Kapitel 22

Schloss und Jobs

 

Der Count und die Countess of Twix and Dunvengan und Allans Mutter, die in Wirklichkeit Lady Stately war und aus Bath in England kam, waren von ihrem Gast überrascht. Der nasse, sandverklebte Schwimmheld Kirk entpuppte sich als witziger Unterhalter. Twix hatte ihm Hose und Pulli geliehen, und sie saßen bis in die Nacht hinein auf einer der Terrassen.

Allan war längst ins Bett geschickt worden. Das hieß aber nicht, dass er auch im Bett lag. Er hatte entdeckt, dass er, wenn er genau hinhörte, eine Menge von dem verstand, was Hamstilidamst erzählte. Und Hamstilidamst erzählte genau die Geschichten, die Allan gern hören wollte: von Raumfahrern aus der Zukunft, von einem explodierten Labor, von einer Hamster-Geheimorganisation, die er beinahe hatte auffliegen lassen.

"Und was machst du als nächstes?" fragte Allan gespannt.

"Essen, wenn ich was kriege", erwiderte Hamstilidamst ehrlich, denn die Butterkekse auf dem Boot lagen wahrscheinlich ungefähr ein Jahrhundert zurück.

"Klar. Magst du Eis?"

"Ich mag alles."

Also schlich Allan mit Hamstilidamst in die Schlossküche, und sie machten sich über den Kühlschrank her. Als sie in das Zimmer des Jungen zurückgingen, war beiden schlecht. Es war lange her, dass der Hamster oder der Junge einfach wild drauflos gefressen hatten, ohne dass ihnen jemand ihre Portionen zugeteilt hätte.

"Ich geh ins Bett", stöhnte Allan.

"Och, nimm mich mit", stöhnte Hamstilidamst, der vorhin noch gar nichts von ein bisschen warmem Kuscheln hatte wissen wollen.

Während der Junge trotz seines übervollen Magens bald einschlief, zwickte es Hamstilidamst gewaltig. Schließlich war es ihm zu blöd. Er krabbelte aus Allans Arm und sagte leise, aber entschlossen:

"Ich werde mich sportlich betätigen."

Seine erste Übung war es, auf das Kopfteil des Bettes zu klettern und von dort auf das Fensterbrett. Das Fenster hatte eine Scheibengardine, die er eine Weile betrachtete.

"Ich werde Klimmzüge machen", sagte Hamstilidamst.

Das war lustig. Mal hatte er die Gardine vor der Nase, dann sah er den Mond, dann wieder die Gardine, dann wieder den Mond, dann wieder… Das war langweilig!

"Ich werde Seilklettern", sagte Hamstilidamst.

Er hangelte sich zur Zugschnur der Jalousie und begann zu klettern. Dabei löste sich auf einmal eine Sperre, die Jalousie schepperte hinunter. Hamstilidamst brauchte nicht mehr zu klettern, er krachte im nächsten Moment mit dem Kopf unter den Fensterrahmen. Als er vor Schreck die Schnur losließ, krachte er auch noch hinunter auf die Fensterbank. Dort saß er eine Weile, dann schüttelte er den Kopf.

"Nein, Sport ist Mord."

"Hö?" machte Allan verschlafen.

Hamstilidamst saß ganz still, der Junge drehte sich um und schlief weiter. Ein Weilchen wartete Hamstilidamst noch und hielt von der Fensterbank aus Ausschau. Ganz in der Nähe stand ein kleiner Schrank, und auf dem kleinen Schrank stand eine tiefe Schale mit… Er wusste nicht, womit, aber es roch nach Nüssen. Dabei musste er einfach vergessen, dass er vollgefressen war. Außerdem hatte er ja eben stundenlang Sport getrieben. Noch einmal Weitsprung und dann…

…landete er genau auf dem Rand der Schale. Sie kippte um, die Nüsse flogen durch die Gegend, und Hamstilidamst war unter der Schale gefangen. Da dort noch viele Nüsse lagen, störte ihn das erst mal nicht. Er futterte sich durch, dann wurde er sehr müde.

Am nächsten Morgen bekam Allan Ärger. Er ging zum Frühstück hinunter und verkündete, der Hamster sei verschwunden.

"Sonst hast du nichts zu erzählen?" fragte seine Mutter.

"Nein, aber der Hamster ist wirklich weg."

"Vermutlich", sagte seine Mutter, "ist er mitten in der Nacht in die Küche spaziert und hat den halben Kühlschrank ausgeräumt."

"Und die Kühlschranktür nicht geschlossen", fügte er Count hinzu. "Die Köchin hat berichtet."

"Oh!" machte Allan.

"Ihr habt eine Mitternachtsfeier gemacht, oder?" fragte Kirk.

"Ähm – ja", gab der Junge kleinlaut zu, und seine Mutter blickte weiter streng.

"Ich hoffe, dir war hinterher übel."

"Ähm – ja."

"Und?"

"Es tut mir sehr leid", sagte Allan brav, obwohl es ihm nicht wirklich leid tat.

"Nun gut", sagte seine Mutter. "Dann hör jetzt mit dem Unsinn auf, dass der Hamster verschwunden ist. Du kannst ihn nicht behalten."

"Aber er ist wirklich verschwunden!"

"Hör mal", sagte Kirk, der den Hamster besser kannte als die anderen hier. "Hast du ihn wieder mit in dein Zimmer genommen? Fenster zu, Tür zu?"

"Hmhm."

"Darf ich mit in dein Zimmer kommen und nachsehen? – Dein Onkel ist so freundlich und will mich nach Fort William zurückbringen, wo meine Kollegen auf mich warten. Und ich möchte ihn nicht warten lassen. Vielleicht finde ich den Hamster."

"Er ist aber wirklich weg!"

"Vielleicht ist Jim Detektiv?" schlug der Count of Twix and Dunvengan vor.

"Echt, ist er das?"

"Nein, er arbeitet in Amerika für die NASA."

"Du schummelst, Onkel Miles!"

"Tut er nicht. Ich arbeite wirklich für die Raumfahrt, Hand aufs Herz", sagte Captain Kirk, und das war ja nicht gelogen.

"Wow!" machte Allan und rannte los. Vor seiner Tür blieb er stehen, wartete auf Kirk und nickte zur Tür hin. "Da drin."

Kirk öffnete und ließ seine Blicke durch das Zimmer schweifen. Dann musste er lachen. Er konnte sich genau vorstellen, was passiert war. Eine Menge Haselnüsse lag in der Nähe des Fensters herum, auf dem Schrank lag eine umgestülpte Schale, und unter der Schale waren gedämpfte "Eflih, Eflih!"-Rufe zu hören.

"Allan, komm rein."

Inzwischen waren auch Lady Stately und der Count angekommen. Alle traten ein und sahen, wie ihr Gast zum Fenster ging, auf dem Schränkchen dort eine Schale aufnahm und den Hamster wieder einmal rettete.

"Oh!" riefen alle drei, und Allans Mutter sagte:

"Siehst du, Allan, du kannst ja nicht einmal eine Nacht lang auf einen Hamster aufpassen. Ich glaube nicht, dass wir dir ein Dutzend weiße Mäuse schenken sollten."

"Aber Ma, das ist wirklich ein ganz besonderer Hamster. Er hat mir tolle Geschichten erzählt von Geheimorganisationen und Explosionen und…"

"Ich bin sicher, du hast fest geschlafen und wunderschön geträumt", lächelte Lady Stately. "Und nun verabschiede dich von Mr. Kirk und dem Hamster. Onkel Miles will aufbrechen."

Der Captain war heilfroh, dass hier niemand Hamstilidamsts Geschichten glaubte – oder auch nur, dass er welche erzählt hatte. Das wäre wirklich peinlich gewesen, schlimmer als peinlich.

Zu seinem heimlichen Bedauern bestiegen der Count und er nicht das Rennboot, sondern eine elegante kleine Yacht, die sich für die Fahrt um die Inseln besser eignete. In der Kajüte fand der Captain seine Kleider wieder, die über Nacht gewaschen und durch den Trockner geschickt worden waren. Während er sich umzog, hatte er seit Pabbay die erste Gelegenheit, allein mit Hamstilidamst zu reden.

Der Hamster sprudelte die ganze Geschichte heraus, und inzwischen war sie noch dramatischer geworden als sie ohnehin schon war. Trotzdem musste Kirk sich Mühe geben, die ganze Zeit ernst zu bleiben. Aber zwei Dinge machte er hier und jetzt klar:

"Erstens, Hamstilidamst: Solange wir nicht wieder mit deinen Freunden zusammenkommen, wirst du uns nicht mehr weglaufen. Zweitens: Wenn du wieder jemanden triffst, der dich verstehen kann, erzähl nicht alles."

"Aber es ist aufregend!"

"Hamstilidamst, wenn dir irgendjemand glaubt, landen Spock und McCoy und Scotty und ich im Gefängnis. Wir mussten in dieser Zeit die Geschichte ein wenig verändern. Wenn wir das nicht getan hätten, würde es unsere Zeit, deine Zukunft, gar nicht geben."

"Wäre das Universum in Gefahr? Und wärest du mir sehr böse?" fragte Hamstilidamst, dem Dabis Worte schweren Eindruck gemacht hatten.

"Ganz genau so wäre es. Und niemand, niemand darf wissen, wer wir wirklich sind."

"Ich sage keinem was, gar keinem", flüsterte Hamstilidamst. "Aber es ist sehr schwer, so ein fürchterlicher Geheimnisträger zu sein."

Allzu oft würde es wohl nicht passieren, dass Hamstilidamst einen Menschen traf, mit dem er sich unterhalten konnte. Die Gefahr des Ausplauderns war vermutlich nicht groß. Aber Captain Kirk verließ sich überhaupt nicht darauf, dass Hamstilidamst nicht wieder abhaute, wenn ihm etwas begegnete, was er aufregend genug fand. Auf der Yacht jedenfalls riskierte er nichts.

Hamstilidamst blieb in der geschlossenen Kajüte. Dort hatte er ausreichend Futter, und wenn er wollte, konnte er schlafen, herumturnen oder sich die Landschaft ansehen. Jenseits der Tür hörte der Hamster die Stimmen von Kirk und dem Count, so dass er sich nicht einsam fühlte und ganz zufrieden war.

Die beiden Männer an Bord verstanden sich prima. Miles hetzte nicht, sondern fuhr auf Besichtigungsweite an allen Inseln vorbei. Kirk hatte zum ersten Mal das Gefühl, er mache Urlaub. Auf den Count wirkte sein Gast in manchen Dingen etwas unbewandert, aber er war viel zu höflich, um das zu sagen.

Gegen Mittag hatten sie Insel Mull hinter sich gelassen und waren in Loch Linnhe eingefahren. Nach der Enge von Corran näherten sie sich nun Fort William.

"Wenn Sie ein Tourist wären, würde ich das jetzt nicht sagen, Jim", meinte der Count, "aber… Manchmal sind sie wirklich eine Plage, die Touristen."

"Oh, das glaube ich", erwiderte Kirk, der gerade einen Blick auf den vollen Reisebusparkplatz von Fort William genießen durfte. "Ich hole mal meinen Hamster. Hoffentlich hat er nichts angerichtet."

"Nichts, was sich nicht reparieren lässt. Schließlich ist er nur ein Hamster."

Dazu sagte Kirk lieber nichts. Er hatte das Bild des verwüsteten Labors bei McBastle immer noch vor Augen. Was solche Sachen anging, unterschätzte der Count of Twix and Dunvengan die Fähigkeiten eines Hamsters sehr deutlich.

In der Kajüte fand er Hamstilidamst schlafend. Er nahm ihn hoch, stupste ihn mit dem Finger an und sagte:

"Hallo, wir sind zu Hause."

"Ist Scotty da?!"

"Nein, aber wir gehen jetzt hin."

Nicht sofort allerdings. Dank der Tatsache, dass er sein Geld fast unberührt wieder hatte mitbringen können, lud Kirk den Count zum Lunch ein. Er hatte da eine erstaunliche Gastfreundschaft erlebt, und das war das Mindeste, was er tun konnte.

Aber seine Gedanken wanderten jetzt zu den drei anderen Offizieren. Er hatte sie in diesen Tagen ein bisschen vergessen, weil so viel los gewesen war. Jetzt fragte er sich, wie sie klargekommen waren, ob sie Jobs gefunden hatten. Vor allem fragte er sich, ob womöglich inzwischen Fergus mal wieder in seine Wohnung gekommen war.

Dann hätte er sie von Leuten besetzt gefunden, die eigentlich inzwischen längst in Houston hätten sein sollen. Dort hätten sie ihren NASA-Kollegen erzählen sollen, dass da in Schottland ein Physiker saß, der eine Grundidee zur künstlichen Schwerkraft in Raumschiffen hatte. – Ups! Wie sollte das dort überhaupt jemand erfahren? Immerhin war das eine Entwicklung, die in dieser Zeit anfangen sollte, und Fergus sollte zum Team gehören.

Ohne darüber nachzudenken, fragte er Hamstilidamst danach, als sie sich von Miles verabschiedet hatten und auf dem Weg zur Wohnung des Professors waren.

"Schreib einen Brief, ruf an, schick eine E-Mail", erwiderte Hamstilidamst sofort.

"Was für eine Mail?"

"Einen Brief mit Computer. Ich weiß auch nicht, wie das geht, aber das geht."

"Witzbold. An wen soll ich denn da schreiben?"

"Guck in den Computer."

"Ich bin ein Idiot", sagte der Captain und schlug sich vor den Kopf.

"Och, das würde ich so nicht sagen", erwiderte Hamstilidamst. "Manchmal etwas doof mit Geräten und nicht wirklich Ahnung von Hamstern, aber ein Idiot…"

"He, denk nicht zu gründlich darüber nach", grinste der Captain. "Ich meinte, wir können im Tricorder nachsehen."

Sie hatten die Straße erreicht, in der die Wohnung des Professors war. Kirk drückte auf den Klingelknopf, aber niemand machte auf.

"Sind die weg?!" fragte Hamstilidamst entsetzt.

"Reg dich nicht auf. Vielleicht haben sie alle Arbeit gefunden und sind gerade beim Geldverdienen."

An einer Ecke der Haustür war ein kleiner Zettel angeklebt. Kirk erkannte die Schrift von Dr. McCoy und zog den Zettel vorsichtig ab.

"’Wir sind alle okay. Komm zu Neptune’s Staircase’", las er laut vor.

"Was für ’n Ding?"

"Das sind die Schleusen, wo wir schon mal waren. Aber was machen sie da?"

"Im Gras sitzen und quatschen", schlug Hamstilidamst vor.

Aber das wollte der Captain lieber nicht hoffen, denn wenn sie im Gras saßen und quatschten, hatten sie keine Arbeit gefunden und auch kein Geld. Jedenfalls machte er sich sofort auf den Weg.

Eine letzte Reisegruppe war ihm von der Schleuse her entgegengeströmt. Als er die Anlage erreichte, sah er Dr. McCoy in einer sehr merkwürdigen Körperhaltung in der Nähe einer der Schleusen stehen. Während er leise näherschlich, weil er Pille überraschen wollte, erkannte er, dass der Arzt sich mit einem Mann unterhielt, der im Rollstuhl saß und ein Bein in Gips hatte.

"Soll ich rufen?" fragte Hamstilidamst leise.

"Nein, es ist jemand bei ihm. Wenn Pille einen Schreck bekommt und den Mann im Rollstuhl ins Wasser stößt…"

"Das wäre lustig!"

"Hamstilidamst, du bist ein kleines Monster. – Leonard!!"

Dr. McCoy wandte den Kopf und ließ nur für einen Moment ein breites, erleichtertes Grinsen sehen. Dann zog er eine Grummelmiene.

"Das ist richtig, du machst Urlaub auf den Hebriden, und wir können uns hier abschuften."

"Komm, drei Tage", erwiderte der Captain, der damit schon wusste, was die Offiziere hier irgendjemandem über ihn erzählt hatten.

"Ha, der Inselurlauber", ließ sich der Rollstuhlmann vernehmen und streckte Kirk die Hand hin. "Für dich ist auch noch ein Platz frei."

"Das ist wirklich sehr nett", sagte Kirk in dankbarem Ton und ohne einen Schimmer, wovon der Mann sprach.

"Tja, Perry, das ist unser Freund Jim Kirk. – Jim, dies ist Perry McPerry, für den Scotty eingesprungen ist."

"Verdammich!" fluchte Perry McPerry. "Seit dreißig Jahren bin ich in der Schleuse, und noch nie ist mir was passiert. Und gerade jetzt!"

"Aber gerade jetzt sind wir doch auch da", grinste McCoy. "Willst du ins Haus oder…"

"Verdammich, nein! Ich will wissen, was euer Jim auf den Inseln erlebt hat."

Das wollte McCoy allerdings auch wissen, ebenso wie Scott und Spock. Aber was der Captain seinen Offizieren erzählen konnte, konnte er Perry noch lange nicht erzählen. Trotzdem setzte Kirk sich neben Perry ins Gras und grinste breit.

"Tja, ich habe die letzte Nacht beim Count of Twix and Dunvengan verbracht."

"Was?!" riefen die beiden anderen gleichermaßen ungläubig.

"Warum nicht? Er hat mich hergebracht, und ich habe ihn zum Lunch eingeladen."

"Verdammich!" stieß Perry hervor. "Du hast den zum Lunch eingeladen? Junge, der kann ganz Schottland zum Lunch einladen."

"Hmhm, als ich Schloss Slaint gesehen habe, habe ich mir das auch gedacht."

"Das ist ja un-glaub-lich! Das ist einer der reichsten Männer des Königreichs."

"Aber sehr umgänglich."

"Ay, das ist er", gab Perry zu.

"Hallo!" machte McCoy, denn Hamstilidamst kletterte gerade auf seine Schulter. "Du bist ja auch wieder da."

Hamstilidamst schaute sich von McCoys Schulter aus den Rollstuhl von Perry an und überlegte, warum ihm so was so bekannt vorkam. Dann fiel ihm ein, dass Lord McShredder sich von Frido in so einem Wagen schieben ließ, wenn er zu faul zum Laufen war.

Inzwischen erzählte Kirk, zum Teil erfunden und zum Teil wahrheitsgemäß, was er erlebt hatte. Dass er sich für den Primelzüchterverein zum Affen gemacht hatte, erzählte er nicht und hatte auch überhaupt nicht vor, das je zu erzählen. Also berichtete er, dass er mit dem Schiff nach Uist gefahren war und von dort per Anhalter nach Berneray, wo er sich schnell mit dem Neffen des Counts angefreundet hatte.

"Die mit ihrem eigenen Hafen und eigenem Strand? Verdammich, was müssen die auf eine kleine Insel?" fragte Perry, dann brüllte er in Richtung der Schleusen: "Sco-o-o-otty-y-y-y! Feierabend!"

Dort stand eine Gestalt, schaute herüber, winkte, stutzte und winkte noch mehr. Dann setzte sie sich im Laufschritt in Bewegung.

Langsam begriff der Captain. Perry McPerry war Schleusenwärter, und Lt. Scott hatte seinen Job übernommen. Er erinnerte sich, dass sein Chefingenieur ihm erzählt hatte, er sei schon in ihrer eigenen Zeit hier gewesen. Und wie er Scotty kannte, hatte der sich sehr genau mit der antiken Mechanik der Schleusen beschäftigt. Wahrscheinlich machte er seinen Job sogar ganz gut.

Kirk nickte den beiden zu und ging Lt. Scott mit langen Schritten entgegen. Er musste auf die Schnelle erfahren, was sich hier in den letzten drei Tagen getan hatte. Vor McPerry konnten sie nicht offen reden.

"Haben Sie ihn?!" fragte Scotty, und Kirk blinzelte. "Hamstilidamst – haben Sie ihn?"

"Unter Lebensgefahr", grinste Kirk. "Er sitzt bei Pille auf der Schulter. – Gehen Sie langsam, Mr. Scott! Bericht!"

"Ay, Sir. Im Schleusenwärterhaus war eine kleine Wohnung frei, die haben wir bekommen. Schien uns sicherer."

"Wie kam das?"

"Perrys Sohn… Wir fragten bei ihm, ob er einen Job hat, und er…" Scott unterbrach sich und grinste. "Er hatte drei!"

"Was, Sie arbeiten alle hier an den Schleusen?"

"Captain, der Doktor kann nirgends arbeiten. Wer hier offiziell arbeiten will, muss einen Ausweis vorzeigen können."

"Verdammt, da musste ja mal was kommen. Sie – das ist klar. Der Schleusenwärter hat sich das Bein gebrochen, und Sie haben den Job gekriegt. Wie kommen Sie zurecht?"

"Och, es ist unglaublich! Ich fühle mich wie in meiner Studienzeit." Und als der Captain wieder blinzelte: "Ay, ich hatte damals einen Kurs Grundlagenmechanik belegt und drei Wochen an den Schleusen hier gearbeitet. Es hat sich praktisch gar nichts verändert. Es ist unglaublich!"

McCoy hatte keinen offiziellen Job, aber ganz offenbar kümmerte er sich um den Schleusenwärter mit seinem Gipsbein. Außerdem versorgte er den Haushalt… Der Captain schüttelte sich unwillkürlich. Pille konnte überhaupt nicht, aber wirklich überhaupt nicht kochen, und ihm graute vor der nächsten Mahlzeit.

"Und Spock?"

"Der ist schon los."

"Prima, dass ich das höre. Er hat ja Papiere. Was macht er also?"

"Ich glaube, Sir, das sollten Sie sich mal selbst ansehen", grinste Lt. Scott.

Früher hatte McPerry junior mit seiner Familie im oberen Stockwerk des Schleusenwärterhauses gewohnt. Jetzt stand die Wohnung leer, außer irgendein durchgeknallter Tourist entschloss sich, direkt neben den Schleusen Urlaub zu machen. Seit vorgestern wohnten hier nun die Enterprise-Offiziere. Als Kirk sich das ansah, fand er es sehr nett, und die Miete war spottbillig.

"Wieso ist Geld so wichtig?!" trompetete Hamstilidamst in das Gespräch der Offiziere hinein, denn bei denen ging es jetzt um überhaupt nichts Anderes mehr.

"Weil wir alles kaufen müssen", erklärte der Captain und wandte sich wieder seinem Chefingenieur zu. "Ich schätze, was Sie angeht, ist das entsprechend nicht allzu viel."

"Ay, Sir, stimmt, aber es rechnet sich gegen die Miete, und dann geht’s schon."

"Jim hat auch Geld", mischte Hamstilidamst sich wieder ein.

"Oh?" machte Dr. McCoy. "Seit wann redest du ihn denn mit Jim an?"

"Seit Pabbay."

"Seit Pabbay. – Und weiter?"

"Wenn er das sagen will, soll er das sagen. Ich bring doch hier nicht das Universum durcheinander."

"Ähm. – Das ist ganz sicher ein weiser Entschluss", nickte der Doktor.

"Ist gut, Hamstilidamst", sagte Kirk beruhigend. "Ich überlege mir auch ganz genau, was ich denen erzähle."

"Aber Sir", stieß Scotty hervor. "Sie werden sich doch nicht mit Hamstilidamst gegen uns verschwören? Das fände ich aber sehr unfair."

"Wir teilen ein paar Geheimnisse. – Und du spielst hier die Krankenschwester, Pille?"

"Stell dir vor!" erwiderte McCoy mit schiefem Grinsen.

"Haha, er ist fast in Ohnmacht gefallen, als er den Gips gesehen hat", kicherte Lt. Scott.

"Wieso?" fragte Hamstilidamst. "Für was Gebrochenes nimmt man doch Gips. – Oder hast du eine Gips-Lallagie?"

"Eine Gips-Lalla… O mein Gott, er meint Allergie. Hamstilidamst, brems dich mal mit Fremdwörtern, das kannst du nicht", lachte McCoy.

"Na und? Hast du nun eine Allagie?"

"Nein, mein Kleiner, aber wo ich herkomme, heilt man Gebrochenes nicht mit Gips. Das ist für mich Altertum."

"Du bist ja auch in deinem Altertum."

Darauf fiel dem Arzt nichts mehr ein, denn damit hatte Hamstilidamst vollkommen Recht. Jedenfalls machte er bei Perry McPerry Pflegedienst für fast kein Geld. Und weil er damit die Gemeindeschwester entlastete, hatte er sich mit ihr geeinigt, dass sie, statt Perry zu versorgen, jeden Tag kochte. Captain Kirk lebte merklich wieder auf!

"Hallo, so breit brauchst du ja nun auch nicht zu grinsen, Jim!" beschwerte McCoy sich.

"Tut mir leid, Pille. Aber ich bin echt erleichtert. Wenn du kochst, fürchte ich um unser Leben. – Tja, und was macht nun Spock inzwischen?"

"Der bringt das große Geld ein", schmunzelte Lt. Scott.

"Baaah, schon wieder Geld", meuterte Hamstilidamst. "Gibt’s hier eigentlich mal was zu essen? Wenn du Arzt bist, kannst du mich mal untersuchen. Ich bin bestimmt völlig unterernährt."

"Untersuch ihn jedenfalls, Pille", sagte Kirk. "Vielleicht hat er ja einen Ausschlag am Maul, und du musst es ihm mal eine Weile zubinden."

"Hervorragende Idee!" rief McCoy und erhob sich.

Aber Hamstilidamst flitzte unter einen Schrank und war nicht erreichbar. Er erschreckte dort eine dicke Spinne und saß überhaupt in einem Haufen von Staubflocken. So hatte er sich den Tag wirklich nicht vorgestellt. Wenn die Zweibeiner da draußen weiterredeten und ihn eine Weile vergaßen, würde er schnellstens wieder vorkommen.

Inzwischen vergnügte er sich damit, Staubflocken über den Fußboden zu pusten. So bekam er nicht mit, dass Lt. Spock einen Job bei McPerry junior bekommen hatte, der im Zentrum von Fort William eine Art Kneipe besaß.

"Spock?!" rief der Captain aus. "In einer Kneipe?! Ach, du liebe Zeit! Er macht doch nicht den Aushilfskellner, oder? Oder schenkt er Bier aus?"

Zu beidem schüttelten seine Kollegen die Köpfe, wollten aber nicht damit herausrücken, was der Vulkanier denn nun für einen Job bekommen hatte, noch dazu einen, mit der er richtig Kohle machte.

Später am Abend schlenderte die drei ins Stadtzentrum. Hamstilidamst saß endlich wieder auf Lt. Scotts Schulter, und beide fühlten sich dabei sehr wohl. Alle hatten Vorschläge gemacht, wie sich Captain Kirk betätigen könnte, um etwas zum Unterhalt beizutragen, aber sie waren zu keinem Ergebnis gekommen. Als Hamstilidamst die Idee hatte, dass der Captain eine Keksbuschplantage eröffnen könnte, hatten sie aufgegeben.

Jetzt waren sie auf dem Weg zu der Kneipe von McPerry junior. Kirk wäre an dem fensterlosen Gemäuer ganz sicher vorbeigegangen, aber McCoy wies mit einer einladenden Handbewegung auf die Tür.

"Was ist das denn für ein Schuppen?!" entfuhr es dem Captain. "Hier verdient Spock sein Geld?!"

"Ay, und wie", grinste Scotty.

Über der Tür war eine blinkende Leuchttafel angebracht. Darauf zuckten rote Blitze, und die Worte ‚Zur Hölle’ glühten in Giftgrün. Kirk warf seinen Kollegen einen zweifelnden Blick zu und öffnete die Tür.

Er dachte, er betrat eine rote Höhle. Scheinwerfer warfen rotes Licht an die Wände, an einigen Stellen taten wehende rot/gelbe Stoffstreifen, als seien sie ein Feuer. Der Laden war rappelvoll. Mädchen in feuerroten, engen Overalls, an denen lange, schwarze Teufelsschwänze wippten, servierten Drinks und kleine Snacks. Auf den Köpfen trugen sie rote Kappen mit schwarzen Hörnern.

"O mein Gott!" murmelte der Captain.

"Komm mit, für uns ist ein Tisch reserviert", grinste Dr. McCoy.

Da erst merkte der Captain, dass er nur gegen ein Stimmgewirr anreden musste, aber nicht gegen ohrenbetäubende Musik, wie sie sonst in solchen Kneipen zu hören war. Im Hintergrund war leises Klaviergeklimper zu hören, das sich gut aushalten ließ. McCoy ging voraus und brachte sie der Musik näher. Alle drei setzten sich, dann fiepte Hamstilidamst auf einmal los.

"Spock!"

"Wo?" fragte der Captain.

Aber Hamstilidamst war schon weg und hechtete auf die Klavierbank. Dort saß der Fürst der Hölle, Satan selbst. Gekleidet war er in ein schwarzes Cape mit rotem Futter, auf dem Kopf saß eine Hörnerkappe, und neben der Kappe ragten zwei vulkanische Ohren. – Es verging einige Zeit, bis Captain Kirk langsam wieder den Mund schloss. Dann sagte er einfach:

"Das glaube ich nicht."

Aber er musste es wohl glauben, und es passte auch gut zusammen. Für die vulkanische Logik war Musik so etwas wie ein Zweig der Mathematik. Leider war es aber auch so, dass sich vulkanische Musik anhörte, als sei sie ein Zweig der Mathematik. Sie klang kompliziert wie eine schwierige Formel, und nur Vulkanier fanden Gefallen daran. Andererseits hatte das den Vorteil, dass die Musik jeder anderen Kultur für einen Vulkanier so etwas war wie Grundrechnen erste Klasse. Spock spielte diverse Instrumente, und die Musik der Menschen war für ihn eine leichte Übung.

Da in dieser Bar ein Klavierspieler gesucht worden war, hatte Spock sich vorgestellt. Der Besitzer hatte ihm gesagt, die Werbung des Hauses sei es, dass hier der Fürst der Hölle am Klavier saß und entsprechend ausstaffiert war. Also hatte Spock sich ausstaffiert und mit einem Anflug von Humor seine vulkanischen Ohren sehen lassen. Dr. McCoy hatte ihm oft genug gesagt, damit sehe er aus wie der Teufel persönlich – und künstliche Teufelsohren gab es in jedem Scherzartikel-Geschäft zu kaufen.

"Sieh mal, seine Fürstlichkeit hat Gesellschaft bekommen", sagte jemand am Nebentisch.

Hamstilidamst war nämlich inzwischen auf Spocks Schulter geklettert und sah interessiert zu, wie der Vulkanier die Finger über die Tasten spielen ließ.

"Schön, dass du wieder da bist, Hamstilidamst", sagte er leise. "Halt dich fest."

"Wieso?"

"Weil ich es sage."

Gleich darauf holte der Erste Offizier der Enterprise aus, ließ mit einer großen Bewegung die Finger über sämtliche Tasten laufen, und dann fing sein Programm an. Er haute für Rock’n Roll in die Tasten, improvisierte einen Zusammenschnitt aus Beatles-Songs und endete mit einer gewaltigen, rauschenden, komplizierten Passage, die klang als käme sie aus dem Krater eines Vulkans. Nur Captain Kirk wusste, dass das eine Melodie von Spocks Heimatplaneten war.

"Boa, bist du endlich fertig?" fragte Hamstilidamst leise, der die ganze Zeit das Gefühl gehabt hatte, er säße in einem Rennboot.

"Für die nächste Stunde ja. Du kannst aber hier bleiben. Ich habe in zehn Minuten Pause."

Sie unterhielten sich in den donnernden Applaus der Gäste hinein. Eines der Teufelmädchen stellte eine Schale auf das Klavier. Hamstilidamst ging davon aus, dass er endlich mal wieder was zu essen bekommen sollte. Also kletterte er aufs Spocks Kopf und sprang von dort aus zu der Schale hinüber. Sie war leer!!

"Ey, Schweinerei!" fiepte er hinter dem Teufelmädchen her.

Da das niemand außer den Offizieren verstand, waren die Gäste auch nicht empört, ganz im Gegenteil. Sie fanden den Gag mit dem Hamster toll. Seit zwei Abenden füllte sich die Schale mit reichlich Trinkgeld, aber heute spendierten einige Gäste auch Kräcker und Käsestückchen für den Hamster, der da so niedlich neben der Trinkgeldschale hockte.

Inzwischen hatte sich ein Teufel zu den Offizieren an den Tisch gesetzt. Es war Andy McPerry, der Besitzer, der sich hier aber nur mit "Devil" anreden ließ. Auch er lernte jetzt James Kirk kennen, und James Kirk musste seinen Grips zusammennehmen. Er war so erschüttert über den Anblick seines Ersten Offiziers, dass es in seinem Kopf drunter und drüber ging.

"Hör mal, Jim", sagte der geschäftstüchtige Andy, "kannst du uns euren Hamster nicht hier lassen? Das geht in der Stadt rum wie der Blitz, und der Laden wird brummen."

"Hallo, läuft das nicht unter Tierquälerei?" fragte Lt. Scott.

"Er soll ja keine Kunststücke machen. Wenn er da auf dem Klavier sitzt und – so goldig ein Käsestück in den Pfoten hält, das wirkt total."

"Wenn er da sitzen bleibt", wandte der Captain ein. "Besonders berechenbar ist er nicht."

"Jim, ein Teller mit Futter nagelt ihn da fest, jede Wette", meinte Dr. McCoy.

"Und wenn er ein bisschen Randale durch den Saal macht, ist das auch nicht so schlimm", grinste Andy McPerry. "Schließlich ist dies ‚Zur Hölle’."

"Er hat keine Einwände." Das war Spock, der jetzt Pause hatte und sich zu ihnen setzte. "Ich traue jedoch seinem Versprechen nicht, sich angemessen zu verhalten."

"Dem Versprechen können Sie ruhig trauen, mein Lieber", erwiderte der Captain.

"Wie meinen Sie das?"

"Wenn er sich angemessen für einen Hamster verhält, kann dem Saal hier einiges bevorstehen."

"Allerdings", erwiderte der Vulkanier, und eine ausdrucksvolle Augenbraue wanderte aufwärts.

"Ich habe das richtig gehört, ja?" fragte Andy. "Der Hamster hat keine Einwände und hat versprochen, sich anständig zu benehmen?"

"In der Tat", sagte Spock.

"Und vermutlich hat er dir das persönlich gesagt?"

"Das hat er."

"Und du verstehst ihn?"

"Andy", sagte Spock geduldig, "es wäre sehr eigenartig, wenn der Fürst der Hölle sich nicht mit einem Hamster verständigen könnte."

"Oh! Klar!" grinste McPerry junior.

"Eben. Ich gehe jetzt etwas essen."

"In Ordnung. – Es ist ein Jammer", sagte Andy, als Spock in Richtung Küche verschwunden war. "Es wäre toll rübergekommen, ihm ein brennendes Steak zu servieren – hier, meine ich. Aber er hat wohl entschieden, dass der Fürst der Hölle Vegetarier ist."

"Ay, er ist ganz schön stur", nickte Lt. Scott und erhob sich. "Ich muss los, mein Dienst fängt morgens um fünf an."

"Und meiner nicht viel später", grinste McCoy. "Perry kann zwar nicht in die Schleusen, aber er kann von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang daneben stehen."

"Ay, mein Dad ist auch stur", grinste Andy. "Guten Heimweg."

"Wie lange habt ihr geöffnet?" fragte der Captain, der gern zusammen mit Spock zurückgehen wollte.

"Bis die Letzten gehen. Aber der Fürst der Hölle verabschiedet sich pünktlich um Mitternacht. Die Show solltest du dir nicht entgegen lassen, Jim."

Er ließ sie sich nicht entgehen. Kurz vor Mitternacht haute Spock noch einmal kräftig in die Tasten, dann ging mittendrin für wenige Sekunden das Licht aus. In den wenigen Sekunden musste der Fürst der Hölle durch eine Seitentür verschwunden sein. So mancher Klavierspieler war hier schon rausgeflogen, weil er, wenn das Licht wieder anging, an der Wand entlang irrte, um diese Tür zu finden. Das war eher komisch als beeindruckend, und Andy wollte ganz entschieden, dass sein Fürst der Hölle beeindruckend war. Mit Spock hatte er einen hervorragenden Fang gemacht.

Nächtlich und still lag Fort William, als Kirk und Spock sich auf den Weg zu Neptune’s Staircase machten. Eine ganze Weile schwiegen sie. Hamstilidamst hatte irgendwie nicht das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt war, mit den beiden eine Unterhaltung anzufangen. Also guckte er in den Sternenhimmel und dachte mal wieder an seine Freunde auf dem Raumschiff.

"Wie geht es Ihnen bei dem Zirkus, Spock?" fragte der Captain schließlich.

"Ich mache mich nicht lächerlicher als Dr. McCoy es sich wünschen würde. Und es bringt mehr ein als wir zum täglichen Leben brauchen."

"Wir können hier nicht lange bleiben."

"Nie bleibt ihr mal irgendwo lange", murrte Hamstilidamst.

"Wo immer wir als nächstes hingehen, mein Kleiner, wir werden dort bleiben, bis wir wieder auf unser Raumschiff zurück können."

"Könnt ihr nicht hier darauf warten?"

"Nein, Hamstilidamst", erwiderte Spock. "Fort William ist der größte Ort in der Umgebung. Jederzeit könnte hier jemand auftauchen, den wir schon kennen und der uns als Wissenschaftler kennt, die längst wieder in Amerika sein sollten. Jeder scheint immer wieder einmal nach Fort William zu kommen, der in der weiteren Umgebung wohnt."

"Das kenne ich!"

"Das kennst du?" fragte der Captain erstaunt.

"Ja, klar. Hamsterhausen ist die Meterpole. Jeder, der da drum rum wohnt, kommt zu uns, wenn bei uns was los ist. Und das ist immer!"

"Das will ich gern glauben", nickte der Captain. "Okay, Spock, zwei Abende noch in der Hölle für Sie. Ich glaube, eine Woche Fort William sollte genug sein."

"Werden Sie sich noch eine Beschäftigung suchen?" erkundigte sich der Vulkanier, der den Eindruck hatte, von allen machte es sich der Captain am einfachsten.

"Er gründet eine Keksbuschplantage oder eine Käsestation. Vielleicht wird er auch Scones-Bäcker."

"Das sind sehr nutzbringende Vorschläge, Hamstilidamst, aber die bedürfen eines wesentlich längeren Aufenthaltes."

"Er kann doch irgendwo Scones-Bäcker werden, wo Scones noch nicht erfunden sind."

"Ich kann nicht backen", wandte Kirk ein.

"Was kannst du eigentlich?"

"Dich retten zum Beispiel."

"Ay, das kannst du gut."

Abwechselnd erzählten sie Spock nun, was ihnen alles passiert war. Spock hörte interessiert zu, zum Schluss sagte er:

"Die Menge der Leute, die uns kennen, ist immer größer geworden. Wir sollten uns wirklich nicht mehr lange hier aufhalten."

"Sag mal!" machte Hamstilidamst. "Abenteuer ohne Ende, und dir fällt sonst nichts ein?!"

"So ist er nun mal", sagte Kirk, der zu seiner Beruhigung entdeckte, dass Spock immer mehr so wurde, wie er ihn seit vielen Jahren kannte, sachlich und unterkühlt. "Wir müssen die NASA übrigens auf Fergus hinweisen. Ich bezweifle, dass er das hinkriegt."

"Und wie stellen Sie sich das vor?"

"Schreibt einen Brief, ruft an, schickt eine E-Mail", schlug Hamstilidamst nochmals vor, und Spock blickte einen Augenblick in die Sterne.

"Letzteres ist möglich", sagte er.

"Wieso wissen Sie, was eine E-Mail ist?" fragte Kirk erstaunt.

"Weil ich die letzten drei Tage in der Gesellschaft dieser Zeit verbracht habe und Sie Abenteuer in der Wildnis erlebten. Es gibt hier ein Internet-Café."

"Und was, bitte, soll das sein?"

"Das Internet ist in dieser Zeit das globale Netzwerk der Erde. Man kann darüber E-Mails verschicken. Von einem Internet-Café aus kann man das anonym tun, was unserer Sache sicherlich entgegenkommt."

"Wer ist Hanno Nühm?" wollte Hamstilidamst wissen, und der Captain fing an zu lachen.

"Anonym", erklärte er. "Wenn du nicht willst, dass einer weiß, dass du es warst."

"Das ist ’ne spitzenmäßige Idee!" rief Hamstilidamst begeistert. "Wer hat das erfunden?"

"Vermutlich Hanno Nühm", sagte Spock trocken, dann hatten sie das Schleusenhaus erreicht. "Sir, ich pflege etwas länger zu schlafen und hoffe, das stört Sie nicht."

"Aber durchaus nicht, Mr. Spock. Ich hoffe, Sie können mir morgen zeigen, wie ein Internet-Café funktioniert."

"Jim, ist Spock krank?" fragte Hamstilidamst. "Er redet so entsetzlich geschwollen."

"Nein, mein Freund. Bis jetzt war er wahrscheinlich etwas krank. Jetzt ist er wieder normal."

"Sehr witzig ist er in normal aber nicht."

"Ich fürchte, du hast Recht, Hamstilidamst", sagte Spock und schloss die Wohnungstür hinter sich. "Meine Spezies zeichnet sich nicht durch große Witzigkeit aus."

"Was können wir denn mal machen, damit du wieder krank wirst?"

"Ich habe nicht den Wunsch, krank zu werden."

"Wenn dann auch nur ein bisschen mehr mit dir los ist, wünsche ich mir das aber sehr. Im Moment bist du absolut eine trübe Tasse."

 

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