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Kapitel 17

Amusements

"Ist der Kerl nicht ganz dicht, oder hat er einen Schaden von seiner Begegnung mit der Gardinenstange?" fauchte Flecki und zeigte aus dem Fenster. "Was sollen wir denn hier? Das ist ja an den Hinterpfoten der Welt!"

Vim van der Slampe, müde von der Fahrt, hatte sich schon längst in seine Schlafkoje verzogen und die Augen geschlossen. Sein Kopf brummte nach wie vor, und das nicht nur, weil er Bekanntschaft mit einer Gardinenstange gemacht hatte, nein, der Aufprall seines Schädels an dem Heizungskörper war weitaus schmerzhafter und nachhaltiger gewesen. Das aufgeregte Fiepen der Hamster hatte etwas Beruhigendes an sich, und es dauerte nur wenige Minuten, bis er eingeschlafen war. Hätte er allerdings bedacht, dass Hamster nun mal Nachttiere und somit nachtaktiv sind, so wäre er wohl alles Andere als beruhigt eingeschlafen.

"Wir sollten ein wenig an die frische Luft gehen", schlug der Bürgermeister vor. "Mein Kopf tut weh, und ich denke, dass ich auch für uns alle spreche, wenn ich erwähne, dass wir uns ein wenig die Highlands anschauen sollten."

"Oder die Geschäfte", rief Flecki aufgeregt, und die neben ihr sitzende Sasi nickte ebenso aufgeregt.

"Oder Daddeln."

Das fröhliche Geplapper und Gefiepe der Hamster verstummte urplötzlich.

"Wie - Daddeln?" fragte Hamstilidamst und starrte genauso wie alle anderen Goldi neugierig an.

"Na, eben Daddeln. Als wir eben unter einer Brücke durchgefahren sind, habe ich eine Spielhölle gesehen."

"Ei-eine Spielhölle?" rief Trampel aufgeregt. "Worauf warten wir?"

Laut jubelnd rannten die Hamster hinter Goldi her und standen wenige Minuten später vor einer verschlossenen Tür. Die Lichter der Neonröhren mit dem Wort 'Amusements' waren erloschen. Drinnen waren mehrere Spielautomaten zu sehen, an denen einige Lichter blinkten, doch ansonsten war der Laden leer.

"Öhm, und was machen wir nun?" keuchte der Bürgermeister, der noch etwas atemlos von der Lauferei war.

Bauleiter Murksel trat gegen die Eingangstür und blickte enttäuscht auf die blinkenden Geräte..

"Solider Stahl, da ist nichts zu machen. Allerdings..." Aufgeregt wischte der Bauleiter mit seiner kleinen Pfote die Scheibe etwas sauberer und blinzelte mit den Augen. Dann drehte er sich um und rief: "An der hinteren Wand hängen Handtücher und daneben ein Schlüsselbund. Den müssen wir unbedingt haben, dann können wir bestimmt die Tür aufschließen!"

"Soll ich durch den Briefkastenschlitz klettern und ihn holen, Chef?"

"Klasse Idee, Dodo. Los, beeil dich!"

Dodo zwängte sich durch den engen Briefkastenschlitz, der nur wenige Handbreit über dem Boden angebracht war. Es erforderte etwas Unterstützung seiner Kollegen, denn Dodo war nun mal der dickste aller Hamster, und so mussten ihn  die übrigen kräftig anschieben, bis er endlich im Inneren der Spielhölle war. Dort angekommen, vertrödelte er auch keine Zeit, sondern lief zur Wand, an der die Schlüssel hingen, krabbelte an einem der Handtücher hoch und warf den Schlüsselbund hinunter. Kurz darauf hatte er wieder den Briefkastenschlitz erreicht, wo seine Kameraden bereits sehnsüchtig auf ihn warteten. Dodo schob den Schlüssel auf die andere Seite der Tür und zwängte sich mit erneuter Hilfe seiner Freunde durch den engen Schlitz.

"Ha, wir sind echt gut", tönte der Bürgermeister. "Ich möchte den Entscheidungen nicht vorausgreifen, doch ich empfehle nun, gemeinsam den Mülleimer dort vor die Tür zu schieben, damit wir an das Schloss gelangen!"

Wenig später gelang es Bauleiter Murksel mittels einen geschickten Saltos, den Schlüssel herumzudrehen. Das Türschloss knackte und sprang auf. Jubelnd stürmten die Hamster in den Laden und sahen sich mit großen Knopfaugen um. Zur rechten Seite standen zwei Autorennsimulatoren und ein Motorradsimulator. In der Mitte des Raumes befanden sich Spielautomaten und zur linken Seite noch mehr Spielautomaten. Mit riesigen, glasigen Augen steuerte Goldi auf die Rennsimulatoren zu und rief: "Ich brauche Geld! Wer tritt gegen mich an?"

Stille, betretendes Schweigen. Wo sollten 12 arme Hamster Geld herbekommen? Der Bürgermeister wollte etwas sagen, öffnete kurz seinen Mund und schloss ihn sogleich wieder. Seine Barthaare zitterten, und er begann, mit seiner linken Pfote auf den Boden zu tippen. Der Traum von einer durchzockten Nacht schien in diesem Moment zu sterben, und verzweifelt grübelten die Hamster, um eine Lösung für ihre Finanzmisere zu finden.

"Ich trete gegen dich an!"

Die Stimme kam aus der Tiefe des Raumes, aus einer dunklen Ecke auf der linken Seite der Spielhölle. Erschrocken hörte der Bürgermeister auf, mit der Pfote auf dem Boden herumzutippen und starrte, wie alle anderen Hamster auch, ängstlich ins Leere. Kein Laut war in diesem Moment zu hören, nur irgendwo draußen blökte ein Schaf in der dunklen Nacht. Dann raschelte etwas und bewegte sich auf die zitternden Hamster zu. Langsam näherte es sich, und langsam kam es immer weiter ins Licht hinein. Es war nicht etwas, es waren viele! Dann erkannten die Hamster, wer sich ihnen näherte. Rennmäuse! Etwa 20 Rennmäuse kamen auf sie zu. Die größte dieser Rennmäuse, so groß wie Dodo, jedoch viel schlanker, stellte sich direkt vor Goldi und fauchte: "Ich trete gegen dich an, und ich werde dich fertig machen und deine Eingeweide auslutschen, du Hamster!"

Goldi nickte. "In Ordnung, hast du genug Geld dabei?"

"Genug Geld! Du sprichst mit Big Mac Mouse, ich bin der Anführer! Schon mal von mir gehört?"

"Nö", brummte Goldi, "aber ich bin auch kein Anführer. Das ist der da!" und zeigte auf den zitternden Bürgermeister.

Die Rennmaus drehte sich um, richtete sich hoch auf und fuhr den Bürgermeister an: "Und du, Anführer! Kennst du etwa Big Mac Mouse nicht?"

"Öh, nun ich, äh, also wenn ich darauf hinweisen darf, verehrter Big Mac Mouse, so komme ich um die Dings, äh, Tatsache nicht unmittelbar sozusagen herum, dass ich gewissermaßen von einem Big Mac schon einmal vom Hörensagen erfahren zu haben durfte, äh, gedurft zu fahren, äh, hatte. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass dieses sich anlässlich eines Hamburgerwettessens ereignete, als ..."

"Häh?" rief die Rennmaus verwirrt, "was erzählt der da?"

"Nix", grummelte Goldi. "Können wir jetzt mit dem Rennen beginnen?"

"Wie wollt ihr denn die Dinger steuern?" wunderte sich Flecki. "Ich meine, ihr kommt doch mit den Pfoten überhaupt nicht an die Pedale."

"Wie lange meinst du wohl, leben wir hier schon?" fauchte die Rennmaus. "Hin und wieder kommt ein Mann, der die Dinger aufschraubt und überprüft. Dann stöpselt er eine kleine Fernbedienung an und prüft, ob alles funktioniert. Die Fernbedienung ist hinter den Apparaten. Wir sind schlau, wie? Das hättest du wohl nicht gedacht, was?"

Flecki sah die freche Rennmaus an und sagte angewidert: "Nein, jedenfalls nicht, wenn man dich anguckt. Du hast ekelige Essensreste zwischen den Zähnen."

"Und mit deinem Schwanz musst du in Hundescheiße geraten sein, so wie das stinkt." ergänzte Goldi.

Die große Rennmaus glotzte erst Flecki und dann Goldi an. Big Macs Augen funkelten wütend, und auch seine Kumpane nahmen eine bedrohliche Haltung ein.

"Ich werde dir das Maul stopfen, Hamster. Erst mal machen wir eine Aufwärmrunde am Simulator und dann wird es Ernst. Bist du bereit?"

Goldi nickte.

Big Mac nickte seinen Leuten zu, und jeweils zwei von ihnen liefen auf die beiden Autorennsimulatoren zu und holten aus der Rückseite die bereits erwähnten Fernbedienungen hervor. Jeder der beiden Wettkämpfer erhielt eine. Siegessicher grinste Bic Mac Mouse zu seinen Leuten hinüber, die mit Johlen und Gekecker antworteten. Keine Frage, wer hier gewinnen würde. Er sah zu Goldi hinüber.

"Du wirst jetzt die schlimmste Niederlage deines Lebens erleben, Hamster. Auf die Plätze, fertig, ..." und bevor die Rennmaus 'los' gesagt hatte, gab sie Gas und der Rennwagen auf dem Bildschirm setzte sich auf den ersten Platz.

"Du hast nicht 'los' gesagt", knurrte Goldi, dessen Wagen noch an der Startlinie stand.

"Ha", tönte die Rennmaus, "willst du schon aufgeben, du erbärmliches Fell tragendes Weichei? Na schön: 'los'!"

Goldi antworte nicht, sondern gab Gas. Aus den Augenwinkeln beobachtete er die Fahrweise der Rennmaus, und ihm entging nicht, dass sie recht hektisch fuhr und immer wieder mit hohem Tempo an die Leitplanken raste. Zwar hatte sie einen respektablen Vorsprung, doch Goldi, der weitaus geschickter seinen Wagen durch die Kurven lenkte, holte Stück für Stück auf. Dann war es soweit: In einer langgestreckten Kurve zog der Hamster an der Rennmaus vorbei. Die Rennmaus versuchte, ihren Gegner zu rammen, doch Goldi bremste kurz, und der Wagen der Rennmaus flog fast von der Strecke. Aus der Ecke der Rennmäuse ertönten entsetzte Schreie. Big Mac Mouse beschleunigte seinen Wagen  aufs Äußerste und drückte auf einen kleinen Knopf an der Seite der Fernbedienung. Auf dem Bildschirm erschien nun über seinem wild dahinrasenden Wagen ein blinkendes 'T' und Goldi registrierte sofort, dass die Rennmaus einen versteckten Turboantrieb aktiviert hatte. Der Hamster fummelte an seiner Fernbedienung herum, doch er fand keinen solchen Turboknopf. Es waren nur noch wenige Meter bis zum Ziel, und zudem es war eine gerade Strecke, auf der der Wagen von Big Mac Mouse gnadenlos näher kam. Es schien, als würde er im nächsten Moment als Erster durchs Ziel gehen. Die Rennmäuse waren bereits am Jubeln und sahen sich als die sicheren Sieger, als Goldi im letzten Moment urplötzlich seinen Wagen direkt vor den der Rennmaus setzte. Die Zuschauer, Hamster und Rennmäuse, kreischten laut auf und sahen nun, wie der Wagen von Bic Mac Mouse mit rasender Geschwindigkeit auf Goldis Wagen auffuhr, ihm einen mächtigen Stoß versetzte und ihn durch die Luft katapultierte. Das war die Entscheidung, denn der Wagen des Hamsters flog rauchend über die Ziellinie und hatte das Rennen gewonnen.

"Das war Schummel, Betrug!" kreischten die Rennmäuse, und Big Mac Mouse war kurz davor, sich auf Goldi, den das alles nicht zu interessieren schien, zu stürzen.

"Und der versteckte Knopf für den Turbomode?" fragte der Hamster mit Unschuldsmiene. Bic Mac Mouse trat auf ihn zu und rief: "Du bist jetzt dran, du Hamster! Das war eben nur Glück, sonst hätte ich dich fertig gemacht. Bist du bereit für das nächste Rennen?"

"Immer", entgegnete Goldi und folgte ihm zu einem riesigen Tisch, auf dem sich eine Autorennbahn befand. "Wie viele Runden?"

"Fünf, wir starten hier vorne neben der Tribüne. Die letzte Runde ist eine halbe Runde länger und endet an dem Rundenzähler vor dem Looping. Allerdings wirst du die letzte Runde sowieso nicht erleben!"

Flecki hatte sich in der Zwischenzeit in Goldis Nähe begeben und flüsterte ihm in einem unbeobachteten Moment ins Ohr. "Pass bloß auf, der hat bestimmt noch mehr schmutzige Tricks auf Lager!"

Mittlerweile hatten sich Hamster und Rennmäuse in den hinteren Teil der Spielhölle begeben, wo auf einem schwarz-weißen Belag eine Rennbahn stand. Sie beäugten die Fahrzeuge. Ein roter Lamborghini und ein schwarzer Porsche standen nebeneinander an der Startposition und warteten auf die Fahrer.

"Und was ist mit 'nem Preis für den Ersten?" fragte Goldi neugierig.

"Preis?" kreischte eine kleine Rennmaus und schob sich in den Vordergrund. "Wir sind die Größten und können alles! Wenn ich nicht dummerweise eine kaputte Pfote hätte, würde ich fahren, denn ich bin der schnellste Fahrer der Welt!"

"Der schnellste Fahrer der Welt?" entgegnete Goldi zweifelnd. "Wie schnell bist du denn schon bisher gefahren, und wie heißt du überhaupt?"

"Äh, das weiß ich nicht mehr so genau, aber mein Name ist McMax der Große."

"Für einen Großen bist du aber verdammt klein", warf Flecki spöttisch ein.

"Äh, ja, aber von den Kleinsten bin ich der Allergrößte", stammelte McMax und tauchte schnell wieder in der Gruppe der Rennmäuse unter.

Bic Mac Mouse trat nun direkt vor Goldi und funkelte ihn mit seinen Augen wütend an. "Also pass auf, Hamster. Regeln gibt es keine und der Gewinner kriegt alles. Der Verlierer fliegt mit einem Fußtritt raus und darf sich hier nie mehr blicken lassen. Also: wenn ich gewinne, verschwindet ihr alle und kriegt vorher einen Fußtritt, ist das klar?"

"Völlig klar", brummte Goldi, "geht es nun los oder was?"

Ohne eine Antwort zu geben rannte die Rennmaus zu dem schwarzen Porsche und setzte sich ans Steuer. Kurz darauf hatte sich auch Goldi in das Fahrzeug, und zwar in den roten Lamborghini, begeben und fummelte neugierig an den Knöpfen der Armatur.

McMax der Große war inzwischen wieder aufgetaucht und stand mit einer großen schwarz-weißen Flagge vor den Fahrzeugen mitten auf der Rennstrecke. Mit einem wichtigen Gesichtsausdruck stand er nun dort, und versuchte verzweifelt das Gleichgewicht zu halten, denn das Gewicht der Flagge zog ihn mal auf die eine und mal auf die andere Seite. Endlich hatte er einen halbwegs sicheren Stand gefunden und kreischte: "Also ich gebe jetzt das Kommando, und alle müssen auf mich hören, ist das klar? Wenn ich ein-zwei-drei sage und die Flagge senke, geht es los!"

"Müssen wir auch auf dich hören? Ich meine, wir fahren doch gar nicht mit, oder?" fragte Dodo verwirrt.

McMax der Große starrte Dodo verwirrt an, und überlegte einen Moment, bevor er stammelte: "Äh, nein, glaube ich. Ihr fahrt ja nicht mit, oder?"

"Nun, mein lieber Max, vielleicht sollten wir eine Grundsatzentscheidung treffen, die für alle Seiten vorteilhaft wäre", mischte sich nun unglücklicherweise der Bürgermeister ein. "Wie ich immer zu sagen pflege, betrifft das Wort 'alle' nicht automatisch auch die Allgemeinheit, sondern oft nur einen elitären Bereich der Minorität."

"Äh, ja, dieser Bereich", stotterte McMax, "das habe ich mir auch schon immer so gedacht."

"Wann geht denn das nun endlich los?" rief nun Bauleiter Murksel ungeduldig.

"Los? Äh, ja richtig. Also es geht los, wenn ich ein-zwei-drei sage und mit der Flagge schwenke..."

"Senken", rief Flecki empört, "du musst sie senken und nicht schwenken!"

"Ach so, menno, das meinte ich doch. Hier, ich zeige es euch mal, wie gut ich das kann. Wenn es los gehen soll, sage ich ganz laut ein-zwei-drei und senke die Flagge ganz genau so, wie ich es jetzt mache und dann...aaah!"

Laut kreischend flog McMax der Große durch die Luft. Die beiden Rennfahrer hatten das Senken der Flagge als Startzeichen gedeutet und rasten los, was natürlich ausgesprochenes Pech und sehr unangenehm für McMax war, der bis eben noch mitten auf der Rennstrecke gestanden hatte. Goldi erwischte den besseren Start und setzte sich an die Spitze, doch schon nach der ersten Kurve lagen beide Kontrahenten wieder dicht nebeneinander. Natürlich kannte die Rennmaus die Strecke in- und auswendig, sodass sie einen erheblichen Vorteil besaß, und tatsächlich übernahm sie nach einer gefährlichen  Z-Kurve die Führung. Die Rennmäuse johlten und grölten, während die Hamster mit großen Knopfaugen das Rennen gespannt verfolgten und mit Entsetzen sahen, dass Mac Mouse seinen Vorsprung in der nächsten Linkskurve ausbauen konnte. Die nächste Rechtskurve jedoch nahm er viel zu schnell, musste bremsen, und Goldi schoss an ihm vorbei, jagte durch eine nach links führende Steilkurve und erreichte den Looping als erster.

Die Rennmaus schien merkwürdiger Weise den schnelleren Wagen zu haben und konnte trotz Goldis besserer Kurventechnik jedes Mal auf den geraden Strecken den Rückstand aufholen. Nach der 4. Runde lag Big Mac Mouse mit seinem schnelleren Wagen ganz knapp in Führung und warf Goldi immer wieder wütende Seitenblicke herüber, während die Rennmäuse jubelten und sich bereits wie die sicheren Sieger fühlten. Dann passierte etwas, was alle Zuschauer verstummen ließ: Goldi bremste scharf, als Big Mac Mouse mal wieder einen bösen Seitenblick zu ihm hinüber warf und seine Zunge ausstreckte. Die Rennmaus war völlig irritiert für einen Moment; wo war ihr Gegner geblieben? Als sie sich mitten in der gefährlichen  Z-Kurve verblüfft nach ihrem Gegner umsah, versteuerte sie den Wagen und flog aus der Bahn, mitten hinein in die kreischende Menge der Rennmäuse. Goldi beschleunigte nun seinen Wagen, fuhr elegant durch die Z-Kurve und erreichte unter dem Jubel seiner Hamsterfreunde als erster das Ziel.

"Das war Schummel!" kreischte McMax und drohte mit seiner Pfote. "Wenn ich fahren könnte, würde ich dir das jetzt zeigen!"

"He, du kleiner Angeber", fauchte Flecki während sie Goldi auf die Schulter klopfte, "wieso wenn du fahren könntest? Ich denke, du bist der größte und beste Fahrer der Welt?"

"Äh, ja, also ich meine, wenn ich fahren könnte, dann wäre ich wohl der schnellste Fahrer der Welt...."

"Kommt Kinder", rief nun Bauleiter Murksel, "wir treten diesen aufgeblasenen Rennmäusen in den Hintern und schmeißen sie raus! Dodo, komm mal her!"

"Was ist denn, Chef?" rief Dodo zurück und näherte sich dem Bauleiter.

Als der große Hamster auf Murksel zuging, gerieten die Rennmäuse in Panik. Laut kreischend, jammernd und übereinander stolpernd rannten sie um die nächste Ecke und verschwanden durch eine kleine Klapptür. Da diese Klapptür sehr eng war, gab es ein wüstes Gekloppe unter den Rennmäusen, wer als erster durch durfte. Viele Schrammen, Beulen und Gejammer später waren die Hamster alleine in der Spielhölle. Bei ihrer überhasteten Flucht hatten die Rennmäuse einen ganzen Beutel voller 2-Pence Stücke zurückgelassen, die nun begierig von den Hamstern genommen und in diverse Maschinen gesteckt wurden. Am beliebtesten war natürlich der Automat, der über einen Schieber ein paar 2-Pence Stücke hin und her schob und mit Münzen gefüttert werden musste. So manches Mal gewannen die Hamster, und so manches Mal waren sie kurz vor der Pleite. Es wurde eine grandiose Party, und als sich am Horizont die erste Morgenröte zeigte, war von draußen ein merkwürdiges Geheule zu hören.

"Die Rennmäuse," stellte Bauleiter Murksel fest.

"Die sind ja total besoffen!" rief Hamstilidamst und deutete mit seiner linken Pfote durch eine Glastür nach draußen, wo mehrere Rennmäuse neben einer leeren Cidre-Flasche im Gras lagen und Lieder sangen.

"Die armen Schweine", rief Flecki und Tränen standen in ihren Augen. "Die haben keine Zukunft, so wie die trinken!"

"Alkohol ist etwas für Schwächlinge", stellte Goldi fest.

Wenig später verließ eine müde und gähnende Hamstertruppe zufrieden die Spielhölle und begab sich wieder in den Lastwagen. Nach einem kurzen Imbiss fiel einer nach dem anderen in den Schlaf, während die ersten Sonnenstrahlen auf  Pitlochry fielen.