Kapitel 25

Reparaturarbeiten I

 

Auf der ehrwürdigen Brücke der Enterprise herrschte indessen das totale Chaos. Zu den lauten, auf- und abschwellenden Tönen des Bordalarms des Raumschiffes rannten die Hamster laut kreischend im Kreis. Natürlich brachte dieses Herumgerenne absolut nichts und trug auch nichts zur Lösung des Problems bei, aber es beruhigte. Zudem war es eine bewährte hamstische Tradition und hamstische Traditionen sind nun einmal dazu da, dass man sie pflegt. Die Rennmäuse blickten zwar fasziniert, aber im Innern voller Panik auf die Hamster, die im roten Schein des Lichtes immer wieder um das Pult des Navigators herum rannten. Zudem schrieen sie laut das Wort 'Eflih', mit dem die Rennmäuse nun überhaupt nichts anfangen konnten.

"Was sollen wir machen, Chef?" fragte Labert seinen Anführer, und Laubert entgegnete: "Es muss sich um eine dieser hamstischen Sitten handeln, und wir sollten unverzüglich mitmachen!"

Somit rannten Hamster und Rennmäuse gemeinsam um das Pult des Navigators herum, bis erst Dodo, dann der Bürgermeister, dann Bauleiter Murksel und schließlich Goldi und der Rest der Hamster vor Erschöpfung zusammenbrachen und sich die Ohren zuhielten. Auch die Rennmäuse ließen sich nun zu Boden fallen und bedeckten ihre spitzen Ohren mit den Pfoten. So lagen Hamster und Rennmäuse eine ganze Weile jammernd und stöhnend auf dem Boden. Es war Flecki, die mit ihrem scharfen Gehör erfasste, dass Geräusche aus dem Lautsprecher an der Kommunikationskonsole drangen. Sie rannte und kletterte so schnell es ging die Konsole hinauf und vernahm die Worte: "...den, bitte melden!" Sofort war dem Hamster klar, dass es sich nur um Lt. Uhura handeln konnte, und so laut sie konnte, schrie Flecki durch den Lärm der Alarmsirene hindurch: "Wir haben hier einen Alarm, Uhura, keine Ahnung, was los ist!"

Eine ganze Weile blieb der Lautsprecher stumm und Flecki hatte das Gefühl, als verlöre sie jeden Moment den Verstand. Eine laute Alarmsirene und ein feines Hamstergehör passen nun mal nicht zusammen. Es erschien dem Hamster wie eine kleine Ewigkeit, bis sich Uhura wieder meldete: "Wir wissen auch noch nicht genau, was den Alarm ausgelöst hat, Flecki. Es deutet allerdings einiges darauf hin, dass es sich um einen Spannungsabfall in der Energieversorgung handelt. Das muss umgehend repariert..."

"Hier wird gleich niemand mehr zum Reparieren sein, Lieutenant Uhura", kreischte Flecki, "der Lärm bringt uns alle um!"

Wieder schwieg der Lautsprecher für einen Moment, um kurz darauf Uhuras Stimme wiederzugeben: "An der linken Lehne des Stuhls des Captains befinden sich auf der Unterseite mehrere Knöpfe. Der vorderste muss gedrückt werden, dann ist der Alarm ausgeschaltet."

Flecki kletterte so schnell sie konnte die Konsole hinunter und winkte Dodo zu. Der begriff zwar nichts, folgte ihr aber brav bis hin zum Stuhl des Captains. Dort blieb sie stehen und rief: "Schnell, hilf mir da hinauf, Dodo, ich muss auf den Stuhl, bevor wir hier alle durchdrehen!"

Der große Hamster nickte, und als Flecki versuchte, am Stuhl hochzuklettern, erhielt sie einen solch kräftigen Stoß von Dodo, dass sie mit voller Wucht gegen die Rückenlehne klatschte und für einen Augenblick benommen liegen blieb. Sie rappelte sich hoch und entdeckte verschiedene Knöpfe unter der linken Lehne. Den vordersten drückte sie verzweifelt, und sofort herrschte gespenstische Stille auf der gesamten Brücke. Sie waren wieder einmal gerettet, jedenfalls fürs erste. Flecki betastete ihren Körper, konnte aber keine Brüche oder sonstigen Verletzungen feststellen. Dann warf sie einen giften Blick in Dodos Richtung, der vor dem Stuhl stand und nicht so recht wusste, was er von der ganzen Sachen halten sollte.

"Danke Dodo", fauchte sie, "das war sehr gefühlvoll!"

"Nicht wahr", freute sich Dodo, "ich gebe eben immer mein Bestes."

"Der Sicherheitsalarm wurde soeben abgeschaltet", meldete eine freundliche Computerstimme.

"Vielen Dank für den netten Hinweis", knurrte Flecki, "aber warum müssen Alarmsirenen immer so laut sein?" Sie drehte sich um, warf einen besorgten Blick auf ihre hamstischen Kollegen und auf die Rennmäuse und rief: "Jemand verletzt?

"Ich habe so ein doofes Pfeifen im Ohr", jammerte Trampel aus dem Hintergrund. Niemand antwortete, denn offensichtlich jeder war im Moment selbst damit beschäftigt, sich von dem grässlichen Geräusch der Alarmsirene der Enterprise zu erholen. Tuffi war hatte große Mühe, dem Bauleiter wieder auf die Beine zu helfen, während Goldi amüsiert dem Bürgermeister zuschaute, der sich zum dritten Mal hochgerappelt und genauso oft wieder umgefallen war. Beim vierten Versuch hatte er endlich Erfolg, strich sich übers Fell und schaute sich um. Alle anderen, einschließlich Rennmäuse, standen bereits wieder auf den Beinen und starrten fragend zu Flecki, die erschöpft auf dem Stuhl des Captains saß und tief durchatmete.

"Nun, öhm, liebe Dings, äh, Flecki, im Namen der Mannschaft möchte ich dir danken..."

"Ja, ja, ist schon gut". keuchte Flecki, "helft mir lieber runter, ich glaube nicht, dass unser Problem nun völlig gelöst ist. Wir müssen unbedingt die beiden Leute im Maschinenraum fragen, was das alles soll!"

Dodo, der nicht weit von ihr entfernt stand, half ihr, vom Stuhl herunterzusteigen. Dann lief sie zur Kommunikationskonsole und rief Lt. Uhura. Es wurde nur eine kurze Unterhaltung, denn die beiden Offiziere waren mit einer Computerdiagnose beschäftigt, und somit reichte es nur für einen knappen, aber äußerst interessanten Zwischenbericht.

Uhura und Chekov waren in der Zwischenzeit nämlich nicht untätig gewesen, sondern hatten die digitalen Anzeigetafeln kontrolliert und den Fehler eingegrenzt. Es handelte sich um eine Unterbrechung der Stromzuführung der Steuereinheit des Schiffes. Dadurch kam es zu Störungen zwischen Navigatorkonsole und den im Maschinenraum befindlichen Steuerelementen, die letztlich das gesamte Raumschiff auf Kurs hielten, oder zumindest halten sollten. Da diese Verbindung gestört war, hatte der Zentralcomputer eingegriffen, bevor das Schiff vom Kurs abkommen konnte. Nicht nur der Alarm war nun vom Hauptcomputer ausgelöst worden, sondern aus Sicherheitsgründen wurde der Hauptantrieb abgeschaltet und der Rückwärtsschub ausgelöst, um die Enterprise zu stoppen. Das war jetzt geschehen, wie der Bordcomputer mit freundlicher Stimme meldete:

"Die Enterprise befindet sich nun im Stillstand. Der Antrieb ist abgeschaltet."

"Ja", bestätigte Tuffi nun aufgeregt und zeigte auf den Hauptmonitor, "das stimmt. Die Sterne fliegen nicht mehr an uns vorbei!"

Ratlos blickten nun alle auf den Bürgermeister, der ebenso ratlos auf den Bildschirm blickte und die Blicke der Hamster mit zunehmender Unsicherheit bemerkte. "Nun, öhm, scheinbar fliegen wir nicht mehr."

Goldi schlug sich laut lachend an die Stirn, während Flecki nur stumm den Kopf schüttelte. Glücklicherweise meldete sich in diesem Moment Lt. Uhura wieder, so dass dem völlig überforderten Bürgermeister weitere Peinlichkeiten erspart blieben.

"Sagt mal", klang die schnaufende Stimme der Enterprise-Offizierin für jeden deutlich hörbar aus dem Lautsprecher, "da stimmt doch etwas nicht! Hat jemand von euch an der Stromversorgung zur Brücke herumgefummelt?"

Natürlich konnte Uhura in diesem Moment nicht sehen, was auf der Brücke passierte. Hätte sie es gekonnt, dann hätte sie lauter kopfschüttelnde Hamster gesehen. Nur zögernd bewegte sich Flecki zur Kommunikationskonsole, um sich an das Mikrophon zu stellen, denn schließlich hatte sie mit diesem Schlamassel ja überhaupt nichts zu tun. Gerade als sie das Funkgerät erreicht hatte, ertönte Tuffis piepsige Stimme: "Sagt mal, hat unser Bauleiter beim Ausrichten des Transporters nicht ein paar Kabel abgemacht und wieder angeklemmt? Vielleicht ist ihm dabei ein Fehler unterlaufen und..."

"Tuffi?"

"Ja, Herr Bauleiter?"

"Vielen Dank für deinen interessanten Hinweis", knurrte Murksel lächelnd, doch es blieb niemandem auf der Brücke verborgen, dass er laut mit den Zähnen knirschte und seine Augen dabei den kleinen Hilfshamster böse anfunkelten. "Es ist gut, eine aufmerksame Assistentin zu haben."

Flecki, die sich gerade am Funkgerät melden wollte, glaubte deutlich zu hören, dass Murksel seinem kleinen Reparaturhamster zuflüsterte: "Wir haben viele dreckige, stinkende Siele in Hamsterhausen, Tuffi, du wirst jedes Dreckssiel kennen lernen, wenn wir wieder zu Hause sind, weil du jedes Stinkeding einzelnen schrubben wirst."

"Uhura?" rief Flecki ins Mikrophon und warf einen spöttischen Blick auf den Bauleiter, der mit hochrotem Kopf auf den Hauptmonitor zeigte und einer der Rennmäuse etwas zu erklären schien. Offensichtlich war er überhaupt nicht an dem interessiert, was sich da in den nächsten Minuten zwischen Hamster und Mensch abspielen würde. "Kann es sein, dass die Stromversorgung im Transporterraum beschädigt ist, und dass das zu dem Problem geführt hat?"

"Durchaus denkbar, Flecki", entgegnete die Offizierin, "zumindest scheint es so, als wenn die Leitungen dort vorbeigeführt sind. Schade, dass Scotty nicht da ist, denn der kann genau sagen, welches Kabel gerade Schluckauf hat..."

"Schluckauf?"

"Nur ein Scherz, Flecki. Das soll heißen, unser Maschinist Scotty kennt jedes Kabel und jede Schraube der Enterprise beim Vornamen. Aber wieso kommst du auf den Transporterraum? Selbst wenn der Transporter einen Kurzschluss hatte, so sind die Kabel geschützt, weil sie unter dem Boden verlegt sind."

"Weil…" Flecki suchte nach Worten, "weil möglicherweise einer von uns eventuell ein paar klitzekleine Kabel vertauscht haben könnte..."

Schweigen auf der anderen Seite. Auf der Brücke war es still, nur das Arbeiten des Replikators, wo sich Goldi gerade einen weiteren 'Zwischensnack' besorgte, war zu hören. Jeder erwartete nun einen Wutausbruch der im Maschinenraum festsitzenden Enterprise-Offiziere, oder zumindest eine sehr laute Bemerkung Uhuras zu dieser offensichtlich selbstverschuldeten Panne. Zur großen Überraschung aller, kam aus dem Lautsprecher nur eine mit sanfter Stimme gestellte Frage: "Der Bauleiter, ja?"

"Ja, leider, der Bauleiter", entgegnete Flecki mit ebenso sanfter Stimme und sie glaubte, leises Poltern und gedämpfte Wutschreie im Hintergrund des Maschinenraums zu hören.

"Ich fass' dann mal zusammen", meldete sich nun der kauende Goldi. "Der Bürgermeister kommt skalpiert vors Militärgericht, und der Bauleiter kommt wegen Sabotage in den Knast der Sternenflotte. Leute, die Zukunft sieht rosig aus, jedenfalls für die meisten von uns."

"Und was ist mit den Rennmäusen?" stellte Dodo nun eine höchst interessante Frage.

"Wenn wir die Karre nicht wieder flott kriegen, werden die armen Schweine verhungern und somit verrecken", antwortete Goldi und wischte sich den Schnurrbart sauber. "Vielleicht kann dieser Uhu ja..."

Als hätte sie nur auf dieses Stichwort gewartet, meldete sich Uhura erneut: "Flecki? Chekov und ich sind uns nicht sicher, ob wir es wagen können, den Maschinenraum zu verlassen. Zwar sind wir uns ziemlich sicher, dass es sich um ein Gasleck innerhalb der Enterprise handeln muss. Schwierigkeiten macht es allerdings, das zu lokalisieren. Es kommt jetzt also auf euch an. Ihr müsst die Leitung irgendwie reparieren. Der Bauleiter soll sich verd...."

Lt. Uhura unterbrach den Satz für einen Moment, und es war deutlich zu hören, dass sie tief Luft holte bevor sie forfuhr.

"Der Bauleiter muss versuchen, sich zu erinnern, welche Kabel er bewegt hat. Macht euch eine Zeichnung von den Kabeln und seht euch alles genau an. Übrigens soll ich den Bauleiter recht herzlich von Fähnrich Chekov grüßen. Bei der ersten Gelegenheit wird er ihm die Pfoten auf den Rücken binden, damit er kein Unheil mehr anrichten kann. So, und jetzt genug der Höflichkeiten, ich drücke euch die Daumen, dass ihr die Enterprise wieder flott bekommt. Uhura Ende!"

"Heißt das, dass sie jetzt..."

"Klappe Dodo, ich muss nachdenken", knurrte Bauleiter Murksel giftig und schubste Tuffi aus dem Weg. Mit grimmigen Gesicht lief er nun zwischen Tür und Navigatorkonsole hin und her, kratzte sich an der Stirn, glättete seine Schnurrbarthaare und warf Tuffi zwischendurch immer wieder böse Blicke zu, als wollte er sagen: Du hast mir den Schlamassel eingebrockt. Natürlich konnte der kleine Reparaturhamster nichts für diese Situation, genauso wenig wie die umstehenden Hamster, die gebannt verfolgten, wie der Bauleiter immer wieder von Tür zu Navigatorkonsole und von Navigatorkonsole zur Tür lief.

"Was macht der eigentlich?" fragte Flecki nach einer halben Stunde.

"Pst", flüsterte Goldi, "der denkt nach."

"Ja", bestätigte Tuffi ebenfalls flüsternd, "das hat er neulich auf der Baustelle auch gemacht. Als ihm dann etwas eingefallen war, stellte er fest, dass längst Feierabend war und er sich ganz alleine auf der Baustelle befand. Dummerweise war es schon dunkel geworden und zu allem Überfluss kam auch noch die Polizei vorbei und hat ihn mitgenommen, weil sie ihn für einen Einbrecher hielten. Erst am nächsten Tag – so gegen die Mittagszeit - hat er dann..."

"Bei dem Lärm kann sich doch keiner konzentrieren", polterte in diesem Moment Bauleiter Murksel los, und Tuffi verstummte augenblicklich.

"He Leute, wusstet ihr schon: Wenn man 8 Jahre, 7 Monate und 6 Tage schreien würde, hätte man genug Energie produziert, um eine Tasse Kaffee zu erwärmen?"

"Öhm, ja, vielen Dank für diese interessante Neuigkeit, lieber Goldi", mischte sich nun der Bürgermeister ein, "vielleicht möchte unser geschaffter, äh, geschätzter Dingsleiter nun anfangen, damit wir sozusagen unsere Mission..."

"Ich tu ja, was ich kann", kam die gebrüllte Antwort Murksels, "aber solche Dinge erfordern ein besonderes Maß an Planungen und Überlegungen, um unnötige Fehlerquellen auszuschließen." Er versuchte, das Gackern von gewissen Hamstern zu überhören, und fuhr fort: "Ich gehe jetzt zum Transporterraum und werde die Leitungen überprüfen. Wir werden über Funk Kontakt halten und weitere Schritte miteinander abstimmen!"

Laut schnaubend verließ der Bauleiter die Brücke, um sich bald darauf mit etwas sanfterer Stimme zu melden: "Ich, äh, könnte ein wenig Verstärkung gebrauchen. Schickt mir mal den Dodo, ich kriege die Bodenklappe nicht auf!"

Der Bürgermeister nickte Dodo aufmunternd zu, und der machte sich daraufhin auf den Weg, während Goldi noch einmal auf Tuffis unterbrochene Geschichte zurückkam und sie leise fragte: "Was war denn nun am nächsten Tag mit dem Bauleiter?"

Tuffi drehte sich vorsichtig um und vergewisserte sich, dass Murksel auch wirklich die Brücke verlassen hatte, dann piepste sie: "Irgendwas muss da am nächsten Tag schiefgegangen sein, denn er rief mich auf der Baustelle an, dass er aus geschäftlichen Gründen noch einen Tag bei auf der Polizeiwache bleiben müsse. Er war ganz schlecht am Telefon zu verstehen, weil im Hintergrund irgendetwas furchtbar laut plätscherte." Erneut drehte sich Tuffi zur Tür und fuhr fort: "Jedenfalls habe ich ein paar Tage darauf eine Rechnung von der Polizei auf dem Schreibtisch des Bauleiters gesehen, rein zufällig natürlich. Da stand 'Sehr geehrter Herr Murksel' drauf und die wollten Geld für ein zerstörtes Waschbecken und wegen irgendwelcher Wasserschäden haben. Ach ja, und eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung lag auch noch daneben."

"Und er hat nie erzählt, was da gelaufen ist?" fragte Goldi gespannt, während es ihm sehr schwerfiel, nicht vor Lachen laut loszugackern.

"Nee, hat er nicht. Ich vermute, er hat versucht, einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren."

"Bestimmt so einen Amateur-Wasserhahn mit fehlerhaften 45er Muffen und falsch eingesetzten Ventilen. Wahrscheinlich mussten auch noch die Mischbatterien aufgeladen werden und das Werkzeug taugte nichts", grinste Goldi.

Kurz darauf meldete sich der Bauleiter erneut: "Sehr gut. Dodo wird jetzt die Bodenklappe entfernen und ich..... Nein, Vorsicht, du Riesenidiot, ich stehe doch noch auf der Platte, argh...."

Ein lautes Scheppern und Krachen beendete die Verbindung. Auf der Brücke schauten sich derweil Hamster und Rennmäuse fragend an und starrten gebannt auf den Lautsprecher, als ein Knacken und die Stimme des Bauleiters wieder zu hören war: "Alles in Ordnung, Leute, nur eine kleiner Zwischenfall durch die Unachtsamkeit eines gewissen Dodos. Ich habe nun die Kabelstränge vor mir und erkenne sofort, dass sie offensichtlich falsch markiert sind. So kann man natürlich nicht arbeiten, also werde ich nun mit dem Schraubenzieher erst einmal die Kabel vorsichtig und fachmännisch lösen, um dann, öh, .... Tuffi? Wo ist mein Schraubenzieher? Wo hast du das verdammte Ding gelassen?"

"Den hast du wie immer in deiner linken Hosentasche, Chef!"

"Da ist er nicht! Ach hier ist er, glaube ich, oh, hopsala! Tuffi, ich brauche einen neuen Schraubenzieher, das Mistding ist einfach von alleine in den Kabelschacht gefallen! So kann ich nicht arbeiten!"

Tuffi zuckte mit ihren kleinen Schultern und machte sich auf den Weg zum Transporterraum.

Es dauerte eine Weile, bis die Stimme des Bauleiters die weiteren Fortschritte verkündete: "Ich werde jetzt mit äußerster Präzision das erste Kabel lösen.... Aha, die Isolierung erscheint mir ein wenig dick.... Da wir gerade von dick reden, Dodo gibt mir doch bitte mal das Messer statt hier nur dumm herumzustehen." Es folgte eine kurze Pause, ein "Danke" war zu hören und der Bauleiter fuhr fort: "Die Farben der Isolierung scheinen willkürlich und recht abenteuerlich gewählt zu sein; das sieht alles nicht sehr professionell aus... Ich denke, ich beginne mal mit diesem Kabel. Es liegt ein wenig außerhalb des Stranges und ist somit ein sekundäres Kabel. Ich werde es einfach einmal durchschneiden, denn da kann nichts weiter passieren und dann..."

In diesem Moment passierten allerdings zwei Dinge: Zuerst brach die Verbindung zum Transporterraum ab, dann erlosch das Licht auf der Brücke.

"Ich sehe schwarz", stöhnte Trampel in die Dunkelheit hinein.

"Genau wie unsere Zukunft", ergänzte Flecki, "aber wir sind ja ohnehin Nachttiere, wozu brauchen wir bitte schön Licht. Ist doch sowieso nur überflüssig."

"Ich fürchte die Lage ist ernster als ihr glaubt, Freunde", keuchte Goldi, und sofort waren alle Blicke auf ihn gerichtet. "Wie Flecki schon sagte, das bisschen Dunkelheit macht uns nichts aus, doch wenn wir schon im Weltall sterben müssen, dann wollen wir das auch in aller Würde tun. Aber bitte nicht auf diese Art und Weise, denn das ist grausam und unhamstisch."

Niemand schien so recht zu begreifen, worauf Goldi hinauswollte. Entsetzte Gesichter starrten ihn erwartungsvoll an. Welche grausame Art und Weise meinte Goldi? Es schien kälter auf der Brücke geworden zu sein, oder zumindest kam es Hamstern und Rennmäusen so vor, denn sie froren ein wenig nach diesen unheimlichen Worten. Kein Laut war zu hören, als Goldi sich bedeutungsvoll räusperte und erklärte:

"Der Replikator funktioniert nämlich auch nicht mehr."

Gerade in dem Moment, als der Bürgermeister sich zu dem Entschluss durchgerungen hatte, eine kleine Ansprache zur Ermunterung aller zu halten, krachte es laut, und für den Bruchteil einer Sekunde war das Licht auf der Brücke kurz aufgeflackert. Erschrocken rannte der Bürgermeister unter den Stuhl des Captains, versteckte sich dort und beschloss, nun doch keine allgemeine Ermunterrungsrede zu halten.

"He, Leute, Murksel scheint Fortschritte zu machen!", keckerte Goldi vergnügt und hüpfte vor Begeisterung auf und nieder.

"Ja", stimmte Tati zu, "das Krachen kam aus dem Lautsprecher. Ob sich Dodo auf das Mikrophon gesetzt hat?"

In diesem Moment ging das Licht auf der Brücke wieder an. Ein lautes, kollektives Aufatmen war zu hören. Der Bürgermeister kroch langsam unter dem Stuhl hervor und strich sein Fell glatt. Im nächsten Moment jedoch kroch er sofort wieder zurück und lauschte.

"...nicht?" dröhnte es plötzlich aus dem Lautsprecher. Verwundert starrten alle auf den Lautsprecher. Was sollte ihnen das sagen? Was meinte der Bauleiter damit? Bevor jedoch irgendwelche Vermutungen geäußert werden konnten, ertönte die Stimme des Bauleiters wieder: "Ich habe diesen Dreck so was von satt, das glaubt ihr nicht! Warum geht dieses Mistding nicht? Der Strom ist doch schon längst wieder da, aber es gibt noch immer keinen verdammten Ton von sich. Alles keine Qualitätsware mehr, heutzutage wird wohl nur noch Schrott produziert. Hallo, Hallo! Wieso geht das denn nicht, das muss doch gehen? Ich hau diesen ganzen Müll jetzt zu Brei, das lass ich doch nicht mit mir machen, ihr glaubt wohl.... Was, Tuffi? Was meinst du damit - es geht wieder? Die... ach so, hä hä, natürlich, das war mir doch gleich klar, also, äh, hallo ihr da auf der Brücke, alles in Ordnung?"

"Das Licht ist immerhin wieder an, Bauleiter", gackerte Teeblättchen, "und der Replikator..."

"Es ist alles wie vorher, Bauleiter", mischte sich Flecki verärgert ein, "der Antrieb ist noch immer kaputt!"

"Na, das ist doch schon mal eine gute Nachricht", flötete Bauleiter Murksel. "Obwohl es natürlich eine Zumutung ist, mit solchem Schrott arbeiten zu müssen.“

"Eine gute Nachricht? Wir sind immer noch da, wo wir vorher waren, und die Zeit drängt!"

"Ist ja gut, Flecki, ist ja gut. Ich fahre jetzt mit der Reparatur fort. Aha, hier ist eine Schelle locker, das werden wir gleich haben. Dodo, wirf mir mal den Hammer herüber.... a-a-ah, nein! Urcks!"

"Entschuldigung, Bauleiter", erklang es leise aus dem Lautsprecher, während sich bis auf den Bürgermeister die Hamster vor Lachen auf der Brücke kugelten. "Aber du hast gesagt, ich soll ich werfen."

"Das war verdammt unvorsichtig, Dodo", war nun Tuffi zu vernehmen. "Wenn der Hammer in den Kabelschacht gefallen wäre, dann hätte wir den nie wiedergefunden. Zum Glück stand der Herr Bauleiter davor und hat ihn mit dem Kopf abgefangen."

"Soll ich dem Bauleiter wieder hochhelfen, Tuffi? Ich meine, der sieht gerade so glücklich und zufrieden aus, vielleicht sollten wir den einen Augenblick liegen lassen."

"Na ja, vielleicht, Dodo. Kann sein, dass er nach einem schönen Traum bessere Laune hat. Andererseits muss er ja weiter reparieren, weil wir sonst nicht fertig werden... Hallo, Herr Bauleiter, sind Sie noch da? Aufwachen, Sie werden gebraucht!" Geräusche, die wie Händeklatschen klangen, waren nun über die Lautsprecheranlage zu hören. Dann war für einen Moment alles still. Kurz darauf war wieder ein lautes Klatschen zu vernehmen, und schließlich meldete sich Tuffi mit resignierender Stimme: "Zwecklos, der pennt tief und fest. Flecki? Könnt ihr uns einen Becher Wasser bringen, um den Herrn Bauleiter zu wecken? Wir haben alles versucht, ihn zu wecken, aber der will nicht."

"Geht klar, Tuffi", antwortete Flecki und schob den maulenden Tati in Richtung Replikator, während sie immer wieder zum Lautsprecher auf der Kommunikatorkonsole schielte und flehentlich hoffte, dass sich Lt. Uhura nicht melden würde.

Anscheinend hatte der kurzfristige Stromausfall nicht den Maschinenraum betroffen, dachte sie erleichtert, obwohl ihr durchaus klar war, dass sie diese Störung hätte weitermelden müssen. Seitdem Flecki nämlich im Bordcomputer auf eine Seite mit 'Vorschriften und Verhaltenregeln für die Enterprisebesatzung' gestoßen war, fühlte sie sich ganz besonders verantwortlich. Verärgert beobachtete sie, wie Tati und Goldi nun am Replikator standen und mit dem replizierten Wasser herumspielten. Wutschnaubend lief sie ebenfalls zum Replikator und regelte die Sache. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis sich der Bauleiter wieder über Funk meldete.

"Kann weitergehen, Leute. Jetzt klopfe ich ein wenig die Schellen nach – wie, Tuffi? Nein, natürlich sind die nicht stromführend! Guck mal, die kann man völlig gefahrlos anfassen, da passiert absolut nichts.... a-a-argh!"

"Mist, jetzt ist der Replikator schon wieder ausgefallen", war Goldi Stimme in der Dunkelheit auf der Brücke der Enterprise zu hören. "Anscheinend macht der Bauleiter Fortschritte."

"Fragt sich nur, wobei", keckerte Teeblättchen.

"Ich fürchte, wir müssen das jetzt mal den beiden Offizieren melden", fauchte Flecki, musste jedoch feststellen, dass auch die Verbindung zum Maschinenraum unterbrochen war. Offenbar hatte Murksel wieder ganze Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass der gesamte Strom auf der Brücke ausgefallen war. Gerade als in der Dunkelheit ein "Öhm" darauf hindeutete, dass der Bürgermeister Worte für eine Rede suchte, ging das Licht wieder an und eine vertraute Stimme war zu hören:

"Natürlich nicht, Tuffi! Das kommt davon, dass hier blutige Amateure am Werk waren, die von vernünftiger Erdung noch nichts gehört haben. Wie, wieso gekennzeichnet? Ein roter Blitz auf gelben Untergrund? Warum sagt mir das denn keiner? Da hätte ein Hinweispfeil auf das Hinweisschild sein müssen, so wie sich das für Profis gehört! Ich hab das so was von satt, wisst ihr Clowns das? Jedenfalls mache ich das jetzt mal so, wie sich das gehört. Ich mache jetzt ein Klebeband daran, damit das eindeutig ist. Haben wir noch Klebeband im Werkzeugkasten? Dodo, schmeiß doch mal den Werkzeugkasten rüber!"

Im nächsten Moment war nur noch ein unverständliches Gurgeln zu hören, dann war die Übertragung unterbrochen.

Nach einer halben Stunde war der Bauleiter aus seiner vorübergehenden Bewusstlosigkeit erwacht und nahm mit dröhnendem Kopf seine Reparaturarbeiten wieder auf. Dodo befand sich inzwischen wieder auf der Brücke, da Bauleiter Murksel darauf bestanden hatte, ihn auszutauschen. Dafür war jetzt Trampel im Transporterraum anwesend und tat sein Bestes, um Murksel und Tuffi zu unterstützen.

"Wir nähern uns nun dem Problem", war die hoffnungsvolle Stimme des Bauleiters auf der Brücke zu vernehmen. "Vermutlich liegt es an dem grünen und dem roten Kabel, die falsch beschriftet wurden. Ich tausche sie nun aus, und das kann eine Weile dauern."

Während all dies im Transporterraum geschah, war eine gewisse Unruhe auf der Brücke deutlich spürbar. Niemand wusste so recht, was er sagen sollte, und es war unerträglich für die Tiere, einfach nur dazusitzen und abzuwarten.

"Haben wir irgendwo eine Taschenlampe?"

"Wozu brauchen wir eine Taschenlampe, Sasie? Wir sind doch schließlich Nachttiere", grinste Flecki und wandte sich dem Mikrophon zu. "Ich werde mal Kontakt mir dem Maschinenraum aufnehmen, um..."

"Fertig!" tönte erneut die Stimme Bauleiter Murksels. "Ihr könnt so was von Glück sagen, dass ihr so einen fähigen Ingenieur dabei habt!"

"Aha", grinste Goldi, "und wo kommt der auf einmal her?"

Der Bauleiter schien die Worte überhört zu haben. "Jetzt sollte alles in Ordnung sein. Wir werden hier noch ein wenig das Gröbste aufräumen und dann sind wir hier durch. He, Vorsicht, die Kiste... Oh, das tut mir echt leid, Trampel, tut das sehr weh?" Für einen Moment war im Hintergrund ein leises Jaulen zu hören, doch dann ertönte wieder Murksels Stimme: "Wie gesagt, wir machen hier noch die letzten Feinarbeiten, und dann kommen wir!“

Für einen Moment schien es, als ginge ein spürbares Aufatmen durch die Brücke, doch dann meldete sich die wohlbekannte Stimme. Flecki beeilte sich, das Mikrophon zu erreichen, um den Maschinenraum zu verständigen und zugleich der bevorstehenden Rede des Bürgermeisters zu entkommen.

"Öhm, wie ich schon immer gesagt habe, habe ich äußerstes Vertrauen in die Leiste, äh, Leistung eines, äh, jeden von uns, und in schwierigen Zeiten wie diesen im Allgemeinen und Besonderen ist es notwendig, sich aufeinander verdingsen, äh, dass wir einander verlassen, ich meine, äh, aufeinander und miteinander, sozusagen. Wir sollten..."

"Brücke an Lieutenant Uhura, bitte melden!"

"Hier Uhura, Flecki, alles in Ordnung bei euch? Wir haben da einige Spannungsabfälle beobachtet..."

"Ja, es gab einige Probleme, aber der Bauleiter meint, dass jetzt alles in Ordnung sei."

"Gut, wir versuchen, den Warpantrieb neu zu starten - Uhura Ende."

Als Flecki gerade von der Kommunikationskonsole herunterkletterte, betrat Bauleiter Murksel die Brücke. Mit breitem Gang stampfte er auf seinen kurzen Beinen herein und ließ dazu seine kurzen Arme lässig hin- und herschwingen. Sein Gesicht drückte Triumph und ein gewisses 'Habe-ich-das nicht-toll-gemacht' aus. Hinter ihm kamen mürrisch Tuffi und Trampel, der leicht humpelte, herein. Mit einem breiten Grinsen sah sich der Bauleiter zufrieden um und lief zum Replikator, um sich etwas zum Essen zu holen.

"Was'n mit Trampel passiert?" fragte Dasie, und Tuffi antwortete mit treuherzigem Blick: "Ja, ja, die dumme Sache mit dem Werkzeugkasten. Er hatte leider seine Pfote genau da, wo der Bauleiter die schwere Werkzeugkiste hingestellt hatte..."

"Nun, so ein Einsatz ist natürlich auch kein Zuckerschlecken", tönte Murksel und schob sich eine Handvoll Kekse zwischen die Zähne. "Da pann daff fon mal fu wo waf pommen!"[1] Wieder grinste er breit, während er die Kekse hinunterschluckte. "Was ist denn mit diesen Komikern im Maschinenraum, wissen die nicht, dass wir wieder starten können?"

In diesem Moment lief ein leichter Ruck durch die Enterprise und wie auf Kommando war Lt. Uhuras vertraute Stimme zu hören: "Flecki? Wir haben den Warpantrieb wieder aktiviert. Jetzt seid ihr dran!"

"Äh, was sollen wir denn machen, Lieutenant Uhura, den alten Kurs wieder aufnehmen?"

"Der alte Kurs wird automatisch aufgenommen, wenn ihr Schub gebt. Dazu müsst ihr an Chekovs Konsole nur den großen Hebel nach oben, also nach hinten, ziehen. Aber bitte schön langsam, schließlich haben wir alle Zeit der Welt."

"Verstanden", bestätigte Flecki und gab Dodo einen Wink. Der jedoch schien mal wieder überhaupt nichts zu verstehen, sondern glotzte Flecki nur mit seinen großen, schwarzen Augen an, während im Hintergrund deutlich Goldis Worte: "Gleich flennt er wieder" zu verstehen waren. Dodo jedoch flennte nicht, zumindest jetzt noch nicht, sondern starrte Flecki nur weiterhin an.

"Den Hebel, Dodo, du musst nur den Hebel hochziehen, äh, nein, vergiss es. Nicht ziehen, sondern ganz vorsichtig hochschieben - nicht abreißen oder so. Hast du verstanden?"

"Warum immer ich?"

Während Flecki nun versuchte, Dodo klar zu machen, das es nun mal die Aufgabe eines Navigators sei, für die Navigation und für alles, was mit Navigation zu tun hatte, zuständig zu sein, grölte Goldi erneut im Hintergrund: "Warum immer Dodo? Weil Dodo für die Feinarbeit zuständig ist!" und konnte sich vor Lachen nicht mehr halten. Nachdem ihn ein vernichtender Blick Fleckis traf, zog er sich vorsichtshalber zum Replikator zurück, um sich einen weiteren 'Zwischensnack' zu gönnen. Währenddessen ließ sich Dodo noch einmal bis ins letzte Detail erklären, was er zu tun und wie er seinen Job durchzuführen hatte.

"Du schaffst das, Dodo", riefen Flecki, Tuffi, Dasie und Sasie während Teeblättchen, Tati, Trampel, der Bürgermeister und der Bauleiter rhythmisch in die Pfoten klatschten.

Mit erstaunlicher Geschwindigkeit war Dodo den Tisch zur Navigationskonsole hinaufgeklettert und stand nun vor dem Navigationspult. "Ja", rief er und sah stolz zu seinen Freunden hinunter, "ich bin ein Navigator, ich schaffe das!" Langsam wankte Dodo auf den Hebel zu und lächelte entschlossen. Ja, diesmal würde er es schaffen.

"Sagt mal, Leute, kann der Replikator auch Taschentücher replizieren?“

„Was willst du denn jetzt mit Taschentüchern, Goldi“, fauchte Flecki, "das ist doch jetzt völlig unwichtig, oder?“

"Weil Dodo das doch bestimmt wieder vermasselt und dann das große Flennen kriegt."

Dodo hielt inne und blickte mit großen Augen zu Goldi hinüber. Es sah aus, als wären seine Gesichtszüge soeben entgleist. Unsicher blieb er stehen und blickte zu Flecki. "Und nun, was mache ich nun?"

"Den Hebel, Dodo, nur den Hebel vorsichtig nach hinten drücken. Das ist alles, du schaffst das!"

"Ich kann das nicht!" heulte der große Hamster plötzlich los und ließ sich auf den Tisch fallen. "Ich bin klein und schwach, warum hilft mir denn keiner?"

"Prächtig, Goldi, das hast du ja wirklich wieder mit viel, viel Feingefühl hingekriegt!"

"Öhm, tja, also, auch ich schließe mich meiner Vorrednerin Flecki an und komme nicht umhin, Goldi einen gewissen Adel, äh, Tadel auszudingsen, äh, sprechen. Wir sind doch alle Bügler, äh, Brüder, die einander helfen..."

"Und genau deshalb sollte Goldi jetzt dem armen Dodo helfen!"

Verwundert starrte Goldi zu Flecki hinüber. "Aber ich bin doch mit meinem Zwischensnack noch nicht fertig und..."

Flecki stand nun direkt vor ihm, sie hatte die Arme verschränkt und tippte ungeduldig mit ihrer Pfote auf den Boden der Brücke.

"Weil, man soll doch immer schön brav alles aufessen, sonst regnet es Morgen..."

"In einem Raumschiff, lieber Goldi, und insbesondere im Weltall, in dem wir uns zurzeit befinden, regnet es niemals. Wenn du nicht gleich deinen faulen Hintern bewegst und Dodo hilfst, verpetze ich dich bei Uhura!"

"Fein", grummelte Goldi und erhob sich, "soviel zur Demokratie. Man wird frei geboren und dann? Dann wird man eingeschult und das war's dann. Wenn man Pech hat, verpetzten einen dann noch die besten Freunde und das Futter wird gestrichen..."

"Nimm jetzt endlich die Pfoten vom Replikator und hör auf, immer nur rumzugieren! Wir haben keine Zeit, Dodo wartet!"

Mürrisch zog Goldi seine Pfote vom Replikator zurück und machte sich auf den Weg zu Chekovs Pult. Langsam kletterte er hinauf und watschelte auf Dodo zu. Der große Hamster schien wieder Hoffnung zu schöpfen und blickte ihn erwartungsvoll an. Goldi ging zum bewussten Hebel, deutete auf ihn und sprach, an Dodo gerichtet: "Komm mal her, Dickerchen, und mach es dir bequem!" Vorsichtig näherte sich Dodo und blieb vor Goldi stehen, der ihn sofort bei den Pfoten nahm und den großen Hamster so hin- und her schob, dass er mit dem Rücken zum Starthebel gewandt stehen blieb.

"Stehst du bequem?"

Dodo nickte unsicher.

"Alles klar, Dodo?"

Statt einer Antwort nickte der große Hamster erneut und starrte erwartungsvoll auf seinen Gegenüber, der ihn angrinste und mit einem unschuldigen Gesichtsausdruck leise anwies: "Bitte schön locker bleiben, ganz entspannt." Dann gab er Dodo einen leichten Schubs, so dass der nun kreischend rückwärts gegen den Hebel fiel. Mit gemischten Gefühlen verfolgten die Hamster, wie der Hebel tatsächlich durch das Gewicht Dodos nach hinten gedrückt wurde. Ein leichtes Vibrieren war nun im gesamten Raum zu spüren, und Jubel brach aus. Die Hamster fielen einander in die Arme, Bauleiter Murksel stolzierte auf und ab, während der Bürgermeister seinen Schnurrbart glattstrich. In seinem Kopf formten sich die ersten Gedanken zu einer Rede, in der er auf die Unerschrockenheit und die Findigkeit der Hamster hinweisen wollte, die einmal mehr wieder in dieser Situation eine entscheidende Rolle gespielt hatten. Auch die Rennmäuse standen daneben und klatschten begeistert mit ihren kleinen Pfoten.

All diese Freude und Erleichterung war jedoch nur von kurzer Dauer, denn nun brach außer dem schon erwähnten lauten Jubel noch etwas ganz Anderes aus, nämlich die Hölle.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 26) - Nichts wie weg!