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Kapitel 8

Planungen III

Wenn auch der Ruf von Hamsterhausen an diesem Tag reichlich beschädigt worden war, so hatte die darauf folgende Überschwemmung des Rathausplatzes doch auch etwas Gutes gehabt. Der Marktplatz hatte sich zwar in eine riesige, schlammige Fläche verwandelt, dafür war diese Fläche nun aber frei von Unrat und Gerümpel. Die Wassermassen hatten die Arbeit des Reparaturteams übernommen und alles Unnötige in die Kanalisation geschwemmt. Hoch erfreut konnte man nun mit den ersten Vermessungen beginnen. Die Assistenten für die Durchführung der Planungen, nämlich Tuffi und Dasie verbrachten die nächsten Tage damit, mit Maßbändern die Gesamtfläche des Marktplatzes zu ermitteln. Ihre Aufgabe bestand darin, die vom Schichtführer ermittelten Werte aufzuzeichnen und die Stellflächen zu berechnen. Die unerfreuliche Aufgabe, mit dem Maßbändern durch den Schlamm zu kriechen, fiel dem Schichtführer zu. Da der eigentliche Schichtführer, Dodo, noch mit der Trockenlegung des Rathauses beschäftigt war, übernahm sein Assistent Trampel die Messungen.

Tuffi und Dasie saßen hoch und trocken auf einer eigens für diesen Zweck aufgebauten Plattform und sahen Trampel bei der Arbeit zu. Immer wieder blieb der Assistent des Schichtführers in dem zähen Brei stecken, und es dauerte von Mal zu Mal länger, bis er zurück zur Plattform gekrochen kam und den beiden Assistentinnen für die Durchführung der Planungen seine gemessenen Werte übermittelte. Tuffi und Dasie waren daher froh, dass Sasie und Tati auf einen Besuch vorbei kamen und ihre neuesten Tanzschritte vorführten. Es dauert nicht lange, und es fand ein fröhlicher Tanzwettbewerb statt. Trampel, der gerade die neuesten Messdaten abliefern wollte, war inzwischen dermaßen verdreckt, dass er nicht mehr als Hamster zu erkennen war. Sein Fell war von Schlamm verklebt, und er sehnte den Feierabend herbei. Leider war noch ein gutes Drittel der gesamten Fläche nicht vermessen, und der Wasserstand schien eher zu steigen als zu fallen. Niemand kam an den Rand der Plattform, um seine Messdaten entgegenzunehmen. Verärgert kletterte er die Plattform hinauf und wurde gleich wieder hinuntergescheucht.

"Lass dir nur nicht einfallen, mit deinen schmutzigen Pfoten unsere Tanzfläche zu betreten! Du kannst uns die Zahlen zurufen, das genügt." bekam er von Dasie zu hören.

Während also Assistent Trampel einen höchst unerfreulichen Tag im Schlamm verbrachte, war es Bauleiter Murksel und der gesamten Reparaturtruppe gelungen, das Wasser im Rathaus abzupumpen. Da die Kanalisation durch den Bauschutt bereits total verstopft war, floss ein Großteil des Wassers direkt auf den Marktplatz, doch das war im Moment nebensächlich, da es ohnehin nur eine Person betraf. Zudem hatte man nun fast unbegrenzt Schlamm, der mit Beton vermischt werden konnte und wunderbares Baumaterial für die Reparatur des Rathauses lieferte.

Am Ende des Tages war es geschafft, und die Laune von Bauleiter Murksel hatte sich erheblich gebessert. Auch der Bürgermeister hatte sich von seinem Abenteuer mit dem Bauschuttrüssel erholt und lud das Reparaturteam und alle Beteiligten auf ein Stück Kuchen in das Rathaus ein. Lediglich Trampel wurde der Eintritt verwehrt mit der Begründung, sich erst einmal gründlich zu reinigen. Nachdem der Bürgermeister persönlich Kuchen und Torten in sein Büro getragen hatte, deckte er zusammen mit Flecki, Tati und Dodo den Tisch. Kerzen und Servietten wurden verteilt. Dann gingen alle in die große Vorhalle, wo der Bürgermeister eine kleine Ansprache vorbereitet hatte.

"Meine lieben Hamster, es ist mir eine große Ehre und Freude...."

"Mir wäre es eine große Freude, wenn ich endlich eine Torte bekäme", knurrte Goldi leise zu Flecki.

"...und keine Mühen und Kosten gescheut, besonders in Hinblick auf das Gelingen..."

"Bestimmt kapierst du sowieso nicht, wie schön der Tisch gedeckt ist, und wie viel Liebe man dazu braucht, du Vielfraß!" fauchte Flecki zurück.

"...zeigt es sich immer wieder, dass Hamsterhausen eben Hamsterhausen ist. Dodo, würdest du schon einmal vorgehen und den Tisch anzünden?" wandte sich der Bürgermeister an Dodo, der sich eilig auf den Weg machte.

"Natürlich war dieses nur ein Anfang, und viele schwere Aufgaben stehen noch vor uns. Doch was wäre Hamsterhausen ohne Herausforderungen, liebe Freunde?"

"Vielleicht könnte man dann endlich mal in Ruhe etwas futtern..." warf Goldi ein.

Der Bürgermeister tat, als hätte er nichts gehört und wollte gerade mit seiner Rede fortfahren, als Dodo zurückkam.

"Danke, mein lieber Dodo. Also, wie ich schon sagte..."

"Herr Bürgermeister?"

"Ja, Dodo?"

"Ich habe den Tisch angezündet, äh, soll ich die Kerzen auch noch anzünden?"

Nach einer Stunde hatte die Hamstische Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Während Dodo mit seinem Assistenten Trampel nun das Büro des Bürgermeisters mit grüner Seife schrubben musste, um wenigstens die schlimmsten Brandspuren zu beseitigen, setzten sich die Hamster in die Vorhalle, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Nach einigen Stunden fasste Bauleiter Murksel die Beschlüsse zusammen.

"Das Rathaus steht wieder, und wenn dieser Riesenidiot das Büro gereinigt hat, ist der Punkt abgehakt. Kommen wir zum Pleasure-Dome-Projekt, auch das sieht gut aus. Die Entwürfe des Architektenteams sind fertig. Der Marktplatz ist geräumt, und in den nächsten Tagen können die Stützpfeiler in den Boden gerammt werden. Das übernimmt das 3. Reparaturteam. Danach fängt das 2. Reparaturteam mit den Aufbauten an und wird sich genau an die Zeichnungen des Architektenteams halten. Das dürfte keine Probleme geben. Der Rest kommt mit mir."

"Wohin denn, Herr Bauleiter?" fragte Tuffi neugierig, und auch alle anderen Hamster reckten die Hälse.

"Ich denke, das sollte allen klar sein, da unser überaus schlauer Bürgermeister ja kürzlich eine grandiose Idee hatte."

"Nee, näh?" meldete sich Goldi. "Wir sollen doch wohl nicht den ollen McShredder heranschleppen?"

"Die Idee kannst du dir ins Fell schieben, Bürgermeister, nicht mit mir!" schrie Flecki aufgebracht.

"Äh, meine lieben Hamster, auch ich habe schlechte Erfahrungen mit diesem Herrn gemacht und, äh..."

"Schlechte Erfahrungen, Bürgermeister?" Goldi kam nun auch in Fahrt. "Der hat mich mit seiner blöden Pfeife fast angezündet!"

"Ja nun, äh, lieber Goldi, es geht doch um Hamsterhausen. Wir müssen doch allen beweisen, dass wir klüger sind als..."

"Herr Bürgermeister", meldete sich nun Dodo, der einen Putzeimer mit sich herum schleppte, zu Wort.

"Ja, Dodo?"

"Ich bin fertig, aber die Bilder an der Wand habe ich nicht ganz sauber gekriegt, da ist immer noch ein bisschen Farbe auf den Leinwänden zu sehen!"

"Äh, sehr schön, Dodo, also wie ich eben gepflegt zu haben sagte, nein, gepflegt sagte, ach egal. Wenn wir den Mistkerl nicht in der Monsterbahn präsentieren, werden wir auf alle Zeit das Gespött aller Hamster sein, findet ihr das nicht schrecklich? Was meinst du, Flecki?"

"Geisterbahn. Es heißt Geisterbahn und nicht Monsterbahn!"

"Und das Essen dort ist eine Katastrophe!" grölte Goldi.

"Ach tatsächlich", spottete Flecki, "aber das hat dich damals aber nicht vom Fressen abgehalten, wie?"

"Also, liebe Hamster, vielleicht sollten wir..."

"Und wir mussten draußen schlafen! Einmal sogar auf harten Schienen!" schimpfte Tati und schüttelte den Kopf.

"Aber das können wir in Zukunft anders machen, jawohl!"

"Wie denn das, bitte schön, Dodo?" fragte Tati.

"Na ja, ich meine, wir müssen uns ja nicht auf die harten Schienen legen. Wir suchen uns einfach eine Weiche, da ist es bestimmt nicht so hart."

Es wurde eine lange Diskussion. Bis spät in die Nacht und weiter bis in den frühen Morgen ging die Diskussion. Da kein Ergebnis und auch kein Kompromiss erreicht werden konnte, schlug der Bürgermeister vor, eine Volksbefragung durchzuführen.

"Jeder Hamster in Hamsterhausen wird blöde grölen, dass er das 'Hamster-Schrecker-Monster' will. Und dann?" keifte Flecki und sah den Bürgermeister wütend an.

"Dann werden sie dafür stimmen, dass der Alte geholt wird", fügte Goldi hinzu. "He Bauleiter, was meinst du eigentlich dazu?"

Alle Augen waren nun auf Bauleiter Murksel gerichtet. So mancher Hamster war müde und erschöpft und wünschte sich ein klärendes Wort. Wenn der Bauleiter dafür war, dann wären alle dafür. Murksel aber hatte schon lange nichts mehr gesagt. Das hatte einerseits den Grund, dass er mehrfach eingenickt war und andererseits, dass auch er keine Lösung für das Problem wusste. Allerdings hatte der Bauleiter sich schon so seine Gedanken gemacht. Natürlich könnte er sich die nächsten Wochen mit drei verschiedenen Reparaturteams herumärgern, die Idiotien und Katastrophen am laufenden Band lieferten, und die ihn vom Morgen bis in den Abend in den Wahnsinn trieben. Könnte er, wenn er in Hamsterhausen bleiben würde. Andererseits.....

"Meine Damen und Herren", begann er, "ich fürchte, uns bleibt nichts Anderes übrig, als den alten McShredder zu uns einzuladen!"