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Kapitel 7

Der Bürgermeister wird befreit

Hamsterhausen leerte sich. Die angereisten, ungebetenen Gäste verschwanden in einem hupenden Fahrzeugkonvoi.

Der Trupp der Reparaturhamster stand allerdings etwas ratlos auf dem Marktplatz. Keiner wusste so recht, was sie von dieser Situation halten sollten. Dodo hatte inzwischen Bauleiter Murksel geweckt und ihm in wenigen Worten geschildert, was soeben passiert war.

"Wir werden das 3. Hamstische Weltwunder erschaffen.", schwärmte Tuffi. "Ich finde, das hat er schön gesagt. Ich jedenfalls bin stolz, eine Hamsterhausenerin zu sein!"

"Wäre das nicht wundervoll", rief Tati und seine Augen funkelten begeistert, "wenn wir mit unserer Tanzgruppe bei der Eröffnungsfeier auftreten würden? Herr Bürgermeister, was halten Sie...?"

"Der Ärmste", japste Tuffi, "seht mal, er ist von seiner tollen Rede völlig erschöpft. Goldi, tu doch mal was und stehe hier nicht so rum!"

Missgelaunt betrachtete Goldi die Respektsperson des öffentlichen Lebens, die schlapp am Ende eines Bauschuttrüssels hing und keinen Laut von sich gab. Dann blitzten Goldis Augen kurz auf, und er rief Dodo zu:

"Komm mit, du musst mir mal helfen!"

Goldi rannte zum Rathaus, gefolgt von Dodo, der keine Ahnung hatte, was nun folgen würde. Nach einigen Minuten erreichten die beiden Hamster schwer atmend den 3. Stock, in dem sich das Büro des Bürgermeisters befand. Goldi lief ins Badezimmer, nahm die Brause und lief samt Duschschlauch auf den Balkon.

"Alles klar, Dodo, dreh' mal kräftig am Wasserhahn!"

Ein lautes Knirschen, gefolgt von einem Krachen und dem Zischen einer Wasserfontäne ließen ahnen, dass Dodo mal wieder sein Bestes gegeben hatte. Goldi rannte mit bösen Vorahnungen in das Bürgermeisterzimmer und sah Dodo mit verlegenem Gesichtsausdruck neben der Badewanne stehen.

"Ich habe doch nur kräftig gedreht, und dann war der Hahn ab", jammerte der große, dicke Hamster. "Was machen wir nun?"

Goldi betrachtete die Badewanne, in der der Wasserspiegel mit rasender Geschwindigkeit stieg, denn der kleine Abfluss war nicht in der Lage, diese Wassermenge ablaufen zu lassen. Andererseits, überlegte Goldi, wäre es nicht verkehrt, wenn mit einer größeren Wassermenge und dem damit verbundenen höheren Druck der Bürgermeister ganz einfach aus dem Rüssel gedrückt werden würde.

"Kein Problem, Dodo", grinste Goldi und schloss die Balkontür.  "Wir sind fertig mit unserer Arbeit!"

"Aber wie geht das nun weiter?" fragte Dodo ängstlich, als er mit Goldi die Treppen des Rathauses hinunter stieg.

"Ganz einfach, das Wasser wird im Zimmer des Bürgermeisters bis an die Decke steigen. Bauleiter Murksel hat ja eine extra-dicke neue Tür eingesetzt, wie du vielleicht weißt, und da wird das Wasser nicht durchkommen. Aber die Balkontür, ha, ha, die wird wegbrechen wie Pappe, und dann fließt das Wasser über den Balkon in den Rüssel hinein, aber mit so was von Wucht, dass der Bürgermeister einen Freiflug kriegt."

"Ist das nicht furchtbar gefährlich?"

"Keine Angst, Dodo, nicht für uns."

Unten angekommen, liefen die Reparaturhamster aufgeregt auf die beiden zu.

"Und?" fragte Tuffi mit weit aufgerissenen Knopfaugen.

"Kein Problem für Superhamster", tönte Goldi. "Am besten machen wir es uns gemütlich und warten ab. Ach ja, setzt euch etwas zur Seite, es ist nicht gut, wenn ihr  euch direkt vor dem Bürgermeister befindet."

Superhamster hatte noch nicht ganz ausgeredet, da geschah es. Ein lautes Krachen war zu hören, und mit offenen Mündern verfolgten die Hamster, wie ein riesiger Wasserschwall aus dem Zimmer des Bürgermeisters schoss. Mit enormer Kraft setzte das Wasser nun seinen Weg über den Balkon fort und bildete einen prächtigen Wasserfall, der über die abgebrochene Seite des Balkons nach Unten stürzte. Ein Teil des Wasserfalls landete in dem Rüssel, der hier befestigt war, und laut gurgelnd setzte das Wasser seinen Weg hin zum Bürgermeister fort.

Die Hamster auf dem Marktplatz sahen staunend zu, und wäre Bauleiter Murksel nicht in der Nähe gewesen, hätte Tuffi am liebsten laut "wunderschön" gerufen. In der Tat sah es beeindruckend aus, wie aus dem Rathaus ein Wasserfall über drei Stockwerke bis auf den Boden schoss. Flecki erkannte als erste die Gefahr.

"Deckung, legt euch auf den Boden!" und schon passierte es. Ein Knall, ein Schrei und etwas Großes, Pelziges flog durch die Luft. Dann folgte ein zweiter Schrei, und ein lauter Klatscher war zu hören.

"Der Bürgermeister ist gelandet", stellte Dodo fest.

"Das Wasser", kreischte Flecki plötzlich. "Es überflutet den gesamten Marktplatz! Goldi, das war deine Idee, also stelle das Wasser sofort wieder ab oder wir ersaufen!"

"Immer ich", knurrte Goldi, "aber das war ich dieses Mal nicht. Dodo hat den Wasserhahn abgerissen."

"Mir nach, Hamster!" schrie Bauleiter Murksel plötzlich und rannte zum Rathaus.

"Welch ein mutiger Mann", schwärmte Tuffi, als sie sah, wie Murksel gegen den Strom ankämpfte und versuchte, das Treppenhaus zu erreichen. Die Wasserfluten jedoch waren zu stark, und schon wenige Minuten später trieb der erschöpfte Bauleiter an den Reparaturhamstern vorbei und über den Marktplatz bis hin zum Bürgermeister. Der war inzwischen wieder auf die Beine gekommen und rief dem Bauleiter zu:

"Mein lieber Murksel, schön, dass ich Sie sehe. Was meinen Sie, werden wir den Zeitplan halten können? Es geht schließlich  um unsere Zukunft."

"Glubb, gluuuub." Der Bauleiter hatte große Mühe, den Kopf über Wasser zu halten.

"Das sehe ich genauso", entgegnete der Bürgermeister und nickte, während es ihm einige Mühe bereitete, in der immer heftiger werdenden Strömung stehenzubleiben.

"Vielleicht hätte ich von diesem Shredder nichts sagen sollen. Meinen Sie nicht, es könnte Probleme geben, dass der Lord sich für eine Geisterbahn zur Verfügung stellt?

"Glblblbl Bluuuurb", antwortete Murksel.

"Da könnten Sie recht haben", entgegnete der Bürgermeister nachdenklich. Inzwischen war die Strömung so stark geworden, dass er sich nicht mehr auf den kleinen Pfoten halten konnte und nun neben dem verzweifelt nach Luft ringenden Bauleiter her schwamm.

"Auf alle Fälle werden wir das beste Team aufstellen, das wir zur Verfügung haben, da können Sie sicher sein, Murksel. Notfalls werde ich mitmachen, denn wir müssen Erfolg haben."

"Glldibb, Glldibb!"

"Natürlich, mein lieber Bauleiter nehme ich Sie mit, das ist doch selbstverständlich. Vielleicht sollte ich Ihnen meinen Plan ein wenig näher erläutern..."

Während der arme Bauleiter sich die Monologe seines Vorgesetzten anhören musste, und sie gemeinsam durch die Straßen von Hamsterhausen trieben, war es Goldi und Flecki gelungen, den Hauptwasserhahn des Rathauses zu finden und die Fluten zu stoppen.

"Und was nun", fragte Tati, als die Hamster des Reparaturteams auf einem Schuttberg standen und den See betrachteten, der sich auf dem Marktplatz gebildet hatte.

"Keine Ahnung", antwortete Flecki, "aber ich fürchte, die Sache geht jetzt erst richtig los."