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Kapitel 12

On the Road again

Der dunkelblaue Lkw hatte fast den Grenzübergang Oldenzaal erreicht. Der Fahrer pfiff fröhlich ein Lied und wartete geduldig, als er nur wenig später neben dem Zollhäuschen stand. Ein Zollbeamter winkte den rollenden  Lkw näher.

"Hey, Vim! Na, bist du deinen Käse losgeworden?"

"Ja, Pete, mein Wagen ist sauber. Willst du nachschauen?"

Statt einer Antwort lachte der Zollbeamte nur und winkte dem Fahrer zu, dass er durchfahren solle. Van der Slampe gab Gas und überlegte sich, was er an der nächsten Raststätte zu essen bestellen würde. Ein Käseommelette wäre genau das Richtige seufzte er, doch ihm war klar, dass es solch ausgefallene Gerichte an der kleinen Raststätte mit Sicherheit nicht geben würde. Eher würde es auf Currywurst, Pizza oder Shaorma, eine Art Hamburger mit Pommes, hinauslaufen. Er schüttelte sich, denn er war nicht nur ein Käselieferant, sondern auch ein Feinschmecker in Sachen Käse. Wenn es seine finanzielle Lage gestattet hätte, wäre er lieber in ein gutes Restaurant eingekehrt und hätte sich an Käsefondue oder frische Kartoffeln mit überbackenem Käse gelabt. Als das in grellen Pop-Farben beleuchtete Schild der Raststätte auftauchte, seufzte er noch einmal und bog rechts ab. Er parkte sein Gefährt im hinteren Teil des Parkplatzes, damit er sich schnell wieder in den Verkehr einreihen konnte, wenn er mit dem Essen fertig war. Dann stieg er aus, schloss die Wagentür ab und ging auf das Restaurant zu.

"Wir haben angehalten, ob wir jetzt an der Grenze sind?" fragte Tuffi leise.

"Wie lange sind wir denn jetzt unterwegs, Tati?" wollte Bauleiter Murksel wissen.

"Wir sind jetzt genau.... 9 Stunden und 10 Minuten von Zuhause weg."

"Dann müssten wir eigentlich in Holland sein", überlegte Murksel, "bestimmt hat der Fahrer getrödelt:"

"Ein Lkw darf auf der Autobahn nicht so schnell fahren", bemerkte Goldi.

"Also stehen wir jetzt an der Grenze, ja?" fragte Dodo ängstlich. "Bestimmt geht gleich die Tür auf, und dann stürmen bewaffnete Polizisten mit scharfen Hunden herein, wir sind erledigt!"

"Wir müssen uns verstecken, aber wo?" jammerte Tati

"In unserem Wagen natürlich, aber was dann?"

"Gute Idee, Flecki. Wir setzen den Transporter direkt vor die Heckklappe. Wenn jemand die Klappe aufmacht, rasen wir los und fahren alles platt. Danach flüchten wir weiter zur Fähre. Wer sich uns in den Weg stellt, wird plattgefahren" rief Goldi begeistert.

Nach kurzer Diskussion wurde dieser Plan mangels Alternativen einstimmig angenommen. Die Hamster setzten sich in ihren Wagen, und Goldi durfte das Steuer übernehmen, da er für draufgängerische Aufgaben wie diese die nötige Qualifikation besaß.

"Hör doch endlich mal auf, mit dem Gaspedal herumzuspielen", schimpfte Flecki nach einer Weile.

"Ja, ehrlich, Goldi, du kannst den Motor abschalten", bestätigte der Bauleiter. "Erstens hören wir ja gar nicht, ob jemand die Luke öffnet und zweitens können wir hier die Luft bald nicht mehr atmen."

Enttäuscht stellte Goldi den Motor ab und lehnte sich zurück.

"Könntest du eventuell mal den Scheibenwischer abstellen?" schimpfte Flecki.

"Aber wir brauchen doch klare Sicht auf der Flucht", kam die prompte Antwort. "Oh!"

"Was willst du mit 'oh' sagen?"

"Äh, das Wasser ist alle", antwortete Goldi enttäuscht. "Aber das können wir auf der Fähre kriegen..."

"Hör auf, mit dem Blinker zu spielen, du machst mich wahnsinnig!"

"Ich teste doch nur", sagte Goldi beiläufig und schaltete das Fernlicht ein und aus. Dann drehte er an dem Radio bis er einen Sender mit Country-Musik gefunden hatte, probierte die Warnblinker aus und schaltete die Lüftung ein.

"Könntest du vielleicht mal wenigstens andere Musik einstellen? Das Gejaule ist ja unerträglich." schimpfte Flecki.

"Nun, etwas, äh, sanftere Musik wäre nicht schlecht", schlug der Bürgermeister vor. "Vielleicht etwas Klassisches."

Goldi fing an, auf dem Armaturenbrett herumzuklopfen. Mit einem "Danke schön" nahm er dem verdutzten Bauleiter die Taschenlampe aus den Pfoten und leuchtete auf die Anzeigen.

"Der Öldruck ist etwas niedrig", stellte er fachmännisch fest, "und die Geschwindigkeitsanzeige hakt." Dann wühlte er im Handschuhfach herum, bis er einen Dosenöffner fand und hebelte damit er an der Geschwindigkeitsanzeige herum. Nach ein paar Minuten  knackte es, und das Glas der Abdeckung des Geschwindigkeitsmesser fiel auf den Boden.

"So kommt man doch gleich viel besser an das Problem heran", grinste Goldi etwas unsicher und drehte an dem Tachoanzeiger. Es knirschte und der Tacho fiel in Einzelteilen auf den Fußboden.

"Geht er jetzt wieder?"

"Klappe, Dodo, ich muss mich konzentrieren. Das Problem ist nicht so sehr die Geschwindigkeitsanzeige, die braucht man sowieso nicht. Was mir Kopfzerbrechen macht, ist die instabile Anzeige des Öldrucks."

"Ich mache mir eher Sorgen, dass wir alle in die Luft fliegen", lästerte Flecki.

Statt einer Antwort knurrte Goldi nur leise und zog an dem seitlichen Hebel, um die Motorhaube zu öffnen. Dann stieg er aus und ging zur Vorderseite des Wagens.

"Bauleiter Murksel, sag ihm mal, dass er mit dem Mist aufhören soll!" fauchte Flecki, der das Herumgebastel sichtlich auf die Nerven ging.

"Tja, leider kenne ich mich mit Motoren nicht so gut aus..."

"Schöne Hilfe", spottete Flecki. "Bürgermeister, sprich mal ein Machtwort!"

"Nun, ich, äh, schließe mich meinem Vorgänger dahingehend an, als dass ich..."

Der Bürgermeister unterbrach seine geistreiche Replik und erstarrte. Auch die anderen Hamster spitzten die Ohren, und sogar Goldi hörte mit dem Hämmern auf. Der Lkw fuhr weiter! Nach einer kurzen Schrecksekunde brach Jubel aus, und Hamstilidamst rief:

"Wir sind in Holland, wir haben es geschafft!"

"Klasse", jubelte Dasie, "Flecki, stell doch mal flotte Musik an, dann können wir einen Freudentanz machen!"

Begeistert drehte und schaltete Flecki an dem Radio, doch es gab keinen Ton mehr von sich. Langsam dämmerte ihr etwas, und sie begriff die Tragweite dessen, was womöglich passiert war. Sie hob den Kopf und sah zur Seite, dorthin, wo Goldi mit trauriger Miene und mit völlig verdrecktem Fell neben der Motorhaube stand.

"Du, du hast doch wohl nicht etwa die Autobatterie leergefummelt?"

Goldi nickte. "Ja, aber das ist nicht weiter schlimm. Schlimmer ist vielmehr, dass der Motor ausgetauscht werden muss, der ist im Eimer."

"Im Eimer?" riefen seine erstaunten Hamsterfreunde im Chor.

"Im Eimer", bestätigte Goldi. "Da war leider nichts mehr zu retten."

Der Bürgermeister tippte wieder mit seiner Pfote auf den Boden und krächzte: "Wenn wir den Wagen nicht mehr nehmen können, dann..."

"Haben wir ein Problem", fügte Murksel leise hinzu.

Während im Laderaum seines Lkw Trübsal geblasen wurde, war Vim van der Slampe bester Laune. Nachdem er über die Europastraße 231 auf den Autobahnring, der um Amsterdam herum führte, gelangt war,  fuhr er in gemächlichem Tempo auf die A10 weiter. Ein Blick auf die Benzinanzeige sagte ihm, dass er noch genug Treibstoff bis Alkmaar und sogar noch bis zur Fähre nach Edinburgh hatte. Da allerdings die Benzinpreise auf der Insel heftig teuer waren, überlegte er bereits jetzt, doch am besten die kleine Tankstelle bei Ijmuiden kurz vor dem Fähranleger zu nehmen. Bei Amsterdam-Nieuw-Zuid verließ er den Stadtring und erreichte wenig später die A9 in Richtung Alkmaar.

"Soll das heißen, dass du alles, aber auch alles kaputtgefummelt hast?"

"Nicht alles, Flecki, ich meine, die Scheibenwischer beispielsweise gehen noch, wenn sie Wasser hätten...“

"Ich mach dich platt, du Irrer!" kreischte Flecki und wollte sich auf Goldi stürzen. Sie packte ihn am Fell, ließ ihn jedoch im selben Moment wieder los.

"Igit nein! Du bist ja voller Öl! Wie soll ich jetzt meine Pfote wieder sauber kriegen, ich bin konterminiert!"

Teeblättchen reichte seiner Schwester ein Taschentuch, während er Goldi vorwurfsvoll anguckte.

"Falls ihr, äh, mit euren Spielchen fertig seid, würde ich gerne eine kleine Konferenz einberufen", meldete sich der Bürgermeister zu Wort. "Wenn wir nämlich nicht mehr mit dem Wagen weiterfahren können, muss unsere jetzige Situation neu beurteilt werden."

Sofort ertönte ein lautes Geplapper und Geschnatter, bis Bauleiter Murksel kräftig mit der Taschenlampe auf den Metallboden des Lkws klopfte.

"Ruhe bitte und einer nach dem anderen", mahnte er und setzte sich hin. Die anderen folgten seinem Beispiel bis auf Flecki, die sich weigerte,  auf dem selben Boden wie Goldi zu sitzen und somit als einzige stehen blieb.

"Ich fasse mal zusammen", begann der Bauleiter. "Wir sitzen in einem holländischen Lkw und fahren durch Holland. Wohin, das wissen wir nicht. Wo wir sind, wissen wir im Moment auch nicht genau. Unser Plan, hinter Utrecht im eigenen Wagen weiterzufahren ist gescheitert. Erstens wissen wir nicht, wo Utrecht ist, zweitens wissen wir nicht, ob wir überhaupt durch Utrecht kommen, und drittens haben wir keinen Wagen mehr."

Der Bauleiter kratzte sich nervös am Fell und blickte in die Runde der Hamster. "Vorschläge?"

"Also, zuerst sollten wir mal feststellen, wo wir sind", rief Tati.

"Im Lkw, Genaueres wissen wir nicht. Nächster Vorschlag!" brummte Murksel.

"Wir sollten herausfinden, wohin wir fahren!" meldete sich Hamstilidamst.

"Können wir im Moment nicht rausfinden, nächster Vorschlag!"

"Wir könnten diesen nichtsnutzigen Idioten Goldi über Bord schmeißen", schlug Flecki vor.

"Geht nicht, wir kriegen die Tür nicht auf. Nächster Vorschlag."

Goldi räusperte sich.

"Wir bleiben sitzen und warten ab. Zu Essen haben wir genug, es ist warm und trocken hier drin, und wir haben alle im Moment nichts Besonderes vor."

Die Diskussion ging noch eine Weile weiter, und mangels Alternativen blieb dieser Vorschlag der einzig Brauchbare. In der folgenden Abstimmung wurde Goldis Vorschlag bei einer Gegenstimme angenommen.

In diesem Moment hatten sie Alkmaar erreicht. Der Fahrer verlangsamte die Geschwindigkeit seines Lkw und bog in eine Seitenstraße ein. Er hatte sein Ziel erreicht und er betrachtete durch die Windschutzscheibe das geschäftige Treiben auf dem barocken Marktplatz. Neben einer kleinen Servicestation für die Lkws parkte er und hielt Ausschau nach seinem Freund und Handelspartner.  Weit und breit war noch nichts von ihm zu sehen. Vim van der Slampe stieg aus und sah auf die Zeiger der Rathausuhr. Er war eine Stunde zu früh gekommen, aber das machte überhaupt nichts. Fröhlich pfeifend nahm er einen der vielen Eimer, die an der Servicestation standen, füllte ihn mit Wasser  und ging zum Heck seines Fahrzeugs. Prima, dachte er, nun habe ich noch genug Zeit, in Ruhe die Ladefläche zu schrubben, bevor die Ladung kommt.


In dem dunkelblauen Lkw saßen die Hamster und warteten auf eine ungewisse Zukunft. So langsam dämmerte ihnen, dass ihr grandioser Plan dabei war, völlig danebenzugehen, und dass  ihnen die Kontrolle über die Ereignisse einmal mehr entglitt. Sie saßen mit großen Augen in einer Ecke des Laderaums und harrten der Dinge, die da kommen würden. Die merkwürdigen Geräusche draußen verhießen nichts Gutes. Dann klang es, als mache sich jemand an der Heckklappe des Lastwagens zu schaffen. Panik brach aus, in wilder Flucht rannten die Hamster im Kreis herum. Jemand schrie: "Wir müssen uns verstecken!"  worauf  als Antwort ertönte "Wo denn?"  bis alle stehen blieben und einander ratlos ansahen. Ihr Blick fiel auf den einzigen Gegenstand im Laderaum. "Wir nehmen den Wagen", ertönte es, und alles hechtete panisch und schreiend in den kleinen Transporter.

Vim van der Slampe fiel vor Schreck fast der Eimer mit dem Putzwasser aus der Hand. Wie sah denn die Ladefläche aus? Wo kamen die ganzen Krümel her und was waren das für kleine, schwarze Dinger?  Was war geschehen? Sein Blick fiel auf das kleine Hamsterauto. Kinder! Das konnten nur spielende Kinder gewesen sein. Wahrscheinlich hatten spielende Kinder auf dem Rastplatz es sich in seinem Lkw gemütlich gemacht  und waren geflüchtet, als sie ihn kommen gesehen hatten. Dabei hatten sie ihr Spielzeugauto wohl vergessen. Wo mochten diese Kinder hergekommen sein? Bestimmt gehörten sie zu irgendeiner Familie, die auf der Reise ebenfalls eine Rast eingelegt hatte. Was aber sollte er nun mit dem Spielzeugauto machen? Ihm wurde heiß bei dem Gedanken, was seine Kumpels hier auf dem Marktplatz wohl sagen würden. "Na, Vim, bist du nicht ein bisschen alt für so ein Spielzeug oder übst du heimlich Lkw-Fahren? Ist das dein Ersatzwagen, ha, ha", oder so ähnlich. Ja, Lkw-Fahrer waren harte Kerls und für ihre üblen, gemeinen Scherze bekannt. Es war klar, dass er das Auto irgendwie loswerden musste, aber wie? Ein infernales Hupen riss ihn aus seinen Gedanken; erschrocken sah er zur Seite. Ruud Kloetsack, ein besonders übler Bursche, parkte seinen riesigen, blauen Truck gerade neben ihm. Um Gottes Willen, nicht der! Das Spielzeugauto musste sofort verschwinden, sonst würde er gleich zum Gespött der ganzen Trucker werden! Schweiß perlte ihm über die Stirn, und er dachte fieberhaft nach. Dann kippte er den Inhalt des Eimers auf die Ladefläche, nahm den Hamstertransporter und steckte ihn in den leeren Eimer. Keine Sekunde zu früh.

"Na Vim, du alte Schlampe, machst du Frühjahrsputz?" röhrte es neben ihm, und eine riesige Pranke fiel auf seiner Schulter nieder, dass ihm beinahe der Eimer aus der Hand gefallen wäre. "Vergiss die Ecken nicht!" grölte Ruud und ging zu Vim van der Slampes Erleichterung weiter. Ganz ruhig bleiben, dachte Vim, lächelte seinem Kumpel hinterher und versuchte, möglichst locker zu bleiben, als er sich mit dem Eimer zu seinem Fahrerhaus hin begab. Er riss die Tür auf und stellte den Eimer in den Fußraum vor dem Beifahrersitz. Hastig schlug er die Tür zu und lief zur Servicestation, um sich einen neuen Eimer mit Wasser zu holen. Dann machte er sich daran, die Ladefläche zu schrubben. Komisch, dachte er zwischendurch, überall sind kleine Ködel. Die Kinder müssen Mäuse oder so etwas bei sich gehabt haben.

"Würdest du bitte mal deine Pfote aus meiner Nase nehmen, Dodo?"

"Tut mir Leid, Trampel."

"Wo sind wir?" stöhnte der Bürgermeister und rieb seinen Kopf, den er sich soeben am Lenkrad gestoßen hatte.

"Im Eimer, würde ich sagen", stellte der Bauleiter lakonisch fest.

"Wirklich eine feine Tour", schimpfte Flecki. "Und was nun? Mein Fell ist eingesaut von diesem Idioten Goldi, und der Bürgermeister tut wieder nichts. Wie soll das jetzt bitteschön weitergehen?"

"Öh, also erst mal sollten wir sehen, dass wir hier rauskommen", ertönte die Stimme des Bürgermeisters, der zwischen Rücksitz und Hamstilidamst eingeklemmt war. Auf ihm saß Dodo, der verzweifelt versuchte, seine linke Pfote aus Trampels Nase zu ziehen.

"Also nee, nix als Kacke an der Hacke", fluchte Bauleiter Murksel und wühlte sich an Teeblättchen vorbei, öffnete die Wagentür und kletterte auf den Transporter. Goldi folgte ihm und beide starrten über den Rand des Eimers auf die neue Umgebung.

"Boi, eye", rief Goldi begeistert, "der neue MAN-Diesel! Ich muss unbedingt mal sehen, wie der Tacho aussieht, ich komme gleich..."

Weiter kam Goldi nicht, denn Bauleiter Murksel hatte ihn an der einen und Flecki an der anderen Hinterpfote gepackt.

"Hiergeblieben", rief Flecki, während Goldi verzweifelt versuchte, das Armaturenbrett zu erreichen.

"Loslassen!" keuchte Goldi, dessen Vorderpfoten langsam von der glatten Konsole abrutschten.

"Erst versprichst du, dass du nichts anfasst", fauchte Flecki wütend.

"Ich denke nicht daran, aaah!" Goldi war mit den Vorderpfoten abgerutscht und hing nun vom Rand des Eimers herunter.

"So", spottete Flecki, "da kannst du jetzt hängen, bis dir schlecht wird, oder bis du versprichst, nichts anzufassen."

Während Goldi seinen Protest in Schweigen hüllte, drehte sich der Bauleiter um und rief: "Ihr könnt alle schon mal herauskommen und euch jeder ein schönes, leckeres Stück Gouda nehmen.  Ach ja, gebt bitte Flecki und mir auch jeweils ein schönes Stück."

Nach fünf Minuten gab Goldi auf und versprach hoch und heilig, nicht an den Armaturen herumzufummeln und erhielt auch ein Stück Käse.

"Wo verstecken wir uns jetzt?" fragte Dodo ängstlich, als auch das letzte Stück Käse gegessen war.

"Wir wäre es unter dem Beifahrersitz?" schlug Tati vor.

"Oder fliehen", schlug Dodo hastig vor.

"Wir haben noch immer keine Ahnung, wo wir eigentlich sind. Was nützt es uns also, wenn wir fliehen", überlegte Murksel laut. Er kletterte am Beifahrersitz hoch bis auf die Rückenlehne, von wo aus er aus dem Seitenfenster gucken konnte. "Oh, oh", keuchte er und kletterte so schnell er konnte wieder zurück. "Da draußen sind ganz viele Menschen, wir bleiben besser hier drinnen, da sind wir sicherer."

Der Bürgermeister räusperte sich, denn er fand, es war an der Zeit, einen geistreichen Beitrag zu der Situation zu leisten.

"Nun, wir sollten zunächst zufrieden sein, liebe Hamsterfreunde. Wir sind im Trockenen und haben noch genug zu Essen. Bis uns etwas Besseres einfällt, werden wir unter dem Beifahrersitz bleiben."

Alle nickten zustimmend, und der Bürgermeister war zufrieden, dass sein Vorschlag so schnell angenommen worden war. Lediglich Goldi grinste in die Runde und sagte: "Wie ihr wollt. Ich für meinen Teil werde es mir gemütlich machen."

Elf Paar schwarze Knopfaugen schauten ihn fragend an, und Goldi fügte hochnäsig hinzu: "Jeder, der sich auch nur halbwegs mit Lkws auskennt, und jeder, der schon mal etwas vom MAN-Diesel gehört hat, weiß, dass es da eine Schlafkoje gibt. Dort können die Fahrer auf langen Strecken zwischendurch schlafen."

Elf Paar schwarze Knopfaugen schauten ihn weiterhin ungläubig an und so kletterte Goldi am Sitz hinauf bis auf den oberen Rand der Rückenlehne. Dort angekommen drehte er seinen Freunden den Rücken zu und zeigte auf einen tiefblauen Vorhang. Dann kletterte er an der Rückseite des Vorhangs hoch und war verschwunden. "Boi, ist das gemütlich hier", hörten ihn die zurück gebliebenen Hamster rufen. "Kommt schnell her, bringt die Rucksäcke und das Fressen mit, jetzt ist Party angesagt!"

Mit vielfachen "Uhuj"-Rufen kletterten seine Freunde mit Gepäck und Fressen hinterher, und als gerade der letzte Hamster hinter dem Vorhang der Schlafkabine verschwunden war, öffnete sich die Fahrertür, und Vim van der Slampe setzte sich in die Fahrerkabine. Er ließ den Motor an und setzte den Lastwagen ein Stück zurück, dann stieg er wieder aus und half beim Einladen des Käses. Mit geübten Griffen ging das Beladen recht zügig voran. Schon nach kurzer Zeit saß er wieder in seinem Führerhaus und griff in die Ablage, sah sich einige Papiere an, nickte mit dem Kopf. Dann fiel sein Blick auf den Eimer mit dem Wagen. Er legte die Papiere wieder in die Ablage zurück und hob den Wagen aus dem Eimer und betrachtete ihn genau. Sofort fiel ihm auf, dass das kein gewöhnliches Spielzeug war. Nachdenklich öffnete er die Motorhaube und überlegte. Ein lautes Hupen riss ihn aus seinen Gedanken und die laute Stimme von Ruud Kloetsack war zu hören:

"Hey Vim, machst du noch ein Nickerchen? Sieh zu, dass du deinen gammeligen Käse nach Edinburgh bringst!"