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Tuffi

Kapitel 11

Auf geht’s

Wie ein Lauffeuer hatte sich die Neuigkeit in Hamsterhausen verbreitet. Hunderte von Hamstern standen dicht gedrängt auf dem Marktplatz und warteten vor dem Rathaus in der Hoffnung auf eine kleine Feier. Als es keine Feier gab, kam es nach kurzer Zeit zu den ersten Ausschreitungen, die Hamstische Polizei musste einschreiten und wie üblich die aufgebrachte Menge mit Sonnenblumenkernen beruhigen. Als dann auch noch der Bürgermeister auf dem Balkon des Rathauses auftauchte, machte die Meute, dass sie verschwand, denn auf eine Rede war nun wirklich niemand scharf. Etwas enttäuscht zog sich der Bürgermeister wieder zurück und setzte die letzten Reisebesprechungen mit Murksel, Tuffi, Dasie, Hamstilidamst, Sasie, Dodo, Trampel, Flecki, Goldi,Tati und Teeblättchen fort. Viel zu besprechen gab es auch nicht, denn das Wenige, was geplant werden konnte, war schnell geplant. Bauleiter Murksel hatte einen kleinen Transportbus aus den Hamstischen Reparaturbeständen besorgt. Tuffi, die Erfahrungen im Umgang mit Bulldozern und ähnlichen Baufahrzeugen hatte, sollte zunächst das Lenkrad übernehmen.

"Und warum darf ich nicht fahren?"

"Das wirst du dir wohl schon denken können, Goldi", antwortete Flecki vorwurfsvoll. "Denke doch mal an die Schneeräumungsaktion im letzten Winter. Du solltest mit dem Schneeräumer die Wege für die Fußgänger frei schieben. Statt dessen hast du die Fußgänger von den Wegen geschoben. Zwei Fußgänger mussten mit Unterkühlungen in das Krankenhaus gebracht werden, weil du sie mit dem Räumfahrzeug einfach tief unter die Schneemassen vergraben hattest."

"Das war im Winter, das ist lange her."

"Ach, und die Verfolgungsjagd im letzten Monat zu mitternächtlicher Stunde mit deinem Kumpel Knödel? Drei Ampeln habt ihr plattgemacht, bevor..."

"Ist ja schon gut", brummte Goldi und warf seinen Rucksack missmutig in den Bus.

Es dauerte ein wenig, bis auch das Gepäck der übrigen Mitreisenden verstaut war, und jeder Platz genommen hatte.  Die Abfahrt gestaltete sich zu einem kleinen Triumphzug, denn natürlich wollte jeder dem mutigen Kompetenz-Team noch einmal zuwinken. Die ersten Wetten wurden abgeschlossen, und erstaunlicher Weise ging es weniger um die Frage, ob das McShredder-Monster herbeigeschafft würde, sondern eher um die Frage, ob das Kompetenz-Team überhaupt lebend über den Ärmelkanal kommen würde. Die kleine Truppe in dem kleinen Transportbus bekam von diesen Dingen natürlich nichts mit und winkte fröhlich in die Menge zurück. Die Hamsterhausener Grenze wurde bereits nach kurzer Zeit erreicht, und Goldi wies Tuffi den Weg zu der fraglichen Raststätte. Bald stand die kleine Truppe auf einem großen Parkplatz und sah sich um.

"Das ist unheimlich hier", jammerte Dodo, "all die großen Lastwagen. Wie sollen wir da bloß reinkommen?"

"Warum fragen wir nicht einfach, ob wir mit dürfen?" schlug Teeblättchen vor.

"Besser nicht", warf Goldi ein. "Die denken doch sofort, dass wir Käse klauen wollen."

"Womit sie sicherlich auch Recht haben, wenn ich da an gewisse Hamster denke", spottete Flecki. "Kann es sein, dass du damals schon einige Raubzüge unternommen hattest? Jedenfalls wunderte es mich damals sehr, dass du reichlich zugenommen hattest, als du nach deiner Flucht irgendwann wieder aufgetaucht warst!"

"Du solltest mir dankbar sein, denn jetzt weiß ich als Einziger, was wir machen müssen."

Goldi zeigte mit der Pfote auf einen weit entlegenen Teil der Raststätte.

"Dort Hinten stehen die Lkws, die auf der Rückfahrt sind. Die sind nämlich leer, und da gibt es nichts zu holen. Gleich neben uns stehen die vollen Lastwagen, voll mit leckerem Käse. Dort sollten wir anfangen."

"Womit anfangen?"

Goldi starrte Tuffi erstaunt an und keuchte: "Uns zu proviantisieren natürlich!"

"Uns zu was?" fragte Dodo mit riesengroßen Augen, aus denen das Entsetzten hervorkroch. "Und wenn dabei etwas passiert? Das ist doch gefährlich, oder?"

"Goldi hat Recht", beschied Bauleiter Murksel, "es wäre nicht verkehrt, etwas Essbares aus einem der Laster zu besorgen und dann eine Reisegelegenheit zu suchen."

Der Bauleiter hatte den Satz noch nicht beendet, als Goldi und Trampel auf einen der Lkws geklettert und durch eine Öffnung in der Plane verschwunden waren. Wenig später schaute ein Hamsterkopf aus der Öffnung hervor, und es war Goldi, der rief: "Pass auf Dodo, hier kommt die erste Ladung!"

Dodo schaffte es gerade noch, seine Pfoten in die Luft zu heben, als ein streichholzschachtelgroßes Stück Käse an seinen Kopf prallte. Reflexartig hielt er den Käse mit den Pfoten fest und wollte gerade anfangen, laut zu jammern und der Welt mitzuteilen, dass er nun eine Beule am Kopf hätte, als das nächste Stück geflogen kam.

"Achtung, Dodo, hier kommt Nummer zwei!"

Kreischend hatte sich der große Hamster umgedreht und versuchte zu flüchten. Ein Stück Käse klatschte ihm in den Nacken und er fiel vor Schreck hin. Dann kam noch ein Stück geflogen und noch eins. Dann waren immer wieder die 'Achtung, hier kommt Nummer sowieso'-Rufe von Goldi und Trampel zu hören, die jedes Mal von einem ängstlichen Wimmern Dodos beantwortet wurden. Nach dem zehnten Wurf kletterten die beiden von dem Lkw herunter. Goldi lief zu Dodo, klopfte ihm auf die Schulter und meinte: "War doch alles halb so schlimm wie? Nun brauchst du unsere Vorräte nur dort hinten hin zu schleppen!"

"Ich kann nicht mehr, das ist viel zu weit!"

"Aber, aber, Dodo, das ist doch ein Klacks für einen Hamster, eine echte Lachnummer!" versuchte Trampel, ihn zu trösten.

"Mir tut aber der Kopf weh, ich kann nichts mehr tragen. Wie wäre es, du hilfst mir?"

"Das finde ich aber auch", meldete sich nun Murksel. "Wenn das doch eine Lachnummer ist, dann wollen wir doch, dass unser Freund Trampel etwas zu lachen hat, oder?"

Seufzend ließ sich Trampel von Dodo ein Stück nach dem anderen aufladen, während er sich auch noch Dodos Gejammer über dessen Beulen anhören musste. Der Rest der Truppe war bereits vorausgegangen, um Ausschau nach einem geeigneten Beförderungsmittel zu halten. Ein dunkelblauer Lkw stand etwas abseits von den übrigen Fahrzeugen und schien für ihre Zwecke ideal zu sein. Die Heckklappe war geöffnet und ein langes Seil hing bis auf den Boden hinunter. Bauleiter Murksel prüfte das Seil und war zufrieden.

"Ein festes, solides Seil, daran können wir den Wagen hochhieven."

"Können wir nicht lieber den hübschen roten Lastwagen dort hinten nehmen?" rief Tuffi.

"Oder den süßen gelben daneben, Bauleiter, der hat auch richtig saubere Reifen!" schlug Sasie vor.

"Und der da vorne hat so tolle Streifen an der Seite", schwärmte Dasie, "der ist auch sehr hübsch!"

"Genau", rief Sasie, "das dunkle Blau wirkt so traurig, wir sollten..."

"Klappe halten!" rief Murksel genervt. "Trampel, schieb den Käse in den Wagen und lieg nicht so untätig herum. Tuffi, du bindest das eine Seilende an die Anhängerkupplung von unserem Transporter. Die anderen klettern mit mir auf den Lkw, wir ziehen die Karre mit dem Seil hoch."

Nachdem sich das Hochziehen als nicht durchführbar erwiesen hatte, versuchten es die Hamster auf andere Weise.

"Bei drei springen wir, aber haltet euch fest am Seil", rief der Bauleiter und griff selber nach dem Seil. "Ein-zwei-drei!"

Mit einem fröhlichen Uhuj sprangen jetzt 10 Hamster mit dem Seil in die Tiefe. Tuffi und Trampel waren im Transporter sitzen geblieben und kamen sich plötzlich vor wie in einem Fahrstuhl, als sie nach oben gezogen wurden. Dann war die rasante Fahrt vorbei, und alles war still. Das Seil, das durch eine Öse an der Oberseite der Heckklappe befestigt war, hatte gehalten. In halber Höhe hingen sie: auf der einen Seite hing der Transporter, auf der anderen Seite die Hamster.

"Und nun?" jammerte Dodo. "Was machen wir nun?"

"Nun, äh, auf keinen Fall dürfen wir uns hängen lassen", stöhnte der Bürgermeister, der durch sein Gewicht natürlich mehr Mühe als die anderen hatte, sich am Seil festzuhalten. Ausgenommen Dodo, der  erhebliche Schwierigkeiten hatte, nicht den Halt zu verlieren und die bange Frage stellte: "Und wenn wir nicht mehr können?"

"Dann, äh, und mit dieser Einschätzung stehe ich sicherlich nicht alleine, werden wir ein Problem haben. Angesicht dieser Problematik sehe ich mich allerdings außerstande, irgendwelche Prognosen hinsichtlich unserer Zukunft abzugeben, denn ich fürchte..."

"Dass wir im Arsch sind", fauchte Flecki. "Wessen blöde Idee war das eigentlich?"

"Bauleiter Murksels Idee war das", fiepste Tuffi und erhielt einen vernichtenden Blick von demselben.

"Ihr könnt euren Mistkram selber machen, wenn euch das nicht passt", grölte der Bauleiter und versuchte, Tuffi in den Hintern zu treten. Sein Tritt verfehlte allerdings das Ziel, und er traf stattdessen Trampel, der vor Schreck laut quiekte.

"’Tschuldigung, Trampel, kommt nicht wieder vor!"

"Meine lieben Hamster, wir sollten versuchten, das Beste aus dieser für uns unangenehmen Situation zu machen, und vor allen Dingen einen kühlen Kopf zu bewahren! Wir haben in der Vergangenheit schon viele Probleme geschaffen und diese doch immer wieder beseitigt. Also Ruhe bewahren und eiskalt bleiben, liebe Freunde, denn in der Ruhe liegt die Kraft und.... Aaaaarg! Eflih, Kinap!"1

Der Bürgermeister war kurz davor durchzudrehen, denn er hing mit dem Hinterteil zum Inneren des Lkws hin und sah, was sich hinter dem Rücken der anderen Hamster abspielte. Die Luke wurde geschlossen!

"Was'n los, Bürgermeister?" fragte Goldi, doch statt einer Antwort sah er nur einen zitternden Hamster mit riesigen schwarzen Glubschaugen vor sich, der zitternd an den selben Seil wie er hing.

"Die Lu-Lu-Lu..."

"Wer ist Lulu?" fragte Teeblättchen neugierig.

"Da-da-da..."

"Nun fängt er auch noch an zu singen", stöhnte Sasie.

Dann wurde es dunkel, ein lautes Krachen war zu hören und die Hamster kreischten um die Wette. Für einen Moment war alles still, aus dem Transporter drangen Tatis und Dasies Rufe, was denn los sei. Gerade als Bauleiter Murksel ihnen zurufen wollte, dass alles in bester Ordnung sei, begann alles um sie herum zu beben.

"Das ist das Ende, wir sind erledigt!" jammerte Dodo

"Unsinn", knurrte Goldi, "das war der Anlasser, und wir sind losgefahren!"

"Chef, kann ich jetzt das Seil loslassen?"

Murksel überlegte kurz, dann antwortete er: "In Ordnung, Tuffi, Hamstilidamst und Teeblättchen können das Seil loslassen!"

Die Drei ließen los und landeten auf dem Boden. Das Seil rutschte ein Stück höher und der Transporter am anderen Ende des Seils bewegte sich ein Stück nach Unten.

"Jetzt Sasie und Trampel!"

Wieder rutschte das Seil höher und der Transporter näherte sich der Ladefläche des Lkws

"Und jetzt der Rest!" schrie Bauleiter Murksel. Kurz nachdem sie den Boden erreicht hatten, ließ ein lautes Poltern darauf schließen, dass auch der Hamster-Transporter wieder auf seinen Rädern stand.

"Jemand verletzt?" rief Murksel und sah sich um. Tati und Dasie waren aus dem Transporter gestiegen und rieben sich den schmerzenden Hintern. Dodo war auf Hamstilidamst gefallen und tröstete ihn. Ansonsten schien alles glimpflich ausgegangen zu sein. Der Bürgermeister holte ein großes Stück Käse aus dem Transporter, brach es in mehrere Stücke und gab jedem Hamster eines. Was war das für ein Auftakt ihrer Reise! Zufrieden saßen alle auf der Ladefläche und ließen sich den leckeren Käse schmecken. Da die Reise nun wohl einige Zeit dauern würde, beschlossen die Hamster, erst einmal eine kleine Party zu starten. Großzügig holte der Bürgermeister ein weiteres Stück Käse, zerteilte es und rief der Partiegesellschaft zu, sie sollten es sich schmecken lassen. Plötzlich ertönte oben von der Decke des Lkws eine Stimme:

"Kriege ich auch ein Stück Käse?"

Der dunkelblaue Lastwagen bog auf die vielbefahrene A9 ab. Nachdem er seinen Lkw vorsichtig in den Verkehr eingefädelt hatte, beschleunigte der Fahrer. Es war mittlerweile dunkel geworden, und die Scheinwerfer der Fahrzeuge auf der Gegenspur blendeten ihn hin und wieder. Vim van der Slampe fuhr diese Strecke seit Jahren, er kannte jede Kurve, und auch die unterschiedlichen Geräusche des Fahrbahnbelags auf dieser Strecke waren ihm vertraut. Er ärgerte sich ein wenig, denn er hing seinem Zeitplan hinterher. An dem Rasthof hatte er seinen Freund Dick van Achtern getroffen und mit ihm die Frage diskutiert, ob am kommenden Wochenende der PSV Eindhoven gegen Twente Enschede wohl mal wieder das Tor treffen würde, nachdem der neue Stürmerstar Ruud van Meisenbommel sich von der Verletzung aus dem Hinspiel beim AK Alkmaar erholt hatte. Leider hatte Vim van der Slampe darüber die Zeit vergessen und musste hektisch zu seinem Wagen rennen und losfahren. Er bedauerte es sehr, dass er die Ladefläche seines Lkws nur zweimal geschrubbt hatte, denn van der Slampe war ein gründlicher Mann, der keinen Schmutz duldete.

Inzwischen entspannte er sich etwas, denn er hatte nun die ebenfalls vielbefahrene A1 erreicht und gerade Osnabrück passiert. Das Verkehrsaufkommen in dieser Nacht war bislang gering gewesen, und er hatte seine kleine Verspätung wieder schnell gut gemacht. Noch etwas über 100 Kilometer bis zum Grenzübergang Oldenzaal und 25 weitere bis Hengelo, dachte er. Van der Slampe kam zu dem Entschluss, dass es wohl das beste sei,  bei der Raststätte nahe Appeldoorn eine letzte Rast einzulegen, bevor er den letzten Teil seiner Reise antreten würde. Sein Ziel war Alkmaar, wo jeden Freitag auf dem Rathausplatz der berühmteste Käsemarkt Hollands abgehalten wird. Hier würde er sich mit einem Händler treffen, den er noch aus alten Schulzeiten kannte. Mit einer Tonne Käse im Laderaum würde Vim van der Slampe dann die Weiterfahrt antreten. Fröhlich pfeifend überschlug er im Kopf noch einmal, wie viel Laib Gouda das denn so wären. Ein Laib wiegt 20 Kilogramm, rechnete er, also habe ich bei einer Tonne genau 50 Laib Käse in meinem Lkw. Prima, mit solch einer verhältnismäßig kleinen Menge würde er noch genug Platz für das notwendige Eis zur Kühlung in seinem Laderaum haben. Schließlich sollte der Käse ja in einwandfreiem Zustand in Edinburgh ankommen.

Die Hamster im Laderaum bekamen von diesen Dingen natürlich nichts mit. Ihre Sorgen waren anderer Natur. Vor Angst zitternd hatten sie sich auf der Ladefläche eng aneinander gekuschelt und starrten mit ihren großen Knopfaugen ins Dunkle. Was hatte dort eben von der Decke des Lkws zu ihnen gesprochen, ein Monster etwa?

"Tu doch was, schließlich bist du der Bürgermeister", fauchte Flecki. Der Angesprochene schluckte heftig und entgegnete: "Aber was ist, wenn ich gefressen werde?"

"Dann ist das Monster erst mal satt und wir haben Zeit, uns etwas Anderes auszudenken", flüsterte Goldi.

Der Bürgermeister dachte an Flucht, doch wohin sollte er fliehen? Es gab keinen Ausgang, keine Fluchtmöglichkeit. Selbst wenn, wie hätte er von dem rasenden Gefährt herunterspringen sollen? Vielleicht sollte er in Erwägung ziehen, sein Amt vorübergehend zur Verfügung zu stellen. Doch was wäre, wenn plötzlich festgestellt wurde, dass es  ohne Bürgermeister womöglich auch ginge? Nein, er musste sich dem Unbekannten stellen. Ganz langsam watschelte er zum hinteren Teil des Lkws und wäre fast hingefallen, weil er gewohnheitsmäßig wieder anfing, während des Gehens nervös mit der Pfote auf den Boden zu tippen.  Nach wenigen Schritten blieb er zitternd stehen, hielt sich ängstlich die kleinen Pfoten vor das Gesicht und rief: "Wi-wi-willst du den ganzen Käse, o-o-oder nur ein Stück, liebes Monster?"

Für einen Moment herrschte Stille, nur die Fahrgeräusche des großen Wagens waren zu vernehmen. So langsam der Bürgermeister auch hin gewatschelt war,  umso schneller war er wieder bei den anderen Hamstern. Gemeinsam starrten sie in die Dunkelheit und warteten zitternd auf die Antwort, die auch umgehend kam.

"Ein Stück würde mir schon genügen. Aber warum nennst du mich denn Monster? Ich bin’s doch, euer Trampel!"

Ein hörbares Aufatmen erfüllte den Raum. Nach und nach entspannten sich die Hamster, und Goldi begann, Witze über Monster zu reißen, bis ihn ein vernichtender Blick Fleckis traf.

Bauleiter Murksel hatte eine Taschenlampe aus einem der Rucksäcke  hervorgekramt und betrachtete sich interessiert Trampels unangenehme Lage.

"Sag mal, du Spinner, warum hast du denn nicht losgelassen als ich 'loslassen' gerufen hatte?"

"I-ich habe mich nicht getraut", stammelte Trampel, der nach wie vor an dem Seil an der Wagendecke hing.

Murksel überlegte. Der arme Trampel hin an dem einen Ende des Seils. Durch eine Öse an der Decke hindurch lief das Seil weiter zur anderen Seite, wo es an der Anhängerkupplung des kleinen Transporters befestigt war. Sie mussten also das Seil von der Anhängerkupplung abmachen und soviel Gewicht daran hängen, dass Trampel langsam zum Boden zurück gelangen würde.

"Alles klar", rief der Bauleiter, nachdem er sich alles gründlich überlegt hatte. "Dodo, du holst ein paar Rucksäcke aus dem Transporter, die nehmen wir als Gegengewicht. Tuffi, du kannst schon mal vorsichtig das Seil an der Anhängerkupplung lösen!"

Daraufhin ging er zufrieden in Richtung des an der Decke hängenden Trampels, leuchtete mit der Taschenlampe auf ihn und rief ihm zu, dass er keine Angst zu haben brauche, das Reparaturteam würde sich um seine Rettung kümmern. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Von irgendwoher hörte er Tuffi sagen: "Fertig, Chef!" und zugleich schien ihm, dass Trampel immer größer wurde. Bevor er begriff, was los war, war ihm der Hamster kreischend auf den Kopf gefallen.

Es dauerte einige Minuten bis der Bauleiter die Augen wieder öffnete.

"Tuffi, ich bringe dich um! Ich sagte ’vorsichtig lösen' und nicht 'losmachen'!"

Es war nun keiner mehr in Stimmung, die Party weitergehen zu lassen. Recht bedröppelt saßen die Hamster in einer Ecke, kauten ein paar Käsekrümel und sahen zu, wie sich Tuffi abmühte, gemäß Bauleiter Murksel Anweisungen, das Seil zusammenzulegen. Jedes Mal wenn es aussah, als würde es der kleine Reparaturhamster geschafft haben, war das Seil stärker. Das am Boden zusammengedrückte Seil sprang auseinander und Tuffi flog kreischend durch die Luft. Nachdem sich das Spielchen einige -zig Male wiederholt hatte, rief ihr Murksel zu, sie solle aufhören damit und ein anderes Mal weitermachen, bevor allen Hamstern der Kopf von dem Gekreische platzen würde.

"Und nun", fragte Hamstilidamst, "was machen wir nun?"

"Abwarten und Käse essen", erwiderte Goldi.

"Genau", stimmte ihm Dodo schmatzend zu, "der Käse ist so etwas von lecker..."

"Ihr Kerle denkt wieder nur ans Fressen. Hamstilidamst hat völlig Recht. wir sollten uns echt mal überlegen, wie hier wieder herauskommen! Was ist, wenn wir schon längst in Amsterdam waren und nun vielleicht auf dem Weg nach dem Nordpol sind?"

"Nun, Flecki, ich denke nicht, dass wir schon so weit sind", warf Tati. ein. "Ich habe mal auf meine neue Uhr geguckt. Vor sieben Stunden sind wir losgefahren."

"Du hast eine neue Uhr? Lass mal sehen" rief Sasie und gemeinsam mit Tuffi, Trampel und Dasie rannte sie zu Tati, um die neue Uhr zu bewundern.

Bauleiter Murksel tat so, als ginge ihn das alles nicht an. Er nahm einen Zettel hervor und begann darauf herumzukritzeln. Neugierig sah ihm der Bürgermeister über die Schulter, und nach einer Weile begann er wieder mit seiner Pfote auf dem Boden zu tippen.

"Aber mein lieber Bauleiter, das bedeutet ja, dass wir uns in unmittelbarer Nähe der Grenze befinden!"

"Genau", antwortete der, "das bedeutet, dass wir bald in Holland sind."

"Jo", meldete sich Dodo zu Wort, "das bedeutet wohl auch, dass wir ohne Ausweise über die Grenze fahren!"

"Ha, das bedeutet, dass nur der blöde Fahrer durchsucht wird!" frohlockte Goldi.

"Äh, das bedeutet vielleicht, dass der Wagen durchsucht wird", rief Flecki entsetzt.

"Öh, das bedeutet, dass wir im Arsch sind", beendete Murksel die Diskussion.