer leichten Rechtskurve erreichten sie eine 4-spurige Straße.

"Um Gottes Willen", rief der entsetzte Lkw-Fahrer, wo sind wir denn nun hingeraten?"

"Wie gut, dass Sie mich dabei haben, Mr. Fransenpampe, wir sind nämlich jetzt in Oban!"

"Meine Güte, das weiß ich selber, McDudle. Die Frage ist nur, welchen Weg nehmen wir nun?"

"Tja, Mister, also meine Frau sagt immer: Finnegan, Umwege erweitern die Ortskenntnisse. Sie sagt immer, bei meinen Umwegen kennt mich jeder im Ort, wissen Sie? Und wissen Sie, was sie noch so sagt, meine Frau?"

"McDudle, noch ein Wort und ich ziehe mich für den Rest meines Lebens auf eine einsame Verkehrsinsel zurück!"

Schweigend ging es nun weiter über die Corran Esplanade, die belebte Hauptstrasse der Stadt. Links von ihnen war die See und zur rechten Seite Geschäfte und Büros. Dann machte die Straße einen Schlenker nach rechts, während eine kleinere, einsame Straße dem Wasser folgte. Van der Slampe lenkte den Lastwagen auf eine Parkbucht zur linken Seite und schaltete den Motor aus. Aus dem Augenwinkel heraus nahm er wahr, dass die Hamster neugierig und aufgeregt aus der Schlafkoje gekrochen kamen. Er nahm den schweren Autoatlas hervor, und McDudle wich ängstlich zur Seite. Nachdem er eine Weile geblättert hatte, zeigte der Holländer nach rechts. "Dort geht es auf der Hauptstraße wieder in die Highlands und in den Westen. Das wird auch mein Rückweg sein. Mann, bin ich froh, wenn ich mich endlich wieder ausruhen kann. Also, mein lieber Finnegan, hier trennen sich unsere Wege. Aber was soll ich bloß mit den Hamstern machen?"

Er warf wieder einen Blick auf die Karte und schüttelte den Kopf. "Der Weg am Wasser entlang ist eine Sackgasse. Dort geht es zum Schloss Dunollie und dann ist der Weg zu...."

Verwundert drehte er sich zu den Hamstern um. Was war mit den Tierchen los? Sie begannen plötzlich, wie auf Kommando laut zu fiepen.

"Was ist denn mit den Hamstern los, McDudle?"

"Och, vermutlich sind die bloß wieder hungrig."

"Quatsch, McDudle, die haben gerade eine ganze Einkaufstüte mit unserem gesamten Vorrat hinter sich. Nein, die sind nicht hungrig."

Van der Slampe überlegte, dann packte er den Autoatlas weg und ließ den Motor wieder an.

"Ich glaube, ich weiß, wo der König vom Loch Ness wohnt!"

Dann holperte der Lastwagen am Wasser entlang über eine schlecht befestigte Straße, dem Schloss des alten Lord McShredder entgegen.


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