Kapitel 27

Reparaturen

 

"Kannst du mir bitte mal eben hochhelfen, Goldi?"

Noch immer lag Dodo rückwärts und ein wenig hilflos auf dem Schubhebel, den er soeben durch sein eigenes Gewicht und mit Goldis Hilfe umgelegt hatte.

Während der große Hamster sich von Goldi hochhelfen ließ, verebbte um die beiden herum plötzlich der Jubel, denn etwas schien nicht zu stimmen. Zunächst einmal hatte die Beleuchtung zum Entsetzen aller wieder angefangen, rhythmisch zu flackern, ein hohes Summen erfüllte die Brücke, und der ganze Raum vibrierte. Doch da war noch etwas Anderes. Selbst der Bürgermeister, der mühsam auf den Stuhl des Captains gerobbt war, um eine Rede zu halten, merkte es deutlich. Er stand mitten auf der Sitzfläche und hatte seine kleinen, dicken Arme in die Luft gestreckt, während er ungläubig zu den Seitenwänden der Brücke schielte.

So stand er eine Weile mit hoch erhobenen Armen und überlegte, was denn nun plötzlich anders war als vorher. Leider kamen seine Überlegungen zu keinem brauchbaren Ergebnis, und sein Beitrag zu der neuen Situation bliebt auf ein 'Öhm' beschränkt. Dann versuchte er, ein paar Schritte zu laufen, drehte sich jedoch um die eigene Achse und fiel torkelnd vom Stuhl des Captains. Im nächsten Moment war ein 'i-i-i-ik!' und ein 'Platsch' zu hören, dem ein 'Aua' folgte. Alle Blicke gingen zur Navigatorkonsole, auf der sich eben noch Tuffi befunden hatte. Der Platz vor dem Kontrollmonitor war nun leer, und der kleine Reparaturhamster lang neben der Wand auf dem Boden und rieb sich den schmerzenden Hintern.

"Wusstet ihr, dass 72 Prozent aller Hamster beim Herunterfallen auf ihren Pfoten landen?" rief Goldi begeistert, während er sich am Replikator festklammerte. "9 Prozent landen auf dem Hintern, 10 Prozent auf dem Kopf, und der Rest konnte nicht mehr befragt werden."

"Bei Katzen soll ja die Quote angeblich noch höher sein", warf Tati ein, während er verzweifelt versuchte, sich an dem Tischbein festzuhalten, an das er sich eben noch gemütlich gelehnt hatte, "aber die haben ja auch einen längeren Schwanz und können einen Sturz besser ausgleichen."

"Helft lieber der armen Tuffi, statt hier so blöd herumzusabbeln", fauchte Bauleiter Murksel, und seine Stimme klang merkwürdig gepresst, während er verzweifelt versuchte, sich von der Wand zu lösen. "Hoffentlich ist ihr nichts passiert, ich habe nämlich keine Lust, mein Werkzeug in Zukunft selbst zu schleppen."

"Dodo, glotz nicht so blöde, hilf ihr doch mal hoch!" schimpfte Dasie, der Tuffi fast auf den Kopf gefallen wäre. Sie selber lag nun direkt neben Tuffi am Boden und krallte sich verzweifelt fest, da sie sich von einer unsichtbaren Kraft in Richtung einer der Wände der Enterprise gezogen fühlte.

Dodo, der ein gutes Stück vom Kontrollmonitor entfernt immer noch neben dem Schubhebel stand, beeilte sich, blieb jedoch, als er den Kontrollmonitor passierte, kurz stehen und warf einen Blick darauf. Einen kurzen Augenblick später war ein erneutes Platschen, gefolgt von einem Schmerzensschrei Dodos, zu hören.

"Also, Dodo gehört eindeutig zu den 10 Prozent, die auf dem Kopf landen", stellte Goldi sachlich fest, "genau wie übrigens auch Trampel, der gerade unter Dodo liegt. Aber sagt mal, Leute, was ist denn hier bloß los?"

"Mit wurde plötzlich so schwindelig", jammerte Tuffi, "und dann war auf einmal der Boden weg. Na ja, weg war er nicht, aber er war plötzlich irgendwie woanders, also nicht mehr da, wo er vorher war, obwohl er eigentlich immer noch da war, nur eben weg. Jedenfalls hat sich plötzlich alles gedreht."

Kopfschüttelnd war Flecki in der Zwischenzeit mühsam auf Chekovs Pult geklettert und näherte sich in Schlangenlinien langsam dem Monitor. Gebannt folgten ihr die Blicke der unten stehenden, bzw. liegenden Hamster und die der Rennmäuse. Sie verfolgten, wie Flecki kurz auf den Monitor starrte, den Kopf schüttelte und zu überlegen schien. Dann drehte sie sich langsam weg vom Monitor, wischte mit der Pfote kurz über ihre Augen und machte sich leicht torkelnd auf den Rückweg. Bevor sie hinunterkletterte, drehte sie sich zu der neugierigen Menge auf der Brücke um und rief: "Da kann einem ja total schwindelig werden. Das ist ja wie im Karussell, alles rast von links nach rechts. Entweder spinnen die Sterne, oder wir drehen uns im Kreis." Als sie daraufhin vorsichtig weiterklettern wollte, rutschte sie über den Rand des Tisches und verschwand. In diesem Moment meldete sich eine energische Stimme an der Kommunikationskonsole.

"Uhura an Flecki, bitte melden!"

Die in einer Ecke der Brücke liegende Flecki nickte Teeblättchen zu, der sich an der Kommunikationskonsole festgekrallt hatte und nun langsam zum Lautsprecher hin kroch.

"Hier Teeblättchen, Flecki ist gerade beschäftigt, und ihr ist ein bisschen schwindelig. Wie geht es denn so?"

"Danke der Nachfrage, Teeblättchen, anscheinend haben wir ein Problem. Wir befinden uns auf Warpgeschwindigkeit und irgendein Trottel hat den Schleudergang eingeschaltet..."

"Den Schleudergang?" unterbrach Tati, der Teeblättchen neugierig gefolgt war. "Das ist ja irre. Seit wann besitzen Raumschiffe denn einen Schleudergang? Ich meine, wir sind ja nicht in einem Waschsalon, oder?"

"Kannst du dein Gequatsche mal einstellen, schließlich leite ich jetzt hier die Verhandlungen!"

"Menno, man wird ja wohl mal fragen dürfen, oder?" fauchte Tati zurück.

"Nein", grinste Teeblättchen, "erst musst du fragen, ob du fragen darfst!"

"Und wie soll ich fragen, ob ich fragen darf, wenn ich nicht fragen darf, he?" empörte sich Tati und baute sich drohend vor Teeblättchen auf. "In der Schule habe ich schließlich gelernt, dass man fragen soll!"

"In der Schule, in der Schule", äffte ihn Teeblättchen nach. "Du solltest froh sein, dass wir weit weg von der Schule sind, gerade du!"

Tati starrte seinen Bruder an. Jetzt fiel es ihm schlagartig wieder ein, und ihm wurde heiß, sehr heiß sogar. Frau Pieplitz! Wie konnte er das vergessen! Wenn sie wieder in Hamsterhausen sein würden, dann wäre er dran, und er war sicher, dass Frau Pieplitz ihn mit breitem Grinsen empfangen und genüsslich abstrafen würde.

"Ich jedenfalls“, grinste Teeblättchen genüsslich, "bin nicht von der Mathelehrerin erwischt worden als sie zu früh in den Unterricht kam, und als jemand gerade an die Tafel schrieb: 'Es ist streng verboten, den Affen an der Tafel zu füttern'"

"Hallo, ihr beiden da, hallo, hallo!" war in diesem Moment Uhuras ungeduldige Stimme über den Lautsprecher zu vernehmen. "Stört es euch sehr, wenn ich jetzt endlich einmal weiterreden dürfte?"

"Nö", machte Teeblättchen und wandte sich an Tati. "Und dich?"

"Nö, mich eigentlich auch nicht, sie kann ruhig weitererzählen", entgegnete Teeblättchen großzügig.

"Das ist wirklich nett von euch beiden, vielen, vielen Dank", seufzte Lt. Uhura und fuhr fort: "Natürlich ist das kein Schleudergang wie bei einer Waschmaschine, das bedeutet jedoch, die Enterprise rotiert um sich selbst." Die Offizierin legte eine bedeutungsvolle Pause ein und fuhr erneut fort. "Nun zu unserem Problem: Durch die enormen Fliehkräfte wird die strukturelle Integrität des Schiffes beschädigt. Das wiederum bedeutet, dass das gesamte Schiff bald auseinandergerissen wird, wenn wir nichts unternehmen."

"Lass mich raten", warf Teeblättchen ein, "das würde eurem Captain nicht gefallen, oder?"

"Müssen wir das Schiff dann bezahlen?" fragte Tati und handelte sich einen strafenden Blick seines Bruders ein.

"Sicher nicht", entgegnete Uhura mit erstaunlich ruhiger Stimme, "der einzige Vorteil an der ganzen Sache wäre der, dass wir alle vor der Rache des Captains sicher wären, weil wir nämlich irgendwo als Sternenstaub herumschweben würden. Damit es aber nicht dazu kommt, müssen wir schnell handeln. Der Warpantrieb darf nicht von uns abgeschaltet werden, da wir den plötzlichen Stopp nicht überleben würden. Ihr müsst den Schubhebel wieder langsam zurückziehen, und wenn ich langsam sage, meine ich sehr langsam. Anschließen muss der v... Bauleiter seinen fetten Ar..., ich meine er muss sich zum Kabelschacht bewegen und erneut versuchen, alles zu reparieren. Habt ihr das verstanden?"

"Haben wir", bestätigte Teeblättchen. "Wir ziehen den Schubhebel wieder zurück und schicken den fetten Arsch, ich meine den Bauleiter wieder in den Kabelschacht, damit er seinen Murks repariert."

"Gut", meldete sich Lt. Uhura noch einmal abschließend. "Übrigens empfehlen Chekov und ich, dass Flecki den Bauleiter begleitet. Es ist sicher nicht verkehrt, wenn sie ihm ein wenig auf die Finger, äh, Pfoten schaut und vielleicht das eine oder andere aufzeichnet. So, und nun viel Glück - Uhura Ende."

"Heißt dass, dass sie nun..."

"Später, Dodo, erst mal brauche ich dich. Komm mal rauf!"

Flecki war es in der Zwischenzeit gelungen, wieder auf das Navigationspult zu klettern, und sie wartete ungeduldig, bis Dodo endlich mühsam zu ihr raufgekrochen kam. Als er nach mehreren Fehlversuchen und einigen schlimmen Abstürzen schließlich fragend vor ihr stand, wies sie nur auf den Schubhebel. Als Dodo etwas entgegnen wollte, hielt sie ihm ihre Pfote auf den Mund, schüttelte den Kopf und schob ihn Richtung Konsole. Als die beiden Hamster am wild flackernden Monitor vorbeikamen, schob Flecki Dodo schnell daran vorbei, damit es nicht wieder zu einem Unglück kam. Bevor der große Hamster protestieren konnte, zeigte Flecki auf den nach hinten liegenden Schubhebel und wies Dodo an, den Hebel ein Stück hochzuziehen. Dann noch ein Stück und noch ein Stück, bis der Schubhebel dort lag, wo er vor einiger Zeit schon einmal gelegen hatte.

Das hohe Summen, das die Enterprise die ganze Zeit erfüllt hatte, erstarb. Für einen Moment war es völlig ruhig auf der Brücke, und auch das Flackern der Beleuchtung hatte aufgehört. Vorsichtig bewegten sich einige der Hamster und stellten fest, dass keine Zentrifugalkräfte mehr vorhanden waren, die sie an die Wände drücken wollten. Ein lauter Klatscher bestätigte, dass auch Bauleiter Murksel nicht mehr an der Wand klebte, sondern wieder auf dem Boden der Brücke angekommen war und noch ein wenig benommen vor sich hinstarrte.

"Ich hab doch immer gewusst, dass das mit der Schwerkraft alles Schwindel ist", rief Dodo in die Stille hinein, "das habe ich schon in der Schule nicht glauben können!"

Rennmaus Flauschbert, der gerade neben Dodo stand, starrte ihn verwundert an und konnte sich die Frage nicht verkneifen: "Aber lieber Dodo, wenn es keine Schwerkraft gibt, was hält uns dann am Boden?"

"Ich weiß ja nicht, wie das bei euch Rennmäusen ist", entgegnete Dodo, "aber das mit der Schwerkraft ist ein Schwindel. Bei uns auf der Erde jedenfalls ist das ganz anders, da bin ich sicher. In Wirklichkeit gibt das nämlich keine Schwerkraft, weil das alles nämlich die Erde macht."

"D-die Erde?" keuchte Flauschbert.

"Die Erde", bestätigte Dodo noch einmal. "Das mit der Schwerkraft ist nur ein Märchen. In Wirklichkeit ist es nämlich die Erde, die saugt nämlich..."

"Genau", grölte nun Goldi begeistert, während Flauschbert überhaupt nichts mehr begriff, "und Beethoven war so taub, dass er sein halbes Leben lang gedacht hat, dass er in Wirklichkeit malt!"

Die Stimmung auf der Brücke hatte sich schlagartig verbessert, doch genauso schlagartig fiel den Hamstern nach einigen Minuten des fröhlichen Keckerns und Witzeerzählens wieder ein, dass da ja noch eine Mission auf sie wartete. Um dieses Mal ganz sicher zu gehen, wurde beschlossen, Uhuras und Chekovs Empfehlungen zu folgen und Flecki als Begleitung für Murksel mitgehen zu lassen. Natürlich stieß das beim Bauleiter in keinster Weise auf irgendwelche Begeisterung, doch da er keine Lust hatte, das Thema mit Lt. Uhura noch einmal zu diskutieren, stimmte er brummend zu. Weil Dodo beleidigt in der Ecke saß und sich weigerte, mit irgendjemandem auch nur ein Wort zu sprechen, stand er für den Einsatz nicht zur Verfügung. Die Wahl fiel somit automatisch auf Tuffi, die nun vom Bürgermeister beglückwünscht wurde, bei diesem außerordentlich wichtigen Unternehmen den Werkzeugkoffer und das Funkgerät tragen zu dürfen. Nachdem Flecki sich zusätzlich ein paar Buntstifte und genügend Zeichenpapier beim Replikator besorgt hatte, konnte die Mission beginnen.

"So, ich werde den ganzen Krempel erst mal aufhacken, und dann werde ich die verdammten Strippen..."

"Halt!" unterbrach Flecki den Bauleiter und holte ihren Zeichenblock hervor. "Erst mache ich eine Skizze, damit wir hinterher genau wissen, wie die Leitungen vorher gelegen haben!"

Murrend ließ sich Murksel nieder und beobachtete Flecki gelangweilt, wie sie am Rande des Kabelschachts saß und mit geschickter Hand eine Zeichnung anfertigte. Für jedes einzelne Kabel gab es dann eine eigene Farbe, und auch eine detaillierte Zeichnung des Schachtes vergaß sie nicht. Während Bauleiter Murksel ungeduldig vor sich hin knurrte, und Tuffi ein wenig döste, zeichnete Flecki Strich für Strich weiter. Auch ein paar Blumen vergaß sie nicht.

"Was soll denn der Schrott mit dem Gemüse?" fauchte Murksel und fing sich einen wütenden Blick ein.

"Das sind Blumen, du Ignorant! Blumen sind notwendig, um diese traurige Atmosphäre, diese eisige Technik ein wenig zu wärmen. Ohne Wärme gäbe es kein Leben, keine Freude, nur Grau und kalte Technik... einen Moment noch, gleich bin ich fertig." Flecki trat einen Schritt von ihrem Bild zurück und betrachtete es eingehend. Sie änderte hier ein wenig, malte eine weitere Blume dazu und rief: "Fertig, obwohl noch eine Menge fehlt, zum Beispiel der Himmel und der..."

Der Rest ihrer Worte gingen in den lauten Hämmerschlägen Murksels unter. Tuffi, durch den plötzlich einsetzenden Lärm hochgeschreckt, beeilte sich, den Koffer mit den restlichen Werkzeugen so dicht wie möglich neben den wild hämmernden Bauleiter zu schieben.

"Arbeitet der immer so?"

"Meistens ja, Flecki. Aber nur, wenn er schlechte Laune hat, und schlechte Laune hat er eigentlich immer."

"Das ist ja... barbarisch, wo bleibt denn da das Feingefühl? Kein Wunder, dass immer alles hinter ihm zusammenbricht."

"Manchmal ist er auch total schusselig. Vor ein paar Monaten hatte er den Auftrag bekommen, eine alte Fabrik in der Dinkelgasse zu sprengen. Er hat dann den ganzen Sprengstoff in den Lieferwagen geschmissen und ist losgefahren. Leider hatte er den Zettel mit der Anschrift im Büro liegen gelassen, und ein paar Stunden später war die Panne dann geschehen."

"Er ist mit dem Lieferwagen in die Luft geflogen?" frohlockte Flecki hoffnungsvoll.

"Nein, leider nicht", entgegnete Tuffi. "Weil es ihm zu peinlich war, zurückzufahren und den vergessenen Zettel mit der Anschrift aus dem Büro zu holen, hat er gedacht, dass er die Adresse noch ungefähr wüsste. Am nächsten Morgen stand die Hamstische Polizei in unserem Büro und hat den Herrn Bauleiter mitgenommen. Statt die alte Fabrik in der Dinkelgasse zu sprengen hat er das Hamstische Museum in der Dudelgasse gesprengt."

"Oij weh!"

"Zum Glück war das Museum gerade wegen Malerarbeiten geschlossen", fügte Tuffi hinzu.

"Wollt ihr da nun rumsabbeln, oder könnt ihr mir mal helfen!" war in diesem Moment das Fauchen des Bauleiters aus dem Kabelschacht zu hören. Er hatte sich mit den Hinterpfoten an einem kleinen Vorsprung festgeklammert und versuchte nun, mit dem Kopf nach unten hängend, verzweifelt, die Kabel, die zusammengehörten, zusammenzuknoten. Es sah nicht sehr elegant aus, wie er da hing, und es fiel Tuffi und Flecki schwer, nicht zu lachen.

"Bin ja schon da, Chef."

"Die Kneifzange, Tuffi, die Kneifzange!"

"Hier ist die Kneifzange, Chef!"

"Kabelbinder! Ich brauche Kabelbinder!"

"Hier sind die Kabelbinder, Boss!"

"Danke, oh, ah, verdammt! Mein Schraubenzieher ist runtergefallen! Tuffi, ich brauche einen neuen Schraubenzieher!"

"Wir haben keine Schraubenzieher mehr, Chef, die liegen alle jetzt im Kabelschacht."

"Wie soll ich so arbeiten, he? Ohne Werkzeug, wie? Bin ich hier euer Kasper, oder was? Ich lass mich doch von euch nicht fertigmachen, ich doch nicht! Na schön, dann mache ich das eben ohne den verdammten Schraubenzieher, ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Ich nehme jetzt diese sch.... Kneifzange und dann werde diese elenden Kabel durchhacken..."

Auf der Brücke wurde fasziniert den Tönen gelauscht, die das kleine Funkgerät übertrug, das im Transporterraum hinter der Werkzeugtasche neben dem Bauleiter stand. Mehrere Hamster hatten sich zu Goldi vor dem Replikator gesellt, und während Getränke und das dazugehörige Futter gereicht wurde, lauschten alle gespannt dieser unterhaltsamen Übertragung. Gerne hätte Goldi die beiden Offiziere im Maschinenraum dazugeschaltet, damit sie dem fröhlichen Treiben im Transporterraum ebenfalls lauschen konnten. Leider hatte sich der Bürgermeister jedoch strikt gegen dieses Vorhaben ausgesprochen, so dass Goldi ersatzweise ein paar Rennmäuse überredete, bei dieser 'spannenden Live-Übertragung' - wie Goldi es nannte - dabei zu sein und Wetten auf den Ausgang der Operation Murksel abzuschließen.

Mangels Wetteinsatz konnte allerdings aber auch diese Idee nicht verwirklicht werden und so lauschten alle gespannt einer heftigen Diskussion zwischen Bauleiter Murksel und Flecki, nach welchen farblichen Kriterien die Kabel durchgeschnitten werden sollten. Während Flecki energisch forderte, das 'hässliche gelbe Kabel' zu kürzen damit das leuchtende Rot des daneben liegenden Kabels besser zur Geltung kam, brüllte Murksel herum, dass es ein wahre Pracht war.

"Wenn ich sage, ich kappe das dämliche blaue Kabel, dann kappe ich das dämliche blaue Kabel!"

"Und wenn ich sage, das tust du nicht, dann tust du das nicht, oder Tuffi und ich gehen auf die Brücke zurück!"

In der Tat hatte Fleckis vehementer Einsatz für die Erhaltung des blauen Kabels seinen Grund. In einer der Datenbänke hatte sie beim Herumstöbern einen Hinweis technischer Art gefunden, nämlich den, dass blaue Kabel grundsätzlich für die primäre Energieversorgung benötigt wurden. Ebenfalls war sie auf den Hinweis gestoßen, dass diese primäre Energieversorgung nur von geschultem Personal angefasst werden sollte. Naturgemäß hielt Flecki den Bauleiter nicht für solch eine geeignete Person.

Als gelungener Abschluss folgte dann die Zeichnung, die Flecki von der endgültigen Schaltung anfertigte. Da die beiden im unteren Teil des Kabelschachts liegenden, hinuntergefallenen Schraubenzieher die Optik des Bildes störten, musste Bauleiter Murksel unter heftigen Geschimpfe die beiden Werkzeuge wieder aus dem Schacht fischen. Nach mehreren schmerzvollen Abstürzen und noch mehr wütendem Gezeter von Seiten des Bauleiters war auch das teilweise vollbracht. Teilweise insofern, als dass Murksel lediglich einen Schraubenzieher retten konnte. Den anderen konnte er angeblich nicht wiederfinden. Während nun die abschließenden Diskussionen zwischen dem Bauleiter und seiner Assistentin und insbesondere zwischen Bauleiter und Flecki in voller Lautstärke auf der Brücke verfolgt werden konnten, wuchs die Spannung. Beim letzten Versuch hätte es fast die Enterprise zerrissen; was würde diese Mal geschehen?

Goldi hatte sich von seinem gemütlichen Platz neben dem Replikator erhoben und versuchte erneut, seine Kollegen zu einer kleinen Wette einzuladen. Leider hatte er keinen Erfolg, und somit versuchte er sein Glück bei den Rennmäusen. Schließlich konnte er einen der Assistenten, nämlich die Rennmaus Labert, zu einer Wette überreden. Gegenstand der Wette war natürlich die unmittelbare Auswirkung dessen, was Bauleiter Murksel soeben eingeleitet hatte. In der Tat hatten die Rennmäuse eine außerordentlich hohe Meinung von einem Bauleiter, der für sie eine Autorität darstellte, und der in ihren Augen eben Dinge konnte, die sonst keiner schaffte. Goldis Meinung über die Fähigkeiten des Bauleiters waren anderer Natur, und so wettete er mit Labert, dass es zu mindestens einer Explosion kommen würde.

"Eine Kleinigkeit, sozusagen", tönte Murksel, als er, gefolgt von Flecki und Reparaturhamster Tuffi, wieder die Brücke betrat. "Und wenn ich diesen Scotty mal treffe, dann werde ich ihm mal ein paar Takte über vernünftige Verkabelung erzählen!"

Flecki schlug sich beim Weitergehen die Pfote vors Gesicht, sagte aber nichts, sondern kletterte auf die Kommunikationskonsole und meldete sich bei Lt. Uhura zurück. Nach ein paar kurzen Worten nickte sie Goldi zu, der sich merkwürdigerweise schon auf der Navigationskonsole bereithielt, um den Starthebel zu betätigen. Langsam, ganz langsam schob er nun den Hebel wieder nach hinten, während ein gleichmäßiges Summen zu hören und ein leichtes Vibrieren zu spüren war. Auf dem großen Hauptmonitor war jetzt das gewohnte Bild der vorbeifliegenden Sterne zu sehen. Alles schien wieder in bester Ordnung zu sein.

Lediglich das selbstgefällige Grinsen Bauleiter Murksels ging einigen Hamstern gehörig auf die Nerven. Betont lässig schlenderte er hin und her. Seine ohnehin dicken Hamsterbacken waren noch aufgeblähter als sonst, und es schien, als würden seine großen Glubschaugen jeden Moment vor Stolz aus den Augenhöhlen treten. Dann war ein scharfer Knall zu hören, es blitzte kurz und die Notbeleuchtung ging an.

"Gewonnen, gewonnen", durchbrach Goldis jubelnde Stimme die Stille auf der Brücke. "He, Assi Labert, ich habe gewonnen! Her mit dem Preis!"

Völlig verdattert verfolgten die Hamster und die Rennmäuse, wie Labert mit unsicheren Schritten auf Goldi zu trippelte und ihm etwas überreichte. Es war einer der kaputten Helme, die die Rennmäuse bei dem Versuch, die Enterprise zu kapern, getragen hatten. Darum war es also in der Wette zwischen Goldi und Labert gegangen! Da es nach der Murksel'schen Reparatur zu einer Explosion gekommen war, hatte Goldi den Helm der Rennmaus Labert gewonnen. Übrigens sollte sich die Rennmaus glücklich schätzen, dass sie die Wette verloren hatte. Hätte nämlich Goldi verloren, so hätte er als Gegenleistung einen kostenlosen Kursus veranstaltet, und zwar den 'Wie-werde-ich-Superhamster?'-Kursus. Dieses Schicksal blieb Labert jedoch erspart, und Goldi legte den gewonnenen Helm erst einmal auf seinen Stammplatz neben dem Replikator.

"Aber, aber, da-da-das kann doch nicht sein", ächzte der Bauleiter.

In diesem Moment meldete sich Uhura mit energischer Stimme, und nach einigen abfälligen Bemerkungen über einen gewissen Bauleiter empfahl sie, umgehend den Transporterraum erneut aufzusuchen und den Kabelschacht zu inspizieren. "Nach Chekovs Messungen sieht das wie ein klassischer Kurzschluss aus", fügte sie abschließend hinzu.

"Klassischer Kurzschluss", fauchte Flecki, "an wen erinnert mich das bloß? Fühlt sich vielleicht hier irgendjemand angesprochen? Wer könnte das wohl sein?"

Niemand antwortete, nur Goldi konnte sich mal wieder nicht verkneifen, seinen Senf dazuzugeben: "Bitte nicht bewegen - vor allen Dingen solche Hamster, die mit einem 'M' , wie Mops, anfangen. Ihr wisst ja: Wer Verdacht erregt oder sich in verdächtiger Weise verdächtig macht, wird verdächtigt, ein Verdächtiger zu sein!"

"D-d-die Kabel waren bestimmt defekt", keuchte Bauleiter Murksel in dem verzweifelten Versuch, alle Schuld an dieser neuerlichen Panne von sich zu weisen. "Sicherlich total verrostet und so."

"Also, ich fand, dass die alle sehr neu aussahen", widersprach Flecki und ging auf den Bürgermeister zu, der sich schon seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hatte, ohne dass es sonderlich aufgefallen wäre. "Hier, Bürgermeister, das sind meine Zeichnungen. Sehen die Kabel vielleicht vergammelt aus, oder wie?"

Der Bürgermeister nahm die Zeichnungen entgegen, drehte sie nach links, nach rechts, nach oben und schließlich nach unten, bis ihm klar wurde, worum es sich überhaupt handelte. Nach einer Weile räusperte er sich: "Öhm, tja, soweit ich die Lage beurteilen kann, äh, will und darf, öhm, und ohne etwas vorwegzunehmen oder irgendeine Dings, äh, Person zu treten, äh, zu nahe zu treten möchte ich feststellen, dass sie gut aussehen. Die Kabel meine ich. Auf der Zeichnung natürlich."

Flecki warf einen triumphierenden Blick in Richtung Bauleiter und reichte die Blätter an Tati und Teeblättchen weiter, die die Zeichnungen ebenfalls neugierig betrachteten.

"Klasse Bilder", rief Tati und Teeblättchen ergänzte: "Toll, diese Details, Flecki! Was ist das da eigentlich? Da steckt doch etwas im Kabel!"

Mit einem Satz war Flecki bei Teeblättchen, riss ihm die Zeichnung aus der Hand und warf einen prüfenden Blick darauf. Dann gab sie ihm das Blatt zurück und erklärte: "Ich habe alles so genau wie möglich gezeichnet, und das da ist der Schraubenzieher, der einem gewissen Bauleiter hinuntergefallen ist."

"Chef, Chef!" meldete sich Tuffi, kaum dass Fleckis Worte im Raum verklungen waren. "Könnte es sein, dass der Schraubenzieher, der dir runtergefallen war, und den du nicht wiedergefunden hast, nun im Kabel steckt und..."

"Ausgeschlossen", entgegnete Murksel entschieden und versuchte, überlegen zu lächeln. "Die Höhe und die damit verbundene Kraft beim Aufprall des Schraubenziehers waren viel zu gering, als dass das Metall des Schraubenziehers durch die Isolierung des Kabels hätte dringen können! Sicherlich waren die Kabel auf der Unterseite verrostet. Dagegen ist selbst der beste Experte machtlos."

"Aber Chef! Und was ist mit dem Tritt, den du dem Schraubenzieher verpasst hattest, als der runtergefallen war? Du hast was von 'Mistding' und 'in den Boden rammen' geschrieen, als du immer wieder gegen den Schraubenzieher getreten hast..."

"Ich glaube", sagte der Bauleiter mit knallrotem Kopf und einem aufgesetzten Lächeln, das wie eine verzerrte Fratze wirkte, "wir sollten diese unnütze Diskussion beenden und sehen, was wir retten können. Schließlich haben wir eine Mission zu erfüllen!" Mit diesen Worten gab er Tuffi ein Zeichen, den Werkzeugkasten zu nehmen und ihm zu folgen. Zwar hatte er Flecki nicht angesehen und auch nicht aufgefordert, ihm zu folgen, doch Flecki ließ es sich um keinen Preis der Welt nehmen, bei der Erfüllung dieser Mission dabei zu sein. Schließlich hatte Lt. Uhura, wenn auch nicht darauf bestanden, aber zumindest die Empfehlung ausgesprochen. Zudem war Flecki davon überzeugt, dass nur aufgrund ihrer Zeichnung der Fehler entdeckt worden war, und es war durchaus möglich, dass durch ihre nächsten Aufzeichnungen weitere Schweinereien aufgedeckt werden konnten. Kurz bevor Murksel jedoch die Tür erreicht hatte, war ihm offensichtlich etwas eingefallen, und er drehte sich wieder um und rief: "Ich brauche noch einen mittelgroßen Hamster, der in den Kabelschacht klettern und mir helfen kann! Wer kommt mit?"

Er blickte erwartungsvoll in die Menge. Scheinbar hatte niemand seine Worte so richtig verstanden, denn alle wirkten plötzlich beschäftigt, und überhaupt schien niemand sich für die Frage des Bauleiters auch nur im entferntesten zu interessieren. "Ich sage es mal so", lächelte Murksel gequält, "wenn es keinen Freiwilligen gibt, dann wird eben ein Freiwilliger bestimmt, ist das klar?"

"Ich würde sehr, sehr gerne", meldete sich nun Dodo, "aber leider bin ich zu groß für mittelgroß, wenn ich kleiner wäre..."

"Danke, Dodo, danke", knurrte Murksel, "Goldi, was ist mit dir?"

"Ich habe gerade mein Mittagessen hinter mir, Bauleiter, da ist leider nichts zu machen. Wenn ich mit vollem Magen in einen Schacht...."

"Danke, Goldi, vielen Dank. Sasie, Dasie?"

"Aber Herr Bauleiter", flötete Sasie und machte ein empörtes Gesicht, "wir sind Damen und würden nie in einen dunklen, unheimlichen Schacht steigen, der womöglich..."

"Danke, meine Damen, ergebensten Dank. Trampel?"

"Ich wollte gerade Mittag essen...."

"Hast du aber noch nicht", schnaufte Bauleiter Murksel. "Mitkommen, Trampel, du bist hiermit als Freiwilliger ernannt worden!"

Der Bauleiter drehte sich um und lief in den Tubrolift. Flecki und die keuchende Tuffi, die erhebliche Probleme mit dem schweren Werkzeugkoffer hatte, folgten ihm. Ein paar Schritte dahinter latschte Trampel mit mürrischem Gesicht. Ihn schien das alles nicht sonderlich zu interessieren, und als sie im Transporterraum angekommen waren, warf er einen gelangweilten Blick auf Fleckis Malutensilien. "Sind das echte Filzstifte?"

"Nö“, antwortete Flecki und setzte ein wichtiges Gesicht auf. "Filzstifte kann man dafür nicht gebrauchen, die verschmieren leicht."

"Hast du denn schon mal Wachsstifte ausprobiert?" versuchte es Trampel erneut. “Die sind doch auch nicht schlecht, oder?“

"Ich mochte Wachsmalstifte nie besonders", erwiderte Flecki während sie ihre Zeichenstifte nebeneinander legte. "Sie schmecken einfach nach nichts."

"Trampel, wenn du mit dem Gequatsche fertig bist, kannst du schon mal in den Kabelschacht steigen!"

Trampel zuckte zusammen, als wäre er von einer Stecknadel gepiekt worden. Er hatte bis eben noch gehofft, seinem Schicksal entrinnen zu können und sich vielleicht auf die eine oder andere Weise vor seinem Job drücken zu können, doch nun war ihm klar, dass es wohl kommen würde, wie es immer kam. "Warum immer ich?" dachte er grimmig, während er sich dem Kabelschacht näherte. Schon oft hatte er vor solchen Situationen gestanden, und schon oft musste er anschließend weggetragen werden.

Angenommen, er würde beim Hinunterklettern in den Schacht nicht abstürzen und sich nicht sämtliche vier Pfoten verstauchen, und angenommen er würde es tatsächlich schaffen, den Schraubenzieher zu entfernen, ohne sich das Fell aufzureißen, welche Gefahren würden dann auf ihn lauern? Sicher, das Herausklettern aus dem tiefen Schacht war auch nicht ohne; jede Menge gefährlicher Stellen, an denen er sich verletzen konnte. Schon der Anblick des Schraubenziehers ließ ihn verzweifeln, denn das Teil schien wirklich sehr, sehr fest im Kabel zu stecken. Er warf einen letzten, fast flehentlichen Blick auf Murksel, doch der deutete lediglich mit der Pfote auf den Kabelschacht. Achselzuckend stieg der arme Trampel hinunter, und während er überlegte, ob er sich dieses Mal die Pfoten verstauchen oder das Fell aufreißen würde, hatte er keine Ahnung, dass genau in diesem Moment sein bester Freund Goldi erste Wetten darauf abschloss, ob Trampel den Einsatz überleben würde oder nicht.

Vorsichtig kletterte Trampel nun an einer nach unten führenden Leitung hinab, bis er zu seinem Erstaunen völlig unverletzt neben dem Schraubenzieher stand. Mit prüfendem Blick stellte er fest, dass das Werkzeug tatsächlich ein gutes Stück durch die Isolierung hindurch in den Draht gedrungen war. Tuffi hatte Recht, dachte er. Bauleiter Murksel musste tatsächlich in blinder Wut den hinuntergefallenen Schraubenzieher so sehr getreten haben, dass der durch den oberen Draht hindurch bis in den nächsten gedrückt worden war. Ganz vorsichtig kletterte der Hamster nun auf dem blauem Kabel entlang bis hin zu der Stelle, an der das Problem war. Er betrachtete den Schraubenzieher von allen Seiten und überlegte, was er nun machen sollte.

"Bissu da eingeschlafen, oder willssu da Wurzeln schlagen?" riss ihn in diesem Moment die laute Stimme des Bauleiters aus den Gedanken.

"Wa-was soll ich denn nun machen?"

"Zieh' das Mistding raus und fertig!" kam sofort die gegrölte Antwort. Trampel versuchte, mit beiden Pfoten das besagte Mistding fest zu greifen und zog so stark er konnte. Nichts rührte sich, und er probierte es erneut und noch mal und noch mal.

"Hassu Pudding in den Armen oder was? Kannst du nicht mal einen einfachen Schraubenzieher rausziehen? Selbst ein Reparaturhamster 3. Klasse ist da fixer, du Flasche!"

"Aber der steckt fest, Bauleiter, da ist nichts zu machen..."

"Das ist immer dasselbe mit dem Hilfspersonal! Faul, frech und obendrein noch dämlich! Das Maul aufreißen, ja, das können sie alle, aber wenn sie mal was machen sollen, dann versagen sie allesamt!"

Trampel überlegte, ob er in Tränen ausbrechen oder dem Bauleiter in den fetten Hintern beißen sollte. Schlagartig wurde ihm bewusst, dass alle seine Kollegen auf der Brücke diese äußerst peinliche Unterhaltung mithörten. Kalte Wut stieg in Trampel auf, mit einem heiseren Schrei umfasste er wieder den Griff des Schraubenziehers, drückte ihn hin und her, ließ erneut einen Schrei ertönen und zog mit aller Wut und Kraft, die in seinem kleinen Körper steckten. Ungläubig schaute Murksel auf das, was sich da im Kabelschacht tat, und als er seinen Fehler bemerkte, war es schon zu spät. Es krachte, zischte und blitzte und mit einem Knall schoss der Schraubenzieher nach oben. Murksel hatte keine Chance auszuweichen. Ein hohler Klang war zu hören, als der Schraubenzieher den Kopf des Bauleiters traf, und ein Sirren, als er im hohen Bogen quer durch den Transporterraum weiterflog, bis er scheppernd in einer Ecke landete und rauchend liegen blieb.

"Trampel?"

Als keine Antwort kam, ging Flecki vorsichtig zum Kabelschacht, während Tuffi sich um den bewusstlosen Murksel kümmerte, dessen Kopf bereits jetzt eine enorme Beule aufwies.

"Trampel, geht es dir gut?"

Kaum hatte Flecki diese Worte gerufen, da wich sie erschrocken zurück. Etwas Riesiges kam ihr da entgegengeklettert! Sie machte, dass sie fortkam und setzte sich zitternd neben Tuffi. Gemeinsam starrten nun beide Hamster auf die rauchende Öffnung des Schachtes, genauer gesagt, auf das, was dieser rauchenden Öffnung entstieg. Flecki und Tuffi war überzeugt, dass soeben ein Weltraummonster, das in den Tiefen des Kabelschachtes lebte, geweckt worden war. Sicherlich hatte nun auch das letzte Stündchen aller Hamster und Rennmäuse auf dem Schiff geschlagen, so wie bereits das letzte Stündchen für Trampel geschlagen hatte, denn der war bestimmt schon von dem riesigen Monster gefressen worden.

Einzelheiten wurden nun sichtbar, lange, gefährlich aussehende Stacheln trug dieses Monster, und Flecki musste sofort an ein Stachelschwein denken. Stachelschweine sind sehr gefährlich, dachte sie und beobachtete mit einer Mischung aus Entsetzen und Neugier, wie nun die Augen des Monsters sichtbar wurden. Dann folgte der restliche Körper und vor ihnen stand etwas, was tatsächlich wie ein riesiges Stachelschwein aussah.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 28) - Der mächtige Bürgermeister-Khan