Beitragsseiten


Kapitel 10

Alles Käse

Alle Augen waren auf den kleinen Trampel gerichtet. Der Bürgermeister hörte auf, mit der Pfote auf den Boden zu tippen, und Flecki hörte auf, Goldi zu würgen.

"Erzähl!" riefen Sasie und Dasie wie aus einem Mund.

Trampel schien sich auf einmal etwas unwohl zu fühlen, er sah kurz zu Goldi hin und blickte anschließend unsicher auf den Boden.

"Nun erzähl schon", ermunterte ihn der Bauleiter, "wir warten!"

"Also, ich dachte da an den Käsetransport", murmelte Trampel und guckte schuldbewusst zu Goldi.

"Käsetransport?" fragte Teeblättchen. "Was ist denn das nun schon wieder?"

Trampel blickte verlegen auf den Boden, seine Schnurrbarthaare zitterten, während seine Freunde ihn neugierig anstarrten. Flecki warf einen Seitenblick auf Goldi, doch den schien das alles nicht zu interessieren. Etwas jedoch sagte ihr, dass Goldi irgend etwas wusste. Sie stieß ihn in die Seite und flüsterte: "Da hast du doch wohl wieder deine dreckigen Pfoten im Spiel, oder?"

Goldi antwortete nicht, sondern betrachtete interessiert ein paar Steine auf dem Boden.

"Trampel, ich lasse dich mit einer Zahnbürste den Marktplatz schrubben, wenn du nicht sofort einen ausführlichen Bericht lieferst, was dieser Käsetransport ist, und was das bedeutet!"

Ängstlich blickte Trampel in die wütend funkelnden Augen des Bauleiters, schluckte und begann zu erzählen.

"Also, dieser Käsetransport ist eigentlich eine Autobahnraststätte, die recht weit weg von hier ist, und die Goldi mal gefunden hat. Den Namen hat er sich ausgedacht, weil da so viele Lastwagen halten, die Käse transportieren, das heißt eigentlich transportieren sie keinen Käse, jedenfalls nicht alle, sondern sie hatten Käse transportiert, zumindest einige."

"Häh? Was ist denn das für ein Quatsch? Und wie kommt es, dass Goldi weit läuft? Seine längsten Strecken sind doch die zum Lebensmittelladen und zurück!"

Trampel blickte Flecki mit riesigen Knopfaugen an und fuhr leise fort: "Das war damals, als die Sache mit der Gulaschkanone passiert war, und er sich verstecken musste."

Schlagartig wurde allen Hamstern klar, was das bedeutete. Nachdem nämlich Goldi vor langer Zeit die unglückselige Idee gehabt hatte, Hamsterhausen mit einer Gulaschkanone beglücken zu wollen, gab es außer einer gewaltigen Explosion auch eine Riesenüberschwemmung durch Gulasch. Es hatte lange gedauert, bis diese Sauerei aufgeräumt werden konnte. Der Bürgermeister hatte noch am selben Tag einen Haftbefehl gegen Goldi ausgesprochen. Dieser Haftbefehl wurde zu Fleckis Bedauern allerdings nie vollstreckt, denn Goldi war nach der Explosion verschwunden. Als er dann wieder auftauchte, hatte Hamsterhausen gerade andere Probleme, und die Sache mit dem Haftbefehl geriet in Vergessenheit. Jetzt war also endlich geklärt, wo Goldi sich zu dieser Zeit versteckt hatte.

"Jedenfalls hatte er weit hinter der Grenze von Hamsterhausen einen einsamen Rastplatz an einer Landstraße gefunden. Hier halten oft Lastwagen, die auf der Durchreise sind. Einige Wagen sind randvoll gefüllt mit leckerem Gouda, den sie irgendwo abliefern wollen. Andere Wagen hingegen sind leer und auf dem Rückweg. Goldi erzählte, dass er den Namen Amsterdam einmal auf einen der Lkws gelesen hatte. Das war ihm nämlich deshalb aufgefallen, weil das so ähnlich wie Hamsterdam klang."

Trampel unterbrach seinen Vortrag und sah sich vorsichtig um. Alle starrten ihn weiterhin an, und keiner sagte ein Wort. Trampel schluckte zwei-, dreimal, dann schaute er flehentlich zu Goldi.

"Jedenfalls haben wir mal nachgeschaut, wo dieses Amsterdam liegt, und dabei haben wir auch herausgefunden, wo dieses Gouda liegt."

"Und?" hauchte Teeblättchen.

"Ganz in der Nähe von Amsterdam", fuhr Goldi fort. "Kurz hinter Utrecht."

Nun waren wieder alle Augen auf den Bürgermeister und den Bauleiter gerichtet, die nahe beieinander standen und die im Grunde genommen genauso ratlos wie alle anderen waren. Der Bürgermeister begann erneut, mit seiner linken Pfote auf den Boden zu tippen, während Murksel sich nachdenklich am Fell kratzte. Nun musste eine Entscheidung gefällt werden, und es war zu spüren, dass die Spannung der Hamster sich auf dem Höhepunkt befand.

"Gouda kenne ich nur als Käse", unterbrach Dodo die Stille. "Wenn wir schon mal dort sind, können wir doch jede Menge als Vorrat mit nach Schottland nehmen, oder?"

Flecki verdrehte die Augen, Goldi grinste Hamstilidamst an, Trampel blickte ratlos auf den Boden, und der Bürgermeister betrachtete nachdenklich Bauleiter Murksel. Der wiederum sah vorwurfsvoll hinüber zu Flecki, Sasie und Dasie, die sich leise flüsterternd darüber unterhielten, welche Kleider sie auf der Reise anziehen sollten. Daneben stand Tuffi und wusste nicht, was sie sagen sollte.

"Öh, ja, Dodo, das ist eine ausgezeichnete Idee. Hat noch jemand Vorschläge?" Fragte der Bürgermeister und wäre fast umgefallen, als er beim Tippen mit der Pfote das Gleichgewicht verlor.

"Um Zeit zu sparen, sollten wir mit einem Auto bis zum Käsetransport, äh, ich meine bis zu der bewussten Raststätte fahren."

"Gute Idee, Goldi", sagte Murksel und nickte nachdenklich mit dem Kopf. "Möglicherweise können wir das Auto auf einem der Lastwagen dort verstecken und von Gouda aus bis Amsterdam zur Fähre fahren. Alles weitere entscheidet sich dann an Ort und Stelle. Wir packen noch heute unsere Sachen und werden morgen starten. Was meinen Sie, Herr Bürgermeister?"

"Öh, nun, äh, ich glaube, ich spreche im Namen aller anwesenden Hamster, wenn ich noch einmal auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser anstehenden Reise, die..."

"Mann, komm endlich zur Sache!" fauchte Flecki ungeduldig.

"Also gut", fuhr der Bürgermeister etwas genervt fort. "Wir nehmen den Wagen..."

 

Weiter: Das Projekt Pleasure Dome (Kapitel 11-15)