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Murksel

Kapitel 5

Planungen II


"Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!"

Ein ums andere Mal versuchten der Bürgermeister und Bauleiter Murksel, sich Gehör zu verschaffen, doch die aufgeregte Menge der Hamster auf dem Marktplatz war nicht mehr zu halten. Eine richtige Geisterbahn in Hamsterhausen, welch ein Fortschritt! Es wurde lauthals diskutiert, welche Grauen erregende Gestalten diesen Ort schmücken sollten. Leider hatte wie immer jeder der Hamster andere Vorstellungen, wie eine richtige Geisterbahn auszusehen hatte, und leider kam es wieder zu Raufereien. Schließlich holte der Bürgermeister aus seinem Privatarchiv einen Sack Sonnenblumenkerne und schüttete ihn über die raufende Menge. Nun gelang es ihm endlich, das Wort zu ergreifen.

"Liebe Hamster! Ich bin stolz darauf zu verkünden, dass Hamsterhausen die erste hamstische Stadt mit einer Geisterbahn werden wird, und ich möchte...."

"Das wissen wir, du Hohlmöhre, erzähl mal was Neues!" schallte es ihm entgegen.

"Äh, ja, nun, also ich in meiner Eigenschaft als oberster Planungsleiter..."

"Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!"

"Ja, natürlich, liebe Hamster, wie ich schon immer pflegte, äh, zu sagen pflegte..."

"Hör auf zu sülzen, wir wollen endlich eine Geisterbahn!"

"Vielleicht sollten wir, liebe Hamster, in Abstimmung miteinander und im Allgemeinen..."

"Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!"

"Nun, äh, liebe Mithamster, äh, unser Bauleiter Murksel wird alles Weitere erklären!"

Mit diesen Worten machte der Bürgermeister, dass er aus der Schusslinie kam und verließ die provisorische Bühne, die auf dem Marktplatz aufgebaut worden war. Alle Blicke gingen nun zu Bauleiter Murksel, der, noch erschöpft von seinem Unfall und dem viel zu frühen Abgang aus dem Krankenhaus friedlich auf seinem Stuhl saß und vor sich hin döste. Dodo, der neben dem eingeschlafenen Bauleiter saß, erhielt von Goldi einen Wink.  

"Häh?" Dodo verstand nicht, was Goldi ihm mitteilen wollte.

"Der Bauleiter! Schubs ihn mal, er muss auf die Bühne!" zischte Goldi ärgerlich.

Wenige Sekunden später flog der arme Murksel kreischend auf die Bühne und blieb mit einem lauten Krachen liegen.

"Klasse gemacht", fauchte Goldi.

"Ja", antwortete Dodo stolz, "ich gebe mir eben immer Mühe."

Inzwischen hatte sich der Bauleiter stöhnend hochgerappelt und schaute sich um. Ihm war nicht ganz klar, was er hier machte und warum er auf einer Bühne mitten auf dem Marktplatz stand. Er wusste nur, dass er sich nach einem gemütlichen, warmen Bett sehnte, denn sein Kopf dröhnte nach wie vor durch die unschöne Begegnung mit dem Kran. Ihm war auch etwas schwindelig, und er dachte an das Krankenhaus, in dem er wenigstens Ruhe gehabt hatte. Im nächsten Moment jedoch glaubte er, sein Kopf würde platzen.

"Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!"

Murksel hielt sich den dröhnenden Schädel, und langsam wurde ihm klar, worum es ging. Der Pleasure-Dome! Schon nach den ersten Worten des Bürgermeisters war er in einen süßen Schlaf gefallen, doch nun begriff er, dass all diese jubelnden Hamster etwas Neues erfahren wollten.

"Öh, die Geisterbahn....", stotterte er und versuchte, sich auf den Beinen zu halten, während es wieder von allen Seiten "Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!" ertönte.

"Also, die Geisterbahn", versuchte er fortzufahren, doch wieder brüllten alle Hamster, so laut, dass der Bauleiter glaubte, sein Kopf würde gleich platzen.

"Geisterbahn, Geisterbahn, Geisterbahn!"

"Ich drehe hier gleich ab!" brüllte Bauleiter Murksel so laut er konnte, und augenblicklich verstummte die johlende Meute. "Noch ein Wort, und ihr kriegt so was von auf die Hamsterbacken, dass euch die Sonnenblumenkerne der letzten Tage rausfallen! Das lass ich nicht mit mir machen,  ich bin doch nicht euer Geisterbahnclown, ist das klar? Ihr könnt euch in den Schuppen reinstellen, was ihr wollt, das ist mir doch egal! Nehmt doch irgendeinen anderen Clown, von mir aus McClown, oder noch besser: McShredder und das Loch Ness Monster. Ich will nur meine Ruhe und sonst gar nichts, nicht mit mir! Ist das klar?"

Erschöpft kroch der Bauleiter unter dem tosenden Beifall der umstehenden Hamster an seinen Platz zurück, quälte sich auf seinen Stuhl und schlief völlig ermattet ein. Er bekam auch nicht mehr mit, dass nun alles um ihn herum anfing zu johlen:

"McShredder und das Loch Ness Monster! McShredder und das Loch Ness Monster! McShredder und das Loch Ness Monster! "

Der Bürgermeister hob seinen kleinen Arme und rief in die Menge: "Liebe Hamster! Es ist schön, dass auch dieser überaus wichtige und für Hamsterhausen so notwendige Punkt geklärt werden konnte. Nun lasst uns mit dem Wiederaufbau des Rathauses beginnen, was für unseren lieben Bauleiter sicherlich nur eine kleine Aufwärmübung sein wird. Danach, meine lieben Hamster, wird der Pleasure-Dome von Hamsterhausen den ersten Spatenstich erleben! Alle werden mithelfen und ich persönlich werde weitere Reparaturteams und technische Unterstützung anfordern."

Der Bürgermeister rannte, so schnell ihn seine kleinen Pfoten trugen, zurück in sein Büro, griff zum Telefon und hatte nichts Eiligeres zu tun, als den obersten Polizeihamster und den Bürgermeister von Hamsterhusen anzurufen und von der gigantischen Geisterbahn und ihren Planungen zu berichten. Danach rief er in Hamsterqualle, Hamstercity und allen anderen hamstischen Nachbarländern an und erzählte voller Stolz von den neuesten Entwicklungen in Hamsterhausen. Selbstverständlich lud er alle Gesprächspartner samt Freunden zur Eröffnungsfeier ein. Dann rief er  beim Amt für Hamstische Planung an und forderte weitere Arbeitskräfte an. Anschließend legte er zufrieden seine kleinen Pfoten auf den Schreibtisch und machte ein Nickerchen.

 




Kapitel 6

Die Panne


Bauleiter Murksel war schwer genervt. Oberste Priorität hatte der Bürgermeister getönt, und für einen Moment überlegte Murksel, ob er vielleicht mit dem Bulldozer das gesamte Rathaus samt Bürgermeister plattmachen sollte. Da unterbrach Reparaturhamster Tuffi seine bösen Gedanken.

"Soll ich schon mal mit dem Bulldozer den Schrott beiseite schieben?"

"Ja, mach das", knurrte Murksel, "aber pass auf, dass du nicht wieder eine tragende Wand rammst!"

Während Tuffi mit hochrotem Kopf den Bulldozer bestieg, rief der Bauleiter seine Leute zusammen:

"Fangt schon mal an, die kaputten Träger zu entfernen, ich prüfe, wo wir die neuen ansetzen. Trödelt nicht so rum, wir müssen heute noch fertig werden. Noch Fragen?"

"Ja", rief Hamstilidamst, "meine Kusine kommt nachher zu Besuch, darf ich früher gehen?"

"Wann ist Mittagspause?" fragte Dodo.

"Ich habe mir einen Splitter in die Pfote gerammt, ich muss zum Arzt!" jammerte Trampel.

"Kann ich Urlaub nehmen? Ich möchte gerne..."

"Schnauze halten, verdammt noch mal!" brüllte Bauleiter Murksel, doch da Tuffi mit dem Bulldozer gerade dicht an ihm vorbeifuhr, ging sein Gebrülle im Lärm des Fahrzeugs unter.

"Kannst du mal mit der blöden Schüssel abhauen, Tuffi?!" kreischte er. Tuffi drehte sich kurz um und antwortete: "Den Rüssel aufbauen! Geht klar, Chef!"

Kopfschüttelnd wandte er sich nun der diskutierenden Hamstertruppe zu, lächelte freundlich und sprach: "Sollte einer von euch noch einen Wunsch haben, den ich erfüllen soll, nur zu! Das mache ich doch gerne. Aber im ernst, Freunde, ich sage es mal so: wenn der Krempel nicht in 5 Stunden fertig ist, ziehe ich euch das Fell über die Ohren, ist das klar?"

"Heißt das, dass ich heute nicht zu meiner Tanzgruppe gehen kann, Chef?" fragte Dasie entsetzt.

"Wir haben ganz lange dafür geübt", warf Tati ein. "Guck mal, Bauleiter!"

Er nahm Dasie bei den Pfoten und gemeinsam drehten sie Kreise zwischen dem Schrott auf dem Rathausplatz.

"Ich sage es mal so", lächelte Murksel die beiden freundlich an, "wenn ihr nicht sofort mit der Arbeit beginnt, werde ich mit euch tanzen! Los, an die Arbeit, marsch!"

"Also der hat vielleicht eine Laune", stöhnte Dodo, während er zusammen mit Hamstilidamst ein paar kleine Mauerteile aufhob und auf einen Haufen legte. Auch Tati und Sasie guckten verärgert zum Bauleiter hin, doch der hatte andere Probleme. Ihm war schwindelig von dem ganzen Staub, und sein Kopf brummte nach wie vor. Er setzte sich abseits hinter eine halb eingefallene Mauer und schloss erschöpft die Augen. Es dauerte nicht lange und er schlief tief und fest.

Ein paar Meter weiter schleppten die Mitarbeiter des Hamstischen Reparaturteams Stein um Stein zusammen, jammerten und stöhnten und waren überhaupt nicht glücklich. Immer wieder guckten sie vorsichtig zu der Stelle hin, an der der Bauleiter das letzte Mal gesichtet worden war, und sie arbeiteten immer langsamer.

"Ich kann nicht mehr", japste Dodo, versicherte sich ein weiteres Mal, dass kein Bauleiter in der Nähe war und ließ sich keuchend auf den Boden fallen. Es dauerte natürlich nicht lange, bis alle Mitglieder des hamstischen Reparaturdienstes auf dem Boden lagen und eine Pause einlegten.

"Ach, so ist das doch gleich viel gemütlicher", schwärmte Trampel, und Sasie fügte hinzu: "Tuffi hat auch endlich aufgehört, mit dem blöden Bulldozer Krach zu machen. Wo steckt sie jetzt eigentlich?"

"Da oben!" rief Teeblättchen und zeigte zum Balkon des Rathauses.

Neugierig guckten nun alle, wie Tuffi mit einem Seil einen riesigen Rüssel hochzog, und ihn am Geländer des Balkons vor dem Zimmer des Bürgermeisters befestigte. Als sie fertig war, kletterte der kleine Reparaturhamster in den Rüssel und rutschte laut "Juhu"-rufend zum Boden hinab bis fast vor die Füße der staunenden Kollegen.

"Ist das eine Rutsche für den Pleasure-Dome?" fragte Teeblättchen aufgeregt.

"Aber nein", entgegnete Tuffi mit einem wichtigen Gesicht. "Bauleiter Murksel hat mir aufgetragen, den Rüssel zu holen. Den brauchen wir nämlich, um den Schutt auf dem Dach zu beseitigen. Bestimmt ist er stolz darauf, wie gut ich den festgemacht habe, denn..."

"Ich sagte du sollst mit der blöden Schüssel abhauen, und nicht du sollst einen Rüssel anbauen! Und was ist mit euch los?" Der Bauleiter drehte sich zu dem zitternden Rest seiner Truppe um. "Seid ihr fertig mit dem Aufräumen?"

"Nicht ganz, Chef", wisperte Sasie.

"Aber so gut wie", ergänzte Tati.

"Nur noch ein paar Steine, dann haben wir es geschafft. Eine echte Lachnummer, das schaffen wir mit Links", erklärte Trampel.

"Fein", entgegnete Murksel, "damit du richtig was zu Lachen hast, wirst du jetzt den Rest aufräumen, Trampel. Die anderen kommen mit mir und bauen den bescheuerten Rüssel wieder ab, bevor der Bürgermeister was merkt."

"Huhu, Bauleiter Murksel, wir haben ein Problem!"

Flecki hatte sich unbemerkt genähert und stand nun ratlos vor dem Bauleiter.

"Ach tatsächlich? Ein Problem? Wie nett! Was ist denn nun schon wieder los?"

"Im Hamstischen Rundfunk wird von einem riesigen Verkehrsaufkommen in Richtung Hamsterhausen berichtet, und Goldi hat schon die ersten Autokolonnen gesichtet. Er meint, dass die wohl alle glauben, dass der Hamster-Pleasure-Dome bereits fertig ist."

Tatsächlich war in der Ferne ein Hupen zu hören. Mit großen Knopfaugen und herunterhängenden Hamsterbacken standen der Bauleiter und seine Truppe inmitten einer Stein- und Geröllwüste. Niemand sagte ein Wort, und niemand bewegte sich. Das Hupen wurde immer lauter, und jetzt waren auch Motorengeräusche deutlich zu hören.  In diesem Moment näherte sich eine weitere Gruppe Hamster. Es handelte sich hierbei um das 2. und 3. Reparaturteam, begleitet von mehreren Feuerwehrhamstern, die wie geplant erschienen, um für den Bau des neuen Freizeitparks eingesetzt zu werden.

"Hallo Boss, nun geht es richtig ab, wie?" rief Dudel, der zusammen mit Purzel den Trupp anführte.

Bauleiter Murksel sagte nichts, sondern starrte entsetzt auf die anrollenden Autos und Omnibusse, die hupend auf den Marktplatz fuhren. Grölend und johlend stiegen die ersten Hamster aus und sahen sich um.

"He, wo ist denn die tolle Geisterbahn? Wo sind die Fressbuden, ich brauche was zu trinken! Wo geht es denn hier zur Achterbahn?"

Inzwischen waren der Marktplatz und die umliegenden Straßen Hamsterhausens gefüllt mit Fahrzeugen und johlenden Hamstern aus Hamsterhusen, Hamsterqualle, Hamstercity und allen anderen umliegenden Ländern. Es war ein entsetzlicher Lärm, und Bauleiter Murksel glaubte, sein Kopf müsse gleich explodieren.

"Was'n das für'n Schrottplatz hier", grölte ein recht großer, breiter Hamster, "wo ist Monster-McShredder? Wo sind die Buden ?"

"Sind noch nicht fertig", stöhnte Murksel.

"Was? Da kommen wir den ganzen Weg und dann is' hier nix fertig? Wollt ihr uns verarschen? Wo steckt der Bürgermeister, ich habe ein paar Fragen an ihn!"

Der soeben Genannte fühlte sich zum wiederholten Male an diesem Tag in seinem erholsamen Schlaf am Schreibtisch gestört. Was war denn nun schon wieder los, warum war da so ein Aufruhr vor seinem Rathaus? Warum klappte hier nichts ohne ihn? Wütend über diese Störung stand er auf und rannte auf den Balkon. Viel zu spät erkannte er, dass ein Teil der Brüstung fehlte. Dort, wo vor wenigen Tagen die Brüstung war, gähnte ihm jetzt ein Abgrund entgegen, und vor diesem Abgrund hing ein riesiger Rüssel. Verzweifelt versuchte der Bürgermeister zum Stehen zu kommen, doch es war zu spät. Mit einem gellenden Schrei fiel er in den Rüssel und verschwand im Dunkeln.

Die Menge vor dem Rathaus hatte das natürlich gesehen, und sofort setzte ein begeistertes Johlen und  Applaudieren ein. Zwischen diesen Anfeuerungsrufen waren immer wieder die Klageschreie des hinabstürzenden Bürgermeisters zu hören, dem wirklich nicht wohl in seinem Fell war, als es immer tiefer abwärts durch den Rüssel ging. Kurz bevor er aufschlug, machte der Rüssel einen Schlenker in Richtung Marktplatz, der Bürgermeister erkannte ängstlich, dass es nun heller wurde und schloss in Erwartung eines heftigen Aufpralls die Augen. Die jubelnde Menge hielt den Atem an, denn es war deutlich zu erkennen, dass der Bürgermeister von Hamsterhausen nun jeden Moment am Ende des Schrottrüssels herausschießen würde. Eine Gasse wurde gebildet, damit nichts den Flug aufhalten sollte, doch als ein verzweifelter Hamsterkopf an der unteren Öffnung des Rüssels erschien, war die Rutschpartie beendet. Der Bürgermeister steckte fest.

Ein vielfältiges, lautes und enttäuschtes "Ooooh" war vom Marktplatz her zu vernehmen. Der Unmut der angereisten Gäste war deutlich zu spüren.

"Nicht mal das könnt ihr! Ihr seid Schlapphamster, eine echte Trümmertruppe! Wir wollen die Monster-Show sehen! Monster-Show! Monster-Show! Monster-Show!"

Der Bürgermeister geriet allmählich in Panik. Wo war Bauleiter Murksel? Wo war das Kompetenz-Team? Ihm war, als sähe er einige Reparaturhamster in der Menge verschwinden. Es war entsetzlich - welch eine Blamage! Er, der Bürgermeister musste diese Situation retten, sonst wäre Hamsterhausen für alle Zeiten das Gespött seiner Nachbarn. Schweiß floss ihm über das Fell und nahm ihm die Sicht. Nein, jetzt würde und konnte ihm niemand helfen, es lag einzig und allein bei ihm, das Beste aus dieser Situation zu machen. Er musste handeln und zwar sofort und entschlossen. Tapfer blinzelte er in die Menge und räusperte sich. Sofort kehrte Stille auf dem Marktplatz ein, und alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Normalerweise wäre das eine angenehme Situation gewesen, doch unter den gegebenen Umständen konnte er auf so etwas gerne verzichten.

"Öhm", begann er und zwinkerte mit den Augen, da ihn der tropfende Schweiß beim Sehen behinderte.

Tausende von Augen starrten ihn erwartungsvoll an.

"Also, öh". Der Schweiß brannte in seinen kleinen Knopfaugen, und er wünschte, er könnte wenigstens eine Pfote freikriegen, doch er steckte hoffnungslos in dem Schuttrüssel fest.

Die Menge wurde unruhig und vereinzelte Pfiffe waren deutlich zu hören.

"Öh, selbstverständlich, liebe Gäste, heiße ich Sie herzlich willkommen. Durch ein, äh, technisches Problem, äh, sozusagen aus technischen Gründen, und Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehen kann, wie Sie sicherlich verstehen werden, und ich möchte darauf hinweisen, sozusagen im Namen Hausterhamsters, äh Hamsterhausens und aller Bürger, Sie herzlich zu begrüßen!"

Die vereinzelten Pfiffe verstummten, und die Menge blickte verstört auf den schwitzenden Bürgermeister. Was wollte er ihnen mit diesen Worten sagen? Ratlosigkeit erfüllte den Marktplatz.

"Nun, äh, liebe Gäste", fuhr der Bürgermeister fort, "ist es mir und meinem Kompetenzteam, das in unermüdlicher Art und Weise und natürlich auch das Reparaturteam, welches vorzügliche Dienste, äh, gedingst hat, sozusagen..."

"Der Mops will uns verarschen", grölte ein großer, bedrohlich aussehender Hamster aus der ersten Reihe. "Wo sind denn nun die Fressbuden?"

"Genau, und wo ist die tolle Geisterbahn?" brüllten weitere aufgebrachte Hamster. "Wo ist dieser Hamsterschreck McSchrecker?"

"Äh, also, liebe äh, Schrecker, äh, Gäste, selbstverständlich und dazu stehe ich..."

"Im Moment hängst du aber, du Flasche!", ertönte ein Zwischenruf, und die Menge begann zu johlen und zu lachen. Die Situation geriet nun langsam außer Kontrolle, dessen war sich der Bürgermeister bewusst. Er war sich auch bewusst, dass er keinerlei Chance auf eine Flucht besaß, und genau das war das Schlimmste. Festgeklemmt in einem riesigen Rüssel harrte er nun der Dinge, die sich vor ihm entwickelten. Mit großen Knopfaugen starrte er und sah, wie die Menge auf dem Marktplatz immer aufgebrachter wurde. Er fürchtete das Schlimmste. Sein ganzes Leben schien an ihm vorbeizuziehen, aber weil Hamster ja nicht sonderlich alt werden, dauerte es nur wenige Sekunden.

"Ihr könnt ja nix, ihr Hamsterhausener!" tönte es vom Marktplatz her. "Jedes andere Hamsterland kann so etwas viel besser!"

Ein Albtraum, dachte der Bürgermeister und zwinkerte mit den Augen, weil ihm der salzige Schweiß nach wie vor die Sicht nahm. Wenn doch wenigstens die Hamstische Polizei oder die Feuerwehr käme und den Marktplatz räumen würde, aber die steckte irgendwo im Stau. Höchstwahrscheinlich hatten HAMPO und HAMFE ohnehin für heute Feierabend gemacht, weil ihre Einsatzwagen feststeckten und waren längst nach Hause gegangen. Dann sah der Bürgermeister für einen Moment nur noch Sterne und fühlte, dass ihm etwas Matschiges, übel Riechendes über das Gesicht lief. Das lautete Gelächter der aufgebrachten Menge verriet ihm, dass jemand ihn mit irgend etwas Stinkendem beworfen hatte. Welch eine Frechheit, ihm, einer Respektsperson des öffentlichen Lebens so etwas anzutun! Wütend versuchte er sich zu befreien, seine kleinen Muskeln waren zum Zerreißen gespannt und die kleinen Knopfaugen quollen wie Luftballons hervor.

"Wir werden es euch allen zeigen, wir Hamsterhausener!" brüllte er, so laut er konnte.

Die johlende und krakeelende Menge schwieg verblüfft und starrte auf den zappelnden Bürgermeister.

"Wir werden in wenigen Wochen einen Vergnügungspark errichten, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat! Wir werden das 3. Hamstische Weltwunder erschaffen. Euch werden die Augen übergehen, wenn ihr seht, was wir können! Wir werden es euch zeigen, jawohl!"

Einige, schier endlos dauernde Sekunden war kein einziger Laut zu hören. In weiter Ferne hupte irgendwo ein Auto, und man hätte ein Stück Papier auf den Boden fallen hören. Dann meldete sich der große Hamster aus der ersten Reihe wieder:

"Und das Hamsterschrecker-Monster?"

"Auch das wird da sein! Wir werden sogar den echten McShredder herholen, kein Problem, das können wir!"

Langsam, nach und nach, leerte sich der Marktplatz und der Bürgermeister atmete tief durch. Dann schloss er seine brennenden, kleinen Knopfaugen und fiel erschöpft in einen tiefen, traumlosen Schlaf.





Kapitel 7

Der Bürgermeister wird befreit

Hamsterhausen leerte sich. Die angereisten, ungebetenen Gäste verschwanden in einem hupenden Fahrzeugkonvoi.

Der Trupp der Reparaturhamster stand allerdings etwas ratlos auf dem Marktplatz. Keiner wusste so recht, was sie von dieser Situation halten sollten. Dodo hatte inzwischen Bauleiter Murksel geweckt und ihm in wenigen Worten geschildert, was soeben passiert war.

"Wir werden das 3. Hamstische Weltwunder erschaffen.", schwärmte Tuffi. "Ich finde, das hat er schön gesagt. Ich jedenfalls bin stolz, eine Hamsterhausenerin zu sein!"

"Wäre das nicht wundervoll", rief Tati und seine Augen funkelten begeistert, "wenn wir mit unserer Tanzgruppe bei der Eröffnungsfeier auftreten würden? Herr Bürgermeister, was halten Sie...?"

"Der Ärmste", japste Tuffi, "seht mal, er ist von seiner tollen Rede völlig erschöpft. Goldi, tu doch mal was und stehe hier nicht so rum!"

Missgelaunt betrachtete Goldi die Respektsperson des öffentlichen Lebens, die schlapp am Ende eines Bauschuttrüssels hing und keinen Laut von sich gab. Dann blitzten Goldis Augen kurz auf, und er rief Dodo zu:

"Komm mit, du musst mir mal helfen!"

Goldi rannte zum Rathaus, gefolgt von Dodo, der keine Ahnung hatte, was nun folgen würde. Nach einigen Minuten erreichten die beiden Hamster schwer atmend den 3. Stock, in dem sich das Büro des Bürgermeisters befand. Goldi lief ins Badezimmer, nahm die Brause und lief samt Duschschlauch auf den Balkon.

"Alles klar, Dodo, dreh' mal kräftig am Wasserhahn!"

Ein lautes Knirschen, gefolgt von einem Krachen und dem Zischen einer Wasserfontäne ließen ahnen, dass Dodo mal wieder sein Bestes gegeben hatte. Goldi rannte mit bösen Vorahnungen in das Bürgermeisterzimmer und sah Dodo mit verlegenem Gesichtsausdruck neben der Badewanne stehen.

"Ich habe doch nur kräftig gedreht, und dann war der Hahn ab", jammerte der große, dicke Hamster. "Was machen wir nun?"

Goldi betrachtete die Badewanne, in der der Wasserspiegel mit rasender Geschwindigkeit stieg, denn der kleine Abfluss war nicht in der Lage, diese Wassermenge ablaufen zu lassen. Andererseits, überlegte Goldi, wäre es nicht verkehrt, wenn mit einer größeren Wassermenge und dem damit verbundenen höheren Druck der Bürgermeister ganz einfach aus dem Rüssel gedrückt werden würde.

"Kein Problem, Dodo", grinste Goldi und schloss die Balkontür.  "Wir sind fertig mit unserer Arbeit!"

"Aber wie geht das nun weiter?" fragte Dodo ängstlich, als er mit Goldi die Treppen des Rathauses hinunter stieg.

"Ganz einfach, das Wasser wird im Zimmer des Bürgermeisters bis an die Decke steigen. Bauleiter Murksel hat ja eine extra-dicke neue Tür eingesetzt, wie du vielleicht weißt, und da wird das Wasser nicht durchkommen. Aber die Balkontür, ha, ha, die wird wegbrechen wie Pappe, und dann fließt das Wasser über den Balkon in den Rüssel hinein, aber mit so was von Wucht, dass der Bürgermeister einen Freiflug kriegt."

"Ist das nicht furchtbar gefährlich?"

"Keine Angst, Dodo, nicht für uns."

Unten angekommen, liefen die Reparaturhamster aufgeregt auf die beiden zu.

"Und?" fragte Tuffi mit weit aufgerissenen Knopfaugen.

"Kein Problem für Superhamster", tönte Goldi. "Am besten machen wir es uns gemütlich und warten ab. Ach ja, setzt euch etwas zur Seite, es ist nicht gut, wenn ihr  euch direkt vor dem Bürgermeister befindet."

Superhamster hatte noch nicht ganz ausgeredet, da geschah es. Ein lautes Krachen war zu hören, und mit offenen Mündern verfolgten die Hamster, wie ein riesiger Wasserschwall aus dem Zimmer des Bürgermeisters schoss. Mit enormer Kraft setzte das Wasser nun seinen Weg über den Balkon fort und bildete einen prächtigen Wasserfall, der über die abgebrochene Seite des Balkons nach Unten stürzte. Ein Teil des Wasserfalls landete in dem Rüssel, der hier befestigt war, und laut gurgelnd setzte das Wasser seinen Weg hin zum Bürgermeister fort.

Die Hamster auf dem Marktplatz sahen staunend zu, und wäre Bauleiter Murksel nicht in der Nähe gewesen, hätte Tuffi am liebsten laut "wunderschön" gerufen. In der Tat sah es beeindruckend aus, wie aus dem Rathaus ein Wasserfall über drei Stockwerke bis auf den Boden schoss. Flecki erkannte als erste die Gefahr.

"Deckung, legt euch auf den Boden!" und schon passierte es. Ein Knall, ein Schrei und etwas Großes, Pelziges flog durch die Luft. Dann folgte ein zweiter Schrei, und ein lauter Klatscher war zu hören.

"Der Bürgermeister ist gelandet", stellte Dodo fest.

"Das Wasser", kreischte Flecki plötzlich. "Es überflutet den gesamten Marktplatz! Goldi, das war deine Idee, also stelle das Wasser sofort wieder ab oder wir ersaufen!"

"Immer ich", knurrte Goldi, "aber das war ich dieses Mal nicht. Dodo hat den Wasserhahn abgerissen."

"Mir nach, Hamster!" schrie Bauleiter Murksel plötzlich und rannte zum Rathaus.

"Welch ein mutiger Mann", schwärmte Tuffi, als sie sah, wie Murksel gegen den Strom ankämpfte und versuchte, das Treppenhaus zu erreichen. Die Wasserfluten jedoch waren zu stark, und schon wenige Minuten später trieb der erschöpfte Bauleiter an den Reparaturhamstern vorbei und über den Marktplatz bis hin zum Bürgermeister. Der war inzwischen wieder auf die Beine gekommen und rief dem Bauleiter zu:

"Mein lieber Murksel, schön, dass ich Sie sehe. Was meinen Sie, werden wir den Zeitplan halten können? Es geht schließlich  um unsere Zukunft."

"Glubb, gluuuub." Der Bauleiter hatte große Mühe, den Kopf über Wasser zu halten.

"Das sehe ich genauso", entgegnete der Bürgermeister und nickte, während es ihm einige Mühe bereitete, in der immer heftiger werdenden Strömung stehenzubleiben.

"Vielleicht hätte ich von diesem Shredder nichts sagen sollen. Meinen Sie nicht, es könnte Probleme geben, dass der Lord sich für eine Geisterbahn zur Verfügung stellt?

"Glblblbl Bluuuurb", antwortete Murksel.

"Da könnten Sie recht haben", entgegnete der Bürgermeister nachdenklich. Inzwischen war die Strömung so stark geworden, dass er sich nicht mehr auf den kleinen Pfoten halten konnte und nun neben dem verzweifelt nach Luft ringenden Bauleiter her schwamm.

"Auf alle Fälle werden wir das beste Team aufstellen, das wir zur Verfügung haben, da können Sie sicher sein, Murksel. Notfalls werde ich mitmachen, denn wir müssen Erfolg haben."

"Glldibb, Glldibb!"

"Natürlich, mein lieber Bauleiter nehme ich Sie mit, das ist doch selbstverständlich. Vielleicht sollte ich Ihnen meinen Plan ein wenig näher erläutern..."

Während der arme Bauleiter sich die Monologe seines Vorgesetzten anhören musste, und sie gemeinsam durch die Straßen von Hamsterhausen trieben, war es Goldi und Flecki gelungen, den Hauptwasserhahn des Rathauses zu finden und die Fluten zu stoppen.

"Und was nun", fragte Tati, als die Hamster des Reparaturteams auf einem Schuttberg standen und den See betrachteten, der sich auf dem Marktplatz gebildet hatte.

"Keine Ahnung", antwortete Flecki, "aber ich fürchte, die Sache geht jetzt erst richtig los."





Kapitel 8

Planungen III

Wenn auch der Ruf von Hamsterhausen an diesem Tag reichlich beschädigt worden war, so hatte die darauf folgende Überschwemmung des Rathausplatzes doch auch etwas Gutes gehabt. Der Marktplatz hatte sich zwar in eine riesige, schlammige Fläche verwandelt, dafür war diese Fläche nun aber frei von Unrat und Gerümpel. Die Wassermassen hatten die Arbeit des Reparaturteams übernommen und alles Unnötige in die Kanalisation geschwemmt. Hoch erfreut konnte man nun mit den ersten Vermessungen beginnen. Die Assistenten für die Durchführung der Planungen, nämlich Tuffi und Dasie verbrachten die nächsten Tage damit, mit Maßbändern die Gesamtfläche des Marktplatzes zu ermitteln. Ihre Aufgabe bestand darin, die vom Schichtführer ermittelten Werte aufzuzeichnen und die Stellflächen zu berechnen. Die unerfreuliche Aufgabe, mit dem Maßbändern durch den Schlamm zu kriechen, fiel dem Schichtführer zu. Da der eigentliche Schichtführer, Dodo, noch mit der Trockenlegung des Rathauses beschäftigt war, übernahm sein Assistent Trampel die Messungen.

Tuffi und Dasie saßen hoch und trocken auf einer eigens für diesen Zweck aufgebauten Plattform und sahen Trampel bei der Arbeit zu. Immer wieder blieb der Assistent des Schichtführers in dem zähen Brei stecken, und es dauerte von Mal zu Mal länger, bis er zurück zur Plattform gekrochen kam und den beiden Assistentinnen für die Durchführung der Planungen seine gemessenen Werte übermittelte. Tuffi und Dasie waren daher froh, dass Sasie und Tati auf einen Besuch vorbei kamen und ihre neuesten Tanzschritte vorführten. Es dauert nicht lange, und es fand ein fröhlicher Tanzwettbewerb statt. Trampel, der gerade die neuesten Messdaten abliefern wollte, war inzwischen dermaßen verdreckt, dass er nicht mehr als Hamster zu erkennen war. Sein Fell war von Schlamm verklebt, und er sehnte den Feierabend herbei. Leider war noch ein gutes Drittel der gesamten Fläche nicht vermessen, und der Wasserstand schien eher zu steigen als zu fallen. Niemand kam an den Rand der Plattform, um seine Messdaten entgegenzunehmen. Verärgert kletterte er die Plattform hinauf und wurde gleich wieder hinuntergescheucht.

"Lass dir nur nicht einfallen, mit deinen schmutzigen Pfoten unsere Tanzfläche zu betreten! Du kannst uns die Zahlen zurufen, das genügt." bekam er von Dasie zu hören.

Während also Assistent Trampel einen höchst unerfreulichen Tag im Schlamm verbrachte, war es Bauleiter Murksel und der gesamten Reparaturtruppe gelungen, das Wasser im Rathaus abzupumpen. Da die Kanalisation durch den Bauschutt bereits total verstopft war, floss ein Großteil des Wassers direkt auf den Marktplatz, doch das war im Moment nebensächlich, da es ohnehin nur eine Person betraf. Zudem hatte man nun fast unbegrenzt Schlamm, der mit Beton vermischt werden konnte und wunderbares Baumaterial für die Reparatur des Rathauses lieferte.

Am Ende des Tages war es geschafft, und die Laune von Bauleiter Murksel hatte sich erheblich gebessert. Auch der Bürgermeister hatte sich von seinem Abenteuer mit dem Bauschuttrüssel erholt und lud das Reparaturteam und alle Beteiligten auf ein Stück Kuchen in das Rathaus ein. Lediglich Trampel wurde der Eintritt verwehrt mit der Begründung, sich erst einmal gründlich zu reinigen. Nachdem der Bürgermeister persönlich Kuchen und Torten in sein Büro getragen hatte, deckte er zusammen mit Flecki, Tati und Dodo den Tisch. Kerzen und Servietten wurden verteilt. Dann gingen alle in die große Vorhalle, wo der Bürgermeister eine kleine Ansprache vorbereitet hatte.

"Meine lieben Hamster, es ist mir eine große Ehre und Freude...."

"Mir wäre es eine große Freude, wenn ich endlich eine Torte bekäme", knurrte Goldi leise zu Flecki.

"...und keine Mühen und Kosten gescheut, besonders in Hinblick auf das Gelingen..."

"Bestimmt kapierst du sowieso nicht, wie schön der Tisch gedeckt ist, und wie viel Liebe man dazu braucht, du Vielfraß!" fauchte Flecki zurück.

"...zeigt es sich immer wieder, dass Hamsterhausen eben Hamsterhausen ist. Dodo, würdest du schon einmal vorgehen und den Tisch anzünden?" wandte sich der Bürgermeister an Dodo, der sich eilig auf den Weg machte.

"Natürlich war dieses nur ein Anfang, und viele schwere Aufgaben stehen noch vor uns. Doch was wäre Hamsterhausen ohne Herausforderungen, liebe Freunde?"

"Vielleicht könnte man dann endlich mal in Ruhe etwas futtern..." warf Goldi ein.

Der Bürgermeister tat, als hätte er nichts gehört und wollte gerade mit seiner Rede fortfahren, als Dodo zurückkam.

"Danke, mein lieber Dodo. Also, wie ich schon sagte..."

"Herr Bürgermeister?"

"Ja, Dodo?"

"Ich habe den Tisch angezündet, äh, soll ich die Kerzen auch noch anzünden?"

Nach einer Stunde hatte die Hamstische Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Während Dodo mit seinem Assistenten Trampel nun das Büro des Bürgermeisters mit grüner Seife schrubben musste, um wenigstens die schlimmsten Brandspuren zu beseitigen, setzten sich die Hamster in die Vorhalle, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach einigen Stunden fasste Bauleiter Murksel die Beschlüsse zusammen.

"Das Rathaus steht wieder, und wenn dieser Riesenidiot das Büro gereinigt hat, ist der Punkt abgehakt. Kommen wir zum Pleasure-Dome-Projekt, auch das sieht gut aus. Die Entwürfe des Architektenteams sind fertig. Der Marktplatz ist geräumt, und in den nächsten Tagen können die Stützpfeiler in den Boden gerammt werden. Das übernimmt das 3. Reparaturteam. Danach fängt das 2. Reparaturteam mit den Aufbauten an und wird sich genau an die Zeichnungen des Architektenteams halten. Das dürfte keine Probleme geben. Der Rest kommt mit mir."

"Wohin denn, Herr Bauleiter?" fragte Tuffi neugierig, und auch alle anderen Hamster reckten die Hälse.

"Ich denke, das sollte allen klar sein, da unser überaus schlauer Bürgermeister ja kürzlich eine grandiose Idee hatte."

"Nee, näh?" meldete sich Goldi. "Wir sollen doch wohl nicht den ollen McShredder heranschleppen?"

"Die Idee kannst du dir ins Fell schieben, Bürgermeister, nicht mit mir!" schrie Flecki aufgebracht.

"Äh, meine lieben Hamster, auch ich habe schlechte Erfahrungen mit diesem Herrn gemacht und, äh..."

"Schlechte Erfahrungen, Bürgermeister?" Goldi kam nun auch in Fahrt. "Der hat mich mit seiner blöden Pfeife fast angezündet!"

"Ja nun, äh, lieber Goldi, es geht doch um Hamsterhausen. Wir müssen doch allen beweisen, dass wir klüger sind als..."

"Herr Bürgermeister", meldete sich nun Dodo, der einen Putzeimer mit sich herum schleppte, zu Wort.

"Ja, Dodo?"

"Ich bin fertig, aber die Bilder an der Wand habe ich nicht ganz sauber gekriegt, da ist immer noch ein bisschen Farbe auf den Leinwänden zu sehen!"

"Äh, sehr schön, Dodo, also wie ich eben gepflegt zu haben sagte, nein, gepflegt sagte, ach egal. Wenn wir den Mistkerl nicht in der Monsterbahn präsentieren, werden wir auf alle Zeit das Gespött aller Hamster sein, findet ihr das nicht schrecklich? Was meinst du, Flecki?"

"Geisterbahn. Es heißt Geisterbahn und nicht Monsterbahn!"

"Und das Essen dort ist eine Katastrophe!" grölte Goldi.

"Ach tatsächlich", spottete Flecki, "aber das hat dich damals aber nicht vom Fressen abgehalten, wie?"

"Also, liebe Hamster, vielleicht sollten wir..."

"Und wir mussten draußen schlafen! Einmal sogar auf harten Schienen!" schimpfte Tati und schüttelte den Kopf.

"Aber das können wir in Zukunft anders machen, jawohl!"

"Wie denn das, bitte schön, Dodo?" fragte Tati.

"Na ja, ich meine, wir müssen uns ja nicht auf die harten Schienen legen. Wir suchen uns einfach eine Weiche, da ist es bestimmt nicht so hart."

Es wurde eine lange Diskussion. Bis spät in die Nacht und weiter bis in den frühen Morgen ging die Diskussion. Da kein Ergebnis und auch kein Kompromiss erreicht werden konnte, schlug der Bürgermeister vor, eine Volksbefragung durchzuführen.

"Jeder Hamster in Hamsterhausen wird blöde grölen, dass er das 'Hamster-Schrecker-Monster' will. Und dann?" keifte Flecki und sah den Bürgermeister wütend an.

"Dann werden sie dafür stimmen, dass der Alte geholt wird", fügte Goldi hinzu. "He Bauleiter, was meinst du eigentlich dazu?"

Alle Augen waren nun auf Bauleiter Murksel gerichtet. So mancher Hamster war müde und erschöpft und wünschte sich ein klärendes Wort. Wenn der Bauleiter dafür war, dann wären alle dafür. Murksel aber hatte schon lange nichts mehr gesagt. Das hatte einerseits den Grund, dass er mehrfach eingenickt war und andererseits, dass auch er keine Lösung für das Problem wusste. Allerdings hatte der Bauleiter sich schon so seine Gedanken gemacht. Natürlich könnte er sich die nächsten Wochen mit drei verschiedenen Reparaturteams herumärgern, die Idiotien und Katastrophen am laufenden Band lieferten, und die ihn vom Morgen bis in den Abend in den Wahnsinn trieben. Könnte er, wenn er in Hamsterhausen bleiben würde. Andererseits.....

"Meine Damen und Herren", begann er, "ich fürchte, uns bleibt nichts Anderes übrig, als den alten McShredder zu uns einzuladen!"

 




Kapitel 9

Reisevorbereitungen

"Ausgezeichnet, dann kann es ja los gehen!" Der Bürgermeister war zufrieden. "Selbstverständlich wird die Abreise so schnell wie möglich stattfinden. Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass der Zeitplan eingehalten wird. Ihr schafft das schon, ich, äh, gehe mal wieder an meine, äh, Arbeit."

Er drehte sich schnell um und tippelte in Richtung Rathaus, um sich einem ausgiebigen Schlaf zu widmen. Weit kam er nicht, denn Tuffi rief entsetzt: "Aber Herr Bürgermeister, Sie wollen uns doch wohl nicht alleine fahren lassen? Ohne ihre Eingebungen sind wir vielleicht verloren!"

"Also das sehe ich zwar nicht so", fauchte Flecki, "aber uns nach Schottland schicken und selber hier bleiben wollen, das ist ja wohl nicht drin!"

"Genau", rief Hamstilidamst, "Sie wollten doch den blöden McShredder einladen. Wir müssen das alleine ausbaden, und Sie machen sich einen schönen Tag, oder wie?"

Der Bürgermeister drehte sich langsam um. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft, doch da seine Gedanken bereits auf ein gemütliches Nickerchen eingestellt waren, fiel ihm nichts ein. Rein gar nichts, außer ein paar beschwichtigenden Worten über Verantwortung und sein Amt, die sowieso keiner hören wollte. Es folgte somit eine heftige Diskussion, die letztlich darin gipfelte, dass niemand mehr die Reise antreten wollte. Entweder alle oder keiner, wie Trampel lautstark betonte.

Dem Bürgermeister war nicht wohl zumute. Einerseits wäre gegen solch eine Reise nichts einzuwenden, denn schließlich würden sie bestimmt wieder viel Interessantes erleben. Andererseits, was könnte schöner sein, als viel Schlafen, Reden halten und wichtig sein? Genau genommen, würde er aber bald gar keine Reden mehr halten und seine Wichtigkeit einbüßen, wenn der Pleasure-Dome nicht fertig werden würde. Er wäre das Gespött sämtlicher umliegenden Hamsterländer für den Rest seines Lebens. Er versuchte, cool zu lächeln, doch er brachte nicht mehr als ein dümmliches Grinsen zustande.

"Nun, selbstverständlich werde ich mich meinen Pflichten gegenüber meinen Hamstern nicht entziehen und..."

"Dann ist ja alles geklärt", unterbrach ihn Murksel. "Wie aber sollen wir zum Schloss von diesem McShredder kommen, ich habe da keine Idee?"

Alle verfielen in tiefes Grübeln. Zwar waren sie tatsächlich schon vor vielen Tagen auf die Idee gekommen, dem Lord eine Einladung zu schicken, doch die Hamstische Post hatte sich geweigert, den Brief anzunehmen. In der Begründung hieß es, dass Postzustellungen nur innerhalb bekannter hamstischer Gebiete erfolgen könnten. Nachdem der Bürgermeister persönlich in der Oberhamstischen Poststelle vorgesprochen hatte, wurde das Thema eingehend in den zuständigen Stellen der Hamstischen Post diskutiert. Nach einer Woche erhielt der Bürgermeister ein Schreiben der Oberhamstischen Postdirektion, dass die Hamstische Post eine Briefmarke für die Zustellung eines Briefes nach Schottland zur Verfügung stellen würde. Der Preis für diese Briefmarke sollte 100.000,- Hamstische Sickel betragen, da es sich um eine Sonderanfertigung handelte. Die Hamstische Post erklärte sich auch bereit, diesen Brief bis an die Landesgrenze bis nach Hamstercity zu befördern. Von dort aus würden Spezialisten der Hamstercity Post den Brief mittels einer neuen Beförderungsart in den Überseebereich versenden. Nachdem herauskam, dass es sich bei dieser neuen Beförderungsart um ein leeres Marmeladenglas handelte, das ins Meer geworfen werden sollte, winkte der Bürgermeister dankend ab. Weitere Gespräche mit der Hamstischen Post waren danach gescheitert. Die Möglichkeit einer Art Luftpost wurde auch in Erwägung gezogen, wobei in erste Linie Goldi einige Ideen hatte. Da Goldi jedoch keinerlei Garantie für eine erfolgreiche Zustellung der Einladung mittels einer Rakete abgeben konnte, wurde auch dieser Plan verworfen. Eine Schifffahrt war von vorneherein gar nicht erst in Betracht gezogen worden, da kein Hamster es je gewagt hatte, mit einem eigenen Schiff sich weiter als 10 Meter vom heimatlichen Ufer zu entfernen. Der einzige Hamster, der es je gewagt hatte, war Trampel gewesen, allerdings unfreiwillig, da er die Paddel an Land hatte liegen lassen. Nach drei Tagen war er dann halb verhungert wieder an den Strand von Hamstercity gespült worden. Die Möglichkeit, mit einem Auto bis hin zur Fähre in Amsterdam zu fahren, erwies sich als nicht durchführbar. Hamstische Autos waren auf Sonnenblumenöl als Treibstoff angewiesen, und der derzeitige Spritverbrauch der Motoren war einfach zu hoch. Es wurde ausgerechnet, dass für eine einfache Fahrt bis Amsterdam 5 Liter Sonnenblumenöl nötig waren, was bedeutet hätte, dass ein Auto von ca. 20 Tanklastwagen hätte begleitet werden müssen. Allerdings hätten auch diese Tanklastwagen von vielen anderen Tanklastwagen begleitet werden müssen, da auch sie Sonnenblumenöl als Treibstoff benötigten.

"Wir könnten ja ein Kompetenz-Team bilden", schlug Tuffi vor.

"Genau", rief Trampel, "dann wären wir doch schon einen Schritt weiter, oder?"

"Eine ausgezeichnete Idee", trompetete der Bürgermeister. "Was halten Sie davon, mein lieber Bauleiter?"

"Ich weiß zwar nicht, in welche Richtung wir dann einen Schritt weiter wären, aber ich finde, dass diese beiden kleinen Schlauköpfe das machen."

"Äh, was machen?" fragte Trampel entsetzt.

"Ein Kompetenz-Team bilden. Eure Aufgabe ist es, bis morgen herauszufinden, wie wir zum Schloss von McShredder kommen. In der Zwischenzeit werde ich mit den Reparaturteams 2 und 3 noch ein paar Sachen klären."

"Aber ich bleibe doch hier, oder?" fragte Dodo ängstlich. "Ich meine, ich bin doch der Schichtführer, und kann doch meine Arbeit nicht im Stich lassen."

"Du kommst mit", ordnete Bauleiter Murksel an. "Ich brauche dich für die Feinarbeiten unterwegs."

Im Hintergrund bekam Flecki einen Lachanfall.

"Aber Sasie und ich müssen zu unserer Tanzgruppe, wir können nicht weg", warf Tati hoffnungsvoll ein.

Bauleiter Murksel wirkte leicht genervt während der Bürgermeister nervös mit einer Pfote auf dem Boden tippte. Das tat er immer, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte. Murksel holte tief Luft, drehte sich um und sprach:

"Damit das ein für alle Mal klar ist, von nun an ist Ausgangssperre, Urlaubsstopp und Schnauzehalten angesagt. Die folgenden Hamster werden mitkommen: Tuffi, Dasie, Hamstilidamst, Sasie, Teeblättchen, Dodo, Trampel, Flecki und Goldi, Tati, sowie der Bürgermeister und ich. In 24 Stunden wird klar sein, wie wir fahren und bis dahin haben alle ihre Sachen gepackt und zwar nur das Nötigste, ist das klar?"

"Heißt das, ich muss mein Tanzkleid und meine Tanzschuhe zu Hause lassen, weil, ich dachte, ich könnte unterwegs..."

"Und wieso kommt Hamstilidamst mit?" unterbrach Flecki Sasies Redeschwall. "Der ist doch noch viel zu klein."

"Nun, öh, Hamstilidamst kommt mit, weil er sagt, er hätte schottische Vorfahren. Das könnte hilfreich bei der Wegfindung sein. Was die Tanzsachen betrifft,  so glaube ich, es wäre besser, sie hier zu lassen." antwortete der Bürgermeister.

"Ach nee", begehrte Flecki auf. "Hamstilidamst  findet doch nicht einmal alleine den Weg nach Hamsterhügel, und so einer soll uns führen?"

"Nun ja", warf Goldi ein, "er hat aber mal eine Karte von den Highlands gesehen und..."

"Ach, und außerdem ist er dein Kumpel, wie?" Flecki geriet allmählich in Rage. "Du glaubst wohl, weil..."

"Ich hab's!" rief plötzlich Trampel so laut er konnte. "Ich weiß jetzt, wie wir nach Schottland kommen!"





Kapitel 10

Alles Käse

Alle Augen waren auf den kleinen Trampel gerichtet. Der Bürgermeister hörte auf, mit der Pfote auf den Boden zu tippen, und Flecki hörte auf, Goldi zu würgen.

"Erzähl!" riefen Sasie und Dasie wie aus einem Mund.

Trampel schien sich auf einmal etwas unwohl zu fühlen, er sah kurz zu Goldi hin und blickte anschließend unsicher auf den Boden.

"Nun erzähl schon", ermunterte ihn der Bauleiter, "wir warten!"

"Also, ich dachte da an den Käsetransport", murmelte Trampel und guckte schuldbewusst zu Goldi.

"Käsetransport?" fragte Teeblättchen. "Was ist denn das nun schon wieder?"

Trampel blickte verlegen auf den Boden, seine Schnurrbarthaare zitterten, während seine Freunde ihn neugierig anstarrten. Flecki warf einen Seitenblick auf Goldi, doch den schien das alles nicht zu interessieren. Etwas jedoch sagte ihr, dass Goldi irgend etwas wusste. Sie stieß ihn in die Seite und flüsterte: "Da hast du doch wohl wieder deine dreckigen Pfoten im Spiel, oder?"

Goldi antwortete nicht, sondern betrachtete interessiert ein paar Steine auf dem Boden.

"Trampel, ich lasse dich mit einer Zahnbürste den Marktplatz schrubben, wenn du nicht sofort einen ausführlichen Bericht lieferst, was dieser Käsetransport ist, und was das bedeutet!"

Ängstlich blickte Trampel in die wütend funkelnden Augen des Bauleiters, schluckte und begann zu erzählen.

"Also, dieser Käsetransport ist eigentlich eine Autobahnraststätte, die recht weit weg von hier ist, und die Goldi mal gefunden hat. Den Namen hat er sich ausgedacht, weil da so viele Lastwagen halten, die Käse transportieren, das heißt eigentlich transportieren sie keinen Käse, jedenfalls nicht alle, sondern sie hatten Käse transportiert, zumindest einige."

"Häh? Was ist denn das für ein Quatsch? Und wie kommt es, dass Goldi weit läuft? Seine längsten Strecken sind doch die zum Lebensmittelladen und zurück!"

Trampel blickte Flecki mit riesigen Knopfaugen an und fuhr leise fort: "Das war damals, als die Sache mit der Gulaschkanone passiert war, und er sich verstecken musste."

Schlagartig wurde allen Hamstern klar, was das bedeutete. Nachdem nämlich Goldi vor langer Zeit die unglückselige Idee gehabt hatte, Hamsterhausen mit einer Gulaschkanone beglücken zu wollen, gab es außer einer gewaltigen Explosion auch eine Riesenüberschwemmung durch Gulasch. Es hatte lange gedauert, bis diese Sauerei aufgeräumt werden konnte. Der Bürgermeister hatte noch am selben Tag einen Haftbefehl gegen Goldi ausgesprochen. Dieser Haftbefehl wurde zu Fleckis Bedauern allerdings nie vollstreckt, denn Goldi war nach der Explosion verschwunden. Als er dann wieder auftauchte, hatte Hamsterhausen gerade andere Probleme, und die Sache mit dem Haftbefehl geriet in Vergessenheit. Jetzt war also endlich geklärt, wo Goldi sich zu dieser Zeit versteckt hatte.

"Jedenfalls hatte er weit hinter der Grenze von Hamsterhausen einen einsamen Rastplatz an einer Landstraße gefunden. Hier halten oft Lastwagen, die auf der Durchreise sind. Einige Wagen sind randvoll gefüllt mit leckerem Gouda, den sie irgendwo abliefern wollen. Andere Wagen hingegen sind leer und auf dem Rückweg. Goldi erzählte, dass er den Namen Amsterdam einmal auf einen der Lkws gelesen hatte. Das war ihm nämlich deshalb aufgefallen, weil das so ähnlich wie Hamsterdam klang."

Trampel unterbrach seinen Vortrag und sah sich vorsichtig um. Alle starrten ihn weiterhin an, und keiner sagte ein Wort. Trampel schluckte zwei-, dreimal, dann schaute er flehentlich zu Goldi.

"Jedenfalls haben wir mal nachgeschaut, wo dieses Amsterdam liegt, und dabei haben wir auch herausgefunden, wo dieses Gouda liegt."

"Und?" hauchte Teeblättchen.

"Ganz in der Nähe von Amsterdam", fuhr Goldi fort. "Kurz hinter Utrecht."

Nun waren wieder alle Augen auf den Bürgermeister und den Bauleiter gerichtet, die nahe beieinander standen und die im Grunde genommen genauso ratlos wie alle anderen waren. Der Bürgermeister begann erneut, mit seiner linken Pfote auf den Boden zu tippen, während Murksel sich nachdenklich am Fell kratzte. Nun musste eine Entscheidung gefällt werden, und es war zu spüren, dass die Spannung der Hamster sich auf dem Höhepunkt befand.

"Gouda kenne ich nur als Käse", unterbrach Dodo die Stille. "Wenn wir schon mal dort sind, können wir doch jede Menge als Vorrat mit nach Schottland nehmen, oder?"

Flecki verdrehte die Augen, Goldi grinste Hamstilidamst an, Trampel blickte ratlos auf den Boden, und der Bürgermeister betrachtete nachdenklich Bauleiter Murksel. Der wiederum sah vorwurfsvoll hinüber zu Flecki, Sasie und Dasie, die sich leise flüsterternd darüber unterhielten, welche Kleider sie auf der Reise anziehen sollten. Daneben stand Tuffi und wusste nicht, was sie sagen sollte.

"Öh, ja, Dodo, das ist eine ausgezeichnete Idee. Hat noch jemand Vorschläge?" Fragte der Bürgermeister und wäre fast umgefallen, als er beim Tippen mit der Pfote das Gleichgewicht verlor.

"Um Zeit zu sparen, sollten wir mit einem Auto bis zum Käsetransport, äh, ich meine bis zu der bewussten Raststätte fahren."

"Gute Idee, Goldi", sagte Murksel und nickte nachdenklich mit dem Kopf. "Möglicherweise können wir das Auto auf einem der Lastwagen dort verstecken und von Gouda aus bis Amsterdam zur Fähre fahren. Alles weitere entscheidet sich dann an Ort und Stelle. Wir packen noch heute unsere Sachen und werden morgen starten. Was meinen Sie, Herr Bürgermeister?"

"Öh, nun, äh, ich glaube, ich spreche im Namen aller anwesenden Hamster, wenn ich noch einmal auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser anstehenden Reise, die..."

"Mann, komm endlich zur Sache!" fauchte Flecki ungeduldig.

"Also gut", fuhr der Bürgermeister etwas genervt fort. "Wir nehmen den Wagen..."

 

Weiter: Das Projekt Pleasure Dome (Kapitel 11-15)