Kapitel 14

Der Knochenzermalmer und andere Begegnungen

 

Weder Hamstilidamst noch die Offiziere ahnten, was den Hamstern auf der Enterprise gerade ganz Unglaubliches passierte. In Ballachulish gab es vollkommen andere Gesprächsthemen. Der Vulkanier wusste, dass die Lösung, die Prof. McBastle anstrebte, unmöglich war. Aber was Fergus sich überlegt hatte, die Art und Weise, wie er seine Versuche durchführte, das war wirklich interessant. Jemandem aus dem 23. Jahrhundert musste es vollkommen primitiv vorkommen, aber das war eigentlich egal, denn die Grundidee war genial.

Auch der Chefingenieur der Enterprise war begeistert. Für Scotty war der Maschinenraum der Enterprise seine gute Stube, die Maschinen waren seine Babys, und in der ganzen Sternenflotte gab es kaum jemanden außer ihm, der die Warp-Mischkammer ohne Hilfe eines Rechners einstellen konnte. Was Fergus da machte, beeindruckte ihn schwer.

Captain Kirk hatte vor allem den Auftrag im Kopf, den er hier zu erledigen hatte. In Physik hatte er nur die Grundkenntnisse seiner Zeit und konnte gar nicht so begeistert sein wie Scott oder Spock – falls man bei dem von Begeisterung reden konnte. Aber auch Kirk wusste, dass Fergus auf diese Weise noch arbeiten könnte, bis er 120 Jahre alt war, ohne dass ihm ein Durchbruch gelingen würde.

"Ach ja, das war doch mal was", sagte Dr. McCoy, der sich als Arzt bei der ganzen Sache noch am wenigsten zu Hause gefühlt hatte.

Sie hatten sich von McBastle verabschiedet und ihn unglücklich, aber nicht hoffnungslos zurückgelassen. Nun wanderten sie durch die kühle Nachtluft zum Hotel. Er ging neben Kirk, hinter ihnen diskutierten Spock und Scott über das, was sie gerade erlebt hatten.

"Ich schätze", sagte Kirk und wandte sich um, "dass wir alle geglaubt haben, Fergus ist nicht ganz dicht mit seinen Schieferplatten."

"Ay, und dabei waren es die Schieferplatten, die nicht ganz dicht waren. – Ehrlich, ich dachte, der ist völlig durchgeknallt, als er damit rüberkam, dass nur ein Physiker aus Ballachulish das verstehen kann."

"Zefram Cochrane hatte völlig andere technische Voraussetzungen", sagte Lt. Spock und bezog sich auf den offiziellen Begründer der Warp-Technik. "Sie waren ganz wesentlich besser als in dieser Zeit."

"Spock, Sie stellen das Offensichtliche fest", sagte McCoy über die Schulter.

"Ganz recht, Doktor, Sie haben mich ja auch, wie üblich, unterbrochen. Ich setze fort, wenn Sie gestatten. Hätte Fergus McBastle in der Zeit von Zefram Cochrane gelebt und die gleichen technischen Möglichkeiten gehabt, er hätte aus der Idee heraus, die er uns hier vorführte, schneller und wissenschaftlich exakter ans Ziel kommen können als Zefram Cochrane."

"Ähm, ist der Satz jetzt fertig?"

"Ja, Doktor, jetzt ist der Satz fertig."

"Es war ein schöner Satz."

"Und da ist das Hotel", sagte Lt. Scott. "Sparsame Nachtbeleuchtung."

"Wir sind ja auch in Schottland", grinste Kirk.

"Also, Sir, das habe ich jetzt nicht gehört. – Ay, ich freu mich auf mein Bett. Wie haben sich wohl unsere kleinen Fresssäcke die Zeit vertrieben?"

Was danach gesprochen wurde, hörte Spock nicht mehr bewusst. Er hatte die Hamster im Labor vergessen! Es war ihm noch nie passiert, dass er etwas vergessen hatte – Vulkanier vergaßen nichts. Dass die Versuche im Labor ihn schließlich doch vollkommen fasziniert hatten, war überhaupt keine Entschuldigung. Am schlimmsten war es, dass er sie heimlich mitgenommen hatte, seine Kollegen davon nichts wussten und auch nichts wissen sollten. Wenn der Captain schlief, musste er unbedingt wieder zurück und die Hamster holen. Aber wie sollte man zwei Hamster befreien, die hinter zwei Türen mit zwölf Schlössern saßen?! Der Vulkanier schritt stumm und ratlos neben Kirk her. Und mit einem Schlag kam ihm etwas noch viel Schrecklicheres zu Bewusstsein: In dem Labor gab es nichts zu essen. Spock war besorgt, sehr besorgt. Und dann war er auch noch besorgt über sich selbst, weil Vulkanier so etwas wie Besorgnis einfach nicht empfanden.

Erst vergaß er als Vulkanier etwas, dann empfand er ein Gefühl… Spock war kurz davor, sich von Dr. McCoy untersuchen zu lassen. Sein ganzes Verhalten ließ darauf schließen, dass er krank war.

In den Hotelzimmern angekommen, machten die Offiziere sich schnell fertig, krochen in die Betten und waren froh, den Tag hinter sich zu haben. Da McCoy und Scott die Hamster bei sich nicht entdecken konnten, nahmen sie an, die beiden kleinen Fresser hätten sich auf eine Tour durch die Hotelküche begeben. Der Captain nahm gar nichts an, sondern fing nach kürzester Zeit an zu schnarchen.

Leise stand Spock wieder auf, zog sich im Dunkeln an, steckte seinen Tricorder ein und schlich aus dem Zimmer. Auf dem Weg überlegte er, wie er in das Labor eindringen konnte. Wäre der Raum, in dem Hamstilidamst und Dabi sich aufhielten, nicht ein unterirdischer alter Bunker gewesen, hätte es wahrscheinlich einige Möglichkeiten gegeben, aber so…

Im Labor spielten sich inzwischen schreckliche Szenen ab. Hamstilidamst, der während dieser Reise schon viel Mut gezeigt hatte, bekam die totale Panik. Es war stockfinster, nicht einmal ein Nachttier wie er konnte sich an irgendwas orientieren. Dabi hatte noch immer den Starrkrampf, und er fühlte sich wahnsinnig allein.

"Ich will hier raus!" schrie er kläglich. "Wir verhu-u-u-ungern! Eflih! Eflih! Tetter snu! A-a-a-a-ah!"

Damit stürzte er vom Schrank in die dunkle Tiefe. Dort unten irrte er umher, rammte sich den Kopf an einem Tischbein, taumelte zurück, verhedderte sich in einigen dünnen Kabeln und brüllte:

"Dabi! Da-a-abi-i-i-i!"

"Scht!"

Ein scharfer, kurzer Laut, aber er kam aus der Richtung, in der die Hamsterin immer noch mit Starrkrampf hocken musste. Irgendwie kriegte Hamstilidamst außer der Angst jetzt auch die Wut. Er eierte sich hier einen ab, tat alles, um sie beide zu retten, und sie saß da und machte "Scht!"

"He-e-e!" kreischte er. "Mach auch mal was, du dumme Trine. Dunkel, kein Essen, keiner da. Und was machst du?"

Wütend riss er an dem Kabelsalat, in dem er festhing. Irgendwas löste sich da, und endlich kam er wieder frei. Gleich darauf geschah etwas sehr Merkwürdiges. Über ihm wurde es hell, Blitze zuckten, ein Feuerwerk schien loszugehen.

Hamstilidamst wusste es nicht, aber als er das dünne Kabel herausgerissen hatte, war die Versiegelung zwischen den Versuchskammern geöffnet worden. Ganz langsam strömte Sauerstoff hinein. Die Positronen, die noch von McBastles Versuch in dem Gehäuse mit den Schieferplatten durch das Vakuum gedümpelt waren, trafen jetzt auf den Sauerstoff und entluden sich in einem Blitzlichtgewitter.

Immerhin konnte er jetzt wieder etwas sehen und sah, dass dort oben Dabi die Nasenspitze über das Schrankdach reckte, ein paar Mal hin- und herwackelte und dann zum ihm hinuntersprang.

"Ich habe die Lösung!" sagte sie triumphierend.

Dann flog die ganze Versuchsanlage in die Luft, die Druckwelle schleuderte die beiden Hamster gegen eine Wand, und beide blieben bewusstlos liegen. In seinem letzten klaren Moment dachte Hamstilidamst noch: ‚Er macht wirklich Erdbeben!’ Dann wurde es in seinem Kopf dunkel.

Da die Explosion auch im Wohnhaus des Professors zu hören gewesen war, dauerte es nicht lange, bis Fergus auftauchte, die Tür mit den zehn Schlössern und die Tür mit den zwei Schlössern aufsperrte und vor einem Bild der Verwüstung stand. Das war ihm mehr als einmal passiert, aber sonst hatte er wenigstens immer gewusst, woran es gelegen hatte.

Kläglich schlich er um den Trümmerhaufen herum und schluchzte:

"Analyse… Analyse… Oh! Oh! Ich darf doch nicht aufgeben. Aber wenn meine Kollegen Recht haben? Nein, sie dürfen nicht Recht haben, ich will das nicht. Analyse: Ich fange morgen von vorne an."

Mit schleppenden Schritten verließ er das Labor wieder, schloss sorgfältig alles hinter sich ab und stapfte gerade die Treppe hinauf, als Hamstilidamst und Dabi wieder zu sich kamen. Beide fühlten sich völlig durcheinander, wussten nicht genau, wo sie waren oder was passiert war. Sie wussten nur, es war dunkel, und sie hatten Hunger.

Als sie sich vorsichtig aus der Ecke heraustrauten, in die sie geschleudert worden waren, traten sie in Glassplitter.

"Au!" machte Dabi und

"Aua!" machte Hamstilidamst.

"Oh, ist da noch jemand?" fragte Dabi ins Dunkel hinein. "Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle: Mein Name ist Dabi."

"Sehr angenehm", erwiderte er gepflegt. "Ich heiße Hamstilidamst. Wo mögen wir hier sein?"

"An einem dunklen, schmerzhaften Ort, das steht außer Frage."

"Gewiss, meine Dame, da haben Sie sicherlich Recht. – Ich verspüre ein Gefühl von Appetit."

"Mir geht es nicht anders, werter Herr. Auch überkommt mich eine Müdigkeit."

"Auch mir ergeht es so", erwiderte Hamstilidamst. "Der Ort, an dem wir eben noch waren, scheint frei von schmerzhaften Materialien zu sein."

"In der Tat, wir sollten ihn wieder aufsuchen."

Aber anstatt den Ort aufzusuchen, tasteten sie sich in eine andere Richtung vor und stießen heftig an etwas an. Über ihnen knirschte es eigenartig, dann bekamen sie eine Schieferplatte auf die Köpfe. Weil es eine sehr dünne Schieferplatte war, zersprang sie in tausend Stücke, aber die beiden Hamster bekamen doch tüchtige Beulen.

Verwirrt schwiegen die Hamster, betasteten die Hörner, die ihnen da wuchsen, dann kam ein sehr dünnes:

"Hamstilidamst?"

"Öh?" macht er. "Was ’n los?"

"Ich glaube, was wir hatten, nennt man einen Blackout."

"Und was hilft es, wenn ich das jetzt weiß? Mir tut alles weh, hier ist alles voll Scherben, und ich habe Hunger."

"Und es ist dunkel. Wenn wir wenigstens irgendwo Licht finden würden."

"Ey, kannst du zaubern?!" stieß Hamstilidamst hervor, denn kaum hatte sie das gesagt, ging ganz hinten in einer Ecke eine funzelige Glühlampe an.

Für die Hamster reichte das vollkommen, um sich orientieren zu können.

"Sieh dir das hier an!" sagte Hamstilidamst beeindruckt. "Wer hat das denn geschafft?"

"Du", sagte Dabi.

"Echt wahr? – Aber klar, als wir alle zusammen waren, haben wir ganze Schlösser in die Luft gesprengt."

"Sicher", gab sie spitz zurück. "Dann solltest du allein ja das bisschen Labor schaffen. Was beleuchtet dieses Licht da?"

"Keine Ahnung, aber es wäre nicht schlecht, wenn es ein Ausgang wäre."

"Aber ein zweiter Ausgang aus diesem Labor, das wäre ein Verrat aller Geheimnisse!" sagte Dabi empört.

"Ich sag dir mal was: Mir sind die Geheimnisse piepegal. Ich will hier raus und was zu essen haben. Und darum sehen wir uns das mal an. Und latsch nicht in die Scherben!"

"O bitte!" fiepte sie zickig, trippelte aber sehr vorsichtig hinter ihm her.

Das unterirdische Gebäude, also der Bunker, erstreckte sich deutlich über die Grundstücksgrenzen von Prof. McBastle hinaus. Lt. Spock erkannte das auf seinem Tricorder. Da drüben war ein Parkplatz, dahinter begannen schon die Berge. Der Vulkanier ging über den Parkplatz auf die Hügel zu, Blick immer auf der Messdatenanzeige, aber plötzlich hob er den Kopf.

Im Hang gab es ein kleines Gebäude. Er erinnerte sich, dass es ihm schon am Vormittag aufgefallen war. Grau, turmähnlich rund und hässlich stand es da und verschandelte die Landschaft. Wenn es nicht so hässlich gewesen wäre, hätte er es wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Aber jetzt erkannte er an seinen Messungen, dass es sich tief unter der Erde fortsetzte und mit dem unterirdischen Bunker verbunden war.

Hier war also der Zugang von oben, den er sich wünschte. Nun brauchte er nur noch eine Tür. In dem Moment, als er das dachte, spürte er unter seinen Füßen eine leichte Erschütterung, und seine feinen vulkanischen Ohren hörten einen kurzen dumpfen Knall. Ein Blick auf den Tricorder: Es war eine Explosion gewesen, und sie kam genau aus der Richtung, in der unterirdisch das Labor lag.

Das machte Spock Beine. Aber er lief trotzdem nicht zum Haus des Professors, denn dem konnte er unmöglich erzählen, dass er ein paar Hamster retten wollte. Also spurtete er auf den Hang zu, fand einen Trampelpfad, stolperte einige Male, dann hatte er das Gebäude erreicht. Es hatte nicht nur eine bequeme Tür, sie ließ sich auch ohne Mühe öffnen.

Also riss er sie auf – und hatte eine Faust mitten im Gesicht. Nun haute einen Vulkanier so schnell nichts um, aber er war doch ein wenig überrascht, dass hier jemand wohnte und ihm solch einen Empfang bereitete. Der Jemand war ein kräftiger Kerl mit langen, fettigen Haaren und eingebeulter Nase. Jetzt packte er Spock und sagte drohend:

"Was suchst du hier, du Nichts vor meinen Fäusten, he? Ich bin Türknacker-Billy, und du kommst mir besser nicht in die Quere, ist das klar?"

"Ich brauche Zugang zum Bunker", fing Spock an, dann musste er sich anderweitig beschäftigen.

Die große Faust kam wieder auf ihn zu, und das verstimmte Spock. Vulkanier hielten überhaupt nichts von Gewalt, aber wenn es sein musste, waren sie viel stärker als jeder Mensch. Natürlich ließ Spock sich nicht auf eine gewöhnliche Prügelei ein, aber er fing die große Faust mit der offenen Hand ab, legte die Finger darum und drückte zu.

Türknacker-Billy, der sich immer auf seine harten Fäuste verlassen konnte, machte große Augen. Dieser lange, dünne Kerl hatte Finger wie Stahlklammern. Das tat weh, richtig weh, und jetzt drückte ihn dieser…

"Ao-o-o-o!" machte Billy und ging in die Knie.

"Ich könnte Ihre Faust in Mus verwandeln", erklärte Spock höflich. "Möchten Sie das?"

"Na-a-a-ain!"

"Ausgezeichnet. Fangen wir noch einmal an. Ich benötige Zugang zum Bunker. Haben Sie den?"

"Was willst du da?"

"Ich sehe nicht, dass Sie das interessieren müsste. Gibt es einen Durchgang zu dem Teil des Bunkers, der drüben unter dem Haus liegt?"

"Logo. Ist ein dämliches Labor oder so. Verdammt langweilig."

"Sie können dort hinein?"

"Ich bin Türknacker-Billy. Für mich gibt’s keine zunen Türen."

"Zunen Türen", wiederhole Spock. "Ah! Geschlossen. Das ist sehr gut, dann führen Sie mich dort hin, und öffnen Sie mir die Tür, die ins Labor führt."

"Ey, Pappnase, was glaubst du, wer du bist…"

Spock stellte sich dicht vor Türknacker-Billy, machte die Lippen schmal und sagte mit leiser, gefährlicher Stimme:

"Ich bin Walt der Knochenzermalmer, und ich bin es nicht gewohnt, dass man mir widerspricht."

"Okay", sagte Billy bibbernd. "Okay, okay, okay. Komm einfach mit. Ich gehe zuerst, ja?”

"Da können Sie sicher sein, dass Sie zuerst gehen. Und hören Sie auf, mich zu duzen. Ich mag das nicht."

"Okay, okay. Entschuldigung. Da unten ist es etwas unordentlich. Entschuldigung."

"Ihre Ordnungsliebe interessiert mich nicht!" fauchte Spock.

Er stapfte hinter Billy her eine Treppe hinunter, auf der Abfälle malerisch verteilt waren. – Es hatte in seinem Leben als Erster Offizier neben Captain Kirk mehr als eine Gelegenheit gegeben, in der er sich auf eine Situation hatte einstellen müssen, die ganz und gar unvulkanisch war. Kirk war in solchen Spielen ein Meister. Spock erinnerte sich auch jetzt an jenen Gangsterplaneten, auf dem der Captain sich erstaunlich gut angepasst hatte.

Unten angekommen, ging Billy rasch durch einen schmutzigen Flur, stieß eine quietschende Tür in einen Raum auf und wollte ihn hastig durchqueren.

"Licht!" knurrte Spock.

"Jaja. – Haha, mein Hausrat. Man muss leben, haha!"

Billy starrte ihn angstvoll an, und Spock kniff sicherheitshalber gefährlich die Augen zusammen. Ganz klar war Billy ein Einbrecher, und in diesem Raum lagerte seine Beute. Eigentlich müsste man zur Polizei gehen, aber die Situation der Enterprise-Offiziere war nicht gerade so, dass sie hier irgendwie auffallen sollten.

Der Einbrecher war vorausgegangen, aber immer mit dem Kinn auf der Schulter, um den Typen nicht aus den Augen zu verlieren. Jetzt war der Knochenzermalmer abgelenkt durch den Blick auf das Diebesgut. Jetzt konnte er rasch das Springmesser ziehen, das in einem speziellen Fach der Innenseite seiner Jacke steckte. Billy wusste nicht, was der Kerl hier wollte, aber jedenfalls würde er es nicht zulassen, weil das hier sein geheimes Wohnrevier war. Hier unten würde keiner…

"Hch-ch-ch-ch!" machte er und konnte nicht mehr weiterdenken.

Seine Messerhand war in den Fingerschraubstock gekommen, das Messer klirrte zu Boden. Da der Vulkanier jetzt wirklich etwas ungehalten war über solch ein Benehmen, drückte er zu, bis er spürte, dass einer der Mittelhandknochen leicht knackte.

"Hören Sie zu", sagte Spock. "Ich will in das Labor und sonst nichts. Es ist mir gleichgültig, was Sie tun, wenn Sie hier sind, und was Sie tun, wenn Sie nicht hier sind. Was Sie mir tun, ist mir dagegen nicht gleichgültig – Ihnen ebenfalls nicht, nehme ich an."

Billys Gesicht war schweißüberströmt. Er wusste genau, der Knochenzermalmer hätte noch härter zudrücken können. Der war ihm eine Nummer zu groß, mindestens eine. Fast torkelnd verließ er den Raum durch eine zweite Tür, drehte einen Lichtschalter, und eine trübe Glühlampe in einer uralten Keramikfassung beleuchtete schwach einen langen Gang.

Mit der Drehung an dem alten Lichtschalter war nicht nur hier eine Lampe angegangen, sondern auch über der Tür des nächsten Raumes. Das wusste Spock noch nicht, aber als die beiden durch den langen Flur gegangen waren und vor der Tür standen, sah er, dass sie keine Klinke hatte.

"Was soll der Unsinn?!" fragte er mit harter Stimme, und Billy fletschte die Zähne zu einem ängstlichen Grinsen.

"Kein Problem, ich mache das auf. Ich mache das, kein Problem."

"Hm", machte Spock und ruckte auffordernd mit dem Kopf.

Billy holte ein Bund mit Dietrichen aus der Tasche. Er musste nicht suchen, er wusste genau, welcher in dieses Schloss passte. Billy wusste auch, dass man die Tür feststellen musste, wenn man durch war. Auf der anderen Seite gab es ebenfalls keine Klinke, und da war auch noch das Schloss überklebt. Und das war seine Chance, diesen Brutalo loszuwerden. Wenn er ihm einfach den Vortritt in das Labor gab, konnte er ganz schnell die Tür zuziehen, dann war der drüben eingesperrt. Genau das würde er machen!

"Nix", sagte auf der anderen Seite Hamstilidamst. "Sieht aus wie eine Tür, ist aber keine."

"Ist sie aus Holz?" fragte Dabi.

"Durchnagen?" fragte er zurück und legte eine Pfote dagegen. "Nee, ist aus Metall. Was… Hörst du das?"

"Ja", kiekste Dabi. "Da ist einer auf der anderen Seite. Wir rufen."

"Ollah! Ollah! Eflih! Eflih!" schrie Hamstilidamst aus voller Kehle, und Dabi stimmte kreischend ein.

Dann – o Wunder! – wurde die Tür langsam aufgeschoben, eine Stimme sagte:

"Da ist es. Gehen Sie rein."

"Spock! Spo-o-o-ock!" schrie Dabi in den höchsten Hamstertönen, und er kniete rasch nieder.

In der nächsten Sekunde fiel der zweite Mann mit großem Schwung über den Vulkanier. Billy hatte Spock einen kräftigen Schubs geben wollen, legte all seine Kraft hinein – und stieß ins Leere, weil Spock sich in dem Moment zu den beiden Hamstern bückte.

Es gab ein Gewurstel zwischen den beiden Männern. Hamstilidamst begriff blitzschnell, dass der Fremde Spock angreifen wollte. Also sprang er auf den Kopf des Fremden und schlug seine Zähne in dessen Ohr. Dabi folgte sofort, um nach Leibeskräften an den Haaren dieses Menschen zu zerren.

Spock hatte sich unter Türknacker-Billy weggerollt, drehte sich um und sah, was geschah. Kopfschüttelnd streckte er die Hand aus, setzte den vulkanischen Lähmungsgriff ein, und Billy sackte zusammen.

"Es – ist – gut", sagte Spock mühsam.

Irgendwo in der Umgebung seines Magens spannte etwas ganz merkwürdig. Es war ein unglaubliches Bild: der hingestreckte Billy mit zwei Hamstern auf dem Kopf, die ihn wütend beharkten. Die Verspannung in seiner Magengegend begann zu zucken. Dann geschah etwas, was ihm in seinem ganzen Leben noch nicht passiert war, wenn er gesund und bei klarem Verstand war: Er lachte aus vollem Halse.

Sehr schnell wurde ihm bewusst, dass sich so etwas für einen Vulkanier nicht gehörte, und er konnte es auch bald wieder unterdrücken. Die Hamster aber saßen auf Billys Kopf, betrachteten ihn, und dann sagte Hamstilidamst vorwurfsvoll:

"Du hast uns hier vergessen!"

"Ich kann mich nicht genug entschuldigen", gab der Vulkanier zurück.

"Du hast uns in einem Raum ohne Nahrungsmittel vergessen!" Das klang noch vorwurfsvoller.

"Er hat uns unter persönlichem Einsatz von seinem ganzen Leben aber auch wieder gerettet", gab Dabi zu bedenken.

"Wir haben inzwischen das Labor in die Luft gesprengt."

"Ich habe es befürchtet", sagte Spock. "Auf dem Weg hierher habe ich die Erschütterung gespürt. Kommt, ich nehme euch hoch. Ich möchte mir das Labor ansehen."

"Kannst du nicht. Das ist für dich zu duster. Mit so wenig Licht sehen nur wir Nachttiere was."

"Du irrst dich, Hamstilidamst, auch Vulkanier haben Nachtaugen. Also sehen wir uns an, was ihr angerichtet habt."

Was sie angerichtet hatten, war tatsächlich sehr gründlich. Vielleicht hörte Fergus McBastle danach mit seinen Versuchen auf, aber das glaubte Spock nicht wirklich. Plötzlich kam ihm eine Idee.

"Hört zu", sagte er. "Das da ist ein Einbrecher. Er hat seine Beute dort weiter hinten in einem Raum. Ich möchte einen Teil davon herbringen."

"Warum?" fragte Dabi, und Hamstilidamst wollte wissen:

"Ist auch was zu essen dabei?"

"Da bin ich ganz sicher. – Dabi, dieser Mann sollte der Polizei gemeldet werden. Wir aus der Zukunft sollten das aber besser nicht tun. Wenn McBastle ihn und seine Beute hier findet, dann kann er das tun. Außerdem…"

"Kannst du das vielleicht auf dem Weg zum Essen erklären?" unterbrach Hamstilidamst ungeduldig. "Wir sind ja schon fast verhungert."

Dabi nickte heftig, und Spock ließ das mit der weiteren Erklärung. Er war nicht einmal sicher, ob der Professor die Polizei in sein geheimes Labor bringen würde. Aber dieses Labor war fast steril sauber, und das wäre es nicht mehr, wenn ein Teil von dem Dreck und Müll, den Billy herumliegen hatte, in das Labor käme. Vielleicht würde Fergus seine Versuche irgendwann fortsetzen, aber es würde sehr lange dauern, den sterilen Zustand seines Labors wieder herzustellen.

"Repus!" grölte Hamstilidamst, als sie in den vollgekramten Raum kamen.

"Danke, Spock, danke", säuselte Dabi.

Beiden fiel nicht besonders auf, wie es hier aussah. Das einzige, was ihnen auffiel, war eine offene Dose mit Butterkeks, einige verschüttete Cornflakes und zwei Äpfel. Spock hatte reichlich Zeit, allerlei Dinge ins Labor zu bringen und dort zu verteilen. Wenn er hiermit fertig war, würde die Luft nur so wimmeln von Bakterien.

Zum Schluss rollte er Billy ins Labor, der wahrscheinlich die größte Bakterienschleuder überhaupt war. Dann zog er mit Hilfe des Dietrichs die Tür hinter sich zu, sammelte die Hamster ein und machte sich auf den Heimweg. Als er über den Parkplatz ging, sah er eine Gestalt die Straße entlangkommen. Er blieb stehen und dachte darüber nach, wie er all das, was geschehen war, seinem Captain erklären sollte.

Captain Kirk hatte in seinem Hotelbett tief und fest geschlafen. Irgendwann hatte er einen sehr lustigen Traum gehabt, in dem ein Hamster auf seiner Brust saß, ihn kläglich ansah und immerzu "Entschuldigung! Entschuldigung!" rief.

Er wachte auf und stellte fest, dass ein Hamster auf seiner Brust saß, ihn kläglich ansah und immerzu "Entschuldigung! Entschuldigung!" rief.

"Ä-ä-a-a?" machte er verwirrt.

"Entschuldigung, mein Name ist Hupi. Ich bin die Kusine von Dabi. Sie sagte mir, dass ihr uns verstehen könnt, dass wir mit euch sprechen können."

"Ja-a-a?" fragte er verschlafen.

"Oh, das ist schön, das freut mich sehr. Ich bin Hupi, und Dabi ist meine Kusine. Sie macht bei mir Urlaub, während ihr Chef sich in ferne Länder verflogen hat. Also, nicht, dass er ein Vogel ist, der sich verflogen hat. Er ist in ein Flugzeug gestiegen und hat sich verflogen. Also ist Dabi bei mir zu Besuch ööt ööt."

"Ähä", machte Kirk.

"Oh, das ist schön, dass du das verstehst. Sie traf hier auf Hamstilidamst, das ist wohl ein alter Bekannter von ihr. Zuerst hat er mir das Leben gerettet, denn ich saß in einem Luftschacht fest und habe mich da schrecklich erkältet."

"Ach?"

"Oh, vielen Dank für dein Mitgefühl, es geht mir schon viel besser. Ein wenig weicher Käse, ein Schälchen voll Porridge, etwas Tee mit Honig, das wirkt Wunder."

"Hum!"

"Oh, wie schön, dass du mit mir einer Meinung bist! Später war Hamstilidamst dann sehr, sehr, sehr unfreundlich zu mir, und ich will ihn nicht wieder sehen. Er hat mich durchgeschüttelt!"

"Öm", machte Kirk mit mehr Verständnis für Hamstilidamst als für diese redegewaltige Hamsterin.

"Weil ich ihm nicht schnell genug erzählte, dass man Gammel und Balla mit Leckereien bestechen muss, damit sie erzählen, was Fergus in seinem Labor macht. Als ich das erklärt hatte, sind die beiden dort hingegangen, um Gammel und Balla zu bestechen. Und bis jetzt ist Dabi nicht zurück. Sie hätte mir doch sicher Bescheid gesagt, selbst wenn sie nicht in mein Penthaus gekommen wäre, um bei mir zu übernachten. Nun weiß ich nicht, wo sie ist und mache mir schreckliche Sorgen ööt ööt."

Der letzte Redeschwall hatte den Captain endgültig wach gemacht. Richtig, Dabi hatte erzählt, dass sie hier ihre Kusine besuchte, und die Kusine würde ja wohl die Hamster der Umgebung kennen. So viele wilde Hamster liefen in Schottland schließlich nicht herum. Dann kannte sie die beiden beim Professor ganz sicher.

Der erste Morgendämmer fiel ins Zimmer. Kirk drehte den Kopf, um Spock zu wecken. Dann war er mit einem Satz hoch, so dass Hupi in hohem Bogen durch die Gegend flog. Spocks Bett war leer!

"Es tut mir leid", sagte er. "Es tut mir wirklich leid, Hupi. Ich glaube, ich habe begriffen, was passiert ist."

"Oh! Ja?" sagte Hupi, die im Moment nicht wusste, ob sie empört oder erleichtert sein sollte.

"Ich glaube schon. Geh erst mal nach Hause. Ich kümmere mich darum."

"Oh, da bin ich aber wirklich sehr dankbar. Und sagst du Dabi bitte, sie soll sich bei mir melden? Immerhin ist sie mein Gast und…"

"Ja. Mach ich. Nun geh mal nach Hause."

Leicht gekränkt schlüpfte Hupi durch das Fenster hinaus, während Kirk sich in Windeseile anzog.

Von irgendeinem Punkt an hatte Spock während des gesamten Abendbesuches bei McBastle etwas sonderbar reagiert. Und alles erklärte sich, wenn er dort Hamstilidamst und Dabi entdeckt und ins Labor mitgeschleppt hatte. Und auf dem Rückweg war er irgendwann vollkommen stumm geworden, und jetzt war er weg. Eigentlich passierte es nicht, dass ein Vulkanier etwas vergaß, aber wahrscheinlich hatte er wirklich die Hamster im Labor vergessen und war jetzt losgegangen, um sie zu holen. Wie er das McBastle erklären wollte, stand in den Sternen.

Der Captain wurde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Spock ihren Auftrag hier nicht wirklich ernst nahm. Allein schon seine Zuneigung zu den beiden Hamstern! Das sah ihm ganz und gar nicht ähnlich. Wenn er sich nicht insgesamt normal vulkanisch verhalten hätte, könnte man meinen, Spock hatte vielleicht doch einen Schaden von dem Lachgasanfall behalten. Aber es waren nur bestimmte Dinge, bei denen er sich wirklich ziemlich eigenartig verhielt.

Während dieser Überlegungen hatte Kirk das Hotel verlassen und sich auf den Weg in den Ort gemacht. Jetzt hatte er die Straße zu McBastle erreicht, fiel fast in Laufschritt, wurde dann aber wieder langsamer. Auch er wusste nicht, wie man dem Professor diesen Überfall am frühen Morgen vernünftig erklären konnte. Hamster sollten in der Erklärung besser nicht vorkommen.

Und dann sah er Spock. Der kam nicht vom Grundstück des Professors, sondern ging mit langen Schritten über den großen Parkplatz, der gegenüber lag. Nun sah Spock ihn auch und blieb stehen. Als Kirk näher kam, hatte er große Mühe, ernst zu bleiben. Auf jeder von Spocks Schultern hockte ein Hamster, jeder Hamster hielt elegant ein Stück Apfel zwischen den Pfoten. Zwischen den beiden war Spocks Gesicht, und dies Gesicht sagte, dass der Vulkanier keine Ahnung hatte, wie er sein Verhalten erklären sollte.

Kirk stopfte die Hände in die Hosentaschen und sagte:

"Na, kleiner Spaziergang in der Morgenluft?"

"Captain… Sir… Jim…", stotterte Spock.

"Er hat uns gerettet", verkündete Dabi. "Vor dem sicheren Hungertod."

"Na, sieh mal an."

"Es war oberkrass", sagte Hamstilidamst begeistert. "Erst haben wir das Labor in die Luft gejagt, dann hat Spock den Einbrecher zusammengeschlagen, und dann haben wir endlich was zu essen gekriegt. Es wäre der sichere Hungertod gewesen", fügte er noch hinzu, denn er fand es toll, wie Dabi das ausgedrückt hatte.

"Spock?" fragte Kirk, und seine Miene war leicht grimmig.

"Sir, ich übernehme die volle Verantwortung", erwiderte sein Erster Offizier dienstlich.

"Hier, nee, gar nicht", protestierte Hamstilidamst. "Das Labor habe ich gesprengt, nicht? Bilde dir da ja nix ein. Du hast bloß den Einbrecher und seinen ganzen Schrott da reingeschleppt."

"Ich glaube, ich möchte einen vollständigen Bericht von Ihnen haben, Mr. Spock, und wenn ich vollständig sage, dann meine ich vollständig."

"Okay", sagte Hamstilidamst. "Also, ihr habt euch von Fergus vollquatschen lassen. Und immer, wenn wir dachten, wir haben ein gutes Versteck, kam er genau da hin."

"Wir waren ständig auf der Flucht", nickte Dabi.

"Genau. Und dann waren wir auf einem Schrank. Und Fergus hat was gemacht, dass das da hinter dem Schiefer knallte. Das war aber nicht halb so gut wie meine Explosion. Und dann…"

"Hamstilidamst!" unterbrach Kirk streng. "Ich wollte einen Bericht von Spock haben, nicht von dir."

"Aber er kann ja nicht wissen, wie es uns ergangen ist, wir waren ja allein in dem Labor", wandte Dabi ein. "Nur wir wissen, was dort passiert ist."

"Ach, bist du sicher?" zischte Hamstilidamst. "Du hast doch die ganze Zeit da bloß gesessen und ein superblödes Gesicht gemacht und dich nicht bewegt."

"Erlaube mal, ich habe nachgedacht!" erwiderte Dabi empört.

"Na und? Muss man beim Denken ein blödes Gesicht machen und den Starrkrampf kriegen? Mache ich ja auch nicht."

"Du denkst auch nicht halb so viel wie ich. Ich habe die Lösung."

"Ruhe!" sagte der Captain, und zwei empörte Augenpaare richteten sich auf ihn aus. "Schluss mit dem Unsinn. Ihr streitet euch nicht, und ich will hören, was da passiert ist."

"O Mann, das erkläre ich doch gerade!"

"Ich entscheide, wer mir was erklärt, mein Kleiner."

"Grrr", machte Hamstilidamst.

Und dann war eine Polizeisirene zu hören.

Es stimmte, dass Prof. McBastle allein in seinem unterirdischen Labor arbeitete, aber ein Geheimnis war das Labor nicht. Die Messgeräte wurden ihm von einem Institut in Glasgow zur Verfügung gestellt, und für seine Arbeit bekam er ein kleines Gehalt von der Universität dort.

Er hatte überhaupt keinen Grund, daraus ein Geheimnis zu machen. Als er am frühen Morgen nach einigen schlaflosen Stunden wieder in den unterirdischen Teil seines Labors zurückging, war das Raum in einem viel fürchterlicheren Zustand als das letzte Mal. Außerdem lag ein schmierig aussehender Mensch dort herum und machte gerade Anstalten, wieder zu Bewusstsein zu kommen. Fergus hatte sofort die Polizei gerufen.

"Jim, ich denke, es ist an der Zeit, ins Hotel zurückzugehen", sagte Spock drängend.

"Aber nein, mein Lieber. Ich bin sehr neugierig, was hier passiert ist", erwiderte Kirk heimtückisch.

"Ah, guten Morgen, meine Herren", wurden sie begrüßt.

Es war der Polizist, den sie gestern Vormittag schon kennen gelernt hatten. Der Captain nickte ihm lächelnd zu, und nun blieb dem Vulkanier gar nichts übrig als auch dieses Spiel mitzumachen.

"Guten Morgen, Sir", sagte er höflich.

"Ist beim Professor etwas passiert? Er hatte doch keinen Unfall?" fragte Kirk besorgt. "Wir haben ihn gestern Abend gesund und munter verlassen."

"Ha!" rief der Polizist. "Das ist eine dieser Aussagen! Waren Sie gesund und munter, oder war er gesund und munter?"

"Wir alle waren gesund und munter", erwiderte Spock.

"Ha!" machte der Polizist wieder. "Gute Antwort. – Ach, die Tierchen habe ich doch gestern auch schon bei Ihnen gesehen. Sehr nett, sehr nett. – Nein, das Labor des Professors ist in der Nacht verwüstet worden, und er hat einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt."

"Das Labor verwüstet?!" tat der Captain maßlos erschrocken. "Das ist ja furchtbar. Welch ein Verlust für die Wissenschaft!"

"Na ja, das weiß ich nicht. – Ah, da kommt er ja."

Prof. McBastle schien geradezu auf zu Gruppe zuzukugeln, so sehr beeilte er sich. Auch der Polizist setzte sich in Bewegung, zog im Gehen sein Notizbuch hervor und sah amtlich aus.

"Leider, Leider, Sie sind da. Ach, Leider, wie schrecklich!"

Ganz kurz überlegte der Captain, ob bei Fergus eine Sicherung durchgebrannt war. Dann spürte er etwas auf seiner Schulter. Dabi war zu ihm gewechselt, richtete sich auf und wisperte ihm zu:

"Leider ist sein Name, Kirk. Ted Leider."

"Aha-a", machte Kirk. "Danke, Dabi. – Gehen wir doch mal gucken, oder?"

Der Polizist mit dem schönen Namen folgte eilig dem Professor. Der Professor erzählte mit ausholenden Armbewegungen, was passiert war. Auf einmal drehte er sich um.

"Ach Gott, ach Gott, meine Kollegen! Liebe Kollegen, es ist fürchterlich, was passiert ist. Ich begreife es noch überhaupt nicht. Die Arbeit von Jahren vernichtet, mein Labor verwüstet. Die Arbeit von Jahren!"

Jetzt nahm der Polizist ihn am Arm und führte ihn zum oberirdischen Teil des Labors. Die beiden Offiziere blieben zurück, und Kirk sah seinen Ersten Offizier fragend an.

"Irre ich mich, ob gibt es noch einen zweiten Eingang?"

"Sie irren sich nicht", erwiderte der Vulkanier, wandte sich um und blickte zu dem hässlichen Türmchen am Hang hinüber.

"Hm", machte Kirk.

Was sollte er eigentlich anstellen mit seinem Ersten Offizier? Ihr Auftrag von der Sternenflotte hatte gelautet, Prof. Fergus McBastle im schottischen Ballachulish an der Fortsetzung der frühesten Warp-Versuche zu hindern. Wie es aussah, hatten Spock und die Hamster genau das getan. Auftrag erfüllt! Dafür konnte er seinem Ersten Offizier ja nicht wirklich eine Gardinenpredigt halten.

"Es gibt etwas, worüber sich noch niemand Gedanken gemacht hat", sagte nun Spock, aber vorerst sollte keiner erfahren, was das war.

Ted Leider führte den immer noch etwas benommen wirkenden Türknacker-Billy in die frische Morgenluft, und Billy erblickte Spock.

"A-a-a-argh!" machte er. "Das ist der Kerl!"

"Nun sei mal ganz leise", sagte Leider.

"Das ist er, Walt der Knochenzermalmer, der echte Brutalo. Der hat mich so zugerichtet. Sehen Sie sich meine Flosse an." Dabei hielt er seine dick geschwollene Hand hoch. "Das war der Knochenzermalmer. Ein echter Gangster, ganz große Nummer. Und da, die beiden Monster, die haben mich auch angefallen."

"Ich sagte, sei mal leise", sprach Leider streng und sah zu den Offizieren hinüber.

Da stand Spock, aufrecht, gelassen und beinahe dünn. Seine langen, schlanken Finger sahen beim besten Willen nicht so aus als könnten sie jemandem Schaden zufügen. Und die beiden Hamster, die sich an ihre Menschen kuschelten, sahen gerade ganz besonders niedlich aus. Ted Leider schüttelte nur den Kopf und schob Billy in den Polizeiwagen. Fergus, der hinterhergekommen war, klang äußerst empört:

"Das ist ja wohl eine Frechheit sonder gleichen. Meine hoch geschätzten Kollegen… Wie können Sie es wagen?! Ach, Leider, das sind Professor Spock und Dr. Kirk aus Amerika. Sie…"

"Professor, Sie denken doch nicht, dass ich das Gesabbel glaube", unterbrach der Polizist gutmütig. "Außerdem weiß ich schon seit gestern Vormittag, dass die Herren Wissenschaftler sind und Sie besuchen wollen. Also… Einfach der Form halber, meine Herren, haben Sie zufällig Ihre Ausweise dabei?"

Der Captain schickte ein stummes Dankgebet zum Himmel, weil Dr. McCoy jetzt nicht hier war, der überhaupt keine Papiere für diese Zeit hatte. Er und Spock konnten geduldige Mienen ziehen, weil der Polizist Leider nur seine Pflicht tat. Als der die Pässe und noch dazu zwei Dienstausweise gezeigt bekam, stand er beinahe stramm, verkniff es sich aber. Höflich tippte er an seine Mütze und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ganz ungemein respektvoll klang.

"Für die NASA arbeiten Sie! Doktor! Professor! Tut mir leid, dass ich Sie belästigt habe."

"Sie sind vollkommen im Recht. Es ist durchaus keine Belästigung", gab Spock zurück.

"Dann schönen Tag noch. Ich melde mich wieder, wenn ich den Kerl abgeliefert habe, Professor."

"Ich danke Ihnen, Leider", rief Fergus dem davonfahrenden Wagen nach.

"Es klingt schon recht merkwürdig", wisperte es in Kirk Ohr, und auf Spocks Schulter raunte es:

"Recht merkwürdig? Total bescheuert klingt es. – Ich danke Ihnen leider!"

"Scht!" machte der Captain, dann folgten sie dem unglücklichen Professor in sein Labor.

Kirk hatte geraume Zeit der Mund offen gestanden, als Fergus ihnen sein Labor vorgeführt hatte. Es sah aus, als hätten die Hamster und Spock hier ganze Arbeit geleistet. Der Captain äußerte sein aufrichtiges Bedauern, und das war nicht einmal gelogen, denn Fergus tat ihm wirklich leid.

Aber sie wollten und konnten hier nicht helfen. Später am Tag würden sie sich noch einmal zusammensetzen und einiges besprechen. Im Moment gingen die Offiziere Richtung Hotel. Eine Weile schwiegen beide, nur Kirk sah Spock ab und zu von der Seite an. Schließlich nickte er beeindruckt.

"So so, Walt der Knochenzermalmer."

"Nun…", begann Spock, dann fing er Hamstilidamst auf, der vor Lachen von Spocks Schulter fiel. "Ich rief mir etwas ins Gedächtnis."

"Was? Eine Schlachterei?"

"Nein, Sir, unsere Erlebnisse auf dem Gangsterplaneten Iota."

"O ja!" stieß Kirk hervor und grinste. "Sie wollen damit sagen, Sie haben das alles dort gelernt?"

"Ich habe von Ihnen gelernt, Jim. – Das ist immer mein Bestreben", erwiderte der Vulkanier tugendhaft.

"Was Sie nicht sagen", gab der Captain säuerlich zurück.

"Dort vorn sind Dr. McCoy und Lieutenant Scott."

"Gibt’s dann Frühstück?" fragte Hamstilidamst, der sich ziemlich müde in Spocks Hand kuschelte.

"Aber sicher", erwiderte Kirk. "Ach, Dabi, ich wäre gar nicht gekommen, wenn deine Kusine Hupi mich nicht geschickt hätte. Sie macht sich große Sorgen, wo du steckst. Du solltest dich auf jeden Fall melden, wenn du zurück bist."

"Ja, das werde ich tun. Ich habe Hupi wohl ein wenig vernachlässigt."

Auch Dabi war nach dem Abenteuer müde und hatte nichts dagegen, bei Hupi im Penthaus eine Weile zu schlafen. Inzwischen waren die Offiziere zusammengetroffen, und Dr. McCoy fragte:

"Und wo habt ihr euch rumgetrieben?"

"Ach, wir haben inzwischen unseren Auftrag erfüllt."

"Du lügst", kam es verschlafen von Hamstilidamst, und der Captain lachte.

"Na gut, diese drei haben den Auftrag erfüllt. Ich bin nur dazugekommen. Kommt, Frühstück für alle, mir knurrt der Magen. – Ach, Pille! Kennst du den Mann an meiner Seite?"

"Geht’s dir noch gut, Jim? Ich kenne Spock länger als mir lieb ist."

"Ich habe den Verdacht, heute Nacht hättest du ihn nicht wieder erkannt. Er ist Walt der Knochenzermalmer."

"Wenn’s jetzt Mittag wäre, würde ich denken, du hast einen Sonnenstich!"

"Eh, Mr. Spock, was sagen Sie denn dazu?" fragte Scotty.

"Nun ja… So habe ich mich allerdings Türknacker-Billy vorgestellt."

"Spock", sagte der Doktor vorsichtig, "ich weiß, Ihre letzte Routineuntersuchung ist noch nicht lange her, aber… Sind Sie sicher, dass Sie nicht krank sind?"

Der Vulkanier, der sich das selbst schon gefragt hatte, war nicht bereit, darauf eine klare Antwort zu geben, aber er klang sehr geduldig.

"Doktor, das haben Sie mich nun schon zum zweiten Mal gefragt."

Damit betraten sie das Hotel, gingen in den Speisesaal und überließen es den beiden Hamstern, sich einen Schlafplatz zu suchen. Kirk war selbst zum Umfallen müde, aber den ausführlichen Bericht seines Ersten Offiziers wollte er doch noch haben. Dadurch fiel die Gruppe im Speisesaal auf, denn man war es hier nicht gewohnt, dass beim Frühstück einige Gäste vor Lachen brüllten.

Der Captain verkrümelte sich anschließend ins Bett. Auch Spock beschloss, dass er besser ausgeschlafen war, falls der Tag wieder eine solche Menge an Überraschungen bieten sollte. Damit verärgerten sie das Zimmermädchen, denn ein Zimmermädchen sollte sich darauf verlassen können, dass die Gäste bald nach dem Frühstück aus den Zimmern verschwanden, damit es saubermachen konnte.

Lt. Scott und Dr. McCoy waren dem Zimmermädchen da schon angenehmer, denn wie zwei anständige Touristen verließen sie das Hotel zu einem Spaziergang. Scotty hatte sowieso das Gefühl, er machte hier eher Urlaub mit einigen dienstlichen Unterbrechungen. Jetzt ging er auf die Suche nach Winkeln, die schon heute so aussahen, wie sie in seiner Zeit noch immer aussahen.

Die Brücke natürlich gab es in jeder Gegenwart. Sie war als Denkmal gepflegt worden, und der Chefingenieur war sehr interessiert, in der jetzigen Zeit einige Belastungsmessungen zu machen. In seiner Gegenwart gab es über diese Brücke fast keinen Verkehr, und er hatte immer angenommen, die Brücke könne nie besonders belastet gewesen sein. Aber die Straße, die darüber führte, war eine Hauptverkehrsader.

"Mr. Scott, können Sie nicht einfach mal die Landschaft genießen?" fragte McCoy genervt.

"Die… Och, ay, die Landschaft. Die habe ich schon genossen. Sehen Sie sich mal diese Lager hier an."

"Ich bin Arzt, kein Brückenbauer", gab Pille zurück.

"Deshalb können Sie ja doch mal gucken. Hier zum Beispiel…"

McCoy sollte nie in seinem Leben erfahren, was dort zum Beispiel war. Über einen der Stahlträger, die die Fahrbahn trugen, kam ein Hamster, langsam und taumelnd. Das war schon eher etwas für McCoy, denn offenbar war das Tierchen krank. Scotty sagte:

"Ist ja unglaublich, wie das in Schottland von Hamstern wimmelt. Das hätte ich nie geglaubt!"

"Holen Sie ihn doch mal von dem Eisending da runter, Mr. Scott. Es scheint ihm gar nicht gut zu gehen."

"Mache ich gern, aber das ist kein Eisending, das ist ein T-Träger."

"Meinetwegen ist es auch ein S-Träger."

"Ganz sicher nicht, dann wäre er nicht hier. – So, na, komm mal, mein Kleiner. Siehst ja ganz kaputt aus. Wo willst du denn hin?"

"Unglaublich!" ächzte der Hamster. "Ungeheuerlich! Unverschämt! Un… Un… Unmenschlich! Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Unsagbar, was ich mitgemacht habe. Und jetzt diese Zweibeiner! Meine Füße schmerzen, ich bin dem Zusammenbruch nahe…"

"Ja, du lieber Himmel, was ist dir denn passiert?" fragte Dr. McCoy.

"Und jetzt reden sie, als würden sie mit mir reden können. Das ist ungemein verwirrend. Ich will meinen Weg fortsetzen."

"Das kannst du ja auch. Wenn du uns sagst, wohin du willst, können wir dich vielleicht ein Stück tragen – wenn deine Füße so wehtun", schlug Scotty vor.

Keine Antwort. Der Hamster saß stumm und bewegungslos in Dr. McCoys Hand. Vorsichtig hob er schließlich den Kopf.

"Ich soll euch sagen, wo ich hin will?"

"Ja, bitte."

Wieder Schweigen. Es verging eine ganze Weile, in der der Hamster sehr still für sich nachdachte. Dann:

"Ihr versteht mich?"

"Ja, wir verstehen dich."

"Ah! – Das verändert die Sachlage beträchtlich."

"Haben Sie auch das Gefühl, seine Wortwahl erinnert ein bisschen an die von Dabi?" fragte McCoy, und in seiner Hand zuckte es.

"Von wem?!"

"Eine Hamsterin, die wir hier kennen gelernt haben. Sie heißt Dabi."

"Allen Hamstergöttern sei Dank", schnaufte der Hamster. "Dabi ist die Hamsterin, die ich suche. Sie ist meine Assistentin. Ich war…"

"Balthasar!!" riefen McCoy und Scott wie aus einem Munde.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 15) - Wieder mal Ärger mit der Polizei