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Kapitel 9

Reisevorbereitungen

"Ausgezeichnet, dann kann es ja los gehen!" Der Bürgermeister war zufrieden. "Selbstverständlich wird die Abreise so schnell wie möglich stattfinden. Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass der Zeitplan eingehalten wird. Ihr schafft das schon, ich, äh, gehe mal wieder an meine, äh, Arbeit."

Er drehte sich schnell um und tippelte in Richtung Rathaus, um sich einem ausgiebigen Schlaf zu widmen. Weit kam er nicht, denn Tuffi rief entsetzt: "Aber Herr Bürgermeister, Sie wollen uns doch wohl nicht alleine fahren lassen? Ohne ihre Eingebungen sind wir vielleicht verloren!"

"Also das sehe ich zwar nicht so", fauchte Flecki, "aber uns nach Schottland schicken und selber hier bleiben wollen, das ist ja wohl nicht drin!"

"Genau", rief Hamstilidamst, "Sie wollten doch den blöden McShredder einladen. Wir müssen das alleine ausbaden, und Sie machen sich einen schönen Tag, oder wie?"

Der Bürgermeister drehte sich langsam um. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft, doch da seine Gedanken bereits auf ein gemütliches Nickerchen eingestellt waren, fiel ihm nichts ein. Rein gar nichts, außer ein paar beschwichtigenden Worten über Verantwortung und sein Amt, die sowieso keiner hören wollte. Es folgte somit eine heftige Diskussion, die letztlich darin gipfelte, dass niemand mehr die Reise antreten wollte. Entweder alle oder keiner, wie Trampel lautstark betonte.

Dem Bürgermeister war nicht wohl zumute. Einerseits wäre gegen solch eine Reise nichts einzuwenden, denn schließlich würden sie bestimmt wieder viel Interessantes erleben. Andererseits, was könnte schöner sein, als viel Schlafen, Reden halten und wichtig sein? Genau genommen, würde er aber bald gar keine Reden mehr halten und seine Wichtigkeit einbüßen, wenn der Pleasure-Dome nicht fertig werden würde. Er wäre das Gespött sämtlicher umliegenden Hamsterländer für den Rest seines Lebens. Er versuchte, cool zu lächeln, doch er brachte nicht mehr als ein dümmliches Grinsen zustande.

"Nun, selbstverständlich werde ich mich meinen Pflichten gegenüber meinen Hamstern nicht entziehen und..."

"Dann ist ja alles geklärt", unterbrach ihn Murksel. "Wie aber sollen wir zum Schloss von diesem McShredder kommen, ich habe da keine Idee?"

Alle verfielen in tiefes Grübeln. Zwar waren sie tatsächlich schon vor vielen Tagen auf die Idee gekommen, dem Lord eine Einladung zu schicken, doch die Hamstische Post hatte sich geweigert, den Brief anzunehmen. In der Begründung hieß es, dass Postzustellungen nur innerhalb bekannter hamstischer Gebiete erfolgen könnten. Nachdem der Bürgermeister persönlich in der Oberhamstischen Poststelle vorgesprochen hatte, wurde das Thema eingehend in den zuständigen Stellen der Hamstischen Post diskutiert. Nach einer Woche erhielt der Bürgermeister ein Schreiben der Oberhamstischen Postdirektion, dass die Hamstische Post eine Briefmarke für die Zustellung eines Briefes nach Schottland zur Verfügung stellen würde. Der Preis für diese Briefmarke sollte 100.000,- Hamstische Sickel betragen, da es sich um eine Sonderanfertigung handelte. Die Hamstische Post erklärte sich auch bereit, diesen Brief bis an die Landesgrenze bis nach Hamstercity zu befördern. Von dort aus würden Spezialisten der Hamstercity Post den Brief mittels einer neuen Beförderungsart in den Überseebereich versenden. Nachdem herauskam, dass es sich bei dieser neuen Beförderungsart um ein leeres Marmeladenglas handelte, das ins Meer geworfen werden sollte, winkte der Bürgermeister dankend ab. Weitere Gespräche mit der Hamstischen Post waren danach gescheitert. Die Möglichkeit einer Art Luftpost wurde auch in Erwägung gezogen, wobei in erste Linie Goldi einige Ideen hatte. Da Goldi jedoch keinerlei Garantie für eine erfolgreiche Zustellung der Einladung mittels einer Rakete abgeben konnte, wurde auch dieser Plan verworfen. Eine Schifffahrt war von vorneherein gar nicht erst in Betracht gezogen worden, da kein Hamster es je gewagt hatte, mit einem eigenen Schiff sich weiter als 10 Meter vom heimatlichen Ufer zu entfernen. Der einzige Hamster, der es je gewagt hatte, war Trampel gewesen, allerdings unfreiwillig, da er die Paddel an Land hatte liegen lassen. Nach drei Tagen war er dann halb verhungert wieder an den Strand von Hamstercity gespült worden. Die Möglichkeit, mit einem Auto bis hin zur Fähre in Amsterdam zu fahren, erwies sich als nicht durchführbar. Hamstische Autos waren auf Sonnenblumenöl als Treibstoff angewiesen, und der derzeitige Spritverbrauch der Motoren war einfach zu hoch. Es wurde ausgerechnet, dass für eine einfache Fahrt bis Amsterdam 5 Liter Sonnenblumenöl nötig waren, was bedeutet hätte, dass ein Auto von ca. 20 Tanklastwagen hätte begleitet werden müssen. Allerdings hätten auch diese Tanklastwagen von vielen anderen Tanklastwagen begleitet werden müssen, da auch sie Sonnenblumenöl als Treibstoff benötigten.

"Wir könnten ja ein Kompetenz-Team bilden", schlug Tuffi vor.

"Genau", rief Trampel, "dann wären wir doch schon einen Schritt weiter, oder?"

"Eine ausgezeichnete Idee", trompetete der Bürgermeister. "Was halten Sie davon, mein lieber Bauleiter?"

"Ich weiß zwar nicht, in welche Richtung wir dann einen Schritt weiter wären, aber ich finde, dass diese beiden kleinen Schlauköpfe das machen."

"Äh, was machen?" fragte Trampel entsetzt.

"Ein Kompetenz-Team bilden. Eure Aufgabe ist es, bis morgen herauszufinden, wie wir zum Schloss von McShredder kommen. In der Zwischenzeit werde ich mit den Reparaturteams 2 und 3 noch ein paar Sachen klären."

"Aber ich bleibe doch hier, oder?" fragte Dodo ängstlich. "Ich meine, ich bin doch der Schichtführer, und kann doch meine Arbeit nicht im Stich lassen."

"Du kommst mit", ordnete Bauleiter Murksel an. "Ich brauche dich für die Feinarbeiten unterwegs."

Im Hintergrund bekam Flecki einen Lachanfall.

"Aber Sasie und ich müssen zu unserer Tanzgruppe, wir können nicht weg", warf Tati hoffnungsvoll ein.

Bauleiter Murksel wirkte leicht genervt während der Bürgermeister nervös mit einer Pfote auf dem Boden tippte. Das tat er immer, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte. Murksel holte tief Luft, drehte sich um und sprach:

"Damit das ein für alle Mal klar ist, von nun an ist Ausgangssperre, Urlaubsstopp und Schnauzehalten angesagt. Die folgenden Hamster werden mitkommen: Tuffi, Dasie, Hamstilidamst, Sasie, Teeblättchen, Dodo, Trampel, Flecki und Goldi, Tati, sowie der Bürgermeister und ich. In 24 Stunden wird klar sein, wie wir fahren und bis dahin haben alle ihre Sachen gepackt und zwar nur das Nötigste, ist das klar?"

"Heißt das, ich muss mein Tanzkleid und meine Tanzschuhe zu Hause lassen, weil, ich dachte, ich könnte unterwegs..."

"Und wieso kommt Hamstilidamst mit?" unterbrach Flecki Sasies Redeschwall. "Der ist doch noch viel zu klein."

"Nun, öh, Hamstilidamst kommt mit, weil er sagt, er hätte schottische Vorfahren. Das könnte hilfreich bei der Wegfindung sein. Was die Tanzsachen betrifft,  so glaube ich, es wäre besser, sie hier zu lassen." antwortete der Bürgermeister.

"Ach nee", begehrte Flecki auf. "Hamstilidamst  findet doch nicht einmal alleine den Weg nach Hamsterhügel, und so einer soll uns führen?"

"Nun ja", warf Goldi ein, "er hat aber mal eine Karte von den Highlands gesehen und..."

"Ach, und außerdem ist er dein Kumpel, wie?" Flecki geriet allmählich in Rage. "Du glaubst wohl, weil..."

"Ich hab's!" rief plötzlich Trampel so laut er konnte. "Ich weiß jetzt, wie wir nach Schottland kommen!"