Kapitel 23

Hilfe für die Rennmäuse

 

Die Notbeleuchtung hatte sich nach wenigen Sekunden automatisch eingeschaltet und erfüllte den Transporterraum der Enterprise mit gedämpftem Licht. Langsam, aber dafür laut stöhnend, erhob sich der Bürgermeister und starrte verblüfft auf die Rückwand der Transporterplattform. Ihm schien etwas zu dämmern, und er dreht sich um. Nun erblickte er die Schar der Hamster und Rennmäuse, die ihn ängstlich und erwartungsvoll anstarrte. Erschrocken bemerkte er, dass ein Teil seines Fells rauchte und sofort klopfte er heftig mit der Pfote auf die Stelle. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment platzen, und zudem hatte er keinerlei Ahnung, was er hier zur suchen hatte und wie er überhaupt in diesen Raum gekommen war.

"Was 'n los?" rief er lächelnd in die Runde und versuchte, locker zu bleiben und lässig ein paar Zentimeter vorzuhüpfen, doch seine Beine versagten, er geriet ins Stolpern, und es klatschte, als sein Körper den Boden erreichte. "Alles klar, Leute", rief er dümmlich grinsend, während er sich vom Boden aufrappelte und mit einem Anflug von Verärgerung zu Goldi blickte, der laut auflachte. "Nichts passiert."

"Alles klar, Commander?"

"Aber ja, liebe Flecki. Wieso Commander? Nenn mich doch einfach wie immer: Bürgermeister. Wie ich immer zu sagen pflege und auch des öfteren erwähnt zu haben glaube, ist ein Titel nur ein Titel und ein Name eben ein Name, denn wie sagte schon der berühmte hamstische Dichter..."

"Ey, Leute, der Bürgermeister ist wieder normal, wir können nach Hause fliegen!" brüllte Goldi.

"Nach Hause?" Dem Bürgermeister entgleisten die Gesichtszüge. "Ja, aber wieso nach Hause?"

In den nächsten Stunden wurde es ein wenig kompliziert. Nachdem der Ex-Bürgermeister-Commander, von Dodo und Bauleiter Murksel gestützt, wieder auf die Brücke geführt worden war, gab es einiges zu besprechen. Vor allem der Bürgermeister hatte erhebliche Gedächtnislücken, die es zu füllen galt. Blass und bleich saß er da und ließ sich die Ereignisse seit ihrem Abflug aus Hamsterhausen berichten, genau genommen, seit dem Abflug des Turbokreisels des Pleasure Domes. Fassungslos lauschte er Fleckis Zusammenfassung von Unfall, Krankenhaus, Abflug ins All bis hin zum Kampf mit den Rennmäusen. Nur das, was er von Einsteinräumen und Singularitäten zu halten hatte, war ihm ein Rätsel. Ganz vage wusste er etwas von einer Einsteinblase, aber er hatte keinen Schimmer, wieso. Was die letzten Tage betraf, sah er komplett schwarz.

"Wer is 'n dieser Plüscher, von dem du erzählt hast?"

"Plüschum - oje, was mag aus dem geworden sein?" Über Fleckis Gesicht liefen Tränen. "Nun ist er tot und sein lebloser, kalter Körper ..."

"Das Plüschum kann nicht sterben", beruhigte sie der Anführer der Rennmäuse. "Es wird irgendwann wieder auftauchen, wenn Gefahr droht."

"Da seht!" rief Bauleiter Murksel und zeigte auf den Hauptmonitor.

Etwas passierte in diesem Moment auf der Vega. Wo bisher Chaos, Blitze und Unruhe geherrscht hatten, schien Ruhe einzukehren. Die Intensität der Blitze ließ nach, die schwarzen, brüllenden Mäuler auf der Oberfläche verschwanden nach und nach, bis der ganze Planet schließlich nur noch von einer gleichförmigen, blauen Atmosphäre umgeben war. Der Planet war zur Ruhe gekommen. Tatsächlich produzierte der Planet nun keine Raumschäume mehr, die in Form von kleinen Schwarzen Löchern in die Unendlichkeit des Weltalls geschleudert wurden.

Die Vega hatte ihr Gleichgewicht wiedergefunden, doch es würde noch eine Zeit dauern, bis auch der flache Einsteinraum, also der Raum zwischen den Planeten, sich erholen würde. Noch wies er an vielen Stellen eine poröse Masse auf, in der Zeit und Raum gestört waren. Doch die Ausläufer dieser Gravitationseffekte, die bereits die Milchstraße erreicht hatten, breiteten sich jetzt nicht mehr weiter aus. Sie waren zum Stillstand gekommen, und das temporale Band würde die Erde und somit Hamsterhausen nicht mehr erreichen können. Die Zeit würde für die gesamte Menschheit und für die Hamster nicht stehenbleiben, sie waren gerettet.

"Leute, was ist los bei euch?"

Lt. Uhura! Flecki griff nach ihrem Funkgerät und bemühte sich, die Lage zu erklären. Sie warf einen kurzen Blick auf den Bürgermeister, der mit großen Glubschaugen vor sich hin starrte und verzweifelt versuchte, auch nur annähernd zu verstehen, was Flecki ihm gerade eben erklärt hatte. Lt. Uhura erging es auch nicht viel besser, und es dauerte eine Weile, bis die beiden Enterprise-Offiziere über das Funkgerät Fleckis Bericht geistig verarbeitet hatten. Anschließend erklärte Lt. Uhura der interessiert lauschenden Flecki, wie sie mittels der Kommunikationskonsole die Protokolle der letzten Stunden über das interne System an den Maschinenraum schicken konnte. Dann übernahm Chekov und übermittelte ein paar Daten, die Tuffi und Flecki gemeinsam in den Computer der Navigatorkonsole eingaben, während Dodo mit großen Augen und wachsender Panik zuschaute.

"Gut gemacht, Flecki", rief nach wenigen Minuten Lt. Uhura, nachdem sie die angeforderten Daten erhalten hatte. "Wir werden jetzt den Computer die Daten analysieren lassen, und in ein paar Stunden wissen wir mehr - Uhura Ende!"

"Ist sie nun tot oder was?" fragte überflüssigerweise nun Dodo und glotzte Flecki mit entsetztem Gesicht an.

"Natürlich nicht, Dodo, das sagt man nur so in der Funkersprache", entgegnete Flecki mit funkelnden Augen und war ein bisschen stolz auf die Tatsache, dass sie auf dem Weg zu einer echten Raumfahrerin war, wie sie zumindest glaubte.

"Und nun, was machen wir nun?" nervte Dodo erneut.

"Zuerst schließen wir die Augen, und dann sehen wir weiter", gähnte Goldi, tätschelte seinen Bauch und legte sich nicht weit entfernt vom Replikator nieder.

"Ein bisschen mehr Bewegung täte dir gut", knurrte Flecki und warf einen Blick auf Goldis Bauch.

"Ach was", ertönte die prompte Antwort Goldis. "Einige halten es für einen dicken Bauch, doch andere für die größte mobile Vorratskammer der Welt."

Schon nach wenigen Minuten herrschte auf der Enterprise Ruhe und Frieden. Die Aufregungen der letzten Stunden hatten ihre Spuren hinterlassen. Der große Hauptmonitor war nach wie vor von einer hellblauen Scheibe ausgefüllt, auf deren Oberfläche heftige Stürme tobten. Hin und wieder zuckten Blitze hin und her, doch all das geschah nicht mehr mit der Heftigkeit, die die Hamster noch vor wenigen Stunden beobachtet hatten. Es schien, als lägen die Gewitter in den letzten Zügen. Ohnehin bekamen die meisten Hamster von diesen Bildern nichts mit. Teils, weil sie wie beispielsweise der Bürgermeister sich zum Schlafen hingelegt hatten, teils, weil sie mit den Rennmäusen in eine Diskussion verwickelt waren. Hier und da lagen noch die Reste einer ausgiebigen Mahlzeit, die sich sowohl Hamster als auch Rennmäuse hatten schmecken lassen.

Von Lt. Uhura und Fähnrich Chekov war im Moment auch nichts zu hören, denn auch für sie war es langsam an der Zeit gewesen, sich auszuruhen. In all den Jahren hatten sie sich daran gewöhnt, dass es auf einem Raumschiff nun einmal keinen Tag und keine Nacht gibt. Lediglich die Borduhr wies darauf hin, welche Tages- oder Nachtzeit gerade aktuell war.

Die Enterprise entfernte sich mit Impulsgeschwindigkeit von der Vega. Die notwendigen Daten hatte Chekov den Hamstern ja mitgeteilt. Natürlich befand sich die gesamte Truppe dadurch noch nicht auf dem Rückflug, denn es ging den beiden Enterprise-Offizieren zunächst einmal darum, dass die Enterprise aus dem Anziehungsbereich der Vega herauskam und in ruhigen Gewässern schwamm, wie Chekov es formuliert hatte.

"Wir müssen zusehen, dass wir wieder auf die Brücke kommen, Pavel", sagte Uhura nachdenklich und starrte auf den bläulichen Warpkern, der wie ein riesiges Lagerfeuer inmitten des Maschinenraums flackerte.

"Vielleicht hat sich das Gas - oder was auch immer - inzwischen verflüchtigt", entgegnete der Fähnrich hoffnungsvoll.

Lt. Uhura seufzte. "Der Captain bringt uns um, wenn der erfährt, dass so ein Riesenidiot wie der Bürgermeister auf seinem Sessel gesessen und die Enterprise befehligt hat ..."

"Umbringen wäre ja nicht weiter schlimm," erwiderte Chekov grinsend, "das wäre ja ein sauberer Tod. Schlimmer wäre es, wenn der Captain uns den Klingonen als Spielzeug schenken würde..."

"Pavel, Sie haben eindeutig zu viel Zeit in unmittelbarer Nähe von Hamstern verbracht," grinste Uhura und warf einen Blick auf den neben ihr stehenden Bildschirm. "Oh, es sieht aus, als wenn die Daten ausgewertet sind. Lassen Sie uns also mal schauen."

Während die Enterprise-Offiziere für die nächsten Stunden nunmehr beschäftigt waren, sich einen Reim auf das zu machen, was sich in der letzten Zeit ereignet hatte, herrschte auf der Brücke gefräßige Langeweile.

"Irgendwie haben Zeitreisen keine Zukunft", überlegte Trampel. "Ich meine, was soll das denn, wenn man in die Vergangenheit reist? Stellt euch vor, wir wären wieder in der 1. Schulklasse. Das würde ich nicht noch einmal überstehen wollen."

"Genau, das wäre doch ätzend. Ihr wisst doch: Wenn alles schläft und einer spricht - nennt man dieses Unterricht."

"Alter Spruch, Tati," grinste Flecki, "aber wir könnten Goldi ja mal eine Zeitreise machen lassen und ich bleib hier. Dann könnte ich seine Lehrerin sein und ihm mal so richtig das Fell lang machen, dieser faulen Socke!"

"Aber wer schläft, der sündigt doch nicht", entgegnete Goldi treuherzig, und während er listig Flecki anschaute, fügte er hinzu: "Wusstest du übrigens, dass du in deinem ganzen Leben während des Schlafes ungefähr 70 kleine, niedliche Insekten essen wirst? Also macht Schlaf auch satt und..."

"Hör auf, mir wird übel", kreischte Flecki und hielt sich die Ohren zu, während Tati und Teeblättchen grinsend neben ihr standen.

"Öhm, wenn ich einmal um allgemeines Geröhr, äh, Gehör bitten, äh, darf!"

Das Geplapper der Hamster erstarb, und der Bürgermeister war augenblicklich im Mittelpunkt des Interesses. Er lächelte ein wenig gequält und tippte fortwährend mit seiner linken Pfote auf den Boden.

"Wie ich, äh, soeben von meinem geschätzten Kollegen, dem Anführer der Dingsmäuse erfahren habe, gibt es da eine Sache. Also so eine Sache, wenn ihr versteht."

Verständnislose Blicke waren alles, was er erntete.

"Also, diese Sache, wie ich schon erwähnte, ist sozusagen ein wenig dekadent, äh, deliquent, oder besser gesagt delikat, wenn ihr versteht."

Niemand verstand ihn, und die Blicke der umstehenden Hamster wurden immer ratloser.

"Tja, öhm, es ist gewissermaßen so, dass äh, die Renndingser, ich meine, unsere Freunde, die Rennmäuse, nicht auf ihren Heimatplaneten zurückkehren können."

"Dann nehmen wir sie einfach mit und liefern sie in Rennmaushausen ab", schlug Flecki vor.

Der Bürgermeister schüttelte langsam seinen dicken Kopf und brummte: "Das geht leider nicht, daran habe sogar ich schon gedachst, äh, gedacht. Wie mir mein Kollege, der Anführer der Rennmäuse vertraulich mitgedingst, äh, mitgeteilt hat, geht das nicht."

"Und wieso geht das nicht?" knurrte Bauleiter Murksel. "Ich kann denen ein paar Hütten hinzaubern und fertig! Überhaupt: wieso fliegen diese Typen denn nicht einfach wieder dahin, wo sie hergekommen sind? Kein Sprit mehr oder was?"

Der Bürgermeister wollte etwas sagen, blickte jedoch hilfesuchend zum Anführer der Rennmäuse hin, der jetzt schüchtern neben den Bürgermeister trat.

"Das Problem ist nicht der Rückflug, lieber Herr Bauleiter. Das Problem ist, dass sich die klingonischen Hamster auf unserem Planeten breitgemacht haben. Nur auf unserem Planeten gibt es die Pflanzen, von denen wir uns ernähren. Zwar haben wir einen kleinen Vorrat in unserem Raumschiff, aber der wird nicht mehr lange reichen. Dann müssen wir verhungern."

Mit traurigen Augen blickte die Rennmaus in den Kreis der Hamster, und es war Flecki, die mit Tränen in den Augen als erste etwas sagte. "Wir müssen den armen Rennmäusen helfen! Es sind fühlende Lebewesen wie wir und intelligent wie wir. Na ja, wenigstens wie die meisten von uns", ergänzte sie und warf einen Blick auf den Bürgermeister.

"Wo ist das Problem", meldete sich nun Goldi, "ihr setzt eure Helme wieder auf und haut die Typen zu Brei!"

"Die Helme sind leider kaputt...", schniefte die Rennmaus.

"Dann kommen wir mit und hauen denen die Kartoffel vom Hals", tönte Goldi und versuchte, seine kleinen Muskeln spielen zu lassen.

"Das... das können wir nicht von euch verlangen..."

"Doch, doch, mein verehrter Kollege", mischte sich nun wieder der Bürgermeister ein, "in Zeiten wie diesen müssen wir einfach zusammenhalten. Wie ich schon immer gedingst habe, sind wir alle Brüder und..."

"Aber sind die klingonischen Hamster nicht noch mehr Brüder als die Rennmäuse", fragte Dodo verwundert. "Ich meine, das sind doch auch Hamster, oder?"

Es folgte eine heftige Diskussion, in der es darum ging, welche Brüder nun eigentlich zu verkloppen waren. Nachdem die Rennmäuse ziemlich überzeugend dargestellt hatten, um was für Raufbolde und gewissenlose Räuber es sich bei den klingonischen Hamstern handelte, und dass diese Wesen im Grunde genommen herzlich wenig mit der größtenteils friedliebenden Spezies mesocricetus auratus zu tun hatte, entspannte sich die Lage. Alle schauten einander ein wenig unsicher an, wie es denn nun weitergehen sollte. Flecki warf zunächst einen Blick zu Goldi, doch der betrachtete interessiert den Replikator, während er überlegte, ob es Zeit für einen kleinen hamstischen Snack wäre. Verärgert drehte sie sich daraufhin zum Bürgermeister um und fauchte:

"Los, Bürgermeister, lass dir mal was einfallen und glotz nicht so blöd in der Gegend herum!"

"Öhm, tja, aber meine liebe Flecki, was denn?"

"Das Hamstervolk erwartet deine Entscheidung und zwar noch heute, wenn möglich!"

Der Bürgermeister erhöhte die Frequenz, mit der er seine Pfote auf den Boden auftippen ließ, und überlegte. Nach einigen Minuten war ihm das Übliche, nämlich nichts eingefallen, und sein Blick fiel auf Dodo, der neugierig vor ihm stand und glotzte.

"Tja, öhm, mein lieber Gogo, äh, Dodo, was meinst du denn dazu?" fragte er hoffnungsvoll.

"Ich, Herr Bürgermeister? Ich?"

"Ja, mein lieber Dodo, was geht dir so durch den Kopf, wenn ich mal so fragen darf?"

Alle Blicke waren nun auf den armen Dodo gerichtet, genau wie der Bürgermeister gehofft hatte. Dodos Kopf war inzwischen knallrot geworden, und er wippte hilflos hin und her.

"Nur zu und keine Furcht, lieber Dodo, vielleicht kannst du zur Lösung des Rätsel beitragen. Sprich einfach aus, was dir so durch den Kopf geht!"

Die Worte des Bürgermeisters schienen den großen Hamster noch mehr zu verängstigen, seine Augen waren starr auf den Boden der Brücke gerichtet und es schien, als begänne er zu sabbern.

"Also, der, äh, also, der äh, der Fl...", begann er und starrte weiterhin mit glasigen Augen auf den Boden.

"Ja, Dodo?"

Dodo warf einen verzweifelten Blick auf den Bürgermeister, dann stammelte er hastig:

"Der, äh, der Floh springt hoch, der Floh springt weit, das darf er auch, er hat ja Zeit."

Es dauerte eine Weile, bis auf der Brücke wieder Ruhe einkehrte. Tuffi und Trampel trösteten den schluchzenden Dodo, und die daneben stehende Sasie meinte, dass es eigentlich ein sehr schönes Gedicht gewesen sei.

"Tja," grinste Goldi, der sich gerade eine Portion Futter vom Replikator geholt hatte, "aber so was von daneben, das war echt klasse!"

Nach diesen Worten wurde das Schluchzen Dodos wieder lauter und Goldi machte, dass er weiterkam.

"Klasse", fauchte Flecki ihm hinterher, "wie immer: äußerst sensibel und taktvoll!"

Inzwischen hatte Bauleiter Murksel ausgiebig mit dem Bürgermeister diskutiert und ergriff nun das Wort:

"Leute, wir müssen uns nun mal echt klar werden, ob wir den armen Schweinen helfen wollen oder nicht. Wie ihr ja sicherlich wisst, stecken unsere beiden Aufpasser im Maschinenraum fest. Solange die da drin sind, gehört die Brücke uns. Solange die Brücke uns gehört, können wir hinfliegen wohin wir wollen und helfen, wem wir wollen."

"Ach ja", spottete Flecki, "und was ist, wenn die beiden etwas dagegen haben?"

"Ist natürlich besser, wir halten die Schnauze und tun so, als wenn wir nichts gemacht haben", schlug Goldi vor.

"Das kannst du ja übernehmen, im ich-bin-völlig-unschuldig tun bis du ja der Größte! Ich will damit nichts zu tun haben!"

"Tja, öhm, das ist eine gute Idee, liebe Flecki. Unser Freund Goldi sollte die Kommunion, äh, die Kommunikation mit den Dings, äh, Offizieren übernehmen", trompete der Bürgermeister. "Aber wie, öhm, sollen wir den Heimatplaneten der Rennmauskollegen finden?"

"Die Navigation können wir übernehmen", rief der Anführer der Rennmäuse erleichtert und blickte die Hamster mit strahlendem Gesicht an. Es schien, als hätte er neuen Mut gewonnen, genauso wie seine Freunde. Bisher hatten alle schüchtern und verängstigt in einer Ecke des Raumschiffes gestanden, die Rücken gebeugt und die Augen auf den Boden gerichtet. Nun standen sie aufrecht und blickten voller Hoffnung zu den Hamstern hinüber, die sich in einer lebhaften Diskussion befanden.

"Das können wir nicht machen, schließlich ist das nicht unser Raumschiff. Wir kommen vor ein Militärgericht oder so!"

"Aber liebe Flecki, ich als Bürgermeister übernehme voll, ich meine die Dings, die Verantwortung."

"Ha", schnaufte Flecki, "wir übernehmen Arbeit und Ärger und du die Verantwortung, wie?"

"Aber, öhm, ich, äh, kann versichern, dass ich..."

"Wo liegt das Problem?" mischte sich nun Goldi ein. "Lass ihn doch die Verantwortung übernehmen. Schließlich ist er unser Bürgermeister, und wir müssen machen, was er sagt. Wenn das schiefgeht und er aus dem Raumschiff geworfen wird oder vorm Militärgericht landet, ist das doch auch 'ne gute Lösung!"

Die Diskussion ging noch eine ganze Weile hin und her, während die Rennmäuse mit wachsender Aufregung alles verfolgten. Für sie ging es um die Frage des Überlebens, und sie standen mit geschlossenen Augen und bebenden Herzen an die Wand gelehnt, als die Hamster zur Abstimmung schritten. Es war mucksmäuschenstill auf der Brücke, als der Bauleiter das Ergebnis der Abstimmung bekannt gab:

"Also Leute, die Sache sieht wie folgt aus", begann er mit ernster Mine und strich seine Schnurrbarthaare glatt. "Die Abstimmung aller anwesenden Hamster ist beendet. Teilgenommen haben elf von insgesamt elf Hamstern, und somit haben wir eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent. Von diesen elf Stimmen haben mit Nein gestimmt: ein Hamster. Ebenfalls ein Hamster hat dafür gestimmt, dass der Floh weiter hüpfen soll... Äh, das verstehe ich jetzt nicht so richtig, Leute, was soll das heißen?"

"Das heißt soviel, dass eine Stimme wohl ungültig ist, weil irgendein Depp mal wieder nichts verstanden hat", lachte Goldi, und Murksel fuhr fort, nachdem er sich ein weiteres Mal die Schnurrbarthaare glattgestrichen hatte.

"Die verbliebenen neun Stimmen sind dafür, dass wir den Rennmäusen helfen."

Verhaltener Jubel brach auf der Brücke aus, und das Geräusch des lauten Aufatmens der Rennmäuse blieb den Hamstern nicht verborgen. Die Entscheidung war gefallen, doch die Probleme hatten dadurch erst richtig begonnen, denn die nächste Frage konnte demzufolge nur noch lauten: Was jetzt?

"Öhm," räusperte sich daher der Bürgermeister, "was jetzt?"

"Kurs setzen", knurrte der Bauleiter und wandte sich an die Rennmäuse. "Nun rückt mal raus mit der Sprache: Wo müssen wir hin?"

Verlegen trippelte der Anführer der Rennmäuse ein Stück auf den Bauleiter zu, und seine lange Rennmausnase zitterte vor Aufregung. "Wir müssen Kurs 1-10-3 nehmen. Bei normaler Geschwindigkeit sind wir in wenigen Stunden da."

"Hassu gehört, Navi?" grölte der Bauleiter und drehte sich zu Dodo um, der vor Schreck fast umfiel. "Setze einen Kurs von 1-10-3 und ab geht's! Wir wollen schließlich auch bald wieder nach Hause!"

Ängstlich und umständlich kletterte Dodo langsam auf die Navigatorkonsole. Immer wieder blickte er sich um, ob sich der Bauleiter die ganze Sache nicht doch noch überlegen würde. Schließlich hatte der große Hamster die Konsole erreicht und starrte minutenlang auf den Bildschirm, dann auf die Tastatur und schließlich wieder auf den Bildschirm.

"Geht das nun los, oder was?"

Mit großen, feuchten Augen blickte Dodo zum Bauleiter hinunter, dann schluchzte er leise, putzte sich die Nase und starrte weiterhin abwechselnd auf Tastatur und Bildschirm.

"Nun, öhm, mal los, lieber Dings-Dodo, wir warten", versuchte der Bürgermeister den inzwischen hemmungslos schluchzenden Dodo zu ermutigen. "Das ist doch ein Klacks für einen Alligator, äh, Navigator."

"Du musst doch nur die Zahlen 1, 10 und 3 auf der Tastatur tippen...", rief Flecki und klatschte mit ihren Pfoten. "Du schaffst das!"

"Nein, ich schaff das nicht", heulte Dodo nun los und fiel schluchzend auf die Tastatur. Eine EINS leuchtete auf dem Bildschirm auf.

"Klasse gemacht", feuerte Flecki weiter an, "und nun nochmal die Eins!"

Dodo erhob sich, blickte treuherzig zu Flecki und ließ sich erneut schluchzend auf die Tastatur fallen. Wieder blinkte eine EINS auf.

"Geile Nummer!" grölte Goldi. "Jetzt aufstehen, Dodo, und ein Stück nach rechts.... und fallen lassen. Vergiss das Flennen nicht!"

Kurz darauf erschien eine NULL auf dem Bildschirm, und die Stimmung auf der Brücke war am Überkochen. Hamster und Rennmäuse jubelten und klatschten rhythmisch, während die ersten "Dodo-Dodo"-Rufe ertönten. Als kurz darauf auch die DREI auf dem Bildschirm erschien, verwandelte sich die Brücke in einen Hexenkessel. Hamster und Rennmäuse schrieen laut durcheinander und umarmten einander. Sasie und Dasie vollführten einen ausgelassenen Highländer-Tanz, dem sich Tati und Teeblättchen anschlossen. Der Rest der Hamster trug unter fröhlichen "Dodo-Dodo"-Rufen den vor Aufregung bewusstlos gewordenen Dodo von der Navigatorkonsole fort. Nachdem der große Hamster vorsichtig in eine freie Ecke des Raumes gelegt worden war, ging die Feier auf der Brücke erst richtig los.

"Mein lieben Hamster und Dingsmäuse, es ist mir ein gesondertes, äh, Vergnügen, sozusagen die erste gemeinsame Aktion anzukündigen, die je von Hamstern und..."

"Uhura an Brücke, Uhura an Brücke - bitte melden! Was ist los bei euch? Habt ihr den Kurs gewechselt?"

Schlagartig verstummte der Bürgermeister und starrte auf den Lautsprecher. Die Highländer-Tanze und die Party wurden im selben Moment abgebrochen. Nur das leise Keuchen von Hamstern und Rennmäusen war zu hören, denn das wilde Herumtoben auf der Brücke hatte sie doch ein wenig angestrengt. Nun starrten alle Richtung Lautsprecher und ihnen wurde bewusst, dass sie das Problem hatten, den Offizieren der Enterprise mitzuteilen, dass sich die gesamte Mannschaft auf einem Ausflug zum Planeten der Rennmäuse befand, um die klingonischen Hamster zu verdreschen. Sicherlich würden weder Lt. Uhura noch Fähnrich Chekov begeistert von dem Kurswechsel sein, eher im Gegenteil. Der Bürgermeister tippte nervös mit seiner Pfote auf den Boden und blickte nun auf Flecki, genau wie alle anderen. Flecki jedoch schien das alles nicht zu interessieren, und es war klar, dass die Gegenstimme für die irrwitzige Rettungsaktion von ihr gekommen war.

"Flecki, bitte melde dich!" ertönte erneut die Stimme Uhuras aus dem Lautsprecher.

Langsam trippelte Flecki zur Kommunikationskonsole, warf einen vorwurfsvollen Blick auf den Bürgermeister und antwortete dann: "Hallo Uhura, hier Flecki."

"Was ist bei euch los, Flecki, warum habt ihr den Kurs gewechselt?"

Flecki warf zunächst einen vielsagenden Blick auf den Bürgermeister, dann auf Goldi und drehte sich zu beiden um: "Unser Freund Goldi sollte die Kommunikation mit den Dings, äh, Offizieren übernehmen, habe ich diese Worte nicht schon mal gehört?" Sie schüttelte kurz mit dem Kopf und wandte sich wieder dem Mikrofon und somit Uhura zu. "Im Moment kann ich dazu leider nichts sage, liebe Uhura, aber ich übergebe mal an Goldi. Der kann bestimmt alles erklären."

Bei Fleckis letztem Satz beendete Goldi schlagartig sein Grinsen und starrte sie ungläubig an. Für einen Moment schien er nicht zu wissen, was er machen sollte, doch dann kletterte er die Kommunikationskonsole hinauf und setzte sich ans Mikrofon.

"Hi, Uhura, alles klar? Hier Goldi, na wie ist das Wetter so im Maschinenraum?"

"Goldi, nun lasse bitte mal die Faxen, die Sache ist sehr ernst. Warum habt ihr den Kurs geändert?"

"Och, wir machen doch nur einen kleinen Abstecher..."

"Das ist ein Schiff der Sternenflotte, Goldi, damit werden keine kleinen Abstecher gemacht! Ich verlange, dass ihr sofort wieder auf den alten Kurs geht!" klang es sehr verärgert aus dem Lautsprecher.

"Das geht aber leider nicht, Uhura", flötete Goldi, "wir, äh, bringen nur kurz die Rennmäuse nach Hause, weil die sonst eingehen. Es ist ein Notfall."

"Ein Notfall? Weil die Rennmäuse sonst eingehen? Was, bitteschön, soll ich dem Captain sagen, lieber Goldi?"

"Na ja", druckste Goldi, doch dann hellte seine Miene auf. "Der Bürgermeister übernimmt die volle Verantwortung dafür und ist auch bereit, vor einem Militärgericht seine Handlungsweise zu rechtfertigen."

"Ach, das erklärt natürlich alles und das beruhigt mich auch kolossal", spottete Uhura, "und das Plüschum hat diesmal nichts damit zu tun, oder?"

"Nö, das war alleine die Idee des Bürgermeisters. Wird der jetzt gehängt oder erschossen?"

Lt. Uhura unterdrückte ein Lachen. "Wenn er überhaupt das Militärgericht erreicht. Im Moment fragen Chekov und ich uns, was der Captain wohl vorher mit ihm anstellen wird. Jedenfalls möchten wir nicht in seiner Haut, oder besser gesagt: in seinem Fell stecken. Erkläre mir doch bitte mal, was es mit den Rennmäusen auf sich hat."

Goldi räusperte sich und erklärte Lt. Uhura, was es mit der Nahrung der Rennmäuse auf sich hatte, wobei er es aber vermied, auf den Konflikt mit den klingonischen Hamstern hinzuweisen. Er beschloss, dieses kleine, unwichtige Detail erst einmal für sich zu behalten. Somit gewannen die beiden Enterprise-Offiziere den Eindruck, dass es sich nur um einen kleinen, unwesentlichen Umweg zur Rettung der Rennmäuse vor dem Hungertod handeln würde, wie Goldi es überzeugend darstellte. Nachdem Lt. Uhura noch einmal darum gebeten hatte, von allen Dingen, die sich ereignen würden, sofort informiert zu werden, beendete sie die Verbindung. Natürlich hatte Goldi ihr sofort versichert, dass sich das doch von selbst verstehe und sie völlig unbesorgt sein könne. Dann atmete er auf und drehte sich grinsend zu seinen Freunden um.

"Lügensack, elender Heuchler!" keifte Flecki und funkelte ihn wütend an.

"Och, ich wollte die Tante doch bloß nicht mit unseren Schwierigkeiten belasten, die war doch schon nervös genug. Ich habe es doch nur gut gemeint."

"Wenn du was gut meinst, Goldi, dann steckt meist die größte Schweinerei dahinter, die man sich denken kann."

Flecki schäumte fast vor Wut und war nun nicht mehr zu bremsen, als der Bürgermeister der Ansicht war, vermittelnd eingreifen zu müssen.

"Aber liebe Flecki, du hast es doch gehört, öhm, unser Goldi hatte doch nur gute Absichten vorgetäuscht, äh, gedingst sozusagen für einen guten animalischen Zweck..."

"Das kannst du alles dem Militärgericht erklären, Bürgermeister", fauchte Flecki, "vielleicht kriegst du ja mildernde Umstände, weil dir vorher dieser Captain Kirk das Fell mit einem stumpfen Messer abgezogen hat!"

Der Bürgermeister wollte etwas antworten, erbleichte jedoch und blieb wie versteinert stehen. Seine Glubschaugen, die starr auf Flecki gerichtet waren, richteten sich plötzlich zur Decke. Dann fiel er um und blieb liegen. Goldi hatte als erster die Sprache wiedergefunden.

"Tja, liebe Flecki, das war nichts für diesen armen, sensiblen Mann. Das war zu viel für den Guten."

Für einen Moment blickte Flecki erschrocken auf den am Boden liegenden Bürgermeister, dann grinste sie: "Wie ich schon immer gepflegt zu sagen gemeint habe: In jedem Mann steckt etwas Gutes. Und wenn es nur ein Küchenmesser ist..."

"Hat ihn dieser Kirk jetzt umgebracht?" Dodo, der sich von seinem letzten Nervenzusammenbruch erholt hatte, hatte der letzten Unterhaltung so gut es ging zugehört und stand nun ratlos neben der bewusstlosen Führungspersönlichkeit, die sich Bürgermeister nannte. Niemand antwortete ihm, nur Trampel klopfte dem großen Hamster mitfühlend auf die Schulter, wobei er sich allerdings etwas lang machen musste, um überhaupt heranzukommen. Ein aufgeregter Schrei Tuffis lenkte die Aufmerksamkeit nun auf die Navigatorkonsole, vor der der kleine Hamster saß und aufgeregt auf den Bildschirm zeigte.

"Oh, sieht das toll aus, wenn die Sterne so schnell an einem vorbeifliegen", hauchte sie.

"Genau genommen", erwiderte Goldi und klimperte lässig mit den Wimpern, "fliegen die nicht. Die einzigen, die sich bewegen, sind wir."

"Aha", machte Tuffi und errötete ein wenig.

"Sind natürlich alles so Sachen, die man in der Berufsschule nicht lernt", trompetete nun der Bauleiter. "Es ist nun mal eben das Leben und die Praxis, in der man alles lernt."

"Dafür gibt es in der Berufsschule auch weniger Unfälle, Pleiten, Pech und Pannen, Bauleiter", warf Flecki ein.

"Eben", ergänzte Goldi, "so richtig Mist machen kann man eben nur im richtigen Leben, wie, Bauleiter?"

"Hä, was wollt ihr damit schon wieder sagen?"

Bauleiter Murksel plusterte sich auf und stemmte seine viel zu kleinen, dicken Arme in die viel zu breiten Hüften. Das Interesse der Hamster und auch der Rennmäuse wendete sich nun dieser interessanten Diskussion zu.

"Nichts", flötete Flecki.

"Nicht mehr als sonst", flötete Goldi ebenfalls.

"Wenn es irgendetwas an meinen Arbeiten jemals auszusetzen gab, nur her damit, meine Damen und Herren, nur her damit!" schnaufte der Bauleiter.

"Ja, der Staudamm beispielsweise..."

"Ist doch uralt", unterbrach Murksel Flecki. "Und was noch?"

"Das neue Schwimmbad, als halb Hamsterhausen überflutet wurde!"

"Das lag nur daran, dass Tuffi die Baupläne auf den Kopf gedreht hatte!"

"Ach, und die Sache mit dem neuen Parkhaus?"

"Schnee von gestern, das Thema hatten wir schon im letzten Buch. Fällt euch Spacken denn überhaupt nichts ein? Habe ich doch gewusst, dass ihr mir noch so ein paar alte Kamellen auftischen wollt, aber nicht mit mir..."

"Die abgesagte Messe."

Bauleiter Murksel schien für einen Moment zu erstarren, dann drehte er sich langsam zu Flecki um und starrte sie an. Es schien, als begänne er ganz, ganz langsam sich zu erinnern. Die ersten Schweißperlen tropften ihm über Gesicht und Fell und er klappte den Mund langsam auf und zu.

"Die Messe, öh, ja, die Messe...."

"Genau. Die Messe, die Messe", äffte Goldi den Bauleiter nach.

"Das zählt nicht", entgegnete Murksel leise. Eine gewisse Unsicherheit war ihm nun anzumerken, doch er fuhr tapfer fort: "Das war doch nicht meine Schuld! Das Hamstische Bauamt hat doch ständig dazwischengefunkt. Wenn die nicht so einen Zettelkram veranstaltet hätten, dann wäre das was geworden. Leider musste die Messe abgesagt werden, weil wir erst für nächstes Jahr eine Baugenehmigung bekommen haben. Im Übrigen haben wir jetzt keine Zeit für solche Kleinigkeiten...“

“Ach, und die Umgehungsstraße? Was ist mit der? Das war doch so etwas von Panne als...“

“Es gibt nun wichtigere Dinge zu tun“, unterbrach der Bauleiter hastig, “außerdem drängt die Zeit, wir müssen uns auf die Landung vorbereiten." Ein wenig erleichtert wandte er sich an die Rennmäuse: "Bestimmt müssen wir uns für die Landung vorbereiten, ja? Wir haben nicht mehr viel Zeit, oder?

"Doch, wir haben noch Zeit", entgegnete der Anführer der Rennmäuse, "es sind noch viele Stunden bis zur Landung."

Der Bauleiter glotzte die Rennmaus verständnislos an.

"Aber Kurs und Geschwindigkeit müssen doch ständig neu berechnet werden, oder?"

"Aber nein", antwortete die Rennmaus mit beruhigender Stimme, "alles im grünen Bereich. Äh, lieber Herr Bauleiter, wie war das denn mit der Messe? Wir möchten gerne etwas von euch lernen, denn Schwimmbäder, Parkhäuser und Messen.... welch ein Fortschritt! Es ist toll, was ihr alles schafft, doch was ist eine Umgehungsstraße?"

Der Bauleiter glotzte die Rennmaus weiterhin verständnislos an. Im Hintergrund war das Gackern von Flecki und Goldi zu hören. Der Bürgermeister hatte sich inzwischen schon wieder erholt und den letzten Worten mehr oder weniger aufmerksam gelauscht. Nun fühlte er sich berufen, auch ein paar Worte beizusteuern.

"Nun, meine lieben Freunde der Rennmäuse, öhm, Rennmausfreunde, wir Hamster haben in langen Wochen, Monaten und sogar Jahren eine gewisse Kultur angebaut, äh, sozusagen aufgebaut, um die uns alle umliegenden Dings, äh, Länder vermeiden, sozusagen beneiden gewissermaßen. Unter meiner Führung ist es uns gelungen, Hamsterhausen zu dem zu machen, was es heute ist."

"Es ist also alles seine Schuld, will er damit sagen!"

Der Bürgermeister blickte sich um, doch er sah nur unschuldig blickende Hamster. Es war unmöglich herauszufinden, wer das gesagt hatte. Hilfesuchend blickte er zu Murksel, doch der strich seinen Schnurrbart glatt und betrachtete angestrengt den Hauptmonitor.

"Gewissermaßen als oberster Leiter habe ich zusammen mit Braumeister, äh, dem sehr verehrten Bauleiter entsprechende Vorbereitungen..."

"Linke Vögel sind das, und krumme Sachen haben die beiden gemacht!"

Erneut blickte sich der Bürgermeister um, diesmal mit wutverzerrtem Gesicht, doch erneut sah er nur unschuldig blickende Hamster. Er rang nach Worten, tippte mit seiner Pfote auf den Boden und fuhr schließlich keuchend fort: "Und unter meiner Leitung wurde ein Vergnügungspark gebaut, der seinesgleichen sucht! Der Stolz von Hamsterhausen um den uns alle umrieselnden, öhm, liegenden Länder beneiden..."

"Der gebaut wurde, während er sich auf Auslandsreisen befand..."

Der Bürgermeister schnappte nach Luft, seine Glubschaugen waren inzwischen so weit hervorgetreten, dass sie wie kleine, schwarze Luftballons wirkten. "Öhm, ihr, ihr....", röchelte er und sein Kopf hatte interessante Ähnlichkeit mit einem Feuermelder. "Ich hab's satt, mich mit solch einer undankbaren Bande abzudingsen. Wer hat das übrigens gesagt?" brüllte er.

Niemand antwortete, denn inzwischen hatte sich wieder ein Großteil der Hamster um den Monitor der Navigationskonsole versammelt, während ein kleinerer Teil sich am Replikator zu schaffen machte. Nur Bauleiter Murksel und die Rennmäuse standen noch neben ihm und schauten ein wenig verlegen.

"Tja, so ist das nun mal bei uns", versuchte Murksel dem Gespräch eine andere Richtung zu geben, "bei uns darf eben jeder mitreden. Auch wenn das manchmal sehr lästig und überflüssig ist", fügte er hinzu und blickte giftig in Tuffis Richtung, die sich gerade von Goldi replizierte Eiscreme geben ließ. "Aber ihr habt euch noch gar nicht vorgestellt, Leute, habt ihr überhaupt Namen?"

Diese Frage war an den Anführer der Rennmäuse gerichtet, der ein wenig verschreckt den Kopf senkte, bevor er antwortete. "Aber ja, lieber Herr Bauleiter, wir haben Namen. Mein Name ist Flauschbert. Das dort sind meine Assistenten Labert und Sabert, dahinten die erweiterten Assistenten Wahbert, Puhbert, Rababert, Weichbert, Rohbert, Wombert, sowie die restlichen Besatzungsmitglieder Haubert, Schlagbert, Stupsbert und Tretbert."

"Ah, Flauschbert?"

"Ja, Herr Bauleiter, Flauschbert. Wir haben alle den gleichen Nachnamen, und weil unsere Vornamen so kurz sind, haben wir Vor- und Nachnamen kombiniert."

"Hö, hö," lachte Goldi und schleckte seine mit Eis bekleckerten Schnurrbarthaare ab, "das gefällt mir: Hau den Bert, schlag den Bert, stups den Bert und tret den Bert. Wie ein Feuermelder ... reinschlagen, bis es klingelt! Da wir gerade von Feuermelder sprechen: Habt ihr auch 'nen Bürgermeister?"

Rennmaus Flauschbert setzte zu einer Antwort an, doch sie ging im ohrenbetäubenden Lärm der plötzlich einsetzenden Alarmsirene unter.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 24) - Schleusendienst