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Kapitel 19

Ein kurzer Aufenthalt

Niemand antwortete ihm, und so stieg er achselzuckend aus. Seine Augen brannten, der Kopf schmerzte als würde er jeden Moment platzen, und dennoch faszinierte ihn das, was er sah. Talmine, ein kleines Küstenstädtchen am Atlantik und sicherlich kein Ort, an dem das Leben tobte. Vim van der Slampe hatte so etwas noch nie gesehen. Die Häuser an der kleinen Straße sahen alle gleich aus: Weiße Mauern und ein graues Dach, vermutlich aus Schiefer, dachte er. Geradeaus sah er einen langgestreckten Hügel, der direkt zu einem kleinen Hafen führte. Rechts sah er das, was ihn am meisten begeisterte: eine hügelige Insel, schätzungsweise zwei Kilometer vom Festland entfernt. Dass es sich um Rabbit Islands handelte, wusste er natürlich nicht, und so wandte er sich wieder den Häusern zu und prüfte die teils von der Witterung unleserlich gewordenen Hausnummern. Er nickte erleichtert, als er die Nummer fand, die ihm die hilfreiche Polizei genannt hatte und ging durch einen kleinen Vorgarten hindurch zu einer Holztür, an der die dunkle Farbe vor sich hin blätterte. Gerade als er an der Tür klopfen wollte - denn eine Klingel konnte er nirgends entdecken - hörte er jemanden hinter sich rufen. Müde und verwirrt drehte er sich um und sah eine ältere Dame, die durch den Vorgarten auf ihn zu ging.

"Moment, junger Mann, ich komme schon!" hörte er sie rufen, und er entspannte ein wenig. Sicherlich würde er in wenigen Minuten endlich zu seinem erholsamen Schlaf kommen, und die Welt wäre wieder in Ordnung. Die ältere Dame stellte sich als Mrs. McCrow vor und schloss umständlich die Haustür auf. Er trat ein und sah sich neugierig um. Weiter ging es durch eine dunkle Diele, und eine alte Kommode mit einer Schüssel Obst war alles, was ihm auffiel. Die Bohlen knarrten laut, als er über diese Diele ging und einen Blick in das Wohnzimmer warf. Da stand es: ein gemütliches Bett direkt an einem Fenster mit Meeresblick. Neben dem Bett befand sich ein alter Kamin, an dem ein großer Korb mit Torf zum Heizen stand. Ja, er würde gleich den Kamin ein wenig befeuern und sich dann zur Ruhe begeben. Bestimmt würde in der Küche noch etwas zu essen sein und wenn nicht, würde das Obst schon fürs Erste reichen.

"Junger Mann, sind Sie eingeschlafen?"

Vim van der Slampe erschrak, und ihm wurde bewusst, dass er schon eine geraume Zeit vor dem Bett gestanden und darauf gestarrt hatte.

"Nun, Madam, ich bin ein wenig müde und..."

"Ja, das hat mir mein Sohn auch schon gesagt. Der ist nämlich bei der Polizei, müssen Sie wissen. Er hat mich gestern Nacht angerufen und gesagt, dass Sie so einen komischen Vogel gefunden hätten, der ohne Nest sei! Ist das nicht lustig?"

"Ja, äh, sehr lustig Mrs. McCrow. Wenn ich nun ein wenig ruhen..."

"Und dann hat er mich gefragt, ob ich noch Platz hätte. Ich vermiete nämlich, müssen Sie wissen, und weil ich noch dieses Cottage frei habe, habe ich ja gesagt."

"Das ist sehr nett, Mrs. McCrow, Wenn ich nun ein wenig ruhen..."

"Mein Sohn ist immer so hilfsbereit! Neulich hat er einen Penner erwischt, wie der eine Mülltonne durchwühlt hatte, nachdem er versucht hatte, in ein Lebensmittelgeschäft einzubrechen. Und wissen Sie was, junger Mann? Mein Sohn hat dieses kriminelle Objekt mit einer Verwarnung davonkommen lassen!"

"Ja, Mrs. McCrow, Wenn ich nun ein wenig ruhen..."

"Es ist nur schade, das er immer so viel arbeiten muss und so wenig Zeit hat, sich um seine arme, alte Mutter zu kümmern. Aber wenigstens ruft er hin und wieder an, und das ist doch auch schon etwas, finden Sie nicht?"

"Natürlich, Mrs. McCrow, Wenn ich nun ein wenig schlafen..."

"Schlafen muss er natürlich auch. Und kochen. Ich sage ihm immer, dass er sich doch endlich mal eine nette Frau suchen sollte, damit er im Hause nicht immer soviel arbeiten muss, aber die Frauen heutzutage wollen natürlich jemanden, der viel Geld verdient und als Polizist..."

"Ich möchte schlafen, Mrs. McCrow", brüllte der Lkw-Fahrer und seine Unterlippe zitterte vor Wut und Müdigkeit.

"Aber deshalb brauchen Sie doch nicht so zu schreien! Schreie ich etwa? Na also! Schön, ich möchte schließlich nicht stören. Wenn Sie mich brauchen, ich wohne zwei Häuser weiter - in Richtung Hafen. In der Küche liegen Brot und Aufschnitt. Denken Sie bitte daran, dass Sie morgen früh um 9.00 Uhr das Haus wieder verlassen müssen, ich erwarte gegen Mittag Gäste!"

Mrs. McCrow drehte sich um, und lief, begleitet vom Quietschen der Holzbohlen, durch die Diele. Im nächsten Moment wurde die Haustür geräuschvoll geschlossen.

Vim van der Slampe atmete tief durch und seufzte laut. Dann ließ er sich auf das frisch gemachte Bett fallen und schloss die Augen. So ein Bett war doch etwas Herrliches! Er würde sich jetzt in das Kissen kuscheln und Winterschlaf halten, wie ein... ein.. Hamster? Die Hamster! Um Gottes Willen, die Hamster waren ja noch im Lkw, was würden die dort bloß wieder anstellen? Sofort war er hellwach und rannte zur Haustür hinaus zum Lastwagen. Ein paar Einwohner des kleinen Städtchens sahen ihm verwundert nach, als er mit zitternden Händen die Beifahrertür aufschloss und in die Fahrerkabine stürzte. Wieder atmete er tief durch - es war nichts passiert. Noch nicht, dachte er und nahm den kleinen Eimer, der vor dem Beifahrersitz stand und kletterte zur Schlafkoje hinüber. Vorsichtig griff er einen schlafenden Hamster nach dem anderen, legte sie in den Eimer und ging zurück zum Haus. Er kümmerte sich nicht um die neugierigen Blicke der Einwohner, sondern trug den Eimer bis zur Diele und stellte ihn dort ab. Dann sank er todmüde auf das Bett, schloss die Augen und träumte vom Käsemarkt in Alkmaar.

"Sagt mal, wieso ist denn das auf einmal so arschkalt hier?" rief Flecki gähnend und sah sich empört um.

Der Bürgermeister schrak hoch, blickte sich um und rief: "Kann es sein, dass wir wieder im Eimer sind, Leute?"

"Das ist doch eine Frechheit von diesem Kerl! Stellt der uns doch in diese Schweinekälte? Was soll denn das?"

"Nun beruhige dich mal, Flecki", beruhigte Bauleiter Murksel, "bestimmt gibt es einen wichtigen Grund dafür. Als erstes sollten wir mal zusehen, dass wir hier herauskommen."

Die Hamster bemühten sich verzweifelt, an der glatten Innenwand des Eimers hochzuklettern, doch es war natürlich vergebens. Nach einer rutschigen Stunde und nach einigen kleineren Verletzungen und Beulen gaben sie auf und taten das, was sie vielleicht gleich am Anfang hätten machen sollen: Sie dachten nach. Nach etwa einer Stunde hatten sie einen Plan, und zwar sprangen sie nun von einer auf die andere Seite, so lange, bis der Eimer ins Wanken geriet. Plötzlich purzelten alle Tiere durch- und übereinander, es krachte, und der Eimer lag auf der Seite.

"Bitte aussteigen, meine Damen und Herren, die Inspektion unserer neuen Behausung erfolgt in wenigen Minuten!" grölte Goldi und lief durch den Flur zielstrebig in die Küche hinein.

"He, Leute, hier sind wir richtig! Kommt mal her zum Futterfassen!"

Begeistert hüpfte ein Hamster nach dem anderen erst auf einen alten, schäbigen Küchenstuhl und dann auf den dazugehörigen, etwas wackeligen Tisch. Da sich Hamster um das Ambiente aber nicht sonderlich scheren, die meisten zumindest, war nach kurzer Zeit nur noch gefräßiges Schmatzen zu hören.

"Und was machen wir nun?" fragte Dodo und schleckte ein paar Krümel aus seinem Fell.

"Also", begann Bauleiter Murksel, "nach meinen Berechnungen müssten wir in Oban sein."

"Das sieht hier aber nicht wie ein Schloss aus", fügte Sasie hinzu.

"Nö", stimmte Flecki zu, "und deine Berechnungen haben schon oft nicht gestimmt."

"Was wollt ihr damit sagen, häh?" fauchte der Bauleiter wütend, während sich seine Nackenhaare sträubten.

"Dass du ein alter Pfuscher bist, wollen die sagen", grinste Goldi und goss damit Öl ins Feuer.

"Wie? Ich? Pfuscher?"

"Ja, der Staudamm beispielsweise..."

"Ist doch uralt", unterbrach Murksel Flecki. "Und was noch?"

"Das neue Schwimmbad, als halb Hamsterhausen überflutet wurde!"

"Das lag nur daran, dass Tuffi die Baupläne auf den Kopf gedreht hatte!"

"Ach, und die Sache mit dem neuen Parkhaus?"

Der Bauleiter antwortete nicht, sondern blickte verlegen auf einen Rest Butter, der an seiner linken Pfote klebte.

"Parkhaus? Welches neue Parkhaus? Wir haben doch gar kein Parkhaus", rief Hamstilidamst erstaunt.

"Du warst eben noch zu klein, um die ganze Wahrheit zu erfahren", grinste Goldi. "Wir hatten mal ein Parkhaus und sollten ein neues, schöneres bekommen. Nun haben wir gar nichts mehr."

"Außer einem schicken Schutthaufen, nicht wahr, Bauleiter?"

"Da hatte ich ein Tief gehabt, ich war nicht richtig in Form und..."

"Erzählen!" jubelte Hamstilidamst und seine Augen leuchteten.

In diesem Moment erschraken die Hamster und spitzen die Ohren. Was war das für ein grässliches Geräusch? Zitternd saßen sie nun alle auf dem Küchentisch und starrten zur Diele hin. Tati und Teeblättchen waren hinter eine Zuckerdose geflüchtet und hatten dabei einen Salzstreuer umgeschmissen, der Trampel auf die Pfote gefallen war. Liebend gerne hätte Trampel vor Schmerz laut losgebrüllt, doch er traute sich nicht. Was waren das bloß für furchtbare Geräusche?

"He, das klingt genauso wie vor ein paar Tagen, als wir vor der Tür vom Büro des Bürgermeisters standen und..."

"Ja", unterbrach dieser schnell, "ich erinnere mich, mein lieber Dodo, und ich glaube, alle werden mir zustimmen, wenn ich sozusagen einmal erwähne, dass wir uns nicht - ich wiederhole - nicht in Gefahr befinden. Es sind gewissermaßen die Geräusche einer erschöpften Kreatur..."

"Der Kerl schnarcht? Der stellt uns in der Kälte ab und geht schlafen? Das ist der Gipfel der Rücksichtslosigkeit!" fauchte Flecki. "Dem sage ich jetzt die Meinung! Los, kommt mit!"

Flecki wieselte vorweg, und ihre Freunde folgten ihr über die Diele.

"He, da ist leckeres Obst, das könnten wir..."

"Später Goldi, erst will ich Klarheit haben! Es geht um unsere Zukunft und nicht ums Fressen!"

Kurz darauf stand eine empörte Hamsterschar vor dem Bett, in dem ein völlig erschöpfter Vim van der Slampe tief und fest schlief. Laute Schnarchgeräusche waberten durch den Raum. Doch was nun? Wie sollten die Hamster den Mann aufwecken und zur Rechenschaft ziehen? Ratlos standen die Hamster in dem Raum und sahen sich um. Womit konnten sie diesen Schnarcher aufwecken?

"Wenn ich bloß etwas Dynamit hätte!" schrie Goldi laut, denn eine normale Unterhaltung war bei dieser Geräuschkulisse, die der Lkw-Fahrer veranstaltete, nicht möglich.

"Vielleicht finden wir im Badezimmer etwas, mit dem wir eine Bombe bauen können", schlug Tuffi vor. Diesem Vorschlag folgten alle gerne; ein ruhigeres Zimmer wäre gewiss angenehmer. Flecki war es als erste gelungen, auf die Konsole vor einem bereits etwas verblichenen Spiegel zu klettern.

"Wie wäre es mit Haarshampoo?"

"Nö, knallt nicht", brummte Goldi.

"Zahncreme?"

"Vergiss es!"

"Scheuerpulver?"

"Zeig' mal! Nö, taugt nichts."

"Kloreiniger?"

"Schon besser, ein guter Brandbeschleuniger!"

"Mehr ist hier nicht!"

"Gut", meinte Goldi, "lasst uns noch mal in der Küche nachsehen!"

Die Funde in der Küche rissen zwar auch niemanden zu Begeisterungstürmen hin, doch letztlich hatten sie eine 'gewisse Grundausstattung für eine Weckvorrichtung' zusammen, wie Goldi meinte. Nun ging es wieder zurück in das Wohnzimmer, in dem die Geräuschkulisse nach wie vor recht hoch war. Goldi stubste Dodo an und deutete auf den Korb mit dem Torf.

"Lege das mal alles auf den Korb!"

Ächzend und stöhnend schob Dodo nun mit Unterstützung des Bürgermeisters und des Bauleiters den Kloreiniger, eine Dose Bohnen und ein Backofenspray zu dem Torf hinauf. Dann fiel er erschöpft auf den Boden.

"Nun lieg hier mal nicht so faul in der Gegend herum", rief Goldi. "Hier wird es gleich etwas heiß werden!"

Sein Blick schweifte durch den Raum. Dann hellte seine Miene auf, und er hatte gefunden, was er suchte: Streichhölzer. Kurz darauf rannten die Hamster wie um ihr Leben zurück zur Diele und spähten am Türpfosten vorbei zum Kamin.

"Eigentlich schade, dass wir hier im kalten Flur sitzen müssen, während nebenan ein wärmendes Kaminfeuer lodert", bedauerte Flecki. "Aber wie ich Goldi kenne, sind wir hier besser aufgehoben!"

Aus alter Gewohnheit zogen sich die Hamster in den umgefallenen Eimer zurück, immerhin fühlten sie sich hier etwas sicherer. Inzwischen mischten sich in das laute Geschnarche andere Geräusche; es knackte und knisterte, der Geruch von verbranntem Torf lag in der Luft. Dann war ein lautes Zischen und Puffen zu hören. Das war der Kloreiniger, wie Goldi vermutete. Die Hamster rückten enger in dem Eimer zusammen. Dann folgten zwei recht laute Explosionen kurz hintereinander, und ein Inferno brach aus. Scheiben klirrten, ein Mann brüllte entsetzt auf, das ganze Haus wackelte und irgendetwas brach krachend zusammen. Eine Staubwolke schoss durch die Diele, und die Hamster gerieten in Panik. Die Luft war kaum noch zum Atmen zu gebrauchen, und sie fürchteten, ersticken zu müssen. Dann wurde die Haustür aufgerissen, das Getrampel von Füßen und aufgeregte Schreie waren zu hören. Mit der geöffneten Haustür kam auch frische Luft in die Diele, und die Hamster konnten wieder durchatmen. Nun sahen sie auch, dass jemand über die Diele geschleift und vor die Tür gelegt wurde. Kurz darauf wurde die Haustür geräuschvoll geschlossen. Für einen Moment war es nun  still, doch dann waren erneut Rufe zu hören, und es klang, als fiele heftiger Regen auf das Dach des Hauses.

Die Hamster warteten recht lange in dem Eimer. Niemand sagte ein Wort, denn es war offensichtlich, dass ihre Weckaktion ein bisschen übertrieben gewesen war. Keiner traute sich aus dem Eimer, und noch während der Bürgermeister überlegte, ob er die Mannschaft mit einer Rede aufmuntern sollte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen, und jemand stürmte herein, nahm den Eimer und rannte wieder zur Tür hinaus.

"Gott sei Dank", hörten sie eine bekannte Stimme, "euch ist nichts passiert. Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn euch etwas zugestoßen wäre, ihr armen, unschuldigen Tiere!"

Kurz darauf befanden sie sich wieder in der Schlafkoje des gewohnten Lkws. Auf dem Fahrersitz befand sich ein bedauernswertes Wesen. Zwar war Vim van der Slampe in den letzten Tagen zusehends nervöser und gereizter geworden, und sein Äußeres hatte reichlich gelitten, doch nun sah er wirklich schlimm aus.

"Hat der 'ne neue Frisur oder was?" fragte Tati erstaunt.

"Ne", entgegnete Flecki, "ich glaube, der hat zu dicht am Kamin geschlafen. Aber kurz soll ja modern sein."

"O weia, der hat aber 'ne fette Beule am Kopf!" stellte Teeblättchen fest.

"Das kommt wohl von der Dose mit den Bohnen", stellte Goldi klar.

Inzwischen hatte der Lkw den kleinen Ort Talmine verlassen. Zur rechten Seiten war der Atlantik wieder aufgetaucht, und ein Ortschild wies auf den Ort Midfield hin. Der Lastwagen stoppte.

"Wir sind ganz weit oben, meine kleinen Freunde, ihr könnt aussteigen! Nun haut endlich ab. Wenn ihr noch einmal irgendwo hin wollt, fahre ich euch jederzeit. Ein Vim, ein Wort! Falls ihr mich wiederfindet!" grinste er müde.

Das ließen sich die Tierchen nicht zweimal sagen, und kurz darauf standen alle am Strand und sahen aufs Meer.

"Wunderschön, wenn ihr mich fragt, und ich komme nicht umhin zu betonen, dass wir es mal wieder geschafft haben. Es ist nicht nur..."

"Dich fragt aber keiner", unterbrach Flecki den Bürgermeister. "Das hier ist doch niemals Oban!"

"Aber der Fahrer hat doch gesagt..."

"Der Kerl hat doch keine Ahnung, schau den doch mal an. Der sieht doch aus wie ein Penner, völlig ungepflegt und außerdem zuckt er immer mit den Augen."

"Nun, der ist wohl ein bisschen müde, aber wir sind bestimmt in der Nähe des Schlosses."

"Sommer, Sonne, Strand, und der Bürgermeister kann nicht mehr klar denken, wie? Schalte doch mal das Gehirn ein, wir sind doch damals nach Westen gelatscht und die Sonne hat uns ins Gesicht geschienen, als wir am Strand waren!"

"Öh, nun, und was bedeutet das?" fragte der Bürgermeister ratlos.

"Dass die Sonne jetzt hinter uns ist! Da stimmt doch etwas nicht!"

"Flecki hat recht", stimmte Murksel zu. "Aber wo mögen wir nun sein?"

"Ich gehe dann mal", ertönte in diesem Moment die Stimme des Lkw-Fahrers.

"Der geht nirgendwo hin", kreischte Flecki, rannte hinter ihm her, überholte ihn und stellte sich direkt vor den Fahrer.

"Stimmt etwas nicht?" fragte Vim van der Slampe genervt.

Flecki deutete auf den Strand und schüttelte den Kopf.

"Ich habe es satt", brüllte der Lkw-Fahrer. "Wisst ihr überhaupt, dass das die schlimmsten Tage meines Lebens sind? Ich habe in den letzten Tagen kaum geschlafen, die gesamte Polizei Schottlands war hinter mir her, Strafanzeigen habe ich erhalten, und soeben bin ich bewusstlos aus einem brennenden Haus herausgeschleppt worden! Den Schaden soll ich auch noch ersetzen, und ich musste die Stadt verlassen! Fast wäre ich erschlagen worden, als der Schornstein des Hauses einstürzte! Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, und genauso wenig weiß ich, dass ich ein Feuer angemacht habe! Ich kann nicht mehr, ich will nach Hause!"

Flecki deutete wieder auf den Strand und schüttelte erneut den Kopf. Der Fahrer rannte an ihr vorbei, stieg in den Lastwagen und kam mit einer Karte wieder heraus. Er warf sie direkt vor Flecki hin und rief: "Da, sieh selbst, du neunmalkluges Tier! Wir sind oben, weiter oben geht es wirklich nicht!"

Nachdem er mit dem Finger auf die Stelle gezeigt hatte, an der sie sich befanden, begann Flecki, die Karte genau zu untersuchen. Murksel und der Bürgermeister waren inzwischen hinzugekommen und starrten ebenfalls auf die Karte.

"Ja, öh, beim Schloss soll es doch auch einen Strand geben, oder?"

"Wir haben Mist gebaut", keuchte Flecki. "Die Stadt Oban wird mit 'a' geschrieben, wir haben den Namen aber mit 'e' geschrieben!"

"Naja, das konntest du ja nicht wissen, Flecki, mache dir nichts draus!" tröstete sie der Bauleiter.

"Das tue ich auch nicht, denn du, mein lieber Murksel, hast gesagt, ich soll das Gegenteil von 'Unten' auf das Laken schreiben! Hier müssen wir hin", rief Flecki empört und deutete auf die Karte.

Vim van der Slampe hatte Mühe, die Augen offen zu halten, und er hatte noch mehr Mühe, überhaupt zu verstehen, was da vor sich ging. Als er jedoch sah, wo eines der Hamster mit der kleinen Pfote hinzeigte, wurde ihm schlagartig klar, was überhaupt los war.

"Nach Oban?" kreischte er und ließ sich in den weichen Sand fallen. "Nein! Ich will nicht mehr!"

Flecki stand direkt vor ihm und sah ihn mit großen Augen traurig an.

"He, Leute", rief Goldi, "Flecki zieht wieder ihre 'Riesen-Kinderaugen-Nummer' ab!"

Das grausame Schauspiel dauert nur wenige Minuten. Dann hatte der Lastwagen gedreht, und die gesamte Reisegesellschaft befand sich wieder auf dem Weg nach Süden.