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Tuffi

Kapitel 11

Auf geht’s

Wie ein Lauffeuer hatte sich die Neuigkeit in Hamsterhausen verbreitet. Hunderte von Hamstern standen dicht gedrängt auf dem Marktplatz und warteten vor dem Rathaus in der Hoffnung auf eine kleine Feier. Als es keine Feier gab, kam es nach kurzer Zeit zu den ersten Ausschreitungen, die Hamstische Polizei musste einschreiten und wie üblich die aufgebrachte Menge mit Sonnenblumenkernen beruhigen. Als dann auch noch der Bürgermeister auf dem Balkon des Rathauses auftauchte, machte die Meute, dass sie verschwand, denn auf eine Rede war nun wirklich niemand scharf. Etwas enttäuscht zog sich der Bürgermeister wieder zurück und setzte die letzten Reisebesprechungen mit Murksel, Tuffi, Dasie, Hamstilidamst, Sasie, Dodo, Trampel, Flecki, Goldi,Tati und Teeblättchen fort. Viel zu besprechen gab es auch nicht, denn das Wenige, was geplant werden konnte, war schnell geplant. Bauleiter Murksel hatte einen kleinen Transportbus aus den Hamstischen Reparaturbeständen besorgt. Tuffi, die Erfahrungen im Umgang mit Bulldozern und ähnlichen Baufahrzeugen hatte, sollte zunächst das Lenkrad übernehmen.

"Und warum darf ich nicht fahren?"

"Das wirst du dir wohl schon denken können, Goldi", antwortete Flecki vorwurfsvoll. "Denke doch mal an die Schneeräumungsaktion im letzten Winter. Du solltest mit dem Schneeräumer die Wege für die Fußgänger frei schieben. Statt dessen hast du die Fußgänger von den Wegen geschoben. Zwei Fußgänger mussten mit Unterkühlungen in das Krankenhaus gebracht werden, weil du sie mit dem Räumfahrzeug einfach tief unter die Schneemassen vergraben hattest."

"Das war im Winter, das ist lange her."

"Ach, und die Verfolgungsjagd im letzten Monat zu mitternächtlicher Stunde mit deinem Kumpel Knödel? Drei Ampeln habt ihr plattgemacht, bevor..."

"Ist ja schon gut", brummte Goldi und warf seinen Rucksack missmutig in den Bus.

Es dauerte ein wenig, bis auch das Gepäck der übrigen Mitreisenden verstaut war, und jeder Platz genommen hatte.  Die Abfahrt gestaltete sich zu einem kleinen Triumphzug, denn natürlich wollte jeder dem mutigen Kompetenz-Team noch einmal zuwinken. Die ersten Wetten wurden abgeschlossen, und erstaunlicher Weise ging es weniger um die Frage, ob das McShredder-Monster herbeigeschafft würde, sondern eher um die Frage, ob das Kompetenz-Team überhaupt lebend über den Ärmelkanal kommen würde. Die kleine Truppe in dem kleinen Transportbus bekam von diesen Dingen natürlich nichts mit und winkte fröhlich in die Menge zurück. Die Hamsterhausener Grenze wurde bereits nach kurzer Zeit erreicht, und Goldi wies Tuffi den Weg zu der fraglichen Raststätte. Bald stand die kleine Truppe auf einem großen Parkplatz und sah sich um.

"Das ist unheimlich hier", jammerte Dodo, "all die großen Lastwagen. Wie sollen wir da bloß reinkommen?"

"Warum fragen wir nicht einfach, ob wir mit dürfen?" schlug Teeblättchen vor.

"Besser nicht", warf Goldi ein. "Die denken doch sofort, dass wir Käse klauen wollen."

"Womit sie sicherlich auch Recht haben, wenn ich da an gewisse Hamster denke", spottete Flecki. "Kann es sein, dass du damals schon einige Raubzüge unternommen hattest? Jedenfalls wunderte es mich damals sehr, dass du reichlich zugenommen hattest, als du nach deiner Flucht irgendwann wieder aufgetaucht warst!"

"Du solltest mir dankbar sein, denn jetzt weiß ich als Einziger, was wir machen müssen."

Goldi zeigte mit der Pfote auf einen weit entlegenen Teil der Raststätte.

"Dort Hinten stehen die Lkws, die auf der Rückfahrt sind. Die sind nämlich leer, und da gibt es nichts zu holen. Gleich neben uns stehen die vollen Lastwagen, voll mit leckerem Käse. Dort sollten wir anfangen."

"Womit anfangen?"

Goldi starrte Tuffi erstaunt an und keuchte: "Uns zu proviantisieren natürlich!"

"Uns zu was?" fragte Dodo mit riesengroßen Augen, aus denen das Entsetzten hervorkroch. "Und wenn dabei etwas passiert? Das ist doch gefährlich, oder?"

"Goldi hat Recht", beschied Bauleiter Murksel, "es wäre nicht verkehrt, etwas Essbares aus einem der Laster zu besorgen und dann eine Reisegelegenheit zu suchen."

Der Bauleiter hatte den Satz noch nicht beendet, als Goldi und Trampel auf einen der Lkws geklettert und durch eine Öffnung in der Plane verschwunden waren. Wenig später schaute ein Hamsterkopf aus der Öffnung hervor, und es war Goldi, der rief: "Pass auf Dodo, hier kommt die erste Ladung!"

Dodo schaffte es gerade noch, seine Pfoten in die Luft zu heben, als ein streichholzschachtelgroßes Stück Käse an seinen Kopf prallte. Reflexartig hielt er den Käse mit den Pfoten fest und wollte gerade anfangen, laut zu jammern und der Welt mitzuteilen, dass er nun eine Beule am Kopf hätte, als das nächste Stück geflogen kam.

"Achtung, Dodo, hier kommt Nummer zwei!"

Kreischend hatte sich der große Hamster umgedreht und versuchte zu flüchten. Ein Stück Käse klatschte ihm in den Nacken und er fiel vor Schreck hin. Dann kam noch ein Stück geflogen und noch eins. Dann waren immer wieder die 'Achtung, hier kommt Nummer sowieso'-Rufe von Goldi und Trampel zu hören, die jedes Mal von einem ängstlichen Wimmern Dodos beantwortet wurden. Nach dem zehnten Wurf kletterten die beiden von dem Lkw herunter. Goldi lief zu Dodo, klopfte ihm auf die Schulter und meinte: "War doch alles halb so schlimm wie? Nun brauchst du unsere Vorräte nur dort hinten hin zu schleppen!"

"Ich kann nicht mehr, das ist viel zu weit!"

"Aber, aber, Dodo, das ist doch ein Klacks für einen Hamster, eine echte Lachnummer!" versuchte Trampel, ihn zu trösten.

"Mir tut aber der Kopf weh, ich kann nichts mehr tragen. Wie wäre es, du hilfst mir?"

"Das finde ich aber auch", meldete sich nun Murksel. "Wenn das doch eine Lachnummer ist, dann wollen wir doch, dass unser Freund Trampel etwas zu lachen hat, oder?"

Seufzend ließ sich Trampel von Dodo ein Stück nach dem anderen aufladen, während er sich auch noch Dodos Gejammer über dessen Beulen anhören musste. Der Rest der Truppe war bereits vorausgegangen, um Ausschau nach einem geeigneten Beförderungsmittel zu halten. Ein dunkelblauer Lkw stand etwas abseits von den übrigen Fahrzeugen und schien für ihre Zwecke ideal zu sein. Die Heckklappe war geöffnet und ein langes Seil hing bis auf den Boden hinunter. Bauleiter Murksel prüfte das Seil und war zufrieden.

"Ein festes, solides Seil, daran können wir den Wagen hochhieven."

"Können wir nicht lieber den hübschen roten Lastwagen dort hinten nehmen?" rief Tuffi.

"Oder den süßen gelben daneben, Bauleiter, der hat auch richtig saubere Reifen!" schlug Sasie vor.

"Und der da vorne hat so tolle Streifen an der Seite", schwärmte Dasie, "der ist auch sehr hübsch!"

"Genau", rief Sasie, "das dunkle Blau wirkt so traurig, wir sollten..."

"Klappe halten!" rief Murksel genervt. "Trampel, schieb den Käse in den Wagen und lieg nicht so untätig herum. Tuffi, du bindest das eine Seilende an die Anhängerkupplung von unserem Transporter. Die anderen klettern mit mir auf den Lkw, wir ziehen die Karre mit dem Seil hoch."

Nachdem sich das Hochziehen als nicht durchführbar erwiesen hatte, versuchten es die Hamster auf andere Weise.

"Bei drei springen wir, aber haltet euch fest am Seil", rief der Bauleiter und griff selber nach dem Seil. "Ein-zwei-drei!"

Mit einem fröhlichen Uhuj sprangen jetzt 10 Hamster mit dem Seil in die Tiefe. Tuffi und Trampel waren im Transporter sitzen geblieben und kamen sich plötzlich vor wie in einem Fahrstuhl, als sie nach oben gezogen wurden. Dann war die rasante Fahrt vorbei, und alles war still. Das Seil, das durch eine Öse an der Oberseite der Heckklappe befestigt war, hatte gehalten. In halber Höhe hingen sie: auf der einen Seite hing der Transporter, auf der anderen Seite die Hamster.

"Und nun?" jammerte Dodo. "Was machen wir nun?"

"Nun, äh, auf keinen Fall dürfen wir uns hängen lassen", stöhnte der Bürgermeister, der durch sein Gewicht natürlich mehr Mühe als die anderen hatte, sich am Seil festzuhalten. Ausgenommen Dodo, der  erhebliche Schwierigkeiten hatte, nicht den Halt zu verlieren und die bange Frage stellte: "Und wenn wir nicht mehr können?"

"Dann, äh, und mit dieser Einschätzung stehe ich sicherlich nicht alleine, werden wir ein Problem haben. Angesicht dieser Problematik sehe ich mich allerdings außerstande, irgendwelche Prognosen hinsichtlich unserer Zukunft abzugeben, denn ich fürchte..."

"Dass wir im Arsch sind", fauchte Flecki. "Wessen blöde Idee war das eigentlich?"

"Bauleiter Murksels Idee war das", fiepste Tuffi und erhielt einen vernichtenden Blick von demselben.

"Ihr könnt euren Mistkram selber machen, wenn euch das nicht passt", grölte der Bauleiter und versuchte, Tuffi in den Hintern zu treten. Sein Tritt verfehlte allerdings das Ziel, und er traf stattdessen Trampel, der vor Schreck laut quiekte.

"’Tschuldigung, Trampel, kommt nicht wieder vor!"

"Meine lieben Hamster, wir sollten versuchten, das Beste aus dieser für uns unangenehmen Situation zu machen, und vor allen Dingen einen kühlen Kopf zu bewahren! Wir haben in der Vergangenheit schon viele Probleme geschaffen und diese doch immer wieder beseitigt. Also Ruhe bewahren und eiskalt bleiben, liebe Freunde, denn in der Ruhe liegt die Kraft und.... Aaaaarg! Eflih, Kinap!"1

Der Bürgermeister war kurz davor durchzudrehen, denn er hing mit dem Hinterteil zum Inneren des Lkws hin und sah, was sich hinter dem Rücken der anderen Hamster abspielte. Die Luke wurde geschlossen!

"Was'n los, Bürgermeister?" fragte Goldi, doch statt einer Antwort sah er nur einen zitternden Hamster mit riesigen schwarzen Glubschaugen vor sich, der zitternd an den selben Seil wie er hing.

"Die Lu-Lu-Lu..."

"Wer ist Lulu?" fragte Teeblättchen neugierig.

"Da-da-da..."

"Nun fängt er auch noch an zu singen", stöhnte Sasie.

Dann wurde es dunkel, ein lautes Krachen war zu hören und die Hamster kreischten um die Wette. Für einen Moment war alles still, aus dem Transporter drangen Tatis und Dasies Rufe, was denn los sei. Gerade als Bauleiter Murksel ihnen zurufen wollte, dass alles in bester Ordnung sei, begann alles um sie herum zu beben.

"Das ist das Ende, wir sind erledigt!" jammerte Dodo

"Unsinn", knurrte Goldi, "das war der Anlasser, und wir sind losgefahren!"

"Chef, kann ich jetzt das Seil loslassen?"

Murksel überlegte kurz, dann antwortete er: "In Ordnung, Tuffi, Hamstilidamst und Teeblättchen können das Seil loslassen!"

Die Drei ließen los und landeten auf dem Boden. Das Seil rutschte ein Stück höher und der Transporter am anderen Ende des Seils bewegte sich ein Stück nach Unten.

"Jetzt Sasie und Trampel!"

Wieder rutschte das Seil höher und der Transporter näherte sich der Ladefläche des Lkws

"Und jetzt der Rest!" schrie Bauleiter Murksel. Kurz nachdem sie den Boden erreicht hatten, ließ ein lautes Poltern darauf schließen, dass auch der Hamster-Transporter wieder auf seinen Rädern stand.

"Jemand verletzt?" rief Murksel und sah sich um. Tati und Dasie waren aus dem Transporter gestiegen und rieben sich den schmerzenden Hintern. Dodo war auf Hamstilidamst gefallen und tröstete ihn. Ansonsten schien alles glimpflich ausgegangen zu sein. Der Bürgermeister holte ein großes Stück Käse aus dem Transporter, brach es in mehrere Stücke und gab jedem Hamster eines. Was war das für ein Auftakt ihrer Reise! Zufrieden saßen alle auf der Ladefläche und ließen sich den leckeren Käse schmecken. Da die Reise nun wohl einige Zeit dauern würde, beschlossen die Hamster, erst einmal eine kleine Party zu starten. Großzügig holte der Bürgermeister ein weiteres Stück Käse, zerteilte es und rief der Partiegesellschaft zu, sie sollten es sich schmecken lassen. Plötzlich ertönte oben von der Decke des Lkws eine Stimme:

"Kriege ich auch ein Stück Käse?"

Der dunkelblaue Lastwagen bog auf die vielbefahrene A9 ab. Nachdem er seinen Lkw vorsichtig in den Verkehr eingefädelt hatte, beschleunigte der Fahrer. Es war mittlerweile dunkel geworden, und die Scheinwerfer der Fahrzeuge auf der Gegenspur blendeten ihn hin und wieder. Vim van der Slampe fuhr diese Strecke seit Jahren, er kannte jede Kurve, und auch die unterschiedlichen Geräusche des Fahrbahnbelags auf dieser Strecke waren ihm vertraut. Er ärgerte sich ein wenig, denn er hing seinem Zeitplan hinterher. An dem Rasthof hatte er seinen Freund Dick van Achtern getroffen und mit ihm die Frage diskutiert, ob am kommenden Wochenende der PSV Eindhoven gegen Twente Enschede wohl mal wieder das Tor treffen würde, nachdem der neue Stürmerstar Ruud van Meisenbommel sich von der Verletzung aus dem Hinspiel beim AK Alkmaar erholt hatte. Leider hatte Vim van der Slampe darüber die Zeit vergessen und musste hektisch zu seinem Wagen rennen und losfahren. Er bedauerte es sehr, dass er die Ladefläche seines Lkws nur zweimal geschrubbt hatte, denn van der Slampe war ein gründlicher Mann, der keinen Schmutz duldete.

Inzwischen entspannte er sich etwas, denn er hatte nun die ebenfalls vielbefahrene A1 erreicht und gerade Osnabrück passiert. Das Verkehrsaufkommen in dieser Nacht war bislang gering gewesen, und er hatte seine kleine Verspätung wieder schnell gut gemacht. Noch etwas über 100 Kilometer bis zum Grenzübergang Oldenzaal und 25 weitere bis Hengelo, dachte er. Van der Slampe kam zu dem Entschluss, dass es wohl das beste sei,  bei der Raststätte nahe Appeldoorn eine letzte Rast einzulegen, bevor er den letzten Teil seiner Reise antreten würde. Sein Ziel war Alkmaar, wo jeden Freitag auf dem Rathausplatz der berühmteste Käsemarkt Hollands abgehalten wird. Hier würde er sich mit einem Händler treffen, den er noch aus alten Schulzeiten kannte. Mit einer Tonne Käse im Laderaum würde Vim van der Slampe dann die Weiterfahrt antreten. Fröhlich pfeifend überschlug er im Kopf noch einmal, wie viel Laib Gouda das denn so wären. Ein Laib wiegt 20 Kilogramm, rechnete er, also habe ich bei einer Tonne genau 50 Laib Käse in meinem Lkw. Prima, mit solch einer verhältnismäßig kleinen Menge würde er noch genug Platz für das notwendige Eis zur Kühlung in seinem Laderaum haben. Schließlich sollte der Käse ja in einwandfreiem Zustand in Edinburgh ankommen.

Die Hamster im Laderaum bekamen von diesen Dingen natürlich nichts mit. Ihre Sorgen waren anderer Natur. Vor Angst zitternd hatten sie sich auf der Ladefläche eng aneinander gekuschelt und starrten mit ihren großen Knopfaugen ins Dunkle. Was hatte dort eben von der Decke des Lkws zu ihnen gesprochen, ein Monster etwa?

"Tu doch was, schließlich bist du der Bürgermeister", fauchte Flecki. Der Angesprochene schluckte heftig und entgegnete: "Aber was ist, wenn ich gefressen werde?"

"Dann ist das Monster erst mal satt und wir haben Zeit, uns etwas Anderes auszudenken", flüsterte Goldi.

Der Bürgermeister dachte an Flucht, doch wohin sollte er fliehen? Es gab keinen Ausgang, keine Fluchtmöglichkeit. Selbst wenn, wie hätte er von dem rasenden Gefährt herunterspringen sollen? Vielleicht sollte er in Erwägung ziehen, sein Amt vorübergehend zur Verfügung zu stellen. Doch was wäre, wenn plötzlich festgestellt wurde, dass es  ohne Bürgermeister womöglich auch ginge? Nein, er musste sich dem Unbekannten stellen. Ganz langsam watschelte er zum hinteren Teil des Lkws und wäre fast hingefallen, weil er gewohnheitsmäßig wieder anfing, während des Gehens nervös mit der Pfote auf den Boden zu tippen.  Nach wenigen Schritten blieb er zitternd stehen, hielt sich ängstlich die kleinen Pfoten vor das Gesicht und rief: "Wi-wi-willst du den ganzen Käse, o-o-oder nur ein Stück, liebes Monster?"

Für einen Moment herrschte Stille, nur die Fahrgeräusche des großen Wagens waren zu vernehmen. So langsam der Bürgermeister auch hin gewatschelt war,  umso schneller war er wieder bei den anderen Hamstern. Gemeinsam starrten sie in die Dunkelheit und warteten zitternd auf die Antwort, die auch umgehend kam.

"Ein Stück würde mir schon genügen. Aber warum nennst du mich denn Monster? Ich bin’s doch, euer Trampel!"

Ein hörbares Aufatmen erfüllte den Raum. Nach und nach entspannten sich die Hamster, und Goldi begann, Witze über Monster zu reißen, bis ihn ein vernichtender Blick Fleckis traf.

Bauleiter Murksel hatte eine Taschenlampe aus einem der Rucksäcke  hervorgekramt und betrachtete sich interessiert Trampels unangenehme Lage.

"Sag mal, du Spinner, warum hast du denn nicht losgelassen als ich 'loslassen' gerufen hatte?"

"I-ich habe mich nicht getraut", stammelte Trampel, der nach wie vor an dem Seil an der Wagendecke hing.

Murksel überlegte. Der arme Trampel hin an dem einen Ende des Seils. Durch eine Öse an der Decke hindurch lief das Seil weiter zur anderen Seite, wo es an der Anhängerkupplung des kleinen Transporters befestigt war. Sie mussten also das Seil von der Anhängerkupplung abmachen und soviel Gewicht daran hängen, dass Trampel langsam zum Boden zurück gelangen würde.

"Alles klar", rief der Bauleiter, nachdem er sich alles gründlich überlegt hatte. "Dodo, du holst ein paar Rucksäcke aus dem Transporter, die nehmen wir als Gegengewicht. Tuffi, du kannst schon mal vorsichtig das Seil an der Anhängerkupplung lösen!"

Daraufhin ging er zufrieden in Richtung des an der Decke hängenden Trampels, leuchtete mit der Taschenlampe auf ihn und rief ihm zu, dass er keine Angst zu haben brauche, das Reparaturteam würde sich um seine Rettung kümmern. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Von irgendwoher hörte er Tuffi sagen: "Fertig, Chef!" und zugleich schien ihm, dass Trampel immer größer wurde. Bevor er begriff, was los war, war ihm der Hamster kreischend auf den Kopf gefallen.

Es dauerte einige Minuten bis der Bauleiter die Augen wieder öffnete.

"Tuffi, ich bringe dich um! Ich sagte ’vorsichtig lösen' und nicht 'losmachen'!"

Es war nun keiner mehr in Stimmung, die Party weitergehen zu lassen. Recht bedröppelt saßen die Hamster in einer Ecke, kauten ein paar Käsekrümel und sahen zu, wie sich Tuffi abmühte, gemäß Bauleiter Murksel Anweisungen, das Seil zusammenzulegen. Jedes Mal wenn es aussah, als würde es der kleine Reparaturhamster geschafft haben, war das Seil stärker. Das am Boden zusammengedrückte Seil sprang auseinander und Tuffi flog kreischend durch die Luft. Nachdem sich das Spielchen einige -zig Male wiederholt hatte, rief ihr Murksel zu, sie solle aufhören damit und ein anderes Mal weitermachen, bevor allen Hamstern der Kopf von dem Gekreische platzen würde.

"Und nun", fragte Hamstilidamst, "was machen wir nun?"

"Abwarten und Käse essen", erwiderte Goldi.

"Genau", stimmte ihm Dodo schmatzend zu, "der Käse ist so etwas von lecker..."

"Ihr Kerle denkt wieder nur ans Fressen. Hamstilidamst hat völlig Recht. wir sollten uns echt mal überlegen, wie hier wieder herauskommen! Was ist, wenn wir schon längst in Amsterdam waren und nun vielleicht auf dem Weg nach dem Nordpol sind?"

"Nun, Flecki, ich denke nicht, dass wir schon so weit sind", warf Tati. ein. "Ich habe mal auf meine neue Uhr geguckt. Vor sieben Stunden sind wir losgefahren."

"Du hast eine neue Uhr? Lass mal sehen" rief Sasie und gemeinsam mit Tuffi, Trampel und Dasie rannte sie zu Tati, um die neue Uhr zu bewundern.

Bauleiter Murksel tat so, als ginge ihn das alles nicht an. Er nahm einen Zettel hervor und begann darauf herumzukritzeln. Neugierig sah ihm der Bürgermeister über die Schulter, und nach einer Weile begann er wieder mit seiner Pfote auf dem Boden zu tippen.

"Aber mein lieber Bauleiter, das bedeutet ja, dass wir uns in unmittelbarer Nähe der Grenze befinden!"

"Genau", antwortete der, "das bedeutet, dass wir bald in Holland sind."

"Jo", meldete sich Dodo zu Wort, "das bedeutet wohl auch, dass wir ohne Ausweise über die Grenze fahren!"

"Ha, das bedeutet, dass nur der blöde Fahrer durchsucht wird!" frohlockte Goldi.

"Äh, das bedeutet vielleicht, dass der Wagen durchsucht wird", rief Flecki entsetzt.

"Öh, das bedeutet, dass wir im Arsch sind", beendete Murksel die Diskussion.


 


Kapitel 12

On the Road again

Der dunkelblaue Lkw hatte fast den Grenzübergang Oldenzaal erreicht. Der Fahrer pfiff fröhlich ein Lied und wartete geduldig, als er nur wenig später neben dem Zollhäuschen stand. Ein Zollbeamter winkte den rollenden  Lkw näher.

"Hey, Vim! Na, bist du deinen Käse losgeworden?"

"Ja, Pete, mein Wagen ist sauber. Willst du nachschauen?"

Statt einer Antwort lachte der Zollbeamte nur und winkte dem Fahrer zu, dass er durchfahren solle. Van der Slampe gab Gas und überlegte sich, was er an der nächsten Raststätte zu essen bestellen würde. Ein Käseommelette wäre genau das Richtige seufzte er, doch ihm war klar, dass es solch ausgefallene Gerichte an der kleinen Raststätte mit Sicherheit nicht geben würde. Eher würde es auf Currywurst, Pizza oder Shaorma, eine Art Hamburger mit Pommes, hinauslaufen. Er schüttelte sich, denn er war nicht nur ein Käselieferant, sondern auch ein Feinschmecker in Sachen Käse. Wenn es seine finanzielle Lage gestattet hätte, wäre er lieber in ein gutes Restaurant eingekehrt und hätte sich an Käsefondue oder frische Kartoffeln mit überbackenem Käse gelabt. Als das in grellen Pop-Farben beleuchtete Schild der Raststätte auftauchte, seufzte er noch einmal und bog rechts ab. Er parkte sein Gefährt im hinteren Teil des Parkplatzes, damit er sich schnell wieder in den Verkehr einreihen konnte, wenn er mit dem Essen fertig war. Dann stieg er aus, schloss die Wagentür ab und ging auf das Restaurant zu.

"Wir haben angehalten, ob wir jetzt an der Grenze sind?" fragte Tuffi leise.

"Wie lange sind wir denn jetzt unterwegs, Tati?" wollte Bauleiter Murksel wissen.

"Wir sind jetzt genau.... 9 Stunden und 10 Minuten von Zuhause weg."

"Dann müssten wir eigentlich in Holland sein", überlegte Murksel, "bestimmt hat der Fahrer getrödelt:"

"Ein Lkw darf auf der Autobahn nicht so schnell fahren", bemerkte Goldi.

"Also stehen wir jetzt an der Grenze, ja?" fragte Dodo ängstlich. "Bestimmt geht gleich die Tür auf, und dann stürmen bewaffnete Polizisten mit scharfen Hunden herein, wir sind erledigt!"

"Wir müssen uns verstecken, aber wo?" jammerte Tati

"In unserem Wagen natürlich, aber was dann?"

"Gute Idee, Flecki. Wir setzen den Transporter direkt vor die Heckklappe. Wenn jemand die Klappe aufmacht, rasen wir los und fahren alles platt. Danach flüchten wir weiter zur Fähre. Wer sich uns in den Weg stellt, wird plattgefahren" rief Goldi begeistert.

Nach kurzer Diskussion wurde dieser Plan mangels Alternativen einstimmig angenommen. Die Hamster setzten sich in ihren Wagen, und Goldi durfte das Steuer übernehmen, da er für draufgängerische Aufgaben wie diese die nötige Qualifikation besaß.

"Hör doch endlich mal auf, mit dem Gaspedal herumzuspielen", schimpfte Flecki nach einer Weile.

"Ja, ehrlich, Goldi, du kannst den Motor abschalten", bestätigte der Bauleiter. "Erstens hören wir ja gar nicht, ob jemand die Luke öffnet und zweitens können wir hier die Luft bald nicht mehr atmen."

Enttäuscht stellte Goldi den Motor ab und lehnte sich zurück.

"Könntest du eventuell mal den Scheibenwischer abstellen?" schimpfte Flecki.

"Aber wir brauchen doch klare Sicht auf der Flucht", kam die prompte Antwort. "Oh!"

"Was willst du mit 'oh' sagen?"

"Äh, das Wasser ist alle", antwortete Goldi enttäuscht. "Aber das können wir auf der Fähre kriegen..."

"Hör auf, mit dem Blinker zu spielen, du machst mich wahnsinnig!"

"Ich teste doch nur", sagte Goldi beiläufig und schaltete das Fernlicht ein und aus. Dann drehte er an dem Radio bis er einen Sender mit Country-Musik gefunden hatte, probierte die Warnblinker aus und schaltete die Lüftung ein.

"Könntest du vielleicht mal wenigstens andere Musik einstellen? Das Gejaule ist ja unerträglich." schimpfte Flecki.

"Nun, etwas, äh, sanftere Musik wäre nicht schlecht", schlug der Bürgermeister vor. "Vielleicht etwas Klassisches."

Goldi fing an, auf dem Armaturenbrett herumzuklopfen. Mit einem "Danke schön" nahm er dem verdutzten Bauleiter die Taschenlampe aus den Pfoten und leuchtete auf die Anzeigen.

"Der Öldruck ist etwas niedrig", stellte er fachmännisch fest, "und die Geschwindigkeitsanzeige hakt." Dann wühlte er im Handschuhfach herum, bis er einen Dosenöffner fand und hebelte damit er an der Geschwindigkeitsanzeige herum. Nach ein paar Minuten  knackte es, und das Glas der Abdeckung des Geschwindigkeitsmesser fiel auf den Boden.

"So kommt man doch gleich viel besser an das Problem heran", grinste Goldi etwas unsicher und drehte an dem Tachoanzeiger. Es knirschte und der Tacho fiel in Einzelteilen auf den Fußboden.

"Geht er jetzt wieder?"

"Klappe, Dodo, ich muss mich konzentrieren. Das Problem ist nicht so sehr die Geschwindigkeitsanzeige, die braucht man sowieso nicht. Was mir Kopfzerbrechen macht, ist die instabile Anzeige des Öldrucks."

"Ich mache mir eher Sorgen, dass wir alle in die Luft fliegen", lästerte Flecki.

Statt einer Antwort knurrte Goldi nur leise und zog an dem seitlichen Hebel, um die Motorhaube zu öffnen. Dann stieg er aus und ging zur Vorderseite des Wagens.

"Bauleiter Murksel, sag ihm mal, dass er mit dem Mist aufhören soll!" fauchte Flecki, der das Herumgebastel sichtlich auf die Nerven ging.

"Tja, leider kenne ich mich mit Motoren nicht so gut aus..."

"Schöne Hilfe", spottete Flecki. "Bürgermeister, sprich mal ein Machtwort!"

"Nun, ich, äh, schließe mich meinem Vorgänger dahingehend an, als dass ich..."

Der Bürgermeister unterbrach seine geistreiche Replik und erstarrte. Auch die anderen Hamster spitzten die Ohren, und sogar Goldi hörte mit dem Hämmern auf. Der Lkw fuhr weiter! Nach einer kurzen Schrecksekunde brach Jubel aus, und Hamstilidamst rief:

"Wir sind in Holland, wir haben es geschafft!"

"Klasse", jubelte Dasie, "Flecki, stell doch mal flotte Musik an, dann können wir einen Freudentanz machen!"

Begeistert drehte und schaltete Flecki an dem Radio, doch es gab keinen Ton mehr von sich. Langsam dämmerte ihr etwas, und sie begriff die Tragweite dessen, was womöglich passiert war. Sie hob den Kopf und sah zur Seite, dorthin, wo Goldi mit trauriger Miene und mit völlig verdrecktem Fell neben der Motorhaube stand.

"Du, du hast doch wohl nicht etwa die Autobatterie leergefummelt?"

Goldi nickte. "Ja, aber das ist nicht weiter schlimm. Schlimmer ist vielmehr, dass der Motor ausgetauscht werden muss, der ist im Eimer."

"Im Eimer?" riefen seine erstaunten Hamsterfreunde im Chor.

"Im Eimer", bestätigte Goldi. "Da war leider nichts mehr zu retten."

Der Bürgermeister tippte wieder mit seiner Pfote auf den Boden und krächzte: "Wenn wir den Wagen nicht mehr nehmen können, dann..."

"Haben wir ein Problem", fügte Murksel leise hinzu.

Während im Laderaum seines Lkw Trübsal geblasen wurde, war Vim van der Slampe bester Laune. Nachdem er über die Europastraße 231 auf den Autobahnring, der um Amsterdam herum führte, gelangt war,  fuhr er in gemächlichem Tempo auf die A10 weiter. Ein Blick auf die Benzinanzeige sagte ihm, dass er noch genug Treibstoff bis Alkmaar und sogar noch bis zur Fähre nach Edinburgh hatte. Da allerdings die Benzinpreise auf der Insel heftig teuer waren, überlegte er bereits jetzt, doch am besten die kleine Tankstelle bei Ijmuiden kurz vor dem Fähranleger zu nehmen. Bei Amsterdam-Nieuw-Zuid verließ er den Stadtring und erreichte wenig später die A9 in Richtung Alkmaar.

"Soll das heißen, dass du alles, aber auch alles kaputtgefummelt hast?"

"Nicht alles, Flecki, ich meine, die Scheibenwischer beispielsweise gehen noch, wenn sie Wasser hätten...“

"Ich mach dich platt, du Irrer!" kreischte Flecki und wollte sich auf Goldi stürzen. Sie packte ihn am Fell, ließ ihn jedoch im selben Moment wieder los.

"Igit nein! Du bist ja voller Öl! Wie soll ich jetzt meine Pfote wieder sauber kriegen, ich bin konterminiert!"

Teeblättchen reichte seiner Schwester ein Taschentuch, während er Goldi vorwurfsvoll anguckte.

"Falls ihr, äh, mit euren Spielchen fertig seid, würde ich gerne eine kleine Konferenz einberufen", meldete sich der Bürgermeister zu Wort. "Wenn wir nämlich nicht mehr mit dem Wagen weiterfahren können, muss unsere jetzige Situation neu beurteilt werden."

Sofort ertönte ein lautes Geplapper und Geschnatter, bis Bauleiter Murksel kräftig mit der Taschenlampe auf den Metallboden des Lkws klopfte.

"Ruhe bitte und einer nach dem anderen", mahnte er und setzte sich hin. Die anderen folgten seinem Beispiel bis auf Flecki, die sich weigerte,  auf dem selben Boden wie Goldi zu sitzen und somit als einzige stehen blieb.

"Ich fasse mal zusammen", begann der Bauleiter. "Wir sitzen in einem holländischen Lkw und fahren durch Holland. Wohin, das wissen wir nicht. Wo wir sind, wissen wir im Moment auch nicht genau. Unser Plan, hinter Utrecht im eigenen Wagen weiterzufahren ist gescheitert. Erstens wissen wir nicht, wo Utrecht ist, zweitens wissen wir nicht, ob wir überhaupt durch Utrecht kommen, und drittens haben wir keinen Wagen mehr."

Der Bauleiter kratzte sich nervös am Fell und blickte in die Runde der Hamster. "Vorschläge?"

"Also, zuerst sollten wir mal feststellen, wo wir sind", rief Tati.

"Im Lkw, Genaueres wissen wir nicht. Nächster Vorschlag!" brummte Murksel.

"Wir sollten herausfinden, wohin wir fahren!" meldete sich Hamstilidamst.

"Können wir im Moment nicht rausfinden, nächster Vorschlag!"

"Wir könnten diesen nichtsnutzigen Idioten Goldi über Bord schmeißen", schlug Flecki vor.

"Geht nicht, wir kriegen die Tür nicht auf. Nächster Vorschlag."

Goldi räusperte sich.

"Wir bleiben sitzen und warten ab. Zu Essen haben wir genug, es ist warm und trocken hier drin, und wir haben alle im Moment nichts Besonderes vor."

Die Diskussion ging noch eine Weile weiter, und mangels Alternativen blieb dieser Vorschlag der einzig Brauchbare. In der folgenden Abstimmung wurde Goldis Vorschlag bei einer Gegenstimme angenommen.

In diesem Moment hatten sie Alkmaar erreicht. Der Fahrer verlangsamte die Geschwindigkeit seines Lkw und bog in eine Seitenstraße ein. Er hatte sein Ziel erreicht und er betrachtete durch die Windschutzscheibe das geschäftige Treiben auf dem barocken Marktplatz. Neben einer kleinen Servicestation für die Lkws parkte er und hielt Ausschau nach seinem Freund und Handelspartner.  Weit und breit war noch nichts von ihm zu sehen. Vim van der Slampe stieg aus und sah auf die Zeiger der Rathausuhr. Er war eine Stunde zu früh gekommen, aber das machte überhaupt nichts. Fröhlich pfeifend nahm er einen der vielen Eimer, die an der Servicestation standen, füllte ihn mit Wasser  und ging zum Heck seines Fahrzeugs. Prima, dachte er, nun habe ich noch genug Zeit, in Ruhe die Ladefläche zu schrubben, bevor die Ladung kommt.


In dem dunkelblauen Lkw saßen die Hamster und warteten auf eine ungewisse Zukunft. So langsam dämmerte ihnen, dass ihr grandioser Plan dabei war, völlig danebenzugehen, und dass  ihnen die Kontrolle über die Ereignisse einmal mehr entglitt. Sie saßen mit großen Augen in einer Ecke des Laderaums und harrten der Dinge, die da kommen würden. Die merkwürdigen Geräusche draußen verhießen nichts Gutes. Dann klang es, als mache sich jemand an der Heckklappe des Lastwagens zu schaffen. Panik brach aus, in wilder Flucht rannten die Hamster im Kreis herum. Jemand schrie: "Wir müssen uns verstecken!"  worauf  als Antwort ertönte "Wo denn?"  bis alle stehen blieben und einander ratlos ansahen. Ihr Blick fiel auf den einzigen Gegenstand im Laderaum. "Wir nehmen den Wagen", ertönte es, und alles hechtete panisch und schreiend in den kleinen Transporter.

Vim van der Slampe fiel vor Schreck fast der Eimer mit dem Putzwasser aus der Hand. Wie sah denn die Ladefläche aus? Wo kamen die ganzen Krümel her und was waren das für kleine, schwarze Dinger?  Was war geschehen? Sein Blick fiel auf das kleine Hamsterauto. Kinder! Das konnten nur spielende Kinder gewesen sein. Wahrscheinlich hatten spielende Kinder auf dem Rastplatz es sich in seinem Lkw gemütlich gemacht  und waren geflüchtet, als sie ihn kommen gesehen hatten. Dabei hatten sie ihr Spielzeugauto wohl vergessen. Wo mochten diese Kinder hergekommen sein? Bestimmt gehörten sie zu irgendeiner Familie, die auf der Reise ebenfalls eine Rast eingelegt hatte. Was aber sollte er nun mit dem Spielzeugauto machen? Ihm wurde heiß bei dem Gedanken, was seine Kumpels hier auf dem Marktplatz wohl sagen würden. "Na, Vim, bist du nicht ein bisschen alt für so ein Spielzeug oder übst du heimlich Lkw-Fahren? Ist das dein Ersatzwagen, ha, ha", oder so ähnlich. Ja, Lkw-Fahrer waren harte Kerls und für ihre üblen, gemeinen Scherze bekannt. Es war klar, dass er das Auto irgendwie loswerden musste, aber wie? Ein infernales Hupen riss ihn aus seinen Gedanken; erschrocken sah er zur Seite. Ruud Kloetsack, ein besonders übler Bursche, parkte seinen riesigen, blauen Truck gerade neben ihm. Um Gottes Willen, nicht der! Das Spielzeugauto musste sofort verschwinden, sonst würde er gleich zum Gespött der ganzen Trucker werden! Schweiß perlte ihm über die Stirn, und er dachte fieberhaft nach. Dann kippte er den Inhalt des Eimers auf die Ladefläche, nahm den Hamstertransporter und steckte ihn in den leeren Eimer. Keine Sekunde zu früh.

"Na Vim, du alte Schlampe, machst du Frühjahrsputz?" röhrte es neben ihm, und eine riesige Pranke fiel auf seiner Schulter nieder, dass ihm beinahe der Eimer aus der Hand gefallen wäre. "Vergiss die Ecken nicht!" grölte Ruud und ging zu Vim van der Slampes Erleichterung weiter. Ganz ruhig bleiben, dachte Vim, lächelte seinem Kumpel hinterher und versuchte, möglichst locker zu bleiben, als er sich mit dem Eimer zu seinem Fahrerhaus hin begab. Er riss die Tür auf und stellte den Eimer in den Fußraum vor dem Beifahrersitz. Hastig schlug er die Tür zu und lief zur Servicestation, um sich einen neuen Eimer mit Wasser zu holen. Dann machte er sich daran, die Ladefläche zu schrubben. Komisch, dachte er zwischendurch, überall sind kleine Ködel. Die Kinder müssen Mäuse oder so etwas bei sich gehabt haben.

"Würdest du bitte mal deine Pfote aus meiner Nase nehmen, Dodo?"

"Tut mir Leid, Trampel."

"Wo sind wir?" stöhnte der Bürgermeister und rieb seinen Kopf, den er sich soeben am Lenkrad gestoßen hatte.

"Im Eimer, würde ich sagen", stellte der Bauleiter lakonisch fest.

"Wirklich eine feine Tour", schimpfte Flecki. "Und was nun? Mein Fell ist eingesaut von diesem Idioten Goldi, und der Bürgermeister tut wieder nichts. Wie soll das jetzt bitteschön weitergehen?"

"Öh, also erst mal sollten wir sehen, dass wir hier rauskommen", ertönte die Stimme des Bürgermeisters, der zwischen Rücksitz und Hamstilidamst eingeklemmt war. Auf ihm saß Dodo, der verzweifelt versuchte, seine linke Pfote aus Trampels Nase zu ziehen.

"Also nee, nix als Kacke an der Hacke", fluchte Bauleiter Murksel und wühlte sich an Teeblättchen vorbei, öffnete die Wagentür und kletterte auf den Transporter. Goldi folgte ihm und beide starrten über den Rand des Eimers auf die neue Umgebung.

"Boi, eye", rief Goldi begeistert, "der neue MAN-Diesel! Ich muss unbedingt mal sehen, wie der Tacho aussieht, ich komme gleich..."

Weiter kam Goldi nicht, denn Bauleiter Murksel hatte ihn an der einen und Flecki an der anderen Hinterpfote gepackt.

"Hiergeblieben", rief Flecki, während Goldi verzweifelt versuchte, das Armaturenbrett zu erreichen.

"Loslassen!" keuchte Goldi, dessen Vorderpfoten langsam von der glatten Konsole abrutschten.

"Erst versprichst du, dass du nichts anfasst", fauchte Flecki wütend.

"Ich denke nicht daran, aaah!" Goldi war mit den Vorderpfoten abgerutscht und hing nun vom Rand des Eimers herunter.

"So", spottete Flecki, "da kannst du jetzt hängen, bis dir schlecht wird, oder bis du versprichst, nichts anzufassen."

Während Goldi seinen Protest in Schweigen hüllte, drehte sich der Bauleiter um und rief: "Ihr könnt alle schon mal herauskommen und euch jeder ein schönes, leckeres Stück Gouda nehmen.  Ach ja, gebt bitte Flecki und mir auch jeweils ein schönes Stück."

Nach fünf Minuten gab Goldi auf und versprach hoch und heilig, nicht an den Armaturen herumzufummeln und erhielt auch ein Stück Käse.

"Wo verstecken wir uns jetzt?" fragte Dodo ängstlich, als auch das letzte Stück Käse gegessen war.

"Wir wäre es unter dem Beifahrersitz?" schlug Tati vor.

"Oder fliehen", schlug Dodo hastig vor.

"Wir haben noch immer keine Ahnung, wo wir eigentlich sind. Was nützt es uns also, wenn wir fliehen", überlegte Murksel laut. Er kletterte am Beifahrersitz hoch bis auf die Rückenlehne, von wo aus er aus dem Seitenfenster gucken konnte. "Oh, oh", keuchte er und kletterte so schnell er konnte wieder zurück. "Da draußen sind ganz viele Menschen, wir bleiben besser hier drinnen, da sind wir sicherer."

Der Bürgermeister räusperte sich, denn er fand, es war an der Zeit, einen geistreichen Beitrag zu der Situation zu leisten.

"Nun, wir sollten zunächst zufrieden sein, liebe Hamsterfreunde. Wir sind im Trockenen und haben noch genug zu Essen. Bis uns etwas Besseres einfällt, werden wir unter dem Beifahrersitz bleiben."

Alle nickten zustimmend, und der Bürgermeister war zufrieden, dass sein Vorschlag so schnell angenommen worden war. Lediglich Goldi grinste in die Runde und sagte: "Wie ihr wollt. Ich für meinen Teil werde es mir gemütlich machen."

Elf Paar schwarze Knopfaugen schauten ihn fragend an, und Goldi fügte hochnäsig hinzu: "Jeder, der sich auch nur halbwegs mit Lkws auskennt, und jeder, der schon mal etwas vom MAN-Diesel gehört hat, weiß, dass es da eine Schlafkoje gibt. Dort können die Fahrer auf langen Strecken zwischendurch schlafen."

Elf Paar schwarze Knopfaugen schauten ihn weiterhin ungläubig an und so kletterte Goldi am Sitz hinauf bis auf den oberen Rand der Rückenlehne. Dort angekommen drehte er seinen Freunden den Rücken zu und zeigte auf einen tiefblauen Vorhang. Dann kletterte er an der Rückseite des Vorhangs hoch und war verschwunden. "Boi, ist das gemütlich hier", hörten ihn die zurück gebliebenen Hamster rufen. "Kommt schnell her, bringt die Rucksäcke und das Fressen mit, jetzt ist Party angesagt!"

Mit vielfachen "Uhuj"-Rufen kletterten seine Freunde mit Gepäck und Fressen hinterher, und als gerade der letzte Hamster hinter dem Vorhang der Schlafkabine verschwunden war, öffnete sich die Fahrertür, und Vim van der Slampe setzte sich in die Fahrerkabine. Er ließ den Motor an und setzte den Lastwagen ein Stück zurück, dann stieg er wieder aus und half beim Einladen des Käses. Mit geübten Griffen ging das Beladen recht zügig voran. Schon nach kurzer Zeit saß er wieder in seinem Führerhaus und griff in die Ablage, sah sich einige Papiere an, nickte mit dem Kopf. Dann fiel sein Blick auf den Eimer mit dem Wagen. Er legte die Papiere wieder in die Ablage zurück und hob den Wagen aus dem Eimer und betrachtete ihn genau. Sofort fiel ihm auf, dass das kein gewöhnliches Spielzeug war. Nachdenklich öffnete er die Motorhaube und überlegte. Ein lautes Hupen riss ihn aus seinen Gedanken und die laute Stimme von Ruud Kloetsack war zu hören:

"Hey Vim, machst du noch ein Nickerchen? Sieh zu, dass du deinen gammeligen Käse nach Edinburgh bringst!"






Kapitel 13

Auf See

Van der Slampe legte geschwind den Transporter auf den Beifahrersitz, lächelte seinem Kumpel zu und ließ den Motor an. Vorsichtig setzte er den schweren Wagen zurück, schlug die Räder scharf nach rechts ein und lenkte erst wieder gerade, als er den roten Lastwagen seines Kumpels Ruud Kloetsack vor sich sah. Nun legte er den Vorwärtsgang ein, lenkte nach links und  folgte einer gelben Markierung, bis er den Marktplatz verlassen hatte. Dann gab er Gas. Nach wenigen Minuten befand er sich wieder auf der holländischen A9, diesmal in südlicher Richtung. Nach einer weiteren halben Stunde bog er rechts ab und tankte seinen Wagen an einer kleinen Tankstelle auf. Beim Bezahlen nahm er noch eine Tagezeitung mit und setzte die Fahrt fort. Kurz darauf sah er schon von weitem die Fähre. Das große, weiße Gittertor, durch das alle Fahrzeuge hindurch mussten, um auf das Schiff zu gelangen, war bereits geöffnet. Ein kurzer Tritt auf die Bremse, und er manövrierte den schweren Lastwagen durch das Tor. Sofort nahm er die äußerste rechte Fahrspur, die nur den schweren Transportfahrzeugen vorbehalten war und hielt Ausschau nach den Bediensteten des Terminals. Er hatte Glück, denn er wurde heran gewinkt und konnte gleich in den weit geöffneten Schlund der Fähre hinein fahren. Prima, dachte er, es ist doch gut, wenn einen die Leute kennen. Schließlich würden seine Papiere in Newcastle ohnehin noch einmal geprüft werden und schlimmstenfalls seine Ladung ebenfalls. Vorsichtig folgte er nun den Anweisungen des Terminal-Personals, bis sein Lkw im hinteren Teil des Schiffrumpfes untergebracht war. Er atmete auf, zog die Bremsen an und stellte den Motor ab. Nun musste er noch seine wenigen Sachen, die er wie immer in einer kleinen Reisetasche unter dem Fahrersitz hatte, einpacken und sich an Bord begeben. Dort würde er sich einen Schlafsessel suchen und die heutige Nacht verbringen. Gerne wäre er in seine Schlafkoje gekrochen, doch leider war es aus Sicherheitsgründen nicht gestattet, während der Seereise in den Fahrzeugen zu bleiben.

Sein Blick glitt wieder zu dem kaputten Hamsterwagen, und er schien zu überlegen. Wieder öffnete er die Motorhaube und sah neugierig hinein. Warum sollte er nicht die langweilige Überfahrt nutzen und an einem ruhigen Platz an Bord versuchen, dieses - wie er meinte - Modellauto zu reparieren? Schließlich legte er den Wagen in den Eimer zurück. Aus einem Seitenfach nahm er einen kleinen Werkzeugkoffer,  griff den Eimer und seine Reisetasche und öffnete die Fahrertür. Gerade als er aussteigen wollten, stutzte er, hob den Kopf und schnüffelte. Was war das für ein merkwürdiger Geruch in seinem Wagen? Bereits in Alkmaar war es ihm aufgefallen, dass die Luft in seinem Lkw merkwürdig vergoren roch. Was soll’s, dachte er sich, drehte das Fenster der Fahrertür hinunter und stieg aus.

"Ist er weg? Ich muss hier dringend raus!"

"Moment, Flecki, er verschwindet gerade durch eine Eisentür." Vorsichtig spähte Sasie durch einen Spalt im Vorhang nach draußen. "So, jetzt ist die Luft rein!"

"Die Luft ist nicht rein", stöhnte Flecki und kletterte so schnell sie konnte am Vorhang hinunter. "Warum muss dieser Kerl die Luft dermaßen verpesten, wenn er frischen Käse gegessen hat?" und guckte Goldi böse an.

"Sag mal, habt ihr gehört, was der vorhin gesagt hat?" fragte Hamstilidamst.

"Wer?" fragte Teeblättchen zurück.

"Na, dieser andere Lkw-Fahrer in dem roten Lastwagen. Der hat zu unserem Fahrer gesagt, dass er, also unserer Fahrer, den gammeligen Käse nach Edinburgh bringen soll!"

"Äh, Moment mal", warf Flecki ein, "wieso kannst du Holländisch verstehen, ich denke, du hast schottische Vorfahren?"

"Nun ja, ich habe auch holländische Vorfahren, sozusagen schottisch-holländische Vorfahren."

"Das ist ja auch egal", rief Murksel begeistert, "dann sind wir ja auf der Fähre! Seht nach draußen Leute, wir sind im Schiff nach Newcastle!"

"Nun, meine lieben Hamster", tönte der Bürgermeister, "wieder einmal hat es sich gezeigt, dass wir Hamster durch nichts aufzuhalten sind. Durch Mut und Eigeninitiative, allen Widrigkeiten trotzend,  haben wir es geschafft, gewissermaßen unter meiner Führung, unser Ziel..."

"Sagt mal Leute, ist das nicht der Dampfer, auf dem es so ein geniales Fressmenü gibt? Ich glaube, das heißt Dinnerbuffet! Da muss ich hin, wer kommt mit?"

"Also ich komme mit", rief Dodo, und bis auf Flecki nickten alle begeistert.

"Und was ist, wenn wir erwischt werden?" rief sie. "Die werden uns über Bord schmeißen, und das war’s dann. Unsere toten, kalten Körper werden dann auf dem Meeresgrund  liegen."

"Ja, aber immerhin hätten wir uns vorher so richtig die Bäuche vollgeschlagen", entgegnete Goldi.

Nun hieß es aber erst einmal abwarten. Am Felison Terminal standen noch viele Wagen, die darauf warteten, an Bord gefahren zu werden. Im Rückspiegel konnten die Hamster verfolgen, wie sich der Bauch des Schiffes mehr und mehr füllte, Leute aus den Autos stiegen und mit ihrem Gepäck durch eine der Türen in der Mitte des Schiffs verschwanden. Bis auf ein paar Leute vom Schiffspersonal war bald der Bauch des Schiffes menschenleer. Das Schiff vibrierte nun stärker als zuvor, und das bedeutete, dass die Reise begonnen hatte.

"Nanu", rief Murksel nach einer Weile, "merkt ihr das auch? Wir fahren jetzt plötzlich rückwärts!"

"Vielleicht sind wir ja vorher rückwärts gefahren und fahren jetzt vorwärts!" vermutete Tati. "Oder der Käpitän hat noch was vergessen..."

"Oder die haben gemerkt, dass wir an Bord sind. Jetzt kehren wir um, und dann kommt die Polizei", jammerte Dodo.

"Vielleicht haben die das Schiff ja auch nur gedreht, damit sie aus dem Hafenbecken kommten", bemerkte Goldi richtig. "Aber das bedeutet, dass die Gelegenheit günstig ist. Bestimmt hängen diese Idioten alle an der Reeling und gucken, wie toll das aussieht, wenn so ein blödes Schiff fährt. Wir brauchen jetzt nur in eines der Fress-Restaurants zu gehen und uns zu proviantisieren. Irgendwo finden wir schon einen kleinen Ort für unsere Fress-Party. Los, kommt, wir klettern durch das Fenster!"

Goldi ließ seinen Worten Taten folgen und kletterte voran. Kurze Zeit später stand die hungrige Hamsterschar vor einer der geschlossenen Eisentüren, durch die es zu den Kabinen und ins Innere des Schiffes ging.

"Und nun, was machen..."

"Geduld, Dodo, wir verstecken uns hier unter diesem Wagen und warten", unterbrach ihn Goldi und kletterte unter einen roten Opel. "Hier ist es schön warm, und wir können sehen, wenn sich jemand nähert. Irgendwann muss jemand vom Schiffspersonal kommen, denn es ist scheinbar recht stürmisch draußen. Bei Sturm muss geprüft werden, ob die Lastwagen fest verlascht sind."

In der Tat dauert es nicht lange, und die schwere Eisentür wurde geöffnet. Ein Mann und eine Frau stiegen heraus, jeder von ihnen trug einen Werkzeugkoffer.

"Auf geht’s!" rief Bauleiter Murksel, und die Hamstertruppe rannte durch die Türöffnung. Es war Eile geboten, denn die schwere Eisentür fiel recht schnell wieder ihr Schloss zurück. Wenige Sekunden ging die Tür krachend zu, ein "Aaaaaaaah" ertönte, gefolgt von einem Klatschen und einem Poltern. Dann war alles still.

"Jemand verletzt?" fragte der Bürgermeister. "Wo steckt Trampel?"

"Hier unten", ertönte eine leise Stimme. "Die Tür hat mich erwischt!"

Tatsächlich befand sich Trampel ein Stockwerk tiefer, nachdem ihm die Tür einen gewaltigen Klapps gegeben hatte, und er mehrere Meter durch die Luft bis zur nach unten führenden Treppe geschossen wurde. Doch Glück im Unglück: Trampel lag direkt neben dem Fahrstuhl, und neben dem Fahrstuhl stand der Reinigungswagen des Putzpersonals. Hamstilidamst kletterte hinauf und drückte auf den Fahrstuhlknopf. Nach kurzer Zeit kam der Fahrstuhl, und nun war Dodo an der Reihe. Er schob den Reinigungswagen in den Fahrstuhl hinein, und Hamstilidamst blickte nun auf eine Tafel mit vielen Knöpfen.

"Äh, welchen soll ich denn nun drücken? 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, oder 8?"

Die Hamster sahen einander ratlos an. Dann richteten sich alle Blicke auf Goldi.

"Die Sechs!"

Hamstilidamst drückte auf den Knopf mit der Nummer 6, und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Neben der Fahrstuhltür leuchtete die Anzeige des jeweiligen Stockwerks auf. Als die Sechs aufleuchtete und der Fahrstuhl stoppte, war keinem der Hamster wohl zumute, und wenn ihr Hunger nicht so groß gewesen wäre, dann hätten sie schon längst die Flucht angetreten.

"Soll ich den Putzwagen wieder vor die Tür schieben?"

Der Bauleiter überlegte, dann nickte er. "Vielleicht brauchen wir ihn für unsere Flucht."

"Vielleicht sollten wir nun strategisch vorgehen", empfahl der Bürgermeister. "Wir könnten einen Späher vorschicken."

In diesem Moment kam eine Gruppe Passagiere vorbei, und die Hamster kletterten wieder auf den Reinigungswagen.

"So wird das nichts", knurrte Murksel enttäuscht, "so kommen wir nicht mal über den Flur!"

In diesem Moment ging ein Ruck durch den Reinigungswagen, und die Hamster erschraken. Eine Stimmte ertönte: "Der Wagen muss hier weg, der steht direkt vor dem Fahrstuhl. Mareike, bringe den Wagen schon mal in die Küche, wir brauchen den nachher, um den Speisesaal zu reinigen!"

Der Wagen wurde nun so schnell fortgeschoben, dass die Hamster arge Probleme hatten, nicht herunter zu fallen. Da zu dem Zeitpunkt noch nicht viele Menschen unter Deck waren, ging es zügig voran. Dann stoppte der Wagen abrupt, und Trampel fiel herunter. Eine Tür schloss sich geräuschvoll und es war still.

"Trampel, ist alles in Ordnung?"

"Ja, danke, Bauleiter. Nur mein Kopf hat eine Beule. Dieser Schrank hier ist sehr hart."

"Das ist kein Schrank, das ist ein Herd", warf Flecki ein und sah sich um. "Wir sind tatsächlich in der Küche."

"Los, Leute, anfassen, jetzt wird eingekauft, der Supermarkt hat geöffnet!" rief Goldi, kletterte auf einen Stuhl und von dort aus auf den Tisch. "Boi, eye, hier ist die Gemüseabteilung! Und Kekse! Dodo, fang!"

Tatsächlich waren sie in einem Nebenraum der Küche gelandet. Hier standen die Obstkörbe und all die Leckereien, die zu einem gepflegten Nachtisch gehören. In der angrenzenden Küche war das Personal hektisch damit beschäftigt, die warmen Speisen für die Passagieren zuzubereiten, denn schließlich sollte das 'Seven Seas Restaurant' in wenigen Minuten öffnen. Die Tür wurde aufgerissen, und die Hamster flüchteten auf den Reinigungswagen. Jemand stieß gegen den Wagen, und eine ärgerliche Stimme war zu hören: "Welcher Idiot hat den Putzwagen denn hier hingestellt?" Gleich darauf mussten sich die Hamster festhalten, denn nun wurde der Wagen wieder aus dem Raum geschoben. Kurz darauf standen sie wieder neben dem Fahrstuhl.

"Öh, und nun?"

"Ab nach Hause natürlich, Dodo", rief der Bauleiter. "Trampel, klettere mal hoch und versuche, den Fahrstuhlknopf zu erreichen!"

Während Trampel nun am Gestänge des Putzwagen hochkletterte, drehte Flecki den Kopf suchend hin und her. "Wo steckt denn dieser unnütze Goldi?" rief sie.

"Verdammt," rief Dasie, "ich glaube, der ist bei dem Obstkorb und den Keksen geblieben. Wir müssen ihn holen!"

Dem Bürgermeister fiel fast das Herz in die nicht vorhandene Hose, als er sah, was sich auf dem Deck abspielte. Menschenmassen strömten zum Restaurant hin, und es würde eine gefährliche Sache werden, zwischen all den Füßen hindurchzulaufen. Nach einer kurzen Diskussion wurde beschlossen, dicht an der Fußleiste der linken Wand entlang zu laufen und kurz hinter dem Eingang in den Speisesaal nach rechts zu schwenken. Von dort aus waren es nur noch wenige Meter bis zum Nebeneingang der Küche. Dann gab Bauleiter Murksel das Zeichen, und die Hamstertruppe lief, so schnell ihre kleinen Pfoten es zuließen, dicht zwischen den gefährlichen Füßen zur einen und der Wand zu anderen Seite. Immer wieder gab eines der kleinen Tiere zwischendurch ein ängstliches Quieken von sich, wenn der eine oder andere Fuß bedenklich dicht neben Schwanz oder Pfote aufsetzte. Sie hatten den Eingang zum Restaurant erreicht, liefen an der Sperre vorbei und hielten neben einem Salatbuffet an. Dort warteten sie, bis eine größere Menschenmenge an ihnen vorbeigelaufen und eine Lücke entstanden war. Nun kam der letzte Teil dieser gefährlichen Strecke und die Hamster rannten um ihr Leben, als plötzlich eine laute, hohe Stimme durchdringend schrie: "Hulp! Muizen!"1 Sie waren entdeckt worden! Schnell liefen sie unter den nächsten besten Buffettisch und warteten. Um sie herum war nun ein allgemeiner Aufruhr entstanden, und zwei junge Damen des Restaurantservice sprachen mit einer dicken Dame, die aufgeregt immer wieder auf den Boden deutete. Nachdem jedoch die Servicedamen einen nicht unerheblichen Sherrygeruch bei der dicken Dame wahrgenommen hatten, legte sich die Aufregung. Die dicke Dame wurde an einen Tisch geführt, wo sie auf Kosten des Hauses eine Gratisflasche Wein erhielt. Während dessen hatten die Hamster unbemerkt den Raum erreicht, in dem sie Goldi vermuteten. Zu ihrem Glück war die Eingangstür angelehnt.

"Da sagt man immer", japste der Bürgermeister, "dass Seereisen entspannend sind." Keuchend lehnte er sich an das Bein eines der Küchentische und sah den anderen bei der Suche nach dem verschwundenen Goldi zu. Als er wieder zu Atem gekommen war, bemerkte er, dass das Tischbein ungewöhnlich stark vibrierte. Er schöpfte Verdacht und rief: "He, seid mal alle ganz leise!"

Im Nu war es mucksmäuschenstill und nur das übliche Vibrieren des Schiffes und Fetzen von Unterhaltungen aus dem Restaurant waren zu hören. Flecki mit ihrem scharfen Gehör bemerkte es als erste, kletterte auf einen Stuhl und sprang auf den Tisch. "Es kommt aus der Obstschale", rief sie. Aufgeregt und voller Sorge  kletterten ihre Freunde hinterher und versammelten sich alle um die Obstschale, aus der merkwürdige Geräusche kamen.

"Nun, äh, vielleicht sollte jemand mal nachsehen, was diese Geräusche macht...", empfahl der Bürgermeister ängstlich, während Flecki auf die Obstschale kletterte, und einen oben liegenden Apfel mit einem Fusstritt beiseite beförderte.

"Ha!" rief sie triumphierend. "Wusste ich es doch. Er hat sich überproviantisiert und schnarcht! Wir brauchen kaltes Wasser, damit es dem armen, armen Kerl besser geht."

Sie hatte ihren Satz gerade beendet, als die Küchentür geöffnet wurde. Blitzschnell waren die Hamster auf die Schale gesprungen und hatten sich so gut es ging unter dem Obst verkrochen.

"Sie behauptet, ihr wäre schlecht vom Seegang, also habe ich ihr gesagt, etwas Obst würde guttun. Ich werde der Dame mal etwas Obst bringen!" rief eine Stimme, und die Hamster ahnten Schlimmes, als sie sich plötzlich in die Luft gehoben fühlten. Krampfhaft hielten sie sich fest, bis ein heftiger Ruck ihnen mitteilte, dass sie zusammen mit der Schale auf einen anderen Tisch gestellt worden waren. Wo waren sie? Wass passierte hier? Vorsichtig spähten sie zwischen dem Obst hervor und blickten direkt in das Gesicht der fetten Dame die nach Sherry roch und sich an einer Flasche Wein festhielt.

"Ollah!"1

"Ongedierte! Kleintje Ongedierte kruipen in't fruit!"1

"Was labert die, Hamstilidamst?" fragte Trampel verstört.

"Oh, stell dir vor, die hat was von kleinem Ungeziefer im Obst gesagt!"

"Das kommt bestimmt vom Saufen", meinte Goldi, "ich habe mal gehört, dass..."

"Abhauen!" schrie Bauleiter Murksel mit schriller Stimme, "macht, dass ihr wegkommt! Wir treffen uns am Fahrstuhl!"

Nun folgte etwas, was das ehrwürdige 'Seven Seas Restaurant' noch nie erlebt hatte. Es begann damit, dass vereinzelt Gekreische von Frauen zu hören war und das Personal aufgeregt hin- und herlief. Dann brach an der linken Seite des Saals Panik aus, als eine vornehme Dame, die sich gerade das zweite Mal einen Nachschlag Pommes Frites nahm, zwischen den Fritten einen Goldhamster erblickte. Es handelte sich hierbei um Hamstilidamst, den der leckere Geruch angelockt hatte. Nicht weit davon entfernt hatte Murksel einen Softeisautomaten entdeckt und festgestellt, dass nur ein kleiner Bolzen entfernt werden musste, damit er besser funktionierte. Das Ergebnis war eine Fontäne von Softeis, das sich über einen Großteil der Passagiere ergoss. Auch hier setzte Panik ein, und alles rannte kreischend durcheinander. In demselben Moment durchlebten zwei ältere Damen den schlimmsten Moment ihres Lebens. Beide hatten vor wenigen Minuten beschlossen, ihre strenge Diät für einen Moment Diät sein zu lassen und sich etwas Eis zu gönnen. Frau Antje van Sluisenknall schaufelte gerade den vierten Löffel Vanilleeis auf ihren Teller, als sie bemerkte, dass sich gerade dabei war, sich einen Hamster - es handelte sich um Dodo - auf den Teller zu schaufeln.

Auch an der Salatbar war der Teufel los. Dasie und Sasie waren von hysterisch kreischenden Damen unter dem Blattspinat entdeckt worden, und als diese Damen Hals über Kopf flüchteten, stießen sie mit Mitgliedern der Urlaubsgruppe des Leerdamer Altersheimes "Knars"1 zusammen. Diese alten Leute hatten bis vor einer Minute friedlich am Tisch gesessen und ihre Suppe gelöffelt, als sie mit dem ultimativen Horror konfrontiert wurden. Einer der Senioren, Ede van Afgetrokken, hatte in alter Gewohnheit sein Gebiss neben sich auf den Tisch gelegt. Irrtümlicherweise hielt Goldi dieses Utensil für ein ideales Versteck, und sicherlich wäre vorläufig auch alles gut gegangen, wenn Goldi durch seine immense Fresserei an diesem Tag nicht just in diesem Moment einen heftigen Schuckauf bekommen hätte. Jedenfalls war ein hüpfendes Gebiss nicht unbedingt das, was die alten Leute nervlich vertragen konnten. Nachdem dieser Tisch nunmehr ihm alleine gehörte, wagte sich Goldi hervor und besänftige seinen Schluckauf durch ein großes Stück Zucker aus der dort stehenden Zuckerdose. Nun war ihm wohler und er hielt Ausschau nach seinen Freunden. Auf dem Nachbartisch entdeckte er Trampel, der gerade voller Interesse eine Flasche Sekt inspizierte. Sofort gesellte sich Goldi zu ihm und schlug ihm vor, sich doch bitteschön  'nur mal aus Spaß' auf den Korken zu setzen. Trampels Frage nach dem 'Warum' blieb unbeantwortet, jedoch als Goldi den Draht des Korkens löste und es grässlich laut knallte, wurde Trampel klar, wohin die Reise ging. Begeistert verfolgte Goldi den Flug seines laut quiekenden Freundes bis hin zur Deckenbeleuchtung. Dann knallte es erneut, ein Teil der Saalbeleuchtung erlosch, und Trampel landete in einem großen Topf Gulaschsuppe.

"Habe ich nicht eben Trampel schreien gehört?" fragte Bauleiter Murksel, der in diesem Moment zu Goldi auf den Tisch kletterte.

"Äh, ja", stotterte Goldi, "er ist gerade Suppe holen gegangen."

"Gut, dann ist er wenigstens in Sicherheit. Wir brauchen Superhamster, der Bürgermeister und  Tuffi sind in Gefahr! So ein blöder Kellner hat sie gefangen und in ein leeres Bierfass gesetzt."

"Wo?"

"Dort hinten an der Bar."

Vorsichtig schlichen sich die beiden zur Bar, wobei sie äußerst vorsichtig sein mussten, nicht vor die Füße der schreienden, panischen Menge zu geraten. Inzwischen waren die Sicherheitleute des Schiffes auf die Idee gekommen, die Passagiere mit Durchsagen zu beruhigen. Da die Stromversorgung jedoch teilweise gestört war, kamen auch die Durchsagen gestört durch. Das widerum sorgte für eine Steigerung der Panik, die mittlerweile das ganze Schiff erfasst hatte. Zu der zeitweiligen Stromstörung war es gekommen, nachdem Fleckis Aktion 'Rettet die unschuldigen Garnelen’ gescheitert war. Zusammen mit Tati hatte sie versucht, die Garnelen aus einem Kühlfach am Buffet zu entführen und ins Meer zurückzubringen. Leider kam ihnen eine Kellnerin dazwischen und verfolgte die beiden. Erst die Flucht in einen Sicherungskasten bewahrte sie vor der Gefangennahme. Wütend über das Misslingen ihrer gut gemeinten Aktion wütete Flecki eine Weile im Sicherungskasten, bis sie sich beruhigt hatte.

Murksel und Goldi betrachteten die Lage und kamen zu dem Schluss, eine der Wasserleitungen zu kappen und in das Fass umzuleiten. Der Auftrieb würde des Rest erledigen und den Bürgermeister samt Reparaturhamster Tuffi aus dem Fass spülen. Zwar hätte Goldi, wie er ausdrücklich betonte, lieber gesprengt, doch mangels Sprengstoff mussten nun sanftere Methoden gewählt werden.

"Ein-zwei-drei!" zählte Murksel, und gemeinsam schraubten die beiden Hamster an dem Ventil für die Wasserzufuhr. "Amateure", schimpfte Murksel, "die haben diese billigen Ventile genommen. Wenn du die überdrehst, dann gibt es eine Überschwemmung, wir müssen also vorsichtig sein. Gib mir doch mal den Korkenzieher, Goldi".

Dann knackte es unangenehm, der Bauleiter starrte mit riesengroßen Knopfaugen auf das sich lösende Ventil. Im nächsten Moment schoss ein dicker Wasserstrahl durch das Restaurant, erfasste den schreienden Bauleiter und schoss ihn quer durch Saal.

"Brauchst du den Korkenzieher noch, Murksel?"

Als ihm keiner antwortete, fiel Goldis Blick auf das Fass, das durch den Wasserstrahl umgeschossen worden war, und sah Tuffis Kopf herausgucken.

"Hilf mir mal, Superhamster, dem Bürgermeister geht es nicht besonders."

Sofort kletterte Superhamstergoldi in das Fass und fand den Bürgermeister in einem merkwürdigen Zustand vor; er saß in der Ecke, seine Augen waren glasig, das Fell zerzaust und er grinste vor sich hin.

"Wieso, der sieht doch aus wie immer."

"Er hatte Durst und hat die Flüssigkeit im Fass aufgeschleckt, ich glaube, er ist krank."

"Der ist nicht krank, der ist besoffen", stellte Superhamster fest. "Komm hilf mir mal, wir müssen ihn zum Treffpunkt bringen."

Zunächst schien die Flucht auch problemlos zu verlaufen, und am Salatbuffet waren alle Hamster wieder vereint, doch dann sah es aus, als hätte sie ihr Glück zu verlassen.

"Mist", fauchte Flecki, die haben den Eingang verrammelt und Wachen aufgestellt. Die kontrollieren jeden, der da durch will."

"Vielleicht sollten wir uns ergeben", schlug Dodo vor, "aber was ist, wenn die uns ins Meer schmeißen?"

"Wahrscheinlich werden wir ersaufen", fügte Hamstilidamst dazu.

"I-i-intz Meer?" lallte nun überflüssigerweise der Bürgermeister. "Intz wa-wa-weite Meer? Eho, Amolap Al!"1

"Nun fängt der auch noch an, la Paloma zu singen, dieser Schwachkopf, der wird uns noch alle verraten", fauchte Flecki und sah Goldi vorwurfsvoll an. "Na los, Superhamster, mach mal was!"

Bevor der Bürgermeister die zweite Strophe singen konnte, hatte ihm Goldi ihm einen Korken in den weit geöffneten Mund gestopft.

"Seht mal da, die dicke Dame von vorhin. Die ist doch tatsächlich am Tisch eingepennt." Flecki reckte neugierig den Kopf. "Und seht mal, was für eine hässliche Handtasche sie da stehen hat."

"Die Handtasche", rief Hamstilidamst, "wie wäre es damit?"

"Ach, nee, die ist doch farblich völlig out..."

"Er meint zum Verstecken", stöhnte Bauleiter Murksel genervt. Nun endlich hatten es alle kapiert, und die Hamster machten sich auf den Weg zum Tisch, an dem die dicke Dame ihren Rausch ausschlief. Wenig später lagen sie zwischen Tempotüchern, Lidschattenstiften und einem kleinen Regenschirm.

"Hä, hä", witzelte Goldi, "und ich dachte immer, Frauen brauchen keinen Regenschirm."

"Wieso denn das nicht?" wollte nun Flecki wissen.

"Weil es in der Küche doch nie regnet, ha, ha!”

Es knallte kurz, und alle drehten sich um. Goldi lag in der Ecke und über ihm der verbogene Regenschirm. Bauleiter Murksel sah Flecki mit großen Augen fragend an, und Flecki flüsterte: "Er ist unglücklich über den Schirm gestolpert."

Gerade in dem Moment, als Superhamster sich stöhnend erhob, fuhren die Hamster erschrocken zusammen. Jemand war an den Tisch getreten und rief mit lauter Stimme: "Hallo, meine Dame, wir schließen jetzt. Bitte verlasen Sie das Restaurant!"

Stöhnend öffnete die dicke Dame kurz die Augen und antwortete "Bedtijd, slaapen..."1 Sie erhob sich, nahm ihre Tasche und steuerte dem Ausgang entgegen. Die Wachen dort musterten sie eingehend, ließen sie aber passieren. Nach einer Slalom-Reise über den Flur und nach dem Besuch mehrerer fremder Kabinen geleitete schließlich eine Stewardess die dicke Dame in ihre Kabine. Als diese endlich wieder in ihrer Kabine war, schleuderte sie ihre Handtasche in eine Ecke, ließ sich auf das gemachte Bett fallen, krächzte ein letztes Mal: "Bedtijd" und begann, laut zu schnarchen.

"Die ist doch wohl nicht mehr ganz frisch, wir hätten uns den Hals brechen können!"

"Grünau, Dings, Flekschi, grünau, wie isch imma zzzu s-sa-sa-sagen pfl-pflegte, dasch kanschu mir glauben..."

"Goldi, den Korken bitte!"

Bevor der Bürgermeister seine geistreiche Rede fortführen konnte, hatte Goldi den Korken gefunden und die Ruhe wieder hergestellt.

"Und nun, was machen..."

"Schau dich doch mal um, Dodo", unterbrach Murksel. "da vorne liegt eine Tafel Schokolade. Wie wäre es mit einer Party?"

Während die dicke Dame ihren Rausch ausschnarchte, fand in ihrer Kabine eine ausgelassene Hamsterparty statt, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Dann suchte jeder sich eine kuschelige Ecke, und es herrschte endlich Ruhe auf dem gesamten Schiff.




Kapitel 14

Edinburgh

"Good morning, ladies and gentlemen, we hope..."

Die Lautsprecheransage der Queen of Scandinavia kündigte den neuen Tag an und begrüßte ihre Passagiere. Die meisten waren bereits wach und warteten vor den Türen des Restaurants auf Einlass, um ihr Frühstück einzunehmen. Andere standen an Deck und schauten voller Erwartung auf einen immer größer werdenden Landstrich auf der Backbordseite des Schiffs. Viele Passagiere wiederum erwachten erst jetzt aus ihrem mehr oder weniger erquickenden Schlaf und schauten - sofern sie eine Außenkabine besaßen - neugierig aus dem Bullauge. Dann gab es noch eine andere Art von Passagieren, nämlich die, die in panischer Angst wild kreischend im Kreis lief, als die Lautsprecheransage durchgegeben wurde. Schließlich gab es noch eine weitere Art, nämlich die, die das alles nicht interessierte und die einfach liegen blieb.

"Was war das?" keuchte Tati völlig atemlos und äugte ängstlich unter einem Pullover hervor.

"Die Polizei, die suchen uns! Bestimmt wird jetzt gleich..."

"Klappe und sei mal still, Dodo, da kommt noch eine Durchsage!"

"...Möchten wir uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Wir laden Sie deshalb alle auf ein Gratisfrühstück im 'Blue Riband Restaurant' ein, da das 'Seven Seas Restaurant' zur Zeit renoviert wird."

"Fein", rief Goldi begeistert, "habt ihr das gehört? Gratisfrühstück! Da gehen wir hin!"

"Wir gehen nirgendwo hin. Wir sehen zu, dass wir in den Lkw zurückkommen, das ist unsere einzige Chance." Bauleiter Murksel überlegte einen Moment dann sprach er weiter. "Wenn ich das gestern richtig mitbekommen habe, sind wir nur ein Deck höher getragen worden, wenn man mal von den Umwegen absieht. Mit etwas Glück finden wir den Putzwagen wieder."

In diesem Moment schien die dicke Dame langsam wieder zu sich zu kommen. Entsetzt drehten sich die Hamster um, doch sie war noch nicht soweit, die Augen zu öffnen, sondern räkelte sich nur.

"Wir müssen raus hier und zwar schnell!" rief der Bürgermeister und sah ratlos auf die Kabinentür.

Murksel, Tuffi, Hamstilidamst, und Dodo drückten und zogen an der Tür, doch es wurde schnell klar, dass diese Tür nur mit dem dafür vorgesehenen Drehknopf zu öffnen war und den konnten die Hamster erstens nicht erreichen und zweitens hätten sie nicht die Kraft gehabt, ihn herumzudrehen.

"Zwecklos", keuchte der Bauleiter, "das packen wir nicht." Er setzte sich enttäuscht neben die Tür und starrte an die Wand..

"Vielleicht ja doch", rief Goldi. "Dodo, komme mal mit zu der fetten Wachtel."

Mit fragendem Blick folgte Dodo. Goldi kletterte auf das Kopfkissen, auf dem die dicke Dame schlief und rief Dodo zu, er solle auf den Kopf von der Tante klettern und ihr eines ihrer Augenlider hochziehen. Dodo war natürlich nicht wohl dabei zumute, doch er tat, was verlangt wurde, und zog das rechte Augenlid der Schlafenden hoch. Goldi befand sich nun direkt vor dem geöffneten Auge, und begann zu tanzen und zu fiepen. Zunächst schien die schlafende Frau nichts zu begreifen, doch nach und nach weitete sich das Glubschauge, starrte entsetzt auf den tanzenden Hamster und fing an, laut zu kreischen. Sie sprang hoch, griff in ihr Haar und packte Dodo, der nicht schnell genug geflüchtet war. Mit einem Entsetzensschrei ließ sie ihn los und sprang vom Bett auf. Da, noch mehr Krabbeltiere! In wilder Panik rannte sie zur Kabinentür, riss sie auf und rannte schreiend über den Flur.

"Auf geht’s, meine Damen und Herren", rief der Bürgermeister, und einer nach dem anderen stürmte auf den Flur hinaus. "Rechts!" rief  Murksel und rannte an einer schreienden Mutter vorbei, die ein Kind auf dem Arm trug, das mit dem Finger auf die Hamster zeigte und lachte. Durch eine enge Linkskurve ging die wilde Flucht weiter, dann rechts herum auf einen breiten Gang, wo eine Gruppe Urlauber schreiend ihre Koffer fallen ließen, als sie die Hamster sahen, und flüchteten. Da, der Fahrstuhl - doch kein Putzwagen weit und breit. Inzwischen hatten die Urlauber dem Personal Bescheid gesagt, und die Lage wurde gefährlich, als plötzlich drei Sicherheitsleute auf die Hamstertruppe zu liefen.

"Schnell, die Treppe runter", kreischte Flecki. Nun aber tauchte ein großes Problem auf, denn die Treppe war voller Menschen, die auf dem Weg zu ihren Autos waren. Allerdings hatte das Sicherheitspersonal noch größere Probleme, sich durch die Menge zu drängeln, und somit gewannen die Hamster von Deck zu Deck etwas mehr Vorsprung. Auf den Treppen war es inzwischen wieder zu panikartigen Tumulten gekommen, nachdem einige Passagiere die kleinen Nagetiere zwischen ihren Beinen hindurch hatten flitzen sehen. Wieder versuchte das Schiffspersonal, die Menschen durch Lautsprecherdurchsagen zu beruhigen, doch dadurch wurde das genaue Gegenteil bewirkt. Den Hamstern war es recht, sie hatten soeben das Autodeck erreicht und standen wieder vor der Eisentür, hinter der gleich der Lkw sein musste. Hier war die Flucht zu Ende, sie konnten jetzt nur noch darauf hoffen, dass jemand die Tür öffnen würde.

Vim van der Slampe war bester Laune. Ein kostenloses Frühstück! Er war begeistert von dem leckeren Buffet, das er gerade eben im 'Blue Riband' erhalten hatte und stieg die letzten Stufen hinab zum Autodeck. Neben seinem Gepäck trug er auch den Eimer, in dem sich das merkwürdige Modellauto befand. Er hatte es in mühsamer Kleinarbeit auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt. Zu seinem allergrößten Erstaunen war ein völlig intaktes Fahrzeug dabei herausgekommen. Was ihn ebenfalls in Erstaunen versetzt hatte, waren die kleinen Rucksäcke, die sich in dem Fahrzeug befanden, und er hatte auch nicht die kleinen Ködel vergessen, die noch vor kurzer Zeit die Ladefläche seines Lkws verschandelt hatten. Natürlich hatte Vim van der Slampe die Ereignisse an Bord mitbekommen, denn die Panik des letzten Abends hatte ja das gesamte Schiff erfasst. Grinsend dachte er an das Erlebnis, dass er eben hatte. Eine dicke Frau, die vor dem Informationsschalter stand und einem jungen Mann hinter dem Schalter vorheulte, nie wieder etwas zu trinken, wenn nur diese Mäuse verschwinden würden. Plötzlich verging ihm das Grinsen und er fragte sich, ob da zwischen diesen Nagetieren, die das gesamte Schiff in Aufruhr versetzt hatten, und dem Modellauto vielleicht ein Zusammenhang bestünde. Tapfere kleine Tierchen, dachte er und verwarf aber sogleich den Gedanken wieder. Nein, das wäre zu  abwegig. Er stieg die letzten Stufen zur Ausstiegsluke zum Autodeck hinunter, und was er da vor der Tür entdeckte, ließ ihn seinen Gedanken gar nicht mehr so abwegig erscheinen. Hamster! Lauter niedliche, kleine Hamster!

Es gibt manchmal Momente im Leben, da folgt man einfach seinen Gefühlen und macht nicht das, was eigentlich logisch gewesen wäre. Natürlich hätte van der Slampe die Tür geschlossen lassen müssen, und schon wäre er derjenige gewesen, der die Verursacher der Störungen auf dem Schiff gefangen hätte. Aber wäre das richtig gewesen? Hätte er den Rest seines Lebens mit der Schuld verbringen können, die er womöglich auf sich laden würde? Womöglich mit dem Tod dieser kleinen Nager? Nein, wer ihm solch ein gutes Frühstück verschafft hatte, den würde er niemals verraten können. Der Lkw-Fahrer öffnete die Eisentür.

"Raus mit euch!"

Das ließen sich die total verängstigen Tiere kein zweites Mal sagen und machten, dass sie fort kamen. Lächelnd ging van der Slampe auf das Autodeck, während in diesem Moment hinter ihm die Meute der Passagiere angestürmt kam. Mitten drin befanden sich auch die Leute vom Sicherheitsdienst, die es schon lange aufgegeben hatten, irgendwelche Nager zu verhaften. Doch das interessierte ihn nicht weiter, und als er sich seinem Lkw näherte, überlegte er, ob es richtig gewesen war, das Seitenfenster offen zu lassen. Auf dieser Überfahrt sind die merkwürdigsten Dinge passiert, da kann man nie wissen, dachte er und schloss seine Fahrertür auf. Nachdem er sein Gepäck verstaut und den Eimer mit dem Hamstertransporter vor den Beifahrersitz gestellt hatte, lehnte er sich zurück und nahm die Zeitung zur Hand. Im Rückspiegel beobachtete er eine Familie, die gerade in einen roten Opel einstieg. Die beiden Kinder stritten sich gerade heftig, wem mehr Platz auf dem Rücksitz zu stand und die Mutter schimpfte. Daneben stand der Vater mit dem gesamten Gepäck und wartete verzweifelt, dass ihm jemand ein Teil abnahm. Armes Schwein, dachte van der Slampe und legte seine Zeitung beiseite. Edinburgh, eine ganze Woche, das war sein nächster Gedanke. Sobald er seine Ladung abgeliefert hatte, würde er eine Woche warten müssen, um den Rückweg antreten zu können. In der Tat war der Zeitpunkt seiner Reise insofern unglücklich gewählt, da in den nächsten Tagen die Urlaubszeit auf der Insel beginnen würde, und für eben diese nächsten Tage waren alle Fähren ausgebucht. Die Highlands sollen schön sein, hatte sein Kumpel Ruud Kloetsack ihm einmal erzählt, also warum sollte er sie sich nicht einmal ansehen? In diesem Moment ließ der grüne Sattelschlepper direkt vor ihm den Motor an und fuhr los. Die Fähre hatte angelegt und es ging an Land. Hastig legte Vim den Gang ein und fuhr vorsichtig hinterher. Es polterte laut, als er über die Rampe hin zu den Royals Quays fuhr und sein erster Blick galt dem Himmel. Bedeckt, aber trocken, dachte er beruhigt und folgte dem grünen Sattelschlepper bis zum nächsten Kreisverkehr und bog auf die Howdon Road. Von dort aus ging es weiter auf die A19 bis hin zur A1, die ihn direkt nach Edinburgh bringen würde. In drei Stunden würde er sein Ziel erreicht haben, und dann würde er es sich gut gehen lassen, dachte er lächelnd, als sein Lkw die schottische Grenze passierte und sich Jedburgh näherte.

"Mann, war das knapp. Ich mache nie wieder eine Seereise", jammerte Flecki und knabberte an einem Sonnenblumenkern.

"Dann wirst du wohl in Schottland bleiben müssen", grinste Goldi. "Natürlich kannst du auch über den Eurotunnel zurückfahren, wenn dir das lieber ist."

"Klappe, das ist ja wohl meine Sache. Wer sagt denn, dass ich nicht mit einem Flugzeug zurückfliegen werde?"

"Über den Rückweg sollten wir uns noch keine Sorgen machen", warf Bauleiter Murksel ein. "Wenn wir den guten, alten McClown wiederfinden, sind wir gerettet. Der hilf uns bestimmt weiter."

"Natürlich müssen wir dann, äh, Verhandlungen mit dem Lord aufnehmen, das wird sicherlich der schwierigste Teil unserer Aufgabe. Hier ist ein hohes Maß an Diplomatie gefragt, und selbstverständlich kann das nur eine politisch geschulte Autorität vornehmen!"

"Öh, natürlich Bürgermeister, und wo kriegen wir solch eine Person her?"

Der Bürgermeister blickte Dodo beleidigt an und begann mal wieder, mit seiner linken Pfote auf dem Boden der Schlafkoje des Lkw zu klopfen, als der Lkw plötzlich stoppte. Sofort hechtete Flecki zum Vorhang und spähte hinaus.

"Ich glaube, wir sind in einer großen Stadt angekommen. Oih! Geschäfte, tolle Geschäfte!"

Sofort flitzen Sasie, Dasie, Tati und Tuffi zu dem kleinen Spalt im Vorhang und überzeugten sich von Fleckis Worten.

"Das dürfte dann ja wohl Edinburgh sein", rief Hamstilidamst begeistert.

Tatsächlich hatten sie die Hauptstadt Schottlands erreicht. Der Lkw bewegte sich langsam über die belebte Princess Street und hielt vor einem großen Laden für internationale Feinkost an. Offensichtlich war die Lieferung bereits erwartet worden, denn sofort kamen ein paar Bedienstete des Ladens und begrüßten Vim freundlich. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln, ob er denn eine angenehme Reise hinter sich hatte und ob das Wetter auf dem Kontinent besser sei, begannen sie, die Ladung mit dem Käse auf Paletten zu laden und mit einem Gabelstapler in das dortige Kühllager zu bringen. Nach etwas über einer Stunde setzte der Lkw seine Fahrt fort und verließ bald darauf die Innenstadt Edinburghs. Nach mehreren Ampeln, Kreuzungen und Verkehrsstauungen rumpelte der Laster über die Ferry Road und bog bei East Pilton ab. Ein Haus sah hier wie das andere aus. Vim van der Slampe hielt Ausschau nach der Nummer 22, einem Haus, das sich vom Äußeren her durch nichts von seinen Nachbarhäusern unterschied. Als er die Nummer entdeckt hatte, bemerkte er im selben Moment, dass er drauf und dran war, einen Mülleimer zu überfahren. Er fluchte laut und trat das Bremspedal bis zum Anschlag durch. Abrupt kam der Lastwagen quietschend zum Stehen und sein Fahrer schrie vor Schreck auf, als die gesamte Hamstertruppe auf seinen Rücken purzelte. Geistesgegenwärtig beugte er sich nach vorne, und nachdem er sich überzeugt hatte, dass er den Mülleimer nicht gerammt hatte, setzte er ein Stück zurück bevor er den Motor abstellte. Sein Blick fiel auf die Fahrerkonsole - dort lag ein Hamster, der ihn verlegen beäugte. Vorsichtig drehte er sich um und stellte fest, dass sich auf seinem Sitz weitere Hamster befanden. Da er Unordnung hasste, nahm Vim einen nach den anderen und setzte ihn zu dem bereits auf der Konsole befindlichen Tier. Zwölf Hamster zählte er nun, und ihm dämmerte, dass seine Vermutungen von Anfang an richtig gewesen waren, und dass diese kleinen, freundlich blickenden Hamster für all die Ereignisse auf dem Schiff verantwortlich gewesen waren.

"Los Bürgermeister, übernimm du die Verhandlungen", zischte Flecki und schubste den Bürgermeister dermaßen heftig nach vorne, dass er fast vor die Füße des Lkw-Fahrers gefallen wäre.

Da stand er nun, hinter ihm seine Hamstertruppe und vor ihm ein nachdenklich guckender Lkw-Fahrer, der bestimmt eine Menge Fragen hatte.

"Hä, hä, äh, bestimmt möchten Sie wissen, was wir in diesem hier, ich meine diesen Last-Dings zu suchen haben, sozusagen. Also das ist wegen des McShredder-Monsters, wenn Sie verstehen."

Natürlich verstand der Lkw-Fahrer rein gar nichts, statt dessen nahm er den kleinen Fellträger in die Hand, sah ihn genau an und sprach: "Ich habe keine Ahnung, was hier läuft, aber soviel ist mir klar: Ihr seid keine gewöhnlichen Hamster und das da ist scheinbar euer Wagen. Was soll ich nur mit euch machen? Wenn ich euch hier rausschmeiße, fressen euch womöglich die Katzen, hier laufen nämlich viele davon herum. Im Lastwagen möchte ich euch nicht lassen, wer weiß, was ihr damit anstellt. Ich fürchte, mir bleibt nichts Anderes übrig, als euch erst einmal mit in mein Quartier zu nehmen. Dann sehen wir weiter. Euren Wagen lassen wir hier, dafür steigt ihr in den Eimer und kommt mit."

Nachdem er einen nach dem anderen Hamster vorsichtig in den Eimer gesetzt hatte, nahm der Lkw-Fahrer das wenige Gepäck, das er bei sich hatte, stieg aus und ging auf eine kleine Pforte zu. Links und rechts von dieser Pforte rankten wilde Rosen und der dahinter befindliche Garten sah nicht sonderlich gepflegt aus. Das dazugehörige Haus gehörte Mrs. McKenzie, einer älteren Dame, die nicht nur schwerhörig war, sondern auch sehr schlecht sehen konnte. Bestimmt wird die alte Lady nichts von den Hamstern mitkriegen, dachte Vim beruhigt und klingelte an der rosafarbenen Tür, die schon lange keine frische Farbe mehr gesehen hatte. Nachdem er das dritte Mal lange geklingelt hatte, öffnete Mrs McKenzie.

"Ah, mein lieber Mr. Slampy, wie schön, dass Sie mal wieder vorbeischauen. Bitte kommen Sie doch rein. Warum haben Sie denn nicht gesagt, dass Sie kommen?"

Van der Slampe trat ein und erkannte sofort, dass auf dem Spiegelschrank das Schreiben seiner Spedition lag, die die Reservierung für seine Übernachtung vorgenommen hatte.

"Mrs McKenzie, hat meine Spedition sich denn noch nicht bei Ihnen gemeldet?"

"Nicht dass ich wüsste, Mr Slampy, aber kommen Sie ruhig, ich habe immer Platz für Sie!"

Nachdem die Hausherrin ihn auf Tee und Kuchen eingeladen hatte, ging der Lkw-Fahrer endlich in das ihm zugedachte Zimmer, schloss die Tür hinter sich und rief: "Ich habe euch etwas Kuchen mitgebracht, wie wäre es mit einer kleinen Party? Ich wette, ihr kennt so etwas noch gar nicht."

In der Tat, Vim van der Slampe würde noch einige Dinge während der nächsten Tage lernen müssen.







Kapitel 15

Bed & Breakfast

Endlich Urlaub, dachte der Lkw-Fahrer und setzte sich auf das weiche Bett. Als er einen Blick auf die rot-gold gemusterte Überdecke warf, konnte er ein Gähnen nicht unterdrücken. Er zog die Schuhe aus und stellte sie neben das Bett. Mit unter dem Kopf verschränkten Armen lag er nun auf dem Bett und betrachtete die blau-grünen Streifen an der Zimmerdecke, die sich von einer Wand bis hin zur gegenüberliegenden zogen. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen und gab nur noch ein leises Schnarchen von sich.

"Wer kennt keine Feiern?" rief Trampel empört. "Hat er etwa uns gemeint? Also Sir, ich sag Ihnen mal was..."

"Mijnheer," rief Hamstilidamst, "die werden mit Mijnheer angeredet. So sagt man in Holland. In Großbritannien sagt man Sir!"

"Ist ja auch egal, der hat sowieso einen bescheuerten Vornamen, der klingt ja wie ein Reinigungsmittel", spottete Sasie und Tati sang: "Vim, wenn’s sauber wie geleckt sein soll!"

"Das Zimmer ist eine Katastrophe. Habt ihr so etwas Scheußliches schon mal gesehen? Rosa Gardinen und gelbe Wände! Und die Zimmerdecke, eine Orgie in nicht zusammenpassenden Farben. Blaue und grüne Streifen auf einem hellgelben Untergrund, das ist eine Beleidigung für meine Augen! Seht euch mal dieses entsetzliche Bett an, diese grässliche Decke und die potthässlichen Kissen. Und der blassgraue Teppich! Ich glaube, ich muss kotzen! Wo ist das Klo?"

Neugierig lief Flecki ins Badezimmer und im nächsten Moment war wieder ihre Stimme zu hören: "Uah! Das ist ja noch schlimmer, also nee, wie abartig, diese Farben!"

In der Zwischenzeit sahen Hamstilidamst, Trampel und Teeblättchen neugierig zu, wie Bauleiter Murksel und Goldi auf einen Tisch geklettert waren und einen großen Wasserkocher untersuchten, der direkt neben einem Korb mit Tee, Kaffee und Keksen stand.

"Eine direkte Funktion ist nicht erkenntlich", überlegte Murksel laut und klopfte vorsichtig am silberfarbenen Metall, während Goldi den Ein- und Ausschalter entdeckt hatte.

"Bestimmt handelt es sich um irgend ein Wohlfühlgerät oder so etwas Ähnliches. Wozu steht es sonst im Schlafzimmer?" Goldi kletterte an der Gardine hoch, bis er in den Wasserkocher sehen konnte. Dann sprang er auf den Tisch zurück, zuckte mit den Schultern und sprach: "Da ist nur Wasser drin. Wir sollten es mal anschalten!"

Dodo wurde gerufen und erhielt die Aufgabe, sich auf den Schalter zu setzen. Gespannt warteten alle darauf, dass etwas passieren würde. Natürlich geschah nun das, was bei jedem elektrischen Wasserkocher passiert, wenn man ihn anschaltet. Das Wasser begann zu kochen, das Gerät schaltete sich ab und der Schalter sprang nach oben..

"Aua", schrie Dodo und hielt sich den Hintern, "das Mistding hat mich geschlagen!"

"Du musst dich richtig auf den Schalter setzten, wahrscheinlich ist der irgendwie kaputt." Baumeister Murksel hatte, genau wie alle anderen, noch nie in seinem Leben etwas mit einem elektrischen Wasserkocher zu tun gehabt. Mit einem Herd oder sogar mit einem Backofen wäre das etwas Anderes gewesen, aber dieses Gerät? Immerhin hieß es, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen, denn dieses Gerät war mit einer Schnur an der Wand befestigt. Das konnte nur bedeuten, dass es sich um etwas Wertvolles handelte, denn warum sonst sollte es mit einer Schnur an der Wand festgebunden sein, damit man es nicht wegschleppen konnte? Der Bauleiter rieb sich mit den Pfoten die Augen, denn ihm war, als könne er nicht mehr richtig gucken. Neben sich hörte er etwas laut blubbern und erschrocken sah er sich um. Dampf, überall Dampf!

"Das ist 'ne Sauna-Maschine, Leute", rief er und sah sich um Raum um. "Wer holt ein paar Badelaken aus dem Badezimmer?"

Sasi, Teeblättchen und Flecki liefen los, und nach ein paar Minuten kamen Sasi und Teeblättchen mit einer Klorolle zurück.

"Wir haben nur das hier gefunden", riefen sie, "das sind bestimmt Einweg-Badelaken zum Abreißen."

Während sich jeder Hamster nun ein Stück Badelaken abriss, tauchte auch Flecki wieder auf. Sie rollte eine Dose mit grüner Farbe vor sich her, betrachtete kritisch die Wände und gab Trampel ein Zeichen, ihr mal eben beim Aufrichten der Dose behilflich zu sein.

"Diese gelben Wände sind eine Beleidigung für mich, hilf mir mal den Deckel aufzumachen!"

Irritiert blickte sich Trampel um und fand schließlich einen Schuhanzieher, der sich trefflich für diese Aufgabe eignete. In der Zwischenzeit war die Sichtweite im Zimmer recht gering geworden, denn Nebelschwaden erfüllten den Raum, als Trampel den Schuhanzieher unter den Deckel klemmte. Flecki hielt so gut es ging die Farbdose fest, und Trampel versuchte den Deckel aufzudrücken.

"So wird das nichts", ertönte die Stimme Bauleiter Murksels. "Du stellst dich jetzt mal auf den Öffner und ich ziehe!"

Kurz darauf ploppte es, der Deckel flog auf den Boden und Trampel in die Farbdose. Alle starrten gebannt auf das, was sich abspielte. Der Deckel war heruntergefallen und hinterließ einen runden, grünen Farbtupfer auf dem blassgrauen Teppich. Dann kam Bewegung in die Farbflüssigkeit, erst tauchten 2 Ohren tauchten auf und dann ein Hamsterkopf, dessen Augen sehr, sehr unglücklich in die Welt blickten.

"Alles in Ordnung? Das Grün passt übrigens ganz wunderbar zu deiner Augenfarbe", versuchte Flecki ihn zu trösten.

"Nun, ich denke bemerken zu können, dass wir Freund Trampel für gewisse Sonderaufgaben einsetzen könnten. Bei gefährlichen Aufgaben, die das Anschleichen durch Gebüsche erfordern, wäre er allererste Wahl!"

Nachdem der Bürgermeister das gesagt hatte, musterte Goldi den unglücklichen Trampel und fragte: "Sagt mal, fressen Störche auch Hamster, ich meine, wenn sie den da für einen Frosch halten, dann..."

"Das Wasser ist alle", rief in diesem Moment Dodo durch die dichten Nebelschwaden, die der Wasserdampf gebildet hatte. "Darf ich jetzt aufstehen?"

"Öh, natürlich, mein lieber Dodo", rief der Bürgermeister gut gelaunt. " Hiermit erkläre ich die Sauna-Party für eröffnet."

"Und bringt die Kekse mit!" rief Goldi und machte es sich auf  seinem Badelaken bequem. Grinsend lag er da und blickte zu Flecki hinüber, die neben der Farbdose stand.

"Und wie gedenkst du die Decke zu streichen? Mit deinen kurzen Beinen reicht es bestenfalls für die Fußleisten, ha, ha!"

Im nächsten Moment schepperte es und Goldi hielt sich den Kopf. Das war der Deckel der bewussten Farbdose. Wütend nahm er den Deckel und wollte ihn zurückschleudern, doch da schritt der Bürgermeister ein, der es für notwendig hielt, die Situation zu entschärfen.

"Friede, liebe Hamsterfreunde! Friede, Nächstenliebe und Toleranz", rief er und stellte sich zwischen die streitenden Hamster ."Wir sollten immer daran denken, dass wir eine Familie sind, die zusammenhält in jeder Dings, äh, Lage. Wir dürfen nie einander etwas Böses tun, und der böse Geist der Rachsucht sollte uns fern sein, denn..."

Es schepperte erneut und dieses Mal war es der Bürgermeister, der mit einer Beule am Boden lag.

"Tut mir wirklich Leid, Bürgermeister", grinste Goldi, "aber du bist genau in die Schusslinie gelaufen.

Stöhnend erhob sich der Bürgermeister und befühlte die sich bildende Beule an seinem Kopf. Langsam wandte er seinen schmerzenden Kopf in Richtung Goldi. In seinen Augen glühte der Wunsch nach Rache, und während er den Deckel in die Pfoten nahm, starrte er Goldi rachsüchtig an. Langsam näherte er sich seinem Opfer, dem mittlerweile das Grinsen vergangen war. Der Bürgermeister lächelte, doch seine Augen waren vor Wut und Schmerz weit aufgerissen, als er sich mit dem Deckel in den Pfoten näherte.

"W... wir sind doch eine Familie, Bürgermeister, die einander nicht Böses tut", keuchte Goldi, drehte sich um und flüchtete unter das Bett, auf dem Vim van der Slampe nichts ahnend und friedlich schlief.

"Warte doch, mein Lieber", brüllte der Bürgermeister während er hinter Goldi her rannte, "ich habe etwas Nächstenliebe für dich!"

Kreischend rannte Goldi nun im Zickzack vor dem wütenden Bürgermeister her. Ein Stückchen Keks, das seit langer Zeit auf dem Teppich unter dem Bett vor sich hin gammelte, erweckte das Interesse des flüchtenden Hamsters und ließ ihn wertvolle Sekunden auf seiner Flucht verlieren. Viel zu spät bemerkte er, dass sein Verfolger dicht hinter ihm war und gerade ausholte, um ihn mit dem Blechdeckel abzuschlachten. Ebenfalls viel zu spät erkannte er in dem dichten Nebel den Bettpfosten, der nun plötzlich auf ihn zu schoss. Ausweichen war zwecklos, und Goldi klatschte gegen den wackeligen Bettpfosten. Es klatschte und schepperte ein weiteres Mal, und der Bürgermeister hatte ebenfalls den Bettpfosten erreicht. Dann ein Knirschen, kollektives Kreischen der Hamster, und der Bettpfosten gab nach. Van der Slampe rollte aus seinem Bett, und es gab einen hässlichen, lauten Ton, als sein Kopf die Heizung traf. Noch im Fallen hatte er sich instinktiv an den rosa Vorhängen festgehalten, und als Gardinenstange samt Vorhänge krachend den Boden erreichten, hatte der Lkw-Fahrer die Augen bereits wieder geschlossen.

"Der hat vielleicht einen festen Schlaf", staunte Dodo.

"Ich würde eher sagen, der schläft schon wieder, der arme Kerl", stellte Flecki die Lage klar. "Wenigstens sind die hässlichen Gardinen jetzt weg, das ist auch schon mal etwas."

"Klarer Fall von morschem Holz", stellte Bauleiter Murksel fachmännisch fest. "Das Teil hätte schön längst erneuert werden müssen. Wenn ihr mich fragt..."

"Deckung!" Hamstilidamst ruderte aufgeregt mit den Armen. "Da kommt wer die Treppe rauf!"

In panischer Angst rannten die Hamster nun im Kreis unter dem Bett herum, als die Zimmertür mit einem leisen Knarren geöffnet wurde. Mrs. McKenzie trat ein, kniff die Augen zusammen, blinzelte und sah sich im Raume um.

"Haben Sie geklopft, Mr. Slampy?" rief sie. "Es ist recht nebelig heute, davon hat der Wetterbericht nichts gesagt. Wenn Sie essen haben möchten, dann können Sie in einer halben Stunde in die Küche kommen, ich habe noch etwas Broth, die werde ich warm machen."

Als Mrs. KcKenzie keine Antwort erhielt, lief sie langsam um das Fußende des großen Bettes herum, bis sie die Fensterseite des Zimmers, an der ihr Gast lag, erreicht hatte.

"Oh, Mr. Slampy, Sie sind gewiss noch müde von der langen Reise. Dann werde ich Sie auch nicht länger stören. Allerdings werde ich gleich noch einkaufen gehen müssen. Das Essen steht in der Küche, Sie können sich gerne bedienen."

Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging zurück zur Tür. Dabei trat sie mit einem ihrer kleinen Füsse in die Farbdose, bliebt stecken und ging weiter bis zur Tür hinaus. Die Hamster lauschten fasziniert dem Klack-Klack der Farbdose, als die alte Dame die Treppe hinunter ging.

"Die ist doch nicht ganz dicht, die Alte, die..."

"Sei ruhig", unterbrach Flecki den schimpfenden Goldi. "das ist eine alte, vornehme Dame. Was weißt du schon davon?"

"Nix", gab Goldi zu, "aber sie hat was von Essen in der Küche gesagt, und ein vornehmes Essen wäre nun genau richtig."

"Sie hat Broth gesagt, das habe ich schon mal irgendwo gehört", rief Dodo.

"Nun, dann sollten wir uns mal auf den Weg machen", rief Bauleiter Murksel und ging zur Zimmertür. "Sind alle da? Wo steckt der Bürgermeister?"

Alle blickten hektisch hin und her, und schließlich blieben die Blicke an Goldi hängen.

"Was is?"

"Das was immer ist", rief Flecki und runzelte ihre Stirn. "du weißt was und du steckst dahinter!"

"Nö, wirklich nicht", entgegnete Goldi treuherzig. "Ich glaube nur, er traut sich nicht mehr unter dem Bett hervor."

Sasi, Dasie und Teeblättchen waren bei diesen Worten wieder unter dem Bett verschwunden. Nach recht kurzer Zeit kamen sie keckernd wieder unter dem Bett hervor und riefen: "Er klebt an dem Deckel fest und traut sich nicht mehr heraus!"

"Sollen wir Ihnen etwas zu Essen mitbringen?"

"Hä, hä, nicht nötig, mein lieber Bauleiter. Selbstverständlich wird mich dieses kleine Malheur nicht weiter davon abhalten, meinen Pflichten nachzugehen..."

"Er meint das Mittagessen", flüsterte Tati zu Dasie und beide grinsten.

"Und was ist mit dem Lkw-Fahrer", fragte Flecki, "soll der da liegen bleiben?"

"Da können wir sowieso im Moment nichts machen", meinte Murksel achselzuckend. "Außerdem ist die Gelegenheit günstig, denn die Alte ist jetzt zum Einkaufen, und das ist unsere Chance, auch mal Shoppen zu gehen! Äh, was ist übrigens Broth?"

"Ich glaube, das habe ich schon mal irgendwo gelesen", rief Hamstilidamst. "Das ist eine Suppe  mit reichlich Gemüse drin."

Es gab nun kein Halten mehr für die hungrigen Tiere, und sie stürmten jubelnd die Treppe hinunter, wobei der Bürgermeister bei jedem Sprung ein lautes Scheppern von sich gab. Schnell hatten sie die Küche erreicht, und sofort stieg ihnen der Geruch der Suppe in die feinen Näschen.

"Höh, höh, Suppe fassen", grölte Goldi und gab Dodo ein Zeichen, den Topf vom Tisch zu schieben, damit sie an den Inhalt heran kamen. Der dicke Hamster überlegte nicht lange, sondern gab dem Topf solch einen Stoß, dass der vom Tisch hinunter polternd auf den Fliesenboden fiel. Ein merkwürdiges Geräusch hatte Dodo jedoch nachdenklich gemacht, und er sah vom Tisch herab auf das, was er soeben angerichtet hatte.

"Tut mir leid, Herr Bürgermeister, aber Goldi hat gesagt..."

"Erzähle keine Romane, sondern komm sofort runter und hilf mir, den Bürgermeister unter dem Topf herauszuziehen, du Spinner!" schimpfte Bauleiter Murksel.

Kurz darauf saßen alle auf den Fliesen und ließen es sich schmecken. Nur der Bürgermeister schien ein wenig angeschossen zu sein und aß nur eine Kleinigkeit. Da fiel sein Blick auf Trampel.

"Wer hat denn den Lurch eingeladen?" fragte er erstaunt.

"Das ist doch bloß Trampel", erklärte Goldi, "der ist doch in die Farbe gefallen"

"In welche Farbe?" erwiderte der Bürgermeister erstaunt.

"Na die, die Flecki für die Renovierung des Zimmers..."

"Welche Flecki? Und warum habe ich so eine komische Pfote?"

"Flecki is 'n Hamster und das da ist der Deckel von der Farbdose."

"Was ist ein Hamster?"

"Leute", rief Goldi schmatzend, "es ist mal wieder soweit. Der Bürgermeister ist durchgeknallt."

"Das ist ja super", rief Tuffi begeistert, "bestimmt wird er uns jetzt wieder alle retten!"

"Ich habe gleich gewusst, dass diese Reise eine Katastrophe wird", fauchte Flecki. "Wir haben keine Ahnung, wie wir unser Ziel erreichen sollen, keine Ahnung, wie wir zurückkommen sollen. Selbst wenn wir unser Ziel erreichen, wissen wir nicht, was wir dort machen sollen, der Bürgermeister ist mal wieder durchgeknallt, und unser Fahrer liegt bewusstlos neben der Heizung."

"Ja", antworte Goldi schmatzend, "aber die Suppe ist echt lecker."

"Wir müssen als Erstes den Bürgermeister von dem Deckel befreien", schlug Murksel vor.

"Und was ist mir mit? Ich mag nicht als Lurch herumlaufen", jammerte Trampel.

"Das ist leider nicht zu ändern, Trampel", antwortete der Bauleiter mitfühlend. "Das ist Lackfarbe, die muss von alleine herauswachsen. Aber du bist noch jung, da geht das schnell."

"Wir könnten ihn ja rasieren", schlug Goldi vor und leckte die letzten Suppenreste vom Fußboden.

"Nein! Ich will nicht!" schrie Trampel und hob abwehrend seine Pfoten. "Ich habe keine Lust, nackt wie eine Rennmaus herumzulaufen!"

"Was ist eine Rennmaus?"

"Dodo, halte ihn doch bitte mal fest!" stöhnte Murksel.

"Was ist ein Dodo?"

"Ich habe ihn, Herr Bauleiter."

"Gut, jetzt brauche ich noch Goldi, Hamstilidamst und Teeblättchen. Trampel, du bist noch nicht getrocknet, also bleibe da stehen. Dodo hält jetzt den Bürgermeister fest, und wir Fünf ziehen am Deckel – eins, zwei, drei!"

Der Bürgermeister schrie wie am Spieß, doch der Deckel blieb, wo er war. Er klebte bombenfest an seiner Pfote.

"Wir sollten wieder in unser Zimmer gehen und versuchen, uns etwas auszuruhen. Vielleicht können wir dem Lkw-Fahrer die ganze Sache irgendwie erklären.", schlug der Bauleiter erschöpft vor.

"Genau", rief Hamstilidamst. "Wir haben doch eine Karte dabei. Wir brauchen ihm die doch nur zu zeigen, vielleicht versteht er, wo wir hin wollen."

"Genau!" rief nun Bauleiter Murksel begeistert, "so machen wir es. Mit etwas Glück werden wir dann bis zum Schloss Dunollie gebracht."

"Öhm, äh, wer ist dieser Ollie?"



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