Kapitel 20

Reisen und Rettungen

 

Die HAMU I, der Stolz der Organisation BANTACH, lag dunkel schimmernd in einer stillgelegten Kanalröhre von Fort William. Captain Hanoi-Casablanca begrüßte feierlich den Präsidenten der Organisation. Zwei durchtrainierte Matrosen sollten die Gruppe gleich zur HAMU I hinüberrudern.

"Ein wundervolles Schiff", sagte Balthasar stolz.

"Ay, Herr Präsident, das ist es", erwiderte Hanoi-Casablanca, und Dabi musste ein Tränchen wegzwinkern, denn sie glaubte, die Stimme von Lt. Scott zu hören.

"Wir können stolz darauf sein!" tönte Balthasar.

"Ay, Sir, das können wir!"

"Welch ein Edelstein im Kranz der Krone!"

"Ähm… - Ay, Sir, welch ein Kranz!"

"Das Auge leuchtet!"

"Ay, Sir, das leuchtet!"

"Verzeihung, Herr Präsident, Sie sind unter Termindruck", wisperte Dabi, der dieser Blödsinn ein klitzekleines Bisschen auf den Senkel ging.

"Der Termindruck!" ließ Balthasar mit schallender Stimme hören, denn er wusste, dass solche Einflüsterungen seiner Assistentin nur bedeuten konnten, dass er in seiner Rede etwas vergessen hatte, was er schnell noch sagen musste.

Zum Glück wusste der Captain das aber nicht und streckte eine Pfote aus, um endlich dem Präsidenten in das Ruderboot zu helfen. Zwei Schauerleute hatten vorhin noch ein Fass Trinkwasser eingeladen. Auch wenn die HAMU I ein Turbo-U-Boot war, würde es eine lange Reise werden. Und wenn der Präsident an Bord war, sollte es ihm an nichts fehlen.

Und zum Glück hatte Dabi den Enterprise-Offizieren den Namen des Schiffes genannt, mit dem der Präsident und sie fahren wollten. Hamstilidamst war den beiden durch lange Kanaltunnel gefolgt, bis sie das Verwaltungsbüro erreicht hatten, das in einem ehemaligen Stromgenerator-Kasten untergebracht war. Er gehörte zu einem stillgelegten Teil des Kanalsystems, und es war nicht mehr weit bis zum Hafenbecken.

Schließlich hatte er die Befehle gehört, die gegeben wurden, bevor die HAMU I in See stach. Als zwei Schauerleute angefordert wurden, um für die Fahrt ein Fass Wasser zu verladen, war Hamstilidamst ganz einfach da gewesen, hatte mit zugepackt und gesagt:

"Ist okay, ich vertäue das hier noch."

"Bist ’n echter Kumpel", hatten die beiden anderen gesagt und waren zu ihrer unterbrochenen Mahlzeit zurückgekehrt.

Hamstilidamst dagegen war nicht zurückgekehrt, sondern hatte sich hinter dem großen Wasserfass versteckt. Es war fürchterlich unbequem, aber nachdem er beschlossen hatte, Dabis Geheimnis zu lüften, wollte er auch jede Unbequemlichkeit auf sich nehmen.

Bei der Rumwunderei von Balthasar hatte er allerdings große Mühe gehabt, einen Lachkrampf zu unterdrücken. Je länger er den Präsidenten kannte, umso mehr entdeckte er, dass Balthasar und der Bürgermeister wirklich unbedingt Brüder sein mussten. Er wusste nicht, wie Dabi das aushielt, aber eigentlich wusste er auch nicht, wie Hamsterhausen das aushielt.

"AaachtUNG!"

Hamstilidamst zuckte zusammen. Er konnte nicht sehen, dass sie jetzt in unmittelbarer Nähe der HAMU I waren. Auf dem Schiffskörper war zur Begrüßung des BANTACH-Präsidenten die Mannschaft angetreten. Zu Ehren des Präsidenten stimmten sie die BANTACH-Hymne an: (zu singen auf die Melodie "Rule Britannia")

Huuurra, BANTACH!

Hurra, der Präsident!

Wir fahren, fahren durch die Meere

zu dem Ziel, das keiner kennt.

Die Bootspassagiere – bis auf Hamstilidamst – hatten sich erhoben. Balthasar war schrecklich gerührt.

"Männer!" rief er. "Wieder stechen wir in See. Hoch lebe unsere Pflicht! Hoch lebe unser Werk! Hoch lebe unser Schiff!"

"Hoch! Hoch! Hoch!" brüllte es von der HAMU I zurück.

Dann waren viele helfende Pfoten da. Für Hamstilidamst war es nicht schwierig. Er fing an, das Tau um das Wasserfass zu lösen. Im nächsten Moment fasste einer der Matrosen von Bord mit zu. Hamstilidamst achtete darauf, immer so zu stehen, dass Dabi oder Balthasar ihn nicht sehen konnte. Das war kein Problem, weil die beiden vor ihm an Bord gingen. Also half er, das Fass zum Wasserspeicher zu bringen, und dann verdrückte er sich.

Jetzt war es wichtig, die Vorratskammer zu finden und einen ruhigen Schlafplatz. Hamstilidamst hatte nicht die leiseste Ahnung, wo diese beiden Inseln lagen, aber solange er in Frieden essen und schlafen konnte, war es ihm egal, wie lange die Reise dauerte.

Ebenso wenig wie Hamstilidamst wusste Captain Kirk, wo Pabbay und Berneray lagen. Er ging davon aus, dass die Inseln nicht weit voneinander entfernt waren, sonst hätte der Präsident sie wohl nicht auf eine Strecke gesetzt.

Im Touristenzentrum von Fort William bekam er jedoch alle Auskünfte, die er haben wollte. Und er bekam keinen schlechten Schreck, als ihm auf einer Karte gezeigt wurde, wo die Inseln waren, zu denen er so eilig wollte. Bei seinen Geldmitteln ging da mit eilig schon mal gar nichts.

Ein junges Mädchen in Kilt und weißer Bluse, das sich Strähnen im Blau und Weiß Schottlands ins Haar gefärbt hatte, beriet ihn. An ihrer Bluse war ein Namensschild, auf dem zu lesen stand: Gewndolyn beantwortet all Ihre Fragen.

"Berneray ist kein Problem", sagte Gwendolyn, "aber Pabbay… Da fragen Sie am besten dort jemanden, ob er Sie hinrudert."

"Und wie komme ich nach Berneray?"

"Insel-Hüpfen", sagte Gwendolyn, und schien das selbst nicht sonderbar zu finden.

"Insel – was?!" fragte Kirk verdutzt.

"Oh, es tut mir leid, Sie sind nicht aus der Gegend, oder?"

"Nicht sehr", gab er zu. "Amerika."

"Wow!" machte sie und versuchte, wie etwas zu klingen, was sie für Amerikanisch hielt. "Also, da fahren Sie mit einem Schiff zu einer der Hebriden, mit Bus oder Auto über die Insel, mit dem Schiff zur nächsten Insel… Sie hüpfen von Insel zu Insel, okay?"

"Ähm… Passen Sie auf, ich will gar nicht von Insel zu Insel hüpfen, ich will einfach nur nach Berneray."

"Und es soll nichts kosten, oder?" fragte sie zurück, und er nickte kläglich. "Und es soll schnell gehen, oder?" Wieder nickte er. "Wow! Sie sind ’ne echte Herausforderung."

Captain Kirk stand wie auf heißen Kohlen und träumte davon, dass das Beamen schon erfunden wäre. Wie es aussah, musste er mit einem Schiff fahren, und das dauerte bestimmt ewig! Plötzlich legte Kirk den Kopf schief und überlegte. Wenn es schon für ihn auf einem großen Schiff mit starken Motoren ewig dauerte, wie ewig würde es dann für das Hamster-U-Boot dauern?

Inzwischen hatte Gwendolyn in einem Papierberg herumgewühlt. Mit einem Aufschrei zupfte sie ein Blatt heraus, wandte sich ihrem PC zu und hackte wild auf der Tastatur herum.

"Können Sie irgendwas Besonderes?" fragte sie mit einem frechen Grinsen.

"Und was verstehen Sie darunter?" fragte er vorsichtig, denn er konnte eine Menge Dinge, aber die passten alle nicht in dieses Jahrhundert.

"Singen, Stepptanzen, Witze erzählen, Akrobatik, Zaubern."

"Hä?!" machte er nur.

"Okay, ich erklär’s Ihnen. Der Primelzüchterverein von Fort William will ein Insel-Hüpfen machen. Sie suchen für ihre Gruppe jemanden, der ihnen die Zeit vertreibt."

"Mit Zauberkunststücken?!"

"Nicht die ganze Zeit, okay? Abends auf dem Schiff oder im Hotel. Die wollen dafür auch so wenig wie möglich bezahlen, und da passen Sie doch ganz gut zusammen."

"Oh!" machte Captain Kirk.

Er überlegte verzweifelt, was er vielleicht Besonderes konnte. Das, was Gwendolyn aufgezählt hatte, gehörte jedenfalls nicht dazu. Plötzlich grinste er.

"Ich bin ganz gut im Nahkampf", sagte er, und sie brach in Gelächter aus.

"Primelzüchter verdreschen, oder? Okay, das geht nicht. Aber… Ey, warten Sie mal! Können Sie so Kung Fu und so was vorführen – die Technik? Das sieht echt geil… Ähm, ich meine, das kann sehr beeindruckend aussehen."

"Das kann ich."

"Sie kriegen Essen und Übernachtung. Keine Bezahlung. Okay?"

"Okay", grinste er zurück, und Gwendolyn griff zum Telefon.

Ein paar Minuten später war alles geregelt. Der Präsident des Primelzüchtervereins war sehr angetan von der Idee, denn das war wirklich mal was Anderes. Noch dazu hatte Gwendolyn ihm in letzter Minute geholfen.

"Sie müssten jetzt sofort nach Oban. Ist das für Sie okay?"

"Wie, nach oben? In den ersten Stock, oder was?" fragte Kirk verwirrt.

"Nach Oban, in die Stadt."

"Nach oben in welche Stadt?"

"He, die Stadt heißt Oban."

"Ach was!" machte Kirk verdutzt.

"Also Oban. Nehmen Sie ein Taxi, das zahlen die Primelzüchter Ihnen. Dann lassen Sie sich zum Hafen fahren, wo die Seamaiden liegt. Gehen Sie an Bord und fragen Sie nach Montgomery Scott. Das…"

"Nach wem?!" platzte Kirk heraus.

"Das ist der Präsident der Primeln, okay? He, was habe ich denn gesagt?!"

"A-ales – klar. – Danke, Gwen", wieherte Kirk, trennte sich von einer Pfund-Münze als Trinkgeld und verließ, immer noch lachend, das Touristenbüro.

Die Vorstellung, dass der Chefingenieur der Enterprise sich vielleicht im Nebenberuf als Primelzüchter betätigte, war so herrlich, dass er noch lachte, als er ins Taxi nach Oban stieg.

Als er in Oban auf der Seamaiden ankam und diesen Montgomery Scott kennen lernte, sah er, dass es mit Lt. Scott außer dem Namen wirklich keine Ähnlichkeit gab. Der Primelpräsident war unglaublich lang und dürr, hatte dünnes blondes Haar und einen Mund voller schlecht gearbeiteter Zahnkronen, die er mit einem Dauerlächeln vorwies.

Er war dem Captain unsympathisch und blieb es während der ganzen Reise. Am Abend auf dem Schiff hatte er ganz entschieden das Gefühl, sich zum Idioten zu machen mit seiner Show von Nahkampf-Trockenübungen. Aber der Primelzüchterverein war begeistert.

Sie legten kurz in Castlebay auf der Insel Barra an und kamen am Abend nach Lochboisdale auf Uist. Dort übernachteten sie und fuhren am nächsten Morgen mit einem Reisebus weiter.

Wunderschöne Landschaft, aber die Reisegesellschaft war zum Weinen langweilig. – Nicht anders empfand Hamstilidamst, der im Bauch der HAMU I saß. Nur sah er keine Landschaft und hatte auch keine Reisegesellschaft. Er war allein, es war finster, er war einsam und bekam Heimweh.

"Ich will zu Flecki", grummelte er. "Ich will mit Goldi zusammen sein. Ich will den Bürgermeister sehen. – Nein, so schlimm ist es auch wieder nicht."

"Ist da wer?" fragte eine Stimme aus der Dunkelheit.

Hamstilidamst machte sich winzig, denn er war nicht Wer, er war gar nicht da. Er war ein blinder Passagier. Es war auch wirklich so duster, dass er genauso gut hätte blind sein können.

"Blöde Geheimniskrämerei", grummelte er weiter, als er das Gefühl hatte, er sei wieder allein. "Was macht Dabi aus dem ganzen Quatsch auch ein Geheimnis? Muss sie sich nicht wundern, wenn man neugierig wird. Überhaupt hat sie an allem Schuld."

So waren zwei unzufriedene Leute bei den Äußeren Hebriden unterwegs. Die HAMU I legte zwar in keinem Hafen an, aber sie war doch viel langsamer als die Seamaiden. Endlich jedoch spürte Hamstilidamst, dass sich bei den Schiffsmotoren das Geräusch veränderte. Die HAMU I änderte die Bewegungsrichtung – sie tauchte auf!

"Grrr!" machte er, als ihm auf einmal einfiel, dass er nicht wusste, wie er von Bord kommen sollte.

Aber er hatte wieder Glück. Das U-Boot hatte nicht nur den Präsidenten als Ehrengast transportiert, sondern auch eine Menge Geräte für die Arbeiten an den Projekten. Hamstilidamst schlich aus seinem Versteck und landete in einem Gang, in dem einige Matrosen Kisten schleppten. Er fasste einfach irgendwo mit an.

Und auf einmal war wieder das Tageslicht zu sehen, strahlender Sonnenschein, in der Nähe eine wundervolle grüne Insel mit herrlichem weißen Strand und…

"A-a-achtUNG!" brüllte es direkt neben ihm. "Dem Herrn Präsidenten ein dreifach donnerndes Hurra, Hurra, Hurra!"

"Hurra, Hurra, Hurra!" brüllten alle Matrosen um Hamstilidamst herum, und er brüllte lauthals mit.

"Danke, Männer!"

Das war Balthasars Stimme, zum Glück etwas weiter entfernt. Sehen konnte Hamstilidamst nichts, denn die Kiste auf seiner Schulter nahm ihm die Sicht, aber dann konnte er auch von da nicht gesehen werden.

"Es war mir wie immer ein Vergnügen, den Stolz unserer Flotte zu… mit dem Stolz unserer Flotte auf hoher See... Eine Ehre!" schrie Balthasar, denn mit seinem Satz hatte er sich jetzt zu sehr verzettelt.

Hamstilidamst wuchtete die Kiste in das Ruderboot, das auf die Gäste und die Geräte wartete. Noch einmal machte er den Trick mit dem Vertäuen, und noch einmal klappte es. Er kroch hinter die Kiste, ohne dass es jemand bemerkte.

"Mä-Männer!" rief Balthasar, während er wackelig in das Boot stieg. "Der Dank von BANTACH ist euch gewiss. In zwei Tagen werde ich wieder bei euch sein. Wir werden gen Berneray reisen und unsere Projekte besuchen. Unsere Pflichten erwarten uns."

"Hurra!" brüllten die Matrosen.

Bisschen stumpfsinnig und leicht zu überlisten, dachte Hamstilidamst hinter seiner Kiste. Dann wurde ihm schlecht, weil eine Welle das Boot erfasste. Aber so schlimm war es auch wieder nicht. Nicht so schlimm jedenfalls wie…

"Herr Präsident, lehnen Sie sich unauffällig über den Bootsrand, ich bitte Sie. Es wäre sehr unangenehm…"

Dabis Stimme, und zwar sehr in der Nähe! Dann kamen nur noch Kotzgeräusche von Balthasar. Dabi versuchte, die Geräusche zu übertönen und erzählte in voller Lautstärke von der Schönheit der Landschaft, dem herrlichen Strand, dem blauen Meer… Auf dem blauen Meer schwammen gerade einige Essensreste an ihr vorbei. Sie wandte sich ab und schwieg, denn alles musste sie sich nun auch nicht bieten lassen.

Endlich aber knirschte der Bootsrumpf auf den weißen Strand. Einige BANTACH-Mitarbeiter waren da, um beim Ausladen zu helfen. Wieder stiegen der Präsident und seine Assistentin als erste aus, und Hamstilidamst war sicher, dass ihm nun nichts mehr passieren konnte. Noch einmal mit einer der Kisten helfen, dann könnte er endlich – und wieder in bester Stimmung – die Geheimnisse der Organisation ergründen.

Das mit der Kiste klappte. Als die Matrosen wieder zu ihrem Ruderboot zurückgingen, wollte Hamstilidamst sich in die Büsche schlagen. Das Problem war nur, dass es keine Büsche gab, nur einen langen, traumhaft schönen weißen Strand. Dann musste er das…

"Halt!"

Er wusste nicht, wo die Stimme herkam und zu wem sie gehörte, aber er rannte. Weg von dem Strand, irgendwo in die Botanik… Er wurde von hinten angesprungen und niedergeworfen.

Zur gleichen Zeit stand Captain Kirk an dem traumhaften schönen Strand der Insel Berneray und starrte über das Meer zur Insel Pabbay. Er war besser durchgekommen als er erwartet hatte, doch die beiden Vorstellungen, mit denen er sich vor dem Primelverein zum Affen gemacht hatte, steckten ihm noch in den Knochen. Aber auf diese Weise war er für kein Geld bis Lochmaddy auf Nord-Uist gekommen. Von dort hatte ein netter Truck-Fahrer ihn mitgenommen. Kurz nach Mittag waren sie über die lange Brücke von Uist nach Berneray gefahren. An den paar Häusern, die Backhill ausmachten, war er ausgestiegen.

Der Backhill war die einzige, sehr bescheidene Erhebung der kleinen Insel. Solch eine Erhebung war genau das, was der Captain brauchte. Er stieg hinauf, guckte sich um, ob ihn jemand beobachtete, und holte den Tricorder hervor. Bei der Größe dieser Insel konnte er von hier aus alles scannen. Er rief die Werte ab, die Spock von Hamstilidamst genommen hatte, und suchte danach.

Zweimal blinkte das Display auf und zeigte Hamster an, aber die Werte von Hamstilidamst waren nicht dabei. Mitarbeiter von BANTACH wahrscheinlich, aber ohne Hamstilidamst waren ihm die ziemlich egal. Von dem Hügel konnte er Pabbay gut sehen. Auch dort blickte er auf einen Traumstrand. Er schien jedoch verlassen zu sein, während sich hier einige Touristen vergnügten.

"Hi", hörte er eine Stimme neben sich und wandte den Kopf.

Ein Junge stand da, beobachtete interessiert, was er da tat, und grinste ihn an.

"Hi", grüßte der Captain zurück.

"Có ás a tha thu?"

"Oh… Ähm, tut mir leid, ich spreche kein Gälisch.”

"Das war gut, nicht? Das habe ich hier gelernt."

"He, das war wirklich gut. Ich dachte, du bist von hier."

Während das Jungengrinsen noch breiter wurde, schaltete Kirk beiläufig den Tricorder ab. Wenn der Junge war, wie er sich Jungen vorstellte, dann konnte er bestimmt eine Auskunft geben. Er wies mit dem Arm zur Nachbarinsel.

"Ich will da rüber. Meinst du, es gibt ein Boot, das mich hinbringt?"

"Ey, doch nicht jetzt!" sagte der Junge entrüstet.

"Wieso nicht jetzt?"

"Weil alle Boote jetzt mit Touristen draußen sind. – Warum schwimmst du nicht? Ich kenne wen, der schwimmt das. – Hin und zurück!"

"Wow!" machte Kirk und sah sich die Entfernung an.

Dann sah er sich die Landschaft an und stellte fest, dass hier wie dort ein Stück Strand weiter ins Meer reichte. Die See war ganz ruhig. Vielleicht würde er ja wirklich die Strecke schwimmen können.

"Was willste ’n da?"

"Ich suche einen Hamster."

Das war Kirk herausgerutscht, ehe er nachdenken konnte. Aber der Junge schien gar nichts Besonderes daran zu finden. Er nickte verständig und nachdenklich, dann meinte er:

"Mit dem kannste aber zurück nicht schwimmen."

"He, schlau! Wie heißt du?"

"Du zuerst!"

"Ich bin Jim."

"Ich bin Allan. – Hier gibt’s auch Hamster, musste aber lange nach suchen."

"Wahrscheinlich gehören sie zu einer Geheimorganisation."

"Da bin ich absolut sicher", erwiderte Allan. "Die machen so komische Sachen."

"Was für Sachen?"

"Die laufen mit den Nasen auf dem Boden oder fuchteln mit Stöcken."

"Das klingt unbedingt nach einer Geheimorganisation."

"Die haben deinen Hamster bestimmt verschleppt – gekidnappt."

"Das ist genau das, was ich befürchte. Ich muss ihn also retten."

"Bestell dir doch einen Hubschrauber."

"Allan, das wäre genau das, was ich brauche", gab Kirk ehrlich zu. "Aber ich habe nicht genug Geld."

"Oder ein Rennboot?"

"Ich habe auch kein Rennboot."

"Du hast eigentlich gar nichts, oder?"

Der Captain seufzte, und es war nur halb gespielt. Allan schien jedenfalls auf einmal enttäuscht zu sein von einem Helden, der nicht wie MacGyver aus dem Nichts tolle Lösungen fand. Er rannte wortlos davon, und der Captain kletterte wieder von dem Hügel hinunter.

Bald darauf stand er an jener Stelle, die etwas weiter ins Meer hineinragte. Von hier unten sah Pabbay verdammt weit weg aus. Der Tricorder konnte zwar auf die Entfernung keine Lebenszeichen messen, die Entfernung selbst aber konnte er anzeigen, und er zeigte drei Kilometer an. Das Meer war immer noch spiegelglatt.

"Tja, mir bleibt wohl nichts Anderes übrig", murmelte der Captain. "Und gnade dir Gott, Hamstilidamst, wenn du nicht da drüben bist."

Hamstilidamst war nicht nur "da drüben", er hatte auch Todesangst. Etwas, von dem er annahm, es müsste mindestens ein Gorilla sein, hatte ihn platt auf den Sand gedrückt. Mund, Nase, Augen, alles war voll Sand. Unsanft wurde er hochgerissen, die Pfoten wurden ihm auf dem Rücken gefesselt. Er hatte immer noch das ganze Gesicht voll Sand und konnte nur verschwommen erkennen, dass das doch kein Gorilla war, sondern ein wirklich großer, muskelbepackter Hamster.

"Vorwärts!" knurrte der. "Du bist ein Spion."

Hamstilidamst prustete, spuckte, nieste und blinzelte. Langsam konnte er wieder erkennen, was um ihn herum passierte. Einige Hamster waren versammelt, ein paar davon mit Waffen. Das war das Sicherheitsteam der BANTACH-Projekte. Sein spezieller Sicherheitsmann wollte gern zum Chef der Sicherheit aufsteigen und sah heute die beste Gelegenheit dazu.

"Hol den Präsidenten", sagte er zu einem seiner Kollegen, denn wenn er dem Präsidenten einen Spion vorführte, den er höchstpersönlich gefangen hatte, dann würde er bestimmt befördert werden.

Der Meldehamster drang selbstverständlich nicht bis zum Präsidenten vor, denn Assistentinnen waren dazu da, niemanden so ohne weiteres zu Präsidenten vordringen zu lassen. Also endete sein Meldegang bei Dabi, und die ließ ihren Standardsatz ab:

"Der Herr Präsident ist sehr beschäftigt. Kann ich inzwischen weiterhelfen?"

"Dann sagen Sie mal Ihrem Präsidenten, dass wir einen Spion gefangen genommen haben. Der muss mit Ihnen im Schiff gewesen sein."

"Ach, tatsächlich. Wie sieht er denn aus?"

"Voll Sand."

"Ja", machte sie geduldig und verdrehte die Augen. "Das kann ich mir denken. Sieht er sonst noch irgendwie aus?"

Selbstverständlich war das Sicherheitsteam darauf trainiert, genaue Hamsterbeschreibungen abzugeben. Als Dabi die Beschreibung dieses Spions hörte, holte sie tief Luft. In ihrem Kopf fielen lauter Puzzleteile zusammen. Hamstilidamst, der bei dem Abschied in Fort William plötzlich wie vom Erdboden verschwunden war. Wenn er Balthasar und ihr in die Außenstelle gefolgt war, hatte er mit Sicherheit Möglichkeiten gefunden, auch auf das Schiff zu kommen.

Aber sie hatte doch immer und immer wieder betont, dass dieTätigkeit bei BANTACH geheim war, dass niemand von den Projekten wissen durfte! Wie konnte er nur, wie konnte er nur?! Äußerlich gelassen, nickte sie dem Sicherheitsmann zu.

"Der Präsident kann zurzeit nicht gestört werden. Wer hat den Spion gefangen genommen? Führen Sie mich hin."

Hamstilidamst hatte in seinem jungen Leben schon viele schreckliche Augenblicke erlebt, aber noch nie hatte er sich so scheußlich gefühlt wie jetzt, da er Dabi auf sich zukommen sah. Er wollte ihr sofort alles erklären, aber sie warf ihm einen Dolchblick zu und tat dann, als habe sie ihn noch nie gesehen. Er wusste nicht, warum, aber irgendwie fühlte er sich dadurch besser.

Mit sehr dienstlicher Miene wandte sie sich dem Sicherheitshamster zu.

"Sie haben diesen Spion gestellt?"

"Das habe ich, und ich werde dem Präsidenten…"

"Der Präsident hat Wichtigeres zu tun", unterbrach sie mit eisiger Stimme. "Wie ist Ihr Name?"

"Ich bin Sicherheitsmann Hallowach."

"Sicherheitsmann Hallowach, ich werde Sie dem Präsidenten gegenüber sehr lobend erwähnen."

"Danke, Madam", sagte er zackig.

"Übergeben Sie mir den Spion, ich werde ihn verhören. – Unter vier Augen."

"Ay, Madam. Und Sie werden mich dem Präsidenten…"

"Guter Mann, Sie können einer Beförderung gewiss sein", sagte Dabi ungeduldig und winkte ihn fort.

Dabi nahm Hamstilidamst am Arm und führte ihn zum Strand. Erst als sie wirklich außer Hörweite war, wandte sie sich ihm zu. Ärger und Kummer waren in ihrem Blick.

"Hast du den Verstand verloren, Hamstilidamst?!"

"Nun mach mal halblang."

"Nein, du machst dich ganz klein. Weißt du überhaupt, was passiert, wenn jemand von dem erfährt, was wir bei BANTACH tun?!"

"Nein."

"Es gäbe eine Katastrophe, internationale Verwicklungen, einen Krieg womöglich. Das Universum wäre in Gefahr – und ich wäre sehr böse."

"Das wusste ich ja nicht", sagte Hamstilidamst kleinlaut. "Das wollte ich auch nicht. Und ich will auch nicht, dass du böse bist und das Universum in Gefahr gerät. Aber…"

"Aber?" fragte sie erbarmungslos.

"Wieso sagst du nicht einfach von Anfang an, du arbeitest für eine Behörde? Das klingt langweilig, danach fragt keiner. Aber du hast immer gesagt, es ist alles so ein Geheimnis, und keiner darf was wissen… Ist doch kein Wunder, wenn man es dann wissen will."

Dabi schwieg nachdenklich. Sie hätte es schrecklich gefunden, anderen zu erzählen, dass sie in einer langweiligen und überhaupt nicht geheimnisvollen Behörde arbeitete, nur, damit keiner neugierig wurde. Aber sie sah auch ein, dass sie die Geheimniskrämerei für manche Leute vielleicht zu weit getrieben hatte.

"Wieso wussten die überhaupt, dass ich hier nicht hingehöre?"

"Oh, das ist… Na ja, es ist geheim, aber ich sage es dir besser. Jeder, der die Sicherheitszone betritt, bekommt ein Sensorarmband. Siehst du – hier."

Sie hielt ihre Pfote hoch, und er sah, dass sie tatsächlich ein blinkendes Armband trug.

"Und dann?"

"Die Sicherheitszone ist mit hamstischen Bewegungsmeldern ausgestattet. Jeder wird erfasst, aber wer ein Kontrollarmband trägt, darf hier sein. Wer keines hat…"

"Hmhm", nickte er bestätigend und fragte: "Und was machst du jetzt mit mir?"

"Auf keinen Fall darf Balthasar dich sehen. Er würde dich sofort verraten."

"Ist er so gemein?!"

"Nein, so dumm", rutschte es ihr heraus.

"Du schmeißt den Laden eigentlich, oder?"

Sie schüttelte nur den Kopf, und er schaute zweifelnd. Aber sie schmiss den Laden wirklich nicht, und der Präsident schmiss ihn auch nicht. Es gab den großen Boss, der, soweit sie wusste, in Uruguay saß. Mehr wusste sie nicht, und mehr wollte sie auch wirklich nicht wissen, denn der große Boss war ein ganz großes Tier in der internationalen Hamster-Geschäftswelt.

Auch würde sie nicht noch einmal so ehrlich zugeben, dass Balthasar dumm, faul und eitel war. Der Besuch seiner Projekte – haha! Er saß jetzt gerade in der Verwaltung und schlug sich den Bauch voll. Da sie schon mal hier war, hatte er ihr gleich den Jahresbericht zum Durcharbeiten gegeben, so dass er nach der üppigen Mahlzeit eine Runde schlafen konnte. Dadurch bestand jedenfalls keine große Gefahr, dass er Hamstilidamst zu Gesicht bekam, wenn sie ihn nur hier draußen ließ.

"Hast du eigentlich mal an unsere Freunde gedacht, an die Offiziere?" fragte sie traurig. "Sie werden dich vermissen und suchen. Und sie haben so oft deine Hilfe gebraucht, um sich in dieser Zeit zurechtzufinden."

"Die finden sich inzwischen schon ganz gut zurecht", sagte er halbherzig.

Er hatte wirklich nicht an die Raumfahrer gedacht, aber Dabi machte ihm jetzt ein schlechtes Gewissen. Ihm fiel ein, wie Spock sich mit Billy dem Türknacker angelegt hatte, nur, damit er Dabi und ihn aus dem Labor holen konnte. Auch Dabi erinnerte sich daran und sagte:

"Sie werden alles in Bewegung setzen, um dich zu finden."

"Meinst du, sie nehmen einen Suchhubschrauber?" fragte er und wurde ein wenig munterer.

"Das sollte mich gar nicht wundern. Aber wie sollen sie dich finden? Sie wissen ja überhaupt nicht, wo sie dich suchen sollen."

Keiner von ihnen kam auch nur entfernt auf den Gedanken, dass im gleichen Augenblick jemand mit kraftvollen, sicheren Kraulzügen durch das Wasser pflügte, um an diesen Strand zu gelangen.

Dabi sagte zu, ihn von allen anderen fern zu halten. Morgen wollte sie ihn auf das U-Boot zurückschmuggeln, und dort sollte er sich verborgen halten. Der Präsident musste keine schlechte Laune haben, aber er könnte einen Anfall von übergroßer Wichtigkeit bekommen, und dann könnte es Hamstilidamst als gefasstem Spion wirklich schlecht ergehen.

"Mach mir wenigstens die Fesseln los", bat Hamstilidamst.

"Nein. Wir werden vom Sicherheitsteam beobachtet. – Du kannst hier nirgends hinflüchten. Außer den BANTACH-Leuten gibt es hier keine Hamster. Warte also besser, bis ich dich wieder aufs Schiff bringe. Bleib hier einfach sitzen."

Damit ging sie, und er sah, wie sie mit einem der Sicherheitsleute sprach. Gleich darauf verschwand sie irgendwohin. Hamstilidamst war es heiß, er hatte Hunger und Durst und fühlte sich schlecht behandelt. Nein, das stimmte nicht, er war Dabi schon dankbar, dass sie ihn hier raushaute, aber sie hätte ihn etwas gemütlicher raushauen können.

Viel Zeit verging nicht, bis einer der Sicherheitsleute auf ihn zukam. Er hatte einen langen, schrecklich gefährlich aussehenden Spieß in der Pfote. Hamstilidamst duckte sich ängstlich, und der Sicherheitsmann grinste hämisch.

"Persönlicher Gefangener des Präsidenten, was?" sagte er. "Der Präsident will dich in gutem Zustand haben, was? Da wird dir ja was bevorstehen."

Damit rammte er den gefährlichen Spieß in den Boden, zog an einer Schnur, und es öffnete sich ein Sonnenschirm. Hamstilidamst sagte gar nichts, aber er war froh, etwas Schatten zu bekommen. Noch besser wäre es, etwas zu essen zu haben.

"Ach so!" machte der Sicherheitshamster, ehe er wieder ging.

Dann nahm er eine Tasche von der Schulter, schüttete ein paar trockene Plätzchen in den Sand und gab ihnen kräftige Fußtritte, so dass sie nach allen Seiten flogen.

"Sieh zu, dass du in einem guten Zustand für den Präsidenten bleibst, Spion!"

Hamstilidamst sagte immer noch nichts, denn das war echt ein mieser Typ. Aber als der Typ weg war, schlich er im Sand herum, fasste mit den Zähnen das erste Plätzchen und trug es unter den Sonnenschirm. Dort nahm er zum Essen die Hinterpfoten zu Hilfe, denn die Vorderpfoten waren immer noch auf dem Rücken gefesselt, und das war sehr unbequem.

Die Hitze war kaum auszuhalten. Alle Kekse lagen außerhalb des Schattens, jeden einzelnen musste er mühsam holen. Irgendwann war Hamstilidamst einigermaßen satt, schmiedete Fluchtpläne und schlief darüber ein.

Als er wieder aufwachte, war einiges los. Da hinten, wo die Sicherheitszone anfing, war eine Menge Hamster emsig beschäftigt, aber Hamstilidamst hätte beim besten Willen nicht sagen können, was sie machten. Einige rutschten auf dem Bauch und hatten die Nase fast im Sand. Andere schoben komische Geräte vor sich her, wieder andere liefen herum und machten sich Notizen. Weder von Balthasar noch von Dabi war das Geringste zu sehen.

Es war später Nachmittag, leichter Wind war aufgekommen. Von irgendwoher flatterte Hamstilidamst ein Zettel vor die Füße. Darauf stand:

UT5

1.06 H3J

POTO

Das studierte er lange, konnte aber überhaupt nichts damit anfangen. Grübelnd blickte er auf das Meer. Da hinten war der Kopf eines Seehundes zu sehen – allerdings machte der Seehund ziemlich komische Schwimmbewegungen. Aber Hamstilidamst war nicht so sicher, was er eigentlich über Seehunde wusste.

Weit draußen auf dem Wasser kam ein Boot herangerauscht, ein weißes Rennboot, das sich gerade in eine tolle lange Kurve legte. Sah richtig gut aus! – Plötzlich ertönte schrill eine Trillerpfeife. Hamstilidamst drehte sich um und sah, dass sämtliche Hamster vom Strand landeinwärts rannten. Nach wenigen Augenblicken waren sie verschwunden, und er saß allein hier draußen. Immer noch war er gefesselt. Er würde verhungern, verdursten, erfrieren. Wahrscheinlich würde er die Pest bekommen. Seine Nase fing schon an zu jucken!

Er war schrecklich allein und bekam sofort wieder Heimweh. Wie schön wäre es jetzt, Trampel zu sehen, dem wieder mal irgendwas schiefging. Oder Murksel, der vielleicht nicht immer ganz so genial war, wie er selbst dachte. Oder…

"Hamstilidamst! Hamstilida-a-a-amst!"

"Eh?" machte er.

Dann wollte er aufspringen, aber inzwischen hatte er solch einen Krampf in den Pfoten, dass er einfach wieder umkippte!

"Hamstilidamst! Hamstilidamst!"

Die Stimme kam immer näher. Er rappelte sich auf. Dann glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen. Klatschnass, vollkommen erschöpft, taumelte Kirk am Strand entlang. Bei allen… Dann war Kirk der Seehund gewesen, den er gesehen hatte! Er war hergeschwommen, er suchte ihn, er hatte sich in Lebensgefahr begeben, um ihn zu retten.

"Hamstilidamst!"

"Hie-hier! Huhu-u-u! Kirk! Ji-i-iim!"

"O Mann!" ächzte Kirk.

Dann war er bei Hamstilidamst angekommen, ließ sich in den Sand fallen und keuchte.

"Kannst du mir mal die Fesseln abmachen?"

"Die – was?"

"Die Fesseln", wiederholte Hamstilidamst und drehte sich um.

"Ach, du je", sagte der Captain und guckte sich die winzigen, dünnen Schnüre an.

Er hatte keine Ahnung, wie der das öffnen sollte, aber befreit werden musste der Hamster. Also nahm er ihn hoch und fing ganz vorsichtig an, die Schnur durchzubeißen. Hamstilidamst hielt erfreulich still, und als er endlich die Vorderpfoten wieder bewegen konnte, streichelte er ganz schnell zweimal über Kirks Hand. Der Captain hob ihn auf Augenhöhe und grinste müde.

"Und was hast du dir dabei gedacht, mein Kleiner?"

"Dass ich vielleicht einen Helden aus dir mache?" schlug Hamstilidamst vor.

Da ließ der Captain sich in den Sand fallen und lachte. Unterwegs hatte er sich eine lange Strafpredigt für Hamstilidamst zurechtgelegt, aber er schaffte es einfach nicht, ihm die jetzt zu halten. Kirk wusste im Moment nur, dass er seinen Hamster zurück hatte und dass er wohl die Nacht hier am Strand verbringen musste. Den Weg zurück zu schwimmen, das würde er nicht schaffen.

Also gäbe es viel Zeit, um Hamstilidamsts Geschichte anzuhören. Der Hamster ging so weit, dem Captain den letzten sandigen Keks anzubieten, den er noch hatte. Kirk wusste, was das für eine Geste war. Und eigentlich war er so müde, dass er am liebsten gleich eingeschlafen wäre, ohne die Geschichte zu hören.

"Du, guck mal. Die kommen hierher!"

Halb unbewusst hatte der Captain die ganze Zeit ein Motorengeräusch gehört. Als Hamstilidamst ihn jetzt am nassen Shirt zupfte, drehte er sich um. Ein Boot hielt auf den Strand zu, genau auf diese Stelle. Der Captain hatte keine Ahnung, was für ein Boot das war, aber er fand er ungeheuer schnittig.

Und dann blinzelte er in die Abenddämmerung hinein. In dem Boot stand ein Mann am Steuer, neben ihm ein Junge, der wie verrückt winkte.

"Allan!" stieß er hevor.

"Wer ist Allan?" fragte Hamstilidamst.

"Ein Junge, den ich drüben auf Berneray getroffen habe. – Hamstilidamst, weißt du, ob das ein Rennboot ist?"

"Es sieht absolut so aus."

"Finde ich auch", nickte Kirk und erhob sich. "Ich schätze, unsere Rückreise ist gesichert."

"Dabi wollte mich wieder in das U-Boot schmuggeln. – Morgen."

"Nun hör mal! – Also, ist es das, was du willst?!"

"Nö, Rennboot ist viel besser. Aber ich möchte Dabi gern sagen, dass ich mit dir weg bin."

"Willst du noch schnell zu ihr? Ich kann die beiden bestimmt aufhalten."

"Ne-e-e-i-i-in!" fiepte Hamstilidamst entsetzt. "Wenn ich in die Sicherheitszone eindringe, schlägt mich wieder der Gorilla nieder."

"Hä?" machte der Captain.

"Hast du was zu schreiben?"

"Zu schreiben?!"

"Ja, zu schreiben", knirschte Hamstilidamst, denn dies dauernde Nachfragen ging ihm auf den Geist.

"Du kannst schreiben?!"

"Ja. – Du nicht?"

"Ich?! – Quatsch, klar kann ich schreiben. Hier am Tricorder ist ein Stift, aber…"

"Ich hab einen Zettel."

Den hatte er tatsächlich, und ein paar sonderbare Zeichen standen darauf. Der Stift war für Hamstilidamst viel zu lang. Das Rennboot lief fast schon auf den Strand auf. Wenn es nach Kirk ging, sollte Hamstilidamst in der nächsten Minute wieder ein normaler Hamster sein, der nicht lesen und nicht schreiben konnte und nicht mit U-Booten fuhr.

Plötzlich ein schriller Pfiff. Ihre Köpfe fuhren hoch. Innerhalb der Sicherheitszone, ein gutes Stück entfernt, konnten sie Dabi erkennen. Sie winkte mit beiden Pfoten und rief:

"Alles Gute!!"

Beide winkten zurück, und Dabi verschwand eilig im Dämmerlicht. Kirk nahm den Stift selbst und schrieb in seiner kleinsten Schrift "DANKE!" auf den Zettel. Dann beschwerte er das Papier mit einem flachen Kiesel, setzte sich Hamstilidamst auf die Schulter und ging dem Boot entgegen.

Captain Kirk hatte in seinem Leben immer wichtigere Dinge zu tun gehabt als sich um Mode zu kümmern, so dass er davon überhaupt nichts verstand. Aber wenn er das richtig sah, war der Mann, der ihm jetzt entgegenkam, teuer angezogen. Er war ungefähr in Kirks Alter, schlank, sportlich, braungebrannt. Er sah – teuer aus. Er sah aus als würde ihm ein Rennboot gehören.

"Tatsächlich!" sagte er zur Begrüßung. "Ich dachte, es ist eine von Allans Geschichten."

"Und? Hab ich gelogen? Er ist hergeschwommen, um seinen Hamster zu retten. Guck mal!"

"Ich sehe es ja, Allan. – Brauchen Sie eine Rückreisemöglichkeit?"

"Ich wäre Ihnen tatsächlich sehr dankbar. Allan hatte gleich die Idee, dass ich nicht gut mit dem Hamster schwimmen kann. – James T. Kirk", stellte er sich vor.

"Miles Twix", erwiderte der Mann und musterte Kirk durchdringend.

Da der Captain keine Ahnung hatte, dass in dieser Zeit eine Sorte Schokoriegel so hieß, schüttelte er Mr. Twix nur die Hand und schenkte sich den blöden Spruch, den der arme Kerl sich sonst jedes Mal anhören musste.

"Vielleicht möchten Sie auch etwas Trockenes anziehen?" sagte Mr. Twix, denn der Captain fing in seinen nassen Sachen langsam an zu zittern.

"Also, ich wäre sehr dankbar, aber wie habe ich mir das eigentlich verdient?"

"Ey, du bist ein Held!" posaunte Allan.

"Langsam kriege ich selbst das Gefühl", grinste der Captain.

Mr. Twix lachte, dann ging er voraus ins Flachwasser, wo das Rennboot lag.

Eingehüllt in einen dicken Bademantel, saß Kirk bald danach im Boot, wärmte sich die Hände an einem Becher Kaffee und sah zu, wie Hamstilidamst Butterkekse in sich hineinstopfte. Das Boot war eher in gemütlichem Tempo unterwegs, und als sie im offenen Wasser waren, schaltete Twix den Motor aus und setzte sich zu Kirk.

"Allan hat erzählt, Sie sind per Anhalter nach Berneray gekommen. Wohin müssten Sie zurück?"

"Nach Fort William."

"Ist es okay, wenn ich Sie da morgen absetze?"

"Hören Sie, ich wäre Ihnen schon dankbar, wenn Sie mich in Berneray absetzen."

"Oh, ich habe nichts gegen etwas mehr von Ihrer Dankbarkeit, Jim. Wir haben nur das Wochenende hier verbracht. Auf Berneray nehmen wir jetzt meine Frau und meine Schwester auf und fahren rüber nach Borreraig. Da wohne ich. Übernachten Sie einfach bei uns."

"Und kann ich nachts den Hamster zu mir ins Zimmer nehmen?" meldete sich Allan.

"Na, Hamstilidamst, was meinst du?" fragte Kirk in scherzhaftem Ton und nahm den Hamster auf. "Sollen wir die Einladung annehmen, und willst du in Allans Zimmer schlafen?"

"Wenn er nicht im Bett mit mir kuscheln will, ist das okay", fiepte Hamstilidamst.

"Das klingt ja, als würde er Ihnen antworten", lachte Mr. Twix.

"Ja, aber – das tut er doch", sagte Allan erstaunt. "Ich verstehe es nicht. Es kling komisch. Aber er antwortet."

"Allan, jetzt geht deine Phantasie aber mit dir durch. Du kannst ihn zu dir nehmen, aber nerv ihn nicht."

"Oh, ich glaube…"

Der Captain setzte den Satz nicht fort, aber er fürchtete, dass eher der Hamster den Jungen nerven würde als umgekehrt.

Wenig später legten sie bei Berneray an. Mrs. Twix, eine ungeheuer schicke Frau, kam an Bord. Hinter ihr stieg Mrs. Stately ein, die Mutter von Allan. Beide Damen waren voller Bewunderung für den Helden James Kirk, der von Berneray nach Pabbay geschwommen war, um einen Hamster zu retten.

Sämtlichen Männern gingen die zwitschernden Lobgesänge ziemlich auf den Geist. Also machte Mr. Twix Tempo, so dass das Dröhnen des Motors jedes verständliche Gespräch verhinderte. Von den albernen Frauen mal abgesehen, fand Captain Kirk diese Überfahrt einen tollen Spaß. Er fing an, sich in dieser Zeit ausgesprochen wohl zu fühlen.

"Ji-i-ip!" machte Hamstilidamst, als das Boot nach geraumer Zeit langsamer wurde, und der Captain hätte beinahe einen ähnlichen Ton von sich gegeben.

Sie fuhren in einen Privathafen ein. Von dem Hafen ging es über einen Strandstreifen und mehrere Terrassen zu einem Schloss. Hamstilidamst kannte das Schloss von Lord McShredder, aber irgendwie war das eine völlig andere Sorte von Schloss gewesen. Wenn man McShredders Schloss in die Luft jagte, hatte man nicht das Gefühl, großen Schaden anzurichten. Dieses hier war ganz anders.

"Willkommen auf Slaint", grinste der Gastgeber, und Kirk war verlegen und verwirrt.

"Entschuldigung… Sie sind nicht einfach Mr. Twix, oder?"

"Nein, ich bin der Count of Twix and Dunvengan, aber ich finde es etwas umständlich, mich jedes Mal so vorzustellen. Außerdem macht es mir Spaß, den Hochnäsigen zu spielen, wenn die Leute auf den Namen Twix reagieren."

"Oh", machte der Captain unverbindlich.

Viel mehr sagte er nicht, denn jetzt betraten sie das Haus, und der Captain kam sich in seinem Bademantel wie ein Vollidiot vor. Hier wohnte jemand, der richtig Geld hatte.



[1] 9.000 Grad Kelvin = 9.273 Grad Celsius

 

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